{"id":1250,"date":"2007-12-09T11:54:13","date_gmt":"2007-12-09T11:54:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=1250"},"modified":"2007-12-09T11:54:13","modified_gmt":"2007-12-09T11:54:13","slug":"freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=1250","title":{"rendered":"Freund und Verfolger &#8211; Methoden und Mechanismen staatstragender Medienarbeit"},"content":{"rendered":"<h3>von Norbert P\u00fctter und Heiner Busch<\/h3>\n<p><b>Wenn es um Polizei und Medien geht, f\u00e4llt regelm\u00e4\u00dfig der Ausdruck &#8222;Spannungsverh\u00e4ltnis&#8220;. Was sich dahinter verbirgt, wurde 2007 exemplarisch deutlich: systematische polizeiliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit rund um den G8-Gipel auf der einen, Strafverfahren gegen und \u00dcberwachung von JournalistInnen auf der anderen Seite. Dieser Spagat hat System.<\/b><\/p>\n<p>Vorbei sind die Zeiten, in denen die Medien als der eigentliche Gegner der Exekutive galten. Eine eigene und aktive \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu betreiben, geh\u00f6rt mittlerweile zum Standard jeder gut gef\u00fchrten Beh\u00f6rde. &#8222;\u00d6ffentlichkeitsarbeit&#8220;, so hei\u00dft es in der verbindlichen Polizeidienstvorschrift 100, &#8222;dient dazu, polizeiliches Handeln f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit transparent und verst\u00e4ndlich zu machen&#8220;. Und selbst die Geheimdienste haben erkannt, dass sie sich keinen Gefallen tun, wenn sie sich hinter den Z\u00e4unen ihrer Dienstsitze verstecken und ansonsten auf die geheime Natur ihrer T\u00e4tigkeit verweisen. &#8222;\u00d6ffentlichkeit&#8220; ist zu einer Ressource modernen Beh\u00f6rdenhandelns geworden: Sie verspricht Legitimation, Unterst\u00fctzung und Akzeptanz.<!--more--><\/p>\n<p>Traditionelles Element der \u00f6ffentlichen (Selbst-)Darstellung von Polizei und Geheimdiensten sind deren j\u00e4hrliche Berichte und Prognosen \u00fcber die Entwicklung von Kriminalit\u00e4t und Gefahren. Die regelm\u00e4\u00dfig von Pressekonferenzen und -erkl\u00e4rungen begleitete Ver\u00f6ffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), aber auch der seit den 90er Jahren in Mode gekommenen &#8222;Lageberichte&#8220; zu einzelnen Kriminalit\u00e4tsbereichen, geh\u00f6ren zu den &#8222;Pflichtstoffen&#8220; der JournalistInnen.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn1\" name=\"fnverweis1\">[1]<\/a> Dabei f\u00e4llt die mediale Wiedergabe in der Regel hinter jene Differenzierungen zur\u00fcck, die die beh\u00f6rdlichen Dokumente selbst vornehmen: Im kurz gefassten Zeitungsartikel gerinnt ein Anstieg der Fallzahlen in der PKS zu einem Anstieg der Kriminalit\u00e4t; und der Enth\u00fcllungsjournalist verkauft polizeiliche Szenarien als Realit\u00e4tsbeschreibungen, weil sich das Buch dann spannender liest.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn2\" name=\"fnverweis2\">[2]<\/a> Gerne und unkritisch transportiert werden auch die &#8222;Fakten&#8220; und Bewertungen der j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzberichte. In diesem Sinne ist die exekutive \u00d6ffentlichkeitsarbeit au\u00dferordentlich erfolgreich. Sie st\u00f6\u00dft auf Seiten der Medien kaum auf Korrektive. Viel zu h\u00e4ufig ziehen sich diese auf blo\u00dfen &#8222;Verlautbarungs-Journalismus&#8220; zur\u00fcck und reproduzieren damit kritiklos die beh\u00f6rdlichen Definitionen von Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Zur medialen Unterst\u00fctzung der Polizeien tragen seit Jahrzehnten zudem Sendungen wie &#8222;Aktenzeichen xy&#8220; und entsprechende Formate der Privatsender bei. Dank der Schwemme an (fiktionalen) Krimis d\u00fcrfte es keine \u00f6ffentliche Beh\u00f6rde geben, die h\u00e4ufiger als die Polizei in den Medien pr\u00e4sent ist. Dabei ger\u00e4t die Darstellung regelm\u00e4\u00dfig positiv, denn am Ende ist der Fall gel\u00f6st, die Rechtsordnung wiederhergestellt und das Rechtsgef\u00fchl gest\u00e4rkt. Kein Wunder, dass die Polizeien der Republik derartige Produktionen als Chance f\u00fcr ihre \u00d6ffentlichkeitsarbeit begreifen und sie vertrauensvoll unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h4>Embedded journalism<\/h4>\n<p>Aus polizeilicher Sicht ist das &#8222;Vertrauensverh\u00e4ltnis&#8220; zu MedienvertreterInnen der Schl\u00fcssel zu einer erfolgreichen \u00d6ffentlichkeitsarbeit.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn3\" name=\"fnverweis3\">[3]<\/a> Umgekehrt er\u00f6ffnen sich auf der Basis gegenseitigen Vertrauens auch neue Informationszug\u00e4nge f\u00fcr JournalistInnen. Die Elemente einer derartigen Kontaktpflege reichen von der Einladung zu Hintergrundgespr\u00e4chen bis zur Vermittlung exklusiver Stories oder Bilder. Dass JournalistInnen sich als informelle MitarbeiterInnen f\u00fcr Geheimdienste einspannen lie\u00dfen,<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn4\" name=\"fnverweis4\">[4]<\/a> wird gl\u00fccklicherweise immer noch als Skandal empfunden. F\u00e4lle einer nebenberuflichen T\u00e4tigkeit von Medienschaffenden f\u00fcr die Polizei sind dem gegen\u00fcber nur vereinzelt bekannt geworden.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn5\" name=\"fnverweis5\">[5]<\/a> Doch auch hier d\u00fcrfte das Dunkelfeld mit Sicherheit ziemlich gro\u00df sein. Kontakte zu &#8222;sogenannten \u201aVertrauensjournalisten\u2018&#8220; zu kn\u00fcpfen, war das erkl\u00e4rte Ziel, als Mitte der 90er Jahre die Ausgaben des Bundeskriminalamtes (BKA) f\u00fcr &#8222;Presse- und Informationsveranstaltungen&#8220; auf 30.000 DM verdoppelt wurden. Die Bundesregierung betonte damals jedoch, dass diese JournalistInnen weder vom BKA Leistungen erhielten, noch selbst Leistungen f\u00fcr das Amt erbr\u00e4chten.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn6\" name=\"fnverweis6\">[6]<\/a> Mitunter helfen Medien auch gerne der Polizei: So entsprachen verschiedene Fernsehsender dem Wunsch der Polizei und \u00fcberlie\u00dfen ihr Filmaufnahmen \u00fcber den ersten Castor-Transport 1995. Mit diesem Material sollte ein Schulungsvideo f\u00fcr PolizistInnen erstellt werden.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn7\" name=\"fnverweis7\">[7]<\/a> Wie hoch im Rahmen von medien-polizeilichen Vertrauensverh\u00e4ltnissen die journalistische Gegenleistung sein muss, h\u00e4ngt im Einzelfall von der Position und vom Geschick des\/der MedienvertreterIn ab; insgesamt kann dieses Miteinander zum gegenseitigen Vorteil aber nur so lange Bestand haben, wie nicht zu viel oder \u2013 aus Polizeisicht \u2013 das Falsche berichtet wird.<\/p>\n<p>Zu einer professionalisierten \u00d6ffentlichkeitsarbeit geh\u00f6rt auch, dass besondere Eins\u00e4tze gezielt vorbereitet und begleitet werden. Ob zum Berliner 1. Mai, ob zu den Castor-Transporten oder zum G8-Gipfel: eine offensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit geh\u00f6rt zum integrierten Bestandteil polizeilicher Einsatzkonzepte, die durch einen gesonderten Einsatzabschnitt &#8222;\u00d6ffentlichkeitsarbeit&#8220; wahrgenommen werden soll. Sie wird definiert als &#8222;planvolles, gezieltes Einwirken der Polizei auf bestimmte Zielgruppen im Rahmen eigener M\u00f6glichkeiten oder \u00fcber Medien, um kurz bevorstehende oder bereits begonnene Einsatzma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen oder nach Beendigung von Einsatzma\u00dfnahmen die Ergebnisse und Wirkungen zu erl\u00e4utern&#8220;.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn8\" name=\"fnverweis8\">[8]<\/a> Dabei geht es nicht allein darum, anfallende Informationen zu b\u00fcndeln und Ansprechpartner f\u00fcr Informationsw\u00fcnsche zu schaffen. Vielmehr wird der Einsatz selbst mediengerecht ausgebaut. Im Handbuch der Europ\u00e4ischen Union \u00fcber Gewalt im Zusammenhang mit Fu\u00dfballspielen widmen sich 16 von insgesamt 44 Seiten dem Thema &#8222;Medienpolitik und Kommunikationsstrategie&#8220;.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn9\" name=\"fnverweis9\">[9]<\/a> Als erstes von vier zu erreichenden Zielen nennt die zust\u00e4ndige Arbeitsgruppe des EU-Ministerrates, ein positives Bild der Polizei zu vermitteln. Um erfolgreiche Medienarbeit betreiben zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten bereits im Voraus Beziehungen zu den Medien aufgenommen werden; die beteiligten Beh\u00f6rden m\u00fcssten sich absprechen, um Widerspr\u00fcche zwischen ihren Aussagen zu verhindern; und schlie\u00dflich seien &#8222;spezifische Medienprojekte&#8220; ins Leben zu rufen, damit die polizeilichen Botschaften ausreichend zur Kenntnis genommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel zur medialen Begleitung eines Demonstrationseinsatzes zeigt, was das praktisch bedeutet: Weil sie einen Nazi-Aufmarsch gesch\u00fctzt und Gegen-DemonstrantInnen verpr\u00fcgelt hatte, war die Dortmunder Polizei Anfang 2001 auch in den Zeitungen kritisiert worden. Bei einer bevorstehenden Wiederholung dieser Konstellation sollte nun &#8222;schlechte Presse&#8220; vermieden werden. PolizistInnen zogen dazu nicht nur durch 71 Schulen und referierten vor insgesamt 8.000 Sch\u00fclerInnen zum Thema &#8222;Sicher demonstrieren&#8220;. Vielmehr verpackte die Polizei diese Aktion in einfache Botschaften, lieferte Zitate des Polizeipr\u00e4sidenten und lud JournalistInnen ein, die BeamtInnen bei ihren Vortr\u00e4gen zu begleiten. Zugleich sorgte die Polizei daf\u00fcr, dass das Innenministerium die Dortmunder Kampagne unterst\u00fctzte; \u00fcber die Deutsche Presseagentur wurden Kernaussagen verbreitet, die die lokalen Medien bereitwillig \u00fcbernahmen. Am Einsatztag schlie\u00dflich wurden mobile polizeiliche Presseteams mit Digitalkameras ausger\u00fcstet, um gegebenenfalls Gewalt gegen Polizisten in der anschlie\u00dfenden Pressekonferenz zeigen zu k\u00f6nnen. Auch das Material der Beweissicherungsteams sollte dort genutzt werden.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn10\" name=\"fnverweis10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Betrachtet man die Konstellation insgesamt, so sind Medien und Polizei eher Verb\u00fcndete als Kontrahenten. Die Staatsmacht sieht sich im Kampf gegen Gefahren, Verbrechen, das B\u00f6se schlechthin; das sind per se Themen mit Nachrichtenwert. Dass Kriminalit\u00e4t ein seltenes Ph\u00e4nomen ist, ist zwar eine Tatsache, aber keine Meldung. Friedliche Demonstrationen erzeugen erheblich weniger Resonanz als Randale, auch wenn diese nur von wenigen ausgeht. Wenn die Polizei zudem ihre Selbstdarstellung den massenmedialen Regeln anpasst, indem sie vereinfacht und personalisiert, Anl\u00e4sse und Stories schafft, Bilder und &#8222;statements&#8220; liefert, dann bedient sie das \u00f6ffentliche Bed\u00fcrfnis nach Sensationen, nach einfachen Schuldzuschreibungen und einer Schwarz\/ Wei\u00df-Sicht auf die Welt. In den etablierten Massenmedien wird eine solche \u00d6ffentlichkeitsarbeit dankbar aufgenommen und willf\u00e4hrig verbreitet.<\/p>\n<h4>Wir k\u00f6nnen auch anders<\/h4>\n<p>Neben den Versuchen, JournalistInnen durch informationelle \u2013 mitunter auch materielle \u2013 Verlockungen an den Apparat zu binden, dem vertrauensvollen Geben und Nehmen, an dem sich die Medienschaffenden durchaus aktiv beteiligen, gibt es jedoch auch den Missbrauch, die Strategien des Ausschlusses und die offenen Repressalien: Der Missbrauch beginnt dort, wo die Polizei den besonderen Status der Medien nutzt, um ihre Ziele zu erreichen. Dass Polizisten sich auf Demonstrationen als Journalisten tarnen, hat man lange nicht mehr geh\u00f6rt. Dass die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden aber journalistische Arbeit f\u00fcr ihre Ermittlungen instrumentalisieren, ist eine dauerhafte Bedrohung der Pressefreiheit: Von der Beschlagnahme von Medienmaterial und der Durchsuchung von Redaktionsr\u00e4umen bis zur \u00dcberwachung des Telefon- und Briefverkehrs reicht das Spektrum strafverfolgerischer Ma\u00dfnahmen. In der Regel richten sich diese Verfahren nicht gegen die JournalistInnen selbst; vielmehr wird versucht, \u00fcber ihre Kontakte \u00fcberhaupt erst Verd\u00e4chtige zu finden oder deren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Eine solche Indienstnahme l\u00e4uft auf Dauer auf das Ende von Recherchen und damit amtsunabh\u00e4ngiger Berichterstattung hinaus.<\/p>\n<p>N\u00f6rgler schafft man sich auf einfache Weise vom Hals, indem man sie einfach nicht zu Hintergrundterminen einl\u00e4dt oder ihnen die Akkreditierung verweigert, wo eine solche erforderlich ist.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn11\" name=\"fnverweis11\">[11]<\/a> Jenseits dessen beginnt der Bereich, in dem die Medien als die eigentlichen Gegenspieler von Polizei, Diensten und Staatsraison behandelt werden. Denn von der &#8222;Spiegel&#8220;- bis zur &#8222;Cicero-Aff\u00e4re&#8220;, von der Observation Erich Schmidt-Eenbooms bis zur Strafanzeige des Bundestagspr\u00e4sidenten im Zusammenhang mit dem BND-Untersuchungsausschuss \u2013 immer geht es dabei darum, die undichten Stellen zu identifizieren, die eine Berichterstattung jenseits der offiziellen Linie der Beh\u00f6rden erlauben.<\/p>\n<p>Wer den kritischen Auftrag des Journalismus ernst nimmt, muss mit Repressionen rechnen.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn12\" name=\"fnverweis12\">[12]<\/a> Neben der permanenten Drohung mit strafrechtlicher Verfolgung besteht f\u00fcr kritische Medienschaffende zuweilen auch ein k\u00f6rperliches Risiko, insbesondere wenn es sich um BildjournalistInnen handelt. Als die Lage im Lande noch unruhiger als gegenw\u00e4rtig war, erkl\u00e4rte es der damalige Berliner Innensenator Wilhelm Kewenig zum normalen &#8222;Berufsrisiko&#8220; von JournalistInnen, im Rahmen von Demonstrationseins\u00e4tzen Pr\u00fcgel abzubekommen.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn13\" name=\"fnverweis13\">[13]<\/a> Die Realit\u00e4t in Deutschland best\u00e4tigt diese zynische Diagnose; immer wieder werden JournalistInnen Opfer polizeilicher Gewalt: F\u00fcr die Jahre 1990 bis 1992 registrierte die Fachgruppe Journalismus der IG Medien neun \u00dcbergriffe auf KollegInnen.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn14\" name=\"fnverweis14\">[14]<\/a> Die Misshandlung des Fotografen Oliver Ne\u00df 1994 in Hamburg, die vor laufenden Kameras stattfand, stellt einen der bekanntesten F\u00e4lle gezielter polizeilicher Journalistenmisshandlung dar. Am 1. Mai 1999 verletzte die Berliner Polizei acht JournalistInnen.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn15\" name=\"fnverweis15\">[15]<\/a> Und auch w\u00e4hrend der Demonstrationen gegen den diesj\u00e4hrigen G8-Gipfel gab es die aggressive Aufforderung, das Filmen zu unterlassen, gab es Festnahmen von Fotografen, gab es die per Lautsprecher vorgetragene Warnung an die &#8222;Vertreter der Medien&#8220;, jetzt sei die letzte Gelegenheit, den &#8222;Bereich polizeilicher Ma\u00dfnahmen&#8220; zu verlassen \u2013 zu ihrer eigenen Sicherheit.<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fn16\" name=\"fnverweis16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Die handgreiflich werdende Aversion gegen die Medien hat durchaus System: An den \u00dcbergriffen auf Fotografen und Kameraleute wird besonders deutlich, dass es hier um den Kampf um Bilder geht. Denn anders als Worten wird dem Bild unmittelbare Beweiskraft zugesprochen. Wer sich deshalb in der Mediengesellschaft erfolgreich inszenieren will, der muss den Kampf um die &#8222;richtigen&#8220; Bilder gewinnen. Gelingt das nicht auf sanfte Art (s.o.), dann geht&#8217;s mit dem Strafrecht oder etwas handgreiflicher zur Sache.<\/p>\n<h4>Mediokratie \u2013 das letzte Gefecht?<\/h4>\n<p>Die beschriebenen Ph\u00e4nomene bestehen in autorit\u00e4ren Staaten nicht; dort ist klar, dass kritische Medien als Staatsfeinde zu behandeln sind. In liberalen Demokratien befindet sich die vielger\u00fchmte Pressefreiheit \u2013 jenseits ihrer Entwertung durch Konzentration und Kapitalisierung des Mediensektors \u2013 auf dem schmalen Grad zwischen staatlicher Vereinnahmung auf freiwilliger Basis und permanenter Missbrauchs- und Verfolgungsdrohung. Die Chancen der &#8222;vierten Gewalt&#8220;, die ihr zugeschriebenen Aufgaben einer \u00f6ffentlichen Kontrolle der Staatsgewalt wahrnehmen zu k\u00f6nnen, sind deshalb sehr beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4ren kritische Medien wichtiger denn je \u2013 gerade weil die &#8222;erste&#8220; Gewalt, die Parlamente und die darin vertretenen Parteien systematisch versagen, wenn es um die Kontrolle und Steuerung der Exekutive geht. Jenseits ihrer Unterlegenheit im Hinblick auf den Umfang und die Qualifikation des Personals, werden die Parlamente durch die Loyalit\u00e4t der Mehrheit gegen\u00fcber der von ihr gew\u00e4hlten Regierung geschw\u00e4cht. Die Opposition kann in diesem System nur schwer Gegen\u00f6ffentlichkeiten erzeugen. Man schaue sich nur die lapidar-abwiegelnden Antworten an, mit denen Regierungen auf parlamentarische Anfragen gerade zum Sicherheitsbereich reagieren. Symptomatisch f\u00fcr diese Konstellation sind die \u2013 zwischenzeitlich wieder eingestellten \u2013 Ermittlungen gegen JournalistInnen im Zusammenhang mit dem BND-Untersuchungsausschuss: Vom Parlament ging keine Gefahr aus, weil der Ausschuss durch Mehrheitsverh\u00e4ltnisse und Geheimhaltungspflichten neutralisiert war. Gefahr drohte allein von den Medien.<\/p>\n<p>Vielleicht erkl\u00e4ren sich die Repressionen gegen Medien, die zwar nicht ausschlie\u00dflich, aber vorzugsweise kritische Medien treffen, aus dieser Perspektive. Weil von den Parlamenten nur wenig zu bef\u00fcrchten ist, erscheinen die Medien als die letzten potentiellen St\u00f6renfriede im Management des Staatsgesch\u00e4fts. Sofern es nicht gelingt, diese auf die sanfte Art zu kooptieren, liegt es deshalb nahe, ihr den kritischen Stachel zu ziehen \u2013 mal mit den Mitteln des Strafrechts, mal mit dem des Polizeikn\u00fcppels.<\/p>\n<h5>Norbert P\u00fctter und Heiner Busch sind Redakteure von B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP.<\/h5>\n<h6><a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis1\" name=\"fn1\">[1]<\/a> etwa auf www.bka.de zu Organisierter Kriminalit\u00e4t, Wirtschaftskriminalit\u00e4t, Korruption, Geldw\u00e4sche etc.<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis2\" name=\"fn2\">[2]<\/a> exemplarisch f\u00fcr journalistische B\u00fccher etwa zur &#8222;Organisierten Kriminalit\u00e4t&#8220;, die auf &#8222;exklusiv&#8220; zug\u00e4nglich gemachten polizeilichen Berichten fu\u00dfen: Leyendecker, H.: Mafia im Staat, G\u00f6ttingen 1992; Roth, J.: Die Verbrecher-Holding, Z\u00fcrich 1994<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis3\" name=\"fn3\">[3]<\/a> s. Bielstein, K.: Polizei und Medien, in: Kniesel, M.; Kube, E.; Murck, M. (Hg.): Handbuch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Polizei, L\u00fcbeck 1996, S. 1035-1058 (1047)<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis4\" name=\"fn4\">[4]<\/a> s. f\u00fcr den BND: Bissinger, M.: Bundesnachrichtendienst: Warum so viele Journalisten f\u00fcr den Geheimdienst arbeiten, in: J\u00fcrgens, E.; Spoo, E. (Hg.): Unheimlich zu Diensten. Medienmi\u00dfbrauch durch Geheimdienste, G\u00f6ttingen 1987, S. 57-72<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis5\" name=\"fn5\">[5]<\/a> Frankfurter Rundschau v. 2.2.1988<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis6\" name=\"fn6\">[6]<\/a> BT-Drs. 13\/2127 v. 9.8.1996, S. 6; s.a. Berliner Zeitung v. 8.3.1995<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis7\" name=\"fn7\">[7]<\/a> Frankfurter Rundschau v. 26.4.1996<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis8\" name=\"fn8\">[8]<\/a> Erl\u00e4uterung zur Polizeidienstvorschrift 100, zit. n. Wartemann, F.: Einsatzbegleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Deutsches Polizeiblatt 1996, S. 17-21 (17)<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis9\" name=\"fn9\">[9]<\/a> Rats-Dok. 14545\/06 v. 28.11.2007<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis10\" name=\"fn10\">[10]<\/a> Messer, B.: Professionelle Konfliktmoderation bei Eins\u00e4tzen aus besonderen Anl\u00e4ssen, in: Die Polizei 2003, H. 6, S. 163-166<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis11\" name=\"fn11\">[11]<\/a> etwa die zun\u00e4chst verweigerte Akkreditierung eines taz-Journalisten zum G8-Gipfel, s. taz v. 2.6.2007<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis12\" name=\"fn12\">[12]<\/a> Lederer, A.: Pressefreiheit light. Durchsuchungen als Mittel der Einsch\u00fcchterung, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 2005, H. 3 (82), S. 76-81<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis13\" name=\"fn13\">[13]<\/a> s. Werkentin, F.: Der Kampf um Bilder. Oder: Warum pr\u00fcgeln Polizisten JournalistInnen, in: vorg\u00e4nge 1988, H. 6 (96), S. 1-6<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis14\" name=\"fn14\">[14]<\/a> Berliner Morgenpost v. 16.11.1995<br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis15\" name=\"fn15\">[15]<\/a> IG Medien, Fachgruppe Journalismus (dju): H\u00e4nde weg von den Medien, Teil 1: <a href=\"http:\/\/%20dju.verdi.de\/service\/publikationen\/haende_weg\/data\/Haende_weg_Faelle_Teil_1.pdf\">http:\/\/ dju.verdi.de\/service\/publikationen\/haende_weg\/data\/Haende_weg_Faelle_Teil_1.pdf<\/a><br \/>\n<a href=\"\/2007\/12\/09\/freund-und-verfolger-methoden-und-mechanismen-staatstragender-medienarbeit\/#fnverweis16\" name=\"fn16\">[16]<\/a> s. Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie: Gewaltbereite Politik und der G8-Gipfel, K\u00f6ln 2007, u.a. S. 97 und 107<\/h6>\n<p>Bibliographische Angaben: P\u00fctter, Norbert; Busch, Heiner: Freund und Verfolger. Methoden und Mechanismen staatstragender Medienarbeit, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 88 (3\/2007), S. 3-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Norbert P\u00fctter und Heiner Busch Wenn es um Polizei und Medien geht, f\u00e4llt regelm\u00e4\u00dfig<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,94],"tags":[437,745,813,1155],"class_list":["post-1250","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-088","tag-desinformation","tag-heiligendamm","tag-journalismus","tag-pressearbeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1250"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1250\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}