{"id":12561,"date":"2015-04-17T09:21:33","date_gmt":"2015-04-17T09:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/cilip.site36.net\/?p=12561"},"modified":"2015-04-17T09:21:33","modified_gmt":"2015-04-17T09:21:33","slug":"die-neuen-anti-terror-pakete-der-eu-der-kampf-gegen-die-auslaendischen-kaempfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=12561","title":{"rendered":"Die neuen Anti-Terror-Pakete der EU:\u00a0Der Kampf gegen die \u201eausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfer\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nicht erst seit den Anschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben die EU und ihre Mitgliedstaaten die \u201eforeign fighters\u201c im Visier, EinwohnerInnen oder gar Staatsangeh\u00f6rige der EU-Mitgliedstaaten, die nach K\u00e4mpfen in Syrien oder im Irak bzw. einer entsprechenden Ausbildung im Jemen nach Europa zur\u00fcckkehren. Sie sind die Legitimation f\u00fcr eine ganze Serie neuer Anti-Terror-Ma\u00dfnahmen.<\/strong><\/p>\n<p>Mit mehreren Gesetzes\u00e4nderungen will die Bundesregierung \u201eausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfern\u201c zu Leibe r\u00fccken. Zur Verhinderung einer \u201eTerrorismusfinanzierung\u201c will sie verd\u00e4chtigte Finanzstr\u00f6me ausforschen lassen. Die Ausreise zur Teilnahme an \u201eTerror-Camps\u201c soll unter Strafe gestellt werden. Verd\u00e4chtigen droht k\u00fcnftig der Passentzug. Und es soll m\u00f6glich sein, einen \u201eErsatz-Personalausweis\u201c auszustellen, der nicht zur Ausreise berechtigt. Die Bundesregierung bezeichnet die neuen Gesetze als \u201eTeil einer seitens des Bundes verfolgten Gesamtstrategie\u201c, zu der auch Ma\u00dfnahmen im Ausl\u00e4nderrecht geh\u00f6ren.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Auf EU-Ebene werden weitere, weitreichende Grundrechtseingriffe durchgepeitscht. Viele der Ma\u00dfnahmen sind seit einigen Jahren in der Pipeline. Ihre Durchsetzung wird nun vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forciert. Die im September beschlossene Resolution 2178 identifiziert eine \u201eakute und zunehmende Bedrohung, die von ausl\u00e4ndischen terroristischen K\u00e4mpfern ausgeht\u201c und schreibt den UN-Mitgliedstaaten die \u00dcberwachung von Verd\u00e4chtigen vor.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die Resolution und die darin enthaltenen Forderungen waren zuvor bei Treffen der EU-Kommission mit dem US-Heimatschutzministerium und im informellen Treffen der \u201eG6+1\u201c er\u00f6rtert worden \u2013 der Gruppe der sechs einwohnerst\u00e4rksten EU-Staaten, an der seit acht Jahren auch die USA teilnehmen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Zuvor hatte der Europ\u00e4ische Rat kurze Schlussfolgerungen zu \u201eausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfern\u201c verabschiedet, in denen die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, in vier priorit\u00e4ren Bereichen aktiv zu werden: Pr\u00e4vention, Ermittlung und Aufsp\u00fcren von Reisebewegungen, strafrechtliche Reaktion und Zusammenarbeit mit Drittl\u00e4ndern.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Auf ihrem ersten Treffen unter italienischer Pr\u00e4sidentschaft im Juli 2014 verabredeten die EU-In\u00adnen\u00admini\u00adsterInnen einen \u201eAktionsplan gegen die Bedrohung durch zur\u00fcckkehrende Dschihadisten\u201c und erneuerten die \u201eStrategie zur Bek\u00e4mpfung von Radikalisierung und Anwerbung f\u00fcr den Terro\u00adrismus\u201c.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Auch der Europ\u00e4ische Ausw\u00e4rtige Dienst (EAD) hat ein Strategiepapier mit den Mitgliedstaaten abgestimmt, dem die Anti-Terror-Ratsar\u00adbeits\u00adgrup\u00adpe im Oktober zustimmte und das anschlie\u00dfend an den Rat f\u00fcr Au\u00dfen\u00adbeziehungen weiter gereicht wurde. Das unver\u00f6ffentlichte Papier, so die Bundesregierung, fasse \u201edie zahlreichen internen wie externen Aspekte\u201c zusammen und enthalte konkrete Handlungsempfehlungen<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.<\/p>\n<p>Die niederl\u00e4ndische Polizei startete 2013 das mittlerweile wieder beendete Projekt \u201eQuick Scan lnsight into Terrorist Travel\u201c, an dem auch Deutschland, Belgien, D\u00e4nemark, Frankreich, Spanien, Schweden sowie Gro\u00dfbritannien beteiligt waren. In einem internen Papier werden Empfehlungen aufgef\u00fchrt, \u201eum vermehrt festgestellte Ausreisen von Islamisten in das Jihadgebiet zu verhindern\u201c. Hierzu geh\u00f6rt neben der Vorratsspeicherung von Fluggastdaten (PNR) auch die verbesserte Kooperation mit \u201eTransitstaaten terroristischer Reisebewegungen\u201c, womit im konkreten Fall die T\u00fcrkei gemeint ist.<\/p>\n<h4>\u201eAnti-Terror-Koordinator\u201c gewinnt an Bedeutung<\/h4>\n<p>Viele der EU-Ma\u00dfnahmen gehen auf Initiativen des \u201eAnti-Terrorismus-Koordinators\u201c (ATK) der EU, Gilles de Kerchove, zur\u00fcck. Im Oktober legte Kerchove einen Bericht und ein \u201eFollow-up\u201c mit einer Roadmap zu den Ratschlussfolgerungen vom August vor.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Ende November folgte sein Papier \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer und R\u00fcckkehrer\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> und Anfang Dezember ein \u201eDiskussionspapier\u201c zum gleichen Thema. Eigentlich ist die Funktion des ATK nur eine beratende; er soll in regelm\u00e4\u00dfigen Berichten neue Ma\u00dfnahmen gegen Terrorismus vorschlagen.<\/p>\n<p>Mit der 2013 eingerichteten \u201eGruppe der 9\u201c verf\u00fcgt de Kerchove inzwischen auch \u00fcber einen Arbeitszusammenhang zum Ph\u00e4nomen \u201eAusl\u00e4ndische K\u00e4mpfer\u201c. Der informelle Kreis wurde auf Initiative von Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Irland, Niederlande, Schweden und Spanien eingerichtet. Mittlerweile geh\u00f6ren \u00d6sterreich, Polen und Italien ebenfalls dazu. Mehrmals waren auch Regierungen von Drittstaaten zu Treffen eingeladen, darunter die USA, Kanada und Australien, Jordanien, Marokko, Tunesien und die T\u00fcrkei. Laut Bundesregierung finden Treffen der \u201eGruppe der 9\u201c gew\u00f6hnlich \u201eim Vorfeld oder am Rande\u201c von Ratssitzungen der Justiz- und InnenministerInnen statt. Offiziell handelt es sich hier nur um die \u201e\u00fcbliche exekutive zwischenstaatliche Zusammenarbeit\u201c. Tats\u00e4chlich werden in der \u201eGruppe der 9\u201c EU-Vorhaben politisch vorgespult: Die Treffen h\u00e4tten sich \u201eals impulsgebend f\u00fcr Aktivit\u00e4ten erwiesen, die auf Ebene der EU weiterverfolgt werden\u201c, erkl\u00e4rt das Bundesinnenministerium.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Nach den Anschl\u00e4gen im Januar in Paris lud der franz\u00f6sische Innenminister Bernard Cazeneuve einige EU-AmtskollegInnen zu einem spontanen Ministertreffen. Es folgte eine \u201ePariser Erkl\u00e4rung\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> zu Anti-Terror-Ma\u00dfnahmen: Bek\u00e4mpfung der Radikalisierung, mehr Kontrolle des Internet, Entwicklung einer erneuerten EU-Strategie der inneren Sicherheit, europaweite Kontrolle von Feuerwaffen, \u00c4nderung des Schengener Grenzkodex, Einf\u00fchrung der PNR-Richtlinie zur Speicherung von Fluggastdatens\u00e4tzen, Intensivierung der Zusammenarbeit mit den USA und Kanada. Die \u201ePariser Erkl\u00e4rung\u201c wurde laut einem weiteren Ratsdokument \u201evon allen Mitgliedstaaten weitgehend unterst\u00fctzt\u201c und diente als Grundlage f\u00fcr die darauffolgende Tagung EU-InnenministerInnen in Riga.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Dort wiederum verabschiedete man die \u201eGemeinsame Erkl\u00e4rung von Riga\u201c, die au\u00dfer den bereits bekannten Forderungen die Zusammenarbeit zwischen Justizbeh\u00f6rden, die Kontrolle der Terrorismusfinanzierung und die Bek\u00e4mpfung der \u201eRadikalisierung\u201c in Gef\u00e4ngnissen anmahnt.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Zudem sollten \u201eweitere legislativer Entwicklungen zur Bek\u00e4mpfung krimineller Handlungen mit terroristischem Hintergrund\u201c gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Januar 2015 hatten sich die EU-Au\u00dfenminister \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung ausgetauscht und die Verst\u00e4rkung der Zusammenarbeit mit \u201eDrittl\u00e4ndern\u201c insbesondere aus dem arabischen und dem Mittelmeerraum beschlossen. Festgehalten wurde auch der Wille zur \u201eBew\u00e4ltigung ungel\u00f6ster Krisen und Konflikte, die dem Terrorismus zutr\u00e4glich sind\u201c. Von dort stammt auch die Idee, die Repr\u00e4sentanzen der EU in \u201eeinschl\u00e4gigen L\u00e4ndern\u201c mit \u201eSicherheitsattach\u00e9s\u201c aus\u00adzustatten. Die Beratungen \u201e\u00fcber die gesamte Bandbreite der au\u00dfenpolitischen Aspekte der Terrorismusbek\u00e4mpfung\u201c sollen fortsetzt werden.<\/p>\n<p>Parallel dazu hatten sich auch die f\u00fcr Wirtschaft und Finanzen zust\u00e4ndigen MinisterInnen mit dem Ph\u00e4nomen \u201eausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer\u201c befasst. W\u00e4hrend eines Arbeitsfr\u00fchst\u00fccks wurden \u201em\u00f6gliche k\u00fcnftige Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung\u201c beraten und schlie\u00dflich in einer gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche formuliert.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Ohnehin bestehende Vorschriften in den Mitgliedstaaten sollen beschleunigt umgesetzt, die Zusammenarbeit zwischen den zentralen Meldestellen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung verst\u00e4rkt werden. Weitere Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung werden gepr\u00fcft. Im Februar legte schlie\u00dflich auch der Europ\u00e4ische Rat eine Erkl\u00e4rung zur Terrorismusbek\u00e4mpfung vor.<\/p>\n<h4>Die neuen europ\u00e4ischen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen<\/h4>\n<p>Die im Eiltempo durchgedr\u00fcckten Ma\u00dfnahmen haben eine \u00e4hnliche Dimension wie die \u201eAnti-Terror-Gesetze\u201c nach dem 11. September 2001.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Mittlerweile ist das ganze Ausma\u00df von Gesetzes\u00e4nderungen, Datensammlungen und neuen Zusammenarbeitsformen sichtbar geworden. Ein \u00dcberblick:<\/p>\n<ul>\n<li>Systematische Kontrollen von Staatsangeh\u00f6rigen der EU-Mitglied\u00adstaa\u00adten an Au\u00dfengrenzen: Diese sind laut dem Schengener Grenzkodex ausgeschlossen, zul\u00e4ssig ist lediglich \u201eMindestkontrolle\u201c zur Feststellung der Identit\u00e4t sowie zur \u00dcberpr\u00fcfung der Echtheit und G\u00fcltigkeit des Reisedokuments. Dennoch haben Deutschland und \u00d6sterreich nach Medienberichten bereits damit begonnen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Vermutlich werden besonders Reisende aus der T\u00fcrkei in einem bestimmtem Alter kontrolliert.<\/li>\n<li>Neue Kategorie zu \u201eausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfern\u201c im Schengener Informationssystem (SIS II): Damit sollen Verd\u00e4chtige bei der Einreise in die oder Ausreise aus der EU von Grenzbeh\u00f6rden erkannt und dann besonderen Ma\u00dfnahmen unterzogen werden. Auch ein Reiseverbot nach einem Passentzug w\u00fcrde dort gespeichert. Vor Einrichtung dieser Kategorie m\u00fcssten aber der entsprechende EU-Ratsbeschluss zum SIS II und die nachfolgende Verordnung ge\u00e4ndert werden.<\/li>\n<li>Einrichtung einer Europol-Datensammlung zu \u201eausl\u00e4ndischen K\u00e4mpfern\u201c: Die EU-Polizeiagentur Europol richtete eine Datei \u201eTravellers\u201c ein, um dort Angaben zu verd\u00e4chtigen Personen zu speichern. In umfangreichen Dossiers werden alle verf\u00fcgbaren Informationen \u00fcber einzelne Personen zusammengetragen. Au\u00dfer den EU-Mitgliedstaaten nehmen Australien, Norwegen und die Schweiz an der Europol-Daten\u00adsammlung teil. US-Grenzbeh\u00f6rden, Interpol, Serbien und Mazedonien wollen ebenfalls als \u201eassoziierte\u201c Drittstaaten bzw. -organisationen beteiligt werden. Die erst letztes Jahr begonnene Datensammlung \u201eTravellers\u201c enthielt zum Stichtag 31. Januar 2015 Eintr\u00e4ge zu 2.835 Personen. Europol beklagt ein \u201estark angestiegenes Datenvolumen\u201c der Datei, insbesondere fielen immer mehr Bilder und Videoaufnahmen \u201eim Zusammenhang mit der \u201aSyrienreisen-Problematik\u02bb\u201c an<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>. Um die Verarbeitung von Gesichtsbildern zu automatisieren, ist das Bundeskriminalamt (BKA) um Informationen zu einem \u201eFotovergleichs\/-identifizierungs\u00adwerk\u00adzeug\u201c gebeten worden. Dabei sei es auch um Anwendungen gegangen, die \u201ein der Erprobung oder in Planung\u201c sind.<\/li>\n<li>Interpol-Datenbank soll von Privatfirmen genutzt werden: Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat eine Datei f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente eingerichtet.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Die Datenbank soll von Grenzbeh\u00f6rden k\u00fcnftig immer gemeinsam mit dem SIS II abgefragt werden. Interpol fordert auch, Privatfirmen Zugang zu gew\u00e4hren, wenn ein Bankkonto er\u00f6ffnet, ein Auto gemietet oder in ein Hotel eingecheckt wird. Hierzu lancierte Interpol die Meldung, \u201eausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer\u201c w\u00fcrden mittlerweile auch Kreuzfahrtschiffe nutzen, um unerkannt in die T\u00fcrkei reisen zu k\u00f6nnen, pr\u00e4sentiert allerdings keine Belege daf\u00fcr.<\/li>\n<li>Europ\u00e4ische Fluggastdatensammlung: Vor allem Deutschland treibt die Einrichtung einer Vorratsdatenspeicherung von Fluggastdaten (EU-PNR) voran. Die dort bis zu 60 verarbeiteten Datenfelder enthalten au\u00dfer Personendaten auch Angaben \u00fcber die Reiseroute, Mitreisende oder Mailadressen. Die Daten sollen zentral gespeichert und nicht nur f\u00fcr r\u00fcck\u00adwirkende Ermittlungen, sondern auch f\u00fcr Risikoprognosen analysiert werden. Das EU-Parlament hatte der PNR-Datensammlung im Februar nach langem Z\u00f6gern und unter gro\u00dfem Druck der Regierungen zugestimmt<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>.<\/li>\n<li>Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten: Nach den Anschl\u00e4gen von Paris fordert auch die Bundesregierung die Neuauflage der vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof gekippten Richtlinie. Die EU-Kommission lehnt eine Befassung mit dem Vorhaben ab, k\u00f6nnte hierzu aber vom Rat aufgefordert werden. Jetzt will die Kommission \u201eKonsultationen\u201c starten, die sogar eine Ausweitung einer etwaigen Richtlinie auf Soziale Medien beinhaltet. Einige Mitgliedstaaten haben bereits nationale Systeme errichtet. Wie im Falle von Fluggastdaten k\u00f6nnten nun einige Regierungen fordern, die einzelstaatlichen Regelungen zu \u201eharmonisieren\u201c.<\/li>\n<li>Aufsp\u00fcren und Bek\u00e4mpfen von \u201eTerrorismusfinanzierung\u201c: Polizeibeh\u00f6rden sollen mehr Gebrauch von den bei Banken und Kreditinstituten auf Vorrat gespeicherten Finanzdaten machen. Entsprechende Standards und Empfehlungen werden in der 1989 von den G7 gegr\u00fcndeten Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF) festgeschrieben. Europol f\u00fchrt eine Machbarkeitsstudie f\u00fcr ein Echtzeit-System \u201eMat3ch\u201c zum Aufsp\u00fcren verd\u00e4chtiger Finanz-Transaktionen durch<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>, das vom BKA aus Datenschutzgr\u00fcnden noch gar nicht genutzt werden darf. EU-Polizeibeh\u00f6rden sollen au\u00dferdem verst\u00e4rkt das mit den USA geschlossene \u201eProgramm zum Aufsp\u00fcren der Finanzierung des Terrorismus\u201c (TFTP oder \u201eSWIFT-Abkommen\u201c) nutzen. In den USA werden hierf\u00fcr Finanzdaten des belgischen Finanzdienstleisters SWIFT gespeichert und verarbeitet.<\/li>\n<li>Umwandlung des Europol-Projekts \u201eCheck the Web\u201c zu einem Auswerteschwerpunkt: An die 2007 vom BKA initiierte Datenbank mit grafischem Frontend sind au\u00dfer EU-Polizeibeh\u00f6rden auch die Schweiz und Australien angeschlossen. Gesammelt werden Informationen von \u201eWeb\u00adseiten und Verlautbarungen von Organisationen\/Personen aus dem Ph\u00e4nomenbereich des Islamistischen Terrorismus\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>. Inwiefern f\u00fcr diese \u201eInternetbeobachtung\u201c automatisierte Verfahren genutzt werden ist unklar, Europol bewirbt aber online und in seinen Hochglanzbrosch\u00fcren gern seine F\u00e4higkeiten zum Data Mining und Verarbeiten von Massendaten. Im neuen Arbeitsprogramm werden die Anwendungen als \u201efuture-forecasting and scenario techniques\u201c beschrieben.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/li>\n<li>Ma\u00dfnahmen gegen \u201eterroristische Online-Aktivit\u00e4ten\u201c: Die EU-Innenminister haben nach einem gemeinsamen Abendessen informelle Kan\u00e4le mit den Internetkonzernen Twitter, Google, Microsoft und Facebook etabliert.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Ziel ist, \u201eInstrumente und Techniken\u201c zu entwickeln, um die Firmen im Eilverfahren zu L\u00f6schungen zu bewegen. Laut der Bundesregierung seien bei dem Abendessen auch \u201eVerfahrensanforderungen\u201c er\u00f6rtert worden.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Au\u00dfer \u201eM\u00f6glichkeiten der Verhinderung der Verbreitung von Hinrichtungsbildern f\u00fcr Propagandazwecke\u201c sei auch die Nutzung von Accounts in sozialen Netzwerken Thema gewesen. Das Treffen habe der \u201eVertrauensbildung und Schaffung von Transparenz\u201c gedient. Google &amp; Co. m\u00fcssten bei der Bewertung gewaltverherrlichender Inhalte zu anderen Ergebnissen kommen, \u201eals es nach deutschem Recht oder hiesiger Auslegung von Anstand, Sitte und Moral der Fall w\u00e4re\u201c.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Europol k\u00f6nnte als eine Art Meldestelle f\u00fcr \u201eterroristische Internetinhalte\u201c fungieren. Hintergrund ist, dass die Diensteanbieter auf L\u00f6schanfragen von Privatpersonen in weit geringerem Ma\u00dfe reagieren, als wenn diese von einer Polizeibeh\u00f6rde kommen.<\/li>\n<li>\u201eRadikalisierung\u201c im Internet mit Gegenpropaganda kontern: Auf EU-Ebene wurde mittlerweile ein \u201eSyria Strategic Communication Advisory Team\u201c (SSCAT) ins Leben gerufen. Die neuartige Einrichtung soll die EU-Staaten bei der Ausarbeitung von Kampagnen zur \u201estrategischen Kommunikation\u201c bez\u00fcglich \u201eausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer\u201c unterst\u00fctzen. Die EU-Kommission f\u00f6rdert das Projekt zun\u00e4chst mit einer Million Euro.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/li>\n<li>Zusammenarbeit mit Drittstaaten: Auf Initiative der USA haben mehrere Staaten (auch Deutschland) und supranationale Organisationen das \u201eGlobal Counterterrorism Forum\u201c (GCTF) gegr\u00fcndet. Unter Federf\u00fchrung der Niederlande und Marokkos wurde ein Arbeitsschwerpunkt \u201eausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer\u201c eingerichtet. \u00dcber das GCTF kann auch mit anderen \u201eSchl\u00fcssell\u00e4ndern\u201c wie Libyen, Algerien, \u00c4gypten, Jordanien, Libanon, Marokko, Tunesien und dem Irak zusammengearbeitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Seit 9\/11 hat die EU mindestens 239 Anti-Terror-Ma\u00dfnahmen beschlossen.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Deren Nutzen ist nicht belegt und bislang auch nicht untersucht. Bevor weitere Ma\u00dfnahmen beschlossen werden, m\u00fcsste eigentlich eine Pr\u00fcfung aller bisherigen Schritte erfolgen. So wird es auch von vielen EU-Abgeordneten gefordert. Einmal eingerichtet d\u00fcrfte jeder Widerstand gegen mehr \u00dcberwachung zwecklos sein: Gew\u00f6hnlich werden Gesetzesversch\u00e4rfungen, neue Kompetenzen von Polizeibeh\u00f6rden oder neue Datenbanken nicht mehr zur\u00fcckgenommen. Vielmehr ist insbesondere bei der Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations- oder Fluggastdaten eine sp\u00e4tere Ausweitung auf andere Zwecke zu erwarten. \u201eExtremismus\u201c, \u201eTerrorismus\u201c oder \u201eRadikalisierung\u201c sind Container-Begriffe und deshalb geeignet, jederzeit politisch neu definiert zu werden. Dann k\u00f6nnen sie gegen andere unliebsame Bewegungen in Stellung gebracht werden.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0 Gesetz zur \u00c4nderung der Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttaten (BR-Drs. 36\/15 v. 5.2.2015), Gesetz zur \u00c4nderung des Personalausweisgesetzes zur Einf\u00fchrung eines Ersatz-Personalausweises und zur \u00c4nderung des Passgesetzes (BR-Drs. 21\/15 v.23.1.2015), s.a. Inland aktuell auf S. xx<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.un.org\/depts\/german\/sr\/sr_14\/sr2178.pdf\">www.un.org\/depts\/german\/sr\/sr_14\/sr2178.pdf<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0 BT-Drs.\u00a0 18\/3646 v. 22.12.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. EUCO 163\/14 v. 30.8.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 9956\/14 v. 19.5.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0 BT-Drs. 18\/3236 v. 18.11.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 13971\/14 v. 10.10.2014; Ratsdok. DS 1461\/14 v. 14.10.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 16002\/14 v. 4.11.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0 BT-Drs.\u00a0 18\/4017 v. 17.2.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 5322\/15 v. 16.1.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 5860\/15 v. 3.2.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 5855\/15 v. 2.2.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 5547\/15 v. 10.10.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0 eine \u00dcbersicht bis 2007 unter <a href=\"http:\/\/www.cilip.de\/institut\/gruende-fuer-ein-institut-fuer-buergerrechte-oeffentliche-sicherheit\/material-zu-den-anti-terror-paketen-und-massnahmen\/\">www.cilip.de\/terror\/gesetze.htm<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0 Der Standard v. 12.1.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0 BT-Drs 18\/4193 v. 4.3.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0 Telepolis v. 7.11.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0 EP-Pressemitteilung &#8211; Justiz und Inneres v. 11.2.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.fiu.net\/fiunet-unlimited\/match\/match3\">www.fiu.net\/fiunet-unlimited\/match\/match3<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0 BT-Drs. 18\/4035 v. 18.2.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 5250\/15 v. 6.1.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0 Netzpolitik.de v. 24.11.2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0 BT-Drs. 18\/3236 v. 18.11.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0 BT-Drs. 18\/3655 v. 22.12.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0 Kommissionsdokument C(2014) 5651 final v. 8.8.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/secile.eu\/report-transposition-eu-counter-terrorism-measures\/\">http:\/\/secile.eu\/report-transposition-eu-counter-terrorism-measures\/<\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht erst seit den Anschl\u00e4gen in Paris und Kopenhagen haben die EU und ihre Mitgliedstaaten<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,113],"tags":[260,569,1420],"class_list":["post-12561","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-108","tag-auslaendische-kaempfer","tag-europol","tag-terrorismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12561\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}