{"id":13517,"date":"2017-11-23T13:36:18","date_gmt":"2017-11-23T13:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=13517"},"modified":"2017-11-23T13:36:18","modified_gmt":"2017-11-23T13:36:18","slug":"digitalisierte-migrationskontrolle-wenn-technik-ueber-asyl-entscheidet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=13517","title":{"rendered":"Digitalisierte Migrationskontrolle:\u00a0Wenn Technik \u00fcber Asyl entscheidet"},"content":{"rendered":"<h3>von Anna Biselli<\/h3>\n<p><strong>Sprachanalyse-Software, Fingerabdruckabgleich und Handydatenauswertung \u2013 das sind nur einige Ma\u00dfnahmen, die das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) in den letzten Monaten eingef\u00fchrt hat. Asylverfahren werden digital, die Entscheidungen \u00fcber menschliche Schicksale zunehmend Maschinen \u00fcberlassen. <\/strong><\/p>\n<p>Das BAMF greift immer st\u00e4rker auf technische Mittel zur\u00fcck, wenn es darum geht, die Identit\u00e4t und Herkunft von Asylsuchenden zu bestimmen und zu pr\u00fcfen. Laut BAMF k\u00f6nnten nur etwa 40 Prozent der AntragsstellerInnen einen Pass vorlegen. Ein sogenanntes digitales Assistenzsystem soll dem \u201ebesseren Fl\u00fcchtlingsmanagement\u201c dienen und helfen, das Problem der Identit\u00e4tsfeststellung zu bew\u00e4ltigen. Das System wurde zun\u00e4chst in der Aufnahmeeinrichtung des BAMF in Bamberg getestet und wird nun bundesweit eingesetzt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Einen der ersten Schritte zum effizienteren \u201eManagement\u201c der Asylsuchenden stellte das sogenannte Kerndatensystem dar. Das Anfang 2016 in Kraft getretene Datenaustauschverbesserungsgesetz f\u00fchrte dazu, dass im Ausl\u00e4nderzentralregister wesentlich mehr Daten gespeichert werden als zuvor. Neben Angaben zur Person, ihrem Wohnort im Herkunftsstaat und Informationen zu ihren Ausweispapieren kam eine Vielzahl weiterer Angaben hinzu: Fingerabdr\u00fccke, durchgef\u00fchrte Gesundheitsuntersuchungen, Impfungen, die vollst\u00e4ndigen Namen von begleitenden Familienangeh\u00f6rigen und berufliche Qualifikationen sind nur einige davon. Auch die Seriennummer des neuen, mit einem QR-Code ausgestatteten, Ankunftsnachweises geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p>Mit dem zentralen System sollen Doppelregistrierungen durch verschiedene Beh\u00f6rden vermieden werden, was wiederum dazu f\u00fchrt, dass eine Vielzahl von Stellen Zugriff auf die Daten hat. Zwar soll jede Beh\u00f6rde nur Zugriff auf die f\u00fcr sie relevanten Datenbest\u00e4nde haben, dieser erfolgt daf\u00fcr aber automatisiert, eine gesonderte Anfrage ist somit \u00fcberfl\u00fcssig. Bis zum M\u00e4rz 2016 hatten 14.000 Einrichtungen Zugriff auf das Zentralregister.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dar\u00fcber hinaus wurde das Registrierungsverfahren da\u00adhingehend umgestellt, dass eine Erfassung bereits beim ersten Kontakt mit den deutschen Beh\u00f6rden erfolgt, beispielsweise beim Grenz\u00fcbertritt.<\/p>\n<h4>TransLitA, der Transliterationsassistent<\/h4>\n<p>Eines der Probleme des BAMF waren unterschiedliche Namensschreibweisen, besonders wenn Personen ohne Passdokumente einreisten und so ihren Namen prim\u00e4r m\u00fcndlich mitteilten. Wenn die Namen in die lateinische Schriftweise \u00fcbersetzt wurden, kam es zu Fehlern, beziehungsweise mehreren Varianten der Transliteration. Die betroffenen Personen sollen nun ihre Namen selbst, beispielsweise in arabischer Schrift, eingeben. Diesen \u00fcbertr\u00e4gt dann TransLitA, kurz f\u00fcr Transliterationsassistent, automatisch und einheitlich in lateinische Schrift. Das BAMF erhofft sich davon jedoch nicht nur weniger Fehler bei der Namens\u00fcbertragung. Die Software gibt anhand der Namensschreibweise auch Hinweise auf m\u00f6gliche Herkunftsl\u00e4nder und soll so \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Angaben der Asylsuchenden plausibel sind.<\/p>\n<p>Das System mag geeignet sein, um einheitliche Transliterationen sicherzustellen, der Nutzen bei Sicherheitsabgleichen ist jedoch zweifelhaft. Liegt kein Passdokument vor und gibt die oder der Antragstellende vors\u00e4tzlich einen falschen Namen in einer plausiblen Schreibweise an, versagt TransLitA.<\/p>\n<h4>Stimmbiometrie zur Dialekterkennung<\/h4>\n<p>Wenn das BAMF an den Herkunftsangaben von Asylsuchenden zweifelte, forderte es in manchen F\u00e4llen Sprachgutachten an. Diese Praxis bestand bereits seit 1998. SprachanalystInnen sollen anhand von Inter\u00adviewaufzeichnungen beurteilen, ob die Angaben der Befragten glaubw\u00fcrdig sind. Daf\u00fcr ziehen sie Dialekte, Satzbau und verwendete Begriffe heran. Diese Analysen sollen nun an Software ausgelagert werden; das BAMF nennt das Stimmbiometrie.<\/p>\n<p>Diese Sprachgutachten, unabh\u00e4ngig davon ob sie von Menschen oder Maschinen stammen, bergen einige Probleme. Den Analysen liegen Sprachproben zu Grunde, die aus Gespr\u00e4chen mit DolmetscherInnen stammen. Befragte passen dabei mitunter ihre Sprechweise derjenigen der DolmetscherInnen an. Zum einen liegt das an der formalen Situation. Es ist nicht schwer, an eigene Beispiele zu denken, bei denen eine Person im Dialog \u2013 beispielsweise mit Beh\u00f6rdenvertreterInnen \u2013 versucht, ihren Heimatdialekt zu unterdr\u00fccken. Zudem erfolgt eine Akkomodation an die Hochsprache bei Gespr\u00e4chspartnerInnen, wenn diese einen anderen Dialekt sprechen, gerade bei seltenen Dialekten ist das zu erwarten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind Interviewausschnitte mitunter zu kurz, um aussagekr\u00e4ftige Bewertungen zu erstellen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Im Falle eines menschlichen Gutachters l\u00e4sst sich auch die Qualifikation der Begutachtenden nicht \u00fcberpr\u00fcfen, da das BAMF ihre Identit\u00e4t unter Verschluss h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Vielfalt der Sprachen und Dialekte im arabischen Raum ist gro\u00df, in Syrien allein verzeichneten die Linguisten Gary F. Simons und Charles D. Fenning 18 aktiv gesprochene Sprachen und unz\u00e4hlige zugeh\u00f6rige regionale Dialekte.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Ein Mensch braucht daf\u00fcr ein tiefes Fachwissen, nicht f\u00fcr jede Region sind muttersprachliche GutachterInnen oder solche, die sich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in einer Region aufgehalten haben, verf\u00fcgbar. Ein Computer hingegen ben\u00f6tigt eine riesige Datenbasis, um die Unterschiede zu lernen, also gen\u00fcgend Beispiele.<\/p>\n<h4>Forschung zu Dialektanalyse<\/h4>\n<p>Aktuelle Beispiele aus der Forschung zu automatischer Dialektanalyse scheiterten schon bei einer viel kleineren Menge an Zuordnungsm\u00f6glichkeiten. LinguistInnen versuchten, Hocharabisch und die vier ver-breitetsten arabischen Dialekte anhand von Beispielen aus Nachrichtenbeitr\u00e4gen auseinanderzuhalten. Ihre Software konnte die Audioaufnahmen zuverl\u00e4ssig in die Kategorien \u201eHocharabisch\u201c und \u201eDialekt\u201c einordnen, bei der Zuordnung zu einem bestimmten der vier Dialekte wiederum erzielten sie lediglich eine Genauigkeit von 60 Prozent.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Bei den vielen syrischen Dialekten wird die Aufgabe entsprechend schwerer.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass Sprache nicht statisch ist, sie entwickelt und ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig \u2013 sowohl innerhalb der Regionen als auch im Sprachgebrauch des Menschen, der sie nutzt. Jeder Kontakt mit Personen ver\u00e4ndert das Sprechen. Auf ihrem Fluchtweg kommen Asylsuchende mit einer Vielzahl anderer Menschen unterschiedlicher Herkunft in Kontakt. Bei Menschen, die im Laufe ihres Lebens ihren Wohnort wechselten, vermischen sich Dialekte. Sie \u00fcbernehmen regionale Eigenheiten, passen ihre Wortwahl an. Au\u00dferdem beeinflussen soziale Faktoren die aktive Sprache. Bei Personen, die aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden und Nachteile f\u00fcrchten m\u00fcssen, kommt es zu Anpassungen, um nicht sofort zugeordnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor: Sprachen halten sich nicht an Landesgrenzen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erkl\u00e4rte die jordanische Linguistin Enam Al-Wer, in der arabischen Welt seien viele Landesgrenzen mit dem Lineal gezogen worden. Das mache es unm\u00f6glich, zweifelsfrei festzustellen, ob jemand nun auf der einen oder der anderen Seite einer Grenze geboren ist.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Auf syrische Asylsuchende \u00fcbertragen hei\u00dft das: ob sie ihrem Herkunftsland Syrien zugeordnet werden, das 2017 bisher eine Schutzquote von 94,3 Prozent hat, oder Nachbarl\u00e4ndern wie Jordanien mit deutlich schlechterer Bleibeperspektive.<\/p>\n<p>Das BAMF betont bei den digitalen Systemen immer wieder, die endg\u00fcltige Entscheidung liege in der Hand des Menschen. Die Ergebnisse dienten nur dazu, zus\u00e4tzliche Anhaltspunkte zu erlangen. Doch je mehr dieser Anhaltspunkte diese vermeintlich objektiven Systeme liefern, desto gr\u00f6\u00dfer wird ihr Einfluss auf diejenigen, die sie in eine Asylentscheidung einbeziehen m\u00fcssen \u2013 gerade wenn die Zeit knapp und die Liste der abzuarbeitenden F\u00e4lle lang ist.<\/p>\n<h4>Bildbiometrische Verfahren<\/h4>\n<p>Die Fingerabdr\u00fccke der Gefl\u00fcchteten werden bei ihrer Registrierung erfasst und in der Asyl-Fingerabdruckdatei des Bundeskriminalamtes gespeichert. Seit August 2016 \u2013 so der damalige BAMF-Chef Frank-J\u00fcrgen Weise \u2013 waren alle BAMF-Stellen mit der notwendigen Technik ausgestattet. Durch diese Fingerabdr\u00fccke sollen Mehrfachregistrierungen verhindert werden. Nehmen die Beh\u00f6rden einen Fingerabdruck ab, erfolgt \u2013 mithilfe des \u201eFingerabdruck-Schnell-Abgleichsystems\u201c, kurz Fast-ID \u2013 ein automatischer Abgleich mit der zentralen BKA-Datenbank. Als zweites Merkmal zieht das BAMF biometrische Gesichtsbilder heran. Wie die Fingerabdr\u00fccke und einheitlich transliterierten Namen sollen sie Doppelregistrierungen einfacher vermeiden helfen und dienen dem Abgleich mit Datenbanken sonstiger Sicherheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<h4>Massenauslesen von Smartphones<\/h4>\n<p>Das im Mai vom Bundestag verabschiedete \u201eGesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht\u201c erm\u00f6glicht dem BAMF zus\u00e4tzlich zu den genannten technischen Ma\u00dfnahmen, Endger\u00e4te und Datentr\u00e4ger der Gefl\u00fcchteten zu durchsuchen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Beispielsweise k\u00f6nnen ihre Smartphones schon bei der Registrierung als Asylsuchende ausgelesen werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Gesetzgebungsprozesses argumentierten Bef\u00fcrworterInnen der Regelung, die Auswertung der Daten solle das letzte Mittel sein, falls die Herkunft und Identit\u00e4t der Betroffenen nicht anders gekl\u00e4rt werden k\u00f6nne. Das sei der Fall, wenn die Betroffenen kein Passdokument vorlegen k\u00f6nnen und anderweitige Informationen nicht zu einem eindeutigen Ergebnis f\u00fchren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der tiefe Grundrechtseingriff zog starke Kritik auf sich, der Deutsche Anwaltsverein sah gravierende Verletzungen des Pers\u00f6nlichkeitsrechts der Gefl\u00fcchteten, auch die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Vo\u00dfhoff \u00e4u\u00dferte verfassungsrechtliche Bedenken. Beide bem\u00e4ngelten, es sei nicht ausdr\u00fccklich definiert, dass die Ma\u00dfnahme nur als letztes Mittel angewandt werden d\u00fcrfe. Diese Bedenken best\u00e4tigten sich. BAMF-Chefin Jutta Cordt gab Ende August bekannt, nur die Auswertung der Daten sei \u201eUltima Ratio\u201c. Auslesen will das BAMF hingegen pauschal alle Ger\u00e4te, schon beim Erstkontakt mit dem Bundesamt. Sie sollen dann in einem \u201etechnischem Safe\u201c gespeichert werden. Will das BAMF die Daten sp\u00e4ter nutzen, m\u00fcsse eine VolljuristIn sie freigeben.<\/p>\n<p>Wie die Bundesregierung im September auf eine Kleine Anfrage mitteilte, umfassen die vorliegenden Rohdaten \u201eL\u00e4ndercodes der gespeicherten Kontakte, L\u00e4ndercodes der angerufenen und angeschriebenen Num\u00admern, L\u00e4ndercodes der eingehenden Anrufe und Nachrichten, Lokationsdaten und die in den Nachrichten verwendeten Sprachen\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Die Bundesregierung erw\u00e4hnt hier ausdr\u00fccklich Lokations-, also Geo\u00addaten als Analysebaustein. Das geht \u00fcber das urspr\u00fcnglich geplante Ma\u00df an gesammelten Daten hinaus. In einer Plenardebatte hatte sich der parlamentarische Staatssekret\u00e4r Ole Schr\u00f6der (CDU) beklagt, mit der SPD sei es nicht machbar gewesen, das Auslesen dieser Daten zu erlauben.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Nun sieht die Praxis anders aus: Laut Bundesregierung k\u00f6nnten Geodaten \u201eR\u00fcckschl\u00fcsse auf die Staatsangeh\u00f6rigkeit zulassen\u201c, Reise\u00adrouten sollen aber nicht erstellt werden.<\/p>\n<h4>Auch Geheimdienste profitieren<\/h4>\n<p>Von den zunehmenden Datenmengen, die \u00fcber Gefl\u00fcchtete anfallen, profitieren die Geheimdienste. Im Namen der Sicherheit werden Daten an das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, den BND, den Milit\u00e4rischen Abschirmdienst, das Zoll- sowie das Bundeskriminalamt weitergeleitet, um die Daten mit deren Erkenntnissen abzugleichen. F\u00fcr bestimmte Herkunftsl\u00e4nder, die das Bundesinnenministerium und das Ausw\u00e4rtige Amt zusammen festlegen, erfolgt dieser Abgleich automatisiert.<\/p>\n<p>Mit welchen Dateien die entsprechenden Stellen die Daten der Gefl\u00fcchteten abgleichen, h\u00e4lt die Bundesregierung geheim. Es geht jedoch mindestens um neun verschiedene Datenbanken, darunter die polizeilichen Informationssysteme INPOL-Fall und INPOL-Zentral sowie das \u201eNachrichtendienstliche Informationssystem\u201c (NADIS-WN) des Verfassungsschutzes.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die angefragten Beh\u00f6rden gleichen die Daten nicht nur ab, um dem BAMF mitzuteilen, ob Gr\u00fcnde gegen einen Schutzstatus sprechen. Sie d\u00fcrfen die Informationen auch \u201ezur Erf\u00fcllung ihrer gesetzlichen Aufgaben\u201c speichern und verwenden. Was diese Gr\u00fcnde sein k\u00f6nnen, ist nicht n\u00e4her definiert, und es liegt in der Natur der Geheimdienste, eine Vielzahl von Informationen zu sammeln, die potentiell n\u00fctzlich werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Weitere \u00dcbermittlungen fallen an, wenn das BAMF zu der Auffassung gelangt, Asylsuchende w\u00fcrden \u00fcber sicherheitsrelevante Erkenntnisse verf\u00fcgen. Die Zahl dieser \u00dcbermittlungen an BND und Verfassungsschutz steigt. 2015 erfolgten 462 \u00dcbermittlungen vom BAMF an den BND \u2013 bei 441.899 Asyl-Erstantr\u00e4gen. Bis zum Oktober 2016 \u00fcbermittelte das BAMF 1.350 Mal Daten, bei 676.320 Antr\u00e4gen insgesamt. Die Zahl der \u00dcbermittlungen hat sich also fast verdreifacht, w\u00e4hrend die der Antr\u00e4ge lediglich um das Eineinhalbfache wuchs.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<h4>Die Entscheidung liegt beim Menschen?<\/h4>\n<p>Der vom BAMF verwendete Begriff \u201eFl\u00fcchtlingsmanagement\u201c bringt es auf den Punkt: Mit der zunehmenden Technisierung und Automatisierung entwickelt sich der Asylprozess in eine Richtung, bei der Effizienz als wichtigster Faktor gilt. Hilfe erh\u00e4lt das BAMF dabei durch klassische Unternehmensberatungen wie McKinsey, Roland Berger oder Ernst &amp; Young. Allein 2016 gab das BAMF daf\u00fcr 25 Mio. Euro aus.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Die wachsende Technisierung und an Fabriken erinnernde Effizienz\u00adsteigerung im BAMF f\u00fchrt zu Fehlern. Und ein falsches Ergebnis bedeutet hier nicht, dass ein Werkst\u00fcck unbrauchbar geworden ist. Es bedeutet, dass mitunter Menschen abgeschoben werden, denen in ihrem Herkunftsland Verfolgung und Tod drohen. Mit den steigenden Zahlen an Asylsuchenden im Jahr 2015 war das BAMF \u00fcberfordert, organisatorisch und personell. Das f\u00fchrte zu schlecht ausgebildeten BefragerInnen, laut Berichten von ZEIT Online hatten im Mai 2017 nur 21,6 Prozent der EntscheiderInnen die gesamte vorgesehene Ausbildung durchlaufen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich erfolgte eine Trennung von Anh\u00f6rerIn und EntscheiderIn, die befragende Person ist also nicht mehr automatisch dieselbe, die letztlich eine Asylentscheidung f\u00e4llt. \u00dcberforderung, mangelnde Ausbildung, reduzierter pers\u00f6nlicher Bezug zu den Befragten \u2013 die Technik komplettiert das Bild. Schicksale werden zu Akten, Entscheidungen st\u00fctzen sich auf die Ausgaben eines Systems. Dass diese nur eine Zusatzinformation sei und die Entscheidung am Ende immer noch in der Hand eines Menschen verbleibe, wirkt zynisch, wenn ein Entscheider f\u00fcnf Antr\u00e4ge an einem Tag bearbeiten soll.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Meldungen\/DE\/2017\/20170726-am-vorstellung-modell projekt-bamberg.html\">www.bamf.de\/SharedDocs\/Meldungen\/DE\/2017\/20170726-am-vorstellung-modell projekt-bamberg.html<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0 <a href=\"http:\/\/www.bva.bund.de\/SharedDocs\/Kurzmeldungen\/DE\/BVA\/Sicherheit\/AZR\/2016-03-31-DAVG_Erster%20Meilenstein.html\">www.bva.bund.de\/SharedDocs\/Kurzmeldungen\/DE\/BVA\/Sicherheit\/AZR\/2016-03-31-DAVG_Erster%20Meilenstein.html<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0 sueddeutsche.de v. 7.10.2016<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0 Simons, Gary F.; Fennig, Charles D. (Hg.): Ethnologue: Languages of the World, Dallas, Texas 2017, <a href=\"http:\/\/www.ethnologue.com\">www.ethnologue.com<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0 Ali,\u00a0A. et.\u00a0al.: Automatic Dialect Detection in Arabic Broadcast Speech 2016, <a href=\"http:\/\/www.research.ed.ac.uk\/portal\/files\/26891896\/aali_is2016.pdf\">www.research.ed.ac.uk\/portal\/files\/26891896\/aali_is2016.pdf<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0 faz.net v. 5.3.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0 BT-Drs. 18\/12415 v. 17.5.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0 BT-Drs. 18\/13551 v. 11.9.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0 BT-PlPr 18\/234 v. 18.5.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> netzpolitik.org v. 12.12.2016<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> BT-Drs. 18\/10163 v. 28.10.2016<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> zeit.de v. 30.3.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> zeit.de v. 13.6.2017<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Anna Biselli Sprachanalyse-Software, Fingerabdruckabgleich und Handydatenauswertung \u2013 das sind nur einige Ma\u00dfnahmen, die das<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,119],"tags":[233,259,275,737,1331,1353],"class_list":["post-13517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-114","tag-asyl","tag-auslaenderzentralregister","tag-bamf","tag-handyauswertung","tag-software","tag-sprachanalyse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13517"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13517\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}