{"id":1364,"date":"2004-02-09T12:48:03","date_gmt":"2004-02-09T12:48:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=1364"},"modified":"2004-02-09T12:48:03","modified_gmt":"2004-02-09T12:48:03","slug":"die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=1364","title":{"rendered":"Die Polizei und ihre Statistik &#8211; Instrument der Erkenntnis, der Planung oder der Politik?"},"content":{"rendered":"<h3>von Heiner Busch<\/h3>\n<p><b>F\u00fcnfzig Jahre Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) sind f\u00fcnfzig Jahre vorprogrammierter Missverst\u00e4ndnisse. Die Polizei wei\u00df heute, dass die PKS nur eine Anzeigenstatistik ist. Diese Erkenntnis h\u00e4lt weder sie davon ab, PKS-Daten zur Basis von Lagebildern oder Einsatzplanungen zu machen, noch bewahrt es die \u00d6ffentlichkeit vor den allj\u00e4hrlichen Schockmeldungen \u00fcber gestiegene Kriminalit\u00e4t.<\/b><\/p>\n<p>Am Anfang, 1953, war da ein d\u00fcnnes Heftchen. Heute ist die Polizeiliche Kriminalstatistik der Bundesrepublik Deutschland ein W\u00e4lzer von \u00fcber 250 Seiten Definitionen, Erkl\u00e4rungen und Analysen und mehr als 170 Seiten Tabellen. Hinzu kommen oft ebenso dicke B\u00e4nde aus den Bundesl\u00e4ndern. Der Umfang der erfassten Merkmale und der Auswertungen ist erheblich gewachsen. Die Polizei, so lie\u00dfe sich daraus schlie\u00dfen, wei\u00df heute erheblich mehr \u00fcber die bundesdeutsche Gesellschaft und ihre Kriminalit\u00e4t als noch vor 50 Jahren.<!--more--><\/p>\n<p>Nicht erst seit der Gr\u00fcndung der BRD spiegelt die Entwicklung der PKS die Geschichte der (Kriminal-)Polizei und ihrer Organisation wider. Die Herausbildung der Kripo in Preu\u00dfen-Deutschland seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts brachte zun\u00e4chst den Aufbau einer Kriminalaktenhaltung und \u2013 erkennungsdienstlicher \u2013 Karteien. Der Schritt von der Fallsammlung zu deren statistischer Auswertung erfolgte erst in den 20er Jahren. Die ersten polizeilichen Kriminalstatistiken wurden von den Landeskriminalpolizei\u00e4mtern erstellt. Eine reichseinheitliche Statistik h\u00e4tte nach dem Gesetz von 1922 zwar die Aufgabe des Reichskriminalpolizeiamtes werden sollen. Das entsprechende Gesetz wurde jedoch nie in Kraft gesetzt. Erst die vollst\u00e4ndige Zentralisierung der Kripo durch die Nazis brachte auch eine &#8222;Polizeiliche Kriminalstatistik f\u00fcr das Deutsche Reich&#8220;. Sie umfasste &#8222;F\u00e4lle&#8220; und &#8222;T\u00e4ter&#8220; f\u00fcr gerade f\u00fcnfzehn Deliktgruppen, nur die Jahrg\u00e4nge 1936-38 wurden ver\u00f6ffentlicht. Mit der Dezentralisierung der Polizei durch die Alliierten war es auch mit der zentralen Kriminalstatistik vorerst vorbei.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn1\" name=\"fnverweis1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Erst die Restauration der Polizei und \u2013 als deren Element \u2013 die Gr\u00fcndung des Bundeskriminalamts (BKA) im Jahre 1951 erm\u00f6glichten wieder eine nun nicht mehr reichs-, sondern bundeseinheitliche Statistik. Die &#8222;Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Landeskriminal\u00e4mter und des Bundeskriminalamts&#8220; \u2013 kurz: die AG Kripo \u2013 war damals und ist bis heute das Gremium, das die Regeln f\u00fcr die PKS festlegt. Eine erste Version dieser bundeseinheitlichen Richtlinien beschloss die Arbeitsgemeinschaft 1957, vier Jahre nach der ersten zun\u00e4chst versuchsweisen Erstellung. Erfasst wurden mit Ausnahme von Ordnungswidrigkeiten s\u00e4mtliche Straftaten, bis 1963 einschlie\u00dflich der Verkehrsdelikte. Angaben zu Staatsschutzdelikten hielt man ab 1960 unter dem Deckel der Geheimhaltung.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn2\" name=\"fnverweis2\">[2]<\/a> Die erhobenen Merkmale waren: bekannt gewordene F\u00e4lle, Tatort nach vier Gemeindegr\u00f6\u00dfenklassen, aufgekl\u00e4rte F\u00e4lle, ermittelte T\u00e4ter nach Alter \u2013 ab 1954 gem\u00e4\u00df der Untergliederung des Jugendgerichtsgesetzes (Erwachsene, Heranwachsende, Jugendliche, strafunm\u00fcndige Kinder) \u2013, Geschlecht, Wohnsitz und Staatsangeh\u00f6rigkeit.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn3\" name=\"fnverweis3\">[3]<\/a> Die PKS sollte es erm\u00f6glichen, &#8222;Stand und Bewegung&#8220; der Kriminalit\u00e4t zu beobachten. Heinz zweifelt, ob die einheitlichen Richtlinien auch tats\u00e4chlich zu einer einheitlichen Erfassung f\u00fchrten. Wesentlicher an der bis 1970 in nahezu unver\u00e4nderter Form gef\u00fchrten PKS ist jedoch der absolut naive Umgang mit der &#8222;Aufkl\u00e4rungsquote&#8220;. Mit Sternchen am Rande der Tabelle gratulierte sich die Polizei, wenn diese Quote bei einem bestimmten Delikt ihren bisherigen H\u00f6chstwert erreicht hatte.<\/p>\n<h4>Technischer Aufbruch und neue Richtlinien<\/h4>\n<p>Die Wende zu den 70er Jahren stellt sich auch f\u00fcr die deutsche Polizei als eine Um- und Aufbruchphase dar. Stichworte hierf\u00fcr sind der organisatorische Ausbau der Landeskriminal\u00e4mter und vor allem des BKA, die pr\u00e4ventive Kehre in Ideologie und Recht der Polizei, die Technisierung, der Versuch der Mobilisierung von Intelligenz \u2013 sei es durch die Nutzung von Wissenschaft und Forschung als polizeiliche Ressource oder durch die Neugestaltung von Ausbildung und Rekrutierung.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn4\" name=\"fnverweis4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Die neuen bundeseinheitlichen Richtlinien zur F\u00fchrung der PKS, die zum 1. Januar 1971 in Kraft traten, dr\u00fccken diesen Wandel deutlich aus. Dies nicht nur, weil die Statistik nun auf EDV gef\u00fchrt wurde. Dahinter stand das Projekt der Computerisierung des kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Form einer Straftaten-Straft\u00e4ter-Datei, die zwar 1983 endg\u00fcltig scheiterte, aber bis zu diesem Zeitpunkt die polizeilichen Erwartungen befl\u00fcgelte. Der Wandel zeigt sich vor allem an einer neuen Zielvorgabe: Die PKS, so hei\u00dft es bis heute in den Vorbemerkungen der Jahresb\u00e4nde, diene der &#8222;Erlangung von Erkenntnissen f\u00fcr vorbeugende und verfolgende Verbrechensbek\u00e4mpfung, organisatorische Planungen und Entscheidungen sowie kriminalpolitische Ma\u00dfnahmen.&#8220;<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt sich ein gr\u00f6\u00dferer Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Die PKS wurde nun definitiv als Ausgangsstatistik gef\u00fchrt, d.h. entscheidend f\u00fcr die Fallz\u00e4hlung wurde der Abschluss eines Ermittlungsverfahrens auf polizeilicher Ebene und die Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Ein Teil der Bundesl\u00e4nder hatte die F\u00e4lle bis dahin mit dem Eingang der Anzeige registriert. Das Durcheinander hatte nun ein Ende.<\/p>\n<p>Die PKS wurde dar\u00fcber hinaus st\u00e4rker nach kriminalistischen \u00dcberlegungen gegliedert: Sie erhielt zus\u00e4tzliche Erhebungsmerkmale; dazu geh\u00f6rte ab 1978 auch die Unterscheidung der &#8222;nichtdeutschen&#8220; Tatverd\u00e4chtigen nach Art ihres Aufenthaltes. Die Zahl der Straftatenschl\u00fcssel wuchs von 105 im Jahre 1971 auf 192 im Band f\u00fcr 1980. Mittlerweile ist man bei 398 angekommen.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn5\" name=\"fnverweis5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Gleichzeitig dokumentieren die &#8222;Vorbemerkungen&#8220; seit 1971 aber den methodischen Zweifel an der Aussagekraft der pr\u00e4sentierten Daten: &#8222;Die Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik unterliegt allerdings nach wie vor der Einschr\u00e4nkung, dass der Polizei ein Teil der begangenen Straftaten nicht bekannt wird.&#8220; Das Dunkelfeld sei aber von Delikt zu Delikt verschieden, abh\u00e4ngig von der &#8222;Anzeigebereitschaft der Bev\u00f6lkerung&#8220; und der &#8222;Intensit\u00e4t der Verbrechensbek\u00e4mpfung&#8220;. Die Folgerung aus diesen Ausf\u00fchrungen m\u00fcsste lauten: Aus der PKS lassen sich keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf eine wie immer vorgestellte &#8222;Kriminalit\u00e4tswirklichkeit&#8220; ziehen. Sie ist eine Anzeigenstatistik und muss als solche gelesen werden.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn6\" name=\"fnverweis6\">[6]<\/a> Stattdessen hei\u00dft es in den &#8222;Vorbemerkungen&#8220; weiter:<\/p>\n<p>&#8222;Dennoch ist sie f\u00fcr Legislative, Exekutive und Wissenschaft ein unentbehrliches Hilfsmittel, um Erkenntnisse \u00fcber die H\u00e4ufigkeit der erfassten Straftaten sowie \u00fcber Formen und Entwicklungstendenzen der Kriminalit\u00e4t f\u00fcr die oben umschriebenen Zielsetzungen zu gewinnen.&#8220;<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Die PKS ist kein Abbild der &#8222;Kriminalit\u00e4tswirklichkeit&#8220;, aber weil wir nichts anderes haben, m\u00fcssen wir trotzdem so tun.<\/p>\n<p>Die Folge aus dieser widerspr\u00fcchlichen Position zeigt sich am Ausbau der kriminalwissenschaftlichen Forschung im BKA und einigen Landeskriminal\u00e4mtern, die vor allem in den 70er Jahren ihren Schwerpunkt in der Dunkelfeldforschung hatte. Diese sollte u.a. Klarheit \u00fcber den Grad der Anzeigebereitschaft in einzelnen Deliktsbereichen bringen. Neben Opfer- und T\u00e4terbefragungen bediente man sich kriminalgeographischer Ans\u00e4tze.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn7\" name=\"fnverweis7\">[7]<\/a><\/p>\n<h4>Ein Instrument der Einsatzplanung?<\/h4>\n<p>Bei der Forschung blieb es aber nicht. Insbesondere die EDV erweckte und erweckt weiterhin Hoffnungen, kriminalstatistische Daten lie\u00dfen sich zu Planungsdaten umm\u00fcnzen, die es der Polizei erm\u00f6glichen, sich schnell auf eine ver\u00e4nderte &#8222;Kriminalit\u00e4tswirklichkeit&#8220; einzustellen.<\/p>\n<p>Die Hoffnungen lagen auch hier zun\u00e4chst auf der Kriminalgeographie, die f\u00fcr Horst Herold, den BKA-Pr\u00e4sidenten der 70er Jahre, \u2013 im Unterschied zur &#8222;Kriminalit\u00e4tsgeographie&#8220; \u2013 eine reine &#8222;Zweckwissenschaft&#8220; war. Bereits als N\u00fcrnberger Polizeipr\u00e4sident hatte er Versuche initiiert, die kontinuierliche Auswertung des Anzeigenaufkommens f\u00fcr die Bestimmung von Schwerpunkten der Streifent\u00e4tigkeit zu nutzen. Die polizeilichen Anstrengungen konzentrierten sich dabei auf &#8222;pr\u00e4ventable Delikte&#8220;, also auf die so genannte Stra\u00dfenkriminalit\u00e4t.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn8\" name=\"fnverweis8\">[8]<\/a> Dass die Losung &#8222;Mehr Gr\u00fcn auf die Stra\u00dfe&#8220; zumindest Verdr\u00e4ngungseffekte zeitigt oder sich gar direkt mit &#8222;Mehr Anzeigen\/F\u00e4lle in die Statistik&#8220; \u00fcbersetzen l\u00e4sst, spielt(e) weder f\u00fcr Herold noch f\u00fcr seine heutigen minderen Br\u00fcder im Geiste eine Rolle. Wie Oliver Br\u00fcchert im nachfolgenden Artikel aufzeigt, haben die Innenministerien mehrerer Bundesl\u00e4nder Zielvereinbarungen mit ihren Polizeien abgeschlossen, die letztere zu einer Senkung der Fallzahlen bei bestimmten Delikten verpflichten. Vermehrte polizeiliche Aktivit\u00e4t wird genau das Gegenteil bewirken.<\/p>\n<p>Die Erwartung, kriminalstatistische Daten schnell und umfassend auswerten und daraus &#8222;strategische&#8220; Konsequenzen ableiten zu k\u00f6nnen, stand nicht nur hinter dem 70er-Jahre-Projekt der Straftaten-Straft\u00e4ter-Datei, sondern in den 90er Jahren wiederum hinter den Planungen eines &#8222;F\u00fchrungsinformationssystems&#8220; im Rahmen von Inpol-neu. Die kontinuierliche Meldung s\u00e4mtlicher Anzeigen und Ermittlungen von der polizeilichen Basis an die Spitze sollte automatisch zu einer Eingangsstatistik und zur PKS f\u00fchren und dar\u00fcber hinaus der Erstellung von Lagebildern dienen.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn9\" name=\"fnverweis9\">[9]<\/a> Der Traum ist vorerst an technischen Problemen gescheitert. Die heutigen Lagebilder und &#8222;strategischen Analysen&#8220;, das demonstriert Norbert P\u00fctter in diesem Heft, kranken nicht daran, dass die kriminalstatistischen Informationen zu langsam einflie\u00dfen, sondern u.a. an der Unm\u00f6glichkeit, aus ihnen Vern\u00fcnftiges abzuleiten. Sie sind dar\u00fcber hinaus vielfach in legitimatorischer Absicht verfasst.<\/p>\n<h4>Alternativen zur PKS?<\/h4>\n<p>Die PKS mag zwar vor Fehleinsch\u00e4tzungen der Daten warnen. Diese Warnung verhallt jedoch ungeh\u00f6rt, wenn die Innenpolitiker, die sie j\u00e4hrlich den Medien pr\u00e4sentieren, an etwas ganz anderem interessiert sind: an dem Gespenst der steigenden Kriminalit\u00e4t, das sich trefflich dazu eignet, das Publikum zu erschrecken und auf mehr Strafrecht oder mehr polizeiliche Befugnisse einzuschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der Erste Periodische Sicherheitsbericht der Bundesregierung scheint hier einen anderen Akzent zu setzen.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn10\" name=\"fnverweis10\">[10]<\/a> Die insgesamt sehr abw\u00e4genden Darstellungen scheinen f\u00fcr Forderungen nach mehr polizeilicher H\u00e4rte kaum nutzbar, eignen sich aber umso besser als wissenschaftliches Feigenblatt. Bestes Beispiel hierf\u00fcr ist der Abschnitt \u00fcber Organisierte Kriminalit\u00e4t, der nach einer geschw\u00e4tzigen Sekund\u00e4ranalyse polizeilicher Lagebilder und einschl\u00e4giger Literatur am Ende doch zu einer verhaltenen Seligsprechung der in den letzten Jahren erfolgten Gesetzesversch\u00e4rfungen gelangt. Hinter dem &#8222;anderen Sicherheitsbericht&#8220;, den Hanak und Pilgram 1991 klar als Kritik der \u00f6sterreichischen PKS und den daran erkennbaren Kriminalisierungsstrategien angelegt haben, bleibt der periodische Sicherheitsbericht meilenweit zur\u00fcck.<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn11\" name=\"fnverweis11\">[11]<\/a> Da zudem unklar ist, in welchen Perioden der Bericht denn herauskommen soll, ist kaum damit zu rechnen, dass er die &#8222;emotionale \u00dcberhitzung&#8220;<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn12\" name=\"fnverweis12\">[12]<\/a> bei der regelm\u00e4\u00dfigen Vorstellung der PKS einzud\u00e4mmen vermag.<\/p>\n<h4>Haushaltsplanung mit PKS-Zahlen?<\/h4>\n<p>Gegen diese &#8222;\u00dcberhitzung&#8220; hatte sich Herold in einem Aufsatz von 1976 zu wehren versucht. Die PKS, so seine Predigt an Polizei und Politik, sei keine &#8222;Aufzeichnung der Kriminalit\u00e4tswirklichkeit&#8220;, aber ein &#8222;zuverl\u00e4ssiges Messinstrument der polizeilichen Arbeitsbelastung&#8220;, &#8222;eine unerl\u00e4ssliche und nicht ersetzbare Erkenntnisquelle &#8230; f\u00fcr Organisations-, Einsatz- und Haushaltsplanung.&#8220; Selbst diese Funktion wird von einer polizei-internen Studie aus Baden-W\u00fcrttemberg in Frage gestellt. Die Konkurrenzsituation zwischen den Organisationseinheiten der Polizei und der Umstand, dass Fallzahlen und Aufkl\u00e4rungsquoten &#8222;f\u00fcr die Personalbewirtschaftung&#8220; genutzt werden, &#8222;f\u00fchrt tendenziell dazu, die eigene Organisationseinheit in besseres Licht r\u00fccken zu wollen. Sie tr\u00e4gt damit in einem beachtlichen Umfang zu einer \u00dcbererfassung von Straftaten bei.&#8220;<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fn13\" name=\"fnverweis13\">[13]<\/a> PolizeibeamtInnen, die sich und ihrer Organisationseinheit etwas Gutes tun wollen, ist daher zu empfehlen, &#8222;in die Ausl\u00e4nder zu gehen&#8220; oder die an bekannten Drogenkonsum- und -handelspl\u00e4tzen reich vorhandene Beute einzufahren. Fallzahlen und Aufkl\u00e4rungsquote werden steigen, PolitikerInnen und Polizeif\u00fchrungen werden es honorieren. Die Betroffenen h\u00f6rt sowieso niemand an.<\/p>\n<h5>Heiner Busch ist Redakteur von B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP.<\/h5>\n<h6><a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis1\" name=\"fn1\">[1]<\/a> Heinz, W.: Die deutsche Kriminalstatistik, in: BKA-Bibliographienreihe Bd. 5, S. 3-139 (26-30)<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis2\" name=\"fn2\">[2]<\/a> siehe dazu Werkentin, F.: \u201aStaatsschutz\u2018 statistisch gesehen, in B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/ CILIP 42 (2\/1992), S. 47-51<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis3\" name=\"fn3\">[3]<\/a> s. die drei Seiten &#8222;Entwicklungsgeschichte der PKS&#8220;, in: BKA: Polizeiliche Kriminalstatistik \u2013 Bundesrepublik Deutschland 2002, Wiesbaden 2003, S. I-III<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis4\" name=\"fn4\">[4]<\/a> en d\u00e9tail: Busch, H. u.a.: Die Polizei in der Bundesrepublik, Frankfurt, New York 1985<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis5\" name=\"fn5\">[5]<\/a> BKA a.a.O. (Fn. 3), Entwicklungsgeschichte, S. III<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis6\" name=\"fn6\">[6]<\/a> s. den nachfolgenden Artikel von Oliver Br\u00fcchert<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis7\" name=\"fn7\">[7]<\/a> Schwind, H.-D.: Empirische Kriminalgeographie. Kriminalit\u00e4tsatlas Bochum (BKA-Forschungsreihe, Bd. 8), Wiesbaden 1978<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis8\" name=\"fn8\">[8]<\/a> Herold, H.: Die Bedeutung der Kriminalgeographie f\u00fcr die polizeiliche Praxis, in: Kriminalistik 1977, H. 7, S. 289-296<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis9\" name=\"fn9\">[9]<\/a> Sehr, P.: Inpol-neu \u2013 Aufbruch in eine neue Generation der polizeilichen Datenverarbeitung, in: der kriminalist 2001, H. 2, S. 60-63<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis10\" name=\"fn10\">[10]<\/a> Bundesministerium des Innern; Bundesministerium der Justiz (Hg.): Erster Periodischer Sicherheitsbericht, Berlin 2001<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis11\" name=\"fn11\">[11]<\/a> Hanak, G.; Pilgram, A.: Der andere Sicherheitsbericht (Kriminalsoziologische Bibliographie) Wien 1991; siehe auch Peters, H.; Sack, F.: Von m\u00e4\u00dfiger Fortschrittlichkeit und soziologischer Ignoranz, in: Kriminologisches Journal 2003, H. 1, S. 17-29<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis12\" name=\"fn12\">[12]<\/a> Herold, H.: Ist die Kriminalit\u00e4tsentwicklung und damit die Sicherheitslage verl\u00e4\u00dflich zu beurteilen?, in: Kriminalistik 1976, H. 8, S. 337-345 (337, 344)<br \/>\n<a href=\"\/2004\/02\/09\/die-polizei-und-ihre-statistik-instrument-der-erkenntnis-der-planung-oder-der-politik\/#fnverweis13\" name=\"fn13\">[13]<\/a> Stadler, W.; Walser, W.: Fehlerquellen der Polizeilichen Kriminalstatistik, in: Liebl, K.; Ohlemacher, T.: Empirische Polizeiforschung. Interdisziplin\u00e4re Perspektiven in einem sich entwickelnden Forschungsfeld, Herbolzheim 2000, S. 68-89 (80)<\/h6>\n<p>Bibliographische Angaben: Busch, Heiner: Die Polizei und ihre Statistik. Instrument der Erkenntnis, der Planung oder der Politik?, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 77 (1\/2004), S. 6-11<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Heiner Busch F\u00fcnfzig Jahre Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) sind f\u00fcnfzig Jahre vorprogrammierter Missverst\u00e4ndnisse. 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