{"id":14159,"date":"2015-02-24T16:01:31","date_gmt":"2015-02-24T16:01:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=14159"},"modified":"2015-02-24T16:01:31","modified_gmt":"2015-02-24T16:01:31","slug":"geheimnisse-im-informationszeitalter-informationsfreiheit-akteneinsicht-und-innere-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=14159","title":{"rendered":"Geheimnisse im Informationszeitalter:\u00a0 Informationsfreiheit, Akteneinsicht und Innere Sicherheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eInformationsfreiheit\u201c, Zugang der B\u00fcrgerInnen zu den Informationen \u00fcber den Staat und zu den Daten, die der Staat (\u00fcber sie) sammelt, geh\u00f6rt schon lange zum Repertoire demokratisch-b\u00fcrgerrechtlicher Forderungen. Aber die Abschottung des Sicherheitsbereichs vor dem Volk hat bislang nur kleine Kratzer abbekommen.<\/strong><\/p>\n<p>Das Prinzip der \u00d6ffentlichkeit ist untrennbar mit der Vorstellung von Demokratie verbunden: Was nicht \u00f6ffentlich ist, was nicht allen B\u00fcrger\u00adInnen bekannt ist (oder sein k\u00f6nnte), das kann auch nicht zum Gegenstand der allgemeinen Willensbildung und Entscheidung werden. In dem Ma\u00df, wie sich der Staatsapparat der \u00d6ffentlichkeit entzieht, steht er im Widerspruch zum demokratischen Selbstverst\u00e4ndnis.<!--more--><\/p>\n<p>Demokratische Anspr\u00fcche und Prinzipien d\u00fcrfen jedoch nicht mit der realen Entwicklung staatlicher Gewalt verwechselt werden. Denn f\u00fcr die innere Verfassung moderner Staaten ist zun\u00e4chst das zentral, was mit dem Begriff der \u201earcana imperii\u201c beschrieben wird: Die im europ\u00e4ischen Absolutismus sich herausbildende Vorstellung vom Innenbereich staatlicher (zun\u00e4chst f\u00fcrstlich-absolutistischer) Herrschaft, der der Gesellschaft verborgen ist. Diese w\u00f6rtlich \u00fcbersetzten \u201eGeheimnisse der Herrschaft\u201c haben bis in die Gegenwart westlicher Demokratien \u00fcberlebt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Bis in die j\u00fcngste Vergangenheit waren die Wege stark begrenzt, auf denen sich B\u00fcr\u00adgerInnen hierzulande \u00fcber den Staat, das hei\u00dft \u00fcber die Organisation und die T\u00e4tigkeit des Staatsapparates, informieren k\u00f6nnen. Das Verwaltungsverfahrensrecht war traditionell die einzige Quel\u00adle von Informationsrechten. Es reguliert das Handeln der Verwaltung auf gesetzlicher Ebene, sch\u00fctzt sie aber zugleich vor der \u00d6ffentlichkeit, in\u00addem es nur Betroffenen eines Verwaltungsaktes ein Auskunftsrecht einr\u00e4umt und dies auf die damit zusammenh\u00e4ngenden Fragen beschr\u00e4nkt. \u201eDie Beh\u00f6rde hat den Beteiligten Einsicht in die das Verfah\u00adren betreffenden Akten zu gestatten \u2026\u201c, hei\u00dft es in \u00a7\u00a029 Abs.\u00a01 des Ver\u00adwal\u00adtungs\u00adverfahrensgesetzes des Bundes (\u00e4hnlich in den meisten Landesgesetzen).<\/p>\n<p>In Abs.\u00a02 wird dieses individuelle und einzelfallbezogene Einsichtsrecht zus\u00e4tzlich eingeschr\u00e4nkt. Die Verpflichtung der Beh\u00f6rden zur \u201eGestattung der Akteneinsicht\u201c endet dort, wo \u201edie ordnungsgem\u00e4\u00dfe Erf\u00fcllung der Aufgabe der Beh\u00f6rde beeintr\u00e4chtigt, das Bekanntwerden des Inhalts der Akten dem Wohl des Bundes oder eines Landes Nachteile bereiten w\u00fcrde oder soweit die Vorg\u00e4nge nach einem Gesetz oder ihrem Wesen nach, namentlich wegen der berechtigten Interessen der Beteiligten oder dritter Personen, geheim gehalten werden m\u00fcssen.\u201c Es geht also nicht nur um den Schutz der Rechte Dritter. Der \u00d6ffentlichkeit m\u00fcsse entzogen bleiben, was seinem \u201eWe\u00adsen\u201c nach geheim gehalten werden m\u00fcsse oder was dem Staat(sap\u00adpa\u00adrat) schaden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>In Deutschland hat es vergleichsweise lange gedauert, bis diese prinzipielle Abschottung ersetzt wurde. Denn der Grundsatz der Informa\u00adtions\u00adfreiheit kehrt die Begr\u00fcndungspflichten um: Nicht die B\u00fcrgerInnen m\u00fcssen darlegen, warum sie von Verwaltungsakten betroffen und ein berechtigtes Interesse an der Einsicht in die Akten haben, sondern der Staat muss gegen\u00fcber den B\u00fcrgerInnen begr\u00fcnden, warum er den gew\u00fcnschten Zugang verweigert. Brandenburg war 1999 das erste Bundesland, das diesen \u201eParadigmenwechsel\u201c von der \u201ebeschr\u00e4nkten Akten\u00f6ffentlichkeit\u201c zum \u201evoraussetzungslosen allgemeinen Informationszugangsanspruch\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> vollzog; es ist immer noch das einzige Land, in dem die Informationsfreiheit in der Verfassung garantiert ist (Art. 21 Abs. 4). 2006 trat das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes in Kraft; entsprechende Bestimmungen bestehen mittlerweile in elf Bundesl\u00e4ndern.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<h4>Informationsfreiheitsgesetz (IFG)<\/h4>\n<p>Wenngleich als \u201eParadigmenwechsel\u201c gefeiert, bringt das IFG f\u00fcr den Geheimdienstbereich nichts, f\u00fcr andere Felder Innerer Sicherheit eher wenig.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> In \u00a7 3 Nr. 8 IFG<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> wird der Informationszugang \u201egegen\u00fcber den Nachrichtendiensten\u201c grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen. F\u00fcr diese bleiben die Bestimmungen in den einschl\u00e4gigen Gesetzen ma\u00dfgebend. F\u00fcr den \u00fcbrigen Inneren Sicherheitsbereich liefert \u00a7\u00a03 IFG eine F\u00fclle m\u00f6glicher Ausschlussgr\u00fcnde: Die Information kann verweigert werden, wenn ihr \u201eBekanntwerden &#8230; nachteilige Wirkungen auf Belange der inneren oder \u00e4u\u00dferen Sicherheit\u201c hat (Nr. 1c) oder die \u201e\u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden kann\u201c (Nr. 2); unter Nr. 4 werden Verschlusssachen und unter Nr. 7 \u201evertraulich erhobene oder \u00fcbermittelte Informationen\u201c besonders gesch\u00fctzt. Die Versagensgr\u00fcnde, die das Gesetz bereith\u00e4lt, sind reichlich.<\/p>\n<p>Im Jahr 2012 hat das \u201eInstitut f\u00fcr Gesetzesfolgenabsch\u00e4tzung und Evaluation\u201c im Auftrag des Bundestags-Innenausschusses das IFG evaluiert.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Die Angaben beziehen sich auf die Jahre 2006 bis 2011 und \u2013 gem\u00e4\u00df dem Geltungsbereich des Gesetzes \u2013 nur auf Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Bundes. In den sechs Jahren wurden insgesamt 11.286 Anfragen gestellt. Dabei entfielen die meisten Anfragen auf das Finanz- (2.521), das Gesundheits- (1.843) und das Wirtschaftsministerium (1.747), einschlie\u00dflich der ihnen nachgeordneten Beh\u00f6rden. 608 Anfragen wurden an das Innenministerium und seine Gesch\u00e4ftsbereiche gerichtet. In den sechs Jahren wurden 3.281 Anfragen abgelehnt. Knapp zw\u00f6lf Prozent der Ablehnungen wurden mit dem Schutz personenbezogener Daten begr\u00fcndet. Die \u201esicherheitsrelevanten\u201c Ablehnungen verteilten sich wie folgt auf die nach \u00a7 3 IFG zugelassenen Alternativen:<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"227\">\u00a7 3 IFG<\/td>\n<td width=\"47\">Gesamt<\/td>\n<td colspan=\"4\" width=\"142\">davon entfallen auf:<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\"><\/td>\n<td width=\"47\"><\/td>\n<td width=\"34\">BMI<\/td>\n<td width=\"38\">BKA<\/td>\n<td width=\"38\">BPol<\/td>\n<td width=\"33\">BfV<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Zahl der Antr\u00e4ge<\/td>\n<td width=\"47\">11.286<\/td>\n<td width=\"34\">253<\/td>\n<td width=\"38\">34<\/td>\n<td width=\"38\">22<\/td>\n<td width=\"33\">16<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Zahl der Ablehnungen<\/td>\n<td width=\"47\">3.281<\/td>\n<td width=\"34\">111<\/td>\n<td width=\"38\">22<\/td>\n<td width=\"38\">8<\/td>\n<td width=\"33\">16<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Quote der Ablehnungen in %<\/td>\n<td width=\"47\">29,1<\/td>\n<td width=\"34\">43,9<\/td>\n<td width=\"38\">67,6<\/td>\n<td width=\"38\">36,4<\/td>\n<td width=\"33\">100<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Belange d. inneren o. \u00e4u\u00dferen Sicherheit (Nr. 1c)<\/td>\n<td width=\"47\">38<\/td>\n<td width=\"34\">17<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"38\">2<\/td>\n<td width=\"33\">0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">\u00d6ffentliche Sicherheit (Nr. 2)<\/td>\n<td width=\"47\">42<\/td>\n<td width=\"34\">3<\/td>\n<td width=\"38\">10<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"33\">0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Geheimnisvorschriften (Nr. 4)<\/td>\n<td width=\"47\">352<\/td>\n<td width=\"34\">21<\/td>\n<td width=\"38\">6<\/td>\n<td width=\"38\">3<\/td>\n<td width=\"33\">0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Vertrauliche Informationen (Nr. 7)<\/td>\n<td width=\"47\">66<\/td>\n<td width=\"34\">1<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"33\">0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"227\">Nachrichtendienste (Nr. 8)<\/td>\n<td width=\"47\">29<\/td>\n<td width=\"34\">2<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"33\">16<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Diese quantitative Bilanz des IFG ist nur wenig aussagekr\u00e4ftig. Insgesamt richten sich nur wenige Anfragen an die Polizeien des Bundes. In den sechs Jahren hat das Bundeskriminalamt (BKA) nur acht Anfragen positiv beschieden, die Bundespolizei (BPol) 14. Die Einzelfallschilderungen in den bisher vier Berichten des\/der Bundesbeauftragen f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> ergeben folgendes Bild:<\/p>\n<ul>\n<li>Dienstvorschriften der BPol und des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV), Liste der Tsunami-Opfer: abgelehnt, da es sich um klassifizierte Dokumente handelte (VS-NfD); der Bundesbeauftragte schlie\u00dft sich dieser Bewertung an. (1. Bericht, S. 40)<\/li>\n<li>Video\u00fcberwachung von Bahnh\u00f6fen: Vertr\u00e4ge zwischen Bahn und Bund, Zahl der Bahnh\u00f6fe und Kameras und Qualit\u00e4t der \u00dcberwachung. Abgelehnt, da Gesch\u00e4ftsgeheimnisse offenbart w\u00fcrden und die Innere Sicherheit gef\u00e4hrdet w\u00e4re. Der Bundesbeauftragte meldet hier teils erhebliche Zweifel an. Die entsprechenden Unterlagen seien zudem klassifiziert. Das Innenministerium bleibt bei der Ablehnung. (2. Bericht, S. 49-51) Nachdem der Antragsteller auf die Einsicht in die Anlagen der Vertr\u00e4ge verzichtet und ein Gespr\u00e4ch zwischen dem Beauftragten, Innenministerium und BPol-Pr\u00e4sidium stattgefunden hatte, wurden ihm die Vertr\u00e4ge zug\u00e4nglich gemacht. (4. Bericht, S. 69)<\/li>\n<li>Die BPol-Direktion Pirna schw\u00e4rzt in einer Antwort die dienstlichen E-Mail-Adressen der polizeilichen SachbearbeiterInnen. Nach der Beanstandung durch den Bundesbeauftragten werden die Dokumente ungeschw\u00e4rzt ausgeh\u00e4ndigt. (3. Bericht, S. 51f.)<\/li>\n<li>Das BKA verweigert die Einsicht in eine Errichtungsanordnung einer Staatsschutzdatei, weil sie R\u00fcckschl\u00fcsse auf Ermittlungsgrunds\u00e4tze zulasse. Nach der Bitte des Bundesbeauftragten, die Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit n\u00e4her zu begr\u00fcnden, gibt das BKA dem Informationsbegehren \u201evollumf\u00e4nglich\u201c statt. (4. Bericht, S. 66f.)<\/li>\n<li>Das BKA verlangt eine beglaubigte Ausweiskopie eines Antragstellers, der einen BKA-Bericht \u00fcber eine Rockergruppe einsehen will. Nach Intervention des Bundesbeauftragten sichert das BKA zu, Ausweiskopien zuk\u00fcnftig nur noch in \u201ebesonders gelagerten Ausnahmef\u00e4llen\u201c zu verlangen. (4. Bericht, S. 67)<\/li>\n<li>Mehrfach wird in den Berichten auch bem\u00e4ngelt, dass die Beh\u00f6rden mit Kostenbescheiden offenkundig die Neugier der B\u00fcrgerInnen bremsen wollen. Im 4. Bericht wird auch das BKA in diesem Zusammenhang genannt: Ein Antragsteller wollte Auskunft \u00fcber Reisebegleitung, Verlauf und Gespr\u00e4chspartnerInnen auf zwei Auslandsreisen des BKA-Pr\u00e4sidenten haben. Die Fragen wurden beantwortet &#8211; allerdings mit einem Geb\u00fchrenbescheid \u00fcber 250 Euro, dem H\u00f6chstbetrag f\u00fcr derartige Antworten. (4. Bericht, S. 67f.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen kleinen Eindruck \u00fcber das Informationsverhalten der Sicherheitsbeh\u00f6rden kann man auch \u00fcber \u201eFrag den Staat\u201c erhalten:<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"167\"><\/td>\n<td width=\"46\">BKA<\/td>\n<td width=\"37\">BPol<\/td>\n<td width=\"38\">BfV<\/td>\n<td width=\"38\">BND<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">Zahl der Anfragen<\/td>\n<td width=\"46\">32<\/td>\n<td width=\"37\">22<\/td>\n<td width=\"38\">11<\/td>\n<td width=\"38\">23<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">Beantwortet<\/td>\n<td width=\"46\">7<\/td>\n<td width=\"37\">6<\/td>\n<td width=\"38\">0<\/td>\n<td width=\"38\">1*<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">teilweise beantwortet<\/td>\n<td width=\"46\">5<\/td>\n<td width=\"37\">4<\/td>\n<td width=\"38\">1<\/td>\n<td width=\"38\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">Antwort abgelehnt<\/td>\n<td width=\"46\">9<\/td>\n<td width=\"37\">0<\/td>\n<td width=\"38\">5<\/td>\n<td width=\"38\">19<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">Antwort steht aus<\/td>\n<td width=\"46\">5<\/td>\n<td width=\"37\">12<\/td>\n<td width=\"38\">5<\/td>\n<td width=\"38\">3<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>* die Antwort besteht in der Zusendung eines Nutzerantrags f\u00fcr das Archiv des BND<\/p>\n<p>Eine inhaltliche W\u00fcrdigung von Anfragen und Antwortverhalten steht aus. Im Hinblick auf den Umfang kann man feststellen, dass das Interesse der B\u00fcrgerInnen an den Sicherheitsbeh\u00f6rden vergleichsweise gering ist. Offenkundig gelingt es dem bzw. der Bundesbeauftragten mitunter, Zugangsblockaden bei den Polizeien aufzuweichen.<\/p>\n<h4>Geheimdienste und der \u201eexekutive Kernbereich\u201c<\/h4>\n<p>Die Geheimdienste sind von den Bestimmungen des IFG ausgenommen. Antr\u00e4ge im Bundestag, diese Ausnahme zu streichen, weil die anderen Ausnahmetatbest\u00e4nde Sicherheitsbedenken ausreichend Rechnung tragen, blieben folgenlos.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Deshalb kommen f\u00fcr den Geheimdienstbereich nur die Auskunftsrechte Betroffener infrage, wie sie in den Geheimdienstgesetzen formuliert sind. Die Grenzen und T\u00fccken dieses Verfahrens werden von Angela Furmaniak und Udo Kau\u00df in diesem Heft ausf\u00fchrlich beschrieben. Die Geheimdienste bleiben auch im \u201eInformationszeitalter\u201c eine staatliche Herrschaftsressource besonderer Art: Die Geheimdienstgesetze erlauben eine Vielzahl an Versagensgr\u00fcnden, die die Betroffenen nur mit langem und aufw\u00e4ndigem, schnell auch kostenintensiven Engagement versuchen k\u00f6nnen auszuhebeln. Im Einzelfall kann das den Einzelnen zu ihrem Recht verhelfen, es kann auch n\u00fctzlich sein, die Praxis der Dienste am Einzelfall zu skandalisieren, aber als Instrument zur politischen Kontrolle der Geheimdienste taugt das Auskunftsrecht Betroffener nicht. Notfalls, so Furmaniak\/Kau\u00df, lassen sich die Dienste lieber die Rechtswidrigkeit ihrer Datenspeicherungen attestieren, als dass sie ihre Praxis der \u00d6ffentlichkeit preisgeben.<\/p>\n<p>Die verst\u00e4ndigen B\u00fcrgerInnen werden einsehen, dass ein Geheimdienst kein Geheimdienst mehr ist, wenn Hinz und Kunz erfahren, was er wie tut. Dienste in demokratischen Staaten, so die herrschende Lehre, werden deshalb durch die VertreterInnen des Volkes, die Parlamente \u2013 und weil auch sie nicht als besonders zuverl\u00e4ssig gelten \u2013 durch besondere Einrichtungen der Parlamente kontrolliert. In Deutschland geschieht das prim\u00e4r durch die \u201eParlamentarischen Kontrollgremien\u201c. Auf deren systematische Begrenzungen hat CILIP dauerhaft hingewiesen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Dienste und politisch Verantwortliche gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung mit Sicherheits- und Geheimhaltungsinteressen argumentieren, versuchen sie das Informationsinteresse der Parlamente mit dem Hinweis auf den \u201eKernbereich exekutiver Eigenverantwortung\u201c abzublocken. Diese Formel ist die moderne Fassung der \u201earcana imperii\u201c: Hier will der staatliche Regierungsapparat ungehindert vom Souver\u00e4n seinen Herrschaftsgesch\u00e4ften nachgehen. Bis 2009 war diese Formel geeignet, auch die Informationsbegehren der Parlamente (genauer: der parlamentarischen Opposition) pauschal abzublocken. Gegen diese Strategie der Informationsverweigerung im BND-Untersuchungsausschuss \u2013 beschr\u00e4nkte Aussagegenehmigung f\u00fcr MitarbeiterInnen, die Weigerung, Akten vorzulegen \u2013, riefen die drei kleinen Fraktionen des 16. Bundestages das Bundesverfassungsgericht an, das der Klage in seinem Beschluss vom 17. Juni 2009 in wesentlichen Teilen stattgegeben hat. Zwar hat das Gericht nicht am \u201eKernbereich exekutiver Eigenverantwortung\u201c ger\u00fcttelt (der mit dem Gewaltenteilungsgrundsatz begr\u00fcndet wird), und es hat auch nicht die Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit bestimmter Informationen infrage gestellt, aber es hat die Informationsverweigerung deutlich begrenzt: \u201ePauschales Berufen auf einen der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Gr\u00fcnde \u2026 gen\u00fcgt auf keinen Fall. Das Vorliegen der Voraussetzungen eines Informationsverweigerungsrechts ist substantiiert, nicht lediglich formelhaft, darzulegen.\u201c Es sei die Pflicht der Regierung, dem Untersuchungsausschuss \u201enachvollziehbar darzulegen, aus welchen Gr\u00fcnden die angeforderten Beweismittel dem exekutiven Kernbereich zuzuordnen sind und warum sie \u2026 nicht herausgegeben werden k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Das Urteil hat die Rechte der Parlamente gegen\u00fcber der Exekutive deutlich gest\u00e4rkt. Sich deren Kontrolle zu entziehen bleibt weiter m\u00f6glich, aber der (Begr\u00fcndungs-)Auf\u00adwand ist gr\u00f6\u00dfer geworden.<\/p>\n<h4>Potenziale nutzen<\/h4>\n<p>Licht in die Sicherheitsapparate zu bringen, ist ein m\u00fchsames Unterfangen. Vereinzelte Fortschritte sind nicht zu verkennen. Dazu z\u00e4hlt das IFG, dessen M\u00f6glichkeiten noch viel zu wenig genutzt werden; dazu z\u00e4hlen auch die Rechte der Parlamente, f\u00fcr die man sich eine starke, mehr an B\u00fcrger- als an Staatsrechten orientierte Opposition w\u00fcnschen muss. Politisch gilt es, gegen die Sonderstellung der Nachrichtendienste zu Felde zu ziehen (so lange man sie nicht ganz abschafft). Ihre pauschale Herausnahme aus den Informationsfreiheitsgesetzen ist sachlich nicht zu rechtfertigen. Und auch f\u00fcr die anderen Begrenzungen gilt: Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit ist kein Argument, sondern sie muss in der Sache plausibel nachgewiesen werden. Denn wo der Staat Geheimnisse hat, dort mangelt es an Demokratie, dort sind B\u00fcrgerrechte in Gefahr.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0 Wegener, B. W.: Die Geschichte der Informationsfreiheit, in: Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen (Hg.): Sommersymposium Informationsfreiheit, D\u00fcsseldorf 2004, S. 5-30<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0 Schoch, F.: Zugang zu amtlichen Informationen nach dem Informationsfreiheitsgesetz des Bundes (IFG), in: JURA 2012, H. 3, S. 303-313 (303)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0 Ohne Informationsfreiheitsgesetze: Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Sachsen. Au\u00dfer in Bayern ist deren Schaffung in den Koalitionsvereinbarungen in den Bundesl\u00e4ndern vorgesehen, s. https:\/\/fragdenstaat.de\/ifg-stand [26.11.2014]<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0 Explizit ausgeklammert bleiben hier die strafprozessualen Zugangsrechte.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0 Im Folgenden wird nicht auf die Bestimmungen in den Landesgesetzen eingegangen.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0 Ziekow, J.; Debus, A.G.; Musch, E.: Evaluation des Gesetzes zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes (IFG), Speyer 2012 (Bundestags-Innenausschuss Drs. 17(4)522B); s.a.: Dies.: Bew\u00e4hrung und Fortentwicklung des Informationsfreiheitsrechts, Baden-Baden 2013<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0 Zusammengestellt n.: ebd., S. 293, 517, 537, 545, 547. Zahlen zum Bundesnachrichtendienst (BND) und Milit\u00e4rischen Abschirmdienst (MAD) werden nicht genannt. Den Auflistungen der Ressorts (Bundeskanzleramt bzw. Verteidigungsministerium kann man entnehmen, dass offenkundig jeweils eine Anfrage an die beiden Dienste gestellt wurde.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0 s. <a href=\"http:\/\/www.bfdi.bund.de\/DE\/Infothek\/Taetigkeitsberichte\/taetigkeitsberichte-node.html\">www.bfdi.bund.de\/DE\/Infothek\/Taetigkeitsberichte\/taetigkeitsberichte-node.html<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0 h<a href=\"\/\/fragdenstaat.de\/suche\">ttps:\/\/fragdenstaat.de\/suche<\/a> [26.11.2014]<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> BT-Drs. 16\/10880 v. 12.11.2008 und BT-Drs. 16\/12189 v. 4.3.2009<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> zuletzt: P\u00fctter, N.: Geheimdienste besser kontrollieren?, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 105 (Mai 2014), S. 17-26<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.bverfg.de\/entscheidungen\/es20090617_2bve000307.html\">www.bverfg.de\/entscheidungen\/es20090617_2bve000307.html<\/a>, Rdnr. 138<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eInformationsfreiheit\u201c, Zugang der B\u00fcrgerInnen zu den Informationen \u00fcber den Staat und zu den Daten, die<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,112],"tags":[309,348,626,667,768,769,1491],"class_list":["post-14159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-107","tag-bundeskriminalamt","tag-bundespolizei","tag-frag-den-staat","tag-geheimdienste","tag-informationsfreiheit","tag-informationsfreiheitsgesetz","tag-verfassungsschutz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14159\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}