{"id":14168,"date":"2015-02-24T16:14:39","date_gmt":"2015-02-24T16:14:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=14168"},"modified":"2015-02-24T16:14:39","modified_gmt":"2015-02-24T16:14:39","slug":"parlamentarisches-fragerecht-abgeordnete-fragen-die-regierung-antwortet-manchmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=14168","title":{"rendered":"Parlamentarisches Fragerecht:\u00a0Abgeordnete fragen, die Regierung antwortet \u2013 manchmal"},"content":{"rendered":"<h3>von Albrecht Maurer und Matthias Monroy<\/h3>\n<p><strong>Das Frage- und Informationsrecht des Parlaments basiert auf Artikel 38 des Grundgesetzes und dem in Artikel 20 festgeschriebenen Demokratieprinzip. N\u00e4heres ist in der Gesch\u00e4ftsordnung des Bundestages geregelt. Zusammen mit der Antwortpflicht der Regierung, ist es Gegenstand einer Vielzahl von Klagen auch vor dem Bundesverfassungsgericht. <\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Fragerecht \u00fcben die Abgeordneten und damit das Parlament ihre Kontrollfunktion aus. Angeh\u00f6rige aller Fraktionen k\u00f6nnen damit einzelne Vorhaben oder Entscheidungen der Regierung hinterfragen, Einzelinformationen ans Tageslicht bef\u00f6rdern oder die Hintergr\u00fcnde von Verhandlungen oder Regierungsentscheidungen und -planungen auf\u00addecken. Mehrheitlich sind diese parlamentarischen Initiativen aber ein Instrument der Opposition. Die Fraktionen k\u00f6nnen damit eigene Aktivit\u00e4ten mit Fakten, Informationen und Hintergr\u00fcnden unterf\u00fcttern und vorbereiten oder Themen, die eher am Rande des politischen Geschehens ablaufen, der \u00f6ffentlichen Diskussion zug\u00e4nglich machen. Kurz: es ist vor allem f\u00fcr die Opposition ein wichtiges Instrumentarium, f\u00fcr deren \u00d6ffentlichkeitsarbeit fast unverzichtbar und ein kleines Gegengewicht zur Mediendominanz und zur Diskussions- und Definitionshoheit von Regierung und Mehrheitsfraktionen.<!--more--><\/p>\n<p>Vier verschiedene Typen der Anfragen sind zu unterscheiden: Gro\u00dfe und Kleine Anfragen sind Fraktionsinitiativen, die von mehreren Abgeordneten eingebracht werden. Sowohl die Anfragen als auch die Antworten werden als Parlamentsdrucksache ver\u00f6ffentlicht. Bei Gro\u00dfen Anfragen, die eher Grundsatzprobleme behandeln sollen, wird die Antwort im Plenum diskutiert. F\u00fcr Kleine Anfragen gilt eine Antwortfrist von zwei Wochen nach Zuleitung ans Kanzleramt. F\u00fcr Gro\u00dfe Anfragen gibt es keine explizite Frist.<\/p>\n<p>Jede\/r Abgeordnete kann au\u00dferdem maximal zwei m\u00fcndliche Fragen pro Sitzungswoche stellen, die bis Freitagmorgen der Vorwoche eingereicht sein m\u00fcssen. Die zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4rInnen beantworten sie in der jeweils mittwochs stattfindenden Fragestunde. Alle anwesenden Abgeordneten haben dann die M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine spontane Zusatzfrage, die einreichenden Abgeordneten sogar f\u00fcr zwei. Das Ganze wird tags darauf im Plenarprotokoll ver\u00f6ffentlicht. Bei Nichtanwesenheit der einreichenden Abgeordneten werden die Fragen schriftlich beantwortet und dem Plenar\u00adprotokoll angeh\u00e4ngt. Ein Abk\u00f6mmling der m\u00fcndlichen ist die \u201edring\u00ad\u00adliche Frage\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Sie kann aus aktuellen Anl\u00e4ssen bis Dienstagmittag vor der Mittwochssitzung eingereicht werden.<\/p>\n<p>Pro Monat k\u00f6nnen die Abgeordneten ferner vier schriftliche Fragen stellen. Die Antworten werden nach einigen Wochen in einem Sammeldokument ver\u00f6ffentlicht, die FragestellerInnen erhalten sie aber bereits nach Ablauf einer Woche zur zun\u00e4chst alleinigen Verwendung.<\/p>\n<p>Jede einzelne der vier Frageformen ist bis ins Kleinste geregelt. So d\u00fcrfen schriftliche und m\u00fcndliche Frage nur aus jeweils zwei Unterfragen bestehen. Selbst die Zahl der in der Frage angesprochenen Themen und die Zeichenzahl sind limitiert. Bei Kleinen und Gro\u00dfen Anfragen exis\u00adtiert keine derartige Begrenzung, allerdings kann die Bundesregierung die Beantwortung aufgrund der L\u00e4nge verz\u00f6gern. M\u00f6glich sind hierzu zwei Fristverl\u00e4ngerungen von maximal zwei Wochen. Auch wenn mehrere Ressorts betroffen sind oder Informationen bei Einrichtungen der EU abgefragt werden m\u00fcssen, werden von der Bundesregierung gern Fristverl\u00e4ngerungen ausgesprochen. Eine Beschwerde beim Bundestagspr\u00e4sidenten ist zwar m\u00f6glich, bedeutet aber eine weitere Zeitverz\u00f6\u00adgerung und bringt nur selten erweiterte Antworten.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich bereits der gro\u00dfe Spielraum zur Auslegung formaler Kriterien und zur faktischen Behinderung des Frage- und Informationsrechts. Weitere Vorgaben existieren zur korrekten Angabe von Fundstellen, Namensnennungen, Wertungen oder Abk\u00fcrzungen. \u00dcberschriften d\u00fcrfen nicht als Frage formuliert werden. Unzul\u00e4ssig und vom zust\u00e4ndigen Parlamentssekretariat penibel kontrolliert, sind beispielsweise Formulierungen, \u201edie im Plenum mit einem Ordnungsruf geahndet werden\u201c. Ein \u201eSachlichkeitsgebot\u201c verbietet \u201einsbesondere alle beleidigenden, polemischen, aggressiven und durch die Sache nicht gerechtfertigten Formulierungen\u201c. Seit Jahren streitet etwa die Linksfraktion mit der Bundesregierung, ob grenz\u00fcbschreitend agierende Verdeckte Ermittler\u00adInnen als \u201eSpitzel\u201c bezeichnet werden k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<h4>Antwortverweigerungsm\u00f6glichkeiten der Bundesregierung<\/h4>\n<p>In zahlreichen Beschl\u00fcssen des Bundesverfassungsgerichts und verschiedener Verwaltungsgerichte sind die Frage- und Informationsrechte begr\u00fcndet und gegen das restriktive Antwortverhalten der Regierungen verteidigt worden.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Und trotzdem liegt die begrenzte Reichweite dieser Instrumente nicht so sehr in den kleinlichen und oft \u00e4rgerlichen, weil zur Behinderung genutzten formalen Vorgaben, sondern in dem gro\u00dfen Reservoir an Verweigerungsm\u00f6glichkeiten. Sie reichen vom of\u00adfen\u00adkundi\u00adgen Ausweichen \u00fcber Fristverschiebungen, dem Verorten au\u00dferhalb des Verantwortungsbereichs der Regierung bis hin zum Versenken im Geheimbereich oder im \u201eKernbereich der exekutiven Eigenverant\u00adwortung\u201c.<\/p>\n<p>Bei den Ausreden und Begr\u00fcndungen l\u00e4sst die Bundesregierung durchaus Fantasie walten: Gern verweist sie auf fr\u00fchere Druck\u00adsachen, in denen angeblich \u00e4hnliche Fragen behandelt wurden. Schl\u00e4gt man dort nach, finden sich h\u00e4ufig ebenfalls keine ernsthaften Antworten oder aber weitere Verweise.<\/p>\n<p>Eine Anfrage sollte etwa ausweichende Antworten zur Beteiligung deutscher Polizeikr\u00e4fte an einer EU-Mission in Libyen aufkl\u00e4ren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Nachdem in Frankreich ein vertrauliches Operationskonzept an die \u00d6ffentlichkeit gelangt war, entpuppten sich einige fr\u00fchere Antworten der Bundesregierung hierzu als unrichtig. Mit dem Konzept konfrontiert, hie\u00df es dann, \u201edie Bundesregierung kommentiert keine Dokumente, die im Internet kursieren und Anspruch erheben, ein vertrauliches EU-Dokument zu sein\u201c.<\/p>\n<p>Wenn die FragestellerInnen empfindliche Stellen treffen, kann es ihnen passieren, dass sie zwar eine Antwort erhalten, deren wesentliche Aussagen aber bereits vorher gr\u00f6\u00dferen Medien zugespielt wurden. So ist es kaum m\u00f6glich, eigene politische Akzente zu den enth\u00fcllten Informationen zu setzen. In einem anderen Fall hat sich die Staatsschutzabteilung des Bundeskriminalamtes, die Anfragen zu grenz\u00fcberschreitenden Eins\u00e4tzen Ver\u00addeckter ErmittlerInnen beantworten sollte, selbst an die Presse gewandt, ohne dazu autorisiert zu sein. Unter dem Titel \u201eSp\u00e4h-Angriff im Parlament?\u201c behauptete kurz darauf das Magazin FOCUS, die Polizei und die Bundeswehr f\u00fchlten sich von der Linkspartei ausgeforscht.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> \u201eSensible Daten\u201c zur Inneren Sicherheit landeten \u201eim linken Berliner Untergrund\u201c, es handele sich also um einen \u201eMissbrauch des parlamentarischen Fragerechts\u201c. Jedoch hatte der verfassende \u201eChefreporter\u201c unterschlagen, dass die Antworten stets von der Bundesregierung selbst im Internet ver\u00f6ffentlich werden und dort \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind. Die beiden derart diskreditierten Abgeordneten konterten den FOCUS-Bericht mit einer Kleinen Anfrage, woraufhin die Bundesregierung erkl\u00e4ren musste, dass keine solche \u201eWeitergabe von sicherheitsrelevanten Daten an die militante Szene\u201c bekannt sei.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Welcher \u201ehohe Staatsschutz-Beamte\u201c geplaudert hatte, lie\u00df sich nicht rekonstruieren.<\/p>\n<p>Gelegentlich stolpern parlamentarische Untersuchungsaussch\u00fcsse \u00fcber interne Vermerke, die zeigen, wie die Bundesregierung bei der Beantwortung von Kleinen Anfragen den Kern umschifft: Bei der Aufarbeitung des Skandals zur Spionage-Drohne \u201eEuro Hawk\u201c hatten Abgeordnete gefragt, welche Datenschutzbeauftragten in die Entwicklung der Drohne einbezogen worden seien.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Ein interner Mailverkehr aus dem Verteidigungsministerium belegt, dass das Fehlen eines Datenschutzkonzeptes verschwiegen werden sollte: Ein Mitarbeiter schrieb, dies in die Antwort hineinzuschreiben sei \u201esicher auch nicht zielf\u00fchrend\u201d. Auch ein Hinweis auf die fehlende Zusammenarbeit mit dem Datenschutzbeauftragten des Bundes sollte vermieden werden, \u201eum dieses Thema nicht wieder aufzuw\u00e4rmen.\u201c Ein anderer Mitarbeiter schrieb dazu, dies k\u00f6nne sich ansonsten \u201enegativ auf das Thema Datenschutz\u201c auswirken.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>In den Ministerien geht es zuweilen durchaus humoristisch zu. Als die Abgeordnete Petra Pau bei einer m\u00fcndlichen Frage den zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4r bei einer eindeutigen falschen Antwort ertappte (\u201eeine Datei \u201aRechtsextremistische Kameradschaften\u2018 ist der Bundesregierung nicht bekannt\u201c), zeigte die Durchsicht des internen Mailwechsels Unstimmigkeiten unter den Beh\u00f6rden. So habe das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz angeblich gar nicht gewusst, dass es diese Projektarbeit offiziell \u00fcbernommen hatte, also erhielt der Staatssekret\u00e4r keine diesbez\u00fcg\u00adlichen Informationen f\u00fcr die Fragestunde. Nun, so die internen Schluss\u00adfolgerungen, k\u00e4me es darauf an, eine \u201egalante aber tragf\u00e4hige Antwort\u201c f\u00fcr diesen Fauxpas zu finden.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<h4>Vier Verschlusssachen- bzw. Geheimhaltungsgrade<\/h4>\n<p>Wo der \u201eKernbereich exekutiver Eigenverantwortung\u201c anf\u00e4ngt und die Regierung dem Parlament Informationen ganz verweigern darf, ist nicht nur im Zusammenhang mit parlamentarischen Untersuchungsaussch\u00fcssen heftig umstritten. Zu diesem Bereich wird von den Gerichten unter anderem die Willensbildung der Regierung selbst gerechnet: Er\u00f6rterungen im Kabinett, ressort\u00fcbergreifende und interne Abstimmungsprozesse etc. Die Kontrollkompetenz des Bundestages erstreckt sich grunds\u00e4tzlich nur auf bereits abgeschlossene Vorg\u00e4nge. Wenn der Stand laufender Verhandlungen abgefragt wird oder die Bundesregierung erkl\u00e4ren soll, welche Position sie dort vertritt, wird die Antwort in der Regel verweigert.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr Fragen, die andere Staaten betreffen. Auch wenn die Bundesregierung an gemeinsamen Ma\u00dfnahmen beteiligt ist, bezieht sie zu den Aktivit\u00e4ten der jeweiligen Partner-Regierungen keine Stellung. Strittig ist auch der \u201ealleinige Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Bundesl\u00e4nder\u201c in polizeilichen Angelegenheiten. So will die Bundesregierung beispielsweise keine Auskunft \u00fcber einzelne Aktivit\u00e4ten der Bundespolizei im Rahmen von Unterst\u00fctzungseins\u00e4tzen in den Bundesl\u00e4ndern geben. Im Februar 2015 wird das Bundesverfassungsgericht \u00fcber eine Klage der Linksfraktion gegen diese Informationsverweigerung verhandeln.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Staatswohl und exekutive Eigenverantwortung<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Welche Bahnh\u00f6fe sind jeweils in welche Risikoklasse eingestuft? <strong>Antwort:<\/strong> Die Zuordnung einzelner Bahnh\u00f6fe in die Gef\u00e4hrdungskategorien unterliegt \u2026 der st\u00e4ndigen Lagebewertung und ist nicht statisch. Nach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung zwischen dem aus Artikel 38 Absatz 1 Satz 2 i. V. m. Artikel 20 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes (GG) resultierenden Informationsrecht des Deutschen Bundestages einerseits und den hier vorliegen den Geheimhaltungsinteressen andererseits ist die Bundesregierung zu der Auffassung gelangt, dass im Rahmen einer Kleinen Anfrage die Auflistung einer Zuordnung der einzelnen Bahnh\u00f6fen zu einer Gef\u00e4hrdungskategorie aus Gr\u00fcnden des Staatswohls nicht erfolgen kann. (BT-Drs. 17\/14796 v. 25.9.2013)<\/p>\n<p><strong>F.: <\/strong>Wann wurden die Verhandlungen [eines Abkommens zur Polizeizusammenarbeit mit \u00c4gypten] suspendiert bzw. wieder aufgenommen, und welche Gr\u00fcnde wurden der \u00e4gyptischen Regierung hierzu jeweils \u00fcbermittelt? <strong>A.:<\/strong> Aufgrund der noch laufenden Verhandlungen sieht die Bundesregierung von n\u00e4heren Angaben zum Verhandlungsprozess ab. (BT- Drs. 18\/3054 v. 5.11.2014)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Viele Abgeordnete lassen nicht locker und stellen weitere Nachfragen. Derart in die Enge getrieben, geben die Ministerien zwar unter Umst\u00e4nden eine Antwort, hinterlegen diese jedoch als klassifiziertes Dokument im Geheimschutzraum des Parlaments. Die dort geltenden Geheimhaltungsregeln sind in der \u201eAllgemeinen Verwaltungsvorschrift zum materiellen und organisatorischen Schutz von Verschlusssachen\u201c (Verschlusssachen-Anweisung, VSA) zusammengestellt, die wiederum die Vorgaben des Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes umsetzt. Hier sind vier Verschlusssachen- bzw. Geheimhaltungsgrade niedergelegt und begr\u00fcndet: \u201estreng geheim\u201c (Informationsaufkommen BND), \u201egeheim\u201c (Un\u00adterlagen kritischer Infrastrukturen, Staatsvertr\u00e4ge), \u201evertraulich\u201c (Er\u00adkennt\u00adnisse \u00fcber die Arbeitsweise extremistischer\/terroristischer Organisationen, deren Bekanntgabe die Beobachtung gef\u00e4hrden w\u00fcrde) und \u201enur f\u00fcr den Dienstgebrauch\u201c (besondere Dienstanweisungen, Dienstpl\u00e4ne, Zusammenstellungen polizeilicher Ermittlungen). Alle Informationen, Antworten und Ausk\u00fcnfte, die als Verschlusssache, also in irgendeinen der genannten Geheimhaltungsgrade eingestuft sind, werden nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht. Liegen die Antworten in der Geheimschutzstelle, d\u00fcrfen sich die einsehenden Abgeordneten keine Notizen machen und Inhalte schon gar nicht mit Anw\u00e4ltInnen oder B\u00fcrgerrechtsgruppen besprechen.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>\u201eVS-Geheim\u201c<\/p>\n<p><strong>F.:<\/strong> Welche \u00dcberwachungsstationen in Deutschland werden \u2026 von der NSA bis heute genutzt\/mit genutzt? <strong>A.:<\/strong> Durch die NSA genutzte \u00dcberwachungsstationen in Deutschland sind der Bundesregierung nicht bekannt \u2026 Im \u00dcbrigen wird auf das bei der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegte \u201eVS \u2013 Geheim\u201c eingestufte Dokument verwiesen. (BT-Drs. 17\/14560 v. 14.8.2013)<\/p>\n<p><strong>F.:<\/strong> Wie hoch sind die Kosten f\u00fcr die Kommunikations\u00fcberwachung im Rahmen der \u201estrategischen Fernmeldeaufkl\u00e4rung\u201c \u2026? <strong>A.:<\/strong> Eine Auflistung der konkreten Kosten f\u00fcr die Kommunikations\u00fcberwachung im Rahmen der strategischen Fernmeldeaufkl\u00e4rung kann R\u00fcckschl\u00fcsse auf die technischen F\u00e4higkeiten sowie auf das Aufkl\u00e4rungspotential des BND zulassen. Aus diesem Grund muss ausnahmsweise der parlamentarische Auskunftsanspruch vor dem Geheimhaltungsinteresse des BND insoweit zur\u00fccktreten als die nachstehende Antwort mit einem Verschlusssachengrad \u201eGeheim\u201c eingestuft und zur Auslage in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages bestimmt wird. (BT-Drs. 17\/9640 v. 15.5.2012)<\/p>\n<p><strong>F.:<\/strong> \u00dcber welche bzw. wie viele Anwendungen zum Versand von \u201eStillen SMS\u201c verf\u00fcgen das Bundeskriminalamt und das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz derzeit, und um welche Produkte welcher Hersteller handelt es sich? Welche Lizenzgeb\u00fchren fallen hierf\u00fcr j\u00e4hrlich an? <strong>A.:<\/strong> Eine Kenntnisnahme von Informationen zu technischen F\u00e4higkeiten des BfV durch Unbefugte k\u00f6nnte erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die operative Arbeit des BfV haben. In der Konsequenz entst\u00fcnden signifikante Informationsl\u00fccken mit negativen Folgewirkungen f\u00fcr die Genauigkeit der Abbildung der Sicherheitslage in der Bundesrepublik Deutschland. Die k\u00fcnftige Aufgabenerf\u00fcllung der Nachrichtendienste des Bundes w\u00fcrde stark beeintr\u00e4chtigt. (BT-Drs 18\/2695 v. 30.9.2014)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dar\u00fcber hinaus scheitern Anfragen oft auch am \u201eStaatswohl\u201c: \u201eNach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung des Aufkl\u00e4rungs- und Informationsrechts der Abgeordneten mit dem Wohl des Bundes (Staatswohl), das durch Bekanntwerden geheimhaltungsbed\u00fcrftiger Informationen gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnte, \u00e4u\u00dfert sich die Bundesregierung nur, soweit dies die Wirksamkeit nachrichtendienstlicher T\u00e4tigkeit nicht gef\u00e4hrden kann.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Antworten beziehungsweise Informationen werden so komplett verweigert oder lediglich m\u00fcndlich im Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) gegeben. Alle dort besprochenen Inhalte sind geheim. Nur Bewertungen, also keine Fakten zu be\u00adstimmten Vorg\u00e4ngen, k\u00f6nnen \u00f6ffentlich gemacht werden; wenn zwei Drittel der Mitglieder zustimmen. Dann darf auch jedes Mitglied ein Sondervotum ver\u00f6ffentlichen (\u00a7 10 PKGr-Gesetz). Nach der neuesten Fassung der Gesch\u00e4ftsordnung darf das PKGr auf Antrag eines Mitglieds beschlie\u00dfen, die Bundesregierung aufzufordern, alle Vorsitzenden der Fraktionen \u00fcber bestimmte Sachverhalte zu unterrichten.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>\u201eVS-Vertraulich\u201c<\/p>\n<p><strong>F.: <\/strong>\u00dcber welche konventionellen Waffensysteme verf\u00fcgen nach Kenntnis der Bundesregierung die aserbaidschanischen Streitkr\u00e4fte, und wie ist ihre aktuelle Gesamtst\u00e4rke einzusch\u00e4tzen? <strong>A.:<\/strong> Die Beantwortung der Frage kann nicht offen erfolgen. Im Rahmen der Zusammenarbeit der Nachrichtendienste m\u00fcssen Einzelheiten \u00fcber die Ausgestaltung der Kooperation vertraulich behandelt werden. (BT-Drs. 18\/2816 v. 24.10.2014)<\/p>\n<p><strong>F.: <\/strong>Welche Informationen \u2026 liegen der Bundesregierung \u2026 zu laufenden oder abgeschlossenen Aktivit\u00e4ten weiterer ausl\u00e4ndischer verdeckt agierender Polizeibediensteter in Deutschland vor? <strong>A.:<\/strong> Die Beantwortung dieser Frage ist der Bundesregierung in dem f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit einsehbaren Teil der Beantwortung der Kleinen Anfrage aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Die Antwort der Bundesregierung auf diese Frage muss als \u201eVerschlusssache \u2013 Vertraulich\u201c eingestuft werden. (BT-Drs. 17\/5370 v. 6.4.2011)<\/p>\n<p><strong>F.: <\/strong>Haben Beh\u00f6rden der Bundesregierung jemals mit Privatfirmen bez\u00fcglich verdeckter Ermittlungen zusammengearbeitet? <strong>A.:<\/strong> Soweit die gegenst\u00e4ndliche Kleine Anfrage polizeiliche Inhalte betrifft, die sich auf konkrete Fragestellungen zu verdeckten Eins\u00e4tzen deutscher und ausl\u00e4ndischer Polizeibeamter beziehen, ist der Bundesregierung deren Behandlung in dem f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit einsehbaren Teil ihrer Antwort aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. (BT-Drs. 17\/9844 v. 31.5.2012)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die einfachste M\u00f6glichkeit, dem parlamentarischen Frage- und Informationsrecht nachzukommen ohne die Informationen und Antworten tats\u00e4chlich zur freien Verf\u00fcgung der \u00d6ffentlichkeit zu stellen, ist also die Einstufung. Selbst die unterste Stufe \u201eNur f\u00fcr den Dienstgebrauch\u201c regelt, dass davon nur Personen Kenntnis erhalten d\u00fcrfen, die aufgrund ihrer Dienstpflichten von ihr Kenntnis haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Oft werden Antworten zu den Bereichen Justiz, Inneres und Verteidigung oder Aktivit\u00e4ten des Bundesnachrichtendienstes auf die verschiedenen Ebenen der Verschlusssachen verschoben und sind damit jeder ernsthaften \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung oder fundierten Kontrolle der Regierungst\u00e4tigkeit entzogen. Hierunter fallen auch \u201eGesch\u00e4ftsgeheimnisse\u201c wie zum Beispiel Vertr\u00e4ge mit Softwareschmieden oder bestimmte Vertr\u00e4ge mit verb\u00fcndeten Staaten.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>In den letzten Legislaturperioden kamen mit Abstand die meisten Anfragen im Bundestag von der Linksfraktion. Ihre Abgeordneten waren denn auch besonders h\u00e4ufig von der Nichtbeantwortung parlamentarischer Anfragen betroffen. 2012 hat die Fraktion deshalb eine Kleine Anfrage \u201eZunehmende Aush\u00f6hlung des parlamentarischen Fragerechts unter Verweis auf Geheimschutzgr\u00fcnde\u201c eingebracht.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> In der knappen Antwort erkl\u00e4rt die Bundesregierung, sie erf\u00fclle die ihr obliegenden Informationspflichten \u201esehr sorgf\u00e4ltig\u201c. Allerdings stehe die Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit nicht immer mit dem parlamentarischen Informationsanspruch \u201ein Einklang\u201c. Daher finde der Informationsanspruch des Parlaments eine Grenze bei \u201egeheimhaltungsbed\u00fcrftigen Informationen, deren Bekanntwerden das Wohl des Bundes oder eines Landes (Staatswohl) gef\u00e4hrden kann\u201c. Diese \u201eAbw\u00e4gung\u201c folgt undurchsichtigen Kriterien: W\u00e4hrend beispielsweise in der Vergangenheit offen beauskunftet wurde, mit wie vielen \u201eStillen SMS\u201c das Zollkriminalamt heimliche Bewegungsprofile anlegt, werden diese Angaben inzwischen als \u201eVS \u2013 Nur f\u00fcr den Dienstgebrauch\u201c eingestuft.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Die Auskunftspflicht, das Gegenst\u00fcck zum parlamentarischen Frage- und Informationsrecht, geh\u00f6rt also nicht zu den Aufgaben, die die Bundesregierung mit Freude erf\u00fcllt. Alle Versuche, sich damit nicht abzufinden, sind f\u00fcr die Abgeordneten mit Arbeitsaufwand verbunden. Selbst die Gewissheit, dass die Regierung mit bestimmten Antworten ihre Auskunftspflicht verletzt, ist nur selten zu erhalten. Das Bundesverfassungsgericht hierzu im Rahmen einer Organklage anzurufen, ist aufw\u00e4ndig und teuer und bringt mitunter Ergebnisse, die letzten Endes die Blockadepolitik der Regierung best\u00e4tigen. Die Beharrlichkeit und Kontinuit\u00e4t vor allem oppositioneller Abgeordneter f\u00f6rdert trotzdem immer wieder erstaunliche Erkenntnisse zutage \u2013 zum \u00c4rger der Regierung. Letzten Endes aber definiert diese immer selbst, wie weit sie die \u00d6ffentlichkeit an ihren Aktivit\u00e4ten und Geheimnissen teilhaben lassen will.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eDringlichkeit liegt nur vor, wenn die Beantwortung in der n\u00e4chsten Sitzungswoche \u00fcberfl\u00fcssig, gegenstandslos oder \u00fcberholt w\u00e4re\u201c; \u201eAbfrage eng umrissener Sachverhalte\u201c; \u201enicht mehr als 14 Zeilen Schreibmaschinentext\u201c, so einige der Bestimmungen f\u00fcr diese Form. Zit. n. BT\u2013Verwaltung, Parlamentssekretariat: Leitfaden Parlamentarisches Fragerecht, Stand: 2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> BT-Drs. 17\/9756 v. 23.5.2012<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> z.B. BVerfG: Beschluss v. 1.7.2009, Az.: 2BvE 5\/06 (BVerfGE 124, 161, Rn.123): Das BVerfG stellt darin fest, dass nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 und Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG ein Frage- und Informationsrecht der Abgeordneten folgt, dem grunds\u00e4tzlich eine Antwortpflicht der Regierung korrespondiert.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> BT-Drs. 18\/626 v. 20.2.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> FOCUS v. 27.1.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> BT-Drs. 18\/684 v. 28.2.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> BT-Drs. 17\/14052 v. 20.6.2013<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Handelsblatt v. 26.8.2013<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> zusammenfassend in BT-Drs. 17\/8279 v. 30.12.2011<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> siehe u.a. BVerfG: Urteil v. 17.7.1984; Az.: 2BvE 11, 15\/83<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> BVerfG: Pressemitteilung v. 5.12.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> BT-Drs. 18\/3352, Vorabdruck v. 25.11.2014<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> BT-Drs. 17\/10538 v. 22.8.2012<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> BT-Drs. 18\/2695 v. 30.9.2014<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Albrecht Maurer und Matthias Monroy Das Frage- und Informationsrecht des Parlaments basiert auf Artikel<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,112],"tags":[349,351,627,669,849,1052],"class_list":["post-14168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-107","tag-bundesregierung","tag-bundestag","tag-frage-und-informationsrecht","tag-geheimhaltung","tag-kleine-anfragen","tag-parlament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}