{"id":14172,"date":"2015-02-24T16:19:23","date_gmt":"2015-02-24T16:19:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=14172"},"modified":"2015-02-24T16:19:23","modified_gmt":"2015-02-24T16:19:23","slug":"nazi-spitzel-trinkaus-noch-eine-thueringer-v-mann-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=14172","title":{"rendered":"Nazi-Spitzel Trinkaus:\u00a0Noch eine Th\u00fcringer V-Mann-Geschichte"},"content":{"rendered":"<h3>von Paul Wellsow<\/h3>\n<p><strong>Der Untersuchungsausschuss \u201eV-Leute gegen Abgeordnete\u201c (UA 5\/2) des Th\u00fcringer Landtages lieferte interessante Einblicke in das tr\u00fcbe Innenleben und den dubiosen Alltag des \u201eVerfassungsschutzes\u201c. <\/strong><\/p>\n<p>Parallel zur Aufkl\u00e4rung rund um den \u201eNationalsozialistischen Untergrund\u201c (NSU) setzte das Landesparlament im Dezember 2012 auf Antrag der Fraktion DIE LINKE und mit Unterst\u00fctzung von GR\u00dcNEN und SPD einen weiteren Untersuchungsausschuss ein. Das Gremium sollte Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Anwerbung, F\u00fchrung und die dubiosen Aktivit\u00e4ten des fr\u00fcheren NPD-Funktion\u00e4rs und Spitzels des Th\u00fcringer Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (TLfV) Kai-Uwe Trinkaus bringen. Konkret ging es darum, die \u201eerfolgte Bespitzelung, Herabw\u00fcrdigung und Infiltration von Parteien, Fraktionen und Vereinen\u201c durch Trinkaus aufzukl\u00e4ren und herauszufinden, ob seine Aktivit\u00e4ten \u201emit Wissen und\/oder Zustimmung\u201c des TLfV und der Landesregierung erfolgten, wie es im Einsetzungsbeschluss hie\u00df. Trinkaus hatte w\u00e4hrend seiner Zeit als V-Mann Aktionen initiiert, mit denen Abgeordnete verschiedener Parteien aus Land und Bund sowie GewerkschafterInnen \u00f6ffentlich diskreditiert wurden sowie Fraktionen des Landtages, die Verwaltung des Parlaments und Vereine unterwandert worden waren. Sein Vorgehen erinnerte BeobachterInnen schon damals an geheimdienstliche Methoden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Das Ergebnis des UA ist eindeutig: Trinkaus h\u00e4tte nie als V-Mann verpflichtet werden d\u00fcrfen. Er sei unzuverl\u00e4ssig, ungeeignet und Lieferant zumeist wertloser oder teils sogar selbst produzierter Informationen gewesen, hei\u00dft es in dem im Juli 2014 vorgelegten Abschlussbericht des UA.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Das Amt habe gegen beh\u00f6rdeninterne Regelungen versto\u00dfen, die Kontrolle des Geheimdienstes habe versagt. Dar\u00fcber hinaus seien mehrere dem Amt durch ihren Spitzel bekannt gewordene Straftaten nicht der Polizei gemeldet worden. Der \u201eQuellenschutz\u201c war offenbar wichtiger als die Verhinderung und Verfolgung von Straftaten.<\/p>\n<h4>Neonazi und Spitzel<\/h4>\n<p>Anfang Dezember 2012 hatte sich Trinkaus gegen\u00fcber dem Mitteldeutschen Rundfunk selbst als ehemaliger Spitzel des TLfV geoutet<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \u2013 angeblich aus Furcht, im Zuge der NSU-Aufkl\u00e4rung aufzufliegen. 2003 hatte er mit seiner Baufirma aufgrund von Verbindlichkeiten in H\u00f6he von fast 130.000 Euro Insolvenz angemeldet und bezog daraufhin Arbeitslosengeld II. \u00dcber die Jahre hatte sich zudem eine Reihe von Ermittlungsverfahren gegen ihn angesammelt \u2013 von der F\u00f6rderung der Prostitution \u00fcber Untreue bis hin zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Ende Mai 2006, am letzten Tag des Bezugs staatlicher Leistungen, bot sich Trinkaus unter Hinweis auf seine Funktion als Beisitzer im Kreisverband Erfurt-S\u00f6mmerda der NPD dem TLfV als Informant an. Nach einer ungew\u00f6hnlich langen Probezeit unter dem Tarnnamen \u201eWesir\u201c wurde er im M\u00e4rz 2007 als V-Mann \u201eAres\u201c verpflichtet. Er wurde vor allem auf den NPD-Kreisverband Erfurt-S\u00f6mmerda und den Landesverband, neonazistische \u201eKameradschaften\u201c und f\u00fchrende Kader der Szene angesetzt. Das TLfV hatte schon im M\u00e4rz 2006, zwei Monate vor seiner Selbstanbietung, im Zuge anderer Ermittlung notiert, Trinkaus sei ein \u201eBetr\u00fcger\u201c.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Von seiner Selbstanbietung beim TLfV erhoffte sich Trinkaus eine sch\u00fctzende Hand gegen\u00fcber der Justiz und Geld. Insgesamt erhielt er vom Geheimdienst bei 41 nachrichtendienstlichen Treffen knapp 15.000 Euro \u2013 f\u00fcr Trinkaus ein wichtiges Standbein, zumal er das Geld weder seinem Insolvenzverwalter noch f\u00fcr den Bezug von Sozialleistungen melden musste. Dass Trinkaus Protektion vor Strafverfolgung erhielt, wurde von den staatlichen Stellen vehement bestritten. Doch ins Unendliche hinausgez\u00f6gerte Prozesse und nur zwei Verurteilungen zu geringen Strafen bei 21 Verfahren lassen daran Zweifel aufkommen.<\/p>\n<p>2005 war Trinkaus der NPD beigetreten und machte dort schnell Karriere. Sein b\u00fcrgerliches Auftreten, seine rhetorischen F\u00e4higkeiten und seine \u2013 auch beim TLfV bekannten \u2013 Kontakte mit Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens in Erfurt sollten dazu dienen, der Nazipartei ein b\u00fcrgerliches Image zu verpassen. 2006 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Erfurt-S\u00f6mmerda. Kurz nach seiner Verpflichtung als V-Mann \u00fcbernahm er den Vorsitz des Verbandes in der Landeshauptstadt. Abgeschaltet wurde er im September 2007, nachdem er sich auch beim Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz angedient hatte.<\/p>\n<h4>F\u00fchrungsfigur<\/h4>\n<p>Unter der Anleitung von Trinkaus und w\u00e4hrend seiner Zeit als Spitzel stieg in Erfurt die Zahl der Neonazi-Aktivit\u00e4ten massiv an. Nachdem er 2008 die NPD verlassen hatte, ging die Zahl der Aktivit\u00e4ten wieder auf das Niveau vor 2005 zur\u00fcck. Unter den Augen des Geheimdienstes baute er eigene Vereine auf (wie \u201eAlleinerziehende in Not\u201c, \u201ePro Erfurt\u201c, \u201ePro Kid\u201c, \u201eRechtsroxx\u201c, \u201eSch\u00f6ner Leben in Erfurt\u201c, \u201eTierf\u00fcrsorge Global\u201c), st\u00f6rte Veranstaltungen demokratischer Organisationen und schuf zusammen mit rechten Hooligans ein Klima der Angst.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Der vom Amt bezahlte Neonazi-Kader setzt das so genannte \u201eVier-S\u00e4ulen-Kon\u00adzept\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> der NPD (Kampf um die Stra\u00dfe, Parlamente, K\u00f6pfe und den organisierten Willen) in der Stadt nahezu musterg\u00fcltig um.<\/p>\n<p>Das vorrangige Ziel seiner subversiven Attacken war die damalige Linkspartei.PDS. So arrangierte der zu dieser Zeit \u00f6ffentlich als Neonazi noch unbekannte Trinkaus im Fr\u00fchjahr 2007 mit dem Landesvorsitzenden der Linkspartei ein Treffen und lie\u00df es von einem Begleiter filmen. Die Illustrierte \u201eStern\u201c und die \u201eS\u00fcdth\u00fcringer Zeitung\u201c berichteten daraufhin \u00fcber das kurze Gespr\u00e4ch und machten daraus wahrheitswidrig die Geschichte einer \u201ebraun-roten Kungelei\u201c in Th\u00fcringen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Angeblich h\u00e4tten NPD und Linkspartei politische Absprachen getroffen \u2013 eine frei erfundene Geschichte. Einer anderen Abgeordneten der Partei stellte er mit Blumensendungen, Anrufen und Kurznachrichten nach. In der Th\u00fcringer Linksfraktion installierte Trinkaus den als SPD- und Juso-Mitglied getarnten Neonazi Andy Freitag als Praktikanten, der dann einen Politiker der Partei mit dem erfundenen Vorwurf der sexuellen Bel\u00e4stigung diffamierte. Zudem wurden im Namen eines bis dato nicht auff\u00e4lligen, aber von Neonazis gegr\u00fcndeten Sportvereins Bundestagsabgeordnete von CDU, FDP und GR\u00dcNEN mit der Bitte um Gru\u00dfworte angeschrieben. Wenig sp\u00e4ter fanden sich deren Antwortschreiben auf der Website der Erfurter NPD wieder. Obwohl Kopien der Schreiben kurz nach Eingang beim Sportverein auch in den Akten des TLfV abgeheftet wurden \u2013 \u00fcbergeben offenbar von Trinkaus \u2013, kamen die BeamtInnen des TLfV nicht auf die Idee, die Abgeordneten \u00fcber den Hintergrund des Sportvereins zu informieren. Auch gegen den Stadtsportbund Erfurt, die Gewerkschaft ver.di und den Deutschen Gewerkschaftsbund ging Trinkaus rufsch\u00e4digend vor.<\/p>\n<h4>Selektive Warnungen<\/h4>\n<p>Das TLfV lie\u00df Abgeordnete und Vereine ins offene Messer laufen, obwohl mindestens zwei geplante Aktionen vorher im Amt bekannt waren. Trin\u00adkaus behauptet, er habe die Attacken teils sogar mit seinem V-Mann-F\u00fchrer geplant, was der Geheimdienst abstreitet. Nur als der V-Mann mit weiteren Neonazis die Erfurter Gruppe des Bundes der Vertriebenen (BdV) unterwanderte, griffen das CDU-gef\u00fchrte Innenministerium und der Geheimdienst ein. Der Vorsitzende des BdV Th\u00fcringen und zugleich CDU-Landtagsabgeordnete Egon Primas wurde vom damaligen LfV-Chef Thomas Sippel gewarnt. Der UA fand heraus, dass sp\u00e4testens Ende Januar 2007 auch der damalige Innenminister Karl-Heinz Gasser (CDU) \u00fcber den Spitzel Trinkaus informiert war und es in den Beh\u00f6rden schon damals Bedenken gegen die Quelle gab. Die meisten Aktionen gegen Abgeordnete, Gewerkschaften und Vereine begannen erst danach \u2013 doch eine Reaktion seitens des Ministeriums blieb aus. Offenbar gab es Opfer erster und zweiter Klasse.<\/p>\n<h4>Verst\u00f6\u00dfe gegen Vorschriften<\/h4>\n<p>Der UA stellte fest, dass die F\u00fchrung von Trinkaus gegen Vorschriften des TLfV verstie\u00df. Zwar sei die Anwerbung durch die Regelungen gedeckt gewesen. Doch schon bei der \u201eFortsetzung der Werbung\u201c sei vernachl\u00e4ssigt worden, \u201eRisikofaktoren\u201c abzusch\u00e4tzen, die zu einer negativen Bewertung der Quelle gef\u00fchrt h\u00e4tten: Ermittlungsverfahren, seine Charakterisierung als \u201eBetr\u00fcger\u201c und sein \u201eFinanzgebaren\u201c, Kontakte zu Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, seine milit\u00e4rische Karriere, m\u00f6gliche Stasi-Verstrickungen und seine wechselhafte politische Vita. Auch die Nichteinbindung des \u201eControllings\u201c im TLfV, die nicht ausreichende Dokumentation von Geldzahlungen und falsche Unterschriften auf Quittungen seien klare Verst\u00f6\u00dfe gegen Dienstvorschriften gewesen. Aber damit nicht genug: In einer Dienstanweisung hei\u00dft es n\u00e4mlich ferner, dass V-Leute \u201eweder die Zielsetzung noch die Aktivit\u00e4ten eines Beobachtungsobjekts entscheidend\u201c mitbestimmen d\u00fcrfen. Trinkaus habe jedoch \u201edie Zielsetzung und die Aktivit\u00e4ten mindestens eines Teils der Beobachtungsobjekte entscheidend mitbestimmen\u201c k\u00f6nnen, stellt der Abschlu\u00dfbericht fest. Zudem sei seine \u201eNachrichtenehrlichkeit\u201c nicht \u00fcberpr\u00fcft worden.<\/p>\n<h4>Geheimdienst deckte Planungen f\u00fcr Gewalt<\/h4>\n<p>F\u00fcr den Sommer 2007 planten Th\u00fcringer Neonazis nach Meldung von Trinkaus mit rechten Hooligans einen \u201eSturmangriff\u201c auf das \u201eBesetzte Haus\u201c in Erfurt, ein alternatives Kulturzentrum und Wohnhaus. Namentlich meldete Trinkaus die Planer des \u00dcberfalls. Trainiert wurde daf\u00fcr in dem Neonazi-Sportverein \u201eSV Vorw\u00e4rts e.V.\u201c, der \u2013 mit Wissen des Geheimdienstes \u2013 in einer st\u00e4dtischen Halle Kampfsport trainierte. Das Haus solle \u201eexemplarisch zerst\u00f6rt werden\u201c. Zur Not h\u00e4tte die \u201eBude\u201c abgefackelt werden sollen, hei\u00dft es in den Akten des TLfV. \u201eVerletzte oder gar Schlimmeres\u201c seien in Kauf genommen worden. Und tats\u00e4chlich brannte es mehrfach in dem Haus \u2013 ungekl\u00e4rt ist bis heute, warum. Eine Warnung an die Polizei \u00fcber die geplante Straftat unterlie\u00df das TLfV.<\/p>\n<p>Trinkaus\u2019 V-Mann-F\u00fchrer berichtete zudem, dass er im Mai 2007 auf ausdr\u00fcckliche Anweisung seines Vorgesetzten, des damaligen Vizepr\u00e4sidenten des TLfV Gerd Lang, eine brisante Information seines V-Mannes nicht zu den Akten nahm. Nach einem Aufmarsch von Neonazis in Erfurt am 1.\u00a0Mai 2007 war ein Fotograf der \u201eTh\u00fcringischen Landeszeitung\u201c angegriffen, verletzt und seiner Kamera beraubt worden. Noch am gleichen Abend nannte der Spitzel, der auch vor Ort war, seinem V-Mann-F\u00fchrer den Namen des Neonazis, bei dem die Kamera angeblich zu finden sei. Das berichtete der Geheimdienstler am n\u00e4chsten Tag seinem Chef. Doch der erteilte die Anweisung, den Vorgang nicht zu notieren und keine Nachforschungen anzustellen. Wenig sp\u00e4ter lieferte der V-Mann auch eine CD mit den Fotos aus der geraubten Kamera und informierte, dass der Neonazi den Apparat bei eBay zum Verkauf anbiete. Sp\u00e4ter wurden zwei Neonazis wegen des Angriffs auf den Journalisten verurteilt, der Raub der Kamera blieb ungekl\u00e4rt. Durch das Schweigen des Geheimdienstes ist die Tat heute verj\u00e4hrt. Ebenso verj\u00e4hrt sind Informationen von Trinkaus \u00fcber m\u00f6gliche illegale Parteispenden an die NPD, Insolvenzbetrug und organisierte Betr\u00fcgereien mit Sozialleistungen.<\/p>\n<h4>Fehlende Kontrolle<\/h4>\n<p>Durch die Arbeit des UA wurde aufgedeckt, dass das interne \u201eControlling\u201c des TLfV 2006\/07 f\u00fcr etwa ein Jahr unbesetzt war. Die Abteilung soll die Anwerbung von V-Leuten kontrollieren und begleiten. Da der Zust\u00e4ndige krank war, \u00fcbernahm der damalige TLfV-Pr\u00e4sident die Aufgabe \u2013 er kontrollierte sich so de facto selbst. Auch die Haushaltskontrolle, die unter anderem die Verwendung von Geldern f\u00fcr Spitzel pr\u00fcft, fand nicht statt, da derselbe erkrankte Mitarbeiter zust\u00e4ndig war. Zudem wurde im UA festgestellt, dass das Innenministerium formal zwar seiner Dienst- und Fachaufsicht \u00fcber das TLfV nachkam. Doch eine tats\u00e4chliche Kontrolle der nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten gab es nicht. Auch die Parlamentarische Kontrollkommission war nie in die operativen Vor\u00adg\u00e4nge eingeweiht.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Dem UA gelang es, die Gesch\u00e4digten der Aktionen von Trinkaus \u00f6ffentlich zu rehabilitieren. Der Th\u00fcringer Landtag hat mit den Stimmen aller Fraktionen mit dem Bericht des UA eine harsche Kritik an den Zust\u00e4nden im TLfV, an der Praxis im Fall Trinkaus und an der fehlenden Kontrolle des Geheimdienstes vorgelegt. Es gelang, die dubiose Interaktion von Nazi-Szene und Geheimdienst an einem konkreten Beispiel detailliert nachzuzeichnen. Ungekl\u00e4rt blieb, welche Rolle das TLfV und das Innenministerium bei den subversiven Aktionen von Trinkaus spielte. W\u00e4hrend der behauptete, seinen V-Mann-F\u00fchrer \u00fcber die Aktivit\u00e4ten unterrichtet und diese teils sogar mit ihm vorbereitet zu haben, finden sich in den Akten des Amtes daf\u00fcr keine Beweise. Auch die im UA geh\u00f6rten MitarbeiterInnen des TLfV und des Innenministeriums wiesen jedes Wissen dar\u00fcber von sich. Ebenso unklar bleibt, wie im Jahr 2007 Personendaten von AntifaschistInnen aus Polizeiakten in die H\u00e4nde von Trinkaus gelangen konnten. W\u00e4hrend der Spitzel darauf bestand, die Daten von seinem V-Mann-F\u00fchrer erhalten zu haben, wurde das vom Geheimdienst bestritten. Der UA stellte aber fest, dass eine Reihe von \u201eTreffberichten\u201c von Trinkaus und seinem V-Mann-F\u00fchrer fehlen. Ihr Inhalt l\u00e4sst sich nicht rekonstruieren.<\/p>\n<p>Auch im Fall Trinkaus best\u00e4tigt sich, dass V-Leute AufbauhelferInnen der Neonazi-Szene sind. In der Geschichte der Th\u00fcringer NPD gab es zwei gro\u00dfe Eintrittswellen: Die erste in den Jahren 1998\/99, als der Spitzel Tino Brandt den \u201eTh\u00fcringer Heimatschutz\u201c in die NPD \u00fcberf\u00fchrte. Die zweite 2007,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> als der V-Mann Trinkaus die Aktivit\u00e4ten der Partei mitbestimmte. Klar wurde im Trinkaus-UA auch, dass die Fach- und Dienstaufsicht durch das Innenministerium und die parlamentarische Kontrolle v\u00f6llig wirkungslos waren. In der Erwartung, nie ernsthaft \u00fcberpr\u00fcft zu werden, agierte das TLfV offenbar nach eigenem Gutd\u00fcnken, hielt sich nicht an die eigenen Vorschriften und tolerierte, dass seine mit viel Geld ausgestattete Quelle Abgeordnete, den Landtag in G\u00e4nze sowie Vereine und Gewerkschaften diffamierte und besch\u00e4digte.<\/p>\n<p>Im Th\u00fcringer Koalitionsvertrag zwischen der LINKEN, der SPD und den GR\u00dcNEN wurde im November 2014 vereinbart, die bisherige V-Leute-Praxis zu beenden. Ausnahmen davon soll es nur bei \u201eTerrorismus\u201c und nur mit ausdr\u00fccklicher Zustimmung von InnenministerIn und Ministerpr\u00e4sidentIn geben. Zudem will die neue Koalition die Kontrolle des TLfV stark ausweiten und seine Befugnisse deutlich beschneiden. Der Forderung, den Dienst ganz abzuschaffen, widersetzten sich SPD und GR\u00dcNE.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0 Renner, M.: Spaltpilz in der NPD, in: der rechte rand 2007, Nr. 111, S. 7<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0 Th\u00fcringer LT-Drs. 5\/8024 v. 11.7.2014: Bericht des Untersuchungsausschusses 5\/2 \u201eV-Leute gegen Abgeordnete\u201c: Erfolgte Bespitzelung, Herabw\u00fcrdigung und Infiltration von Parteien, Fraktionen und Vereinen durch einen als V-Mann gef\u00fchrten f\u00fchrenden Neonazi mit Wissen und\/oder Zustimmung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und der Th\u00fcringer Landesregierung und deren Umgang mit erlangten Informationen \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Straftaten der extremen Rechten in Th\u00fcringen; Bericht und mehr Infor\u00adma\u00adtionen unter <a href=\"http:\/\/www.die-linke-thl.de\/nc\/themen\/themen_a_z\/u_z\/v_mann_skandal\">www.die-linke-thl.de\/nc\/themen\/themen_a_z\/u_z\/v_mann_skandal<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0 Hemmerling, A.; Kendzia, L.: Ehemaliger Erfurter NPD-Chef war V-Mann, MDR Online v. 5.12.2012 (<a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/thueringen\/npd_thueringen100_page-0_zc-6615e895.html\">www.mdr.de\/thueringen\/npd_thueringen100_page-0_zc-6615e895.html<\/a>)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0 vgl. Th\u00fcringer LT-Drs. 5\/5795 v. 4.3.2013<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0 Th\u00fcringer LT-Drs. 5\/8024, v. 11.7.2014, S. 198<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0 vgl. u.a. Fraktion DIE LINKE im Th\u00fcringer Landtag: Chronik zur Spitzelaff\u00e4re Kai-Uwe Trinkaus, 8.1.2013 (www.die-linke-thl.de).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0 vgl. Schulze, C.: Was ist das Vier-S\u00e4ulen-Konzept?, in: Virchow, F.; Dornbusch, C. (Hg.): 88 Fragen und Antworten zur NPD, Schwalbach\/Ts. 2008, S. 74ff.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0 s. die Artikel von Holger Witzel unter dem Titel \u201eBraun-rote Kungelei\u201c in Stern Online v. 24.5.2007 und in der S\u00fcdth\u00fcringer Zeitung v. 25.5.2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0 Th\u00fcringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht 2007, S. 30<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Paul Wellsow Der Untersuchungsausschuss \u201eV-Leute gegen Abgeordnete\u201c (UA 5\/2) des Th\u00fcringer Landtages lieferte interessante<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,112],"tags":[824,913,989,990,1351,1431,1471],"class_list":["post-14172","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-107","tag-kai-uwe-trinkaus","tag-lfv-thueringen","tag-neon","tag-neonazis","tag-spitzel","tag-thueringen","tag-v-leute"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14172\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}