{"id":14565,"date":"2018-10-10T11:46:00","date_gmt":"2018-10-10T11:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=14565"},"modified":"2018-10-10T11:46:00","modified_gmt":"2018-10-10T11:46:00","slug":"kate-wilson-ich-wurde-von-einem-undercover-polizisten-missbraucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=14565","title":{"rendered":"Ich wurde von einem Undercover-Polizisten missbraucht. Aber wie weit oben war diese T\u00e4uschung bekannt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ich dachte, Mark Kennedy w\u00e4re mein Liebhaber und Freund, aber er manipulierte mich. Seine Vorgesetzten logen sogar in ihrer Entschuldigung bei mir.<\/strong><\/p>\n<blockquote class=\"alignright\"><p><em>Dieser Offene Brief von Kate Wilson erschien <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2018\/sep\/21\/i-was-abused-undercover-policeman-mark-kennedy\">in einer fr\u00fcheren Form<\/a> zuerst im britischen Guardian.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Im Jahr 2003 habe ich mich in einen Mann verliebt, der nicht existiert hat. Er war charismatisch und romantisch und teilte viele meiner Interessen und Tr\u00e4ume. Wir lebten mehr als ein Jahr lang als LiebhaberInnen zusammen. Wir sind gereist. Er stand meiner Familie nahe und war im Mittelpunkt meiner Welt. Wir waren sieben Jahre lang die engsten FreundInnen. Ich habe ihn zuletzt im August 2010 gesehen. Er lud mich zum Abendessen ein, und danach gingen wir am Fluss entlang und sprachen \u00fcber unser Leben.<!--more--><\/p>\n<p>Zwei Monate sp\u00e4ter erhielt ich einen Telefonanruf: Mark Stone war nicht der Mann, von dem ich dachte, dass ich ihn kenne. <a href=\"https:\/\/www.cilip.de\/2013\/03\/03\/britischer-spitzel-arbeitete-wohl-auch-im-auftrag-des-fbi\/\">Er war Mark Kennedy, ein Undercover-Polizist<\/a>. Er ist daf\u00fcr bezahlt worden, Protestgruppen aus den Bereichen der Umweltpolitik und des Kampfs um soziale Gerechtigkeit zu infiltrieren, und er ist mit Mitteln und Ressourcen ausgestattet worden, um mich zu t\u00e4uschen. Er wurde dabei stets von einem Team von Polizeif\u00fchrern begleitet. Er stand unter ihrem Befehl und hat meine Emotionen und Handlungen entsprechend ihrer operativen Ziele manipuliert.<\/p>\n<p>Dem verheerenden Anruf folgte ein stetiger und unendlicher Strom von Enth\u00fcllungen \u00fcber das missbr\u00e4uchliche Verhalten der britischen geheimen Staatsschutzpolizei. Seitdem habe ich erfahren, dass mindestens sieben weitere Leute, die ich kannte, als verdeckte ErmittlerInnen unterwegs waren. Ich traf andere Frauen, die wie ich get\u00e4uscht, manipuliert und missbraucht worden waren, nicht nur von Mark Kennedy, sondern von vielen anderen Beamten. Im Jahr 2011 haben acht von uns Strafanzeige gegen die Polizei erstattet. Wir wollten Antworten, Schadenersatz und sicher sein, dass so etwas nie wieder passieren kann.<\/p>\n<p>Alles was die Polizei seitdem getan hat, war, zu vermeiden, die Wahrheit zu sagen. Wir wurden schikaniert; man sagte uns, ihre Operationen seien legitim gewesen und die Beziehungen der PolizistInnen h\u00e4tten auf &#8222;echten Gef\u00fchlen&#8220; basiert; und dann sagte man uns, wir sollten das wieder vergessen. Tats\u00e4chlich hat die Polizei die wahre Identit\u00e4t eines verdeckten Ermittlers weder best\u00e4tigt noch geleugnet. Damit die Untersuchung der Vorf\u00e4lle \u00fcberhaupt weitergehen konnte, mussten wir tief greifende Informationen \u00fcber unser psychisches Wohlbefinden und unser Privatleben liefern, aber wir erhielten daf\u00fcr keine Antworten oder Beweise.<\/p>\n<p>Schon sehr fr\u00fch wies die Polizei unsere Anschuldigungen zur\u00fcck, dass unsere Menschenrechte verletzt worden seien. Sie wollte, dass unsere Vorw\u00fcrfe nicht vor dem Obersten Gerichtshof behandelt werden sollten, sondern von einem geheimen Organ, dem so genannten <a href=\"https:\/\/www.ipt-uk.com\/\">Investigatory Powers Tribunal<\/a>. Schlie\u00dflich, Jahre sp\u00e4ter, beschlossen sie, sich schriftlich zu entschuldigen und die Klage des Obersten Gerichtshofs zu beenden. Es war ein bitterer Sieg, denn ansonsten w\u00e4re der n\u00e4chste Schritt die Offenlegung ihrer Beweise gewesen. Sie erkl\u00e4rten dass sie sich entschuldigen w\u00fcrden, aber sie haben uns keine Antworten gegeben.<\/p>\n<p>Die Polizeitaktik in allen Missbrauchsf\u00e4llen aller verdeckter ErmittlerInnen bestand darin, zu verz\u00f6gern und zu leugnen, bis es keine andere M\u00f6glichkeit mehr gab, und dann nur jene Ma\u00dfnahmen einzugestehen, die bereits \u00f6ffentlich bekannt waren. Auf diese Weise beenden sie die Aufarbeitung, sorgen f\u00fcr weitere Geheimhaltung und verhindern, dass Menschen die Wahrheit erfahren. Sie legen keine Rechenschaft ab, sondern betreiben eine Form der Schadensbegrenzung, bei der sie immer noch die Informationen verwalten und die Kontrolle behalten.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns vor dem britischen Obersten Gerichtshof geeinigt hatten, blieb meine Klage vor dem Investigatory Powers Tribunal zun\u00e4chst bestehen, und ich beschloss, den Kampf dort fortzusetzen. Die Polizei war gezwungen, dort eine winzige Menge an Informationen offenzulegen, und das hat zu massiven Enth\u00fcllungen gef\u00fchrt: Sie geben nun zu, dass ihre Taten gegen das Verbot der Folter und unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung versto\u00dfen haben, dass sie eine schwere Verletzung meines Privat- und Familienlebens und eine Verletzung meines Rechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit darstellten. Sie geben auch zu, dass Kennedys Betreuer und V-Mann-F\u00fchrer von seiner Beziehung zu mir wussten und diese &#8222;duldeten&#8220;.<\/p>\n<p>Nach einer <a href=\"https:\/\/www.cilip.de\/2015\/11\/25\/britische-polizei-entschuldigt-sich-wegen-einsatz-von-sexualitaet-und-emotionen-durch-spitzel-deutsche-uebersetzung\/\">Entschuldigung der Polizei<\/a>, wonach &#8222;diese Beziehungen niemals genehmigt worden w\u00e4ren&#8220; und das Ergebnis eines &#8222;Versagens bei der Aufsicht und Verwaltung&#8220; seien, haben ich und andere auf zivilrechtliche Forderungen verzichtet. Doch habe ich jetzt die Best\u00e4tigung erhalten, dass die Leute, die Kennedy seine Befehle gaben, Bescheid wussten. Ich wurde also von der Polizei in einer \u00f6ffentlichen Entschuldigung belogen, die eigentlich als Entsch\u00e4digung f\u00fcr ihren Betrug und Missbrauch gedacht war.<\/p>\n<p>Jetzt will ich ernsthafte Antworten. Ich m\u00f6chte wissen, wie gro\u00df das Wissen \u00fcber die Missbr\u00e4uche in der Polizeihierarchie war. Ich will Zugang zu den 10.000 Seiten Papier, die sie \u00fcber mich gesammelt zu haben. Und ich will wissen, warum mindestens acht verdeckt ermittelnde Polizisten geschickt wurden, um mich zu t\u00e4uschen und jeden Bereich meines Lebens auszuspionieren. Ich m\u00f6chte, dass das Gericht den institutionellen Sexismus der Polizei und die politischen Vorurteile, die die von ihr getroffenen Entscheidungen beeinflusst haben, untersucht und sich mit der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Operationen und den unzureichenden Gesetzen zum Schutz unserer Menschenrechte befasst.<\/p>\n<p>Das sind f\u00fcr mich pers\u00f6nlich sehr wichtige Angelegenheiten, aber es sind auch grundlegende Fragen der politischen Polizeiarbeit in einem Land, das sich als frei bezeichnet. Diese Polizeieinheiten haben illegal GewerkschaftsaktivistInnen auf eine schwarze Liste gesetzt, sie haben gew\u00e4hlte PolitikerInnen und die Familien der Opfer von Polizeigewalt und viele Wahlkampf- oder Protestgruppen bespitzelt. Sie benutzten die Identit\u00e4ten von toten Kindern ohne R\u00fccksicht auf ihre Familien, sie verletzten das Anwaltsgeheimnis und sie missbrauchten Frauen sexuell. Sie haben auch zahlreiche Justizirrt\u00fcmer produziert.<\/p>\n<p>Obwohl wir seit Jahren einen Rechtsstreit f\u00fchren, ist dies das erste Mal, dass ein Fall \u00fcber emotionale Beziehungen verdeckter ErmittlerInnen so weit gekommen ist, dass Beweise von jedem au\u00dferhalb der Polizei eingesehen werden k\u00f6nnen. <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/uk-news\/2018\/oct\/03\/covert-spying-activists-personal-life-monitored-and-recorded-in-detail\">Am 3. Oktober<\/a> hat die Polizei in einer Anh\u00f6rung zuletzt versucht, meine Suche nach der Wahrheit zu stoppen. Wir werden aber den Druck aufrechterhalten, um die Wahrheit \u00fcber verdeckte Ermittlungen herauszufinden.<\/p>\n<h3>Beitragsbild: Kate Wilson.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich dachte, Mark Kennedy w\u00e4re mein Liebhaber und Freund, aber er manipulierte mich. 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