{"id":15484,"date":"2019-05-27T09:17:23","date_gmt":"2019-05-27T09:17:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=15484"},"modified":"2019-05-27T09:17:23","modified_gmt":"2019-05-27T09:17:23","slug":"bodycam-daten-der-bundespolizei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=15484","title":{"rendered":"BodyCam-Daten der Bundespolizei"},"content":{"rendered":"<h3>Von Volker Eick<\/h3>\n<p>Nach Ansicht des Bundesinnenministeriums ist die Bundesregierung der\u00adzeit nicht in der Lage, Daten in einer Cloud so abzuspeichern, dass die infrastrukturellen Datenschutzkriterien des <em>Bundesamts f\u00fcr die Sicherheit in der Informationstechnik<\/em> (BSI) erf\u00fcllt werden. Offenbar kann das auch kein deutsches Unternehmen, denn den Auftrag zur Speicherung der bundespolizeilichen BodyCam-Daten erh\u00e4lt die Tochter des US-Kon\u00adzerns Amazon, <em>Amazon Web Services<\/em> (AWS). Das berichtete die <em>Neue Os\u00adna\u00adbr\u00fccker Zeitung <\/em>im M\u00e4rz 2019 unter Berufung auf den FDP-Ab\u00adge\u00adord\u00adne\u00adten Benjamin Strasser. Der hatte die Bundesregierung gefragt, warum sie \u201eein kaum kalkulierbares Risiko mit Blick auf hochsensible Daten\u201c eingehe.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Dieses kaum \u201ekalkulierbare Risiko\u201c bezieht sich einerseits auf Amazon, denn das Unternehmen k\u00f6nnte an die US-Regierung Nutzerdaten weiterleiten und hat an US-amerikanische Polizeien seine selbstentwickelte \u00dcberwachungstechnologie \u201eRekognition\u201c ausgeliefert, die zur Gesichtserkennung in BodyCam-Bildern genutzt wird. <!--more-->Andererseits bezieht sich das Risiko auf den von der US-Regierung im M\u00e4rz 2018 verabschiedeten CLOUD Act (<em>Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act<\/em>). Gest\u00fctzt auf dieses Gesetz kann die US-Regierung auch auf Server von US-Unternehmen im Ausland zugreifen, eine Befugnis, die im <em>Patriot Act<\/em> von 2001 und in seinen nachfolgenden Modifizierungen als nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt galt. (<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2019\/us-behoerden-wollen-telekommunikation-in-europa-abhoeren\/\">Die EU plant \u00fcbrigens derzeit einen EU Cloud Act<\/a>, ebenfalls mit weltweitem Zugang zu Datenbanken).<\/p>\n<p>Bis Ende 2019 will die Bundespolizei 1.100 BodyCams im Einsatz ha\u00adben. Ende 2020 sollen alle 475 Dienststellen mit dann insgesamt 2.300 Kameras ausgestattet sein. Die damit erfassten Daten, die die Bun\u00addespolizei nun in der AWS-Wolke speichern will, seien auf den Servern \u201estark verschl\u00fcsselt\u201c und lie\u00dfen \u201ef\u00fcr sich genommen\u201c keine Zuordnung zu einzelnen Personen zu. Die Verkn\u00fcpfung erfolge erst in einem internen \u201eVorgangsbearbeitungssystem\u201c; Amazon habe daher auf personenbezogene Daten (identifizierte und identifizierbare Personen) keinen Zugriff, und das gespeicherte Material daher f\u00fcr Amazon auch keinerlei Mehrwert. Die Speicherfrist betrage 30 Tage. L\u00e4nger w\u00fcrde nur gespeichert, wenn das Material als Beweismittel in Gerichtsverfahren dienen soll.<\/p>\n<p>Dass keine deutsche Beh\u00f6rde und auch kein deutsches Unternehmen in der Lage sein soll, Daten sicher in einer Cloud speichern, die den bundesweiten Zugriff einer Beh\u00f6rde erlauben muss, ist jedoch genauso\u00a0 schwer zu glauben wie die Bekundung, dass die Daten so nichtssagend und so gut verschl\u00fcsselt seien, dass ein Zugriff nicht m\u00f6glich und (wenn doch) nicht sch\u00e4dlich sei.<\/p>\n<p>Wie auch immer: In den USA geben Polizeibeh\u00f6rden im Durchschnitt 70 bis 150 Euro pro Polizeikraft im Monat f\u00fcr die Speicherung von BodyCam-Daten in Clouds aus; in Washington D.C., wo 2.000 Polizeibeamt*innen BodyCams tragen und so am Tag 1.000 Stunden Material produzieren, werden zwar 40 Prozent nach 90 Tagen gel\u00f6scht, f\u00fcr die Speicherung des \u201arestlichen\u2018 Materials aber zahlt die Polizei Tag f\u00fcr Tag, Monat f\u00fcr Monat, Jahr f\u00fcr Jahr\u2026<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Noz.de v. 2.3.2019; BT-Drs. 19\/8180 v. 7.3.2019, S. 22<\/h6>\n<h3>Beitragsbild: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/blaulicht\/pm\/64017\/3255034\">Bundespolizei Bayern<\/a>.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Volker Eick Nach Ansicht des Bundesinnenministeriums ist die Bundesregierung der\u00adzeit nicht in der Lage,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15486,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[123,146],"tags":[],"class_list":["post-15484","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-cilip-118-119","category-meldungen-inland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15484\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}