{"id":16978,"date":"2020-04-13T15:52:49","date_gmt":"2020-04-13T15:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=16978"},"modified":"2020-04-13T15:52:49","modified_gmt":"2020-04-13T15:52:49","slug":"polizeizugriffe-auf-eurodac","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=16978","title":{"rendered":"Polizeizugriffe auf Eurodac"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem 20. Juli 2015 k\u00f6nnen Polizeibeh\u00f6rden zur \u201eVerh\u00fctung, Aufdeckung oder Untersuchung terroristischer oder sonstiger schwerer Straftaten\u201c auf Eurodac, die europ\u00e4ische Datenbank mit Fingerabdr\u00fccken von Asylsuchenden, zugreifen, wenn zuvor ein Datenabgleich mit nationalen Datenbanken, dem Pr\u00fcm-Netzwerk und dem Visa-Informationssystem erfolglos war. Europol nutzt die M\u00f6glichkeit seit 2017 \u00fcber eine Schnittstelle der niederl\u00e4ndischen Polizei. Bis Ende 2019 wurde Eurodac 1.840mal von Polizeien abgefragt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der Kreis der zugriffsberechtigten L\u00e4nder ist zwar deutlich gewachsen, weil immer mehr Mitgliedstaaten die Pr\u00fcm-Beschl\u00fcsse umsetzen und damit die Voraussetzung f\u00fcr den polizeilichen Zugriff auf die Eurodac-Daten erf\u00fcllen.<!--more--><\/p>\n<p>Dennoch steigt die Zahl der Abfragen nicht kontinuierlich: 2017 hatte sie mit 664 Abfragen einen H\u00f6hepunkt, sank aber danach auf 306 in 2018 und 449 in 2019. Bis dahin hatten Beh\u00f6rden aus 14 Mitgliedstaaten die M\u00f6glichkeit genutzt, wobei die meisten Abfragen aus Deutschland (59 Prozent) und \u00d6sterreich (18 Prozent) kamen. Europol startete seinen Zugriff mit einem Massenabgleich von 105 Daten\u00ads\u00e4tzen, die es vom Terrorist Screening Centre des FBI erhalten hatte.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> 2019 fragte das EU-Polizeiamt Eurodac kein einziges Mal ab.<\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der Abfragen (N=989) erfolgte mit erkennungsdienstlichen Daten, diente also etwa zur Identit\u00e4tskl\u00e4rung von Personen, die der Polizei bekannt waren. Sie produzierten 1.013 Treffer (teilweise zu einer Person in mehreren L\u00e4ndern). 851 Abfragen erfolgten mit Tatortspuren von unbekannten Personen. Hier gibt es keine Daten zum Ergebnis, da die Eurodac-Zentraleinheit keine eindeutigen \u201eTreffer\u201c an die abfragenden Beh\u00f6rden zur\u00fcckmeldet, sondern nur Listen mit m\u00f6glichen (sprich: \u00e4hnlichen) Kandidat*innen f\u00fcr einen Treffer, der dann von Daktyloskopen der Mitgliedstaaten manuell ermittelt werden muss.<\/p>\n<p>Keine Informationen liegen vor \u00fcber die Art und Schwere der aufzukl\u00e4renden Straftaten bzw. abzuwehrenden Gefahren oder den tats\u00e4chlichen polizeilichen Nutzen. Bis heute steht die nach Art. 40 der Eurodac-Verordnung vorgeschriebene Evaluierung durch die Kommission aus. Die sollte eigentlich Auswirkungen auf die Grundrechte \u00fcberpr\u00fcfen und u.a. pr\u00fcfen, ob und inwiefern die polizeiliche Nutzung der Datenbank zur Diskriminierung von Asylsuchenden gef\u00fchrt hat. Anfang 2019 hatte der damalige Innenkommissar Dimitris Avramopoulos dazu gegen\u00fcber dem Europaparlament erkl\u00e4rt, dass man \u201edas Gef\u00fchl\u201c hatte, eine Evaluierung w\u00e4re angesichts der Verhandlungen um das Gemeinsame Europ\u00e4ische Asylsystem im Zeichen der \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c nur \u201everwirrend und ablenkend\u201c gewesen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Eigene Berechnungen auf Grundlage der Eurodac-Statistiken der EU-Agentur f\u00fcr das Betriebsmanagement der gro\u00dfen IT-System (eu-LISA) von 2015 bis 2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Europol: 2017 Consolidated Annual Activity Report, Den Haag 2018, S. 36<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Brief von Avramopolous an Claude Moraes, den Vorsitzenden des LIBE-Ausschusses, v. 22.1.2019<\/h6>\n<h3>Beitragsbild: <a href=\"https:\/\/pxhere.com\/de\/photo\/1110073\">https:\/\/phere.com<\/a>.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 20. 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