{"id":17795,"date":"2020-06-21T19:26:23","date_gmt":"2020-06-21T19:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=17795"},"modified":"2020-06-21T19:26:23","modified_gmt":"2020-06-21T19:26:23","slug":"nehmt-eure-zustimmung-zurueck-entzieht-der-polizei-die-finanzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=17795","title":{"rendered":"Nehmt Eure Zustimmung zur\u00fcck: Entzieht der Polizei die Finanzierung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aufruf von Showing Up for Racial Justice (SURJ) an wei\u00dfe Menschen<\/strong><\/p>\n<h3>von Hilary Moore, SURJ<\/h3>\n<p>Millionen Menschen sind weltweit auf die Stra\u00dfe gegangen, um ihre Emp\u00f6rung \u00fcber den Mord von George Floyd, einem unbewaffneten Schwarzen Mann, durch einen Beamten der Minneapolis Police am 25. Mai 2020 auszudr\u00fccken. Die Forderung der Bewegung f\u00fcr Schwarze Leben (Movement for Black Lives, M4BL) \u201c<a href=\"https:\/\/m4bl.org\/policy-platforms\/invest-divest\/\">Defund the Police<\/a>\u201d \u2013 \u201cEntzieht der Polizei die Finanzierung\u201d vermag die Fantasie zu entfachen: Gemeinschaften \u00fcben erfolgreich Druck auf die St\u00e4dte aus, damit diese ihren Polizeidienststellen die Finanzierung entziehen und sie aufl\u00f6sen, z.B. in Los Angeles, Minneapolis, Philadelphia und Dallas.<\/p>\n<p>\u201cEntzieht der Polizei die Finanzierung\u201d ist eine Antwort auf Jahrzehnte der Desinvestition in Gesundheitsinfrastrukturen, Bildungssysteme und bezahlbaren Wohnraum. Dieses bewusste Ausweiden sozialer Infrastrukturen h\u00e4ngt direkt zusammen mit dem Aufbl\u00e4hen von Polizeibudgets und der Ausbreitung von Gef\u00e4ngnissen. Strafe und Kontrolle wurden die reflexartigen Reaktionen des Staates auf sein Versagen bei der Befriedigung von Grundbed\u00fcrfnissen.<!--more--><\/p>\n<p>In den USA ist Polizeiarbeit untrennbar mit wei\u00dfer Vorherrschaft und Kapitalismus verkn\u00fcpft. Sie dient der Durchsetzung von Systemen wirtschaftlicher Macht, sozialer Hierarchien und politischem Gehorsam. Diese Tradition reicht von den Urspr\u00fcngen der Polizei \u2013 den \u201eSklavenpatrouillen\u201c bis zu den fortbestehenden \u00dcberschneidungen von Polizei und Rechtsextremen sowie Organisationen von <em>white supremacists<\/em>. Dies sind nur einige Gr\u00fcnde, warum <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2020\/06\/10\/ruth-wilson-gilmore-makes-the-case-for-abolition\/\">Polizeiarbeit nicht reformiert werden<\/a> kann. Im Klartext: Die Polizeiarbeit ist nicht \u201ekaputt\u201c; im Gegenteil, sie erf\u00fcllt genau die Zwecke, f\u00fcr die sie geschaffen wurde.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"https:\/\/www.showingupforracialjustice.org\/\">Showing Up for Racial Justice<\/a> weisen wir die L\u00fcge zur\u00fcck, dass die Gemeinschaften mit mehr Polizei sicherer sind. Denn wir wissen, dass Gewalt der Polizeiarbeit <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/06\/05\/opinion\/sunday\/police-riots.html\">inh\u00e4rent<\/a> ist. Dass die zunehmende Militarisierung der Polizei nicht f\u00fcr Sicherheit sorgt zeigt z.B. die <a href=\"https:\/\/slate.com\/news-and-politics\/2020\/05\/george-floyd-protests-police-violence.html\">Polizeigewalt<\/a> in Reaktion auf die j\u00fcngsten Proteste: der Einsatz von Tr\u00e4nengas und die sogenannten \u201eweniger t\u00f6dlichen\u201c Sch\u00fcsse auf Demonstrant*innen oder der rekordverd\u00e4chtige <a href=\"https:\/\/abcnews.go.com\/US\/locations-george-floyd-protests-curfews-national-guard-deployments\/story?id=70997568\">Einsatz von 75.000 Nationalgardist*innen<\/a> in 31 Bundesstaaten. Und wir alle wissen, dass Polizeigewalt am Schichtende nicht aufh\u00f6rt: Familien und Partnerinnen von Polizeibeamten sind fast zweimal so h\u00e4ufig <a href=\"https:\/\/www.sfgate.com\/bayarea\/article\/Police-domestic-violence-nearly-twice-average-rate-2536928.php\">Opfer von h\u00e4uslicher Gewalt<\/a> wie jene anderer Berufsgruppen.<\/p>\n<p>Polizeischutz ist ein Mythos. Wei\u00dfe Arme und Arbeiter*innen wissen das nur zu gut. Wir bekommen immer wieder mit, wie unsere Lieben, die Drogen konsumieren, von der Polizei weggesperrt oder misshandelt werden. Wir sehen, dass die Polizei nichts unternimmt oder gar uns beschuldigt, wenn bei uns zu Hause Gewalt stattfindet. Und einige von uns wurden von Polizei oder Sheriffs aus unseren H\u00e4usern geworfen. Daher sind viele von uns bereit, die Polizei abzuschaffen. Das Leben vieler h\u00e4ngt davon ab, dass wir uns zusammenschlie\u00dfen, um eine Alternative zu schaffen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund fordert die SURJ alle Wei\u00dfen auf, ihre Zustimmung zur Polizei jetzt zur\u00fcckzuziehen. Schlie\u00dft Euch mit uns der Bewegung zur Entziehung der Finanzierung der Polizei an. Das hei\u00dft zugleich, echte Sicherheit [safety] zu schaffen, indem wir Rechte \u2013 Gesundheitsversorgung, Wohnen, Bildung \u2013 einfordern, gerade f\u00fcr die Gemeinschaften von Schwarzen, Indigenen, <em>People of Colour, <\/em>Armen und Arbeiter*innenklassen.<\/p>\n<h4>Links zu rechtsextremen Gruppen<\/h4>\n<p>Im Juni 2020 ver\u00f6ffentlichte das linke Thinktank <a href=\"https:\/\/www.politicalresearch.org\/\">Political Research Associates<\/a> (PRA) einen Artikel mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.politicalresearch.org\/2020\/06\/03\/police-paramilitaries-and-protests-racial-justice\">&#8222;Police, Paramilitaries, and Protests for Racial Justice&#8220;<\/a>. &#8222;Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung, die [rechtsextreme] Gruppen im gegenw\u00e4rtigen Augenblick darstellen&#8220;, schreibt die PRA, &#8222;k\u00f6nnte die <a href=\"https:\/\/www.wweek.com\/news\/courts\/2019\/02\/14\/texts-between-portland-police-and-patriot-prayer-ringleader-joey-gibson-show-warm-exchange\/\">Zusammenarbeit<\/a>, <a href=\"https:\/\/losangeles.cbslocal.com\/2020\/06\/03\/oc-sheriffs-department-investigating-deputy-who-wore-unauthorized-insignia-on-uniform-during-protest\/\">Ann\u00e4herung<\/a> und <a href=\"https:\/\/eu.courier-journal.com\/story\/news\/local\/2020\/05\/17\/audubon-changes-policy-cruisers-after-three-percenter-controversy\/5209188002\/\">Beteiligung<\/a> an der Verbrechensbek\u00e4mpfung sein. In einigen F\u00e4llen betraf dies auch Polizist*innen, die mit explizit rassistischen Organisationen wie dem [Ku Klux] Klan sympathisieren oder Mitglieder von ihnen sind&#8220;. B\u00fcrger*innenwehren haben oft eine wichtige, sogar halb-institutionalisierte Rolle beim Durchsetzen von Hierarchie und Macht in den Vereinigten Staaten gespielt. Dazu geh\u00f6ren Lynchmobs, aber auch betriebliche Wachleute, die hart gegen organisierte Arbeiter*innen vorgehen. Diese \u00dcberschneidung mit rechtsextremen und Organisationen von <em>white supremacists <\/em>ist ein wichtiger Grund, warum wir die Polizei nicht reformieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die polizeiliche <strong>Zusammenarbeit<\/strong> mit rechtsextremen Gruppen kann den <em>Austausch von Informationen und Ressourcen<\/em> oder die Unterst\u00fctzung von Eins\u00e4tzen umfassen. Ein ber\u00fcchtigtes Beispiel ist das <a href=\"https:\/\/truthout.org\/articles\/lessons-on-the-anniversary-of-the-greensboro-massacre\/\">Massaker von Greensboro<\/a> 1979. Hier brachten ein verdeckter Ermittler des Amts f\u00fcr Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe (ATF) und ein bezahlter Informant der Polizei von Greensboro (der zuvor f\u00fcr das FBI Informationen beschafft hatte) Nazis und Klan-Mitglieder zusammen und dr\u00e4ngten sie, sich einem geplanten Anti-Klan-Protest entgegenzustellen. Der ATF-Ermittler versorgte sie auch mit einigen der dabei mitgef\u00fchrten Waffen. Im Ergebnis wurden f\u00fcnf kommunistische Organisatoren am helllichten Tag und vor laufender Fernsehkamera erschossen. Obwohl die \u00f6rtliche Polizei im Voraus vor der Auseinandersetzung gewarnt wurde, unternahm sie nichts, um die Morde zu verhindern. Ein j\u00fcngeres, wenn auch weniger krasses Beispiel f\u00fcr die Zusammenarbeit sind Berichte von Beamt*innen, die mit Mitgliedern der <a href=\"https:\/\/www.splcenter.org\/fighting-hate\/extremist-files\/group\/traditionalist-worker-party\">Traditionalist Worker Party<\/a>, einer neonazistischen, wei\u00dfnationalistischen Organisation, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2018\/feb\/09\/california-police-white-supremacists-counter-protest\">zusammenarbeiteten<\/a>, um antifaschistische Gegendemonstrant*innen zu identifizieren. Dies geschah, nachdem Neonazis 2016 im Kapitol der kalifornischen Bundeshauptstadt Sacramento auf Gegendemonstrant*innen eingestochen hatten. Derselbe Bericht stellte fest, dass Beamt*innen versuchten, Mitglieder der Neonazi-Gruppe zu sch\u00fctzen, indem sie deren Namen aus \u00f6ffentlichen Aufzeichnungen strichen. In anderen F\u00e4llen wurde dokumentiert, dass Mitglieder der rechtsextremen <a href=\"https:\/\/www.politicalresearch.org\/1998\/04\/16\/patriot-and-armed-militia-movements\">Patriot-Bewegung<\/a> der Polizei halfen, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/us-news\/2017\/jun\/08\/portland-alt-right-rally-militia-member-police-arrest\">antifaschistische Aktivist*innen festzunehmen<\/a>.<\/p>\n<p>Die <strong>Ann\u00e4herung<\/strong> der Polizei an rechtsextreme Gruppen kann sich auf das <em>gemeinsame Ziel<\/em> beziehen, die politische Macht von Schwarzen und <em>People of Color<\/em> zu begrenzen und zu unterdr\u00fccken, wobei sich Strategien, Positionen und Ma\u00df der gesellschaftlichen Akzeptanz bisweilen stark unterscheiden. Ein ber\u00fcchtigtes Beispiel ist das Jahr 1964, als der stellvertretende Sheriff Cecil Price [im Neshoba County, Mississippi] drei B\u00fcrgerrechtler verhaftete, die das Abbrennen einer Schwarzen Kirche in Mississippi aufkl\u00e4rten. Er brachte die Aktivisten in ein verlassenes Gebiet, wo Klansm\u00e4nner warteten. Sie wurden erschossen und vergraben. Price sa\u00df vier Jahre im Gef\u00e4ngnis. Dies ist nur ein Beispiel, allerdings ist diese historische Ann\u00e4herung zwischen der Polizei und dem Ku-Klux-Klan <a href=\"https:\/\/splinternews.com\/its-time-to-admit-police-have-a-history-of-connections-1793853567\">ausgepr\u00e4gt<\/a>. Kristian Williams, Autor von <a href=\"https:\/\/www.akpress.org\/our-enemies-in-blue.html\">Our Enemies in Blue: Police and Power in America<\/a> schreibt: &#8222;Wie die Sklavenpatrouillen war der Klan lokal organisiert, operierte vor allem nachts, rekrutierte seine Mitglieder aus allen Schichten der Wei\u00dfen [sic] Gesellschaft, setzte ein Ausweissystem und eine Ausgangssperre durch, l\u00f6ste gesellige Abende und Treffen von Schwarzen auf, durchsuchte H\u00e4user, beschlagnahmte Waffen und setzte seine Forderungen mit Gewalt und Einsch\u00fcchterung durch.\u201c<\/p>\n<p>In Bezug auf gemeinsame Ziele kann <strong>Mitmachen <\/strong>bedeuten, <em>gleichzeitig Mitglied<\/em> <em>zu sein<\/em> in Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und bei den <em>white supremacists<\/em>, Milizen und anderen rechtsextremen Verb\u00e4nden. Beispielsweise wurde 1991 in einem Sammelklageverfahren festgestellt, dass im Lynnwood Department des Sheriffs von Los Angeles County eine &#8222;neonazistische Bande von <em>white supremacists<\/em>&#8220; <a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/archives\/la-xpm-1991-10-12-me-107-story.html\">existiert<\/a>. \u00c4hnliche F\u00e4lle wurden in <a href=\"https:\/\/www.yesmagazine.org\/social-justice\/2020\/06\/10\/book-no-nazis\/\">Richmond<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.cleveland.com\/crime\/2018\/04\/cleveland_police_officers_face_1.html\">Cleveland<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-2690571\/Two-cops-forced-step-amid-allegations-theyre-KKK-members-five-years-officer-Florida-force-pictured-pointy-hood-robe.html\">Florida<\/a> und <a href=\"https:\/\/abcnews.go.com\/US\/story?id=93046&amp;page=1\">Texas<\/a> dokumentiert. Im Juni 2020 wurde ein stellvertretender Sheriff von Orange County, Kalifornien, beurlaubt, weil er <a href=\"https:\/\/losangeles.cbslocal.com\/2020\/06\/03\/oc-sheriffs-department-investigating-deputy-who-wore-unauthorized-insignia-on-uniform-during-protest\/\">Aufn\u00e4her trug<\/a>, die mit der rechtsextremen Milizgruppe <a href=\"https:\/\/www.politicalresearch.org\/2016\/01\/05\/profiles-on-the-right-three-percenters\">Three Percenters<\/a> in Verbindung standen. Diese Beispiele sind nur einige der vielen dokumentierten F\u00e4lle.<\/p>\n<p>In anderen F\u00e4llen kann sich das Mitmachen auf die <strong>Infiltration<\/strong> von Institutionen wie Gef\u00e4ngnissen, Milit\u00e4r und Strafverfolgung durch rechtsextreme Gruppen erstrecken. In den letzten Jahrzehnten waren die Verbindungen zwischen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, rechtsextremen Gruppen und <em>white supremacists<\/em> eher auf lokaler als auf Bundesebene ausgepr\u00e4gt. W\u00e4hrend milit\u00e4rische Abteilungen Ma\u00dfnahmen gegen die Infiltration rechtsextremer Gruppen <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/02\/27\/us\/military-white-nationalists-extremists.html\">eingeleitet haben<\/a>, bleiben aufgrund der dezentralisierten Arbeitsweise der Polizeibeh\u00f6rden fast alle Versuche, diese zu regulieren oder einzugreifen, weitgehend erfolglos. Tats\u00e4chlich <a href=\"http:\/\/s3.documentcloud.org\/documents\/402521\/doc-26-white-supremacist-infiltration.pdf\">berichtete<\/a> eine 2006 vom FBI verfasste interne nachrichtendienstliche Einsch\u00e4tzung \u00fcber das &#8222;historische&#8220; Interesse rechtsextremer Gruppen und <em>white supremacists<\/em> an der &#8222;Infiltration von Gemeinschaften der Polizei und der Rekrutierung von Angeh\u00f6rigen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden&#8220;. Es ist nicht illegal, wenn sich Beamt*innen rechtsextremen Gruppen oder <em>white supremacists<\/em> anschlie\u00dfen. In einigen F\u00e4llen werden Polizist*innen geoutet, aber nicht entlassen, wie 2016 in <a href=\"https:\/\/www.sfgate.com\/crime\/article\/Under-pressure-over-officers-racist-texts-7384205.php\">San Francisco<\/a>. In anderen F\u00e4llen, in denen Beamt*innen aufgrund ihrer Verbindungen entlassen werden, werden sie sp\u00e4ter bei anderen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden wieder eingestellt, wie im Fall 2006 in <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/klansman-reinstated-as-state-trooper\/\">Nebraska<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei ist anzumerken, dass es eine Reihe von Spannungen zwischen den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und der extremen Rechten gibt. Soziale Bewegungen m\u00fcssen dem Rechnung tragen. Erstens unterscheiden sich unterschiedliche \u00a0rechtsextreme Gruppen und <em>white supremacists<\/em> erheblich in ihren Ansichten \u00fcber den Staat, dies reicht von jenen, die in B\u00fcrger*innenwehren Helfer*innen der Polizei sein m\u00f6chten, bis hin zu jenen, die den bestehenden Staatsapparat zu Fall bringen wollen. Nach Matthew N. Lyons, Schriftsteller und Historiker, sind die oppositionellen Spannungen eine wichtige Dynamik, die es zu erkl\u00e4ren gilt. Er schreibt: &#8222;Die Bundesbeh\u00f6rden haben manchmal rechtsgerichtete Angeh\u00f6rige von B\u00fcrger*innenwehren toleriert oder sogar unterst\u00fctzt, wenn sie sich ihren Zielen angeschlossen haben, aber zu anderen Zeiten haben sie sie als Bedrohung &#8211; oder als n\u00fctzlichen S\u00fcndenbock &#8211; betrachtet\u201d. Zweitens gibt es auch einen Bruch zwischen den Verfechter*innen einer vollkommenen wei\u00dfen Dominanz und den Bef\u00fcrworter*innen einer <em>color-blindness<\/em> in Teilen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und in der Polizei. Mit anderen Worten, es gibt nicht nur eine Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, wie diese Institutionen sich zu den rechtsextremen Gruppen und Organisationen von <em>white supremacists<\/em> verhalten. Diese vielschichtige Realit\u00e4t verweist manchmal auf Bereiche, in denen Bewegungen Druck aus\u00fcben k\u00f6nnen, ohne dabei den Einfluss und das Ziel der verschiedenen Staatsapparate aus den Augen zu verlieren. Wie Lyons klarstellt, &#8222;existieren Bundessicherheitskr\u00e4fte in den Vereinigten Staaten im Wesentlichen, um die Macht der herrschenden Klasse zu verteidigen&#8220;.<\/p>\n<h4>Polizeiarbeit hat ihren Ursprung in Sklavenpatrouillen<\/h4>\n<p>Die oben genannten Zusammenh\u00e4nge sind alles andere als \u00fcberraschend, wenn wir die Geschichte der Polizei betrachten. Auf jeden Fall k\u00f6nnen wir nicht \u00fcber Polizeiarbeit sprechen, ohne \u00fcber Sklaverei zu sprechen. Die Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten begann w\u00e4hrend der Kolonialzeit: mit dem Import von Praktiken der &#8222;Wachpatrouillen&#8220; aus England. Kristian Williams, Autor von <a href=\"https:\/\/www.akpress.org\/our-enemies-in-blue.html\">Our Enemies in Blue: Police and Power in America<\/a>, argumentiert: indem diese &#8222;Wachpatrouillen&#8220;-Praktiken an die besonderen Bedingungen einer Volkswirtschaft, die im amerikanischen Kontext auf der Sklaverei aufbaute, angepasst wurden, schufen sie die Voraussetzungen f\u00fcr die heutige Polizeiarbeit. Die Plantagenbesitzenden \u00a0waren wei\u00df und wenige, und ihr Reichtum beruhte darauf, Hunderttausende versklavter Afrikaner*innen zur Arbeit auf dem Land zu zwingen, das zuvor den indigenen Menschen brutal genommen worden war. Sie suchten nach neuen Methoden, um ihre angreifbare Machtposition und ihre Privilegien zu sichern.<\/p>\n<p>Als sich versklavte Afrikaner*innen auflehnten und von den Plantagen flohen, versuchten die Sklavenbesitzer*innen, die Arbeitskraft dieser Menschen zu kontrollieren, die rechtlich gesehen als ihr Besitz galten. Sie schauten sich Methoden der karibischen Sklavenbesitzer*innen ab, insbesondere in Barbados, und so entstanden schlie\u00dflich die sogenannten &#8222;Sklavenpatrouillen&#8220;. In den sp\u00e4ten 1600er Jahren waren Sklavenpatrouillen die ersten speziellen Milizen, die sich zumeist aus europ\u00e4ischen Vertragsknechten zusammensetzten und deren Aufgabe darin bestand, versklavte Afrikaner*innen, die geflohen waren, wieder einzufangen und sie zu zwingen, auf die Plantage ihrer Besitzer*innen zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>In den 1680er Jahren erhielt neben den Plantagenbesitzenden die gesamte wei\u00dfe Bev\u00f6lkerung die Verantwortung und das Recht zur Durchf\u00fchrung von Sklavenpatrouillen. Dies erm\u00f6glichte es in einigen Staaten, dass allen Wei\u00dfen, jede Person, die sie f\u00fcr eine*n entlaufene Sklav*in hielten, festnehmen und bestrafen konnten. Die Patrouillen waren mit Gewehren, Peitschen und Fesseln ausger\u00fcstet und wurden sp\u00e4ter mit Pferden ausgestattet. Zun\u00e4chst arbeiteten Sklavenpatrouillen nachts oder nur sporadisch. Doch angesichts zunehmender Revolten wurden sie zu einer Institution, die rund um die Uhr gebraucht wurde, um die Organisierung der Aufst\u00e4nde zu unterbinden. Die Funktion der Sklavenpatrouillen hat sich also bald von der Gefangennahme fliehender Sklav*innen auf die Verhinderung von Massenaufst\u00e4nden verlagert.<\/p>\n<p>Um politischen Gehorsam durchzusetzen und die in Aufruhr befindlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen zu bewachen, wurde eine Reihe von Ma\u00dfnahmen ergriffen. So mussten die Indigenen und versklavten Afrikaner*innen beispielsweise Ausweispapiere mit sich f\u00fchren. Patrouillen wurden zudem von Gerichten und Milizen autorisiert, die H\u00e4user der Versklavten zu durchsuchen. Sie versuchten gerade gesellige Zusammenk\u00fcnfte, v.a. religi\u00f6se Versammlungen, aufzul\u00f6sen. Vergewaltigung war eine g\u00e4ngige Taktik zur Kontrolle schwarzer Frauen, deren Organisationskraft eine Bedrohung f\u00fcr die entstehende Regierung darstellte. Einige Sklavenpatrouillen fingen freie Schwarze ein, um sie dann in die Sklaverei zu verkaufen.<\/p>\n<p>Der Widerstand wuchs, was die Eliten dazu veranlasste, verst\u00e4rkte Kontrollma\u00dfnahmen in die Sklavengesetze aufzunehmen. In den fr\u00fchen 1700er Jahren begannen europ\u00e4ische Vertragsknechte zusammen mit versklavten Afrikaner*innen zu fliehen, um in schwerzug\u00e4nglichen S\u00fcmpfen oder im Marschland Gemeinschaften von Entflohenen zu gr\u00fcnden. Bald dienten die Sklavenpatrouillengesetze auch dazu, &#8222;unordentliche wei\u00dfe Menschen, insbesondere Landstreicher, zu disziplinieren&#8220;. Um eine situationsbedingte Klassensolidarit\u00e4t zu verhindern, gew\u00e4hrten eine Reihe von Gesetzen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene wei\u00dfen Einwanderer*innen das Recht, Staatsb\u00fcrger*innen zu werden, w\u00e4hrend sie Einwanderer*innen aus Asien, der Karibik, Lateinamerika oder Afrika die B\u00fcrgerrechte oder das Recht auf Landbesitz ausdr\u00fccklich verweigerten.<\/p>\n<p>Der Prozess, in dem die Vereinigten Staaten zu einer modernen polizeilich kontrollierten Gesellschaft wurden, ist vielschichtig. Zu den weiteren Bedingungen geh\u00f6ren die Industrialisierung, steigende Ordnungsanforderungen, eine sich auf die Gemeinden verlagernde Regierungsf\u00fchrung und aufkommende soziale \u00c4ngste. Wie Williams beschreibt: &#8222;Mit der Geburt der modernen Polizei erhielt der Staat ein neues Mittel zur Kontrolle der B\u00fcrger*innen &#8211; eines, das auf dessen Erfahrungen nicht nur mit Kriminalit\u00e4t und innerer Sicherheit, sondern auch mit Kolonialismus und Sklaverei beruht\u201d. Von den <a href=\"https:\/\/www.hup.harvard.edu\/catalog.php?isbn=9780674737570\">Revolten versklavter Afrikaner*innen<\/a> \u00fcber die <a href=\"https:\/\/uncpress.org\/book\/9781469625485\/hammer-and-hoe\/\">Alabama-Kommunist*innen w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise<\/a> bis hin zur <a href=\"https:\/\/www.powells.com\/book\/gun-thugs-rednecks-and-radicals-9781604864526\/61-0?partnerID=33733\">Schlacht am Blair Mountain<\/a> war die Polizei immer ein Apparat f\u00fcr Recht und Ordnung, der dazu diente, den Reichtum der herrschenden Klasse zu sichern und die politische Macht der Schwarzen, der Indigenen, der Gemeinschaften <em>of Color<\/em>, der Armen und der Arbeiter*innenklasse zu unterdr\u00fccken. Daher ging es bei der Polizeiarbeit nie um Sicherheit [safety] f\u00fcr Gemeinschaften, stattdessen um die Kontrolle der Arbeitskraft und den Schutz des Eigentums der reichen und meist wei\u00dfen Wenigen.<\/p>\n<h4>Wir schaffen uns selbst Sicherheiten<\/h4>\n<p>Die Geschichte der Polizeiarbeit und ihre gegenw\u00e4rtige \u00dcberschneidung mit rechtsextremen Organisationen von <em>white supremacist<\/em> sind nur zwei Gr\u00fcnde, warum wir der Polizei die Finanzmittel entziehen m\u00fcssen. Was wir praktisch tun k\u00f6nnen, ist den T\u00e4tigkeitsbereich, die St\u00e4rke und die Rolle der Polizei in unseren Gemeinschaften einzuschr\u00e4nken. Wie M4BL festgestellt hat: &#8222;Wir ben\u00f6tigen diese Mittel in den Schulen, f\u00fcr unsere Gesundheit und f\u00fcr unsere Zukunft.&#8220; Lokale Regierungen in Minneapolis, Los Angeles, Philadelphia und Dallas reagieren bereits auf diese Forderung. Die Stadtratsmitglieder haben sich verpflichtet, Sicherheitspl\u00e4ne in Partizipationsprozessen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise sind Fragen bez\u00fcglich gesellschaftlicher Alternativen zur Polizei keineswegs neu. Viele brillante Denker*innen und Organisationen haben ein breites Spektrum an M\u00f6glichkeiten bereitgestellt, auf dem wir aufbauen k\u00f6nnen. Jetzt ist es an der Zeit, den Druck aufrechtzuerhalten. Wir m\u00fcssen mehr politischen Raum schaffen, damit alternative Initiativen entstehen k\u00f6nnen, die ein transformatives Modell gemeinschaftlicher Sicherheit erdenken und sich daf\u00fcr einsetzen.<\/p>\n<p>Bist du bereit, dich der Bewegung zur Entziehung der Finanzierung der Polizei anzuschlie\u00dfen und in das gemeinschaftliche Wohlergehen [community safety] zu investieren? Zwei Dinge kannst du tun:<\/p>\n<p>1. Beteilige dich an einer Solidarit\u00e4tsaktion mit dem Movement for Black Lives am 26. Juni zur Entziehung der Finanzierung der Polizei <a href=\"http:\/\/bit.ly\/IntlSolidarity\">oder veranstalte eine solche Aktion<\/a>.<\/p>\n<p>2. Schlie\u00dfe dich einer Ortsgruppe an oder gr\u00fcnde eine solche, und beteilige dich dort an Kampagnen zur Entziehung der Finanzierung der Polizei.<\/p>\n<p><em>Showing Up for Racial Justice setzt sich daf\u00fcr ein, mehr wei\u00dfe Menschen und mehrheitlich wei\u00dfe Gemeinschaften in multi-racial, antirassistische Bewegungen f\u00fcr Gerechtigkeit zu bringen. <a href=\"https:\/\/actionnetwork.org\/forms\/join-surj?source=direct_link&amp;\">Schlie\u00dft euch hier an<\/a> und folgt uns auf <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/showingupforracialjustice\/\">Instagram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ShowingUpForRacialJustice\/\">Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ShowUp4RJ\">Twitter<\/a>.<\/em><\/p>\n<h3>Im Original auf <a href=\"https:\/\/medium.com\/@surj_action\/surjs-call-to-white-people-52fd4e03eaf8\">medium.com.\u00a0<\/a>\u00dcbersetzt von Jenny K\u00fcnkel und Matthias Monroy.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufruf von Showing Up for Racial Justice (SURJ) an wei\u00dfe Menschen von Hilary Moore, SURJ<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":17797,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[425,1112,1186,1470,1551],"class_list":["post-17795","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","tag-defund-the-police","tag-polizeigewalt","tag-rassismus","tag-usa","tag-white-supremacists"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17795\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/17797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}