{"id":18216,"date":"2019-11-30T14:35:36","date_gmt":"2019-11-30T14:35:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=18216"},"modified":"2019-11-30T14:35:36","modified_gmt":"2019-11-30T14:35:36","slug":"polizeiliche-todesschuesse-2018-bundesweite-und-berliner-schusswaffenstatistik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=18216","title":{"rendered":"Polizeiliche Todessch\u00fcsse 2018:\u00a0Bundesweite und Berliner Schusswaffenstatistik"},"content":{"rendered":"<h3>von Otto Diederichs<\/h3>\n<p><strong>Elf Menschen starben im vergangenen Jahr aufgrund polizeilichen Schusswaffeneinsatzes. Das sind f\u00fcnf Tote weniger als 2017<\/strong>.<\/p>\n<p>2017 hatte die Zahl der polizeilichen Todessch\u00fcsse mit 16 F\u00e4llen den h\u00f6chsten Stand seit 1999 erreicht.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> F\u00fcr 2018 zeigt die Schuss\u00adwaffen\u00adge\u00adbrauchsstatistik der Deutschen Hochschule f\u00fcr Polizei (DHPol) nicht nur bei den Todessch\u00fcssen einen niedrigeren Wert. Zur\u00fcckgegangen ist auch die Zahl der Verletzten (2018: 34; 2017: 39) sowie die Gesamtzahl der Sch\u00fcsse auf Menschen: Insgesamt 54 Mal haben Polizeibeamt*innen 2018 auf Personen geschossen (2017: 75 Mal), wobei zwei Sch\u00fcsse als unzul\u00e4ssig eingestuft wurden. 23 Mal wurde auf \u201eSachen\u201c geschossen, womit in der Regel Fahrzeuge gemeint sind; von diesen indirekten Sch\u00fcssen auf Menschen wurden offiziell sieben als unzul\u00e4ssig eingestuft. Die H\u00f6chstzahl der abgegebenen Sch\u00fcsse galt mit 13.711 (2017: 13.400) wie stets dem T\u00f6ten gef\u00e4hrlicher, kranker oder verletzter Tiere.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p>Soweit zun\u00e4chst die Bilanz der DHPol, die im Auftrag der Innen\u00admi\u00adni\u00adsterkonferenz die j\u00e4hrliche Schusswaffengebrauchsstatistik zusammen\u00adstellt. Hierzu sind die L\u00e4nder angehalten, ihre Zahlen bis zum Ende des ersten Quartals des Folgejahres an die DHPol zu melden. Eine Praxis, die bereits seit Jahren nicht mehr eingehalten wird: Als diese Zeitschrift Ende Mai bei der DHPol nach der neuen Statistik fragte, hatte man dort immer noch nicht s\u00e4mtliche Angaben der L\u00e4nder erhalten. Erscheinen konnte die Schusswaffengebrauchsstatistik erst im Juli.<\/p>\n<h4>Berliner Zahlen<\/h4>\n<p>Durch die Schriftliche Anfrage von Anne Helm (Linksfraktion) im Berliner Abgeordnetenhaus gibt es erstmals seit zwei Jahren auch wieder Zahlen zum polizeilichen Schusswaffengebrauch in der Hauptstadt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Demnach sei es dort 2017 in keinem Fall und 2018 in drei F\u00e4llen zu beabsichtigten Sch\u00fcssen auf Menschen gekommen. 2018 seien dabei vier Personen verletzt worden. 2017 habe es einen Toten gegeben, wobei es sich aber um einen Suizid handelte.<\/p>\n<p>Seltsam ist indes der Umgang der Berliner Polizei bzw. des Innen\u00adsenats mit den \u201eoffenen Vorg\u00e4ngen\u201c, von denen es zum Zeitpunkt der Antwort auf die Anfrage, also im Mai 2019, noch acht aus dem Jahr 2017 und sechs von 2018 gab. Diese \u201eoffe\u00adnen Vorg\u00e4nge\u201c w\u00fcrden \u201eerst nach Vorliegen des abschlie\u00dfenden Berichtes in Kate\u00adgorien untergliedert in der Statistik dar\u00adgestellt. Dies ist der Grund daf\u00fcr, dass die Zahlen der Schuss\u00adwaf\u00adfen\u00adgebrauchsstatistik Ver\u00e4nde\u00adrun\u00adgen unterliegen \u2013 bis zum Abschluss des letzten Vorgangs aus dem jeweili\u00adgen Jahr\u201c. Das hei\u00dft aber auch, dass die in der Antwort genannten Zahlen \u00fcber Verletzte und Get\u00f6tete vorl\u00e4ufig \u2013 oder besser gesagt: falsch \u2013 sind: Zus\u00e4tzlich zu dem oben genannten Suizid gab es 2017 einen t\u00f6dlichen Schusswaffenein\u00adsatz, der jedoch in der Statistik fehlt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Nachgemeldet wurde inzwischen ein t\u00f6dlicher Schusswaffen\u00adein\u00adsatz aus dem Jahre 2016, den der Senat in seiner Antwort auf die Anfrage der Linken im Februar 2017 wegen des fehlenden Abschluss\u00adberichts nicht mitgez\u00e4hlt hatte.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Drei \u201eVorg\u00e4nge\u201c von 2016 sind immer noch \u201eoffen\u201c \u2013 darunter auch der zweite Berliner Todesschuss aus jenem Jahr.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig ist auch die in der Antwort genannte recht hohe Zahl der unbeabsichtigten Schussabgaben, von denen es 2017 zw\u00f6lf und 2018 ganze 16 F\u00e4lle gegeben haben soll. Dabei wurden 2017 zwei Personen (eine \u201ePolizeidienstkraft\u201c und eine \u201eexterne Person\u201c) verletzt und 2018 eine Person (eine \u201ePolizeidienstkraft\u201c). Erstaunlich ist diese hohe Zahl unbeabsichtigter Sch\u00fcsse insbesondere, weil die DHPol-Statistik f\u00fcr 2018 bundesweit lediglich elf F\u00e4lle ausweist.<\/p>\n<h4>Polizeilicher Problemfall: Psychisch erkrankte Personen<\/h4>\n<p>Bereits 2016 hat B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP bei den polizeilichen Schuss\u00adwaf\u00adfen\u00adop\u00adfern auf eine wachsende Zahl von psychisch Erkrankten oder Menschen in einem psychischen Ausnahmezustand hingewiesen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Soweit anhand der ausgewerteten Presseberichte erkennbar, traf dies auch bei vier der im Jahre 2018 get\u00f6teten Personen zu (siehe Tabelle).<\/p>\n<p>Laut Bundesarbeitsministerium hat sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme seit 2007 mehr als verdoppelt und liegt heute bei 107 Millionen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Nat\u00fcrlich wird nicht jede*r psychisch Kranke gleich zu einem Fall f\u00fcr die Polizei. Was eine wachsende Zahl psychisch Erkrankter dennoch f\u00fcr die polizeiliche Praxis bedeuten kann, hat Celia Sommer, die seit 2017 beim Psychologischen Dienst der Berliner Polizei t\u00e4tig ist, bei einem \u201eWerkstattgespr\u00e4ch\u201c der <em>Forschungsstelle \u00d6ffentliche und Private Sicherheit<\/em> (F\u00d6PS) dargestellt: Bundesweit komme es bei rund einem Viertel bis einem Drittel aller polizeilichen Eins\u00e4tze zu Kontakten mit psychisch Erkrankten, gewaltsame Eskalationen seien dabei keine Seltenheit. Sch\u00e4tzungen zufolge wurden dabei von 2007 bis 2011 mindestens 16 Menschen erschossen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Inzwischen ist das Problem auch bei der Polizei angekommen. Laut der Antwort auf die zitierte Anfrage der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bietet die <em>Fachgruppe Verhaltenstraining<\/em> bei der Berliner Polizei viert\u00e4gige Seminare zum \u201eUmgang mit Menschen mit psychi\u00adschen St\u00f6rungen im Spannungsfeld zwischen Kommunikation und Zwangsma\u00dfnahmen\u201c f\u00fcr bis zu 140 Teilnehmende an. Allerdings ist die Teilnahme freiwillig.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Zudem beteiligt sich die Berliner Polizei an einem von der EU gef\u00f6rderten dreij\u00e4hrigen Forschungsprojekt, das den Einfluss menschlicher Faktoren wie etwa Stress auf das Schie\u00dfverhalten unter\u00adsuchen soll.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0 Ein Anfang scheint also gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18222\" src=\"https:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-1.png\" alt=\"\" width=\"842\" height=\"508\" srcset=\"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-1.png 842w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-1-300x181.png 300w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-1-768x463.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 842px) 100vw, 842px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18223\" src=\"https:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-2.png\" alt=\"\" width=\"837\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-2.png 837w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-2-300x183.png 300w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-2-768x469.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 837px) 100vw, 837px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18224\" src=\"https:\/\/www.cilip.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-3.png\" alt=\"\" width=\"812\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-3.png 812w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-3-300x187.png 300w, https:\/\/wp-dev.daten.cool\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Polizeiliche-Todesschuesse-2018-3-768x480.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 812px) 100vw, 812px\" \/><\/a><\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 siehe Daten und F\u00e4lle f\u00fcr 2016 in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 113 (September 2017), S. 49-53, f\u00fcr 2017 in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 117 (November 2018), S. 74-79 sowie eine Korrektur der Tabelle in B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 118\/119, S. 170<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Statistik zum Schusswaffengebrauch der L\u00e4nder und des Bundes f\u00fcr 2018 v. 1.7.2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Abgeordnetenhaus Berlin Drs. 18\/18574 v. 2.5.2019, davor: Schriftliche Anfrage von Anne Helm und Hakan Ta\u00fe, Drs. 18\/10387 v. 7.2.2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Fall 2 aus der \u00dcbersicht \u00fcber die polizeilichen Todessch\u00fcsse 2017, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 117 (November 2018), S. 76<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Es d\u00fcrfte sich um Fall 10 aus unserer \u00dcbersicht der Todessch\u00fcsse von 2016 handeln, siehe B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 113, S. 53<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 ebd., S. 51, Fall 1<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 siehe B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 111 (Oktober 2016), S. 84f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Berliner Zeitung v. 26.3.2018<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Andere Sch\u00e4tzungen gehen von 13 Toten f\u00fcr die Jahre 2009-2013 aus, Sommer, C.: Der Umgang von Polizeibeamt\/innen mit psychisch auff\u00e4lligen Personen in Berlin, Vortrag v. 4.4.2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u00a0 Abgeordnetenhaus Drs. 18\/18574 v. 2.5.2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u00a0\u00a0 Der Polizeipr\u00e4sident in Berlin: Pressemeldung v. 7.1.2019<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Otto Diederichs Elf Menschen starben im vergangenen Jahr aufgrund polizeilichen Schusswaffeneinsatzes. 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