{"id":19172,"date":"2018-05-15T20:01:34","date_gmt":"2018-05-15T20:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=19172"},"modified":"2018-05-15T20:01:34","modified_gmt":"2018-05-15T20:01:34","slug":"un-geliebte-subjekte-zur-staedtischen-prekarisierung-migrantischer-sex-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=19172","title":{"rendered":"Un-\/geliebte Subjekte:\u00a0Zur st\u00e4dtischen Prekarisierung migrantischer (Sex-)Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stadtforschung und Bewegungen problematisieren v.a. r\u00e4umliche Verdr\u00e4ngung und Polizeikontrolle von Sexarbeit im Zuge von Innenstadtaufwertung und Gentrifizierung. Mit der EU-Osterwei\u00adte\u00adrung gewinnen zudem lokale Versuche der Migra\u00adtionsabwehr qua Ausgrenzung aus sozialen Sicherungssystemen an Bedeutung.<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Neoliberalisierung gerieten in vielen St\u00e4dten der westlichen Welt sichtbare Konzentrationen des Sexgewerbes ins Visier intensivierter Verdr\u00e4ngungsdebatten und zum Teil auch -prozesse.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Hintergr\u00fcnde waren und sind dabei oftmals Innenstadtrestrukturierungen und eine wohnungspolitisch bef\u00f6rderte Gentrifizierung. Auch in Deutschland weiteten einige St\u00e4dte im Rahmen von Aufwertungspolitiken die lokalen Sperrbezirksverordnungen aus, etwa indem sie \u2013 wie 2012 in Hamburg St. Georg \u2013 den \u00f6ffentlichen Sexverkauf auch f\u00fcr KundInnen verboten. Betroffen von entsprechend verst\u00e4rkten polizeilichen Kontrollpraktiken ist insbesondere eine Stra\u00dfensexarbeit, die mit dem Konsum kriminalisierter Drogen oder ethnisch-nationalen Ausgrenzungen assoziiert ist.<!--more--><\/p>\n<p>Zugleich zeigen sich im Kontext legaler Sexarbeit in Deutschland jedoch auch Bestrebungen, die touristisch bedeutsamen Teile des Sexgewerbes, die allerdings nicht notwendigerweise die besten Arbeitsbedingungen bieten, in das Stadtmarketing einzubeziehen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Am deutlichsten wird dies in Hamburg St. Pauli. Hier vermarkten Stadt und lokale Gewerbetreibende Prostitution als Symbol f\u00fcr Authentizit\u00e4t und Toleranz als Teil der \u201eMarke Hamburg\u201c. Wenngleich weniger explizit, beziehen auch etwa Berlin den Stra\u00dfenstrich des Scheunenviertels oder Frankfurt die Bordelle des Bahnhofsviertels in ihre hegemonialen Stadtentwicklungspolitiken ein.<\/p>\n<p>Beide Strategien \u2013 das Unsichtbar-Machen der als ver-\/st\u00f6rend markierten Sexarbeit besonders prekarisierter Subjekte und die Vermarktung der als imagetr\u00e4chtig geltenden Gewerbesegmente \u2013 sind Teil lokaler Praktiken der St\u00e4dtekonkurrenz. Sie zielen nicht zuletzt darauf, die St\u00e4dte f\u00fcr Unternehmensansiedlung und Mittelschichtswohnen, mithin f\u00fcr die <em>Creative Class,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/em> attraktiv zu machen. Denn im Rahmen ihrer Handlungsspielr\u00e4ume priorisieren \u201eunternehmerische St\u00e4dte\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> h\u00e4ufig Versuche, steuertr\u00e4chtige Subjekte und Organisationen anzuziehen, um ihre kommunale Haushalte aufzubessern.<\/p>\n<h4>Ordnungs- und Sozialpolitik<\/h4>\n<p>In Folge der \u201eEU-Osterweiterung\u201c steigern Kommunen zudem ihre Bem\u00fchungen, in umgekehrter Logik als kostentr\u00e4chtig wahrgenommene Subjekte g\u00e4nzlich aus den St\u00e4dten herauszuhalten. Als kostentr\u00e4chtig gelten dabei insbesondere Personen, die sozialstaatliche Leistungen in Anspruch nehmen oder das hegemoniale Image von Stadtr\u00e4umen besch\u00e4digen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Diese \u201einverse St\u00e4dtekonkurrenz\u201c, wie ich sie hier nennen will, vollzieht sich zum einen auf dem Wege der Ordnungspolitik. So schloss etwa die Stadt Dortmund 2011 eine mit Garagen ausgestattete und sozialarbeiterisch betreute Toleranzzone f\u00fcr Stra\u00dfenprostitution. Eine neue Sperrgebietsverordnung untersagt seither Sexarbeit im gesamten \u00f6ffentlichen Raum der Stadt; eine Demonstration und eine gerichtliche Klage der SexarbeiterInnen, die die legale Arbeitsm\u00f6glichkeit ohne Raumnutzungskosten erhalten wollten, blieben letztlich erfolglos. Der Verdr\u00e4ngung vorangegangen waren stark anti-romaistisch aufgeladene Debatten \u00fcber die gestiegene Zahl migrantischer Stra\u00dfensexarbeiterInnen, an denen sich einige PolitikerInnen, ImmobilienbesitzerInnen, nicht-prostitutive Gewerbetreibende und AnwohnerInnen st\u00f6rten.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Wie auch andernorts z\u00e4hlten dabei nur Teile der heterogenen Polizei zu den treibenden AkteurInnen der Verdr\u00e4ngung.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Denn wesentliche Teile der lokalen Kriminalpolizei hatten in den Jahren zuvor zu den Bef\u00fcrworter\u00adInnen einer legalen, kontrollierten Prostitution gez\u00e4hlt, w\u00e4hrend vor allem schutzpolizeiliche Akteur\u00adInnen die Ordnungsst\u00f6rungen problematisierten. Dortmund geriet innenpolitisch auf Landesebene in die Kritik, mit dem legalen Stra\u00dfenstrich und der dadurch (vermeintlich) stimulierten Migration, Kriminalit\u00e4t anzuziehen. Auch in der Kommune dominierte die abwehrende Logik inverser St\u00e4dtekonkurrenz: Die Stadt Dort\u00admund thematisierte prekarisierte EU-MigrantInnen als Kostenfaktor und \u201e\u00dcberforderung\u201c von Nachbarschaften, die es abzuwehren gelte \u2013 eine Position, die auch in anderen st\u00e4dtischen Exekutiven und beim Deutschen St\u00e4dtetag Widerhall fand.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> \u00c4hnliche Problemdiskurse \u00fcber EU-Binnenmigration und daran ankn\u00fcpfende Ausgrenzungspolitiken finden sich auch in anderen westeurop\u00e4ischen St\u00e4dten. Viele italienische St\u00e4dte verbannten die Stra\u00dfenprostitution qua Rechtsverordnungen vor die Stadtgrenzen. In Frankreich gelten lokale OrdnungspolitikerInnen neben den AbolitionistInnen als treibende Kr\u00e4fte der nationalen Gesetzesversch\u00e4rfungen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Neben der Ordnungspolitik artikulieren sich die Bestrebungen zur Abwehr kostentr\u00e4chtiger Subjekte in der lokalen Ausformung des Wohlfahrtsstaates. Dass Ordnungsst\u00f6rungen im Zuge fortschreitender Neoliberalisierung auch mit den Mitteln der Sozialpolitik bek\u00e4mpft werden und insbesondere die Soziale Arbeit vermehrt in das Polizieren einbezogen wird, ist weithin bekannt.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Nicht zuletzt im Feld der Sexarbeit zeigt sich in j\u00fcngerer Zeit jedoch eine besonders unsoziale und widerspr\u00fcchliche Instrumentalisierung von Sozialpolitik f\u00fcr die Versuche der Herstellung von Ordnung in der neoliberalen Stadt: Kommunen setzen verst\u00e4rkt auf die Ausgrenzung \u201ekostentr\u00e4chtiger\u201c Subjekte aus sozialstaatlichen Leistungen und sozialen Einrichtungen. Verst\u00e4rkt deshalb, weil mit der EU-Osterweiterung zwar Migration erleichtert wurde, zugleich aber Unions\u00adb\u00fcrgerInnen aus L\u00e4ndern jenseits des europ\u00e4ischen F\u00fcrsor\u00adge\u00adab\u00adkommens (EFA) von erwerbsarbeitsunabh\u00e4ngigen sozialstaatlichen Leis\u00adtungen auf legalem Wege weitgehend ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Von entsprechenden Ausschl\u00fcssen erhoffen sich St\u00e4dte eine Kostenreduktion und Verdr\u00e4ngung der Subjekte aus den kommunalen Grenzen \u2013 die sich, wie die Migrationsforschung betont, jedoch oft bestenfalls partiell realisiert. Im Gegenteil: Die gerade von St\u00e4dten bundesweit eingeforderten und verwaltungspraktisch erprobten Ausschl\u00fcsse stellen, wie Lisa Riedner herausarbeitete, die Armut der \u201eArmutsmigration\u201c ma\u00dfgeblich her. Sie dr\u00e4ngen die dennoch Migrierenden nicht nur h\u00e4ufig in Obdachlosigkeit oder beengtes Wohnen, sondern auch in prek\u00e4re Arbeit, die partiell auf Stra\u00dfenstrichen f\u00fcr Sex- und unsexy Arbeit angeboten wird.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<h4>Beispiel Frankfurt<\/h4>\n<p>In Frankfurt am Main, das im Folgenden als Beispiel dienen soll, spielen Ordnungs- und Sozialpolitik nur lose und in zum Teil widerspr\u00fcchlicher Weise zusammen. Sie formen insgesamt jedoch ein Marginalit\u00e4tsregime, das Migrationsabwehr mit begrenzter Nothilfe und einer verunsichtbarenden Verwaltung von Prekarit\u00e4t verkn\u00fcpft. Dabei ist bemerkenswert, dass gerade in der Stadt Frankfurt Versuche, als unproduktiv, kostentr\u00e4chtig oder ver\u2011\/st\u00f6rend markierte Subjekte aus der Stadt herauszuhalten, eine lange Tradition haben. Erprobt wurden solche Strategien insbesondere in der Drogenpolitik. Bereits 1992 verdr\u00e4ngte die Polizei nach Beschwerden vor allem des Banken- und Versicherungsgewerbes die offene Drogenszene aus der <em>downtown<\/em> in das angrenzende Bahnhofsviertel. Dort wurde die Szene zwecks Verringerung von Drogentotenzahlen sowie der ordnungspolitisch problematisierten Sichtbarkeit in deutlichem Ma\u00dfe in Drogenkonsumr\u00e4ume eingehaust. Noch im selben Jahr gab das Sozialamt einen \u201eFrankfurter Drogenhilfe-Pass\u201c aus, um den Zugang zu sozialen Einrichtungen m\u00f6glichst weitgehend auf \u201eeinheimische\u201c, das hei\u00dft nicht aus anderen Kommunen stammende Drogenkonsumierende zu begrenzen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Seither war die Drogenpolitik immer auch von der Sorge gepr\u00e4gt, dass zu umfassende soziale Einrichtungen und ein zu liberales Polizieren noch mehr DrogenkonsumentInnen anziehen, ergo den kommunalen Haushalt belasten und das Stadtbild beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten. Die Logik ist fest verankert in polizeilichen Denkweisen \u00fcber marginalisierte Gruppen im \u00f6ffentlichen Raum \u2013 sie begegnete mir in Interviews und Gespr\u00e4chen mit der Polizei verschiedentlich.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Dieselbe Rationalit\u00e4t pr\u00e4gt gegenw\u00e4rtig das Polizieren der migran\u00adtischen Stra\u00dfenprostitution. Die Handlungslogik speist sich allerdings nicht nur aus den lokalen Erfahrungen der Polizei mit der Drogenszene, sondern, wie im Folgenden ausgef\u00fchrt wird, auch aus polizeilichem Wissenstransfer zwischen St\u00e4dten, also \u201eurban policy mobilities\u201c.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Im Jahre 2010 gr\u00fcndete die Frankfurter Polizei eine eigene Dienststelle f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Rotlichtkriminalit\u00e4t. Vor dem Hintergrund von Konflikten um eine zunehmende Stra\u00dfensexarbeit im Bahnhofsviertel, dortigen Gentrifizierungsprozessen und Profilierungsbestrebungen von InnenpolitikerInnen befasste sich die Arbeitsgruppe vorrangig mit der Sexarbeit im \u00f6ffentlichen Raum und verdr\u00e4ngte gemeinsam mit der Stadtpolizei zum Jahreswechsel 2010\/2011 die migrantischen Stra\u00dfensexarbeiterInnen in die N\u00e4he des Messegel\u00e4ndes. Der Drogenstrich, der traditionell von der weitgehenden \u201eVerh\u00e4uslichung\u201c der Frankfurter Prostitution in Bordellen seit den sp\u00e4ten 1960er Jahren ausgenommen war, erfuhr dagegen im Sperrgebiet des Bahnhofsviertels eine wenn auch hinsichtlich der Sichtbarkeit zunehmend begrenzte Duldung.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Diskussionen um eine Neuorganisation der Stra\u00dfenprostitution fuhren Mitglieder der neuen Dienstelle nach Dortmund, um die dortige infrastrukturell ausger\u00fcstete Toleranzzone im Gewerbegebiet als m\u00f6gliches Vorbild einer geordneten Verdr\u00e4ngung an den Innenstadtrand zu besichtigen. Die Dortmunder KollegInnen assoziierten den Stra\u00dfenstrich mit den medial als \u201eProblemh\u00e4user\u201c skandalisierten migrantisch besetzten Wohngeb\u00e4uden der Nordstadt. Sie f\u00fchrten die Frankfurter KollegInnen durch H\u00e4user, in denen \u2013 laut den entsetzten Frankfurter BeamtInnen \u2013 der \u201eM\u00fcll hinten so weit hoch gestapelt war, dass nur noch der zweite Stock zu bewohnen war\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Seither galt Dortmund in Frankfurt als Negativbeispiel. Die Frankfurter Polizei habe \u201eschlauerweise\u201c mit ihren Dortmunder KollegInnen Kontakt aufgenommen, um sich \u00fcber \u201eihre Stra\u00dfenprostitution und ihre Riesenprobleme\u201c zu informieren, erkl\u00e4rten mir Beamte des 13. Reviers bei einem Interview im Juni 2012:<\/p>\n<p>\u201eUnd man hat sich das sehr genau angeschaut und analysiert: Wo sind die Fehler im Vorgriff gemacht worden, und was k\u00f6nnen wir in Frankfurt vermeiden? \u2026 Dortmund zeigte anscheinend: Wenn die Polizei oder die Gegebenheiten zu sp\u00e4t eingreifen, weil es einfach zu liberal abgearbeitet wird, es hingenommen wird \u2013 aus welchen politischen Gr\u00fcnden auch immer \u2013, l\u00e4uft es aus dem Ruder, ist fast nicht mehr h\u00e4ndelbar. Und dann wollte man Dortmunder Verh\u00e4ltnisse in Frankfurt definitiv nicht haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Frankfurter Schutzpolizei sprach sich dementsprechend gegen eine Ausstattung der Toleranzzone f\u00fcr Stra\u00dfensexarbeit am Messegel\u00e4nde mit Garagen aus. Zudem setzt das zust\u00e4ndige 13. Revier auf ein \u2013 im St\u00e4d\u00adte\u00advergleich \u2013 repressives Polizieren, um \u2013 so der Revierleiter im Interview \u2013 einem \u00fcberregionalen \u201eZulauf\u201c migrantischer SexarbeiterInnen \u201eentgegenzusteuern\u201c.<\/p>\n<h4>Der Auftrag des Sozialamtes<\/h4>\n<p>Eine \u00fcberregionale Anziehungskraft Frankfurts f\u00fcr jene EU-Mi\u00adgrant\u00adInnen, die als unqualifiziert und arm gelten, sucht auch die Kommune zu verhindern. Dies gilt insbesondere f\u00fcr das konservativ gef\u00fchrte Sozialamt, in das \u2013 im Gegensatz zum Amt f\u00fcr multikulturelle Angelegenheiten \u2013 die Logik der inversen St\u00e4dtekonkurrenz besonders deutlich eingeschrieben ist. \u201eBei der Errichtung von humanit\u00e4ren Hilfen m\u00fcssen wir darauf achten, keine besseren Angebote als andere St\u00e4dte zu schaffen, um keine Anreizsysteme zu bieten\u201c, so Manuela Skotnik vom Frankfurter Sozialdezernat gegen\u00fcber den Medien.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>In der Praxis bedeutet dies beispielsweise, dass die Kommune obdachlosen EU-MigrantInnen aus Nicht-EFA-Staaten, deren Aufenthaltsrecht sich nur aus der Arbeitssuche ergibt, in der Regel nur eine R\u00fcckfahrkarte ins Heimatland oder in kalten Wintern\u00e4chten den Fu\u00dfboden eines U-Bahnhofes anbietet. Noch bevor das mit dem \u201eGesetz zur Regelung von Anspr\u00fcchen ausl\u00e4ndischer Personen in der Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> zur Pflicht wurde, meldete das Sozialamt Sozial\u00adleistungsbezug regelm\u00e4\u00dfig an die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde \u2013 wohl bewusst, dass dies wegen des m\u00f6glichen Verlusts des Aufenthaltsrechts vom Leistungsbezug abschrecken k\u00f6nnte. Ziel der restriktiven Auslegung von Gefahrenabwehr- und Sozialrecht ist die Kosteneinsparung: \u201eEs sind \u2026 sehr hohe Kosten, die hier entstehen, und unser Job oder unser Auftrag ist nat\u00fcrlich auch, diese Kosten, wenn m\u00f6glich, niedrig zu halten\u201c, so ein Mitarbeiter der Abteilung \u201eHilfen bei Wohnungsnot und Sucht\u201c des Sozialamtes im Interview im November 2016.<\/p>\n<p>Allerdings entstehen in der Folge nicht nur soziale Kosten \u2013 vor allem Obdachlosigkeit und der Druck, prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen zuzustimmen \u2013, sondern auch die ordnungspolitisch problematisierte Sichtbarkeit der extrem marginalisierten MigrantInnen. Prek\u00e4re und wegen des Mangels an Zugang zu privaten R\u00fcckzugsr\u00e4umen zum Teil besonders wahrnehmbare Wohn- und Arbeitsformen f\u00fchren h\u00e4ufig zu Nachbarschaftskonflikten. Dass die Stadt durchaus \u00fcber Handlungsspielr\u00e4ume verf\u00fcgt und der Prekarit\u00e4t etwas entgegensetzen k\u00f6nnte \u2013 etwa durch Ermessensleistungen nach dem Sozialrecht, Ausweitung von Not\u00fcbernachtungsm\u00f6glichkeiten und F\u00f6rderung preiswerten Wohnraums \u2013 wird in den medialen Debatten \u00fcber \u201e\u00dcberbelegung\u201c, \u201eElendslager\u201c oder den \u201eArbeitsstrich\u201c nur in begrenztem Ma\u00dfe thematisiert. Insgesamt produzieren die st\u00e4dtischen Sozialpolitiken paradoxerweise die sozialen Probleme, deren ordnungspolitische Skandalisierung zur Legitimierung der sozialen Ausschl\u00fcsse beitr\u00e4gt.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hubbard, P.: Cleansing the Metropolis. Sex Work and the Politics of Zero Tolerance, in: Urban Studies 2004, H.\u00a09, S.\u00a01687-1702<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 K\u00fcnkel, J.: &#8218;These dolls are an attraction&#8216;. Othering and normalizing sex work in a neoliberal city, in: K\u00fcnkel, J.; Mayer, M. (eds.): Neoliberal Urbanism and its Contestations. Crossing Theoretical Boundaries, Basingstoke 2012, S. 198-207<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 vgl. Florida, R.L.: The Rise of the Creative Class. And how it is Transforming Work, Leisure and Everyday Life, New York 2003<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 vgl. Harvey, D.: From Managerialism to Entrepreneurialism. The Transformation of Urban Governance in Late Capitalism, in: Geografiska Annaler 1989, H. 1, S. 3-17<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Grohs, S.: Sperrbezirkspolitik. Politisierung und Moralisierung der Regulierung von Prostitution in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten, in: Barbeh\u00f6n, M.; M\u00fcnch, S. (Hg.): Variationen des St\u00e4dtischen \u2013 Variationen lokaler Politik, Wiesbaden 2016, S. 119-148<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 K\u00fcnkel, J.: Gentrification and the flexibilisation of spatial control. Policing sex work in Germany, in: Urban Studies 2016, H.\u00a03, S.\u00a0730-746<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Deutscher St\u00e4dtetag: Pressemitteilung v. 14.2.2013 <a href=\"http:\/\/www.staedtetag.de\/presse\/mitteilungen\/064517\/index.html\">www.staedtetag.de\/presse\/mitteilungen\/064517\/index.html<\/a>, s. a. den Brief der Oberb\u00fcrgermeisterInnen von 16 St\u00e4dten (zehn aus NRW) an Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer v. 13.11.2013 <a href=\"http:\/\/www.stadt-koeln.de\/mediaasset\/content\/pdf13\/presse\/brief_zuwanderer_20131115.pdf\">www.stadt-koeln.de\/mediaasset\/content\/pdf13\/presse\/brief_zuwanderer_20131115.pdf<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Maluccelli, L.: Pressioni globali, misure locali. La prostituzione di strada nella provincia italiana, University of Nottingham: unver\u00f6ff. Doktorarbeit 2014; Mathieu, L.: Neighbors\u2019 Anxieties Against Prostitutes\u2019 Fears. Ambivalence and Repression in the Policing of Street Prostitution in France, in: Emotion, Space and Society, 2011, H.\u00a02, S.\u00a0113\u2013120<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 vgl. B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 108, Juni 2015, Schwerpunkt: Polizei und Sozialarbeit<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u00a0 Riedner, L.: Wie EU-interne Migration in M\u00fcnchen regiert wird. Eine ethnografische Regimeanalyse, unver\u00f6ff. Doktorarbeit, 2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u00a0\u00a0 Beste, H.: Morphologie der Macht. Urbane \u201aSicherheit\u2018 und die Profitorientierung sozialer Kontrolle, Opladen 2000, S. 239<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> \u00a0 Interviews und teilnehmende Beobachtung bei der Frankfurter Polizei fanden im Rahmen des DFG-gef\u00f6rderten Forschungsprojekts der Goethe-Universit\u00e4t \u201ePolicing Frankfurt am Main American Style\u201c in den Jahren 2010-2013 statt. Interviews mit AkteurInnen der Migrationspolitik und \u2013verwaltung f\u00fchrte ich im Rahmen des Projektes \u201e\u201aArmutsmigra\u00adtion\u2018 \u2013 Was tut die Stadt\/Planung?\u201c der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar in den Jahren 2016-2017.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> \u00a0 McCann, E.; Ward, K.: Mobile Urbanism. Cities and Policymaking in the Global Age, Minneapolis 2011<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u00a0 L\u00f6w, M.; Ruhne, R.: Domesticating Prostitution. Study of an Interactional Web of Space and Gender, in: Space and Culture 2009, H.\u00a02, S.\u00a0232-249<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> \u00a0 so der Dienststellenleiter AG Milieu, Interview Juni 2012<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> \u00a0 Frankfurter Neue Presse v. 5.3.2013<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> \u00a0 BT-Drs. 18\/10211 v. 7.11.2016<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadtforschung und Bewegungen problematisieren v.a. r\u00e4umliche Verdr\u00e4ngung und Polizeikontrolle von Sexarbeit im Zuge von Innenstadtaufwertung<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,120],"tags":[955,1032,1141,1283,1343],"class_list":["post-19172","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-115","tag-migration","tag-ordnungspolitik","tag-polizieren","tag-sexarbeit","tag-sozialpolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19172\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}