{"id":2086,"date":"1999-12-20T13:01:21","date_gmt":"1999-12-20T13:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=2086"},"modified":"1999-12-20T13:01:21","modified_gmt":"1999-12-20T13:01:21","slug":"literatur-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=2086","title":{"rendered":"Literatur"},"content":{"rendered":"<h4>Literatur zum Schwerpunkt<\/h4>\n<p>Die internationale Literatur zu &#8222;Community Policing&#8220; f\u00fcllt vermutlich Bibliotheken. F\u00fcr die Beitr\u00e4ge des Schwerpunktes haben wir auf die uns bekannten und zug\u00e4nglichen Ver\u00f6ffentlichungen zur\u00fcckgegriffen, auf die in den Fu\u00dfnoten verwiesen wird. Einige interessante und informative B\u00fccher und Aufs\u00e4tze verdienen jedoch einen besonderen Hinweis.<i><\/i><!--more--><\/p>\n<p><b>Greene, Jack R.; Mastrofski, Stephen D. (eds.):<\/b> <i>Community Policing. Rhetoric or Reality, New York 1988<\/i><b><br \/>\nRosenbaum, Dennis P. (ed.):<\/b> <i>The Challenge of Community Policing. Testing the Promises, Thousand Oaks, London, New Delhi 1994<\/i><\/p>\n<p>Die Sammelb\u00e4nde geben einen guten &#8211; wenn auch nicht mehr ganz aktuellen &#8211; \u00dcberblick \u00fcber Community Policing in den USA, Kanada und Gro\u00dfbritannien. Neben den konzeptionellen Merkmalen von CP und seiner geschichtlichen Entwicklung werden Voraussetzungen, Praxis und Folgen unterschiedlicher lokaler CP-Modelle vorgestellt. Die B\u00e4nde enthalten Aufs\u00e4tze der bekanntesten CP-Experten (Skogan, Trojanowicz, Bayley, Manning, Moore, Greene) und geben insofern auch einen Einblick in unterschiedliche Positionen.<\/p>\n<p><b>Sherman, Lawrence W.; Gottfredson, Denis C.; MacKenzie, Doris et al.:<\/b> <i>Preventing Crime: What Works, What Doesn&#8217;t, What&#8217;s Promising, in: National Institute of Justice, Research in Brief, July 1998 <a href=\"http:\/\/www.ncjrs.org\/pdffiles\/171676.pdf\" target=\"1\" rel=\"noopener noreferrer\">(http:\/\/www.ncjrs.org\/pdffiles\/171676.pdf)<\/a><\/i><br \/>\n<b>Lyons, William:<\/b> <i>The Politics of Community Policing: Rearranging the Power to Punish, Chicago 1999<\/i><\/p>\n<p>Beide Ver\u00f6ffentlichungen stellen eine aktuelle Bilanz von Community Policing (in den USA) dar. Bei dem Bericht von Sherman u.a. handelt es sich um eine Bestandsaufnahme, die im Auftrag des US-Kongresses erstellt wurde. Der vollst\u00e4ndige Bericht ist auch im Internet verf\u00fcgbar: <a href=\"http:\/\/www.ncjrs.org\/works\" target=\"1\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.ncjrs.org\/works<\/a><\/p>\n<p><b>Trojanowicz, Robert; Bucqueroux, Bonnie:<\/b> <i>Community Policing. A Contemporary Perspective, Cincinnati 1990<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr diejenigen, die eine zusammenfassende Darstellung aus der Feder \u00fcberzeugter Bef\u00fcrworter von Community Policing suchen, sei dieses Buch empfohlen. Die CP-Philosophie wird hier in Reinform vertreten. Am Beispiel von Flint (Michigan) wird die Entwicklung einer vor allem auf r\u00e4umliche Pr\u00e4senz und Ansprechbarkeit der Polizei setzenden Strategie vorgestellt. Unter der \u00dcberschrift &#8222;Special People\/Special Problems&#8220; werden die CP-Antworten auf Sicherheitsprobleme, die von Jugendlichen, Minderheiten, Drogenmi\u00dfbrauch etc. ausgehen (sollen) illustriert.<\/p>\n<p><b>Goldstein, Herman:<\/b> <i>Problem-oriented Policing, New York, St. Louis, San Francisco u.a. 1990<\/i><\/p>\n<p>Aus der Kritik des reaktiven Polizeimodells entwickelt Goldstein das Modell einer auf Probleml\u00f6sung ausgerichteten Polizeiarbeit. &#8222;Problem solving&#8220; wird als ein mehrstufiger Proze\u00df dargestellt, der darauf beruht, die lokalen Kontexte zu ber\u00fccksichtigen und die B\u00fcrgerInnen unmittelbar an der Problemdefinition, an der Entwicklung von L\u00f6sungsstrategien und an deren Umsetzung zu beteiligen.<\/p>\n<p><b>Grabosky, Peter N.:<\/b> <i>Law Enforcement and the Citizen: Non-governmental Participants in Crime Prevention and Control, in: Policing &amp; Society Vol. 2, 1992, No. 4, pp. 249-271<\/i><\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Formen der B\u00fcrgerInnenbeteiligung an der pr\u00e4ventiven und repressiven &#8222;Sicherheitsarbeit&#8220; werden in diesem Aufsatz vorgestellt. Wer sich einen unmittelbaren Eindruck von Community Policing machen will, der oder die sollte im Internet auf die Suche gehen. Regelm\u00e4\u00dfig st\u00f6\u00dft man auf Selbstdarstellungen vor allem US-amerikanischer Polizeien. H\u00e4ufig findet sich auch interessante Sekund\u00e4rliteratur. Nur drei Hinweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Adresse des &#8222;National Center for Community<br \/>\nPolicing&#8220; lautet:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cj.msu.edu\/%7Epeople\/cp\/\">http:\/\/www.cj.msu.edu\/~people\/cp\/<\/a><\/li>\n<li>Die Web-Site der Chicagoer Polizei ist:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cityofchicago.org\/CommunityPolicing\" target=\"1\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.cityofchicago.org\/CommunityPolicing<\/a><\/li>\n<li>Die Web-Site der Polizei von San Diego:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sannet.gov\/police\/\" target=\"1\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.sannet.gov\/police\/<\/a><\/li>\n<li>Die Web-Site des Justizministeriums:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.usdoj.gov\/cops\" target=\"1\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.usdoj.gov\/cops<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><b>D\u00f6lling, Dieter; Feltes, Thomas (eds.):<\/b> <i>Community Policing. Comparative Aspects of Community Oriented Police Work (Empirische Polizeiforschung, Bd. 5), Holzkirchen\/Obb. 1993<\/i><\/p>\n<p>Der Band enth\u00e4lt u.a. Berichte \u00fcber Community Policing in zehn europ\u00e4ischen und nordamerikanischen L\u00e4ndern. Besonders interessant sind sowohl die Beitr\u00e4ge von Ericson\/Haggerty\/Carriere \u00fcber CP als &#8222;Communications Policing&#8220; und der die USA-Erfahrungen zusammenfassende Bericht von Greene. Implizit vermitteln die beiden deutschen Beitr\u00e4ge (Kube und J\u00e4ger), da\u00df die Gemeinde f\u00fcr die Polizei in Deutschland keine Rolle spielt(e).<\/p>\n<p><b>Crawford, Adam:<\/b> <i>Appeals to community and crime prevention, in: Crime, Law and Social Change Vol. 22, 1995, pp. 97-126<\/i><br \/>\n<b>Manning, Peter:<\/b> <i>Community Policing, in: Dunham, Roger G.; Alpert, Geoffrey P. (eds.): Critical Issues in Policing. Contemporary Readings, Prospect Heights, Ill. 1989, pp. 395-405<\/i><br \/>\n<b>Kreissl, Reinhard:<\/b> <i>Die Simulation sozialer Ordnung. Gemeindenahe Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung, in: Kriminologisches Journal 19. Jg., 1987, H. 4, S. 269-284<\/i><\/p>\n<p>Die Aufs\u00e4tze legen besonderen Wert auf die ideologischen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen von Polizei- und Sicherheitsstrategien, die auf der lokalen Ebene wirksam werden sollen.<\/p>\n<p><b>B\u00e4ssmann, J\u00f6rg; Vogt, Sabine:<\/b> <i>Community Policing. Projektbericht des Bundeskriminalamtes zu den Erfahrungen in den USA (BKA-Forschung), Wiesbaden 1997<\/i><\/p>\n<p>Angesto\u00dfen durch die deutsche Diskussion \u00fcber die (angeblichen) Erfolge der New Yorker Polizei entstand dieser BKA-Bericht. Neben den Programmen in f\u00fcnf amerikanischen St\u00e4dten und den Hintergr\u00fcnden des Konzepts werden auch die bundespolitischen Initiativen zur F\u00f6rderung von CP kurz vorgestellt.<\/p>\n<p>Aus der Flut der Ver\u00f6ffentlichungen zum New Yorker Polizeimodell verweisen wir stellvertretend auf diese drei Sammelb\u00e4nde, die das Spektrum der Resonanz in Deutschland gut wiedergeben:<\/p>\n<p><b>Dreher, Gunther; Feltes, Thomas (Hg.):<\/b><i> Das Modell New York: Kriminalpr\u00e4vention durch &#8222;Zero Tolerance&#8220;? Beitr\u00e4ge zur aktuellen kriminalpolitischen Diskussion (Empirische Polizeiforschung, Bd. 12), Holzkirchen\/Obb. 1997<\/i><br \/>\n<b>Ortner, Helmut; Pilgram, Arno; Steinert, Heinz (Hg.):<\/b> <i>Die Null-L\u00f6sung. New Yorker &#8222;Zero-Tolerance&#8220;-Politik &#8211; das Ende der urbanen Toleranz?, Baden-Baden 1998<\/i><br \/>\n<b>Friedrich-Ebert-Stiftung, Berliner B\u00fcro (Hg.):<\/b><i> New York! New York? Kriminalpr\u00e4vention in den Metropolen, Berlin 1998<\/i><\/p>\n<p><b>Bundeskriminalamt (Hg.):<\/b> <i>Community Policing. Ergebnisse eines Workshops am 8.\/9. Juli 1997 im Bundeskriminalamt (BKA-Forschung), Wiesbaden 1997<\/i><br \/>\n<b>Posiege, Petra; Steinschulte-Leidig, Birgitta:<\/b> <i>B\u00fcrgernahe Polizeiarbeit<\/i> <i>in Deutschland. Darstellung von Konzepten und Modellen (BKA-Forschung), Wiesbaden 1999 <\/i><\/p>\n<p>Beide BKA-Ver\u00f6ffentlichungen stehen symptomatisch f\u00fcr die CP-Rezeption in den deutschen Polizeien: Was auch immer die Polizei gegenw\u00e4rtig macht, es wird als &#8222;Community Policing&#8220; etikettiert.<\/p>\n<p><b>Steffen, Wiebke:<\/b> <i>Ver\u00e4nderungen in der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung &#8211; Gemeinwesenorientierung als moderne Zielperspektive?, in: Schriftenreihe der Polizei-F\u00fchrungsakademie 1995, H. 3\/4, S. 107-122<\/i><br \/>\n<b>D\u00f6lling, Dieter:<\/b> <i>L\u00e4\u00dft sich der Community Policing-Ansatz erfolgversprechend nach Deutschland transferieren?, in: Bundeskriminalamt (Hg.): Neue Freiheiten, neue Risiken, neue Chancen. Aktuelle Kriminalit\u00e4tsformen und Bek\u00e4mpfungsans\u00e4tze (BKA-Forschungsreihe, Bd. 48), Wiesbaden 1998, S. 125-145<\/i><\/p>\n<p>Steffen warnt vor zu einfachen Antworten, da sich hinter einer sch\u00f6nen Rhetorik die Probleme einer demokratisch agierenden Polizei versteckten. Die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte &#8222;Gemeinschaftsduselei&#8220;, die tendenziell auf eine Tyrannei der Mehrheit hinauslaufe, lehnt sie ebenso ab wie das Modell einer proaktiven Alltagspolizei. Statt dessen setzt sie auf gesellschaftliche Pr\u00e4vention. Obwohl D\u00f6llings Pl\u00e4doyer f\u00fcr Community Policing in Deutschland nicht \u00fcberzeugt, ist sein Aufsatz allein deshalb lesenswert, weil er die wesentlichen Pro- und Contra-Argumente pr\u00e4sentiert.<br \/>\n(s\u00e4mtlich: Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<p><b>Northoff, Robert (Hg.): <\/b><i>Handbuch der Kriminalpr\u00e4vention. Fortsetzungswerk in Loseblattform, Baden-Baden 1997 (Nomos), zweite Lieferung 1999, Grundwerk 1 Ordner, ca. 650 S., DM 69,<\/i><\/p>\n<p>Zur Politik der Pr\u00e4ventionsr\u00e4te gibt es eine Flut programmatischer Texte, in denen die Vorteile lokaler Pr\u00e4vention beschworen werden. Beispielhaft sind die g\u00e4ngigen Theoreme in diesem f\u00fcr die Praxis konzipierten Handbuch vereint. Hier finden sich nicht nur s\u00e4mtliche Argumente des rhetorischen \u00dcberbaus, sondern auch zahlreiche Handlungsempfehlungen. Trotz beeindruckender Datenf\u00fclle (\u00dcbersicht \u00fcber Gremien, Strategien, Projekte) bleibt der lexikalische Wert gering, da das Material unkritisch aufbereitet und un\u00fcbersichtlich dargestellt ist.<\/p>\n<p><b>R\u00f6ssner, Dietrich; Jehle, J\u00f6rg-Martin (Hg.):<\/b> <i>Kriminalit\u00e4t, Pr\u00e4vention und Kontrolle (Neue Kriminologische Schriftenreihe, Bd. 104), Heidelberg 1999 (Kriminalistik Verlag), 406 S., DM 138,<\/i><\/p>\n<p>Ein insgesamt affirmatives Gesamtbild ergibt sich auch aus diesem Sammelband, der Binsenweisheiten mit neueren Erfahrungen zusammenbringt. Edwin Kube pr\u00e4sentiert einen Jubil\u00e4umsaufgu\u00df seiner zw\u00f6lf Jahre alten Lehre von den &#8222;Dimensionen der Kriminalpr\u00e4vention&#8220;, Wolfgang Heinz verk\u00fcndet in acht Thesen die Notwendigkeiten kommunaler Kriminalpr\u00e4vention. Auch das Umfeld lokaler Pr\u00e4vention &#8211; von der Rolle des Strafrechts bis hin zu sozialp\u00e4dagogischer Krisenintervention &#8211; wird weitgehend konform dargestellt. Lediglich Michael Walter wirft ein kritisches Auge auf die von ihm so genannte &#8222;Pr\u00e4ventionsbewegung&#8220;. Er bef\u00fcrchtet ausgedehnte Kontrollnetze, einen &#8222;Privatisierungsschub&#8220; sowie einen &#8222;Kreislauf&#8220; aus Verbrechensfurcht und Pr\u00e4ventionsstrategien.<\/p>\n<p><b>Hitzler, Ronald; Peters, Helge (Hg.): <\/b><i>Inszenierung: Innere Sicherheit. Daten und Diskurse, Opladen 1998 (Leske+Budrich), 216 S., DM 36,<\/i><\/p>\n<p>Fundiertere Kritik und Analyse bieten zwei \u00e4ltere Texte in diesem Band: In dem Beitrag &#8222;Pr\u00e4ventionsr\u00e4te, Stadtteilforen, Sicherheitspartnerschaften&#8220; beschreibt Werner Lehne exemplarisch einige &#8222;Pr\u00e4ventionsstrategien&#8220; in Schleswig-Holstein, benennt Folgen und Gefahren und warnt vor der &#8222;Reorganisation des Politikfelds ,Innere Sicherheit'&#8220;. Hingegen sch\u00e4tzt Stefan Hornbostel &#8211; am Beispiel zweier Pr\u00e4ventionsr\u00e4te in Th\u00fcringen &#8211; die Reichweite lokaler Pr\u00e4ventionsbem\u00fchungen als eher gering ein. In dem Aufsatz &#8222;Die Konstruktion von Unsicherheitslagen durch kommunale Pr\u00e4ventionsr\u00e4te&#8220; stellt er zwar eine Erweiterung polizeilichen Handelns fest, sieht aber im lokalen Kontext wenig Handlungschancen.<br \/>\n(s\u00e4mtlich: Christine Hohmeyer)<\/p>\n<p><strong>Sonstige Neuerscheinungen<\/strong><\/p>\n<p><b>Busch, Heiner:<\/b> <i>Polizeiliche Drogenbek\u00e4mpfung &#8211; eine internationale Verstrickung, unter Mitarbeit von Elke Sch\u00e4fter, Britta Grell, Wolf-Dieter Narr, M\u00fcnster 1999 (Westf\u00e4lisches Dampfboot), 338 S., DM 48,<\/i><\/p>\n<p>Die Geschichte der internationalen Bek\u00e4mpfung illegalisierter Drogen ist f\u00fcr die Polizei eine Erfolgsgeschichte &#8211; sowohl hinsichtlich der Durchsetzungsf\u00e4higkeit ihrer Bek\u00e4mpfungskonzepte gegen\u00fcber sozialen und medizinischen Ans\u00e4tzen als auch im Hinblick auf den Ausbau der Polizeiapparate. Diese Form polizeilicher Drogenbek\u00e4mpfung hat zu gesellschaftlichen L\u00e4hmungserscheinungen gef\u00fchrt, die ihren Ausgangspunkt in einer fatalen prohibitiven Gesetzgebung hat. Die Studie von Heiner Busch fragt danach, welche Auswirkungen die zunehmend internationale polizeiliche Drogenbek\u00e4mpfung auf die beteiligten Institutionen selber hat und inwieweit sich hierbei auch die M\u00f6glichkeiten einer politischen Kontrolle der Polizei ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>In den 80er Jahre kam es hier zu einem grundlegenden Wandel: &#8222;Drogen&#8220; l\u00f6sten den &#8222;Terrorismus&#8220; als sicherheitspolitisches Leitthema ab. Gleichzeitig ver\u00e4nderte sich aber auch die polizeiliche Wahrnehmung dieses Kriminalit\u00e4tsbereichs: Im Drogenk\u00f6nig wurde nun auch ein &#8222;homo oeconomicus&#8220; erkannt. Zudem wollte die Polizei lieber Netzwerke von Hinterm\u00e4nnern zerschlagen als Stra\u00dfendealer verfolgen. Das an sich rechtlich unbeachtliche Vorfeld m\u00f6glicher Drogendelikte r\u00fcckte damit immer mehr ins Zentrum des polizeilichen Ausforschungsinteresses. An die Stelle der eigentlichen Verdichtung eines Tatverdachts trat die anla\u00dfunabh\u00e4ngige Verdachtssch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Den Proze\u00df der Verpolizeilichung der internationalen Drogenpolitik zeichnet Busch f\u00fcr die UN- und europ\u00e4ische Ebene u.a. anhand der Entwicklung des Zolls nach. Dieser hat sich inzwischen mehr geheimpolizeiliche Verfolgungsmethoden verrechtlichen lassen, als es dem gro\u00dfen polizeilichen Bruder bis heute m\u00f6glich war. Doch auch bei der Polizei hatte die Bek\u00e4mpfung des Bet\u00e4ubungsmittelhandels die Funktion einer Einstiegsdroge: Der \u00d6ffentlichkeit wurde der Aufbau von EUROPOL erst einmal mit der Installierung der &#8222;European Drug Unit&#8220; schmackhaft gemacht. Die Internationalisierung der polizeilichen Drogenbek\u00e4mpfung hat zu einer Elitenbildung und Vergeheimdienstlichung der Polizei gef\u00fchrt. Busch illustriert diese Entwicklung z.B. anhand der zunehmenden Verwendung verdeckt gewonnener Informationen (der sog. Intelligence-Arbeit) durch EUROPOL und die nationalen Polizeibeh\u00f6rden. Die Un\u00fcbersichtlichkeit organisatorischer Zusammenh\u00e4nge wurde zu einem Charakteristikum der internationalen polizeilichen Drogenbek\u00e4mpfung: Man trifft sich in Dutzenden von Gremien, von denen keines der \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber verantwortlich ist. Die Studie von Heiner Busch u.a. schafft hier erstmals \u00dcbersicht. Die Entwicklung der internationalen polizeilichen Drogenbek\u00e4mpfung spielt sich schlie\u00dflich au\u00dferhalb der Gewaltenteilung ab. Dies f\u00fchrte zu einer Entpolitisierung der Drogenpolitik. Den Zusammenhang zum strukturell konservativen Charakter der EU belegt Busch mit der undemokratischen Verrechtlichungspraxis polizeilicher Drogenbek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen in der EU.<\/p>\n<p>Busch geht es weder um <i>die<\/i> Drogen noch um den Sinn oder Unsinn von Entkriminalisierungsans\u00e4tzen. Auch wird nicht die Frage der Effizienz polizeilicher Drogenbek\u00e4mpfung untersucht. Die unter Mitarbeit von Britta Grell, Elke Sch\u00e4fter und Wolf-Dieter Narr entstandene Studie ist ein Kompendium, eine Sammlung von Sachinformationen und Dokumenten, an die in diesem so perfekt abgeschotteten Bereich nur mit unglaublichen M\u00fchen und Hartn\u00e4ckigkeit heranzukommen ist. Die anregendsten, ja zum Teil spannenden Stellen des Buches beruhen entweder auf Interviews mit polizeilich Verantwortlichen oder auf der Darstellung eigener Recherchen \u00fcber die beunruhigenden praktischen Auswirkungen einer sich insgeheim verselbst\u00e4ndigenden Polizei.<br \/>\n(Mark Holzberger)<\/p>\n<p><b>Franzke, Bettina:<\/b> <i>Polizisten und Polizistinnen ausl\u00e4ndischer Herkunft. Eine Studie zur ethnisch-kulturellen Identit\u00e4t und beruflichen Sozialisation Erwachsener in einer Einwanderungsgesellschaft, Bielefeld 1999 (Kleine Verlag), 420 S., DM 58,80<\/i><\/p>\n<p>&#8222;Die Studie sollte keine Anhaltspunkte f\u00fcr Mobbing gegen die Befragten bieten&#8220; (S. 146). Mit diesem Satz erkl\u00e4rt die Autorin die Notwendigkeit, ihre Untersuchung \u00fcber die Anonymisierung der Personen hinaus einer &#8222;geringf\u00fcgigen Zensierung&#8220; (ebd.) zu unterwerfen. Die Befragten, das sind 17 PolizistInnen ausl\u00e4ndischer Herkunft (darunter zwei Frauen) im Alter zwischen 19 und 41 Jahren. Der Satz sagt \u00fcber die Wirklichkeit des Polizeialltags in der Bundesrepublik mehr aus als weite Teile des Buches selbst. Mit Ausnahme von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen hat sich die Polizei vor rund sechs Jahren auf Initiative Baden-W\u00fcrttembergs auch Nichtdeutschen ge\u00f6ffnet. Wie hoch ihr Anteil heute ist, ist schwer feststellbar. Klar ist jedoch, da\u00df bisher eher wenige Ausl\u00e4nder und Ausl\u00e4nderinnen eine Ausbildung bei der Polizei aufgenommen haben und diese \u00fcberproportional h\u00e4ufig wieder abbrechen.<\/p>\n<p>Forschungen \u00fcber PolizistInnen verschiedener Ethnien gibt es in anderen Staaten bereits seit l\u00e4ngerem. In der Bundesrepublik hingegen sind derartige Arbeiten Mangelware. Grund genug f\u00fcr die Diplom-Psychologin Bettina Franzke, der Familiengeschichte ausl\u00e4ndischer Polizeibeamter\/-beamtinnen, ihren Motiven f\u00fcr die Berufswahl, den damit verbundenen Erwartungen und dem Erleben des Polizeiberufes nachzugehen. Gelungen ist dies nur teilweise. Zumindest aus der Darstellung Franzkes erschlie\u00dfen sich &#8211; trotz einer anderen kulturellen Pr\u00e4gung &#8211; \u00fcber weite Strecken keine gravierenden Unterschiede zu deutschst\u00e4mmigen PolizistInnen.<\/p>\n<p>Neben der guten Zusammenfassung ausl\u00e4ndischer Untersuchungen im ersten Teil des Buches sind daher nur zwei Aspekte der Studie wirklich aufschlu\u00dfreich: Einstellung und Verhalten deutscher PolizistInnen gegen\u00fcber ihren ausl\u00e4ndischen KollegInnen und die Meinung der Befragten selbst zur Einstellung ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6riger in den Polizeidienst. Obwohl PolizistInnen ausl\u00e4ndischer Herkunft die in der Polizei herrschenden Sozialisationsmuster zumeist umstandslos \u00fcbernehmen, sogar &#8222;sehr um Anpassung und Unauff\u00e4lligkeit&#8220; bem\u00fcht sind (S. 383), so Franzkes Fazit, geben ihnen ihre deutschen KollegInnen &#8222;kaum Chancen, die Gruppe &#8218;Ausl\u00e4nder &#8211; ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6riger&#8216; zu verlassen&#8220; (S. 388). Bei der Mehrzahl der Betroffenen f\u00fchrte dies zu einer Art \u00dcberassimilation, die so weit geht, da\u00df sie sich von ausl\u00e4ndischen PolizistInnen &#8222;explizit&#8220; abgrenzen. Statt sich mit Ausl\u00e4nderInnen in der Polizei zu identifizieren, &#8222;teilen sie oftmals die Skepsis vieler Kollegen&#8220; (S. 383). Selbst &#8222;objektiv fragw\u00fcrdiges Verhalten gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen B\u00fcrgern wird (&#8230;) nicht als Fremden- oder Ausl\u00e4nderfeindlichkeit interpretiert&#8220; (S. 382). Von irrationalen Schl\u00fcssen ist allerdings auch Franzke bei ihrer Parteinahme f\u00fcr ethnische Minderheiten in der Polizei nicht frei. Etwa wenn sie fordert, bei der Einstellung auf die schriftliche Beherrschung einer Zweitsprache zu verzichten, da es auch Sprachen gebe, die &#8222;nicht schriftlich abbildbar sind&#8220; (S. 112). Welche, au\u00dfer der Sprache einzelner &#8222;Naturv\u00f6lker&#8220;, sollte das sein?<\/p>\n<p>Alles in allem hinterl\u00e4\u00dft die Studie einen zwiesp\u00e4ltigen Eindruck. W\u00e4hrend einige Teile durchaus neue und wichtige Informationen enthalten, sind andere in ihrem Erkenntniswert ausgesprochen d\u00fcrftig. Einzelne Aussagen sind sogar nichtssagend (&#8222;Die Befragten sind entweder f\u00fcr die Einstellung ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6riger, dagegen oder sie vertreten keine Meinung&#8220; (S. 365)) oder schlicht unsinnig (&#8222;B unterst\u00fctzt die Anwerbung von ausl\u00e4ndischen Staatsangeh\u00f6rigen f\u00fcr den Polizeidienst, F engagiert sich im Sport&#8220; (S. 390)). Als gr\u00f6\u00dftes Manko erweist sich allerdings der Umstand, da\u00df hier eine Dissertation ohne Ver\u00e4nderungen in Aufbau und Stil als Buch ver\u00f6ffentlicht wurde. Allein hierdurch d\u00fcrfte der Leserkreis klein bleiben &#8211; und das ist bei allen M\u00e4ngeln dennoch bedauerlich.<br \/>\n(Otto Diederichs)<\/p>\n<p><b>Themenheft: Fl\u00fcchtlinge, Migration und Integration<\/b>, <i>Widerspruch 37, Juli 1999, 216 S., Sfr.\/DM 21,<\/i><\/p>\n<p>Erfreulich unangepa\u00dft an den Zeitgeist liefert der in Z\u00fcrich erscheinende &#8222;Widerspruch&#8220; in einem gelungenen Mix von aktuellen und theoretischen Aufs\u00e4tzen nach wie vor &#8222;Beitr\u00e4ge zur sozialistischen Politik&#8220; &#8211; und das keineswegs nur f\u00fcr die Schweiz. Dietrich demonstriert am Beispiel der Kosovo-Fl\u00fcchtlinge, wie deren Flucht in reichere und sichere Gefilde Europas verhindert wurde: durch die Internierung in unzug\u00e4nglichen, von der NATO kontrollierten Lagern in Mazedonien und Albanien, durch die polizeiliche Zerschlagung der Fluchtwege vom Balkan nach Westeuropa. Er beleuchtet dabei auch die Rolle zwischenstaatlicher Organisationen, die in der Debatte um die Europ\u00e4isierung der Fl\u00fcchtlingsabwehr kaum Beachtung finden. Roth\/Holzberger zeigen, wie der Fl\u00fcchtlingsschutz in EU-Europa sich vom subjektiven Recht auf Asyl weg bewegt zu einem Gnadenbrot, das die Administrationen je nach politischer und \u00f6konomischer Opportunit\u00e4t gew\u00e4hren oder verwehren. Parnreiter und L\u00fcthje\/Scherrer werfen einen Blick auf die US-Migrationspolitik. Auch die Berichte, die sich im engeren Sinne der schweizerischen Migrations- und Asylpolitik zuwenden, zeigen, da\u00df der Horizont der Widersprechenden ganz im Gegensatz zum Gro\u00dfteil der Schweizer PolitikerInnen nicht an den Grenzen des Alpenstaates endet.<\/p>\n<p><b>Mathiesen, Thomas:<\/b> <i>On Globalisation of Control: Towards an Integrated Surveillance System in Europe, London 1999 (Statewatch), 36 S. (A4), Pound 6,<\/i><\/p>\n<p>Der norwegische Rechtssoziologe Mathiesen hat mit dieser Statewatch-Publikation ein &#8222;Pamphlet&#8220; im besten aufkl\u00e4rerischen Sinne des Wortes vorgelegt. Er pr\u00e4sentiert einen wohldokumentierten und gut verst\u00e4ndlichen \u00dcberblick \u00fcber die EU-weiten elektronischen Daten- und \u00dcberwachungssysteme, die in den vergangenen Jahren entstanden oder derzeit in der Planung sind: vom Schengener Informationssystem (SIS) und dem Netzwerk der mit dem SIS verbundenen SIRENEn \u00fcber die EUROPOL-Datensysteme und EURODAC bis zu den Konzepten f\u00fcr die \u00dcberwachung des drahtlosen Telefon- und des Email-Verkehrs, die die EU-Polizeiarbeitsgruppe (ENFOPOL) gemeinsam mit dem FBI ausgeheckt hat. Gegen den versteckten, teilweise geheimen Charakter der neuen technischen Methoden will Mathiesen eine neue alternative \u00d6ffentlichkeit mobilisieren. (Zu bestellen bei Statewatch, PO Box 1516, London N 16 OEW, Fax: 0044-181-880 1727, E-mail: <a href=\"mailto:office@statewatch.org\">office@statewatch.org<\/a>)<\/p>\n<p><b>Leuthardt, Beat:<\/b> <i>An den R\u00e4ndern Europas &#8211; Berichte von den Grenzen, Z\u00fcrich 1999 (Rotpunktverlag), 310 S., DM 38,<\/i><\/p>\n<p>Die spanischen und italienischen K\u00fcsten, \u00d6sterreichs Grenzen zur Slowakei, zu Ungarn und Slowenien, die mittel- und osteurop\u00e4ischen Pufferstaaten Ukraine, Polen, Litauen, Belarus &#8211; Beat Leuthardt hat die Au\u00dfengrenzen Europas aufgesucht und l\u00e4\u00dft in seinen Reportagen lebendige Bilder der Grenzregionen entstehen. Er zeigt, wie diese Grenzen &#8211; im Westen der fr\u00fcheren Sowjetunion &#8211; \u00fcberhaupt erst entstanden und im Laufe des Jahrzehnts polizeilich &#8222;gesichert&#8220; wurden. Die Abschottung des reichen Europas gegen Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen aus dem S\u00fcden und Osten erscheint in diesem Buch nicht nur als Papiertiger. Sie ersch\u00f6pft sich nicht in sterilen Berichten und Pl\u00e4nen aus EU-Polizeizirkeln, sondern erh\u00e4lt durch die Erz\u00e4hlungen und Meinungen der Befragten eine konkrete Gestalt. Der Basler Journalist interviewte nicht nur &#8222;ExpertInnen&#8220; &#8211; Repr\u00e4sentantInnen der Grenzpolizeien einerseits, von Menschenrechtsorganisationen andererseits. Er l\u00e4\u00dft vielmehr auch die &#8222;normalen&#8220; Leute zu Wort kommen: die litauische B\u00e4uerin, die indischen Fl\u00fcchtlingen ein Zimmer vermietet hat, den Taxifahrer, der trotz Verbots immer noch &#8222;Illegale&#8220; f\u00e4hrt, die ausgeklinkte Pops\u00e4ngerin, die vom Blick auf die nahe K\u00fcste Afrikas schw\u00e4rmt, und nat\u00fcrlich auch diejenigen, die es nur mit M\u00fche und Not geschafft haben, die Festungsgr\u00e4ben zu \u00fcberqueren.<br \/>\n(s\u00e4mtlich: Heiner Busch)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zum Schwerpunkt Die internationale Literatur zu &#8222;Community Policing&#8220; f\u00fcllt vermutlich Bibliotheken. 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