{"id":22758,"date":"1997-11-30T21:29:42","date_gmt":"1997-11-30T21:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=22758"},"modified":"1997-11-30T21:29:42","modified_gmt":"1997-11-30T21:29:42","slug":"chinesenverfolgung-im-nationalsozialismus-ein-weiteres-kapitel-verdraengter-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=22758","title":{"rendered":"Chinesenverfolgung im Nationalsozialismus: Ein weiteres Kapitel verdr\u00e4ngter Geschichte"},"content":{"rendered":"<h3>von Dagmar Y\u00fc-Dembski<\/h3>\n<p>Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Untersuchungen deutscher und chinesischer Historiker konzentriert sich bei der Aufarbeitung der Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen auf die Darstellung milit\u00e4risch-politischer Konflikte und Phasen politisch-wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Das Erkenntnisinteresse ist zudem \u00fcberwiegend organisationsgeschichtlich orientiert und personenbezogen. Der innenpolitische Umgang mit der chinesischen Minderheit, insbesondere w\u00e4hrend des Nationalsozialismus ist hingegen wenig erschlossen. Das Quellenmaterial, sofern vorhanden, ist auf verschiedene Archive verteilt und mu\u00df m\u00fchsam zusammengetragen werden. Dann allerdings l\u00e4\u00dft sich im Umgang mit den verschiedenen sozialen Gruppen chinesischer Staatsangeh\u00f6riger durchaus eine Kontinuit\u00e4t erkennen, die bei allen Unterschieden z.T. erstaunliche Parallelen zum heutigen Umgang mit der vietnamesischen Minderheit in Deutschland zeigt.<!--more--><\/p>\n<p>Da\u00df wirtschaftliche und milit\u00e4rpolitische Interessen die deutsche Haltung bei der F\u00f6rderung von Chinesen bestimmten, die zur Ausbildung und zum Studium in Deutschland lebten, erstaunt nicht. Dies galt vor allem, wenn sie sich jeglicher politischer Aktivit\u00e4ten enthielten. Auf der anderen Seite versch\u00e4rften sich zugleich die Lebensbedingungen f\u00fcr diejenigen Chinesen, die als \u00f6konomische Konkurrenz oder als soziale Belastung angesehen wurden und auf staatliche Unterst\u00fctzung angewiesen waren. W\u00e4hrend der Kriegsjahre lieferten die speziellen Verordnungen wie z.B. Kriegswirtschaftordnung, Volkssch\u00e4dlingsverordnung, Heimt\u00fcckeverordnung und die Anwendung des Blutschutzgesetzes &#8211; nach der systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden &#8211; auch die Grundlage f\u00fcr zahlreiche Verhaftungen und Verfolgungen von Chinesen.<\/p>\n<h4>Die Vorgeschichte: Chinesen in Deutschland<\/h4>\n<p>Die chinesische Gemeinde in Deutschland setzte sich zu Beginn der 30er Jahre vorwiegend aus Studenten und Kaufleuten zusammen. \u00dcber ihre Zahl gibt es jedoch keine gesicherten Angaben. Bereits in den fr\u00fchen 20er Jahren war eine gro\u00dfe Zahl von Chinesen zur Ausbildung, aber auch aus politischem Interesse und im Parteiauftrag nach Deutschland gekommen, danach stand das Interesse an einem Studium in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen im Vordergrund. Nach den statistischen Jahrb\u00fcchern deutscher Universit\u00e4ten lag die Zahl der eingeschriebenen Studierenden aus China Anfang der drei\u00dfiger Jahre bei ca. 200, tats\u00e4chlich d\u00fcrften es um die 500 gewesen sein. Die zweite Gruppe chinesischer Staatsb\u00fcrger, die teilweise bereits seit den 20er Jahren in Deutschland lebte, waren Seeleute, Kleinh\u00e4ndler und Kaufleute. Sie bewohnten in Berlin ebenso wie in Hamburg die Armenviertel, in denen es aufgrund der sozialen Spannungen h\u00e4ufig zu Auseinandersetzungen unter den Bewohnern kam. Schon in den 20er Jahren hatte ein &#8222;Zwischenfall im Chinesenviertel&#8220; das Augenmerk der Berliner \u00d6ffentlichkeit auf die ca. 200 am Schlesischen Bahnhof lebenden H\u00e4ndler gelenkt. Auch in Hamburg wurde meist nur im Zusammenhang mit kriminellen Vergehen \u00fcber das Leben der chinesischen Gemeinde berichtet. Diese Chinesen, die sich recht armselig durch Arbeit in W\u00e4schereien, Gem\u00fcsegesch\u00e4ften und Gark\u00fcchen ern\u00e4hrten, gerieten in den von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Depression gepr\u00e4gten Jahren mehrfach mit den deutschen Beh\u00f6rden in Konflikt. Meist ging es um Aufenthalts- und Pa\u00dfbestimmungen.<\/p>\n<p>Die chinesische Gesandtschaft setzte sich trotz eigener Vorbehalte meist f\u00fcr die Kaufleute ein, indem sie sich auf das Abkommen vom 20.5.21 berief, in dem China als gleichberechtigte Nation anerkannt worden war. In Verhandlungen mit den deutschen Beh\u00f6rden versuchte sie, die Ausweisungspraxis zu regeln und \u00dcbertretungen der Handelserlaubnis als Mi\u00dfverst\u00e4ndnis zu erkl\u00e4ren. W\u00e4hrend die Beschwerden \u00fcber die H\u00e4ndler den chinesischen Nationalstolz ber\u00fchrten und als Verunglimpfung zur\u00fcckgewiesen wurden, hatte die chinesische Nationalregierung durchaus ein Interesse daran, die politischen Aktivit\u00e4ten &#8218;linker&#8216; StudentInnen einzud\u00e4mmen. 1925 hatten die Gesandtschaftsvertreter dem Preu\u00dfischen Innenministerium sogar eine Liste mit den Namen und Adressen von &#8222;Linken R\u00e4delsf\u00fchrern&#8220; \u00fcbergeben.<\/p>\n<h4>Die ersten Verfolgungen<\/h4>\n<p>Von den Chinesen in Deutschland wurden die innenpolitischen Ver\u00e4nderungen zun\u00e4chst kaum zur Kenntnis genommen. Die Bedrohung ihres Vaterlandes durch Japans Expansionspolitik und die innerchinesischen Konflikte waren f\u00fcr die meisten von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung. Als die Nationalsozialisten in den Jahren 1933-35 dann ihre Machtposition durch die Verfolgung aller politischen Gegner zu installieren und abzusichern begannen, wurden im Fr\u00fchjahr 1933 auch Chinesen, die mit kommunistischen oder sozialistischen Organisationen zusammenarbeiteten, verhaftet und ausgewiesen.<\/p>\n<p>Ein solcher Fall betrifft das Schicksal der Studentin Chen Qiying, die durch \u00f6ffentliche Auftritte als Rednerin des &#8218;Internationalen Sozialistischen Kampfbundes&#8216; (ISK) den Polizeibeh\u00f6rden bekannt war. Sie war Mitglied der &#8218;Liga f\u00fcr Menschenrechte&#8216; und seit Dezember 1932 aktives Mitglied des ISK. Im Februar 1933 wurde sie verhaftet und wegen staatsfeindlicher Bet\u00e4tigung als unerw\u00fcnschte Ausl\u00e4nderin ausgewiesen. Wie genau ihre \u00dcberwachung durch die Polizei erfolgte, zeigt ein Briefwechsel zwischen der chinesischen Gesandtschaft und dem deutschen Innenministerium aus dem Jahre 1935. Chen Qiying hatte von China aus versucht, an ihr Guthaben bei der Dresdner Bank zu kommen. In einem Antwortschreiben des Finanzministeriums wird der Botschaft mitgeteilt, da\u00df Chen nach Auskunft des &#8218;Geheimen Staatspolizeiamtes&#8216; (Gestapo) Mitglied einer marxistischen Vereinigung gewesen sei. Da das Geld zu staatsfeindlichen Zwecken benutzt werden sollte, sei es beschlagnehmt worden.<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen gegen politisch aktive Chinesen und deren Ausweisung waren der Jiang Kaishek-Regierung durchaus genehm. So wandte sich die Gesandtschaft im Juni 1933 etwa an das Ausw\u00e4rtige Amt und das Preu\u00dfische Innenministerium und bat um Mithilfe gegen 13 Chinesen, die \u00fcber deutsche Kommunisten Verbindungen nach Nanking besa\u00dfen. Nur wenige Tage sp\u00e4ter wurde die Studentin Hu Lanqi, die mit Anna Seghers befreundet war und eng mit der KPD zusammenarbeitete, in Schutzhaft genommen und zu drei Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. Dies war jedoch nur der Anfang der Zusammenarbeit zwischen der chinesischen Vertretung und der Gestapo gegen politisch unliebsame Chinesen. 1935 wandte sich die Gestapo beispielsweise an die chinesische Gesandtschaft, und bat, ihr bei der Suche nach einem &#8222;Sian Fun&#8220; behilflich zu sein; die Gesandtschaft wiederum fragte an, ob die Zeitschrift &#8218;Zhongguode chulu&#8216;, die gegen Jiang Kaishek agitierte, nicht verboten werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Die chinesische Vertretung auch in \u00dcberlegungen und Aktionen einzubeziehen, die nicht-kommunistische Gruppen betrafen, scheuten sich Gestapo und Innenministerium hingegen. Doch auch die chinesischen H\u00e4ndler und Kaufleute unterlagen der Beobachtung durch die Gestapo. Bereits vor 1933 war vom &#8218;Reichskommissariat f\u00fcr die \u00dcberwachung der \u00d6ffentlichen Ordnung&#8216; (RKO) eine Kartei \u00fcber die chinesischen Staatsangeh\u00f6rigen angelegt worden. In einem Vermerk des RKO vom M\u00e4rz 1927 werden genaue Anweisungen f\u00fcr die Aufnahme in die Kartei gegeben, u.a. Namensansetzung, Hinweise auf politisch verd\u00e4chtige und agitatorisch t\u00e4tige Chinesen. &#8222;Die Chinesen-Kartei ist in vier K\u00e4sten gesondert unterzubringen. Chinesen, die politisch in Deutschland hervortreten, sind sowohl in die allgemeine Kartei, wie in die Chinesenkartei aufzunehmen&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist bemerkenswert, da\u00df in den Vermerken des RKO die Gruppe der Kleinh\u00e4ndler als politisch radikal eingestuft wurde. Offenbar bezog sich diese Einsch\u00e4tzung auf die in Hamburg lebenden Chinesen, die f\u00fcr &#8218;Hapag Lloyd&#8216; arbeiteten und in die internationale Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung eingebunden waren. Vermutlich besa\u00df das Innenministerium auch Kenntnis \u00fcber die Aktivit\u00e4ten von Liao Chengzhi, der seinerzeit von der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) nach Deutschland geschickt worden war, um unter den chinesischen Seeleuten zu agitieren. Ein weiterer Grund kann darin liegen, da\u00df ein Teil der Studenten sich als Kaufleute ausgab, um die Einreiseerlaubnis zu erhalten.<\/p>\n<p>Mit der wirtschaftlichen Rezession hatte sich die deutsche Haltung gegen\u00fcber den H\u00e4ndlern verschlechtert, weil sie als Konkurrenz f\u00fcr die deutschen Gewerbetreibenden angesehen wurden. Der `Reichsverband des Deutschen Gro\u00df- und \u00dcberseehandels&#8216; hatte sich bereits 1928 bei den Beh\u00f6rden \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe gegen die Gewerbeordnung beklagt: &#8222;Wir bitten das Polizeipr\u00e4sidium diesen chinesischen Hausierern in erh\u00f6htem Ma\u00dfe seine Aufmerksamkeit zu widmen und insbesondere diejenigen F\u00e4lle zu verfolgen, in denen die Hausierer nicht im Besitze des Wandergewerbescheins sind oder gegen deutsche Gesetzesvorschriften versto\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus w\u00e4ren wir f\u00fcr eine Pr\u00fcfung dankbar, ob die Bestimmungen \u00fcber die Erteilung des Wandergewerbescheins an ausl\u00e4ndische Hausierer bereits streng genug durchgef\u00fchrt werden oder ob nicht hier die M\u00f6glichkeit besteht, dem deutschen Handel den notwendigen Schutz zu verschaffen&#8220;.<\/p>\n<p>Derartige Forderungen nach Beschr\u00e4nkung der Einreise- und Arbeitserlaubnis sollten in den folgenden Jahren die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung und Diskriminierung der chinesischen Kleinh\u00e4ndler verst\u00e4rken. In den Akten des Ausw\u00e4rtigen Amtes finden sich denn auch zahlreiche F\u00e4lle, in denen gegen chinesische H\u00e4ndler verhandelt wurde. Im allgemeinen handelte es sich um \u00dcbertretungen der Pa\u00df- und Gewerbevorschriften oder um Betrug und F\u00e4lschung von Gewerbescheinen. Die Verurteilungen zu Geld- und Gef\u00e4ngnisstrafen mu\u00dften h\u00e4ufig wegen fehlender Geldmittel in Haftstrafen umgewandelt werden.<\/p>\n<p>Durch einen Erla\u00df Reinhard Heydrichs, seit 1934 Leiter der Gestapo, wurde im Januar 1938 eine &#8218;Zentralstelle f\u00fcr Chinesen&#8216; eingerichtet und die Aufenthalts- und Erwerbserlaubnis versch\u00e4rft angewendet. Die Bedeutung einer \u00dcberwachung wird jedoch erst aus den Erl\u00e4uterungen zur polizeilichen Vorbeugungshaft verst\u00e4ndlich. So konnten &#8222;planm\u00e4\u00dfig \u00dcberwachte&#8220; in Vorbeugungshaft genommen werden, &#8222;wenn sie die ihnen erteilten Auflagen b\u00f6swillig und bewu\u00dft in grober Weise oder wiederholt geringf\u00fcgig \u00fcbertreten haben&#8220;.<\/p>\n<h4>Chinesen im Konzentrationslager<\/h4>\n<p>Auch auf der politischen Ebene verschlechterten sich die Beziehungen zusehends. Mit dem Bruch der diplomatischen Beziehungen zwischen dem &#8218;Reich&#8216; und China im Jahre 1941 zeichnete sich auch die versch\u00e4rfte Verfolgung von Chinesen ab. Im August 1941 ist die Einlieferung von zwei Chinesen in das Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen bei Berlin verzeichnet. Nach der Nationalit\u00e4tenstatistik waren insgesamt 32 chinesische Staatsb\u00fcrger in Sachsenhausen inhaftiert, davon allein 26 im Jahr 1944. \u00dcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre Einlieferung geben die noch vorhandenen Akten nur unpr\u00e4zise Auskunft. F\u00fcr einzelne Personen, die \u00fcber den Aufenthalt im Krankenlager oder durch Angaben bei ihrem Tod statistisch erfa\u00dft wurden, wird erkennbar, da\u00df sie als Schutzh\u00e4ftlinge eingewiesen und zur Zwangsarbeit in deutschen Fabriken verurteilt wurden. Soweit bekannt, war die Anzahl der Chinesen in anderen KZ-Lagern geringer, doch gab es zahlreiche Einweisungen und Verhaftungen in Gef\u00e4ngnisse und Arbeitslager. Insgesamt sollen w\u00e4hrend der NS-Zeit etwa 100 Chinesen in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen sein, von denen mehrere durch Krankheit und Kriegsfolgen umkamen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Situation der Studenten, abgesehen von kriegsbedingten Einschr\u00e4nkungen ertr\u00e4glich war, war die soziale Lage der H\u00e4ndler und Kaufleute nach 1941 ausgesprochen schwierig geworden, da sie aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse viel st\u00e4rker auf die Unterst\u00fctzung durch eine offizielle Vertretung angewiesen waren. Hinzu kam, da\u00df sie kaum noch \u00fcber Einnahmen aus dem Handel verf\u00fcgten und sich mit allerlei illegalen Gesch\u00e4ften \u00fcber Wasser halten mu\u00dften. Vermutlich wurden die meisten Verfahren gegen chinesische H\u00e4ndler als Wirtschaftsvergehen mit geringen Gef\u00e4ngnisstrafen geahndet. Bekannt sind 27 F\u00e4lle, in denen chinesische H\u00e4ndler aufgrund von Schwarzmarktgesch\u00e4ften verurteilt und in das Gef\u00e4ngnis Pl\u00f6tzensee eingeliefert wurden. Was ihnen u.U. auch h\u00e4tte drohen k\u00f6nnen, zeigt das Schicksal ihrer von der sog. &#8218;Chinesen-Aktion&#8216; betroffenen Landsleute: &#8222;Im Mai 1944 wurden die 165 damals noch in Hamburg lebenden Chinesen w\u00e4hrend einer Razzia verhaftet und in das der Gestapo unterstehende Zwangsarbeiterlager &#8218;Langer Morgen&#8216; in Wilhelmsburg gebracht. 17 von ihnen kamen im Lager ums Leben&#8220;. Diese Aktion erfolgte im Zusammenhang mit einer Anklage wegen &#8222;Feindbeg\u00fcnstigung&#8220;. Eine Anzahl von Chinesen hatte sich, als Besatzungsmitglieder versenkter englischer Schiffe, zu Landsleuten nach Hamburg retten k\u00f6nnen. Der Leiter des Hamburger Gestapo-Sachgebietes IV 1c (u.a. zust\u00e4ndig f\u00fcr die Ausl\u00e4nder\u00fcberwachung), Albert Schweim, verd\u00e4chtigte sie pauschal der Spionage. Am 13.5.44 wurden die in Hamburg und Bremen lebenden Chinesen ohne Tatvorwurf verhaftet und sp\u00e4ter ohne Gerichtsverhandlung in Gef\u00e4ngnissen und Arbeitslagern inhaftiert. Der gr\u00f6\u00dfte Teil wurde, wie oben erw\u00e4hnt, in das Arbeitserziehungslager Wilhelmsburg \u00fcberf\u00fchrt, wo sie zu Arbeiten beim Gleisbau, in der \u00d6lindustrie und in einem Betonwerk eingesetzt wurden. Einige chinesische Gastwirte und Kaufleute kamen in das Konzentrationslager Kiel-Hasse. Das Lager Wilhelmsburg unterstand der Gestapo, in der Praxis unterschied es sich nicht von den Konzentrationslagern, nur war die Haft in der Regel auf 56 Tage befristet. Den inhaftierten Seeleuten n\u00fctzte dies nichts: &#8222;Der Hunger, die unzureichende Bekleidung, die K\u00e4lte und die schwere Arbeit, der die k\u00f6rperlich schwachen Chinesen nicht gewachsen waren, hatten (&#8230;) den Tod zur Folge&#8220;.<\/p>\n<p>Die geschilderten Praktiken der \u00dcberwachung, Verfolgung und Ausweisung der relativ kleinen Gruppe chinesischer Staatsangeh\u00f6riger w\u00e4hrend der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus lassen meines Erachtens generelle Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr den Umgang mit bestimmten Gruppen von Ausl\u00e4ndern zu. Die Ausweisung eines chinesischen Gastwirts aus Hamburg als &#8222;l\u00e4stiger Ausl\u00e4nder&#8220; wurde 1921 u.a. damit begr\u00fcndet: &#8222;Die dauernde Niederlassung von derartigen fremdst\u00e4mmigen Ausl\u00e4ndern ist nicht erw\u00fcnscht. Sie mu\u00df nicht nur im sanit\u00e4ren, sondern auch im allgemeinen deutschen Interesse und auch mit R\u00fccksicht auf die hier herrschende Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit mit allen Mitteln verhindert werden.&#8220; Trotz der unterschiedlichen politischen Systeme l\u00e4\u00dft sich eine Kontinuit\u00e4t in den Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4ngen erkennen.<\/p>\n<h3>Dagmar Y\u00fc-Dembski ist Publizistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dagmar Y\u00fc-Dembski Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Untersuchungen deutscher und chinesischer Historiker konzentriert sich bei<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,64],"tags":[375,983,988,1186],"class_list":["post-22758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-058","tag-chinesenverfolgung","tag-nationalsozialismus","tag-neokolonialismus","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22758"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22758\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}