{"id":22780,"date":"1997-10-31T22:11:53","date_gmt":"1997-10-31T22:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=22780"},"modified":"1997-10-31T22:11:53","modified_gmt":"1997-10-31T22:11:53","slug":"das-referat-umweltdelikte-beim-landeskriminalamt-berlin-technisch-gut-geruestet-aber-nur-geringe-aufklaerungsquoten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=22780","title":{"rendered":"Das &#8222;Referat Umweltdelikte&#8220; beim Landeskriminalamt Berlin: Technisch gut ger\u00fcstet, aber nur geringe Aufkl\u00e4rungsquoten"},"content":{"rendered":"<h3>von Martina Kant<\/h3>\n<p>Bereits 1984 hatte Berlin die Bearbeitung von Umweltstraftaten und -ordnungswidrigkeiten in einer Inspektion im &#8218;Referat Um\u00adwelt- und Gewerbedelikte&#8216; der Direktion &#8218;Spezialaufgaben der Verbrechensbek\u00e4mpfung&#8216; konzentriert, w\u00e4hrend in anderen Bun\u00addesl\u00e4ndern noch die \u00f6rtlichen Kriminal- und Schutzpolizeien zu\u00adst\u00e4ndig waren. Als schlie\u00dflich 1994 das Berliner Landeskrimi\u00adnalamt neugeschaffen wurde, entschied man sich, ein eigenes &#8218;Referat Umweltdelikte&#8216; (LKA 32) einzurichten.<\/p>\n<p>Ausschlaggebend daf\u00fcr, so der Referatsleiter der Umweltkripo, Polizeidi\u00adrektor (PD) Hans-J\u00f6rg Richter, seien vor allem die steigenden Fallzahlen gewesen, die in einer Inspektion nicht mehr zu bew\u00e4ltigen gewesen seien. In der Tat sind laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) in Berlin die erfa\u00dften Umweltdelikte von 1985 bis 1994 um das Viereinhalbfache angestiegen, bis 1996 sogar um fast das Sechsfache, d.h. auf rund 3.000 Delikte im Jahr.<!--more--><\/p>\n<p>Das neue Referat Umweltdelikte im Landeskriminalamt besteht nun aus zwei Inspektionen mit je vier Kommissariaten. Das Deliktsspektrum, welches das Referat abdeckt, umfa\u00dft inzwischen weit mehr als die eigentliche Umwelt\u00adkriminalit\u00e4t, d.h. vor allem die illegale Verschmutzung von Wasser, Boden und Luft. Eine der beiden Inspektionen ist allein f\u00fcr die allgemeinen Um\u00adweltdelikte zust\u00e4ndig. Dabei bearbeitet ein Kommissariat die vollkommen hoffnungslosen F\u00e4lle: Umweltdelikte ohne irgendeinen Hinweis auf den\/die T\u00e4terIn. H\u00e4ufig sind dies im Wald abgestellte K\u00fchlschr\u00e4nke, weggeworfene Autobatterien usw. Die andere Inspektion bearbeitet schwere Umweltdelikte und insbesondere Delikte im Zusammenhang mit ungenehmigtem Betreiben von Anlagen sowie illegale Abfallverschiebung ins Ausland. Nach und nach wurde die Zust\u00e4ndigkeit der Umweltkripo ausgeweitet und dabei Delikte, die vorher zumeist im Bereich &#8218;Gewerbedelikte&#8216; angesiedelt waren, dem Bereich Umweltkriminalit\u00e4t zugeordnet. Seit 1991 werden Verst\u00f6\u00dfe gegen die Arten\u00adschutzbestimmungen bearbeitet; seit Ende 1993 auch Verst\u00f6\u00dfe gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sofern es sich um radioaktives Material handelt und seit Ende 1996 auch noch Verst\u00f6\u00dfe gegen das Gentechnik-, Arzneimittel- und Lebensmittelgesetz. Im Lebensmittelbereich geht es vor allem um den unerlaubten Einsatz von zuchtunterst\u00fctzenden Medikamenten &#8211; wie Anabolika &#8211; in der Tiermast. Aber auch der Handel mit gef\u00e4hrlichen Di\u00e4tpillen besch\u00e4f\u00adtigte die Umweltkripo, so da\u00df 1994 eigens eine sechsk\u00f6pfige Ermittlungs\u00adgruppe &#8218;Rank und Schlank&#8216; eingerichtet wurde, die gegen \u00c4rztInnen und ApothekerInnen ermittelte. Neben der Sachbearbeitung in den beiden In\u00adspektionen geh\u00f6ren zum Referat Umweltdelikte eine &#8218;Operative Ermittlungs\u00adgruppe&#8216;, eine kaufm\u00e4nnische Pr\u00fcfgruppe und der Wissenschaftlich-technische Dienst (WTD).<\/p>\n<h4>Personalausstattung des Referats Umweltdelikte<\/h4>\n<p>Mit seinen insgesamt 93 MitarbeiterInnen (Soll: 94) ist das Referat ver\u00adgleichsweise gut ausgestattet. Die Zunahme des Personals in den vergange\u00adnen Jahren (1990: 52, 1993: 79 MitarbeiterInnen) ist jedoch eher eine Folge der ausgeweiteten Zust\u00e4ndigkeiten. Mit der \u00dcbernahme der weiteren Delikte sind auch die SachbearbeiterInnen der fr\u00fcheren Dienststellen zur Umwelt\u00adkripo gewechselt.<\/p>\n<p>BeamtInnen (davon 4 in Abordnung) 55<br \/>\nAngestellte im Ermittlungsdienst\u00a0 12<br \/>\nUmweltreferentInnen\u00a0\u00a0\u00a0 5<br \/>\n(Dipl.-Ing. f\u00fcr Umwelttechnik, Wasser- und Siedlungswirtschaft, Chemie)<br \/>\nUmweltingenieurInnen (FH)\u00a0\u00a0\u00a0 4<br \/>\nAngestellte Labor (Chemisch-technische Angestellte) 6<br \/>\nMitarbeiterInnen der kaufm\u00e4nnischen Pr\u00fcfgruppe\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2<br \/>\nAngestellte im Schreibdienst 9<br \/>\nMitarbeiterInnen LKA 32 gesamt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 93<\/p>\n<h6>Quelle: Statistik des LKA 32-01<\/h6>\n<h4>Operative Ermittlungsgruppe<\/h4>\n<p>Es mag etwas erstaunen, da\u00df das Referat Umweltdelikte eine eigene &#8218;Operative Ermittlungsgruppe&#8216; (OEG) unterh\u00e4lt. Dahinter verbergen sich drei BeamtInnen, die an erster Stelle Verdachtsgewinnung und Dunkelfeldaufhel\u00adlung &#8211; vor allem bei den schwerwiegenden Delikten &#8211; betreiben sollen. An\u00adzeigen von B\u00fcrgerInnen oder Beh\u00f6rden seien bei Umweltdelikten nach wie vor in der Minderzahl, rechtfertigt Referatsleiter Richter Initiativermittlun\u00adgen ohne Anfangsverdacht, au\u00dferdem wolle man so die &#8218;Wei\u00dfe-Kragen-Kri\u00adminalit\u00e4t&#8216; bek\u00e4mpfen. \u00dcber den Einsatz verdeckter Methoden (Telefon\u00fcber-wachung, Observationen, V-Personen) zur Verdachtsch\u00f6pfung h\u00e4lt man sich auch bei der Berliner Umweltkripo bedeckt. Zur Dunkelfeldaufhellung w\u00fcrden aber auch schlicht Medien ausgewertet und Kontakte zu Umwelt-schutzgruppen gekn\u00fcpft, die oftmals sehr genau \u00fcber Umweltverst\u00f6\u00dfe Be-scheid w\u00fc\u00dften. Als InformantInnen dienten aber auch (ehemalige) Mitarbei-terInnen aus Unternehmen oder Betrieben. Gleichwohl beg\u00e4nnen Initiativ-ermittlungen nicht selten mit dem Studium des Wirtschaftsteils der Tageszei-tung. Die BeamtInnen der OEG interessierten sich hier besonders f\u00fcr Ge-sch\u00e4ftsaufl\u00f6sungen von Betrieben, die mit umweltgef\u00e4hrdenden Substanzen umgehen; dazu geh\u00f6rten Friseurl\u00e4den ebenso wie chemische Reinigungen und Copyshops. Bei der Umweltkripo geht man davon aus, da\u00df Konkursbe\u00adtriebe in der Regel nicht mehr die finanziellen Mittel f\u00fcr die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Entsorgung der gef\u00e4hrlichen Stoffe und Abf\u00e4lle haben und wittert einen m\u00f6glichen Fall von Umweltkriminalit\u00e4t. Da\u00df es sich bei diesen Betrieben wohl kaum um &#8218;Wei\u00dfe-Kragen-Kriminalit\u00e4t&#8216; im gro\u00dfen Stil handelt, liegt auf der Hand.<\/p>\n<p>Jenseits der Verdachtssch\u00f6pfung ist die OEG die zentrale Stelle f\u00fcr den poli\u00adzeilichen Nachrichtenaustausch und schlie\u00dflich auch zust\u00e4ndig f\u00fcr Koordina\u00adtion, Logistik, Erstellung von Statistiken\/Lagebildern und f\u00fcr die \u00d6ffentlich\u00adkeitsarbeit.<\/p>\n<h4>Kaufm\u00e4nnische Pr\u00fcfgruppe<\/h4>\n<p>F\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Sachbearbeitung in den Kommissariaten wurde die kaufm\u00e4nnische Pr\u00fcfgruppe gebildet. Sie besteht derzeit aus zwei Betriebs\u00adwirtschaftlerInnen, die mit ihrem Fachwissen den BeamtInnen bei der Aus\u00adwertung von beschlagnahmten Unterlagen und beim Lesen von Bilanzen zur Seite stehen, aber auch Handelsregisterrecherchen durchf\u00fchren. Da f\u00fcr eine Strafverfolgung eine individuelle, nat\u00fcrliche Person als verantwortliche\/r T\u00e4terIn benannt werden mu\u00df, ist es Aufgabe der kaufm\u00e4nnischen Pr\u00fcf\u00adgruppe, interne Firmenstrukturen aufzuhellen und Verantwortliche ausfindig zu machen. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6ren Finanzermittlungen zu ihrem Repertoire. Dabei geht es nicht um Geldw\u00e4scheermittlungen, sondern in der Regel um Gewinn- und Verlustrechnungen der beschuldigten Betriebe. Z.B. rechnen die BetriebswirtInnen aus, welche Summe ein Betrieb durch nicht ordnungs\u00adgem\u00e4\u00dfes Entsorgen der Abf\u00e4lle &#8218;gespart&#8216; hat. Dieser Gewinn wird dann ab\u00adgesch\u00f6pft.<\/p>\n<h4>Wissenschaftlich-technischer Dienst<\/h4>\n<p>Das, was das Berliner &#8218;Referat Umweltdelikte&#8216; gegen\u00fcber anderen Umwelt\u00adpolizeien auszeichnet, ist wohl der Wissenschaftlich-technische Dienst (WTD). Mit seinen f\u00fcnf UmweltreferentInnen, vier UmweltingenieurInnen und sechs chemisch-technischen Angestellten f\u00fcr das Labor ist der WTD bundesweit einmalig. Analysen, die in anderen Bundesl\u00e4ndern von den zen\u00adtral eingerichteten &#8218;Kriminaltechnischen Untersuchungsstellen&#8216; (KTU) durch\u00adgef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen in Berlin im selben Haus, in unmittelbarer N\u00e4he zur Sachbearbeitung erfolgen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kurze Wege und die M\u00f6glichkeit zur schnellen R\u00fccksprache zwischen SachbearbeiterIn und UmweltingenieurIn.<\/p>\n<p>Allein schon die Probeentnahme geschieht in Berlin &#8211; nicht zuletzt aus Gr\u00fcn\u00adden der Eigensicherung &#8211; um einiges professioneller als bei anderen Umwelt\u00adpolizeien, wo die Schutz- und KriminalpolizistInnen noch mit sog. Umwelt\u00adkoffern f\u00fcr einfachste Untersuchungen ausger\u00fcstet werden.<\/p>\n<p>Um m\u00f6glichst beweissichere Proben zu nehmen und die Gesundheitsrisiken f\u00fcr die PolizeibeamtInnen vor Ort gering zu halten, wurde im Berliner WTD eine &#8218;Fachgruppe Tatort&#8216; gebildet. Zusammen mit BeamtInnen der Inspektion Allgemeine Umweltdelikte, die f\u00fcr Sofortma\u00dfnahmen zust\u00e4ndig sind, bilden MitarbeiterInnen des WTD ein Einsatzteam f\u00fcr den ersten Angriff. W\u00fcrden StreifenbeamtInnen ohne chemische\/technische Kenntnisse solche Proben nehmen, bestehe zudem vor Gericht immer die Gefahr, da\u00df deren Kompetenz und damit die Beweiskraft der Probe von der Verteidigung angezweifelt wird, erl\u00e4utert ein Umweltreferent das Vorgehen. Die UmweltingenieurInnen und -referentInnen stehen dar\u00fcber hinaus den PolizeibeamtInnen f\u00fcr Ma\u00df\u00adnahmen zur Eigensicherung und Gefahrenabwehr beratend zur Seite.<\/p>\n<p>Den WissenschaftlerInnen und chemisch-technischen Angestellten des WTD stehen f\u00fcr ihre Eins\u00e4tze zwei &#8218;Mobile Umweltkraftfahrzeuge&#8216; (MUK) zur Verf\u00fcgung. Zu deren Standardausstattung geh\u00f6ren zahlreiche Ger\u00e4te zur Pro\u00adbenentnahme, Beh\u00e4lter, Schutzger\u00e4te, technische Me\u00dfger\u00e4te, Teststreifen f\u00fcr Vor-Ort-Analysen usw. Gew\u00e4sserproben werden auch gelegentlich von der Wasserschutzpolizei angeliefert. Im eigenen Labor der Umweltkripo werden die gewonnenen Boden-, Wasser- oder sonstigen Proben einer sog. Vorcheck-Untersuchung unterzogen, sofern dies nach einer Vor-Ort-Analyse \u00fcberhaupt noch notwendig ist; danach werden sie im Chemie-Asservatenlager eingelagert, um ggf. sp\u00e4ter noch weitere Untersuchungen vorzunehmen. An\u00adhand der Laborberichte erstellen die UmweltreferentInnen schlie\u00dflich gut\u00adachterliche Stellungnahmen, die sie ggf. auch vor Gericht vertreten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein Konkurrenzverh\u00e4ltnis zur &#8218;Polizeitechnischen Untersuchungsstelle&#8216; (PTU) der Berliner Polizei, die ebenfalls f\u00fcr Umweltanalytik zust\u00e4ndig ist, gibt es nur bedingt. Denn Feinanalysen werden ohnehin von der PTU durch\u00adgef\u00fchrt, da nur dort die notwendigen Ger\u00e4te zur Verf\u00fcgung stehen. Der Un\u00adternehmensberatungsfirma Mummert + Partner, welche die ggw. Berliner Polizeireform begleitet, war dieses Doppelangebot dennoch ein Dorn im Auge. War anfangs noch von Abordnungen und Umstrukturierungen die Rede, ist man jetzt jedoch von der Notwendigkeit beider Labore \u00fcberzeugt. Denn inzwischen ist das Labor des WTD mit seinen Vorcheck-Analysen nicht nur voll ausgelastet, sondern sogar \u00fcberfordert, so da\u00df die Proben auch an au\u00dferpolizeiliche wissenschaftliche Institute vergeben werden m\u00fcssen. Immerhin beschafft man nun die Sachmittel gemeinsam mit der PTU und nutzt einige Ger\u00e4te f\u00fcr beide Dienststellen.<\/p>\n<h4>Nur geringe Aufkl\u00e4rungsquoten<\/h4>\n<p>Trotz der im L\u00e4ndervergleich beispiellosen technischen und personellen Aus\u00adstattung der Berliner Umweltkripo sinkt die Aufkl\u00e4rungsquote bei Umwelt\u00addelikten seit Jahren kontinuierlich. Lag sie 1986 noch bei 57,8%, konnten zehn Jahre sp\u00e4ter nur noch 26,6% der erfa\u00dften F\u00e4lle aufgekl\u00e4rt werden. In dem Ma\u00dfe, wie die registrierte Kriminalit\u00e4t ansteigt, sinkt die Aufkl\u00e4rungs\u00adquote. Die verst\u00e4rkte Kontrolle von Umweltkriminalit\u00e4t scheint daher ledig\u00adlich zu einer vermehrten Entdeckung von Umweltdelikten zu f\u00fchren, aber nicht zu ihrer Ahndung oder gar Verhinderung. Werden steigende Fallzahlen zur Begr\u00fcndung f\u00fcr den weiteren Ausbau des Polizeiapparates herangezogen, wird die Aufstockung des Personals und der Sachmittel zu einem Perpetuum mobile.<\/p>\n<p>Die F\u00e4lle, welche die Berliner Umweltkripo letztendlich entdeckt, geh\u00f6ren ohnehin in der Regel nicht zu den schwerwiegenden illegalen Umweltver\u00adschmutzungen. Umweltgef\u00e4hrdende Abfallbeseitigung lag 1996 mit gut 93% unangefochten an der Spitze der registrierten Umweltdelikte in Berlin. Davon geh\u00f6rten rund 80% zu den leichteren F\u00e4llen, wie bspw. am Stra\u00dfenrand abgestellte Autowracks, K\u00fchlschr\u00e4nke oder Delikte kleinerer Betriebe.<\/p>\n<p>Da\u00df die Polizei eher Kenntnis von Bagatellf\u00e4llen erlangt, ist kein Berlin-spe\u00adzifisches Problem, gleichwohl weist es auf einen anderen Akteur hin, der bei der Entdeckung und Bek\u00e4mpfung von Umweltdelikten eine entscheidende Rolle spielt: Die Umweltbeh\u00f6rden bzw. in Berlin die 23 Umwelt\u00e4mter der Bezirke.<\/p>\n<h4>Umwelt\u00e4mter: Eine Problempartnerschaft<\/h4>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Polizei und Umweltbeh\u00f6rden ist aufgrund der unter\u00adschiedlichen Interessen zuweilen angespannt. Die Polizei versteht sich im Idealfall als strafverfolgende Beh\u00f6rde, die ein Umweltdelikt ohne R\u00fccksicht auf den Verursacher ahnden soll; die Umweltbeh\u00f6rden sehen sich hingegen oftmals als Kooperationspartner der Betriebe und Unternehmen, denen sie Genehmigungen erteilen und deren Einhaltung sie \u00fcberwachen (sollen). Da den Umweltbeh\u00f6rden problemlos Einblicke in das Betriebsgebaren m\u00f6glich sind &#8211; anders als die Polizei haben die Umwelt\u00e4mter ein (pr\u00e4ventives) Betre\u00adtungsrecht -, sind sie es auch, die als erste in der Lage sind, in diesem Be\u00adreich Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gegen die Umwelt festzustellen. Die Entdeckung und Anzeige wirklich schwerer Umweltverschmutzungen durch Betriebe liegt daher in der Hand der Umweltbeh\u00f6rden. &#8222;Die m\u00f6g\u00adliche Gef\u00e4hrdung des Kooperationsprinzips stellt aus der Sicht vieler Um\u00adweltbeh\u00f6rden das entscheidende Argument gegen die Erstattung von Strafan\u00adzeigen dar&#8220;, wird von polizeilicher Seite beklagt. &#8222;Aus der Sicht kriminalpo\u00adlizeilicher Sachbearbeiter sind hinter dem Kooperationsprinzip immer wieder sachfremde Einfl\u00fcsse, eine besondere N\u00e4he zu Betreibern oder auch politi\u00adsche Einflu\u00dfnahmen zu vermuten.&#8220; Eine jahrzehntealte und bislang immer noch nicht umgesetzte Forderung der Polizei ist denn auch die Einf\u00fchrung einer Anzeigepflicht f\u00fcr Amtstr\u00e4gerInnen der Umweltbeh\u00f6rden, wenn ihnen (Umwelt-)Straftaten bekannt werden. Im Berliner Referat der Umweltkripo blickt man dar\u00fcber hinaus wohlwollend nach Hessen, wo beim Umweltmi\u00adnisterium eine unabh\u00e4ngige Stelle eingerichtet wurde, die alle Entscheidun\u00adgen, Genehmigungen sowie die \u00dcberwachung von Auflagen und die Durch\u00adf\u00fchrung von Kontrollen der Umweltbeh\u00f6rden \u00fcberpr\u00fcft. Derartiges w\u00fcnscht man sich f\u00fcr Berlin auch.<\/p>\n<p>Die Umweltkripo scheut sich gleichfalls jedoch nicht, bei mangelnder \u00dcber\u00adwachung von Genehmigungen und Auflagen auch gegen die Umweltbeh\u00f6rden selbst zu ermitteln. Dies habe es im Bundesgebiet schon mehrfach gegeben, so Referatsleiter Richter.<\/p>\n<p>Damit es gar nicht erst zu Frontenbildungen kommt, versucht man es in Ber\u00adlin mit &#8218;vertrauensbildenden Ma\u00dfnahmen&#8216; gegen\u00fcber den Umwelt\u00e4mtern. Alle zwei bis drei Monate veranstaltet das Referat Umweltdelikte im Lan\u00addeskriminalamt ein Treffen mit VertreterInnen der Berliner Umwelt\u00e4mter. Dabei sollen die Beh\u00f6rdenmitarbeiterInnen f\u00fcr die Arbeit der Kripo sensibili\u00adsiert und ihnen vor allem die Wichtigkeit von Anzeigen nahegebracht wer\u00adden. Da\u00df auch die Umwelt\u00e4mter in Berlin Zielscheibe umweltpolizeilicher Ermittlungen werden k\u00f6nnen, zeigen gegenw\u00e4rtig gleich drei F\u00e4lle. Dabei geht es jedoch nicht um eine zu laxe Genehmigungspraxis, sondern um die Vernachl\u00e4ssigung ihrer Pflichten, im Rahmen der Ersatzvornahme Abf\u00e4lle von privaten Grundst\u00fccken zu entsorgen. Denn kann ein Betrieb aus Geldmangel nicht selbst f\u00fcr eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Beseitigung sorgen, mu\u00df das Bezirksamt gefahrenabwehrend einspringen.<\/p>\n<h4>Ausblick<\/h4>\n<p>Angeschoben von der politischen Diskussion, die Umweltkriminalit\u00e4t immer weiter in den Bereich der sog. organisierten Kriminalit\u00e4t (OK) r\u00fcckt, wird die Berliner Umweltkripo sich in Zukunft wohl st\u00e4rker auf die sog. &#8218;Wei\u00dfe-Kragen-Kriminalit\u00e4t&#8216; und insbesondere auf illegale Abfallverschiebungen ins Ausland konzentrieren. Die Ber\u00fchrungspunkte mit OK sind nach Aussagen von PD Richter bisher allerdings eher gering gewesen. Selbst wenn es \u00dcber\u00adschneidungen zur Wirtschaftskriminalit\u00e4t gegeben habe, wurden diese F\u00e4lle stets unter Federf\u00fchrung der Umweltkripo bearbeitet. Die OK-Debatte macht aber auch vor der Berliner Umweltkripo nicht halt und wird &#8211; sofern es der Haushalt zul\u00e4\u00dft &#8211; einen weiteren Ausbau der Umweltpolizei und den verst\u00e4rkten Einsatz von operativen Methoden nach sich ziehen.\u00a0 Der Aufbau der &#8218;Operativen Ermittlungsgruppe&#8216;, die Initiativermittlungen betreibt, weist<\/p>\n<p>jedenfalls in diese Richtung. Wenn auch die Abkehr von der Verfolgung oder besser gesagt blo\u00dfen Registrierung &#8218;leichter&#8216; Umweltverschmutzungen hin<\/p>\n<p>zur Ahndung schwerer Umweltbeeintr\u00e4chtigungen an sich positiv zu bewer\u00adten w\u00e4re, ist die Wirksamkeit (umwelt-)polizeilicher Methoden in diesem Be\u00adreich generell anzuzweifeln. Hier ist eher die Umweltverwaltung und vor al\u00adlem die Politik gefragt.<\/p>\n<p>Martina Kant ist Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin der &#8218;Arbeitsgruppe B\u00fcrgerrechte&#8216; an der FU Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martina Kant Bereits 1984 hatte Berlin die Bearbeitung von Umweltstraftaten und -ordnungswidrigkeiten in einer<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,64],"tags":[284,1094,1458],"class_list":["post-22780","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-058","tag-berlin","tag-polizei","tag-umweltkriminalitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22780"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22780\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}