{"id":23115,"date":"2024-07-19T15:14:19","date_gmt":"2024-07-19T15:14:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=23115"},"modified":"2024-07-19T15:14:19","modified_gmt":"2024-07-19T15:14:19","slug":"warum-abolitionismus-theorie-und-praxis-einer-nicht-neuen-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=23115","title":{"rendered":"Warum Abolitionismus? Theorie und Praxis einer nicht neuen Bewegung"},"content":{"rendered":"<h3>von Hannah V\u00f6gele, Lara M\u00f6ller und Rebecca Merdes<\/h3>\n<p><strong>In diesem einleitenden Text heben wir drei Aspekte hervor, die Abolitionismus so relevant machen. Abolitionismus als kritische historische und materialistische Theorie und Gesellschaftsanalyse, die viele der Probleme unserer Zeit grundlegend angehen kann; Abolitionismus als praktischer Organisierungsansatz, der gerade in den letzten Jahren global viel Zuspruch gefunden hat; und zuletzt Abolitionismus als Gegenwarts- und Zukunftsperspektive, die nicht in der Kritik verbleibt, sondern direkt Alternativen aufbaut und sichtbar macht.<\/strong><\/p>\n<p>Den Ursprung des Abolitionismus finden wir in dem Befreiungskampf versklavter Menschen. Entgegen der Vorstellung, dass es wei\u00dfe Abolitionist*innen in den imperialen Zentren waren, die die formelle Abschaffung der Sklaverei auf Basis moralischer Argumente erreichten, war Abolitionismus eine Bewegung f\u00fcr die volle soziale, politische \u2013 und menschliche \u2013 Emanzipation von versklavten und enteigneten Menschen, die weit \u00fcber legale Emanzipation hinausreichte.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Es ging, kurz gesagt, nicht nur um das Abschaffen der Plantagen und des Eigentums an Menschen, sondern um das Projekt der Abschaffung einer Gesellschaft, die diese Beziehungen \u00fcberhaupt m\u00f6glich und n\u00f6tig macht; also das Abschaffen der sozialen Beziehungen und Struktur eines globalen Systems, das auf Versklavung, Kolonialismus, Gewalt und Ausbeutung basiert. Das Fortleben dieses Systems bedeutet, dass Abolitionismus als Projekt noch nicht vollendet ist, und so k\u00e4mpfen radikale Abolitionist*innen heute in dieser direkten Traditionslinie.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><!--more--><\/p>\n<p>Aus diesen historischen Kontinuit\u00e4ten heraus geht es heute prim\u00e4r um die \u00dcberwindung von Strafregimen und staatlichen Gewaltinstitutionen, oft mit Hauptfokus auf Polizei, Gef\u00e4ngnis und Grenzsystem als Kristallisationspunkte eines karzeralen Systems, das es als Ganzes aufzuheben gilt. Denn diese Institutionen dienen nicht dem Schutz der Menschen, sondern dem Schutz von Eigentum, der Kontrolle von Armut, Widerstand und Mobilit\u00e4t und der Erhaltung einer historisch gewachsenen rassifizierten Ordnung auf nationaler sowie globaler Ebene.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Sobald die Funktionen des Herrschaftserhalts und der Reproduktion der bestehenden Ordnung als zentral f\u00fcr staatliche Gewaltinstitutionen erkannt werden, enttarnen sich liberale Kritiken an bestimmten unmenschlichen Umst\u00e4nden oder individuellen rassistischen Praxen als mehr als unzureichend. W\u00e4hrend aus liberaler Kritik beispielsweise f\u00fcr humanere Gef\u00e4ngnisse oder Antidiskriminierungstrainings f\u00fcr die Polizei argumentiert wird, die das System reformieren, doch nicht in seiner grunds\u00e4tzlichen Funktion ver\u00e4ndern, ist f\u00fcr radikale Abolitionist*innen klar: Was nicht kaputt ist, kann nicht repariert werden, es muss \u00fcberwunden werden. Dabei geht es also weiterhin nicht nur um den Abriss physischer Geb\u00e4ude wie etwa von Gef\u00e4ngnissen als solchen. Es geht um die Abschaffung der Bedingungen, die sie m\u00f6glich machen und unvermeidlich erscheinen lassen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Diese abolitionistische Perspektive sch\u00fctzt vor fehlerhaften Analysen, Forderungen oder politischen Schritten. Zum einen wird deutlich, dass Reformen, die mehr Geld und Ressourcen in Gewaltinstitutionen stecken, diese nur verschlimmern und ihre Legitimation st\u00e4rken. Neben Rassismusschulungen f\u00fcr eine inh\u00e4rent rassistische Institution wie die Polizei, kann so auch die Ausstattung von Polizist*innen mit Tasern oder Bodycams nicht nur als Ressourcenverschwendung, sondern als gewalterhaltend erkannt werden. Aber auch Reformen wie die Verk\u00fcrzung von Strafen, statt deren Abschaffung, wie zuletzt bei der Ersatzfreiheitsstrafe in Berlin, die Armut kriminalisiert und damit gleichzeitig erh\u00e4lt und ver\u00adsch\u00e4rft.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Statt dieser \u201ereformistischen\u201d Reformen, weist eine abolitionistische Analyse auf \u201enicht-reformistische\u201d Reformen hin. Urspr\u00fcnglich im Kontext der sozialen Bewegungen der 1960er Jahre entwickelt, wird die Idee von Reformen, die Ausbeutungs- und Unterdr\u00fcckungsstrukturen aufheben und nicht verst\u00e4rken, heute von Abolitionist*innen zu Initiativen weiterentwickelt, die den Schaden des Strafsystems verringern und gleichzeitig Vorstellungen davon, dass Gef\u00e4ngnisse oder Polizeiarbeit reformiert werden k\u00f6nnten, entgegenwirken.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Dies wird beispielsweise beim Kampf f\u00fcr die Abschaffung sogenannter \u201eKriminalit\u00e4tsbelasteter Orte\u201d (KbOs) in Berlin versucht.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Zum anderen erm\u00f6glicht diese Perspektive einen klaren Blick auf oft schnell vorgeschlagene \u201eAlternativen\u201d zur Strafjustiz und Slogans wie \u201eCare statt Cops\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Wenn mit \u201eCare\u201c unhinterfragt Sozialarbeit, Psychiatrie oder Anstalten gemeint sind, dann kann Abolitionismus einfachen Verkl\u00e4rungen direkt entgegenwirken. Staatlich sanktionierte Gewalt findet nicht nur in hoch-militarisierten, bewaffneten oder eingez\u00e4unten Institutionen statt, sondern spiegelt sich auch in verwaltenden und vermeintlich sorgenden Institutionen wider.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> So agieren beispielsweise Jugend\u00e4mter oft als verl\u00e4ngerter Arm der Polizei und sanktionieren insbesondere arme und migrantische Familien.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Nach Jahrzehnten neoliberaler Sparpolitik nehmen die repressiven und kontrollierenden Aspekte dieser Arbeit zu. Auch in der sozialen Arbeit sitzen Streetworker vermehrt am runden Tisch der Polizeibeh\u00f6rden, um im Rahmen des Community Policings weniger eskalative, aber in ihrer politischen Funktion konsequente \u201eSicherheitsma\u00dfnahmen\u201c im Sinne einer rassistischen Versicherheitlichung der Stadt zu erwirken.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Diese Verbindung zu Stadtpolitik zeigt schon, dass die abolitionistische Perspektive nicht nur einen umfassenden Blick auf Polizieren in all seinen Formen erm\u00f6glicht, sondern auch das Verst\u00e4ndnis von sozialen K\u00e4mpfen, die sich vorerst um andere Themen zu drehen scheinen, erweitert. So fallen beispielsweise Wohnungskrise und Debatten zu \u00d6ffentlicher Sicherheit zusammen, die eindeutige Verbindung wird jedoch zu selten hergestellt. Als beispielsweise Breonna Taylor kurz vor dem Mord an George Floyd 2020 in den USA in ihrer Wohnung von der Polizei erschossen wurde, ging dem eine st\u00e4dtische Aufwertung der Nachbarschaft ihres Ex-Freundes voraus.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Auch in Deutschland kann die Polizei zur Durchsetzung von Aufwertungs- und Verdr\u00e4ngungsdynamiken fungieren, etwa durch vergr\u00f6\u00dferte Polizeibefugnisse an \u201eKbOs\u201d oder fortw\u00e4hrenden Shishabar-Razzien in migrantischen Berliner Kiezen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Legitimiert unter dem Aspekt der (Un-)Sicherheit, dem Generalverdacht \u201eClankriminalit\u00e4t\u201c und der sogenannten \u201eorganisierten Kriminalit\u00e4t\u201c, werden bestimmte Lokalit\u00e4ten seit Jahren von den Sicherheitsbeh\u00f6rden unter Druck gesetzt und kriminalisiert.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> So wird Platz gemacht f\u00fcr \u201eproduktivere und sauberere\u201c Gewerbe mit h\u00f6heren Mieten, die wiederum den gesamten Stadtteil \u201eaufwerten\u201d.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Eine abolitionistische Perspektive zeigt also auch: ein Kampf um die Stadt, inklusive bezahlbarem Wohnen, ist gleichzeitig ein Kampf gegen Polizei(gewalt) und umgekehrt: Wohnungspolitik ist Sicherheitspolitik.<\/p>\n<p>Auch in der queeren Bewegung gibt es eine abolitionistische Tradition. Weitestgehend bekannt, hat sie ihren Ursprung im Widerstand gegen Polizeigewalt, auch wenn sie heute gerne davon losgel\u00f6st wird. Geschlecht und Sexualit\u00e4t werden aber weiterhin kriminalisiert und reguliert. Nicht zuletzt durch die sogenannten \u201eGenderverbote\u201c, doch auch \u00fcber den Zugang zu medizinischer und reproduktiver Versorgung, dem Familienrecht, Sexualstrafrecht, Asylrecht oder dem sogenannten Prostitutionsschutzgesetz. Die abolitionistische Perspektive macht dazu deutlich, dass Gesetze gegen Diskriminierungen oder Hassverbrechen gegen LGBTQI-Personen vielmehr oft die Macht von Institutionen verst\u00e4rken, indem sie in den Strafapparat r\u00fcckinvestieren und insbesondere nicht-wei\u00dfe Menschen diesem aussetzen. Mehr (oder reformiertes) Strafrecht beseitigt nicht die Gewalt in administrativen Regimen, im Jugendstrafvollzug, in psychiatrischen Kliniken, in Einwanderungsgef\u00e4ngnissen oder Obdachlosenunterk\u00fcnften \u2013 alles Orte, an denen rassifizierte geschlechtsspezifische Normen kontinuierlich auferlegt werden.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Deswegen setzt der abolitionistische Organisierung dort an.<\/p>\n<h4>Organisierungsansatz<\/h4>\n<p>Insbesondere in den letzten Jahren organisieren sich immer mehr Menschen unter einem abolitionistischen Banner, nicht zuletzt, weil sich ein klarer Fokus auf die verschiedenen systemischen Gewaltverh\u00e4ltnisse ergibt, die die Krisen unserer Zeit befeuern. Die Aufst\u00e4nde nach dem Mord an George Floyd und die Bewegung f\u00fcr Schwarzes Leben seit 2020 haben die Forderung nach Abschaffung der Polizei weltweit popul\u00e4r gemacht; aus \u201eACAB\u201c wurde \u201eAbolish the Police\u201c. In Deutschland haben verschiedene Bewegungstraditionen den Weg f\u00fcr eine radikale abolitionistische Organisierung geebnet. Hier betrachten wir \u201eneue\u201c abolitionistische Initiativen und zeichnen Bez\u00fcge zu abolitionistischen Praxen der 70er und 80er Jahre nach, um Abolitionismus als einen zentralen Organisierungsfokus in Deutschland zu unterstreichen.<\/p>\n<p>Auch wenn die anhaltenden Proteste gegen Polizeigewalt der letzten Jahre zur Verbreitung abolitionistischer Analysen beigetragen haben, ging diesen Momenten kollektiver Wut und Trauer eine Bewegung gegen Rassismus und staatliche Gewalt voraus.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Aus der Kritik an rechtsextremen Netzwerken in den Sicherheitsbeh\u00f6rden, die schon im Rahmen der Organisierung zur Aufkl\u00e4rung der NSU-Morde laut wurde, entstanden wichtige Grundsteine f\u00fcr heutige polizeikritische Arbeit, an die verschiedene Gruppen politisch ankn\u00fcpfen. Nach den rechtsextremen Anschl\u00e4gen in Halle und Hanau wird nicht nur das Versagen der staatlichen Sicherheitsinstitutionen deutlich, sondern auch die Rolle der Polizei in der strukturellen Produktion von Unsicherheit f\u00fcr migrantisches Leben insgesamt thematisiert.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Hier setzt der Beitrag von Migrantifa Berlin in diesem Heft an und zeigt, warum dies nicht als Einzelfall, sondern als rassistische Methode des Kapitalismus verstanden werden muss.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt entspringt diese Analyse der Praxis von Gruppen, die sich heute und historisch in Deutschland f\u00fcr die Abschaffung von Polizei, Gef\u00e4ngnis und Grenzen sowie f\u00fcr Betroffene rassistischer Polizei- und Grenzgewalt einsetzen. Es gibt eine Vielzahl an Cop Watch-Gruppen und Initiativen, die Freunde und Familien von Menschen unterst\u00fctzen, die von der Polizei get\u00f6tet wurden, wie die Initiative Oury Jalloh, die Initiative Christy Schwundeck in Frankfurt, der Solikreis Justice4Mouhamed in Dortmund, die Initiative 2. Mai in Mannheim oder zuletzt \u201eJustice for Ibrahima\u201c in M\u00fclheim an der Ruhr. Diesen Initiativen geht es nicht nur um konsequente Aufkl\u00e4rung und Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4ter*innen, sondern auch um strukturelle Ver\u00e4nderungen der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die die vorzeitigen Tode rassifizierter und verarmter Menschen normalisieren und erm\u00f6glichen.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Die Kampagne f\u00fcr Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) begleitet Betroffene und baut eine Br\u00fccke zu systemisch verankerten Rassismen der Justiz. In Berlin besch\u00e4ftigen sich verschiedene Gruppen wie Justizwatch und kritische Jurist*innen damit, die Strafe als Instrument des rassistischen Kapitalismus zu \u00fcberwinden. Das Justice Collective zeigt mit langfristiger Prozessbeobachtung, dass sogenannte \u201eMassendelikte\u201d wie Diebstahl einen Gro\u00dfteil der t\u00e4glichen Arbeit der Strafgerichte ausmachen und belegt damit, dass Strafe nicht als Instrument der Gerechtigkeit gedacht ist, sondern bestehende Ungleichheiten erh\u00e4lt und systematisch verschlimmert.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Im Zusammenhang der Produktion und Bestrafung von Armut stehen auch Erwerbsloseninitiativen wie BASTA, die sich gegen die willk\u00fcrliche Gewalt des Job-Centers organisieren. Denn das Jobcenter, das f\u00fcr viele prekarisierte und verarmte Menschen zum Alltag geh\u00f6rt, hat nicht nur die Aufgabe, den Niedriglohnsektor mit billigen Arbeitskr\u00e4ften zu stabilisieren, sondern auch die Macht, willk\u00fcrlich Sanktionen zu verh\u00e4ngen, die f\u00fcr die Betroffenen finanziell verheerend sein k\u00f6nnen und denen deshalb nicht selten Polizeigewalt bei Zwangsr\u00e4umungen und Wohnungslosigkeit folgt.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Die Gefangenengewerkschaft und die Gruppe \u201eCriminals for Freedom\u201c k\u00e4mpfen in Berlin solidarisch mit Gefangenen f\u00fcr eine Welt ohne Kn\u00e4ste. Sie beschreibt in ihrem Beitrag in diesem Heft, warum Gef\u00e4ngnisse nicht losgel\u00f6st von gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen betrachtet werden k\u00f6nnen und zeigen auch die Schwierigkeiten abolitionistischer Arbeit und Unterst\u00fctzungsarbeit auf.<\/p>\n<p>Mit einer Versch\u00e4rfung von innenpolitischer Law und Order Politik geht Militarisierung und Aufr\u00fcstung im Rahmen internationaler Sicherheitspolitik einher.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Als Organisierungsansatz, der stark von Antimilitarismus, Internationalismus und Antiimperialismus gepr\u00e4gt ist, schlie\u00dft eine abolitionistische Praxis neben der Abschaffung von Polizei und Gef\u00e4ngnis auch Kritik globaler und (neo)kolonialer Versicherheitlichungsstrukturen ein und zielt somit auf die Abschaffung von Grenzen, milit\u00e4rische Abr\u00fcstung und ein Ende militarisierter Besatzungen ab.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Diese Perspektive hat in den letzten Jahren zu einer Internationalisierung von polizeikritischen Organisierungen beigetragen und wichtige Verbindungen klar gemacht.<\/p>\n<p>Nicht trotz, sondern wegen der realen Bedrohungen, die von internationale Milit\u00e4rregimen und R\u00fcstungsinteressen ausgeht, formiert sich in diesen Kontexten Widerstand, in dem alternative Sicherheitsbegriffe sowie die Frage nach Selbstschutz zentral sind.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Das kurdische Frauenb\u00fcro f\u00fcr Frieden Cen\u00ee beleuchtet in ihrem Beitrag in diesem Heft die Notwendigkeit der kollektiven Organisierung alternativer Sicherheit jenseits von Nationalstaatlichkeit und der damit einhergehenden gewaltvollen Repression der kurdischen Bewegung. Ma\u2019ayan Ashash und Danna Marshall zeigen in ihrem Beitrag auf, wie die vermeintliche Sicherheit j\u00fcdischer Menschen als Grenzmechanismus genutzt wird, um rassistische staatliche Gewalt in der Migrations- und Einb\u00fcrgerungspolitik oder der Unterdr\u00fcckung widerst\u00e4ndiger Organisierung auszubauen. No-Border Gruppen wie Abolish Frontex oder Abschiebezentrum BER verhindern kritisieren heute rein humanit\u00e4re Forderungen nach offenen Grenzen oder Seenotrettung, durch die Verantwortung f\u00fcr die anhaltende Enteignung des sog. Globalen S\u00fcdens als Ursache der Abschottung unangefochten bleibt, wie Eve M. und Sophia D. in ihrem Beitrag darlegen.<\/p>\n<p>Durch die Externalisierung von Grenzen werden (neo-)imperiale Interessen des sogenannten globalen Nordens stabilisiert und gleichzeitig im rassistischen Kapitalismus \u00fcberfl\u00fcssig gemachte Menschen in Lagern und Abschiebekn\u00e4sten verwahrt.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Die systemische Gewalt, die Menschen so erfahren, wirkt sich auch auf ihr Zusammenleben aus und trifft nicht alle gleich, wie Bethi Ngari in diesem Heft berichtet. Gruppen wie Women in Exile fordern deswegen schon seit Jahrzehnten, dass Gefl\u00fcchtete nicht l\u00e4nger an einer selbstbestimmten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehindert werden d\u00fcrfen. Die kollektive Organisierung gefl\u00fcchteter Menschen \u00e4u\u00dfert sich neben kollektivem Protest und R\u00e4umen (wie dem Oranienplatz in Berlin) auch in der Verweigerung der eigenen Abschiebbarkeit, durch Aufst\u00e4nde in Lagern und Abschiebekn\u00e4sten sowie der Ablehnung paternalistischer Integrationsma\u00dfnahmen.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Ihre K\u00e4mpfe zeigen, dass karzerale Methoden nicht nur zum \u201eSchutz\u201d der Festung Europa an den Au\u00dfengrenzen, sondern auch zum \u201eSchutz\u201d der wei\u00dfen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft in Deutschland eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Hier wird sichtbar, dass abolitionistische Organisierung in Deutschland schon lange existiert und f\u00fcr heutige Bewegungen von zentraler Bedeutung ist. Diese historische Perspektive widerlegt die Behauptung, dass Abolitionismus nur au\u00dferhalb Deutschlands und Europas verwurzelt sei.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich viele der \u201eneueren\u201d abolitionistischen Gruppen mit Polizei und Grenzen besch\u00e4ftigen, wollen wir hier auf die Anti-Knast und Anti-Psychiatrie-Bewegungen in den 70er und 80er Jahren als abolitionistische Organisierungsformen hinweisen. Obwohl diese Bewegungen auch immer wieder damit zu k\u00e4mpfen hatten, die spaltende Logik strafender Institutionen ganzheitlich infrage zu stellen (beispielsweise in Diskursen um \u201epolitische\u201c und \u201esoziale\u201c Gefangene), wurden hier radikale Forderungen f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Kn\u00e4ste gestellt.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Sp\u00e4testens die internationalistische Organisierung der RAF brachte das Thema auf die Tagesordnung linker Gruppen.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Dabei ist auch die Organisierung in den Kn\u00e4sten selbst ein wichtiger Bezugspunkt gelebter abolitionistischer Praxis, durch die solidarische Beziehungen zwischen Gefangenen verschiedener Einrichtungen und \u00fcber soziale Positionierung hinweg entstanden. Hierzu z\u00e4hlen diverse Hungerstreiks und \u201eMeutereien\u201c, aber auch Arbeitsstreiks und Organisierung in Gefangenenr\u00e4ten, die auch f\u00fcr die Organisierung \u201edrau\u00dfen\u201c von Bedeutung waren.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> Im akademischen Bereich entwickelte sich zu dem Thema, entgegen der offiziellen Kriminologie, die Strafsysteme legitimierte,<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> die Kritische Kriminologie, die sich f\u00fcr Gefangene und gegen Gef\u00e4ngnisse einsetzte.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Viele dieser gef\u00e4ngniskritischen Theoretiker*innen ordneten sich einer marxistischen Tradition zu.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Anti-Psychiatrie Bewegung in Deutschland prangerte gesellschaftliche Konstruktionen von Krankheit und gewaltvolle Institutionalisierung von krank gemachten Menschen an. Indem sie aufzeigten, dass psychische Krisen nicht durch Pathologien, sondern durch die Zw\u00e4nge der kapitalistischen Gesellschaftsordnung verursacht werden, sprachen sie den geschlossenen Stationen des Ma\u00dfregelvollzugs und den psychiatrischen Zwangsma\u00dfnahmen ihre argumentative Daseinsberechtigung ab. Das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) setzte sich f\u00fcr die Abschaffung der Psychiatrie und der \u201epathogenen kapitalistisch-patriarchalischen Gesellschaft\u201c ein und machte die \u201eKrankheit zur Waffe\u201c.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Gleichzeitig entstanden auch emanzipatorische \u201eKr\u00fcppelkollektive\u201c, die sich gegen die Integration in vermeintlich \u201enormale\u201c Gesellschaftsnormen stellten und die Verwahrung in Anstalten sowie Zwangsarbeit in Werkst\u00e4tten be\u00adk\u00e4mpften<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a>. So schrieb die Kr\u00fcppelzeitung schon 1979: \u201eWir wollen keine Almosen\u201c und forderte emanzipatorische F\u00fcrsorgestrukturen unabh\u00e4ngig von produktiv machenden und sanktionierenden Institutionen ein.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Diese und weitere K\u00e4mpfe (es fehlen hier u.\u00a0a. Gruppen, die sich mit strafender P\u00e4dagogik und Jugend- oder Drogenkn\u00e4sten besch\u00e4ftigt haben sowie die Rosa und Schwarzen Hilfen) haben analytische Verbindungen zwischen sozialen Krisen und der staatlichen Gewalt geschaffen, die diese Krisen verursacht und mit weiterer Gewalt beantwortet. In Form eines Runden Tisches haben wir Aktivist*innen verschiedener hier genannter Traditionslinien zusammengebracht, um die teilweise vergessenen K\u00e4mpfe mit den neueren Abolitionismen ins Gespr\u00e4ch zu bringen.<\/p>\n<h4>Gegenwarts- und Zukunftsperspektive<\/h4>\n<p>Abolitionismus ist nicht nur Kritik, sondern auch Aufbau alternativer Sicherheitsstrukturen, die vermeintlich alternativlosen gewaltvollen Institutionen entgegenstehen. Wir wollen auf einige dieser Praktiken aufmerksam machen, insbesondere mit Fokus auf die Bedingungen f\u00fcr grundlegende Sicherheit, dem Aufbau von Schutzr\u00e4umen und Ans\u00e4tzen transformativer Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Nicht alle Gruppen, die f\u00fcr antikarzerale, soziale Sicherheit k\u00e4mpfen, bezeichnen sich selbst als Abolitionist*innen, dennoch kann ihre Arbeit als integraler Bestandteil abolitionistischer Visionen und K\u00e4mpfe verstanden werden. Auf verschiedenen Eben arbeiten sie daran, dass an die Stelle von organisierter Vernachl\u00e4ssigung organisierte F\u00fcrsorge in Form einer wirklich sozialen Infrastruktur tritt: Wohnraum, universelle Gesundheitsversorgung, Schutzr\u00e4ume, Bildung, Versorgungssicherheit. Das bedeutet nicht nur die De-Privatisierung dieser Grundbed\u00fcrfnisse, sondern auch das gemeinschaftliche Arbeiten an den Beziehungen, die die Bedingungen f\u00fcr ein sicheres und gutes t\u00e4gliches Leben schaffen. Eine Organisierung in und Umfunktionierung von bestehenden Institutionen l\u00e4uft also neben der St\u00e4rkung von unterst\u00fctzenden Beziehungen, wie Mutual Aid oder Kiez-Netzwerken.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n<p>Beispielsweise ist bezahlbarer, zug\u00e4nglicher und ausreichender Wohn\u00adraum ein Kern sozialer Sicherheit. Nur wo die M\u00f6glichkeit eines langfristigen Aufbaus von sozialen Netzen ein st\u00e4ndiges Bangen um Existenz ersetzt, kann in nachbarschaftlichen Strukturen nachhaltig Sicherheit entstehen. Dabei ist klar, dass der Aufbau solcher Strukturen nur durch den gleichzeitigen Abbau von Gewaltinstitutionen realisierbar ist, etwa indem Wohnraum f\u00fcr alle ein Ende der Polizei als Akteur urbaner Verdr\u00e4ngung bedeutet.<\/p>\n<p>Solche Doppelbewegungen, die zeigen, wie Aufbau von sozialer Sicherheit die Gewalt staatlicher Institutionen ersetzt, erkennen wir z.\u00a0B. auch mit Blick auf die universelle Gesundheitsversorgung.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> Damit der Schutz von Leben dabei im Mittelpunkt steht, darf die Behandlung physischer und psychischer Krankheiten nicht einer Profitlogik, Eingliederung ins kapitalistische System oder der Sicherung \u00f6ffentlicher Ordnung unterliegen. Es ist Ausdruck eines rassistischen Verwertungssystems, dass migrantische und insbesondere Schwarze Menschen in psychischen Krisensituationen immer wieder von Polizist*innen get\u00f6tet werden,<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> anstatt dass sie die eigentlich n\u00f6tige Unterst\u00fctzung und Versorgung erhalten. Abolitionist*innen bauen daher Strukturen eigener Gesundheitsversorgung auf. Insbesondere queere und Sexworker*innen-Kollektive spielen in dieser Tradition von Selbstorganisation f\u00fcr Sicherheit jenseits des Staates eine wichtige Rolle. Weltweit existieren Praxen und Gesundheitszentren, die das staatliche Gesundheitssystem umgehen und medizinische Versorgung als kollektive Aufgabe begreifen.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Solche Alternativen entstehen aufgrund einer konkreten Kriminalisierungserfahrung und der gleichzeitigen Verweigerung, lebensunw\u00fcrdige Zust\u00e4nde einfach hinzunehmen.<\/p>\n<p>In Zeiten gesellschaftlicher Faschisierung und damit zunehmender Gefahr f\u00fcr marginalisierte Gruppen sehen wir eine Verweigerung der Zust\u00e4nde und eine R\u00fcckeroberung in Form vorl\u00e4ufiger Schutzr\u00e4ume auch bei Besetzungen und Protesten. Gerade dann, wenn Alternativlosigkeit propagiert wird, zeigt sich an diesen Orten, dass kollektive F\u00fcrsorge m\u00f6glich ist. (Wald-)Besetzungen widersetzen sich der fortschreitenden Ausbeutung der Natur und Zerst\u00f6rung von Lebensgrundlagen und bauen gleichzeitig Versorgungsstrukturen auf. Besetzungen von Universit\u00e4ten widersetzen sich der anhaltenden Entmenschlichung pal\u00e4stinensischen Lebens und gestalten R\u00e4ume f\u00fcr kollektive Bildung. Im Organisieren gegen t\u00f6dliche Gewalt, wie dem Genozid in Pal\u00e4stina, aber auch Sudan und Kongo, werden kollektive K\u00e4mpfe f\u00fcr das Leben \u00fcber Grenzen und Geographien hinweg erprobt.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<p>In Bezug auf interpersonelle Gewalt stehen hier aus abolitionistischer Perspektive Themen der gemeinschaftlichen Verantwortungs\u00fcbernahme, Wiedergutmachung sowie Ver- und Bearbeitung zwischenmenschlicher Gewalterfahrungen durch Prozesse transformativer Gerechtigkeit im Fokus.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Konzepte transformativer Gerechtigkeit wurden zentral von Schwarzen und Indigenen Feminist*innen erdacht, die sich auf staatliche Sicherheit nicht verlassen konnten.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> In der f\u00fcr den deutschen Raum zentralen Ver\u00f6ffentlichung \u201eWas macht uns wirklich sicher?\u201c<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> wird daf\u00fcr argumentiert, ein negatives Verst\u00e4ndnis von Sicherheit zu \u00fcberwinden, das sich vor allem zur Abwehr, Abstrafung und Abschottung von externen Gefahren bildet, w\u00e4hrend in einem positiven Verst\u00e4ndnis versucht wird, kollektive Handlungsschritte zu finden und aufzubauen. Transformative Gerechtigkeit kann als ganzheitlicher Prozess verstanden werden, der neben der Frage nach unmittelbaren Folgen den Fokus auf die Wurzeln von Gewalt und Unrecht legt, um dauerhaft positive Ver\u00e4nderungen zu schaffen. Gegen den Strafrechtsfeminismus, der f\u00fcr den Umgang mit sexualisierter Gewalt mehr Polizei und eine erweiterte Strafgesetzgebung erwirkt, steht ein Fokus auf die Zw\u00e4nge, die Gewalt beispielsweise in Familien systematisch erm\u00f6glichen, sowie direkte zivilgesellschaftliche Interventionsm\u00f6glichkeiten, Ressourcen und Schutzr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass diese Arbeit nicht einfach oder reibungslos ist. Dies kommt auch in einigen Beitr\u00e4gen dieses Heftes zum Ausdruck. Daher analysieren Abolitionist*innen und Revolution\u00e4r*innen aus unterschiedlichen Traditionen nicht nur Geschichte und Funktion des rassifizierten Kapitalismus, sondern stellen sich Fragen von zwischenmenschlichem Umgang und der Bedeutung von Genoss*innenschaft.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> Im Vordergrund steht so auch immer der Gedanke, dass der Aufbau einer Welt, die alles Leben sch\u00fctzt und wertsch\u00e4tzt, ein Prozess und eine Praxis ist, die uns auch als Individuen und Kollektive ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0 James, C. L. R.: The Black Jacobins: Toussaint L\u2019Ouverture and the San Domingo Revolution, New York 1963; Du Bois, W. E. B.: Black Reconstruction: An Essay Toward a History of the Part Which Black Folk Played in the Attempt to Reconstruct Democracy in America, 1860-1880, New Brunswick 2012<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0 Loick, D.; Thompson, V.\u00a0E. (Hg.): Abolitionismus: ein Reader, Berlin 2022 (2. Aufl.)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0 Gilmore, R.: Golden Gulag: Prisons, Surplus, Crisis and Opposition in Globalizing California, Berkeley 2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0 Gilmore, R.\u00a0W.; Murakawa, N.: Covid 19, Decarceration, and Abolition, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hf3f5i9vJNM\">www.youtube.com\/watch?v=hf3f5i9vJNM<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0 <a href=\"https:\/\/ersatzfreiheitsstrafe.de\">https:\/\/ersatzfreiheitsstrafe.de<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0 Gorz, A.: Strategy for Labor: A Radical Proposal, Boston 1967; Kaba, M.: We Do This \u2018Til We Free Us: Abolitionist Organizing and Transforming Justice, Chicago 2021<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0 Keller, N.: Wer hat Angst vorm Kottbusser Tor? Zur Konstruktion \u201egef\u00e4hrlicher\u201c Orte, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 115 (April 2018), S. 18-24 (18)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0 Petzen, J.: Community Accountability: M\u00f6glichkeiten und Grenzen Sozialer Arbeit jenseits von karzeralen Tendenzen, in: Prasad, N. (Hg.): Methoden struktureller Ver\u00e4nderung in der Sozialen Arbeit, Berlin 2023, S. 148-161<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0 Wacquant, L.: Crafting the Neoliberal State Workfare, Prisonfare and Social Insecurity, in: Sociologie Rom\u00e2neasc\u0103 2010, H. 8, S. 5-23<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u00a0 Roberts, D.: Torn Apart: How the Child Welfare System Destroys Black Families &#8211; and How Abolition Can Build a Safer World, New York 2022; kitchen politics (Hg.): Mehr Als Selbstbestimmung! K\u00e4mpfe F\u00fcr Reproduktive Gerechtigkeit, M\u00fcnster 2021<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u00a0 Vitale, A.: The End of Policing, London 2017<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Roy, A.: Undoing property: Feminist struggle in the time of abolition, in: Society+ Space 3.5.2021<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Chahrour, M.\u00a0A. u.a. (Hg.): Generalverdacht: Wie mit dem Mythos Clankriminalit\u00e4t Politik gemacht wird, Hamburg 2023<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Rauls, F.: Der administrative Ansatz, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 129 (August 2022), S. 13-21<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.linksfraktion-neukoelln.de\/positionen\/themen\/shisha-bar-razzien\">www.linksfraktion-neukoelln.de\/positionen\/themen\/shisha-bar-razzien<\/a>; Flierl, L.: The Long Shadow of the Repressive State: Militarized Policing and the Eviction Crisis, in: Environment and Planning C: Politics and Space 6.7.2023<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Spade, D.: Normal Life: Administrative Violence, Critical Trans Politics &amp; The Limits of Law, Durham 2015<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Cremer-Sch\u00e4fer, H.: Alternativen von Strafrecht und Polizei: Eine ern\u00fcchternde Geschichte, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 125 (April 2021), S. 14-22<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Zu viele betrachten diesen Anschlag als einen Einzelfall, www.zeit.de v.19.2.2021.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Warum gibt es vor Gericht keine Gerechtigkeit?, <a href=\"http:\/\/www.justice4mouhamed.org\">www.justice4mouhamed.org<\/a> v. 21.5.2024<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Wenn Armut strafbar wird, herrscht Klassenjustiz, www.jacobin.de v.26.4.2022<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> European Action Coalition for the Right to Housing and to the City, Resisting evictions across Europe, Brussels 2016<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Besatzung f\u00fcr Gentrifizierung, <a href=\"http:\/\/www.artsoftheworkingclass.org\">www.artsoftheworkingclass.org<\/a> v. 3.5.2023<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Acheson, R.: Abolishing State Violence: A World Beyond Bombs, Borders, and Cages, Chicago 2022<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Rodr\u00edguez, D.: Abolition as Praxis of Human Being: A Foreword, in: Harvard Law Review 2019, H. 6, S. 1575-1612<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Danewid, I.: \u201eThese Walls Must Fall\u201d: The Black Mediterranean and the Politics of Abolition, in:\u00a0 Proglio, G. u.a.(Hg.): The Black Mediterranean: Bodies, Borders and Citizenship, Cham 2021, S. 145-166<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Carstensen, A. L. u.a.: Der Zwang zur Arbeit. Verwertungslogiken in den umk\u00e4mpften Regimen der Anwerbe-, Flucht- und EU-Migration, Duisburg-Essen 2018<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Malzahn, R. (Hg.): Strafe und Gef\u00e4ngnis: Theorie, Kritik, Alternativen. Eine Einf\u00fchrung, Stuttgart 2022<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Schulz, J.-H.: Unbeugsam hinter Gittern: Die Hungerstreiks der RAF nach dem Deutschen Herbst, Frankfurt\/Main 2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen: Entwurf einer Magna Charta f\u00fcr alle Internierten in Gef\u00e4ngnissen, psychiatrischen Anstalten, F\u00fcrsorge- und Erziehungsheimen, M\u00fcnchen 1976<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Cremer-Sch\u00e4fer, H.; Steinert, H.: Soziale Ausschlie\u00dfung und Ausschlie\u00dfungs-Theorien: Schwierige Verh\u00e4ltnisse, in: Peters, H. (Hg.): Soziale Kontrolle: Zum Problem der Normkonformit\u00e4t in der Gesellschaft, Wiesbaden 2000, S. 43-64<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Stehr, J.: Kritische Kriminologie als ideologiekritisches Projekt, in Anhorn, R. u.a (Hg.): Kritik der Sozialen Arbeit &#8211; kritische Soziale Arbeit,Wiesbaden 2012, S. 431-448<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Steinert, H.: Marxsche Theorie und Abolitionismus. Aufforderung zu einer Diskussion\u201c, in: Kriminalsoziologische Bibliografie 1987, H. 55\/56, S. 131-158<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Sozialistisches Patientenkollektiv: SPK \u2013 aus der Krankheit eine Waffe machen: Eine Agitationsschrift des Sozialistischen Patientenkollektivs an der Universit\u00e4t Heidelberg, M\u00fcnchen 1979 (4. Aufl.)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Gerber, E. u.a. (Hg.): Behinderten-Emanzipation: K\u00f6rperbehinderte in der Offensive, Basel 1984<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.archiv-behindertenbewegung.org\">www.archiv-behindertenbewegung.org<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Gilmore, R.\u00a0W.: Abolition Geography: Essays Towards Liberation, London 2023<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Adler-Bolton, B.; Vierkant, A.: Health Communism, London, New York 2022<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> s. hierzu https:\/\/polizeischuesse.cilip.de<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Gleeson, J.\u00a0J.; O\u2019Rourke, E.: Transgender Marxism, London 2021, s.\u00a0a.: <a href=\"http:\/\/www.frauenzentrum-schokofabrik.de\/unterm-schokodach\/casa-kua\">www.frauenzentrum-schokofabrik.de\/unterm-schokodach\/casa-kua<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> hier zu erw\u00e4hnen: \u201eMaroon Abolitionist Knowledge\u201c, z.\u00a0B. in Ben-Moshe, L.: Dis\u2010epistemologies of Abolition in: Critical Criminology 2018, S. 341-355<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Rabe, B.: Alternativen zu Knast und Strafe, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 125 (April 2021), S. 23-31<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Diese Ans\u00e4tze werden im deutschen Kontext vom Transformative Justice Kollektiv Berlin aufgenommen: Das Risiko wagen \u2013 Strategien f\u00fcr selbstorganisierte und kollektive Verantwortungs\u00fcbernahme bei sexualisierter Gewalt, Berlin 2014 (\u00dcbersetzung eines der Gr\u00fcndungstexte der \u201eCommunity Accountability\u201c, urspr\u00fcnglich verfasst von einem Kollektiv von Frauen of Color von \u201eCommunities Against Rape and Abuse (CARA)\u201d (2006).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Brazzel, M. (Hg.): Was macht uns wirklich sicher?, M\u00fcnster 2019<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Beispielsweise das Prinzip der kurdischen (Selbst-)Kritik; mehr dazu bei Teko\u015f\u00eena Anar\u015f\u00eest: Tekmil: A Tool For Collective Reflection, <a href=\"https:\/\/theanarchistlibrary.org\/library\/tekosina-anarsist-tekmil-a-tool-for-collective-reflection\">https:\/\/theanarchistlibrary.org\/library\/tekosina-anarsist-tekmil-a-tool-for-collective-reflection<\/a> oder Brown, A.\u00a0M.: We Will Not Cancel Us: And Other Dreams of Transformative Justice, Chico, Edinburgh 2022.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hannah V\u00f6gele, Lara M\u00f6ller und Rebecca Merdes In diesem einleitenden Text heben wir drei<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,139],"tags":[172,850,1094,1186],"class_list":["post-23115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-135","tag-abolitionismus","tag-knast","tag-polizei","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23115"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23115\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}