{"id":23426,"date":"2001-10-24T00:32:52","date_gmt":"2001-10-23T22:32:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=23426"},"modified":"2001-10-24T00:32:52","modified_gmt":"2001-10-23T22:32:52","slug":"dr-sebastian-pflugbeil-lasst-euch-nicht-von-den-eigenen-taeuschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=23426","title":{"rendered":"Dr. Sebastian Pflugbeil: La\u00dft Euch nicht von den Eigenen t\u00e4uschen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pressekonferenz: Die falsche Antwort auf den 11. September: Der \u00dcBERWACHUNGSSTAAT, 24.10.2001<\/strong><\/p>\n<p>In der Revolution von 1989 hatte die Entmachtung des gef\u00fcrchteten Staatssicherheitsdienstes einen hohen Stellenwert. Als Schild und Schwert der Partei hat die Stasi systematisch Angst und Schrecken verbreitet und versucht, Kritik an Partei und Staat im Keim zu ersticken. Bereits die Angst vor der Stasi hat viele B\u00fcrger verstummen lassen, auch wenn sie pers\u00f6nlich gar nicht drangsaliert wurden. Die Medien logen, schwiegen oder verbreiteten Lobeshymnen auf Partei- und Staatsf\u00fchrung und die &#8222;Freunde&#8220;. Informationen wurden durch Propaganda ersetzt. Das war besonders bitter in Krisensituationen wie dem Einmarsch der Russen in Prag, der Solidarnos-Bewegung in Polen oder dem Krieg der Russen in Afghanistan. Die Ausbildung, die berufliche Karriere konnte sehr schnell zuende sein, wenn man die Zunge nicht im Zaum hatte. Da, wo die Stasi wirklich zu tun gehabt h\u00e4tte, hat sie j\u00e4mmerlich versagt. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die Situation, in der das NEUE FORUM vom Ministerium des Innern \u00fcber die Medien als &#8222;verfassungsfeindliche Gruppenbildung&#8220; gebrandmarkt wurde. Wenige Wochen sp\u00e4ter hatten Innenminister und Stasi ihre Macht verloren, sie waren nicht in der Lage, die tats\u00e4chlich vorhandenen Konflikte mit polizeilich-geheimdienstlichen Mitteln zu l\u00f6sen oder im Zaum zu halten.<!--more--><\/p>\n<p>Nach dem 11. September war Deutschland starr vor Entsetzen. Dann wurde Information durch Propaganda ersetzt. Die Medien beugten sich so fl\u00e4chendeckend dem Druck der Propaganda, da\u00df die wenigen kritischen Beitr\u00e4ge als Rarit\u00e4ten von Hand zu Hand weitergereicht wurden. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy schrieb in der FAZ, was viele Deutsche denken &#8211; aber bis heute nicht offen auszusprechen wagen. Was geht hier vor? Was geht in unserem Lande vor sich, wenn unwidersprochen wieder und wieder in Talkshows die Totschlagargumente Antiamerikanismus und die 40j\u00e4hrige Gehirnw\u00e4sche bei den armen Ossis zur Disqualifizierung kritischer Anfragen an die amerikanische Reaktion auf den Terror eingesetzt werden? Was geschieht bei uns, wenn Lehrer vom Dienst suspendiert werden, die mit den Sch\u00fclern kritisch \u00fcber den Krieg in Afghanistan reden? Ich f\u00fchle mich t\u00e4glich in meinen eigenen Reaktionen, in den Medien, im Verh\u00e4ltnis zu den Politikern und im Verh\u00e4ltnis zu unseren neuen &#8222;Freunden&#8220; in den USA an fast vergessene Zeiten erinnert.<\/p>\n<p>In dieser eiskalten Vernebelung der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung legt Otto Schily hinter verschlossenen T\u00fcren Vorschl\u00e4ge auf den Tisch, die Erich Mielke alle Ehre gemacht h\u00e4tten.<br \/>\nVielleicht k\u00f6nnte sich Herr Schily dar\u00fcber hinaus beim Aufbau einer Geruchsdatenbank oder beim Einsatz von Radionukliden zur Markierung von Terroristen und solchen die es werden k\u00f6nnten von den erfahrenen Fachleuten des MfS beraten lassen. Wie voreilig von uns, die Telephon\u00fcberwachungseinrichtungen und Videokameras der Stasi zerst\u00f6rt zu haben.<\/p>\n<p>Unter der akuten Bedrohung von Terroranschl\u00e4gen sind Trittbrettfahrer schrecklich &#8211; Trittbrettfahrer sind nicht nur Leute, die falschen Terroralarm provozieren, Trittbrettfahrer sind auch Leute, die die Gef\u00fchlslage der B\u00fcrger unter der Bedrohung von Terroristen dazu mi\u00dfbrauchen, Rechtskultur und B\u00fcrgerrechte abzubauen, einen Polizei- und Geheimdienststaat aufzubauen und ihre Waffen- und Munitionsbest\u00e4nde zu erproben und zu erneuern.<br \/>\nVersetzen wir uns in die kranke Phantasie der Terroristen, so h\u00e4tte es eine gewisse Logik, da\u00df das n\u00e4chste Ziel eines Terroranschlags ein Kernkraftwerk sein sollte. Die Unsch\u00fctzbarkeit kerntechnischer Anlagen vor Krieg und Terror ist eines der \u00e4ltesten Argumente gegen die Nutzung der Kernenergie. Der Absturz einer vollgetankten gro\u00dfen Passagiermaschine auf ein deutsches KKW w\u00fcrde unser Land ins Chaos st\u00fcrzen. Die Regierung weigert sich, die einzig m\u00f6gliche Verhinderung einer solchen Katastrophe anzupacken &#8211; das w\u00e4re die umgehende Stillegung aller KKW. Zugegebenerma\u00dfen w\u00e4re das ein Kraftakt, den man von unserer heutigen Regierung nicht erwarten kann. Fragt man, wie wir denn auf eine Katastrophe dieser Art vorbereitet sind, st\u00f6\u00dft man ins Leere. 15 Jahre nach Tschernobyl ist der Katastrophenschutz in der Umgebung der KKW eine Katastrophe. Nur ein Beispiel: bei einer solchen Katastrophe wird auch radioaktives Jod frei, das \u00fcber mehrere hundert Kilometer verteilt und vom menschlichen Organismus aufgenommen wird. Es sammelt sich in der Schilddr\u00fcse und kann dort Krebs oder andere Erkrankungen verursachen. Durch die rechtzeitige Einnahme eines ganz einfachen und billigen Medikaments (Kalium Jodatum) kann man das jedoch weitgehend verhindern. Als ungel\u00f6st galt bisher lediglich das Problem, wie man innerhalb von Minuten bis Stunden eine Bev\u00f6lkerung von mehreren 100.000 oder gar Millionen Menschen zuverl\u00e4ssig mit diesem Medikament versorgen kann. In diesen Tagen hat sich herausgestellt, da\u00df dieses simple Medikament auf dem Markt \u00fcberhaupt nicht verf\u00fcgbar ist. Es ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df das schon lange so ist. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ne von Otto Schily haben mit der Handlungsunf\u00e4higkeit angesichts bevorstehender Anschl\u00e4ge auf KKW eines gemeinsam: die Opfer der Anschl\u00e4ge sind im Vergleich zum reizvollen Aufbau eines hightech- und waffenstarrenden \u00dcberwachungsstaates und einer umweltsch\u00fctzenden Atomindustrie kaum von Interesse. Aber das war ja schon immer so.<\/p>\n<p>Nachbemerkung: 1983 habe ich mir in Christa Wolfs &#8222;Kassandra&#8220; drei Stellen angestrichen:<\/p>\n<p>&#8222;Sprach in Troja irgendein Mensch von Krieg? Nein. Er w\u00e4re bestraft worden. In aller Unschuld und besten Gewissens bereiteten wir ihn vor. Sein erstes Zeichen: Wir richteten uns nach dem Feind. Wozu brauchten wir den?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gibt, m\u00fc\u00dfte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, \u00fcberliefern. Was st\u00fcnde da. Da st\u00fcnde, unter anderen S\u00e4tzen: La\u00dft euch nicht von den Eigenen t\u00e4uschen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Verfluchter Krieg. Wir schwiegen, alle drei. Mit diesem Schweigen, an dem mehrere beteiligt sind, so lernte ich, beginnt Protest.&#8220;<\/p>\n<p>Kontakt: Dr. Sebastian Pflugbeil \u00b7 Gr\u00fcndungsmitglied des NEUEN FORUM, Minister a.D., MdA a.D., Pr\u00e4sident der Gesellschaft f\u00fcr Strahlenschutz \u00b7 Gormannstr. 17 \u00b7 10119 Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pressekonferenz: Die falsche Antwort auf den 11. 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