{"id":2789,"date":"1996-12-21T21:39:32","date_gmt":"1996-12-21T21:39:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=2789"},"modified":"1996-12-21T21:39:32","modified_gmt":"1996-12-21T21:39:32","slug":"literatur-zum-schwerpunkt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=2789","title":{"rendered":"Literatur zum Schwerpunkt"},"content":{"rendered":"<p>Vor sieben Jahren fiel der &#8218;Eiserne Vorhang&#8216;. Die Staaten des vormaligen Ostblocks \u00f6ffneten sich der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Neue Staaten entstanden oder erstanden wieder; deren politische Verfassungen n\u00e4herten sich den Modellen der westlichen repr\u00e4sentativen Demokratien an. Durch die \u00f6konomische Transformation und die Verwandlung der politischen Institutionen brachen soziale Krisen unterschiedlichster Formen auf: Materielle Verarmung, nationale Konflikte, Kriminalit\u00e4t etc. Da\u00df in einer derartigen Konstellation den Apparaten der Inneren Sicherheit eine besondere Bedeutung zukommt, liegt auf der Hand. Zum einen waren sie es, die die kommunistischen Regime im Innern stabilisierten, zum anderen ist die Stunde gesellschaftlicher Verunsicherung die Stunde aller Sicherheitsapparate, denn nur sie versprechen kurzfristige Ruhe und Ordnung, auf denen sich die (neue) Herrschaft einrichten kann.<!--more--><\/p>\n<p>Wer jedoch vermutet, die Polizeiforschung habe diese Situation bereitwillig und neugierig aufgegriffen, wird durchgehend entt\u00e4uscht. Sofern ersichtlich, hat auch die Spezies der Transformationsforscher bislang einen Bogen um die Innere Sicherheit gemacht. Der Verweis auf die folgenden Ver\u00f6ffentlichungen geschieht aus einem doppelten Grund: Erstens gibt es einige wenige Ausnahmen, die erste Einblicke in die Situation der Polizeien in einigen L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas liefern. Zweitens werden Ver\u00f6ffentlichungen aufgef\u00fchrt, die symptomatisch daf\u00fcr stehen, wie die (deutsche) &#8218;Law enforcement community&#8216; die Polizeiprobleme unserer neuen Nachbarn thematisiert.<\/p>\n<p><b>Fogel, D., 1994:<\/b> <em>Policing in Central and Eastern Europe: Report on a Study Tour, Helsinki<\/em><br \/>\nBei dem Bericht Fogels handelt es sich um eine rein beschreibende Bestandsaufnahme der Polizeisysteme in den von ihm bereisten L\u00e4ndern.<\/p>\n<p><b>Les Cahiers de la S\u00e9curit\u00e9 Int\u00e9rieure 1992, No. 8<\/b><br \/>\nDas Schwerpunktheft zum Thema &#8218;Polizei und Demokratie im Osten&#8216; enth\u00e4lt Beitr\u00e4ge \u00fcber die Polizeientwicklung in Polen, der GUS, der Tschechoslowakei und Ungarn &#8211; freilich auf dem Stand von Ende 1991.<\/p>\n<p><b>Die Polizei 83. Jg., 1992, H. 5:<\/b> <em>Schwerpunktheft: Innere Sicherheit in Mittel- und Osteuropa<\/em><br \/>\n<b>Deutsches Polizeiblatt 12. Jg., 1994, H. 2:<\/b> <em>Schwerpunktheft: Polizei in Europa &#8211; Unsere Nachbarn<\/em><br \/>\nDas &#8218;Polizei&#8216;-Schwerpunktheft ist symptomatisch f\u00fcr die deutsche Diskussion: Experten aus vier L\u00e4ndern (RUS, PL, H, CR) berichten eindringlich \u00fcber die wachsenden Kriminalit\u00e4tsprobleme in ihrer Heimat. Der Polizeiapparat findet nur in Nebens\u00e4tzen Erw\u00e4hnung; und dann vor allem dahingehend, da\u00df ihm die Ressourcen fehlen, die Kriminalit\u00e4t bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Da\u00df diese Apparate selbst ein Sicherheits- und Demokratieproblem sein k\u00f6nnten, kommt den Autoren nicht in den Sinn. In seinem Einleitungsbeitrag spricht der damalige IMK-Vorsitzende Friedel L\u00e4pple (SPD) von den &#8222;rechtsstaatlich orientierte(n) Sicherheitskr\u00e4fte(n) in den L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas&#8220;, die zu unterst\u00fctzen auch &#8222;ein Gebot der Kollegialit\u00e4t&#8220; sei. In welchem rechtsstaatlich-b\u00fcrgerrechtlichen Zustand sich diese Apparate befinden, will wirklich aber kaum jemand in Deutschland wissen.<br \/>\nIm &#8218;Deutschen Polizeiblatt&#8216; werden die Polizeien der beiden unmittelbaren Nachbarn Polen und Tschechien vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Ministeckbrief, der jeweils auf zwei Seiten einige elementare Fakten liefert.<\/p>\n<p><b>H\u00e4seker, Wolfgang:<\/b> <em>Die Situation der Polizei in Osteuropa. Unterst\u00fctzung der Probleml\u00f6sungen durch den Westen, in: Polizeispiegel (Berliner Ausgabe) 29. Jg., 1994, Nr. 2, S. 46ff. u. Nr. 3, S. 65-69<\/em><br \/>\nErstaunlicherweise (oder gerade deshalb?) unterscheidet sich der Beitrag des PFA-Mitarbeiters in der eher rechtslastigen Hauspostille der DPolG wohltuend von vielen anderen Berichten dadurch, da\u00df er einige wunde Punkte der Polizeientwicklung in den MOE-Staaten benennt. Z.B. verweist er auf die &#8222;extrem hierarchischen Strukturen&#8220;, welche die Polizeiapparate nach wie vor kennzeichneten, oder auf die Schwierigkeiten, mit dem alten Personalbestand Ver\u00e4nderungen zu bewerkstelligen, auf die Verhaltensdispositionen des Personals etc. Wegen dieser Probleme h\u00e4lt H\u00e4seker Ausbildungshilfen f\u00fcr wichtiger als eine verbesserte Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<p><b>Fehervary, Janos\/Schulte, Rainer:<\/b> <em>Mitteleurop\u00e4ische Polizeiakademie. Ein Modell praktischer Zusammenarbeit bei der Aus- und Fortbildung polizeilicher F\u00fchrungskr\u00e4fte, in: Kriminalistik 49. Jg., 1995, H. 4, S. 283-288<\/em><br \/>\nEiner der wenigen Berichte \u00fcber die 1992 formell gegr\u00fcndete &#8218;Mitteleurop\u00e4ische Polizeiakademie&#8216; (MEPA). Informativ.<\/p>\n<p><b>Lammich, Siegfried:<\/b> <em>Operative Ermittlungsmethoden in Osteuropa. Der Einsatz von operativer Technik in der Gesetzgebung einiger osteurop\u00e4ischer L\u00e4nder, in: Kriminalistik 47. Jg., 1993, H. 8-9, S. 581-587<\/em><br \/>\n<b>Ders.:<\/b> <em>Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung in Litauen, in: Kriminalistik 48. Jg., 1994, H. 11, S. 699-704<\/em><br \/>\nLammich stellt im Kern die rechtlichen Regelungen verdeckter Polizeimethoden in sieben MOE-Staaten dar. In seinem Fazit wertet er den Umstand, da\u00df es \u00fcberhaupt gesetzliche Bestimmungen gibt, positiv; insgesamt \u00fcberwiegt jedoch die Kritik, derzufolge durchg\u00e4ngig wichtige Fragen den &#8222;nicht ver\u00f6ffentlichten Rechtsakten der Exekutivorgane und der Praxis \u00fcberlassen worden ist&#8220;.<br \/>\nWer etwas \u00fcber die Polizeientwicklung in einzelnen MOE-Staaten erfahren will, wird wiederum durchgehend entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p><b> Ru\u00dfland <\/b><\/p>\n<p><b>Williams, James L.\/Serrins, Adele S.:<\/b> <em>The Russian Militia: An Organization in Transition, in: Police Studies Vol. 16, 1993, No. 4, S. 124-128<\/em><br \/>\nDer knappe Aufsatz versammelt zumindest eine Auflistung der Probleme, vor denen die Miliz in Ru\u00dfland steht: zu wenig Personal, zu geringer Lohn, Korruption, Ausbildungs- und Ausr\u00fcstungsdefizite sowie eine ver\u00e4nderte Aufgabe (statt politischer Kontrolle nun &#8218;Law enforcement&#8216;) als &#8218;interne&#8216; und steigende Kriminalit\u00e4tsraten und ver\u00e4nderte Kriminalit\u00e4tsformen als &#8218;externe&#8216; Probleme. Die am Ende genannten Ziele und Strategien bleiben entsprechend allgemein. Erforderlich seien strukturelle \u00c4nderungen der Miliz, die deren politische Indienstnahme verhinderten; ausreichende finanzielle und politische Unterst\u00fctzung sowie verbesserte Kooperation mit westlichen Polizeien seien erforderlich; und schlie\u00dflich m\u00fcsse, um deren ideologische Indienstnahme zu verhindern, die Miliz auf unterer Ebene extern kontrolliert werden.<\/p>\n<p><b>Moskalkova, Tatjana:<\/b> <em>Die Polizei im Demokratisierungsproze\u00df der ehemaligen UdSSR, in: Bereitschaftspolizei &#8211; heute 21. Jg., 1992, Nr. 9, S. 47-51<\/em><br \/>\nDer Beitrag von Frau Oberstleutnant Moskalkova liefert aus Sicht des russischen Innenministeriums einen \u00dcberblick \u00fcber die auf die Polizei bezogene Rechtsentwicklung sowie auf Gesetzesvorhaben. Au\u00dfer h\u00f6flichen Bekenntnissen (&#8222;Ein umfassendes modernes Paket demokratischer Gesetzgebungsaktivit\u00e4ten ist geleistet worden und wird noch zu leisten sein.&#8220;) erf\u00e4hrt man nicht viel \u00fcber die russische Polizei.<\/p>\n<p><b>Kulikow, Anatoly S.:<\/b> <em>Einsatz geschlossener Polizeiverb\u00e4nde in Krisengebieten der russischen F\u00f6deration, in: Bereitschaftspolizei &#8211; heute 23. Jg., 1994, Nr. 6, S. 338-342<\/em><br \/>\nDer damalige stellvertretende Innenminister Ru\u00dflands sprach auf einem PFA-Seminar zum Thema &#8218;Strategie und Taktik von Polizei-Gro\u00dfeins\u00e4tzen&#8216; \u00fcber die &#8218;Inneren Truppen&#8216; seines Ministeriums. Wundert man sich zun\u00e4chst lediglich, da\u00df hier offensichtlich B\u00fcrgerkriege als polizeiliche Gro\u00dfeins\u00e4tze betrachtet werden, so ruft die Selbstdarstellung Kulikows Entr\u00fcstung hervor, wenn er von der &#8222;friedensstiftenden Mission der Inneren Truppen Ru\u00dflands&#8220; redet. Zu gerne l\u00e4se man die nachfolgende Diskussion in der PFA.<\/p>\n<p><b>Rudnik, G\u00fcnter:<\/b> <em>Besuch bei der Polizei Ru\u00dflands, in: Der Kriminalist 27. Jg., 1995, H. 11, S. 507-511<\/em><br \/>\nBei dem Aufsatz handelt es sich um einen mit Reiseimpressionen durchsetzten Bericht \u00fcber den Besuch einer BDK-Delegation in Kaliningrad. Man erf\u00e4hrt einige Details \u00fcber Ausbildung und Rekrutierung. Zentrale Probleme werden allenfalls durch Randbemerkungen abgehandelt.<\/p>\n<p><b> Polen <\/b><\/p>\n<p><b>Rudnik, G\u00fcnter:<\/b> <em>Eine Reise nach Warschau, in: Der Kriminalist 27. Jg., 1995, H. 7-8, S. 337-344<\/em><br \/>\nBericht \u00fcber den Besuch einer BDK-Delegation in Polen. Nur am Rande erf\u00e4hrt man einige interessante Fakten: Da\u00df das F\u00fchrungspersonal der Polizei gewechselt hat, da\u00df die Regierungen mehr an Wirtschafts- denn an Polizeireformen interessiert sind, da\u00df die \u00dcbernahme von APIS vorgesehen ist etc. Ansonsten gibt es keine Hinweise zum Thema &#8218;Polizei und Recht&#8216; oder &#8218;Polizei und politische Herrschaft&#8216;; statt dessen durchziehen die Hinweise auf die von den Gastgebern gern gereichten &#8222;kleinen Gl\u00e4schen&#8220; den Reisebericht.<\/p>\n<p><b>Crandon, Garth L.\/Sypythowska-Williams, Barbara:<\/b> <em>Policing in a post-socialist Society: The Case of Gdansk, Poland, in: Police Journal Vol. LXIX, 1996, No. 4, S. 347-353<\/em><br \/>\nAuch hier handelt es sich um einen Reisebericht: Um eine unkritische Aneinanderreihung einzelner Aspekte der Polizei in Danzig. So findet man Bemerkungen \u00fcber die Korruption wie das Bekenntnis eines Polizeif\u00fchrers: &#8222;No matter who is in power we still have to police&#8220; oder die Vermutung, da\u00df &#8222;old police cultures&#8220; durchaus noch existent sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><b>Gaberle, Andrzej:<\/b> <em>Civic Militia and Police in the Republic of Poland, in: D\u00f6lling\/Feltes (Hg.): Community Policing &#8211; Comparative Aspects of Community Oriented Police Work, Holzkirchen\/Obb. 1993, S. 191-197<\/em><br \/>\nDer Beitrag gilt der Darstellung der Stadtpolizeien am Beispiel Krakaus. Die Errichtung dieser Hilfspolizei auf kommunaler Ebene wurde durch das Polizeigesetz von 1990 erm\u00f6glicht. Daneben enth\u00e4lt der Aufsatz einige Hinweise auf die Ver\u00e4nderungen im Polizeibereich (Trennung des Inlandsgeheimdienstes; Entlassungen von Personal etc.).<\/p>\n<p><b>H\u00e4seker, Wolfgang:<\/b> <em>Die Polizei in Polen, in: Deutsches Polizeiblatt 12. Jg., 1994, Nr. 2, S. 17-18.<\/em><br \/>\nDer Text liefert eine Kurzcharakterisierung der polnischen Polizei (knapp erl\u00e4utertes Organisationsschema) ohne jede Problematisierung.<\/p>\n<p><b> Ungarn <\/b><\/p>\n<p><b>Finszter, G\u00e9za\/Korinek, L\u00e1szlo:<\/b> <em>Kriminalit\u00e4t und ihre Bek\u00e4mpfung in Ungarn, in: Der Kriminalist 27. Jg., 1995, H. 11, S. 498-505<\/em><br \/>\nIn ihrem lesenswerten Aufsatz beschreiben die Autoren die ungarische Polizeientwicklung seit 1989. Ihr desillusionierendes Fazit: Ein Abbau der Hierarchie und eine Dezentralisierung der Polizei war nie geplant; angesichts der neuen Unsicherheiten unterst\u00fctzt die Bev\u00f6lkerung eine starke Polizei und es gibt keine Sensibilit\u00e4t in der ungarischen \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber Polizei\u00fcbergriffen.<\/p>\n<p><b>Szikinger, Istv\u00e1n:<\/b> <em>Community Policing in Hungary &#8211; Perspectives and Realities, in: D\u00f6lling\/Feltes (Hg.): Community Policing &#8211; Comparative Aspects of Community Oriented Police Work, Holzkirchen\/Obb. 1993, S. 199-205<\/em><br \/>\n<b>Ders.:<\/b> <em>Anmerkungen zur Privatisierung der Sicherheit in Ungarn, in: Sack\/Vo\u00df\/Frehsee u.a. (Hg.): Privatisierung staatlicher Kontrolle: Befunde, Konzepte, Tendenzen (Interdisziplin\u00e4re Studien zu Recht und Staat, Bd. 3), Baden-Baden 1995, S. 194-198<\/em><br \/>\nWie Finszter\/Korinek, so kritisiert auch Szikinger die Entwicklung der Polizei in seinem Land. Privatisierung der Inneren Sicherheit habe in Ungarn nicht stattgefunden und sei auch nicht geplant. Vielmehr seien entstehende B\u00fcrgerwehren der Polizei einverleibt worden. Die gestiegene Kriminalit\u00e4t diene als Argument gegen eine Dezentralisierung der Polizei; und sp\u00e4testens seit dem Streik der Taxifahrer von 1990 sei auch der politische Wille verschwunden, dem Innenministerium die vollst\u00e4ndige Verf\u00fcgung \u00fcber die Polizei zu entziehen.<\/p>\n<p><b> Andere MOE-Staaten <\/b><\/p>\n<p><b>Marx, Stefan:<\/b> <em>Die Polizei in Litauen, in: Polizei &#8211; Verkehr &#8211; Technik 39. Jg., 1994, H. 1, S. 19-20<\/em><br \/>\n<b>Ders.:<\/b> <em>Die Polizei in Lettland, in: Polizei &#8211; Verkehr &#8211; Technik 39. Jg., 1994, H. 6, S. 179-180<\/em><br \/>\n<b>Scholz, Mario:<\/b> <em>Die Polizei in der Tschechischen Republik, in: Deutsches Polizeiblatt 12. Jg., 1994, Nr. 2, S. 18-20<\/em><br \/>\nBei den kurzen Beitr\u00e4gen handelt es sich um Minidarstellungen der jeweiligen Polizeien (Einheiten, Organisationsformen, Personal, Ausr\u00fcstung). Kennzeichen: rudiment\u00e4r und unkritisch.<\/p>\n<p><b> Zusammenarbeit BRD &#8211; MOE <\/b><\/p>\n<p><b>Langdon, A.J.:<\/b> <em>Justice and Home Affairs Cooperation with Associated Countries (October 1995), Kommission der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften (Doc. SEK (96) 86), Br\u00fcssel 1996<\/em><br \/>\nDer Langdon-Bericht fa\u00dft die Ergebnisse einer Reise in die Hauptst\u00e4dte von 10 der EU assoziierten L\u00e4nder zusammen. Das Schwergewicht gilt den Aufgaben, denen sich die Polizeien gegen\u00fcbersehen. Drei Bereiche nennt der Bericht: Illegale Einwanderung und Grenzkontrollen, Asylverfahren sowie die Bek\u00e4mpfung von Drogen- und organisierter Kriminalit\u00e4t. Langdon stellt durchgehend die Bereitschaft zur polizeilichen Zusammenarbeit mit dem Westen fest. Die praktische Kooperation m\u00fcsse so eng wie m\u00f6glich ausgestaltet werden. Der Austausch von Verbindungsoffizieren wird ausdr\u00fccklich empfohlen.<\/p>\n<p><b>Innenministerkonferenz (Hg.):<\/b> <em>Polizeiliche Zusammenarbeit mit Osteuropa, Potsdam 1993<\/em><br \/>\n<b>Die Polizei 84. Jg., 1993, H. 6:<\/b> <em>Schwerpunktheft: Polizeiliche Zusammenarbeit mit Osteuropa<\/em><br \/>\nAm 11.\/12.3.93 veranstaltete die Innenministerkonferenz einen Fachkongre\u00df in Frankurt\/Oder. 131 Polizisten und Innenpolitiker aus 5 Staaten er\u00f6rterten grenz\u00fcberschreitende Kriminalit\u00e4tsprobleme und bekr\u00e4ftigten die Notwendigkeit und Bereitschaft enger internationaler Zusammenarbeit. F\u00fcr praktische Fragen von Interesse ist die Darstellung des BGS-Inspekteurs Fredi Hitz \u00fcber die Zusammenarbeit an den deutschen Ostgrenzen. Aus dem 10-Punkte-Programm des BMI-Staatssekret\u00e4rs Lintner wie aus den Ausf\u00fchrungen des damaligen baden-w\u00fcrttembergischen Innenministers Birzele geht deutlich hervor: Deutschland ist auf die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsorganen der MOE-L\u00e4ndern angewiesen. Verbesserte Kooperation ist deshalb angesagt. Da\u00df man dabei kein Wort dar\u00fcber verliert, mit welchen Apparaten da kooperiert wird, versteht sich von selbst. Birzeles Formulierung: &#8222;Der Aufbau der demokratischen Polizeien in den Reformstaaten (werde) noch einige Zeit in Anspruch nehmen&#8220;, ist nur eine diplomatische Umschreibung des gegenw\u00e4rtigen Zustands der Polizei in den L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks.<\/p>\n<p><b>Deutscher Bundestag, Drs. 13\/4942<\/b><br \/>\nDiese auch ansonsten lesenswerte Antwort der Bundesregierung auf eine Gro\u00dfe Anfrage der SPD zur &#8222;Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t&#8220; enth\u00e4lt auch einige interessante Fakten zum Umfang der Zusammenarbeit mit den MOE-Staaten: \u00dcber die Regierungsabkommen (zur OK-Bek\u00e4mpfung), \u00fcber die Ausstattungshilfen und die Zahlungen im Zusammenhang mit den R\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen, \u00fcber die Zahl und Ausstattung der Verbindungsbeamten.<br \/>\n(s\u00e4mtlich: Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<p>Nicht in die Zusammenarbeit der Apparate, sondern in die ihrer wissenschaftlichen Beobachter bietet die folgende Ver\u00f6ffentlichung Einblicke:<br \/>\n<b>Robert, Philippe\/Sack, Fritz (Hg.):<\/b> <em>Normes et D\u00e9viances en Europe. Un debat Est-Ouest\/Norms and Deviances in Europe. An East-West-Debate, L&#8217;Harmattan, Paris 1994, 220 FF<\/em><br \/>\nDer Band fa\u00dft die Beitr\u00e4ge eines Kolloquiums der &#8218;Groupe europ\u00e9en des recherches sur les normativit\u00e9s&#8216; (Gern) zusammen, in dem Teilnehmer aus West- und Mitteleuropa sich mit der Krise normativer Systeme besch\u00e4ftigten. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, das Fritz Sack in seinem Schlu\u00dfwort keineswegs verheimlicht: Es gelang den Teilnehmern weder, sich dar\u00fcber zu verst\u00e4ndigen, worin die Krise besteht, noch kam es zu einer gemeinsamen Ost-West-Debatte. West- und osteurop\u00e4ische Forscher sprechen von unterschiedlichen Krisen: W\u00e4hrend sich die westeurop\u00e4ischen Teilnehmer dar\u00fcber streiten, ob die Nationalstaaten ihre hegemoniale Rolle, Normen zu setzen und durchzusetzen, einb\u00fc\u00dfen (Robert), oder die vermeintliche Krise allenfalls die Aufl\u00f6sung des &#8222;traditionellen autorit\u00e4ren Wohlfahrtsstaates&#8220; widerspiegelt, keinesfalls jedoch die Erosion staatlicher Herrschaft (Steinert), k\u00e4mpfen die Osteurop\u00e4er mit dem Problem, da\u00df die proto-kapitalistische Transformation dieser Gesellschaften zu einer &#8222;normative void at the state level&#8220; (Kurczewski, S. 60) gef\u00fchrt hat. Was aber nun die Krise in Osteuropa ausmacht, bleibt ebenfalls strittig: Erw\u00e4chst die &#8222;normative Leere&#8220; daraus, da\u00df die tradierten Normen zerbrechen und es eines neuen Sozialvertrags bedarf (Mitev, S. 91)? Oder entpuppt sich die vermeintliche Leere bei genauerem Hinsehen vielleicht als ein ganz rationales Normsystem f\u00fcr einen Privatisierungsproze\u00df, in dem Gewalt und Korruption nur eine typische Begleiterscheinung darstellen?<br \/>\nKrise (und ggf. welche?) oder notwendige Begleiterscheinung sozialen Wandels &#8211; im Osten wie im Westen? Die Antworten, die in vier Panels &#8222;Kriminalit\u00e4t und soziale Unruhe&#8220;, &#8222;Drogen und Drogenpolitik&#8220;, &#8222;Polizei und neue Formen der Pr\u00e4vention&#8220; gegeben werden, fallen sehr unterschiedlich aus, je nach politischem Standpunkt. Durchg\u00e4ngig ist jedoch eine Ost-West-Differenz zu bemerken. Angesichts der Unterschiedlichkeit der Positionen bleibt zun\u00e4chst nur die Einsicht, da\u00df &#8222;das Krisengerede &#8211; oder vornehmer ausgedr\u00fcckt -, der Krisendiskurs &#8230; ungen\u00fcgend ist&#8220; (Sack, S. 383). Da\u00df die Teilnehmer dem Leitmotiv der Veranstalter nicht gefolgt sind, sollte jedoch nicht als Scheitern interpretiert werden. Es sind vielmehr gerade die Divergenzen und Widerspr\u00fcche zwischen den Beitr\u00e4gen, die diesen Band interessant machen. Zum einen als Spiegelbild einer Ost-West-Debatte, zum anderen aber als anregender Versuch einer Diskussion zwischen Vertretern einer Kriminologie, die von einer &#8211; wie auch immer reformulierten &#8211; positiven Moralordnung D\u00fcrheimscher Pr\u00e4gung ausgehen und den eben diese Annahme hinterfragenden Kritikern. Erm\u00f6glicht wird die Lekt\u00fcre dieser Debatte f\u00fcr die Mehrzahl der deutschen Leser dadurch, da\u00df 80 Prozent der Beitr\u00e4ge in englischer Sprache verfa\u00dft sind.<br \/>\n(Albrecht Funk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor sieben Jahren fiel der &#8218;Eiserne Vorhang&#8216;. 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