{"id":3410,"date":"1995-08-24T12:39:11","date_gmt":"1995-08-24T12:39:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3410"},"modified":"1995-08-24T12:39:11","modified_gmt":"1995-08-24T12:39:11","slug":"polizei-auf-dem-lande-erfahrungen-aus-15-dienstjahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3410","title":{"rendered":"Polizei auf dem Lande &#8211; Erfahrungen aus 15 Dienstjahren"},"content":{"rendered":"<h3>von Johann Wein<\/h3>\n<p><strong>Die Grenzen der Dienstbereiche bayerischer Polizeiinspektionen sind im Regelfall den Grenzen der politischen Landkreise angelehnt. Teilweise sind gr\u00f6\u00dfere Landkreise aber auch auf zwei Inspektionen aufgeteilt, da die polizeiliche Pr\u00e4senz durch zu gro\u00dfe Entfernungen sonst nicht gew\u00e4hrleistet w\u00e4re. Je nach Gr\u00f6\u00dfe ihres Dienstbereiches haben die Polizeiinspektionen in der Regel eine (Soll-)St\u00e4rke von 30 bis 80 BeamtInnen. Die n\u00e4chsth\u00f6here Ebene nach den Inspektionen bilden die Polizeidirektionen (PD). Sie sind f\u00fcr mehrere Landkreise zust\u00e4ndig. Die PDs wiederum sind dann den Polizeipr\u00e4sidien (Bezirken) eingegliedert. Auffallend sind die relativ gro\u00dfen Entfernungen. So ist die jeweilige Polizeidirektion auf dem Lande oft mehr als 60 Kilometer von der Inspektion entfernt. Dieses vorneweg, um die organisatorischen Besonderheiten aufzuzeigen.<\/strong><\/p>\n<p>Speziell in Bayern kommen viele Nachwuchsbeamte aus den l\u00e4ndlichen Bereichen. Einer von vielen Gr\u00fcnden hierf\u00fcr liegt sicher in den beruflichen M\u00f6glichkeiten, die sich auf dem Lande f\u00fcr Absolventen mit mittlerem Bil-dungsabschlu\u00df ergeben. In fr\u00fcheren Jahren wurde noch gezielt an den Schulen geworben, heute mu\u00df eine BewerberIn schon selbst aktiv werden und den Einstellungsberater bei der Polizeidirektion aufsuchen. Das zeigt deutlich, wie sich die jeweils aktuelle Arbeitsmarktsituation auch auf die Zahl und die Qualifikation der k\u00fcnftigen Polizeibeamten und -beamtinnen auswirkt.<!--more--><\/p>\n<p>Junge BeamtInnen werden nach der Ausbildung \u00fcberwiegend in den Gro\u00dfst\u00e4dten eingesetzt. So kommen dann die jungen PolizistInnen mit ihren Le-benserfahrungen aus dem l\u00e4ndlichen Bereich in ein f\u00fcr sie oftmals grell-bun-tes Gro\u00dfstadtleben. Viele Beamte lassen w\u00e4hrend der Zeit in der Gro\u00dfstadt ihre Beziehungen in die l\u00e4ndliche Heimat jedoch nicht abrei\u00dfen. So steht der Versetzungswunsch \u00fcber Jahre hinweg an vorderster Stelle, obwohl der Dienst in der Gro\u00dfstadt meist als spannend und erlebnisreich empfunden wird. Gelingt es dann &#8211; meist erst nach mehreren Jahren &#8211; in einen &#8218;heimatnahen&#8216; Bereich oder gar an die Wohnortdienststelle versetzt zu werden, \u00e4ndert sich die berufliche T\u00e4tigkeit und damit auch das Berufsbild vielfach radikal.<\/p>\n<h4>Spannungen I<\/h4>\n<p>In der Vergangenheit ergab sich auf den l\u00e4ndlichen Dienststellen oftmals ein sp\u00fcrbarer Mi\u00dfklang zwischen den neu in diese Reviere versetzten Beamten und den dort &#8217;schon immer&#8216; diensttuenden. Letztere waren h\u00e4ufig als sog. &#8218;Altbewerber&#8216; nach einer vorherigen anderweitigen Berufsausbildung erst sp\u00e4t in den Polizeidienst gewechselt. Sie verf\u00fcgten zwar \u00fcber Lebenserfahrung, jedoch \u00fcber eher wenig Dienst- und zumeist gar keine Gro\u00dfstadterfahrung. Den &#8218;Neulingen&#8216;, im Vergleich zum Stammpersonal meist relativ jungen Beamten, deren Berufserfahrung in vielem sicherlich h\u00f6her war, nahm man dies jedoch nicht ab. Auch wurden mangelnde Lebenserfahrung und &#8218;forsches Auftreten&#8216; unterstellt.<\/p>\n<p>Dieses traditionelle Konfliktfeld hat sich aufgrund der Alterstruktur inzwi-schen jedoch ver\u00e4ndert. Heute war die Mehrzahl der Beamten bereits in Bal-lungsgebieten eingesetzt, und entsprechend zur\u00fcckgedr\u00e4ngt ist die Zahl der Altbewerber. Oftmals wird jedoch immer noch &#8217;nicht verziehen&#8216;, da\u00df diese mit stark verk\u00fcrzter Ausbildung, wenig Drill bei der Bereitschaftspolizei und ohne den Umweg \u00fcber die Gro\u00dfst\u00e4dte direkt an die Heimatdienststellen kamen, und diesen Beamten auch die Dienstzeit bei der Bundeswehr oder anderen staatlichen Beh\u00f6rden angerechnet wurden. Dies st\u00f6\u00dft bei vielen Kollegen, die durch den jahrelangen Aufenthalt in der Gro\u00dfstadt mit hohen Fahrtkosten oder Mieten belastet waren, auf Unverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist durch die Versetzung vieler j\u00fcngerer Beamter aus Gro\u00dfst\u00e4dten in l\u00e4ndliche Bereiche und dem Ausscheiden vieler &#8218;altgedienter Landgendarmen&#8216;, wie diese lange Zeit auch in der Bev\u00f6lkerung genannt wurden, eine \u00c4nderung im Arbeitsstil eingetreten.<\/p>\n<h4>Polizeiliche T\u00e4tigkeit auf dem Land<\/h4>\n<p>Der t\u00e4gliche Dienst unterscheidet sich in vielem von der T\u00e4tigkeit auf einem (gro\u00df-)st\u00e4dtischen Revier. Statt &#8218;Erstzugriff&#8216; und \u00dcbergabe auch kleinerer Delikte an Fachdienststellen steht bei den Landdienststellen die &#8218;eigene Sachbehandlung&#8216; oder Endsachbearbeitung im Vordergrund. Jeder Beamte mu\u00df, nachdem er eine Bearbeitung \u00fcbernommen hat, in der Regel den Vorgang so lange bearbeiten, bis er an die Staatsanwaltschaft abgegeben wird. Dies f\u00fchrt zu einer st\u00e4rkeren Identifikation und sicherlich auch zu genauerer und gewis-senhafterer Bearbeitung, da sich Vers\u00e4umnisse bei den Ermittlungen unmit-telbar und sp\u00fcrbar auf das eigene Arbeitsergebnis auswirken. Auf der anderen Seite f\u00fchrt das Mehr an Verantwortung auch zu mehr Best\u00e4tigung, wenn etwa durch eigene Ermittlungen eine Unfallflucht gekl\u00e4rt oder ein Straft\u00e4ter \u00fcberf\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p>Der polizeilichen T\u00e4tigkeit wird aber auch im pers\u00f6nlichen Umfeld Aufmerk-samkeit zuteil, wenn sich z.B. in einer Kleinstadt oder einem Dorf ein schwerer Verkehrsunfall ereignet hat und man selbst die Sachbearbeitung \u00fcbernommen hat. Neben Ver\u00f6ffentlichungen in der \u00f6rtlichen Presse, tragen dann auch viele Gespr\u00e4che, oft buchst\u00e4blich beim B\u00e4cker oder am Stammtisch, dazu bei, die eigene Arbeit als sinnvoll und &#8218;wichtig&#8216; erscheinen zu lassen. Problematisch wird es jedoch dann, wenn bei einem Vorfall Freunde, Nachbarn oder Bekannte betroffen sind. Formal wird dies dadurch &#8218;gel\u00f6st&#8216;, da\u00df ein Kollege die Sachbearbeitung \u00fcbernimmt. Ein Rest an Problemdruck (Bem\u00fchen um Unabh\u00e4ngigkeit) bleibt dennoch immer bestehen. Dies gilt auch f\u00fcr den Umgang mit lokalen Honoratioren, einflu\u00dfreichen Gesch\u00e4ftsleuten, Abgeordneten, B\u00fcrgermeistern usw., die allein durch ihre Bekanntheit die Unabh\u00e4ngigkeit der Beamten strapazieren k\u00f6nnen. Dann mu\u00df auch bei eigentlichen Standardma\u00dfnahmen wie z.B. Blutentnahmen nach Trunkenheitsfahrten unter Umst\u00e4nden Zivilcourage gezeigt werden.<br \/>\nEinen starken Gegensatz hierzu bilden die sog. &#8218;einfachen B\u00fcrger&#8216;, die von den durch ihre fr\u00fcheren Erfahrungen mit gro\u00dfst\u00e4dtischem, kritischem Publikum vorsichtig gewordenen Beamten in der Regel als &#8218;brav&#8216; und &#8218;gesetzestreu&#8216; empfunden werden.<\/p>\n<p>Schwerpunkte polizeilicher Arbeit auf dem Land sind Verkehrsunf\u00e4lle, mit oft tragischem Ausgang. Daneben sind es vor allem Bagatelldelikte wie Diebst\u00e4hle, Sachbesch\u00e4digungen und &#8218;Delikte rund um das Kraftfahrzeug&#8216;. Verst\u00f6\u00dfe wie Fahren ohne Fahrerlaubnis und sonstige Verkehrsdelikte runden das gew\u00f6hnliche T\u00e4tigkeitsfeld ab.<\/p>\n<p>Mit wenig personellen und logistischen Reserven mu\u00df die gesamte Palette polizeilichen Handelns abgedeckt werden. Anders als in Gro\u00dfstadtbereichen hat der Beamte vielfach ein &#8211; dann allerdings auch entsprechend flaches &#8211; All-roundwissen. So k\u00f6nnen teilweise spektakul\u00e4re Vorkommnisse und Lagen, die entsprechend selten und daher stets unvorbereitet auftreten, bei der geringen Einsatzst\u00e4rke der Wachbesatzungen oft nur schwer handhabbar sein. Anders als in Gro\u00dfst\u00e4dten, wo die Einsatzzentrale binnen weniger Minuten eine Vielzahl von Fahrzeugen und BeamtInnen an den Einsatzort dirigieren kann, bleiben Landpolizisten l\u00e4ngere Zeit auf sich allein gestellt, wenn eigentlich dringend Hilfe und Unterst\u00fctzung notwendig w\u00e4ren. Dies gilt z.B. auch bei gr\u00f6\u00dferen Auseinandersetzungen und Raufereien. Entsprechend vorsichtiges, behutsames und deeskalierendes Einschreiten ist f\u00fcr die Beamten deshalb schon im Interesse der eigenen Sicherheit notwendig, da es oft mehr als 20 bis 30 Minuten dauern kann, ehe ein zweites Fahrzeug, manchmal von einem Nachbarrevier, eintrifft. V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich f\u00fcr viele auf dem Land einge-setzte Beamte ist auch die gerade im Fernmeldebereich immer noch mangelhafte Ausstattung, die ein echtes Sicherheitsproblem darstellt. W\u00e4hrend in den St\u00e4dten fast jeder Quadratmeter durch Funkverbindungen abgedeckt ist, kann auf dem Land durch topografische Besonderheiten und mangelhafte Technik die Einsatzzentrale oder die Inspektion vielfach nicht erreicht werden. Im Zeitalter von Mobilfunk und Handy ruft dieser Zustand stets Ver\u00e4rgerung im Kollegenkreis hervor.<\/p>\n<p>&#8218;Entsch\u00e4digt&#8216; werden die Beamten bei ihrer Arbeit jedoch durch eine noch als intakt empfundene Umwelt in einer auch sonst attraktiven Landschaft, was auch bewu\u00dft so wahrgenommen wird. Bei den Fahrten \u00fcber Land mit h\u00e4ufig sehr langen Anfahrtszeiten zum Einsatzort, ergeben sich immer wieder Gespr\u00e4che &#8218;\u00fcber Gott und die Welt&#8216;. Auch dies wird als Entlastung f\u00fcr die Widrigkeiten des Dienstes und vieler, gerade interner Reibungen empfunden. &#8218;Achtzig Prozent der Probleme bei der Polizei sind interner Art&#8216;, lautet das entsprechende Schlagwort. Dazu geh\u00f6ren in erster Linie Probleme mit Vorgesetzten, kleinliche und b\u00fcrokratische Auslegung von Vorschriften, \u00dcberregulierung in allen Bereichen und eine zum &#8218;Wasserkopf&#8216; mutierte Verwaltung, die &#8218;in Friedenszeiten den Feind ersetzt&#8216;, so ein beliebter Ausspruch. Solche Probleme interner Art treten auf dem Lande deutlicher zutage, da vom &#8218;polizeilichen Gegen\u00fcber&#8216; weniger Arbeit, Kritik und Beschwerden zu erwarten sind. So befa\u00dft sich der Apparat hier \u00f6fter und mehr mit sich selbst.<\/p>\n<h4>Spannungen II<\/h4>\n<p>Durch das geltende Beurteilungs- und &#8218;Leistungssystem&#8216; werden Anpasser und &#8218;Radfahrer&#8216; bevorzugt und auf der Karriereleiter nach oben gehievt. Dies wird auf Landdienststellen ebenfalls st\u00e4rker sp\u00fcrbar, da hier nicht, wie in gro\u00dfst\u00e4dtischen Revieren \u00fcberwiegend, j\u00fcngere und somit eher ranggleiche KollegInnen miteinander Dienst verrichten. F\u00fcr alle in der Polizei Besch\u00e4f-tigten gilt jedoch, da\u00df Sekund\u00e4rtugenden wie Flei\u00df, Disziplin und Ordnung, \u00fcber alles gestellt werden &#8211; Prim\u00e4rtugenden wie Zivilcourage, &#8218;aufrechter Gang&#8216; u. \u00e4. sind dagegen auf dem Weg nach oben eher hinderlich. Dies f\u00fchrt &#8211; durch die immer noch stark ausgepr\u00e4gte Hierarchie in der Polizei &#8211; zu starken Frustrationen unten und einer Zunahme zwar formell, aber menschlich nicht ausreichend qualifizierter Vorgesetzter. Machtstreben und Machtzeigen geh\u00f6ren zu beliebten Ritualen. Nicht umsonst wird aus den ber\u00fchmten &#8218;Gelben Socken zur Uniform&#8216; ein &#8217;schwerer&#8216; Versto\u00df gegen die Bekleidungsordnung, dem oft mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als den Sorgen und N\u00f6ten der BeamtInnen.<\/p>\n<p>Gerade im Bereich des mittleren Dienstes, der auf den Basisdienststellen im-mer noch (gerade im Schichtdienst) den Gro\u00dfteil der Arbeit leistet, wird auch die ungen\u00fcgende Bef\u00f6rderungssituation kritisiert. So haben bei den Landin-spektionen zahlreiche Beamte trotz zwanzigj\u00e4hrigem Schichtdienst (in Gro\u00df-st\u00e4dten kaum vorstellbar) immer noch Obermeister, wenig Perspektive auf eine Bef\u00f6rderung zum Hauptmeister. Da aber durch die zwischenzeitlichen \u00c4nderungen in der Laufbahnstruktur jetzt viele neue Beamte und Beamtinnen auf die Inspektionen kommen, die bereits h\u00f6her eingestuft sind, empfinden die Beamten dies als unverst\u00e4ndlich und ungerecht. So lautet der Rat, den viele junge und ehrgeizige Beamte beherzigen: &#8218;Hier auf dem Land kannst du nichts werden!&#8216;<br \/>\nNeben wenig Karriereaussichten bei den Inspektionen stellt auch die geringe Zahl von Tagesdienstposten &#8211; im Gegensatz zu Stadtbereichen &#8211; ein Problem dar. Nach 20 oder mehr Jahren Schichtdienst wird dies f\u00fcr viele Beamte zu einer existentiellen Frage. So bleibt f\u00fcr viele auch gesundheitlich etwas angeschlagene Beamte keine andere Wahl, als weiterhin Schichtdienst zu leisten oder den Dienstort zu wechseln. Vielleicht erkl\u00e4rt auch dies den teilweise dramatisch hohen Anteil der vorzeitigen Pensionierungen. Der Druck auf die wenigen Posten im Tagesdienst sch\u00fcrt Neid und Mi\u00dfgunst. F\u00fcr die Inspektionsleiter ist es schwierig, diese Stellen richtig zu besetzen und allen gerecht zu werden.<\/p>\n<h4>Das polizeiliche Gegen\u00fcber<\/h4>\n<p>Nicht nur nach innen ergibt sich f\u00fcr Polizisten auf dem Land ein etwas ande-rer Blick. Auch das sog. polizeiliche &#8218;Gegen\u00fcber&#8216; zeigt sich anders. Nicht Anonymit\u00e4t, sondern Bekanntheit steht im Vordergrund. Dies gilt f\u00fcr beide Seiten. Alkoholprobleme etwa, Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg lassen sich auf dem Land kaum verbergen. Dieses Nebeneinander von Kennen und Gekanntwerden kann Konflikte zwischen Beamten und B\u00fcrgerInnen zwar vielfach entsch\u00e4rfen, insbesondere wenn auch die Vorgeschichte oder ein Schicksal im famili\u00e4ren Bereich bereits aus fr\u00fcheren Eins\u00e4tzen bekannt ist. Allerdings f\u00fchrt dieses Kennen auch zu Schablonendenken. So hat man hier die M\u00f6glichkeit, sich seine Vorurteile t\u00e4glich neu best\u00e4tigen zu lassen, wie man es sarkastisch formulieren k\u00f6nnte. Das gilt insbesondere f\u00fcr den Umgang mit Ausl\u00e4nderInnen und Randgruppen. Gerade diese finden in den kleinst\u00e4dtischen und d\u00f6rflichen Strukturen bei zumeist stramm konservativem Hintergrund wenig Akzeptanz. Die Probleme und Ursachen, z.B. Gr\u00fcnde f\u00fcr Flucht oder Migration, werden unbewu\u00dft oder bewu\u00dft nicht wahrgenommen. Leider sind auch fremden- und ausl\u00e4nderfeindliche Tendenzen in der Polizei stark vertreten. Durch pseudowissenschaftliche Statistiken \u00fcber &#8218;Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t&#8216;, die auch Gegenstand interner Dienstbesprechungen sind, werden solche Tendenzen eher verst\u00e4rkt. Eine Erkl\u00e4rung von Kriminalit\u00e4t als Problem mit sozialen Ursachen unterbleibt. Gerade im l\u00e4ndlichen Bereich wird diese Haltung durch das konservative Weltbild zementiert.<\/p>\n<p>Nicht verschwiegen werden soll in diesem Zusammenhang deshalb auch, da\u00df es schon problematisch ist, sich im l\u00e4ndlichen Bereich als Polizist politisch zu engagieren (wenn es nicht gerade bei der CSU geschieht). So ist etwa die Bet\u00e4tigung in einer B\u00fcrgerinitiative, bei den GR\u00dcNEN oder gar bei den &#8218;Kritischen Polizisten&#8216; (hier durchaus auch als Steigerung zu verstehen) rasch bekannt und wird durch Vorgesetzte und durch die F\u00fchrungsdienststellen argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt. Hier geht dann die Fehlertoleranz des &#8218;Dienstherrn&#8216;, die zugebilligt wird, schnell gegen Null.<\/p>\n<p>Trotz allem l\u00e4\u00dft sich dennoch sagen, da\u00df der Polizeialltag auf dem Lande &#8211; bei etwas Zivilcourage &#8211; immer noch eher die M\u00f6glichkeit bietet, Dienst f\u00fcr den B\u00fcrger, nicht f\u00fcr den Staat zu leisten.<\/p>\n<h5>Johann Wein ist Polizeihauptmeister und seit ca. 15 Jahren Beamter auf einer l\u00e4ndlichen Polizeiinspektion in Bayern; Mitglied der &#8218;Bundesarbeits-gemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten&#8216; e. V.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johann Wein Die Grenzen der Dienstbereiche bayerischer Polizeiinspektionen sind im Regelfall den Grenzen der<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,57],"tags":[],"class_list":["post-3410","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-051"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3410","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3410"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3410\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}