{"id":3447,"date":"1995-02-24T14:34:31","date_gmt":"1995-02-24T14:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3447"},"modified":"1995-02-24T14:34:31","modified_gmt":"1995-02-24T14:34:31","slug":"literatur-rezensionen-und-hinweise-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3447","title":{"rendered":"Literatur &#8211; Rezensionen und Hinweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Literatur zum Schwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Wer eine Vorstellung \u00fcber die kleine B\u00fcrgerrechtsbewegung der BRD erhalten will, dem sei zu allererst ein Blick durch die 34 Jahrg\u00e4nge der nunmehr bei Leske &amp; Budrich erscheinenden Vorg\u00e4nge. Zeitschrift f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gesellschaftskritik empfohlen. Die Hefte, die anfangs vom Mitbegr\u00fcnder der &#8218;Humanistischen Union&#8216; (HU) Szesny verlegt wurden, aber nie den Charakter eines HU-Vereinsblattes hatten, werden seit einigen Jahren von einem Beirat aus Mitgliedern der HU, des &#8218;Komitees f\u00fcr Grundrechte&#8216; und der &#8218;Heinemann-Initiative&#8216; unterst\u00fctzt. In einem Anhang sind dort auch h\u00e4ufig Stellungnahmen der genannten Organisationen abgedruckt. Das &#8218;Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie&#8216; bringt seit einigen Jahren ferner ein Jahrbuch heraus, das nicht nur seine eigene Arbeit dokumentiert, sondern auch schlaglichtartig f\u00fcr jeden Monat ein b\u00fcrgerrechtsrelevantes Thema aufgreift. Mehr im Stile eines Informationsblattes f\u00fcr Mitglieder sind dagegen die HU-Mitteilungen gehalten.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber die Geschichte der B\u00fcrgerrechtsbewegung wird man nach gr\u00f6\u00dferen Ver\u00f6ffentlichungen leider umsonst suchen. Ans\u00e4tze hierzu finden sich in<br \/>\nRoos, Alfred: Nicht-parlamentarische Politik und Opposition. Die B\u00fcrger-rechtspolitik der Humanistischen Union, in: Vorg\u00e4nge 123, 1993, H. 3, S. 75-89, sowie<br \/>\nders.\/ Willems, Ulrich: Moralische Rationalisten oder rationale Moralisten, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 1994, H. 1, S. 70-83.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang von B\u00fcrgerrechtspolitik und sozialen Bewegungen ist nicht nur an den politischen Inhalten erkennbar, sondern auch in der Kontinuit\u00e4t von Personen. Dies wird u.a. deutlich in<br \/>\n40 Jahre Soziale Bewegungen. Von der verordneten zur erstrittenen Demokratie, Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Sonderheft, November 1989,<br \/>\nMit Klaus Vack und J\u00fcrgen Seifert kommen zwei langj\u00e4hrige B\u00fcrgerrechts-aktivisten zu Wort.<br \/>\nIn einer Festschrift f\u00fcr den mittlerweile verstorbenen Werner Holtfort, der u.a. einer der Gr\u00fcnder des &#8218;Republikanischen Anw\u00e4ltinnen- und Anw\u00e4lteverein&#8216; war, \u00e4u\u00dfert sich<br \/>\nJ\u00fcrgen Seifert: Zu unterschiedlichen Ans\u00e4tzen f\u00fcr B\u00fcrgerrechtspolitik, in: Fabritius-Brand, Margarete: Rechtspolitik &#8222;mit aufrechtem Gang&#8220;, Baden-Baden (Nomos) 1990, S. 201-207.<br \/>\nZwar bleiben seine Kritik an der Staatsbezogenheit von Rechtspolitik und sein Versuch, einen materialistischen Ansatz in der B\u00fcrgerrechtspolitik zu benennen, recht kurz. Lesenswert ist er allemal.<\/p>\n<p><strong>Sonstige Neuerscheinungen<\/strong><\/p>\n<p>Backes, Uwe\/ Jesse, Eckard (Hg.): Jahrbuch Extremismus &amp; Demokratie, 5. Jg., Bonn (Bouvier) 1993, 450 S., DM 68,-<br \/>\nZun\u00e4chst etwas Positives: Dieses Jahrbuch enth\u00e4lt neben einigen interessanten Literaturnotizen auch eine ausgesprochen gut zu lesende Rezension des Verfassungsschutzberichts f\u00fcr 1991 von Eike Hennig, der die schiefen Wer-tungen des Geheimdienstes, sein Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber unkonventionellen politischen Ausdrucksformen (z.B. der Autonomen), die legitimatorische Funktion des Berichts und seinen Charakter als eines kontextlosen Datenpan-optikums aufzeigt, bei dem der Hintergrund der Wertungen nicht aufgedeckt wird. Am Beispiel des Rechtsextremismus macht Hennig deutlich, da\u00df f\u00fcr dessen Verst\u00e4ndnis nicht die &#8218;geistig-politische Auseinandersetzung&#8216; mit den diversen Organisationen und Gruppen aus der \u00e4u\u00dfersten rechten Ecke erfor-derlich w\u00e4re, sondern die Befassung &#8222;mit den herrschenden Tendenzen z.B. der &#8218;Asylbewerberproblematik'&#8220; voraussetzt.<br \/>\nDamit konterkariert er genau jene staatssch\u00fctzerische Sichtweise, die nicht nur dem Verfassungsschutzbericht, sondern auch dem vorliegenden Jahrbuch (auch schon in den vorhergehenden B\u00e4nden) zugrundeliegt. Backes\/ Jesse pr\u00e4sentieren eine sich wissenschaftlich gerierende Version des Verfassungs-schutzberichts. Nicht ganz so d\u00e4mlich wie das Original aus dem K\u00f6lner Stammhaus, sondern gerade so, da\u00df es auch f\u00fcr AkademikerInnen m\u00f6glich ist, sich die Brille der Schlapph\u00fcte aufzusetzen und einen Aufsatz des BfV-Vize Peter Frisch (S. 51-68) zu lesen. Der bel\u00e4\u00dft es nicht beim Rechts- und Linksextremismus, sondern rechnet nun auch die &#8218;Organisierte Kriminalit\u00e4t&#8216; und die diversen Sekten zu den &#8222;andersartigen Erscheinungsformen des poli-tischen (!) Extremismus&#8220; und begr\u00fcndet damit die Ambitionen seines Amtes auf eine Ausweitung von Zust\u00e4ndigkeiten. Die N\u00e4he der Herausgeber zum Verfassungsschutz zeigen nicht nur die Artikel und Rezensionen von Frisch und Horchem, sondern auch die eigenen: Etwa der Vergleich der Neuen Rechten mit der Neuen Linken (S. 7-28) oder die Dossiers \u00fcber Wahlen und Organisationen, die sie zu gro\u00dfen Teilen den Verfassungschutzberichten entnommen haben. Wenn Jesse in einer Rezension die &#8222;Neigung&#8220;, den Rassismus &#8222;an ungewohnten Orten aufzusp\u00fcren (z.B. den demokratischen Parteien in den Parlamenten)&#8220; als &#8222;d\u00e9formation professionelle&#8220; moniert (S. 332), so f\u00e4llt er just unter die Kritik Eike Hennigs am Verfassungsschutzbericht. Das Jahrbuch dokumentiert mehr als alles andere, da\u00df es f\u00fcr die politikwissenschaftliche Zunft kein Problem darstellt, sich zum wissenschaftlichen V-Mann zu machen. Da darf eine Rezension von Jesse \u00fcber ein Buch zum Schm\u00fccker-Verfahren durchaus eine leicht kritische Wertung der Rolle des Dienstes enthalten, aber bitte: auch der Verfassungsschutz ist &#8222;vor Pannen und Fehlleistungen nicht gefeit&#8220; (S. 327).<\/p>\n<p>Kriminologische Zentralstelle (Hg.)\/ Sohn, Werner (Bearb.): Referatedienst Kriminologie, Ausgabe 1994, Folge 4, Wiesbaden 1994, 336 S., DM 28,-<br \/>\nAus der Literaturdatenbank von Juris wurden hier zum vierten Mal \u00fcber 500 Aufs\u00e4tze aus deutschsprachigen kriminologischen, juristischen und Polizei-fachzeitschriften mit Fundstellen und kurzer Inhaltsangabe nachgewiesen. Der Band, der ein Autoren- und ein Sachregister enth\u00e4lt, ist ein n\u00fctzliches Hilfsmittel f\u00fcr die schnelle Literatursuche. Erh\u00e4ltlich im Buchhandel und bei der Kriminologischen Zentralstelle, Adolfsallee 32, 65185 Wiesbaden.<\/p>\n<p>Kube, Edwin\/ St\u00f6rzer, Hans Udo\/ Timm, Klaus J\u00fcrgen (Hg.): Kriminalistik. Handbuch f\u00fcr Praxis und Wissenschaft, 2 Bde., Stuttgart (Boorberg) 1992\/ 1994, 908 und 827 S., zusammen DM 238,-<br \/>\n&#8222;Die Methoden der Straft\u00e4ter werden immer subtiler. (&#8230;) Umso mehr ist es Aufgabe der Polizei, Pr\u00e4vention und Aufkl\u00e4rung von Straftaten in gleicher-ma\u00dfen raffinierter Weise zu betreiben.&#8220; Die alte M\u00e4r von der Polizei auf dem Tretroller, die dem Verbrecher im Ferrari nachjagt. Damit preist der Verlag im Waschzettel sein zweib\u00e4ndiges Handbuch an und benennt damit genau die Endlosspirale, die seit \u00fcber einem Jahrhundert den Ausbau (kriminal-) poli-zeilicher Methoden und Instrumente und die Entwicklung der Kriminalistik antreibt. Kritisches zur polizeilichen Entwicklung wird man hier umsonst su-chen. Die Bandbreite der Autoren des Handbuchs entspricht jener der gleich-namigen Zeitschrift. Auch der Inhalt kumuliert gewisserma\u00dfen den Stand der Debatte, wie er sich in den vergangenen Jahrg\u00e4ngen des Leitorgans der deut-schen Kripo findet. Dies erspart auf jeden Fall viel Zeit. Neben unfreiwilli-ger Komik (etwa in St\u00fcmpers Beitrag zur &#8222;Verbrechensvorbeugung&#8220;, Bd. 1, S. 365 ff.) finden sich durchaus viele n\u00fctzliche Informationen (etwa in den Beitr\u00e4gen zu kriminaltechnischen Methoden oder in Timms Aufsatz zur poli-zeilichen EDV, Bd. 1, S. 311 ff.). Die langen Literaturlisten erh\u00f6hen den Gebrauchswert. Unverst\u00e4ndlich bleibt aber, nach welcher Gliederungsmethode Herausgeber und Verlag die durchnummerierten Beitr\u00e4ge geordnet haben.<\/p>\n<p>Meyzonnier, Patrice: Les forces de police dans l&#8217;union europ\u00e9enne, Paris (L&#8217;Harmattan) 1994, 366 S., FF 180,-<br \/>\nDer im Rahmen des &#8218;Institut des Hautes \u00c9tudes de la S\u00e9curit\u00e9 Interieur&#8216; (IHESI) entstandene Band gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Polizeien der 1994 noch 12 Mitgliedstaaten der EU. Die einzelnen L\u00e4nderstudien enthalten jeweils allgemeine Daten, einige Angaben zur Geschichte, eine Beschreibung der Organisationsstruktur (einschl. Organigrammen) sowie Informationen \u00fcber Befugnisse, Personal, Zulassung von Gewerkschaften etc. Im Unterschied zu dem von Semerak und Kratz verfa\u00dften Machwerk (Die Polizeien in Europa, Stuttgart 1989) ist der vorliegende Band ein n\u00fctzliches Nachschlagewerk, auch wenn ein analytisches Kriterium f\u00fcr einen Vergleich fehlt.<\/p>\n<p>Ambos, Kai: Drogenkrieg in den Anden. Rahmenbedingungen und Wirksamkeit der Drogenpolitik in den Anbaul\u00e4ndern mit Alternativen, M\u00fcnchen (AG SPAK) 1994, 215 S., DM 32,-<br \/>\nDiese Untersuchung, die in ausf\u00fchrlicherer Form 1993 beim Max-Planck-Institut in Freiburg erschien, geh\u00f6rt zu den wenigen, die angesichts der latein-amerikanischen Drogenunternehmer und des sog. Drogenkriegs nicht auf die \u00fcblichen Mythen zur\u00fcckgreift. Im Gegensatz zu vielen journalistischen und akademischen Schnellsch\u00fcssen weist er seine Quellen &#8211; vor allem Literatur und Interviews aus und in den Andenl\u00e4ndern &#8211; genau aus. Er zeichnet nicht nur ein realistischeres Bild etwa des Medellin-Kartells, er zeigt vor allem die \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge der Drogenproduktion und das Scheitern einer auf Repression ausgerichteten Bek\u00e4mpfungsstrategie unter dem Einflu\u00df US-amerikanischer Konzepte. Konsequenterweise liegt der Schwerpunkt seiner Alternativforderungen auf einer &#8222;kontrollierten Legalisierung&#8220; und einer Reform von Justiz und Polizei der Andenstaaten. Weswegen er am Ende seiner Arbeit zum Kampf gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t gerade verdeckte (proaktive) Ermittlungsmethoden bef\u00fcrwortet, wird allenfalls dadurch ver-st\u00e4ndlich, da\u00df Ambos aus einer lateinamerikanischen Perspektive schreibt. Der erg\u00e4nzende Blick auf die bundesdeutsche Realit\u00e4t h\u00e4tte dem Autor gezeigt, wie berechtigt die Feststellung ist, da\u00df weder das Drogenproblem noch dessen finanzielle Seite (Geldw\u00e4sche) durch diese Methoden effektiv, geschweige denn grundrechtsad\u00e4quat, bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnen. Hier r\u00e4cht es sich, da\u00df die KritikerInnen der herrschenden Drogenpolitik jeweils nur von einem bestimmten Blickwinkel aus argumentieren.<\/p>\n<p>Huber, Bertold (Hg.): Handbuch des Ausl\u00e4nder- und Asylrechts, M\u00fcnchen (Beck) 1994, ca. 1700 S., DM 228,-<br \/>\nIm Unterschied zum 1992 im selben Verlag erschienen Handbuch des Poli-zeirechts von Lisken\/Denninger ist das vorliegende Werk als Loseblattsammlung erschienen. Das ist kein Zufall. Denn das Ausl\u00e4nder- und Asylrecht unterlag in den vergangenen 20 Jahren mehr noch als das Polizeirecht einer st\u00e4ndigen \u00c4nderung &#8211; ein Proze\u00df, der auch auf l\u00e4ngere Sicht leider nicht abrei\u00dfen wird. Nachtr\u00e4ge werden deshalb nicht nur folgen, weil die geplante Anlage des Werkes noch nicht vollst\u00e4ndig ist, sondern auch, weil insbesondere im zwischenstaatlichen und europ\u00e4ischen Bereich davon auszugehen ist, da\u00df neue Vertr\u00e4ge demn\u00e4chst geschlossen werden. Mit dem Schengener, dem Dubliner und weiteren R\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen nimmt das Handbuch genau diese europ\u00e4ische Dimension mit auf. Die Dokumentation von Gesetzesmaterialien anstelle des \u00fcblichen fait accompli der fertigen Gesetzestexte macht das Werk auch f\u00fcr politische AktivistInnen zu einer lohnenden Investition.<\/p>\n<p>Bresler, Fenton: Interpol &#8211; Der Kampf gegen das internationale Verbrechen von den Anf\u00e4ngen bis heute, M\u00fcnchen (C.Bertelsmann) 1993, ca. 500 S., DM 42,-<br \/>\nDie Literatur zu Interpol ist nach wie vor d\u00fcnn ges\u00e4t und \u00fcberwiegend in englischer Sprache. In Deutsch findet man allenfalls einige juristische Arti-kel, die sich vorwiegend auf den unklaren rechtlichen Status der Organisation beziehen, sowie wenige Beitr\u00e4ge in der Polizeifachpresse, die zumeist noch in den 80er Jahren erschienen sind. Insofern ist Breslers Buch durchaus eine Bereicherung, auch wenn es sehr journalistisch gehalten und damit an Personen und F\u00e4llen orientiert ist. Brauchbar sind vor allem die Kapitel 12-15, welche die Krise der Organisation in den 70er Jahren beleuchten. Das franz\u00f6sisch dominierte Generalsekretariat verweigerte seinerzeit die Bearbeitung von F\u00e4llen aus dem Terrorismus-Bereich und konnte auch den Anspr\u00fcchen anderer westeurop\u00e4ischer und nordamerikanischer Polizeien auf eine st\u00e4rkere Informatisierung seiner Arbeit nicht entsprechen. Interpol verlor damit seine Monopolstellung als bis dahin einzige Organisation f\u00fcr die internationale Kooperation der Kripo. Grunds\u00e4tzliche Kritik an den Gefahren der interna-tionalen Polizeikooperation f\u00fcr die B\u00fcrgerrechte findet man in diesem Buch aber nicht.<\/p>\n<p>IG Medien, Fachgruppe Journalismus: H\u00e4nde weg von den Medien. Informationen und Tips zum Umgang mit der Staatsgewalt, 24 S. Din A 4, kostenlos zu beziehen \u00fcber die Landesbezirksb\u00fcros der IG Medien oder als Beilage zur IG-Medien-Zeitschrift M, 1995, H. 3<br \/>\nDie in der IG Medien organisierten JournalistInnen haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Fragen des &#8222;Umgangs mit der Staatsgewalt&#8220; Stellung bezogen. \u00dcbergriffe gegen JournalistInnen, insb. gegen Foto-grafInnen, sind nicht erst Thema, seitd der Hamburger Rundfunkjournalist Oliver Ne\u00df am 30.5.94 am Rande der Proteste gegen den \u00f6sterreichischen Rechtsausleger J\u00f6rg Haider (FP\u00d6)\u00a0 vor laufenden Kameras von Polizeibeamten gequ\u00e4lt wurde. Die vorliegende Beilage zur Zeitschrift der IG Medien, die auch einzeln bezogen werden kann, enth\u00e4lt nicht nur die Darstellung einiger spektakul\u00e4rer F\u00e4lle, sondern auch eine Chronologie der \u00dcbergriffe gegen Me-dienschaffende seit 1990. Angesprochen werden auch: Durchsuchungen in Redaktionen, Fragen des Zeugnisverweigerungsrechts und des Schutzes von Informanten (der Journalisten) sowie der Zugang zu den eigenen bei der Polizei gespeicherten Daten. Insgesamt eine Brosch\u00fcre, die nicht nur von JournalistInnen zur Kenntnis genommen und weiter verbreitet werden sollte.<br \/>\n(S\u00e4mtlich: Heiner Busch)<\/p>\n<p>Hassemer, Winfried\/Starzacher, Karl (Hg.): Organisierte Kriminalit\u00e4t &#8211; gesch\u00fctzt vom Datenschutz? (Forum Datenschutz 2), Baden-Baden (Nomos) 1993, 94 S. DM 28,-<br \/>\nWer die Liste der ReferentInnen liest, die der Hessische Datenschutzbeauf-tragte und der Pr\u00e4sident des Hessischen Landtags 1993 zum Thema OK und Datenschutz eingeladen hatten, wird zurecht keine \u00dcberraschungen erwarten. Bekannte Positionen werden erneut vertreten: Auf der einen Seite die Staats-anw\u00e4lte und Polizisten, auf der anderen Datensch\u00fctzer und Rechtsanw\u00e4lte. W\u00e4hrend die eine Seite OK bereits als &#8222;Krebsgeschw\u00fcr&#8220; in unserer Gesellschaft ausgemacht hat (Schoreit), eine &#8222;\u00dcberinterpretation des Volksz\u00e4hlungsurteils&#8220; beklagt (Schaefer) und &#8222;truppentaugliche&#8220; Vorschriften f\u00fcr die Polizei fordert (Gemmer), betont die andere die demokratische Notwendigkeit von Zweckbindungen (Simitis), die Begrenzungen von Eingriffsbefugnissen und die Einrichtung von Kontrollverfahren (Grimm) sowie die Gefahren, die von der OK-Bek\u00e4mpfung ausgehen (Strate). Wer die OK-Debatte verfolgt, findet in diesem Protokollband nur vertraute Argumente und Standpunkte. Da die Referate sich auch nicht als Einf\u00fchrung in die Problematik eignen, bleibt der Sinn der Ver\u00f6ffentlichung fraglich.<\/p>\n<p>Rzepka, Dorothea: Polizei und Diversion. Das Bielefelder Modell der In-formationsvermittlung, Bielefelder Rechtsstudien Bd. 3, Frankfurt\/M. (Lang) 1993, 312 S., DM 89,-<br \/>\nVo\u00df, Silvia: Staatsanwaltschaftliche Entscheidung &#8211; Beeinflussung durch sy-stematische Informationsweitergabe, Bielefelder Rechtsstudien Bd. 4, Frankfurt\/M. (Lang) 1993, 233 S., DM 65,-<br \/>\nDie rechtswissenschaftlichen Dissertationen von 1990 untersuchen die beiden Seiten des &#8222;Bielefelder Informationsmodell&#8220; genannten Versuchs, polizeiliches Wissen verst\u00e4rkt f\u00fcr staatsanwaltschaftliche Entscheidungsprozesse verf\u00fcgbar zu machen. Das vom NRW-Justizministerium initiierte, im Bereich des Polizeipr\u00e4sidenten Bielefeld und der \u00f6rtlichen Jugendstaatsanwaltschaft 1987\/88 realisierte Projekt versuchte, durch gezielte polizeiliche Informati-onserhebung bei der Beschuldigtenvernehmung (Informationsbogen) diversi-onsorientierte Entscheidungen der Staatsanwaltschaft an Stelle f\u00f6rmlicher Strafverfahren in ausgew\u00e4hlten jugendtypischen Delikten (Diebstahl, K\u00f6rper-verletzung und Sachbesch\u00e4digung) zu bef\u00f6rdern. Die beiden Untersuchungen sind als wissenschaftliche Begleitforschung zu dem Modell entstanden. Mit einem unterschiedlichen methodischen Arrangement (Aktenanalysen, Beobachtung von Vernehmungen, Interviews und schriftlichen Befragungen) wurden Voraussetzungen, Realisierung und Folgen des Informationsmodells analysiert. Hinsichtlich der zentralen Frage &#8222;Bef\u00f6rdert das Informationsmodell Diversionsentscheidungen?&#8220; kommen die Autorinnen zu einem differenzierten, aber insgesamt eher negativen Ergebnis. Das Informationsmodell verschob zwar die Obergrenzen f\u00fcr Einstellungen (ohne die Entscheidungskriterien selbst zu ver\u00e4ndern) und erh\u00f6hte deren Zahl, aber dieser Effekt war auch f\u00fcr eine Vergleichsregion (ohne polizeilichen Informationsbogen) zu beobachten. F\u00fcr schwere Begehungsformen, auf die das Diversionsanliegen besonders gerichtet war, konnte die Quote der Verfahrenseinstellungen mit Auflagen nicht erreicht werden. Nach der \u00fcberzeugend vorgetragenen Ansicht von Vo\u00df steht die Arbeitsorganisation der Staatsanwaltschaft einer vermehrten Informalisierung entgegen. W\u00e4hrend das Bielefelder Modell offensichtlich nicht zur Ausweitung sozialer Kontrolle durch die vernehmenden Polizisten f\u00fchrte, weist Rzepka darauf hin, da\u00df polizeiliche Bewertungen tendenziell soziale Randst\u00e4ndigkeiten verst\u00e4rken. Obleich sie gro\u00dfe Diversionsbereitschaft auf seiten der Polizei diagnostiziert, lehnt sie es ab, ihr die Entscheidung zur informellen Bew\u00e4ltigung zu \u00fcberlassen, da eine t\u00e4terstrafrechtliche Orientierung f\u00fcr die PolizistInnen kennzeichnend sei. Sie schl\u00e4gt deshalb die Beibehaltung des institutionellen Status quo zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei vor. Einerseits sollte die polizeiliche Informationserhebung jedoch st\u00e4rker von der Staatsanwaltschaft strukturiert, andererseits sollten auch Einstellungsentscheidungen begr\u00fcndet ergehen, damit sie kontrolliert und ggf. angefochten werden k\u00f6nnen. Durch (bundes)einheitliche verbindliche Richtlinien f\u00fcr die Bearbeitung von Ermittlungsverfahren m\u00fc\u00dften zudem einheitliche Einstellungskriterien eingef\u00fchrt werden. Diversions-entscheidungen sollten nach Ansicht der Autorinnen nur f\u00fcr mittelschwere und schwere Delikte in Betracht kommen. Aus Gr\u00fcnden der Rechtssicherheit und -gleichheit sei im Bereich der Bagatellen eine gesetzliche Entkriminalisierung vorzuziehen.<br \/>\n(S\u00e4mtlich: Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<p>Black, Ian\/Morris, Benny: MOSSAD &#8211; SHIN BET &#8211; AMAN. Die Geschichte der israelischen Geheimdienste, Heidelberg (Palmyra) 1994, 880 S., 78,- DM<br \/>\nRaviv, Dan\/Melman, Yossi: Die Geschichte des MOSSAD. Aufstieg und Fall des israelischen Geheimdienstes, M\u00fcnchen (Heyne) 1992, 505 S., 19,80 DM<br \/>\nDer beste Geheimdienst, so eine alte Agentenweisheit, sei immer der, \u00fcber den am wenigsten geredet wird. Wenn dieser Satz zutr\u00e4fe, so w\u00e4re der israelische MOSSAD, neben CIA und KGB einer der miserabelsten. Doch auch wenn \u00fcber den Auslandsgeheimdienst MOSSAD (und seit einiger Zeit auch \u00fcber den Inlandsdienst SHIN BET) h\u00e4ufig geredet wird, so war Substantielles zur Struktur und Arbeitsweise doch weitgehend unbekannt. Diese Situation hat sich gr\u00fcndlich gewandelt, seit in den letzten Jahren gleich zwei B\u00fccher sich diesem Thema widmeten. Beide sind dabei im Inhalt weitgehend identisch. Wo sie voneinander abweichen, erg\u00e4nzen sie sich eher, als da\u00df sie sich widerspr\u00e4chen. So dr\u00e4ngt sich den LeserInnen im Laufe der Lekt\u00fcre denn auch unweigerlich der Verdacht auf, die Autoren beider Werke k\u00f6nnten u.U. identisch sein.<br \/>\nDie St\u00e4rke beider B\u00fccher liegt in einer recht umfassenden Darstellung von 50 Jahren israelischer Geheimdienstgeschichte. Dabei wird deutlich, welche zentrale Rolle MOSSAD und SHIN BET in der israelischen Politik spielten und spielen, sei es bei der Sicherung und Verteidigung des israelischen Staates gegen die arabischen Nachbarn, sei es im Kampf gegen pal\u00e4stinensische Terrorkommandos oder bei der R\u00fcckf\u00fchrung immigrationswilliger Juden aus anderen Staaten. Kaum ein israelischer Politiker (die h\u00e4ufig ohnehin eine Karriere im Geheimdienst oder im Milit\u00e4r vorzuweisen haben oder ihnen an-derweitig stark verbunden sind) hat sich dem Ansinnen des MOSSAD widersetzt. Wo dies gelegentlich doch einmal geschah, unternahmen die Dienste ihre Aktionen h\u00e4ufig genug ohne offizielle Zustimmung &#8211; und zumeist ohne tiefergehende Konsequenzen.<br \/>\nW\u00e4hrend das Buch von Black\/Morris \u00fcber einen ausf\u00fchrlichen Anhang mit Quellenangaben, Anmerkungen und Register (ca. 120 Seiten) verf\u00fcgt, f\u00e4llt dieser Teil bei Raviv\/Melman (die sich insgesamt eher f\u00fcr einen romanhaften Stil entschieden haben) weitaus bescheidener aus. Daf\u00fcr listen sie im Anhang jedoch noch einmal die wichtigsten F\u00fchrungsfiguren der drei Geheimdienste gesondert auf. F\u00fcr eine wissenschaftliche Befassung mit den israelischen Ge-heimdiensten ist das Buch von Black\/Morris in jedem Falle sinnvoller. Wer sich jedoch einfach nur informieren will, ist mit dem weitaus preiswerteren von Raviv\/Melman ebenso gut beraten.<\/p>\n<p>Horchem, Hans-Josef: Auch Spione werden pensioniert, Herford-Berlin-Bonn, (Verlag E.S. Mittler &amp; Sohn), 1993, ca. 250 S., DM 49,80<\/p>\n<p>Nach Reinhard Gehlen (BND), G\u00fcnther Nollau und Richard Meier (beide BfV) hat nun auch Hans-Josef Horchem, von 1969 bis 1980 Chef des Hamburger Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und seinerzeit einer der wichtigeren &#8218;Schlapph\u00fcte&#8216; der BRD seine Memoiren vorgelegt. Wer sich schon einmal die Erinnerungen von Geheimagenten angetan hat, wei\u00df da\u00df diese haupts\u00e4chlich aus Erinnerungsl\u00fccken bestehen. Da wo es wirklich interessant zu werden beginnt, endet zumeist das Mitteilungsbed\u00fcrfnis der Herren. Gleichwohl erfahren ge\u00fcbte LeserInnen doch immer das eine oder andere, das &#8211; bei anderen Autoren gegengelesen &#8211; das Mosaik der deutschen Geheimdienstwerkelei stets ein St\u00fcck weiter komplettiert. Dies ist auch bei Horchem hin und wieder der Fall (insb. S. 153-200), allerdings weitaus seltener und flacher als man dies bei seinen Kollegen gewohnt ist. Im wesentlichen ist das Buch eher zu einem sprunghaften und zerfaserten Stammtischgeschw\u00e4tz eines selbstverliebten Geheimdienstpension\u00e4rs geraten.<\/p>\n<p>Summers, Anthony: J. Edgar Hoover. Der Pate im FBI, M\u00fcnchen\/Berlin (Langen M\u00fcller) 1993, 490 S., 58,- DM<br \/>\nNiemand hat das amerikanische Polizeiwesen mehr gepr\u00e4gt als J. Edgar Hoover, Chef des FBI von 1924-72. Dennoch ist dies kein Buch \u00fcber das FBI, sondern ein Sittengem\u00e4lde der USA zu Beginn der 30er bis tief in die 60er Jahre. Da\u00df ein offensichtlich ausgemachter Psychopath wie Hoover nicht nur an die Spitze der amerikanischen Bundespolizei gelangen konnte, sondern sie zur m\u00e4chtigsten Sicherheitsbeh\u00f6rde ausgestalten und dabei gleichzeitig nach &#8218;Gutsherrenart&#8216; f\u00fchren konnte, ist das eigentlich Erschreckende. Glaubt man Summers, und es gibt bei der Lekt\u00fcre des Buches zunehmend Grund dies zu tun, so war Hoover das passende Pendant zu den Gangstergr\u00f6\u00dfen seiner Zeit: Charles &#8218;Lucky&#8216; Luciano, Meyer Lansky, Bugsy Siegel und alle anderen (insb. Kap. 21ff), die dem deutschen Publikum haupts\u00e4chlich durch die amerikanischen Krimiserien der 50er und 60er Jahre bekannt sind. Hoover war nicht nur ein notorischer Spieler und homosexuell, was ihn besonders erpressbar machte &#8211; er war zugleich auch selbst ein Erpresser, was insbesondere f\u00fchrende Washingtoner Politiker immer dann zu sp\u00fcren bekamen, wenn an Hoovers Stuhl oder seinen Kompetenzen ger\u00fcttelt werden sollte (insb. Kap. 19) und somit seine lange Amtszeit erkl\u00e4rt. Da\u00df Summers seine Recherchen und Schlu\u00dffolgerungen in hohem Ma\u00dfe auf die Aussagen von Zeitzeugen st\u00fctzen mu\u00df und weniger auf nachpr\u00fcfbare Quellen liegt da in der Natur der Sache.<br \/>\nWas den Wert des insgesamt lesenswerten Buches schm\u00e4lert, sind zum einen die fehlenden Kapitel\u00fcberschriften, die eine schnelle Orientierung verhindern und die durchg\u00e4ngige Benennung Hoovers als Edgar. Diese Titulierung, vom Autor gew\u00e4hlt, &#8222;um ihn in der Perspektive eines Sterblichen zu sehen&#8220; (S. 14), f\u00fchrt leicht dazu, den entscheidenden Bezugsrahmen, die Verlogenheit von (Sicherheits)Politik zu verlieren und in die Betrachtung eines bemitlei-denswerten, seelisch und charakterlich gest\u00f6rten Menschen abzurutschen.<\/p>\n<p>Tucker, Louise (Hg.): Bewaffnung und Ausr\u00fcstung von Spezialeinheiten. Ein Bildlexikon, Stuttgart (Motorbuch) 1994, ca. 60 S., DM 36,-<br \/>\nDas Buch erhebt den Anspruch, ein &#8222;Bildlexikon&#8220; zu sein. Dementsprechend liegt das Gewicht denn auch auf den \u00fcber 200 farbigen Abbildungen. Die jedem einzelnen &#8218;Kapitel&#8216; vorangestellten sog. &#8222;Begleittexte&#8220; sind dabei nicht nur recht kurz, sondern auch auffallend flach geraten. Wie wenig M\u00fche man sich mit ihnen gegeben hat, zeigen am eindr\u00fccklichsten die Seiten 8 und 14: W\u00e4hrend auf der erstgenannten der fr\u00fchere Geheimdienst OSS richtigerweise den Amerikanern zugeordnet wird, ist er sechs Fotoseiten weiter zu einem britischen Dienst mutiert. Allenfalls die RequisiteurInnen von Filmgesell-schaften k\u00f6nnten aus den Abbildungen einigen &#8218;Honig saugen&#8216;. Dar\u00fcber hinaus w\u00e4re &#8218;Bilderbuch f\u00fcr Waffennarren&#8216; sicherlich ein treffenderer Untertitel gewesen.<br \/>\n(S\u00e4mtlich: Otto Diederichs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zum Schwerpunkt Wer eine Vorstellung \u00fcber die kleine B\u00fcrgerrechtsbewegung der BRD erhalten will, dem<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[56,148],"tags":[],"class_list":["post-3447","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-050","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3447","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3447"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3447\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3447"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3447"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3447"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}