{"id":3476,"date":"1995-02-24T15:01:04","date_gmt":"1995-02-24T15:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3476"},"modified":"1995-02-24T15:01:04","modified_gmt":"1995-02-24T15:01:04","slug":"das-buergerkommitee-15-januar-e-v-verein-zur-aufarbeitung-der-stasi-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3476","title":{"rendered":"Das &#8218;B\u00fcrgerkommitee 15. Januar&#8216; e.V. &#8211; Verein zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<h3>von Uwe Boche<\/h3>\n<p>Das B\u00fcrgerkomitee 15. Januar e.V. ist ein gemeinn\u00fctziger Verein mit etwa 40 Mitgliedern. Er wurde Anfang 1991 gegr\u00fcndet und ist aus dem &#8218;B\u00fcrgerkomitee Normannenstra\u00dfe&#8216;, der &#8218;Arbeitsgruppe Sicherheit des Zentralen Runden Tisches&#8216; der DDR und ihrer Operativen Gruppe sowie verschiedenen anderen B\u00fcrgerrechtlern und Sympathisanten hervorgegangen. Der Name &#8217;15. Januar&#8216; verweist dabei auf jenen Tag im Jahre 1990, an dem die B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen der damaligen DDR die Tore der Zentrale des &#8218;Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit&#8216; (MfS) &#8211; kurz Stasi genannt &#8211; in der Berliner Normannenstra\u00dfe \u00f6ffneten. Der Verein ist mit dem Ziel angetreten, den Machtmi\u00dfbrauch durch die ehemalige Staatspartei SED und die sie st\u00fctzenden Organisationen, insbesondere die Stasi, aufzudecken und einen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu leisten.<!--more--><\/p>\n<p>Mit der Besetzung eines Geb\u00e4udes in der Normannenstra\u00dfe im September 1990, begleitet von einem Hungerstreik, hatten die Gr\u00fcndungsmitglieder des B\u00fcrgerkomitees, die w\u00e4hrend der Wendezeit aktiv an der Aufl\u00f6sung der Stasi beteiligt waren, &#8211; zusammen mit anderen &#8211; seinerzeit eine Schlie\u00dfung der Stasi-Archive verhindert.<br \/>\nSehr schnell wurde den Komitee-Mitgliedern klar, da\u00df es bei dem Umfang der anfallenden Arbeit nicht m\u00f6glich sein w\u00fcrde, dem selbstgew\u00e4hlten Anspruch allein mit ehrenamtlicher Arbeit gerecht zu werden. Deshalb startete das B\u00fcrgerkomitee im September 1991 ein Projekt, das auf der Basis des Ar-beitsf\u00f6rderungsgesetzes finanziert wurde. Nach verschiedenen Umstrukturie-rungen und einer Reduzierung der Mitarbeiterzahl l\u00e4uft dieses modifizierte Projekt noch heute. Die wichtigsten Resultate der bisherigen Arbeit sind der Aufbau eines Dokumentationszentrums, die Herausgabe der Zeitschrift &#8218;Horch und Guck&#8216; und die Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen.<\/p>\n<h4>Das Dokumentationszentrum<\/h4>\n<p>Das Dokumentationszentrum versteht sich dabei als eine erste Anlauf- und Beratungsstelle f\u00fcr alle Menschen, Initiativen oder Institutionen, die in ir-gendeiner Form etwas mit politisch-historischer Bildungsarbeit zu tun haben; aber auch f\u00fcr Leute, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis ihrer eigenen Biographie be-stimmte Dinge oder Zusammenh\u00e4nge kl\u00e4ren m\u00f6chte. F\u00fcr diese Interessenten besteht die M\u00f6glichkeit, sich in einer umfangreichen Dokumentensammlung vor allem zu dem Thema Stasi, deren Struktur, Arbeitsweise und Aufl\u00f6sung zu informieren. M\u00f6glichst umfassend werden au\u00dferdem alle anderen Materialien zur Macht- und Repressionsaus\u00fcbung in der ehemaligen DDR in die Sammlung eingearbeitet. Dem Dokumentationszentrum sind weiterhin eine Bibliothek mit weit \u00fcber 1.000 B\u00fcchern, eine Videodokumentation mit \u00fcber 850 Fernsehsendungen und eine Zeitungs- und Zeitschriftendokumentation mit \u00fcber 20.000 Artikeln angegliedert. Die letztgenannten Teile des Doku-mentationszentrums gehen in ihrer Thematik \u00fcber die Stasi und die DDR hinaus: Geheimdienste im allgemeinen sowie in der Bundesrepublik im besonderen, Rechts- und Linksextremismus sowie Macht-, Herrschafts- und Gewaltentstehung in der Gesellschaft sind einige der Stichworte, zu denen archiviert wird.<br \/>\nS\u00e4mtliche Unterlagen und Materialien sind nach einem Thesaurus von ca. 1.150 Stichworten geordnet, der einen schnellen Zugriff erm\u00f6glicht. Bei der Benutzung des Dokumentationszentrums steht den Besucher und Besucherinnen immer auch ein\/e MitarbeiterIn f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h4>Die Zeitschrift<\/h4>\n<p>&#8218;Horch und Guck&#8216; ist die historisch-literarische Zeitschrift des B\u00fcrgerkomi-tees. Erstmals herausgegeben im Mai 1992, sind bisher insgesamt 14 Hefte erschienen. Das Hauptaugenmerk liegt nat\u00fcrlich auch hier bei den bereits ge-nannten Themen. Weitere Schwerpunkte sind die kritische Begleitung der B\u00fcrgerbewegungen und der ehemaligen DDR-Opposition bei ihren politischen Bem\u00fchungen im vereinten Deutschland sowie die Zusammenarbeit mit Gesellschaften und Initiativen in osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, die sich ebenfalls mit der j\u00fcngsten Vergangenheit auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Ein besonderes Anliegen der Redaktion ist es, eine Zeitschrift zu machen, die neben den wissenschaftlichen Texten auch eine Vielzahl von literarischen, kulturellen, humoristischen und satirischen Beitr\u00e4gen ver\u00f6ffentlicht, damit die Lekt\u00fcre nicht zu &#8218;trocken&#8216; wird. Auch wenn die meisten Beitr\u00e4ge eigens f\u00fcr &#8218;Horch und Guck&#8216; geschrieben werden, wird auf den Nachdruck wichtiger Artikel anderer Zeitschriften nicht verzichtet. F\u00fcr die n\u00e4chsten Hefte sind zudem Sonderseiten geplant, die im Rahmen der Jugendbildungsaktivit\u00e4ten des B\u00fcrgerkomitees gemeinsam mit den Jugendlichen entstehen sollen.<\/p>\n<h4>Der Club<\/h4>\n<p>Das &#8218;j\u00fcngste Kind&#8216; des B\u00fcrgerkomitees ist der Club &#8218;Die Akte&#8216;. Nachdem in den vergangenen Jahren Veranstaltungen nur sporadisch durchgef\u00fchrt werden konnten, ist es jetzt gelungen, diesen Mangel zu beheben. Haupts\u00e4chlich ist der Club in Zusammenarbeit mit Schulen, Freizeiteinrichtungen und Jugendklubs in der au\u00dferschulischen Jugendbildung t\u00e4tig. Im Club oder, soweit n\u00f6tig oder gew\u00fcnscht, auch in gr\u00f6\u00dferen R\u00e4umen werden Vortr\u00e4ge, Lesungen, Diskussionen u.\u00e4. zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Dieses Angebot gilt auch f\u00fcr Erwachsene, f\u00fcr die (in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale f\u00fcr Politische Bildung) Abendveranstaltungen entweder im Club oder &#8211; vor gr\u00f6\u00dferem Publikum &#8211; au\u00dferhalb unseres Hauses stattfinden.<\/p>\n<p>Mit seinen Aktivit\u00e4ten verfolgt das B\u00fcrgerkomitee Ziele wie die F\u00f6rderung des Demokratieverst\u00e4ndnisses und eines gewaltfreien Zusammenlebens von Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Auffassungen sowie die F\u00f6rderung des sozialen Engagements der Jugendlichen. Dazu geh\u00f6rt nach Auffassung der Vereinsmitglieder auch, auf die Abschaffung aller Geheimdienste, die prinzipiell als antidemokratisch betrachtet werden, hinzuwirken. So schlie\u00dft das Statut des B\u00fcrgerkomitees denn auch jede Zusammenarbeit mit Geheimdiensten der unterschiedlichsten Couleur aus und verwehrt konsequent allen offiziellen und inoffiziellen MitarbeiterInnen gewesener und be-stehender Dienste die Mitgliedschaft.<\/p>\n<h5>Uwe Boche ist Mitglied des B\u00fcrgerkomitees 15. Januar e.V. und Mitarbeiter der Zeitschrift &#8218;Horch und Guck&#8216;.<\/h5>\n<h6>B\u00fcrgerkomitee 15. Januar e.V., Seelower Stra\u00dfe 14, 10439 Berlin<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Uwe Boche Das B\u00fcrgerkomitee 15. 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