{"id":3705,"date":"1994-02-24T21:51:35","date_gmt":"1994-02-24T21:51:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3705"},"modified":"1994-02-24T21:51:35","modified_gmt":"1994-02-24T21:51:35","slug":"literatur-rezensionen-und-hinweise-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3705","title":{"rendered":"Literatur &#8211; Rezensionen und Hinweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Literatur zum Schwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Periodika<\/p>\n<p>Die monatliche Zeitschrift des Bundesgrenzschutzes geh\u00f6rt zu den Schmal-spurerzeugnissen im polizeilichen Bl\u00e4tterwald. Sie ver\u00f6ffentlicht neben seichten Darbietungen \u00fcber Kontrollerfolge an den Grenzen, Besuchen aus-l\u00e4ndischer Politiker und Polizisten, Polizeisportereignissen u. dgl. vor allem Minister- und Staatssekret\u00e4rsreden. In der Regel ist nur die Ausgabe wirklich interessant, die den j\u00e4hrlichen T\u00e4tigkeitsbericht bringt. Dieser findet sich ebenfalls im BMI-Blatt &#8218;Innere Sicherheit&#8216;.<br \/>\nKern der Berichte sind die Grenzkontrollstatistiken. Ebenfalls aufgelistet werden die Zahl der Asylantr\u00e4ge an den Grenzen, die Zwangs- und Bu\u00dfgelder f\u00fcr Transportgesellschaften, die Personen ohne Visa ins Land bringen, die Zahl der Auslandsaufenthalte zwecks R\u00fcckf\u00fchrung von abgeschobenen Fl\u00fcchtlingen und Instruktion von Flugpersonal, die Ausgaben des BGS und die Personalsituation.<br \/>\nW\u00e4hrend im T\u00e4tigkeitsbericht die Grenzkontrollstatistiken nur auf recht hoch aggregiertem Niveau pr\u00e4sentiert werden, finden sich in der Grenzpolizeilichen T\u00e4tigkeits- und Erfolgs\u00fcbersicht, herausgegeben von der Grenzschutzdirektion in Koblenz, Tabellen, die einen erheblich genaueren \u00dcberblick \u00fcber die Grenzkontrollen und ihre Wirkungen vermitteln k\u00f6nnen. Diese \u00dcbersichten erscheinen jeweils f\u00fcr das erste Halbjahr und zum Jahresende.<!--more--><\/p>\n<p>Geschichte und Allgemeines<\/p>\n<p>Werkentin, Falco: Die Restauration der Deutschen Polizei, Frankfurt\/ New York (Campus) 1984<br \/>\nzeigt insbesondere die Rolle des BGS in der am Notstand orientierten Poli-zeikonzeption bis Anfang der 70er Jahre; im Anhang ein tabellarischer \u00dcber-blick \u00fcber die Man\u00f6ver und milit\u00e4rischen \u00dcbungen des BGS (und z. T. der Bereitschaftspolizeien) bis 1980.<\/p>\n<p>Dierske, Ludwig: Der Bundesgrenzschutz. Geschichtliche Darstellung seiner Aufgabe und Entwicklung von der Aufstellung bis zum 31. M\u00e4rz 1963, Regensburg u.a. (Walhalla u. Praetoria Verlag) 1967<br \/>\nDer ehemalige Freikorps-Mann Dierske war im Bundesinnenministerium f\u00fcr den BGS zust\u00e4ndig. Sehr begriffslos geschrieb\u00e9n, als Quelle aber tauglich.<\/p>\n<p>Walter, Bernd: BGS &#8211; Polizei des Bundes, Polizei aktuell Bd. 34, Stuttgart etc. (Boorberg) 1983<br \/>\nWalter &#8211; seinerzeit noch Polizeioberrat im BGS, heute Direktor &#8211; geh\u00f6rt in der polizeilichen Fachpresse zu den wichtigsten Autoren aus und \u00fcber den BGS. Das Buch bietet einen offizi\u00f6sen \u00dcberblick \u00fcber Geschichte, gesetzliche Grundlagen des BGS und die einzelnen Teile seiner Organisation. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Rolle dieses Apparats findet nicht statt.<\/p>\n<p>Bundesministerium des Innern (Hg.): Der Bundesgrenzschutz &#8211; Die Polizei des Bundes, Bonn 1987<br \/>\nN\u00fctzlich sind allenfalls die Organisationspl\u00e4ne sowie die Aufstellung der Personalst\u00e4rken von 1951-1986.<\/p>\n<p>Gewerkschaft der Polizei: In Sachen Bundesgrenzschutz &#8211; Eine Dokumentation, Hilden Mai 1973<br \/>\nDie GdP geh\u00f6rte lange Zeit zu den sch\u00e4rfsten Kritikerinnen der Militarisierung des BGS. Anl\u00e4\u00dflich einer gemeinsamen \u00dcbung von BGS und US-Streitkr\u00e4ften im Jahre 1964, bei der es zur Mi\u00dfhandlung von BGS-Angeh\u00f6rigen kam, wird nicht nur die Rolle eines besonders scharfen Ausbilders, sondern generell die innere Situation des BGS beleuchtet.<\/p>\n<p>Radek, J\u00f6rg: BGS &#8211; nach 40 Jahren auf neuen Pfaden, in: Deutsche Polizei, 1991, H. 6, S. 4-6<br \/>\nDie Titelgeschichte der GdP-Zeitschrift zum 40. Jahrestag der BGS-Gr\u00fcndung zeigt vor allem den Wandel der GdP-Position. Die in der Dokumentation von 1973 eindringlich beschriebenen Ph\u00e4nomene der Militarisierung werden nur noch als Einzelf\u00e4lle dargestellt. \u00dcberhaupt scheint f\u00fcr den Autor die Zwischenlage des BGS zwischen Milit\u00e4r und Polizei, die die GdP jahrelang kritisiert hatte, auf &#8222;Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen&#8220; und aufgeladenen Emotionen zu beruhen.<\/p>\n<p>BGS-Ost, Neuorganisation und Aufgaben\u00fcbertragungsgesetz<\/p>\n<p>Aufgaben\u00fcbertragungsgesetz &#8211; Gesetz zur \u00dcbertragung der Aufgaben der Bahnpolizei und der Luftsicherheit auf den Bundesgrenzschutz vom 23.1.1992, Bundesgesetzblatt &#8211; Teil 1, 1992, S. 178<br \/>\nDie mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe beim BMI 1987 begonnene intern gef\u00fchrte Diskussion um die Ausweitung der Aufgaben und die Neuorganisation des BGS wurde hier abgeschlossen.<\/p>\n<p>Werkentin, Falco: Bundesgrenzschutz im Aufwind &#8211; die Okkupation neuer Aufgaben, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/ CILIP 38, 1991, H. 1, S. 40-46<br \/>\nStellt die Diskussion um die &#8218;Sinnkrise&#8216; und Zuweisung neuer Aufgaben seit 1987 dar und geht sowohl auf die Vorschl\u00e4ge der BMI-Arbeitsgruppe wie auch auf den Effekt der Vereinigung ein.<\/p>\n<p>BMI (P II 1 &#8211; 630 114-3\/7): Organisation des Bundesgrenzschutzes &#8211; Bericht der vom Bundesminister des Innern eingesetzten Arbeitsgruppe, Bonn, 21.9.1991<br \/>\nDer Bericht schl\u00e4gt die Verst\u00e4rkung der einzeldienstlichen Anteile beim BGS vor, u.a. die \u00dcbernahme von Luftsicherheits- und Bahnpolizeiaufgaben, die bereits in den neuen L\u00e4ndern erfolgt war. Zu diesem Zweck sollte auch die Organisation runderneuert und eigenst\u00e4ndige &#8222;Mittelbeh\u00f6rden&#8220;, d.h. die neuen GS-Pr\u00e4sidien, gebildet werden. Im Gegensatz zu den jeweils auf Anforderung der L\u00e4nder wahrgenommenen truppenpolizeilichen Aufgaben und der Pr\u00e4senz des Einzeldienstes an der Grenze ergibt dies eine fl\u00e4chendekkende Organisation des BGS.<\/p>\n<p>Franke: Luftsicherheit &#8211; auf dem Gebiet der ehemaligen DDR seit dem 3. Oktober Aufgabe des GSE, in: Zeitschrift des BGS 1991, H. 5, S. 11-13 und 32<\/p>\n<p>Walter, Bernd: Die historische Herausforderung &#8211; der Aufbau des Bundes-grenzschutzes in den neuen Bundesl\u00e4ndern, in: Die Polizei, 1993, H. 4, S. 77-84<br \/>\nStellt die organisatorischen Schwierigkeiten u.a. bei der Personal\u00fcberpr\u00fcfung und -gewinnung beim Aufbau des BGS-Ost dar.<\/p>\n<p>Runge, Philipp O.: Zur Entstehungsgeschichte und Zielsetzung des Aufga-ben\u00fcbertragungsgesetzes, in: Zeitschrift des BGS, 1992, H. 3-4, Beilage<br \/>\nRunge war Mitglied der BMI-Arbeitsgruppe. Er verdeutlicht, da\u00df das Gesetz nicht in erster Linie Ausflu\u00df der Vereinigung war, sondern an die genannte Arbeitsgruppe ankn\u00fcpfte. Das Gesetz wurde im Bundestag nicht einmal dis-kutiert. Nur im Bundesrat k\u00fcndigte NRW eine Verfassungsklage an. Ein ungew\u00f6hnlich informativer Beitrag in dieser Zeitschrift. Dies gilt auch f\u00fcr die Ausgabe insgesamt, die u.a. den Organisationserla\u00df und Beitr\u00e4ge \u00fcber die zuk\u00fcnftige Organisation in den Untergliederungen des BGS sowie Planungen f\u00fcr die Bahnpolizei und den Bereich der Luftsicherheit enth\u00e4lt.<br \/>\nZu den neuen Aufgaben Bahnpolizei und Luftsicherheit siehe auch die Beitr\u00e4ge von:<\/p>\n<p>Heesen, D.: Bahnpolizei &#8211; eine neue Aufgabe f\u00fcr den Bundesgrenzschutz, in: Die Polizei, 1992, H. 8, S. 194-203<br \/>\nders.: Luftsicherheit &#8211; eine neue Aufgabe des Bundesgrenzschutzes, in: Die Polizei, 1993, H. 5, S. 105-117<\/p>\n<p>Eine weitere Erl\u00e4uterung der Neuorganisation nimmt der seinerzeitige BMI h\u00f6chstselbst vor:<\/p>\n<p>Seiters, Rudolf: Neue Aufgaben und neue Organisationen f\u00fcr den BGS, in: Die Polizei, 1992, H. 10, S. 237-239<\/p>\n<p>BGS und Ostgrenze<\/p>\n<p>Neben der \u00dcbernahme von Bahnpolizei und Luftsicherheit bewirkte die Kontrolle der Ostgrenze den Bedeutungszuwachs des BGS in der polizeilichen Landschaft der Neu-BRD. Tats\u00e4chlich hat der BGS durch die Grenze zu Polen und der Tschechischen Republik zum ersten Mal in seiner Geschichte tats\u00e4chlich in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe Grenzpolizei-Aufgaben zu verrichten.<\/p>\n<p>Diederichs, Otto: Die Sicherung der deutschen Ostgrenze &#8211; der Bundesgrenz-schutz vor neuen Aufgaben, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/ CILIP 45, 1993, H. 2, S. 24-29<\/p>\n<p>Halt, Adalbert: Stationen einer bitteren Reise, in: Deutsche Polizei, 1993, H. 7, S. 19-27<br \/>\nBericht einer GdP-Delegationsreise an die Ostgrenze.<\/p>\n<p>Hitz, Fredi: Grenzlagebild &#8211; Lageentwicklung und Zusammenarbeit der Si-cherheitsbeh\u00f6rden, in: Die Polizei, 1993, H. 6, S. 148-151<\/p>\n<p>Initiative gegen das Schengener Abkommen (Hg.): Der Domino-Effekt. Materialien zum Export der Politik der Inneren Sicherheit und der Fl\u00fcchtlingsabwehr nach Osteuropa, Bonn 1993<br \/>\nEnth\u00e4lt u.a. Ausz\u00fcge aus dem Bundeshaushalt betr. elektronische Grenzsi-cherung, grenzpolizeiliche Unterst\u00fctzungskr\u00e4fte u.a.<\/p>\n<p>Schutz von Bundesorganen<\/p>\n<p>Harnischmacher, Robert: Der Schutz von Bundesorganen &#8211; wahrgenommen duch die Grenzschutzabteilung (GSA) Bonn II, in: Die Bayerische Polizei, 1986, H. 6, S. 2-4<\/p>\n<p>Semerak, Arved F.: Der Schutz der Bundesorgane durch den Bundesgrenzschutz, in: Die Polizei, 1991, H. 1, S. 10-17<br \/>\nBeide Beitr\u00e4ge sind weitestgehend auf die juristische Seite der T\u00e4tigkeit des BGS orientiert.<\/p>\n<p>GSG 9<br \/>\nTrotz der Bedeutung der GSG 9 finden sich kaum Beitr\u00e4ge zu diesem Thema in der Polizeifachpresse, (siehe den Artikel auf S.47)<\/p>\n<p>Tophoven, Rolf: GSG 9. Kommando gegen Terrorismus, Bonn\/ Koblenz (Bernhard &amp; Graefe) 1977<br \/>\nImmer noch das &#8218;Standardwerk&#8216; zur GSG 9, allerdings auch recht karg an In-formationen.<\/p>\n<p>GSG 9 &#8211; Soldaten oder Polizisten, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 3, 1979, H. 2, S. 9f.<\/p>\n<p>Harnischmacher, Robert: GSG 9 &#8211; Profis combat terrorism, in: Police Journal, 1985, No. 4, S. 304-307<\/p>\n<p>Wegener, Ulrich: Eine Spezialtruppe mit Elitestatus (Interview), in: S\u00fcd-deutsche Zeitung, 24.8.1986, S. 9<\/p>\n<p>20 Jahre GSG 9 &#8211; Ein Spezialverband feiert Jubil\u00e4um, in: Zeitschrift des Bundesgrenzuschutzes 1992, H. 11, S. 3-15<\/p>\n<p>Auslandseins\u00e4tze des BGS<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge zu diesem Thema in den Fachbl\u00e4ttern oszillieren zwischen Lo-beshymnen der (un)verantwortlichen Politiker und platten Erlebnisschilderungen der beteiligten Grenzsch\u00fctzer. Reflexion auf die Rolle des BGS als Blauhelmtruppe findet nicht statt:<\/p>\n<p>Lintner, Eduard: UNO-Friedenseinsatz des BGS in Kambodscha beendet, in: Innere Sicherheit, 1993, H. 5, S. 14-16<\/p>\n<p>Dreyer, Bernd: Kambodscha &#8211; kein Land f\u00fcr Abenteurer, in. Zeitschrift des BGS, 1993, H. 10, S. 10-12<\/p>\n<p>BGS in Namibia &#8211; Erste Schritte in Afrika, in: Zeitschrift des BGS, 1989, H. 10, S. 33f<\/p>\n<p>EDV beim BGS<\/p>\n<p>Die EDV-Ausr\u00fcstung des BGS fand in den Fachzeitschriften wenig Aufmerksamkeit. Wer genaueres erfahren will, mu\u00df in den Berichten des Bundesda-tenschutzbeauftragten nachschlagen. Die T\u00e4tigkeitsberichte des BGS listen j\u00e4hrlich die Zahl der per Terminal oder Telex an INPOL angeschlossenen Grenz\u00fcberg\u00e4nge auf und enthalten seit 1990 kurze Hinweise \u00fcber die Einf\u00fchrung des neuen Grenzterminalsystem beim Grenzschutzeinzeldienst. 1988 wurde der Aufbau eines B\u00fcrokommunikationssystems projektiert, das mittlerweile beim GSP West in der Erprobung ist:<\/p>\n<p>Langneff, Bernd: Einf\u00fchrungsverfahren f\u00fcr moderne Informationstechnik beim BGS, in: Polizei-Verkehr-Technik, 1988, H. 9, S. 270-278<\/p>\n<p>Schmalkoke, Erwin: Einzug der Informationstechnik beim Bundesgrenzschutz, in: Polizei-Verkehr-Technik, 1993, H. 4, S. 97-101<br \/>\n(Heiner Busch)<\/p>\n<p>Sonstiges<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber den derzeit immer neuen Gesetzesvorschl\u00e4gen zum &#8218;Kampf gegen&#8216; nehmen sich die hier vorzustellenden Ver\u00f6ffentlichungen geradezu angenehm antiquiert aus. Die rot-gr\u00fcn regierten Landesregierungen Hessens und Niedersachsens haben jeweils eine Expertenkommission zur Reform von Straf- und Strafproze\u00dfrecht berufen, die im Herbst 1992 ihre Vorschl\u00e4ge pr\u00e4sentierten:<\/p>\n<p>Albrecht, Peter-Alexis u.a.: Strafrecht &#8211; ultima ratio. Empfehlungen der nieders\u00e4chsischen Kommisssion zur Reform des Strafrechts und des Strafver-fahrensrechts, Baden-Baden (Nomos) 1992, 101 S., DM 36,-<br \/>\nders. u.a.: Rechtsg\u00fcterschutz durch Entkriminalisierung. Vorschl\u00e4ge der Hessischen Kommission &#8218;Kriminalpolitik&#8216; zur Reform des Strafrechts, Baden-Baden (Nomos) 1992, 133 S., DM 38,-<br \/>\nWie aufgrund der teilweise personellen Identit\u00e4t beider Kommissionen kaum anders zu erwarten, gehen beide Berichte in dieselbe Richtung, wenn auch unterschiedlich weit. Strafrecht wird als &#8222;ultima ratio&#8220; verstanden und seine politische \u00dcberfrachtung strikt abgelehnt. Beide Kommissionen fordern eine Entkriminalisierung in den Bereichen des Stra\u00dfenverkehrsrechts, des Bet\u00e4u-bungsmittelrechts und der Eigentums- und Bagatelldelikte. Die hessische Kommission setzt sich daneben mit den Versuchen auseinander, das Strafver-fahren durch Abbau von Verfahrensgarantien zu straffen, anstatt die \u00dcberla-stung der Justiz durch eine Entkriminalisierung zu beheben. Die Niedersachsen fordern zus\u00e4tzlich eine Reform des Sexualstrafrechts, eine Herabstufung des N\u00f6tigungsparagraphen zum Antragsdelikt, eine Reform der lebenslangen Freiheitsstrafe und eine weitgehende Streichung des politischen Strafproze\u00df-rechts, wie es in den 70er Jahren eingef\u00fchrt wurde. Alles in allem werden hier keine revolution\u00e4ren Vorschl\u00e4ge gemacht, selbst im Bereich des Btm-Rechts geht es um einen vorsichtigen Ausstieg aus der ohnehin undurchsetzbaren Prohibition. Im gegenw\u00e4rtigen Rahmen der Kriminal- und Sicherheitspolitik sind die Vorschl\u00e4ge nichtsdestoweniger radikal. Da sie im Rahmen der Landespolitik und noch dazu von unabh\u00e4ngigen und daher einflu\u00dflosen Kommissionen formuliert wurden, kann kaum mit einer Durchsetzung gerechnet werden.<\/p>\n<p>Kampmeyer, Eva\/ Neumeyer, J\u00fcrgen (Hg.): Innere Unsicherheit. Eine kritische Bestandsaufnahme, M\u00fcnchen (AG SPAK) 1993, 211 S., DM 24,80<br \/>\nDie Beitr\u00e4ge in diesem Band sind von einer \u00e4hnlichen Perspektive bestimmt. In mehreren Aufs\u00e4tzen (Cremer-Sch\u00e4fer, Reuband, Lehne) wird die Umdefinition gesellschaftlicher zu Kriminalit\u00e4tsproblemen kritisiert und damit zu-sammenh\u00e4ngend die These von der wachsenden Kriminalit\u00e4t hinterfragt. Seifert, Hassemer und Bachmaier warnen davor, den &#8222;Lauschangriff zu f\u00fchren&#8220;. Den HerausgeberInnen mu\u00df bescheinigt werden, da\u00df sie mit ihrem Band alle wesentlichen aktuellen Fragen der Politik Innerer Sicherheit aufgegriffen ha-ben. Dazu geh\u00f6rt auch die Frage der &#8218;Organisierten Kriminalit\u00e4t&#8216;. W\u00e4hrend Manns einen kurzen Abri\u00df der OK-Diskussion und der Geschichte des OrgKG von 1992 gibt und Hess die allf\u00e4lligen Warnungen vor der Mafia mit der Realit\u00e4t des &#8222;desorganisierten Verbrechens&#8220; konfrontiert, werden von Raith leider erneut acht Seiten f\u00fcr den x-ten Aufgu\u00df seiner Horrorszenarien \u00fcber die Mafia und ihren Export nach Deutschland vergeudet. Schade.<br \/>\n(Heiner Busch)<\/p>\n<p>&#8218;Organisierte Kriminalit\u00e4t&#8216;<\/p>\n<p>Kaiser, G\u00fcnther: Kriminologie, 9. Aufl., Heidelberg (UTB) 1993<br \/>\nKerner, Hans-J\u00fcrgen: Kleines Kriminologisches W\u00f6rterbuch, 3. Aufl., Heidelberg (UTB) 1993<br \/>\nSchwind, Hans-Dieter: Kriminologie, 5. Aufl., Heidelberg (Kriminalistik Verlag) 1993<br \/>\nSchneider, Hans Joachim: Einf\u00fchrung in die Kriminologie, 3. Aufl., Berlin\/ New York (de Gruyter) 1993<\/p>\n<p>Lehrb\u00fccher und Fachlexika sollen den Stand einer Wissenschaftsdisziplin do-kumentieren. Von kriminologischen Darstellungen werden Aufschl\u00fcsse \u00fcber aktuelle kriminalpolitische Themen erwartet. Die &#8218;OK&#8216;-Debatte stellt eines der prominentesten dieser Themen dar. Die 1993 in Neuauflage erschienenen kriminologischen Lehrb\u00fccher zeigen jedoch: Diese in Deutschland nach wie vor \u00fcberwiegend als Anh\u00e4ngsel der Strafrechtsausbildung betriebene Disziplin \u00fcbt sich hier weiterhin in Abstinenz, sie \u00fcberl\u00e4\u00dft das Feld polizeilichen und journalistischen Alltagstheorien.<br \/>\nDie Quintessenz der genannten Publikationen lautet: &#8218;OK&#8216; ist ein prgmatisches, polizeilichen Bed\u00fcrfnissen entsprechendes Konzept (Kaiser), dessen begriffliche Sch\u00e4rfe an der Vielfalt der Erscheinungen leidet (Kaiser, Schwind), die am ehesten mit einer Reihe von Indikatoren zu erfassen sind (Kaiser, Schwind, Schneider). Gleichwohl soll das aus den USA \u00fcbernommene (Kaiser, Kerner) &#8218;OK&#8216;-Konzept heuristischen Wert haben (Schneider). Die vorliegenden Versuche lassen daran zweifeln.<br \/>\nKaiser entwirft das Bild von &#8222;gewinnorientierten solidarischen Interessenge-meinschaften&#8220;, die sich durch Verwendung moderner Technik, Mobilit\u00e4t und Internationalit\u00e4t auszeichnen und sich von traditioneller Gruppenkriminalit\u00e4t dadurch unterscheiden, da\u00df der Kunde die Tat bestimmt. Sowohl straff gef\u00fchrte Organisationen wie lockere Straft\u00e4terverflechtungen h\u00e4lt er f\u00fcr typisch, obgleich er verfestigte Strukturen als Abgrenzungskriterium gegen\u00fcber Banden verwendet.<br \/>\nSchwind \u00fcbernimmt Kaisers Konzeption, dokumentiert jedoch gleichzeitig unkritisch die polizeiliche OK-Definition. Bei Schwind findet sich das klassi-sche Verst\u00e4ndnis des organisierten Verbrechens als von Sizilien nach Amerika exportierte Erscheinung, die nun auch in Deutschland ihre St\u00fctzpunkte bilde. Die breite Kritik an dieser &#8222;alien conspiracy&#8220;-Theorie bleibt unber\u00fcck-sichtigt. Bei der Beschreibung der Situation in Deutschland arbeitet Schwind nach dem g\u00e4ngigen Muster, bestimmte Kriminalit\u00e4tsbereiche als Inbegriff von OK zu behandeln, gleichzeitig das &#8218;organisierte Verbrechen&#8216; als dunkle Macht hinter diesen Delikten darzustellen.<br \/>\nSchneider st\u00fctzt seine Abhandlung auf eine breite Literaturauswertung, ins-besondere amerikanischer Autoren. F\u00fcr ihn ist das Konzept &#8218;organisiertes Verbrechen&#8216; ein Idealtyp. Tats\u00e4chlich sei von einem Kontinuum der Organi-siertheit, von gesellschaftlichen Lernprozessen von Berufsverbrechern auszu-gehen, die durch subkulturelle Normen auf Dauer miteinander verbunden sind. Wenn sich Schneider jedoch dem deuschen Lagebild zuwendet, taucht die Frage auf, inwieweit (illegale) Gesch\u00e4ftsbeziehungen noch mit dem Konzept einer ggf. nur &#8222;geringorganisierten&#8220; Gruppe sinnvoll erfa\u00dft werden k\u00f6nnen. Nicht einleuchtend ist, wenn er z.B. von der internationalen Verbreitung gestohlener Waren auf die Urheberschaft &#8222;internationaler Verbrecherorganisationen&#8220; schlie\u00dft.<br \/>\nAllein Kerner stellt das durch Al Capone-Klischees gepr\u00e4gte Verst\u00e4ndnis von &#8222;organized crime&#8220; in Frage. Er betont st\u00e4rker als andere die Erkl\u00e4rung von OK als Angebot von illegalen G\u00fctern und Dienstleistungen. Er kommt zu dem Schlu\u00df, das Modell einer &#8222;milit\u00e4risch organisierten Gewaltorganisation&#8220; sei nicht erforderlich, um ein &#8222;betriebswirtschaftlich straff organisiertes System \u00f6rtlicher Niederlassungen, das durch ein Netzwerk informeller Bekanntschaften und pers\u00f6nlicher Gesch\u00e4ftsbeziehungen kanalisiert wird&#8220;, zu begreifen.<br \/>\n(Klaus von Lampe, Dipl.-Pol. und\u00a0 Rechtsanwalt in Berlin, promoviert zum Thema &#8218;OK&#8216;)<\/p>\n<p>Sonstige Neuerscheinungen<\/p>\n<p>Gallwas, Hans-Ullrich: Polizei und B\u00fcrger. Rechtsfragen zu polizeilichem Handeln, M\u00fcnchen (Beck-Rechtberater im DTV) 1993, 149 S., DM 9,90<br \/>\nVerglichen mit den diversen Beratungsbrosch\u00fcren, die in der Linken seit ge-raumer Zeit kursieren, ist das vorliegende Buch von geringem Wert. Wer wissen will, wie man sich z.B. bei einer Festnahme zu verhalten hat, ben\u00f6tigt nicht in erster Linie eine Darstellung \u00fcber die verschiedenen rechtlichen Formen der Freiheitsentziehung oder -beschr\u00e4nkung, sondern klare auf die Situation zugeschnittene Rezepte. Da\u00df der Autor den fundamentalen Hinweis vergi\u00dft, da\u00df bei Festnahmen nur Angaben zur Person, aber nicht zur Sache gemacht werden m\u00fcssen, zeigt den geringen praktischen Wert dieses Bandes.<br \/>\n(Heiner Busch)<\/p>\n<p>Murck, Manfred; Schmalzl, Hans Peter; Zimmermann, Hans-Martin (Hg.): Immer dazwischen: Fremdenfeindliche Gewalt und die Rolle der Polizei. Hilden (Verlag Deutsche Polizeiliteratur) 1993, 256 S., DM 32,-<br \/>\nDer Titel des Buches macht neugierig, er l\u00e4\u00dft auf eine Diskussion \u00fcber die Rolle der Polizei in der Auseinandersetzung mit fremdenfeindlicher Gewalt hoffen. Kl\u00e4rungsbedarf gibt es zuhauf &#8211; vom z\u00f6gerlichen Einsatz gegen rassi-stische Gewalt (siehe Rostock) \u00fcber den Vorwurf der Blindheit auf dem rechten Auge und rechtsextremistischen Str\u00f6mungen innerhalb der Polizei bis hin zum polizeilichen Auftreten bei Konfrontationen zwischen rechten Veranstaltungen und linken Gegendemonstranten.<br \/>\nIst &#8218;immer dazwischen&#8216; dort, wo sich die Polizei gerne verortet: in der neu-tralen Vermittlerposition in gesellschaftlichen Konflikten, quasi \u00fcber den po-litischen Dingen stehend, wie die Herausgeber im Einf\u00fchrungsaufsatz w\u00fcnschen? (S. 36) Statt hierauf einzugehen, pr\u00e4sentiert der gr\u00f6\u00dfte Teil des Buches sozialwissenschaftliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze von Fremdenfeindlichkeit in der Bev\u00f6lkerung, von rechtsradikalem Protestpotential und seinen gesell-schaftspolitischen Einsch\u00e4tzungen. Also Themen, die man auch in vielen anderen Ver\u00f6ffentlichungen finden kann. Zum anderen werden polizeiliche Strategien und operative Taktiken gegen fremdenfeindliche Kriminalit\u00e4t pr\u00e4sentiert.<br \/>\nNeben Sozialwissenschaftlern, Verfassungsch\u00fctzern und Polizisten kommen auch Ignatz Bubis (Zentralrat der Juden in Deutschland) und Herbert Leuninger (&#8218;Pro Asyl&#8216;) zu Wort. Leuninger benennt dabei eines der Dilemmata: &#8222;Beamte sch\u00fctzen nachts Fl\u00fcchtlinge vor \u00dcbergriffen, die am n\u00e4chsten Morgen um 5.30 Uhr von den Kollegen zur Abschiebung festgenommen werden&#8220; (S. 202).<br \/>\n(Martin Winter, Sozialwissenschaftler in Halle)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zum Schwerpunkt Periodika Die monatliche Zeitschrift des Bundesgrenzschutzes geh\u00f6rt zu den Schmal-spurerzeugnissen im polizeilichen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[53,148],"tags":[],"class_list":["post-3705","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-047","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3705"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3705\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}