{"id":3724,"date":"1994-02-24T22:07:56","date_gmt":"1994-02-24T22:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3724"},"modified":"1994-02-24T22:07:56","modified_gmt":"1994-02-24T22:07:56","slug":"kleine-geschichte-des-bundesgrenzschutzes-eine-chronologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3724","title":{"rendered":"Kleine Geschichte des Bundesgrenzschutzes &#8211; Eine Chronologie"},"content":{"rendered":"<h3>von Martin Winter<\/h3>\n<p><strong>Die Geschichte des Bundesgrenzschutzes (BGS) ist durch seine Zwitterstellung zwischen milit\u00e4rischem Truppenverband und Polizei-Institution gekennzeichnet. Urspr\u00fcnglich war er als paramilit\u00e4rische Truppe konzipiert, die gegen (kommunistisch gelenkte) Aufst\u00e4ndische und Partisanen eingesetzt werden sollte. Die Aufstellung der Bundeswehr 1955 und die Notstandsgesetzgebung von 1968, die deren Einsatz auch im Inneren erm\u00f6glichte, machten dann den Weg frei, den BGS zu einer Art Bundespolizei zu entwickeln. Der Einsatzschwerpunkt verschob sich zunehmend zu einem ,Protest policing&#8216;.<\/strong><\/p>\n<p>1949 Am 14.April erh\u00e4lt Konrad Adenauer (CDU) als Pr\u00e4sident des Parlamentarischen Rates den sog. Polizeibrief der westlichen Milit\u00e4rgouverneure, der die Vorgaben der Alliierten polizeilichen Regelungen im neuen Grundgesetz nennt: Darin enthalten sind u. a. Restriktionen zuAufstellung und St\u00e4rke von Polizeieinheiten; die generelle Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Polizei soll den Bundesl\u00e4ndern zufallen; die Einrichtung von Bundespolizeibeh\u00f6rden gilt als Ausnahme dieser Regel.<!--more--><\/p>\n<p>Am 23. Mai tritt das Grundgesetz (GG) in Kraft. Polizeirelevante Artikel im GG sind u. a.: Art. 30 GG, der im Grundsatz die Polizei zur L\u00e4ndersache macht; Art. 35, der die Rechts- und Amtshilfe (auch durch den BGS) regelt; Art. 73 Nr. 5 GG, der dem Bund die ausschlie\u00dfliche Gesetzgebungskompetenz in Sachen Grenzschutz gibt; Art. 87 I GG, der die Aufstellung eines BGS vorsieht.<\/p>\n<p>1950 Die im September in New York tagende Konferenz der westlichen Au\u00dfenminister bewilligt den Deutschen die Befehlsgewalt \u00fcber 30.000 Mann in mobilen Polizeiformationen auf L\u00e4nderebene. Die Bereitschaftspolizeien (Bepo) der L\u00e4nder werden aufgestellt. Der Bund h\u00e4lt jedoch an der Errichtung einer Grenzschutztruppe mit 10.000 Mann und dem Aufbau einer Bundespolizei mit ebenso vielen Angeh\u00f6rigen fest.<\/p>\n<p>Im Gefolge des Korea-Krieges (1950-53) kommt es zu einer Neuorientierung in der Politik der Westalliierten. Die Bundesrepublik wird voll b\u00fcndnisf\u00e4hig. Damit ist der Weg zu eigenen Truppenpolizeien frei.<\/p>\n<p>1951 Am 22. M\u00e4rz tritt das Bundesgrenzschutzgesetz (BGSG) in Kraft. Sein Auftrag lautet: Schaffung eines BGS zur Sicherung der Grenzen vor gef\u00e4hrdenden St\u00f6rungen der \u00f6ffentlichen Ordnung bis zu einer Tiefe von 30 km. Der BGS wird dem Bundesinnenministerium (BMI) unterstellt.<\/p>\n<p>1.800 Mann als sog. Rahmenpersonal f\u00fcr die Aufstellung des BGS treffen am 28. Mai in L\u00fcbeck ein. Ein Gro\u00dfteil der eingestellten Offiziere stammt aus der Wehrmacht. Die Personalst\u00e4rke betr\u00e4gt in der Gr\u00fcndungsphase rund 9.000; 10.000 Mann werden angestrebt.<\/p>\n<p>Im September formiert sich der Seegrenzschutz.<\/p>\n<p>Einige Monate nach dem Aufbau der Grenzschutzkommandos (der geschlossenen Einheiten) erfolgt die Einrichtung des Bundespa\u00dfkontrolldienstes, dem sp\u00e4teren Grenzschutzeinzeldienst. Dieses Personal machte bis in die 70er Jahre nie mehr als 5 % des Exekutivpersonals aus: Die Kontrolle des grenz\u00fcberschreitenden Verkehrs wurde \u00fcberwiegend von der Polizei der L\u00e4nder, dem Zoll und der bayrischen Grenzpolizei ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Am 3. November beginnt das zehn Wochen dauernde Unternehmen &#8218;Martha&#8216; zur Bek\u00e4mpfung des Schmuggels im Raum Aachen. 1.581 Schmuggler werden aufgegriffen.<\/p>\n<p>1953 Am 19. Juni, zwei Tage nach Beginn des Arbeiteraufstandes in der DDR, beschlie\u00dft der Bundestag die Verst\u00e4rkung des BGS auf 20.000 Mann. Ein Grund hierf\u00fcr ist, da\u00df die Hoffnung der Bundesregierung auf eine dritte Truppenpolizei, eine Bundesbereitschaftspolizei neben dem BGS und den L\u00e4nder-Bereitschaftspolizeien, wegen f\u00f6deraler Einw\u00e4nde von CSU und Bayernpartei fallen gelassen werden mu\u00df.<\/p>\n<p>1954 Der BGS wird von rund 10.000 (1953) auf ca. 17.000 Mann aufgestockt. Diese dienen auch als Personalreservoir zum Aufbau der Bundeswehr, der nach der Ratifizierung der Pariser Vertr\u00e4ge am 28.2.1955 m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>1956 Der Bundestag verabschiedet im Mai das zweite Gesetz \u00fcber den Bundesgrenzschutz. Kern des Gesetzes: Der BGS wird zum Aufbau der Bundeswehr herangezogen, bleibt aber erhalten. 57% der BGSler (9.572 Beamte) wechseln \u00fcber. Der Seegrenzschutz allerdings geht komplett zur Marine; erst im August 1968 erfolgt dessen Neuaufstellung. Nachdem die Aufgabe als Personalresevoir der Bundeswehr erf\u00fcllt ist, entbrennt eine Kontroverse \u00fcber Sinn und Bestand des BGS. Begr\u00fcndet wird die weitere Existenz mit folgenden Argumenten: Der BGS fungiere als polizeilicher Puffer im Krisenfall; die Konfrontation an der Demarkationslinie k\u00f6nne minimiert werden, da Polizeikr\u00e4fte weniger die Gefahr einer milit\u00e4rischen Eskalation heraufbeschw\u00f6ren. Au\u00dferdem will man ein Instrument f\u00fcr den inneren Notstandsfall behalten. Konsequenz: Der BGS wird reorganisiert und personell auf rund 12.000 Mann (1958) bzw. 14.000 im Jahr 1959 &#8218;wiederaufgef\u00fcllt&#8216;.<\/p>\n<p>Im November findet ein Herbstman\u00f6ver des Grenzschutzkommandos (GSK) Nord im Industriegel\u00e4nde um Wolfsburg\/Salzgitter statt. Der \u00dcbungsplan sieht die Bek\u00e4mpfung der &#8218;Roten&#8216; (aufst\u00e4ndische Arbeiter) durch die &#8218;Blauen&#8216; (BGS) vor. Diese Art milit\u00e4rischer Aufstandsbek\u00e4mpfung bleibt bis Ende der 60er Jahre Bezugspunkt der Ausbildung, Bewaffnung und Ausr\u00fcstung des BGS.<\/p>\n<p>1961 Am 18. M\u00e4rz wird das &#8218;Gesetz \u00fcber den unmittelbaren Zwang'(UZwG) bei Aus\u00fcbung \u00f6ffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes verk\u00fcndet. Damit ist ein erster Schritt in Richtung Verpolizeilichung des BGS getan.<\/p>\n<p>Am 1. April wird der Bundespa\u00dfkontrolldienst in Grenzschutzeinzeldienst (GSE) umbenannt.<\/p>\n<p>1962 Am 28. M\u00e4rz wird 42 des Wehrpflichtgesetzes neu gefa\u00dft: Wehrpflichtige, die mindestens 18 Monate im BGS oder in der Polizei t\u00e4tig sind, m\u00fcssen nicht mehr zur Bundeswehr.<\/p>\n<p>1965 Am 11. Juli wird durch eine erneute Gesetzes\u00e4nderung den BGS-Angeh\u00f6rigen als pers\u00f6nliche v\u00f6lkerrechtliche Schutzbestimmung der Kombattantenstatus verliehen ( 64 BGSG), der sie im Kriegsfalle zu einem Teil der k\u00e4mpfenden Truppen erkl\u00e4rt. Das Gesetz erkennt damit im Grunde den paramilit\u00e4rischen Charakter des BGS im nachhinein an.<\/p>\n<p>1968 Die Notstandsgesetze vom Juni ver\u00e4ndern das Grundgesetz. Zentrale Einschnitte sind: Art. 87 a IV GG, der unter bestimmten Voraussetzungen den Einsatz der Bundeswehr im Inneren vorsieht; Art. 91 GG, der den inneren Notstandsfall bestimmt.<br \/>\nDamit werden neue funktionale Grenzen zwischen Milit\u00e4r und Polizei gezogen. Der verfassungsrechtliche Rahmen f\u00fcr die Verpolizeilichung des BGS, f\u00fcr das neue BGSG, das 1973 in Kraft tritt, ist somit geschaffen.<\/p>\n<p>1969 Am 18. Januar tritt das neue Wehrpflichtgesetz in Kraft, mit dem u. a. polizeiliche Personalengp\u00e4sse \u00fcberbr\u00fcckt werden sollen: 42 bestimmt nun, da\u00df f\u00fcr Wehrpflichtige die Pflicht zum Grundwehrdienst erlischt, wenn sie mindestens zwei Jahre im BGS oder drei Jahre bei der Polizei ableisten. Bedeutender ist jedoch 42 a, der die Einf\u00fchrung der Grenzschutzpflicht vorsieht.<\/p>\n<p>1972 Am 22. M\u00e4rz billigt das Bundeskabinett ein &#8218;Schwerpunktprogramm Innere Sicherheit&#8216;. Ziele des Programms sind u.a. personelle und technische Verbesserungen der Bundesinstitutionen der inneren Sicherheit.<\/p>\n<p>Im Mai\/Juni wird auch der BGS bei den Gro\u00dffahndungen nach der Baader-Meinhof-Gruppe eingesetzt.<\/p>\n<p>Das im Juni von der Innenministerkonferenz erarbeitete &#8218;Programm f\u00fcr die Innere Sicherheit&#8216; (PIS) schafft die Grundlage f\u00fcr eine Polizeireform. Parallel zum Umbau der Polizei erfolgt eine Zentralisierung und ein Ausbau der Bundesinstitutionen einschlie\u00dflich des BGS. Mit Beginn der sozialliberalen Koalition 1969 und dem damit einhergehenden Ausbau des Sicherheitssystems w\u00e4chst die BGS-Truppe bis auf rund 22.000 Mann in 1980 an. Parallel zum Personalausbau steigen die Kosten im Laufe der 70er Jahre von 376 Mio. DM (1970) auf 1,001 Mrd. DM (1980).<\/p>\n<p>Das PIS legt die Stellung des BGS im Sicherheitssystem der BRD neu fest. In der Folge verabschiedet der Bundestag am 22. Juni das 2. BGSG, das im April 1973 in Kraft tritt: Dem BGS werden neben dem Grenzschutzauftrag weitere Aufgaben zugeteilt, insbesondere die Unterst\u00fctzung der L\u00e4nderpolizeien bei besonderen Lagen. Die im Gesetz von 1951 fixierte Beschr\u00e4nkung des Einsatzgebietes auf eine Raumtiefe von 30 km ins Landesinnere wird aufgehoben. Der BGS, nun klar als Sonderpolizei des Bundes definiert, fungiert als Sicherheits- und Eingreifreserve f\u00fcr die L\u00e4nder. Praktiziert wird diese Integration von ab Mitte der 70er Jahre immer wieder bei Gro\u00dfeins\u00e4tzen anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen.<\/p>\n<p>Infolge eines Anschlags des pal\u00e4stinensischen Kommandos &#8218;Schwarzer September&#8216; auf die Mitglieder des israelischen Olympiateams in M\u00fcnchen und der anschlie\u00dfenden mi\u00dfgl\u00fcckten Geiselbefreiung auf dem Flugplatz F\u00fcrstenfeldbruck wird die &#8218;Grenzschutzgruppe 9&#8216; (GSG 9) gegr\u00fcndet. Ab September 1973 ist die GSG 9 einsatzbereit (siehe S. 47).<\/p>\n<p>1973 Ab Oktober werden keine Dienstpflichtigen mehr in den BGS eingezogen.<\/p>\n<p>1976 Ein neues GSK West, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bundeshauptstadt, wird geschaffen.<br \/>\nBis zur deutsch-deutschen Vereinigung 1990 gibt es f\u00fcnf GSK (Nord, S\u00fcd, Mitte, West, K\u00fcste). Diesen unterstehen die Verb\u00e4nde und Einheiten f\u00fcr den geschlossenen Einsatz. Die GSG 9 wird dem GSK West angegliedert. Der gesamte grenzpolizeiliche Einzeldienst (der ehemalige Bundespa\u00dfkontrolldienst) ist der Grenzschutzdirektion (GSD) in Koblenz unterstellt. Daneben bestehen die organisatorisch selbst\u00e4ndigen Grenzschutzverwaltungen in den GSK und eine Grenzschutzschule in L\u00fcbeck als zentrale Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte aller Ebenen.<\/p>\n<p>Am 1. Juli tritt das Gesetz zur Personalstruktur des Bundesgrenzschutzes in Kraft: Damit werden die Diskrepanzen in der Laufbahnstruktur zwischen L\u00e4nderpolizeien und BGS formal beseitigt; Polizeidienstgrade ersetzen nun die milit\u00e4rischen Dienstr\u00e4nge. Das Gesetz sieht weiter eine neue Ausstattungs- und Ausbildungskonzeption vor.<\/p>\n<p>Mit dem neuen BGSG und dem Personalstrukturgesetz ist die Reform in Richtung Verpolizeilichung nahezu komplett. Weitere Ma\u00dfnahmen sind: Abschaffung der &#8218;gesch\u00fctzten&#8216; Hundertschaften mit milit\u00e4rischem Ger\u00e4t wie Granatwerfer, Sch\u00fctzenpanzer und schweren Maschinengewehren; stattdessen Einf\u00fchrung sog. polizeitypischer Waffen wie Wasserwerfer, Schlagst\u00f6cke, CN-Gas etc.; Trennung in Ausbildungs- und Einsatzeinheiten; Anschlu\u00df an das polizeiliche Datensystem INPOL.<\/p>\n<p>1977 Die Polizeireform erm\u00f6glicht nun auch Eins\u00e4tze gegen demonstrierende B\u00fcrgerInnen. So werden am 18.\/19. Februar BGS-Beamte auf dem Baugel\u00e4nde des AKW Brokdorf und am 19. M\u00e4rz in Grohnde eingesetzt. Der BGS begleitet fast jede gr\u00f6\u00dfere Demonstration: Brokdorf (1981), Startbahn-West (1981-1984), Bremerhaven, Bonn, Fulda (1981-1984), M\u00fcnchen und Wakkersdorf (1985-1986), Hafenstra\u00dfe (1986-90) etc. Demonstrationseins\u00e4tze bilden den Einsatzschwerpunkt f\u00fcr die geschlossenen Verb\u00e4nde des BGS.<\/p>\n<p>Am 17. Oktober befreit die GSG 9 in Mogadischu 86 Geiseln aus einer von pal\u00e4stinensischen Terroristen gekaperten Lufthansamaschine.<\/p>\n<p>1978 Der BGS kommt wegen zweifelhafter Kontrollpraktiken an den Grenzen ins Gerede. F\u00fcr den Verfassungsschutz pr\u00fcft er im Rahmen der Amtshilfe Daten von Reisenden auf deren Zugeh\u00f6rigkeit zu linksextremistischen Organisationen.<\/p>\n<p>1980 Im April erh\u00e4lt der BGS den Auftrag, gemeinsam mit nieders\u00e4chsischen Polizeibeamten die Baustelle in Gorleben zu sichern. Der Dauereinsatz in Gorleben ist rechtlich umstritten; zul\u00e4ssig nach dem damals geltenden BGSG 9 I Nr. 1 sowie Art. 35 II S. 1 GG ist nur der Einsatz &#8222;in F\u00e4llen von besonderer Bedeutung&#8220;.<\/p>\n<p>1982 Mit der politischen Wende von der sozialliberalen zu einer CDU\/FDP-Regierung folgt ein leichter R\u00fcckgang der Personalzahlen auf rund 20.000 Mann.<\/p>\n<p>1984 Im April f\u00fchrt das GSK Mitte mit 1.612 Mann und schwerem Ger\u00e4t (Sonderwagen mit Zwei-Zentimeter-Kanonen, Maschinengewehren, Gewehrgranaten) ein f\u00fcnft\u00e4giges Man\u00f6ver durch. Szenario: &#8222;lang anhaltende Arbeitsk\u00e4mpfe&#8220; und &#8222;Umsturzversuche&#8220; extremer Gruppen. Im Mai veranstaltet das GSK West mit 1.300 Beamten eine &#8222;Volltruppen\u00fcbung&#8220; unter Leitung der GSG 9.<\/p>\n<p>1987 Im Oktober werden erstmals Frauen im BGS eingestellt. Ihr Anteil bei den Neueinstellungen betr\u00e4gt rund 10%.<\/p>\n<p>Infolge des geplanten Abbaus der EG-Binnengrenzen (Schengener Abkommen) wird die &#8218;Planungsgruppe BGS 2000&#8216; eingesetzt. Sie schl\u00e4gt als Ausgleichsma\u00dfnahme f\u00fcr wegfallende Grenzsicherungsaufgaben vor, dem BGS vermehrt Personenschutzaufgaben, bahnpolizeiliche und Luftsicherungsaufgaben zu \u00fcbertragen und BGS-Beamte verst\u00e4rkt im polizeilichen Einzeldienst einzusetzen.<\/p>\n<p>1989 Von September bis April 1990 werden 50 BGS-Beamte als Polizeibeobachter im Rahmen einer UNO-Friedensmission in Namibia eingesetzt (siehe S. 36).<\/p>\n<p>Wendezeit in der DDR: Die Grenzen werden offiziell am 13. November ge\u00f6ffnet. Die Sperrzone im Grenzgebiet zur BRD wird von der DDR aufgehoben. Damit fallen die fr\u00fcheren Aufgaben des BGS an der innerdeutschen Grenze weg.<\/p>\n<p>1990 Am 1. Juli unterzeichnen Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble (CDU) und DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel (CDU) ein Abkommen \u00fcber die Aufhebung der Personenkontrollen an der innerdeutschen Grenze, das noch am selben Tag in Kraft tritt.<\/p>\n<p>Bei den Feierlichkeiten am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, wird der BGS erstmalig auch in Berlin eingesetzt.<\/p>\n<p>Der noch vom Ministerium des Innern der ehemaligen DDR aufgestellte Grenzschutz wird vom Bund \u00fcbernommen. Die Besch\u00e4ftigten werden mit der \u00dcbernahme Angeh\u00f6rige des BGS. Mit zun\u00e4chst 2.300 Beamten (Planstellen = 7.000) wird das Grenzschutzpr\u00e4sidium Ost geschaffen. Die endg\u00fcltige Soll-St\u00e4rke wird mit 8.300 angegeben.<br \/>\nDer BGS erh\u00e4lt &#8211; entsprechend dem Einigungsvertrag &#8211; im Osten auch bahn-polizeiliche und Luftsicherungsaufgaben. Damit werden implizit Vorschl\u00e4ge aus dem Konzept &#8218;BGS 2000&#8216; umgesetzt.<\/p>\n<p>Mit der Stationierung an der neuen Ostgrenze gibt es auch wieder eine ori-gin\u00e4re Aufgabe f\u00fcr den BGS: die Sicherung der Grenze &#8211; insbesondere vor unerw\u00fcnschter Einwanderung.<\/p>\n<p>1992 Die deutsch-deutsche Vereinigung bewirkt einen Schub in der Personalst\u00e4rke. 1992 tragen 24.463 Beamte die dunkelgr\u00fcne Uniform (Sollst\u00e4rke = 29.000). Bedingt durch die Vereinigung und die BGS-Reform steigen die Ausgaben f\u00fcr den BGS von 1,303 Mrd. DM im Jahr 1990 auf 1,899 Mrd. DM.<\/p>\n<p>Am 1. April tritt das Gesetz zur \u00dcbertragung der Aufgaben der Bahnpolizei und der Luftsicherheit auf den BGS (auch im Westen) in Kraft. Gegen diese Kompetenzerweiterung reicht das Land Nordrhein-Westfalen im Juli beim Bundesverfassungsgericht Verfassungsklage ein.<\/p>\n<p>Mit der Gesetzes\u00e4nderung von 1992 wird die funktionale Trennung des BGS in Grenzschutzverb\u00e4nde und Grenzschutzeinzeldienst aufgegeben und durch eine integrierte Organisationsform ersetzt.<br \/>\nAlle polizeilichen Aufgaben und die Verwaltung werden in regionalen Pr\u00e4sidien unter einheitlicher F\u00fchrung zusammengefa\u00dft. Damit wird die Organisation an die polizeilichen Strukturen der L\u00e4nder angeglichen. Die bisherigen GSK werden in Grenzschutzpr\u00e4sidien (GSP) umbenannt. F\u00fcnf GSP (Nord, West, Ost, S\u00fcd und Mitte) bilden die neue Grundstruktur, das fr\u00fchere GSK K\u00fcste wird aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Von Mitte 1992 bis Mitte 1993 schickt die Bundesregierung im Rahmen einer UNO-Mission rund 100 BGS-Beamte zusammen mit Sanit\u00e4tssoldaten der Bundeswehr nach Kambodscha, um die Durchf\u00fchrung freier Wahlen zu kontrollieren.<\/p>\n<p>1993 Der BGS-Haushalt \u00fcberspringt mit 2,007 Mrd. DM erstmals die 2-Mrd.-DM-Grenze.<br \/>\nAm 27. Juni endet die Festnahme der beiden mutma\u00dflichen RAF-Mitglieder Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams durch Angeh\u00f6rige der GSG 9 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen mit zwei Toten: Ein GSG 9-Beamter wird get\u00f6tet, Grams stirbt an den Folgen eines Kopfschusses.<\/p>\n<p>Im Juni 1993 entsendet die Bundesregierung f\u00fcnf BGS-Beamte in die Westsahara, um die \u00dcberwachung eines UNO-Referendums mit vorzubereiten.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Juni 1993 werden 42 BGS-Beamte im Rahmen eines Einsatzes der Westeurop\u00e4ischen Union zur Durchsetzung des UN-Embargos gegen Rest-Jugoslawien auf der Donau eingesetzt.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung legt eine Gesetzesnovelle vor, mit der das BGSG erneut ge\u00e4ndert werden soll, und die weitreichende Kompetenzerweiterungen vorsieht. Erstmalig fehlen in dem Entwurf allerdings die Regelungen f\u00fcr den Kombattantenstatus.<\/p>\n<h5>Martin Winter ist Sozialwissenschaftler an der Universit\u00e4t in Halle<\/h5>\n<h6>Mit Fu\u00dfnoten im <a href=\"http:\/\/archiv.cilip.de\/Hefte\/CILIP_047.pdf\">PDF der Gesamtausgabe<\/a>.<\/h6>\n<h3>Bild: Wikipedia (Bundesarchiv, B 145 Bild-F005675-0002 \/ Steiner, Egon \/ CC-BY-SA 3.0, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F005675-0002,_Kassel,_Bundesgrenzschutzgeb%C3%A4ude.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesarchiv B 145 Bild-F005675-0002, Kassel, Bundesgrenzschutzgeb\u00e4ude<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/legalcode\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 3.0 DE<\/a>)<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martin Winter Die Geschichte des Bundesgrenzschutzes (BGS) ist durch seine Zwitterstellung zwischen milit\u00e4rischem Truppenverband<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12209,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,53],"tags":[342,727,1007],"class_list":["post-3724","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-cilip-047","tag-bundesgrenzschutz","tag-gsg-9","tag-notstandsgesetze"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12209"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}