{"id":3866,"date":"1992-12-26T12:21:10","date_gmt":"1992-12-26T12:21:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3866"},"modified":"1992-12-26T12:21:10","modified_gmt":"1992-12-26T12:21:10","slug":"detekteien-und-auskunfteien-vom-fernsehkrimi-in-die-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3866","title":{"rendered":"Detekteien und Auskunfteien &#8211; vom Fernsehkrimi in die Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<h3>von Otto Diederichs<\/h3>\n<p>Sie sind die unbestreitbaren Lieblinge der Unterhaltungsindustrie &#8211; die Detektive. Vom eher introvertierten Kombinierer bis zum schlag- und schie\u00dffreudigen Draufg\u00e4nger &#8211; eines ist ihnen gemein und allabendlich gewi\u00df: Der Erfolg! Da nimmt es nicht wunder, da\u00df auch im wirklichen Leben einige Tausende meinen, das Zeug zu einem Sherlock Holmes zu haben &#8211; wobei hier zun\u00e4chst einmal nicht mehr notwendig ist als ein paar Mark f\u00fcr den Erwerb eines Gewerbescheines. Mit der flapsigen Anleihe der wohl bekanntesten Figur dieses Genres allein, wird man dem bunten V\u00f6lkchen der Privatdetektive allerdings nicht gerecht.<\/p>\n<p>Begonnen hat das Detektivwesen in Deutschland &#8211; soweit bekannt &#8211; mit der 1880 von Caspari-Roth Rossi in Berlin eingerichteten Detektei. Gegen Ende der 80er Jahre gab es dann auch in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten selbst\u00e4ndige Detektive. Zumeist waren es ehemalige Polizeibeamte, die sich in der neuen Branche versuchten. Einer amtlichen Erhebung aus dem Jahr 1925 zufolge waren es zu diesem Zeitpunkt 1.321 Institute mit insgesamt 7.742 Besch\u00e4ftigten. F\u00fcr die weitere Zeit liegen nur wenige interessante Informationen vor, so da\u00df die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ausgespart bleiben mu\u00df. <!--more--><\/p>\n<p>Mit der f\u00fcr Nachkriegszeiten typischen Situation von steigender Kriminalit\u00e4t und desolaten Sicherheitsapparaten begann auch das Detektivgewerbe wieder zu florieren. Dauerauftr\u00e4ge wie etwa die \u00dcbernahme von Werkschutzaufgaben f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Unternehmen und die Wiederbeschaffung gestohlener oder gepl\u00fcnderter Gegenst\u00e4nde bildeten zun\u00e4chst den Haupterwerbszweig. Mit Beginn des sog. Wirtschaftswunders Mitte der 50er Jahre begann die Branche ebenso zu boomen wie das \u00fcbrige Bewachungsgewerbe (siehe S. 26). 1957 tummelten sich rd. 450 selbst\u00e4ndige Detektivb\u00fcros auf (west)deutschem Boden. F\u00fcr 1976 wird die registrierte Zahl mit ca. 1000 B\u00fcros angegeben , gleichzeitig jedoch mit einer 10fach h\u00f6heren Dunkelziffer gerechnet.<\/p>\n<h4>Privatdetektive heute<\/h4>\n<p>Das Beispiel zeigt, wie schwierig es generell ist, beim Detektivgewerbe eine genaue Bezifferung vorzunehmen. Heute &#8211; angesichts der Situation in den neuen Bundesl\u00e4ndern -, wo regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden Pressemeldungen zufolge ehemalige STASI-Leute im Detektivberuf offenbar einen lukrativen Markt f\u00fcr sich entdeckt haben , scheinen auch die Verb\u00e4nde endg\u00fcltig den \u00dcberblick verloren zu haben. So gibt Lothar Wenzel, der Sprecher des &#8218;Bundesverbandes Deutscher Detektive (BDD)&#8216; die derzeitige Zahl seiner KollegInnen zwar mit ca. 15.000 an, mu\u00dfte auf Nachfrage allerdings passen, was die Situation in den neuen L\u00e4ndern angeht. Gerade noch darauf, da\u00df im ersten Vierteljahr 1991 die Zahl der Detektivb\u00fcros im Ostteil Berlins von urspr\u00fcnglich 100 wieder auf drei zur\u00fcckgegangen sei, wollte er sich festlegen.<\/p>\n<p>Wirft man einen Blick in das amtliche Branchenbuch, so lauten die dort an-gebotenen Dienstleistungen \u00fcberwiegend auf Observationen, Beweismittelbe-schaffung in Straf- und Zivilverfahren, Ermittlungen bei Verdacht auf Schwarzarbeit, Einsatz von Kaufhausdetektiven, Personal\u00fcberwachung sowie auch immer wieder Ermittlungen in Ehe- und Partnerschaftsangelegenheiten. Ebenfalls h\u00e4ufig im Angebot ist auch der Personenschutz, zumeist mit der Zusatzbemerkung &#8222;bewaffnet&#8220;. Auch auf den gro\u00dfspurigen Hinweis eines Einsatzes im In- und Ausland verzichten nur wenige. Dringt man etwas tiefer, so stellt man fest, da\u00df diese Darstellungen zwar nicht direkt falsch, jedoch kr\u00e4ftig hochgestapelt sind &#8211; die Wirklichkeit ist unspektakul\u00e4rer. Rund 12-13.000 der insgesamt 15.000 deutschen Detektive &#8211; so die Auskunft des BDD &#8211; fristen ihr Leben als Kaufhausdetektive. Auch das Statussymbol jedes &#8218;ordentlichen&#8216; Detektivs, der Ballermann, ist demnach lediglich bei etwa 10-15% zu finden. Die Zahl der (haupts\u00e4chlich im Personenschutz t\u00e4tigen) bewaffneten Personen l\u00e4ge somit zwischen 200 und 300.<\/p>\n<p>Organisiert ist der sich als seri\u00f6s einstufende Teil des Detektivgewerbes in drei Verb\u00e4nden, von denen der gr\u00f6\u00dfte, der bereits erw\u00e4hnte &#8218;BDD&#8216; nach eigenen Angaben 1992 ca. 220 (mit einem gesch\u00e4tzten Umsatz 1992 von 200 Mio. DM) der mutma\u00dflich etwa 600 Unternehmen angeh\u00f6rten. Beim zweiten gr\u00f6\u00dferen Zusammenschlu\u00df, dem &#8218;Bund Internationaler Detektive (BID)&#8216;, sind es laut Wenzel weitere 100 Unternehmen und beim &#8218;Deutschen Detektiv-Verband (DDV)&#8216; noch einmal ca. 30. Da\u00df das Image der deutschen Privatdetektive nicht gerade das beste ist und eine Selbsteinstufung in seri\u00f6se und unseri\u00f6se nicht von ungef\u00e4hr kommt, zeigen immer wieder Meldungen \u00fcber Gesetzesverst\u00f6\u00dfe, Strafverfahren und Skandale. (Erinnert sei an dieser Stelle lediglich an herausragende F\u00e4lle wie die &#8218;Barschel-Aff\u00e4re&#8216;, die &#8218;Mauss-Aff\u00e4re&#8216; oder die j\u00fcngsten Verwicklungen des Frankfurter Detektivs Klaus-Dieter Matschke in die momentane STASI-Aff\u00e4re in Magdeburg.)<\/p>\n<p>Zur allgemeinen Qualit\u00e4t privatdetektivischer Arbeit hat eine Untersuchung der Zeitschrift &#8218;test&#8216; 1985 bereits ein mehr als deutliches Bild gezeichnet. &#8222;F\u00fcr den Verbraucher&#8220;, so &#8218;test&#8216;, &#8222;bleibt es ein Gl\u00fccksspiel mit geringen Gewinnchancen, ob er f\u00fcr sein Geld auch eine angemessene Leistung bekommt.&#8220; Ihr Fazit, &#8222;h\u00e4ufig ist man nach Inanspruchnahme ihrer Dienste nicht schlauer als vorher&#8220;.<\/p>\n<h4>Handelsauskunfteien<\/h4>\n<p>Entstanden sind solche Auskunfteien aus dem Bed\u00fcrfnis von Gesch\u00e4ftsleuten, sich m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig ein Bild \u00fcber die Zuverl\u00e4ssigkeit und Bonit\u00e4t po-tentieller Gesch\u00e4ftspartner zu verschaffen. Als das erste deutsche Auskunfts-b\u00fcro gilt das 1860 in Stettin gegr\u00fcndete &#8218;Salomon&#8217;s Erkundigungs-Bureau zur Wahrung kaufm\u00e4nnischer Interessen f\u00fcr Stettin und die Provinz Pommern&#8216;. Da\u00df das Interesse an derartigen Informationen mit fortschreitender Industrialisierung stieg, liegt auf der Hand. Heute herrscht in der Branche, so der &#8218;Verband der Handelsauskunfteien (VdH)&#8216; ein sog. Oligopol, d.h. drei Unternehmen (die sich s\u00e4mtlich auch im Inkasso-Bereich bet\u00e4tigen) teilen den Markt im wesentlichen unter sich auf. Branchenf\u00fchrer ist mit 135 ange-schlossenen B\u00fcros und ca. 2.500 MitarbeiterInnen der &#8218;VdH&#8216; selbst (Umsatz 1991 = ca. 320 Mio. DM), gefolgt von der &#8218;Vereinigten Auskunftei B\u00fcrgel&#8216; (75 B\u00fcros mit rd. 700 MitarbeiterInnen, Umsatz 1991 = ca. 85 Mio. DM) und der Auskunftei &#8218;Schimmelpfeng&#8216; (13 B\u00fcros mit ca. 500 MitarbeiterInnen, Umsatz 1991 = ca. 64 Mio. DM). Daneben gibt es lediglich noch eher unbedeutende Unternehmen im Bereich der Textil- und Forstwirtschaft.<\/p>\n<p>Ihre Informationen erhalten Auskunfteien sowohl durch eine permanente Auswertung und Archivierung aller \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen wie Handelsregister etc. sowie auf Anfrage auch durch aktuelle Recherchen vor Ort. Hierzu geh\u00f6ren dann sowohl Selbstausk\u00fcnfte der Zielpersonen wie auch Lieferantenbefragungen u.\u00e4.<br \/>\nDa\u00df in solchen Informationen und den auf ihrer Grundlage erteilten Ausk\u00fcnften u.U. eine erhebliche Brisanz stecken kann, liegt auf der Hand. Aus gegebenem Anla\u00df entschied denn auch 1984 der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, da\u00df Wirtschaftsauskunfteien, sofern zuvor ein &#8222;berechtigtes Interesse&#8220; nachgewiesen werden kann, nur solche Daten weitergeben d\u00fcrfen, die zur Beurteilung eines wirtschaftlichen Sachverhaltes notwendig sind. Daten \u00fcber Familienverh\u00e4ltnisse, Lebensweise und Zahlungsverhalten d\u00fcrfen hingegen nicht weitergegeben werden. Was dar\u00fcber hinaus die allgemeine Qualit\u00e4t der Ausk\u00fcnfte angeht, so lohnt wiederum ein Blick in die bereits zitierte Zeitschrift der &#8218;Stiftung Warentest&#8216;.<\/p>\n<h6>Mit Fu\u00dfnoten im <a href=\"http:\/\/archiv.cilip.de\/Hefte\/CILIP_043.pdf\">PDF der Gesamtausgabe<\/a>.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Otto Diederichs Sie sind die unbestreitbaren Lieblinge der Unterhaltungsindustrie &#8211; die Detektive. 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