{"id":3948,"date":"1992-02-26T14:21:40","date_gmt":"1992-02-26T14:21:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3948"},"modified":"1992-02-26T14:21:40","modified_gmt":"1992-02-26T14:21:40","slug":"personal-computer-als-polizeilicher-arbeitsplatz-zwischen-typenhebel-und-shift-taste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3948","title":{"rendered":"Personal-Computer als polizeilicher Arbeitsplatz &#8211; zwischen Typenhebel und Shift-Taste"},"content":{"rendered":"<h3>von Reinhard Borchers<\/h3>\n<p>Nachdem (in den alten Bundesl\u00e4ndern) die Vernetzung der Polizei mittels INPOL und SPUDOK nahezu abgeschlossen ist und der ONLINE-Zugriff auf bundesweite Datenbanken wie ZEVIS1 und Ausl\u00e4nderzentralregister m\u00f6glich ist, werden EDV-Anlagen nun auch als Einzelplatzl\u00f6sungen bzw. lokal vernetzte Anlagen installiert.<\/p>\n<p>Soweit m\u00f6glich streben die Polizeien weit vernetzte Systeme an, um den Datenflu\u00df schnell und ohne Klippen zu gew\u00e4hrleisten. Allerdings hat auch die Polizei erkannt, da\u00df sich PCs nutzbringend und zeitsparend einsetzen lassen. PCs als Einzelpl\u00e4tze werden jedoch nur dort eingesetzt, wo eine Vernetzung mit den bestehenden Systemen wenig Sinn macht, z.B. bei der Gestaltung der Pressemitteilungen, Aufbau eng umrissener Datenbanken, Auswertung von Bilanzen und Kontenbewegungen im Bereich der Wirtschaftskriminalit\u00e4t etc. <!--more--><br \/>\nGerade im t\u00e4glichen Dienst bei der Anzeigenaufnahme und Berichtsfertigung dominiert immer noch die Schreibmaschine, bisweilen Ger\u00e4te, die jedem Technikmuseum Ehre machen w\u00fcrden. Falls schon ein modernes Informations- und Kommunikationsnetz besteht, werden die M\u00f6glichkeiten dieses Netzes z. T. f\u00fcr lokale Arbeiten erweitert (Textverarbeitung, Fernschreiben \u00fcber Datenleitungen etc.).<\/p>\n<h4>Arbeitsplatzsituation<\/h4>\n<p>Sie hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. W\u00e4hrend fr\u00fcher nach dem Motto &#8222;Schreibmaschine raus &#8211; Terminal rein&#8220; gehandelt wurde, werden die Arbeitspl\u00e4tze heute nach arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten mit entsprechenden Sitz- und Lichtverh\u00e4ltnissen gestaltet. Out sind die gr\u00fcnflimmernden Bildschirme der ersten Generation. Mittlerweile sind h\u00f6her aufl\u00f6sende, mit einer akzeptablen Bildwiederholfrequenz im Einsatz. Inwieweit diese Bildschirme den Anforderungen nach den neuesten schwedischen Normen2 entsprechen, kann leider nicht gesagt werden.<\/p>\n<p>KollegInnen, die \u00fcberwiegend oder ausschlie\u00dflich an Bildschirmen arbeiten, werden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden arbeitsmedizinisch untersucht. Falls erforderlich, werden Spezialbrillen verordnet.<\/p>\n<h4>Ausbildung an den Ger\u00e4ten<\/h4>\n<p>Auch hier ist eine Wandlung zu verzeichnen. Bei Einf\u00fchrung der Neuen Techniken wurden nur wenige KollegInnen an den Ger\u00e4ten ausgebildet. Diese gaben ihr Wissen dann als sog. Multiplikatoren an die KollegInnen der jeweiligen Dienststellen und -gruppen weiter oder die KollegInnen fummelten sich nach den Methoden &#8222;learning by doing&#8220; und &#8222;try and error&#8220; in die Programme ein. Dies war neben der allt\u00e4glichen Arbeit zu gew\u00e4hrleisten. Heute wird auf eine fundierte Ausbildung Wert gelegt. Diese findet an den Polizeischulen im Rahmen der Aus- und Fortbildung, bzw. auf speziellen Lehrg\u00e4ngen statt. Bei Problemen besteht w\u00e4hrend der allgemeinen Dienstzeiten die M\u00f6glichkeit, sich telefonisch helfen zu lassen. Vielfach wird der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df umfangreichere Hilfsfunktionen im System enthalten sein sollten. Bem\u00e4ngelt werden noch die &#8222;Benutzeroberfl\u00e4chen&#8220;3. Sie sind z. T. un\u00fcbersichtlich und noch nicht den heute g\u00fcltigen Standards (als Beispiel sei die &#8222;SAA-Oberfl\u00e4che&#8220; genannt) angepa\u00dft. Viele Programmpunkte sind zwar \u00fcber Funktionstasten aufrufbar, bei anderen Systemen aber sind bis zur Vollendung eines Arbeitsganges immer noch mehrere Befehle einzugeben.<\/p>\n<h4>Akzeptanz der Ger\u00e4te<\/h4>\n<p>Eine Polizei ohne Datenverarbeitung kann sich heute niemand mehr vorstellen. Da fast jede Polizeidienststelle mit Terminals ausger\u00fcstet ist, die man-nigfaltigste Abfragem\u00f6glichkeiten gestatten, werden diese nat\u00fcrlich genutzt. Dies f\u00fchrt h\u00e4ufig dazu, da\u00df sich KollegInnen zuweilen mehr auf den &#8222;Gro\u00dfen Bruder&#8220; verlassen als auf die vor Ort angetroffenen Gegebenheiten. Als Bei-spiel seien die M\u00f6glichkeiten von ZEVIS angef\u00fchrt: Abfrage des Kennzeichens eines parkenden Wagens &#8211; man bekommt die Daten des Fahrzeughalters. Mit diesen Personendaten kann nun festgestellt werden, ob der Halter gesucht wird, schon bei der Polizei bekannt ist oder wegen welcher Delikte u.U. gegen den Halter ermittelt wurde. Es ist au\u00dferdem m\u00f6glich, festzustellen, ob der Halter eine Fahrerlaubnis hat, wenn nicht, mmhhh &#8230;. Verdachtssch\u00f6pfung \u00fcber Computer.<\/p>\n<p>Auch auf den Dienststellen der Polizei gibt es einige Freaks, die sich tage- und n\u00e4chtelang mit den vorhandenen Systemen besch\u00e4ftigen und genau wissen, was sie hergeben. Die meisten KollegInnen w\u00fcnschen sich jedoch eher einfach zu bedienende Ger\u00e4te, die vor allem die Berichtsfertigung erleichtern.<br \/>\nEin w\u00fcnschenswerter Arbeitsablauf s\u00e4he folgenderma\u00dfen aus: Ger\u00e4t einschalten und Magnetkarte zur Benutzeridenfikation einstecken. Es erscheint eine Maske mit einer Auswahl der zu bearbeitenden Formulare. Das entsprechende Programm wird angew\u00e4hlt und das System fragt nach Aktenzeichen, Datum und allen sonstigen relevanten Dingen. Ein Tastendruck zum Ausdrucken, fertig. Immer wiederkehrende &#8222;Floskeln&#8220;, wie Rechtsbelehrungen, Verteilerschl\u00fcssel etc. sollten als Textbausteine verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p>Neue Systeme werden bei der Polizei fast immer so umfangreich wie m\u00f6glich und mit entsprechenden Schnittstellen zu den schon bestehenden Netzten geplant. In diesem Zusammenhang wird immer wieder die mangelnde MitarbeiterInnenbeteiligung bei der Planung bem\u00e4ngelt. Spr\u00fcche \u00fcber Planungsgruppen wie: &#8222;Das sind doch keine Praktiker; die haben von unserer Arbeit doch keine Ahnung&#8220; h\u00f6rt man h\u00e4ufiger. Auf Weiterleitung des Berichtes auf Datenverbundnetzen, Speicherung des Textes \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume, statistische Auswertungen, geschweige denn Weiterverarbeitung von pers\u00f6nlichen Daten der Anzeigenden, Beschuldigten und Zeugen wird n\u00e4mlich von Seiten der &#8222;datenm\u00fcndigen Basis&#8220; kein oder nur geringer Wert gelegt.<\/p>\n<p>Anders sieht es aus, wenn f\u00fcr Spezial-Dienststellen PCs angeschafft werden; ein eng umrissener Personenkreis an den Ger\u00e4ten arbeitet und eine Vernetzung der Daten nicht n\u00f6tig ist. In diesen F\u00e4llen wird u. U. auch schon mal ein individuelles Programm entwickelt und eingesetzt, es sei denn, man kann auf Standard-Software zur\u00fcckgreifen.<br \/>\nAkzeptiert wurden die Ger\u00e4te insbesondere da, wo die Lieferfirma als Zugabe ein paar einfache Spiele ins System aufnahm. Bei einer Auslastungs-Analyse wurde dann allerdings festgestellt, da\u00df die meiste Zeit mit den Spielen verbracht wurde. Reaktion der Beh\u00f6rde: Spiel gel\u00f6scht!<\/p>\n<h5>Reinhard Borchers ist Beamter in der Einsatzleitzentrale der Hamburger Polizei und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten; &#8218;Hamburger Signal e.V.&#8216;.<\/h5>\n<h6>1 Zentrales Verkehrsinformationssystem<br \/>\n2 Schweden gilt als vorbildlich bei der Festlegung von Grenzwerten bei strahlungsarmen Bildschirmen.<br \/>\n3 Anwenderfreundlicher Bildschirmaufbau der jeweiligen Programme<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Reinhard Borchers Nachdem (in den alten Bundesl\u00e4ndern) die Vernetzung der Polizei mittels INPOL und<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,47],"tags":[],"class_list":["post-3948","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-041"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3948"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3948\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}