{"id":3960,"date":"1992-02-26T14:32:49","date_gmt":"1992-02-26T14:32:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3960"},"modified":"1992-02-26T14:32:49","modified_gmt":"1992-02-26T14:32:49","slug":"literatur-rezensionen-und-hinweise-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3960","title":{"rendered":"Literatur &#8211; Rezensionen und Hinweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Literatur zum Schwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Vorbemerkung: Im folgenden k\u00f6nnen nur einige wenige Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema aufgenommen werden. Eine umfangreiche \u00dcbersicht mit Abstracts enthalten zwei Bibliographien aus der COD-Literaturreihe des Bundeskriminalamtes:<br \/>\nPolizeiliche Datenverarbeitung, COD-Literaturreihe Bd. 1, Wiesbaden 1982; enth\u00e4lt Ver\u00f6ffentlichungen aus den Jahren 1973-1982,<br \/>\nTechnik im Dienste der Straftatenbek\u00e4mpfung, COD-Literaturreihe Bd. 9, Wiesbaden 1989; gliedert sich in die Bereiche Polizei- und Kriminaltechnik. Die Aufs\u00e4tze zur Datenverarbeitung finden sich unter Polizeitechnik. Der Band enth\u00e4lt Ver\u00f6ffentlichungen aus den Jahren 1985-1989.<!--more--><\/p>\n<p>In der folgenden \u00dcbersicht fehlen weitgehend die Hinweise zum Datenschutz und zum Recht in der Datenverarbeitung. Die hier aufgenommenen Beitr\u00e4ge sollen den LeserInnen einen allgemeinen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der polizeilichen EDV erm\u00f6glichen. Zun\u00e4chst sei daher hingewiesen auf die Berichtsb\u00e4nde der Arbeitstagungen des BKA, die BKA-Vortragsreihe: Bd. 20: Datenverarbeitung (1972), Bd. 25: M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Fahndung (1979), Bd. 28: Polizeiliche Datenverarbeitung (1982) und Bd. 35: Technik im Dienste der Straftatenbek\u00e4mpfung (1989).<\/p>\n<p>INPOL und die zentralen Komponenten<\/p>\n<p>Wiesel, Georg\/ Gerster, Helmut: Das Informationssystem der Polizei INPOL &#8211; Konzept und Sachstand, BKA-Schriftenreihe Bd. 46, Wiesbaden 1978<br \/>\nErster gr\u00f6\u00dferer \u00dcberblick \u00fcber INPOL. Die Autoren aus dem BKA haben sich \u00fcber die Jahre hinweg immer wieder zum Entwicklungsstand der polizeilichen Datenverarbeitung ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>K\u00fcster, Dieter: Bund und L\u00e4nder errichten zentralen Personenindex, in: Deutsche Polizei, 3\/1980, S. 17-20<\/p>\n<p>K\u00fcster, Dieter: Bund und L\u00e4nder f\u00fchren 1981 die Personendatei des Inpol-Systems ein, in: Polizei-Technik-Verkehr, 5\/1981, S. 169-175<br \/>\nIn der Gesamtschau ergeben die beiden Aufs\u00e4tze Aufschlu\u00df \u00fcber die Ver\u00e4n-derungen, die mit dem Beschlu\u00df der IMK zum Kriminalaktennachweis (KAN) von 1981 hinsichtlich der INPOL-Personendatei entstanden.<\/p>\n<p>K\u00fcster, Dieter: Informationstechnologie &#8211; Entwicklung und Auswirkungen auf die Polizei, in: BKA-Vortragsreihe Bd. 35, Wiesbaden 1990, S. 167-182<br \/>\nBisher letzte zusammenfassende Darstellung von INPOL. Der Autor zeigt die bestehenden Schwachstellen und die Entwicklungsperspektiven, die vor allem im Bereich der PC-Anwendung gesehen werden.<\/p>\n<p>Kubica, J.: Was wird aus INPOL?, in: Kriminalistik, 7-8\/1981, S. 317-319<br \/>\nBericht von einem Seminar an der Polizei-F\u00fchrungsakademie, in dem u.a. auf die Einstellung des Gro\u00dfversuchs der Straftaten-Straft\u00e4ter-Datei eingegangen wird.<\/p>\n<p>Wiesel, Georg: Befriedigend, aber manches fehlt noch. Ausbaustand des In-formationssystems INPOL &#8211; Noch keine Falldatei f\u00fcr Straften von bundesweiter Bedeutung, in: Kriminalistik, 12\/1986, S. 587, 590<\/p>\n<p>Kennh\u00f6fer, Ulrich: Hat die Kripo resigniert? Die Fortentwicklung des INPOL-Systems stockt, in: Kriminalistik, 4\/1987, S. 182 ff.<\/p>\n<p>Kersten, Klaus Ulrich: Das Labyrinth der elektronischen Karteien. Wie Bund und L\u00e4nder INPOL weiterentwickeln wollen, in: Kriminalistik, 6\/1987, S. 325-330 und 7\/1987, S. 357-360<\/p>\n<p>Verglichen mit dem Enthusiasmus, der noch aus den offiziellen Darstellungen der ersten Jahre sprach, sind die Beitr\u00e4ge in der polizeilichen Fachliteratur seit Mitte der 80er Jahre realistischer. Technische Probleme werden offener benannt, allerdings nie so pointiert wie in Ver\u00f6ffentlichungen von kritischen Informatikern:<\/p>\n<p>Loewe, Michael\/ Wilhelm, Rudolf: Polizeiliche Datenverarbeitung, in: Datenschutz-Nachrichten (DANA), 5-6\/1987, S. 32-42<br \/>\nstellen u.a. die \u00dcberlastung der Personendatei (KAN etc.) dar und zeigen die Entwicklung in Richtung von ermittlungsunterst\u00fctzenden und kleineren Ver-fahren.<br \/>\nRuhmann, Ingo: Datenfrust beim BKA, in: DANA, 2\/1988, S. 12-15<br \/>\nwehrt sich u.a. gegen die Behauptung, der Datenschutz h\u00e4tte die Schwierig-keiten in INPOL hervorgebracht. Nach Meinung des Autors zeigen sich vielmehr typische Probleme der Anwendung: die mangelnde Annahme der Technik durch die Benutzer, die politischen Zw\u00e4nge und die Schwierigkeiten der Integration technisch z.T. unterschiedlicher Datenverarbeitungssysteme in Bund und Land.<\/p>\n<p>Kau\u00df, Udo: Der suspendierte Datenschutz bei Polizei und Geheimdiensten, Frankfurt\/ New York (Campus) 1989<br \/>\nDie geringe Bedeutung des Datenschutzes f\u00fcr die polizeiliche und geheim-dienstliche Datenverarbeitung hebt auch Udo Kau\u00df hervor. Seine Untersuchung zeigt einerseits, da\u00df die Datenverarbeitung der &#8222;Sicherheitsbeh\u00f6rden&#8220; im Rahmen der Datenschutzdebatte und durch die T\u00e4tigkeit der Beauftragten politisiert wurde. Gleichzeitig wird aber auch die begrenzte Kontrollwirkung des institutionalisierten Datenschutzes benannt, der \u00fcber eine Schadensbe-grenzung nie hinauskam.<br \/>\nStraftaten-Straft\u00e4ter-Datei\/ Perseveranzproblem<\/p>\n<p>Matussek, Hans: Sind Modus Operandi und Perseveranz im INPOL-System \u00fcberholt?, in: Der Kriminalist, 9\/1975, S. 480-485<\/p>\n<p>Steinke, Wolfgang: Verbesserte Nutzanwendung des INPOL-Systems, in: BGS, 2\/1976, S. 23 ff.<\/p>\n<p>Steffen, Wiebke: Untersuchungen der M\u00f6glichkeiten datenm\u00e4\u00dfigen Abgleichs von Tatbegehungsmerkmalen zur Fallzusammenf\u00fchrung, 4 Bde., M\u00fcnchen (Bayerisches Landeskriminalamt) 1980-82<\/p>\n<p>Weschke, Egon: Modus operandi und Perseveranz. Publikationen der Fach-hochschule f\u00fcr Verwaltung und Rechtspflege, Bd. 4, Berlin 1983<br \/>\nWeschke, Egon: Modus operandi und Perseveranz, in: Kriminalistik, 5\/1984, S. 264-269<\/p>\n<p>BKA (Hg.): Symposium: Perseveranz und kriminalpolizeilicher Meldedienst. Sonderband der BKA-Forschungsreihe, Wiesbaden 1984<\/p>\n<p>Schuster, Leo\/ Eyrich, Hans-J\u00fcrgen: Zweifel an der generellen G\u00fcltigkeit der Perseveranzhypothese, in: Kriminalistik, 10\/1984, S. 487 ff.<\/p>\n<p>Oevermann, Ulrich\/ Schuster, Leo\/ Simm, Andreas: Das Problem der Perseveranz im Delikttyp und Modus operandi, BKA-Forschungsreihe Bd. 17, Wiesbaden 1985<br \/>\nSPUDOK<\/p>\n<p>Paul, Werner: Das EDV-Verfahren der Spurendokumentation (SPUDOK) &#8211; \u00dcber den Einsatz eines Verwaltungs- und Recherchiersystems f\u00fcr Daten beliebiger Struktur, in: Kriminalistik, 4\/1979, S. 150-157<\/p>\n<p>Wittenstein, Heinz: F\u00fchrungs- und Einsatzunterst\u00fctzung durch die ADV. M\u00f6glichkeiten und Grenzen bei kriminalpolizeilichen Gro\u00dfverfahren, in: Der Kriminalist, 12\/1981, S. 576 ff. und 1\/1982, S. 21 ff.<\/p>\n<p>Prinz, Heinrich: Anwendung des SPUDOK-Systems bei umfangreichen Er-mittlungskomplexen, in: Der Kriminalist, 5\/1985, S. 221 ff.<\/p>\n<p>Busch, Heiner: Spurendokumentationssyteme der Polizei, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/ Cilip 26, 1\/1987, S. 51 ff.<br \/>\nAPIS<\/p>\n<p>Weichert, Thilo: APIS ins Gerede bringen, in: Geheim, 3\/ 1988, S. 6-8<br \/>\nWeichert, Thilo: APIS. Die Arbeitsdatei PIOS Innere Sicherheit &#8211; mehr als ein Rechtsproblem, in: Computer und Recht, 3\/1990, S. 213-218 und 4\/1990, S. 281-285<br \/>\nEinsatzleitsysteme<\/p>\n<p>Sengespeik, J\u00fcrgen: Eine technische &#8218;Revolution&#8216; in der K\u00f6lner Einsatzleit-stelle CEBI, in: Die Polizei 11\/1981, S. 340-343<\/p>\n<p>Lehmann, Gerd: Ein Jahr Computerunterst\u00fctzte Einsatzleitung &#8211; Erfahrungen, Zukunftsperspektiven, in: Die Polizei, 11\/1981, S. 336-339<\/p>\n<p>Neumann, Walter: Computerunterst\u00fctzte Einsatzleitung. CEBI-M\u00fcnchen, in: Computer und Recht, 7\/1987, S. 454-462<\/p>\n<p>Kolata, Horst: Einsatzleitrechner f\u00fcr den t\u00e4glichen Dienst der Polizei, in: Deutsches Polizeiblatt, 1\/1989, S. 3-7<br \/>\n\u00dcbertragungsnetze, Dispol, Aussichten mit ISDN<\/p>\n<p>Wenger, Heinz: DISPOL. Das digitale Sondernetz der Polizei in Bayern, in: Die Neue Polizei, 7\/1979, S. 179-181<\/p>\n<p>Lotz, Peter\/ Funk, Winfried: DISPOL &#8211; Das polizeiliche Nachrichtennetz der 80er Jahre, in: Polizei-Technik-Verkehr, 6\/1981, S. 223-231<\/p>\n<p>Wenger, Heinz\/ Sauermann, Anton\/ Wiesend, Eduard: Digitales Sondernetz der bayerischen Polizei, in: Polizei-Verkehr-Technik, 5\/1982, S. 112 ff.<\/p>\n<p>K\u00f6tter, Klaus: Die Nutzungsm\u00f6glichkeiten des k\u00fcnftigen &#8222;Dienstintegrierten Digitalnetzes&#8220; (ISDN) der Deutschen Bundespost f\u00fcr ein einheitliches polizeiliches Kommunikationsnetz, in: Die Polizei, 10\/1985, S. 313-317<\/p>\n<p>Weber, G\u00fcnther: Teilnahme der Polizei des Landes Baden-W\u00fcrttemberg am ISDN-Pilotprojekt der deutschen Bundespost, in: Polizei-Verkehr-Technik, 6\/1987, S. 158-161<\/p>\n<p>K\u00f6tter, Klaus: Das ISDN-Pilotprojekt der Deutschen Bundespost. Polizeibezogene Erkenntnisse und Erfahrungen, in: Die Polizei &#8211; Beilage: Neue Polizeitechnik, 9\/1989, S. 261-266<\/p>\n<p>Zu einzelnen Aspekten der Telekommunikationstechnik siehe auch:<\/p>\n<p>Deutsches Polizeiblatt, 1\/1987 und 1\/1988 mit dem Schwerpunkt Telekom-munikationstechnik. Heft 1\/1989 widmet sich der &#8222;ADV-unterst\u00fctzten Poli-zeiarbeit&#8220;.<br \/>\n(s\u00e4mtlich: Heiner Busch)<\/p>\n<p>Sonstige Literatur<\/p>\n<p>G\u00f6ssner, Rolf: Das Anti-Terror-System &#8211; Politische Justiz im pr\u00e4ventiven Si-cherheitsstaat, Terroristen &amp; Richter 2, Hamburg (VSA) 1991, 416 S., DM 49,80<\/p>\n<p>1.000 Seiten umfa\u00dft die Triologie &#8222;Terroristen &amp; Richter&#8220;, deren Autoren Heinrich Hannover, Rolf G\u00f6ssner und Margot Overath sich in unterschiedlicher Weise mit den staatlichen und justitiellen Reaktionen auf die von der RAF, der &#8218;Bewegung 2. Juni&#8216; und anderen militanten Gruppierungen der 70er und 80er Jahre verfolgten Politik des bewaffneten Kampfes besch\u00e4ftigen. Die folgende Rezension konzentriert sich auf die Arbeit von Rolf G\u00f6ssner, die zwei weiteren Teilstudien werden in der kommenden Ausgabe besprochen.<br \/>\nG\u00f6ssner, der auch f\u00fcr diesen Informationsdienst bereits geschrieben hat, ist seit 15 Jahren ein aufmerksamer Beobachter und Kritiker der &#8222;Politik innerer Sicherheit&#8220;. Seine St\u00e4rke zeigt er hier erneut im detaillierten Nachzeichnen des staatlichen Gesamtsystems von Institutionen, Strategien und Befugnisver-\u00e4nderungen, das in der Bundesrepublik seit den 70er Jahren im Namen der Terrorismusbek\u00e4mpfung aufgebaut worden ist und den Hintergrund bildet f\u00fcr die spezifischen Verfahrensformen in politischen Strafverfahren gegen Links-&#8222;Terroristen&#8220; und jene, die der Sympathie und Unterst\u00fctzung verd\u00e4chtigt werden. Der sachkundigen Darstellung dieses Systems (Teil 2), aber auch den Abschnitten zur Bedeutung und zum Bedeutungswandel des\u00a0\u00a0 129a StGB (Teil 1 und 5) ist kaum zu widersprechen. Da\u00df die Bundesrepublik f\u00fcr politische Strafverfahren eine Quasi-Sonderjustiz entwickelt hat, wird (Teil 3 und 4) einmal mehr mit Gr\u00fcndlichkeit und suggestiver St\u00e4rke belegt. Trefflich ist auch G\u00f6ssners Nachweis f\u00fcr jene alte justitielle Tradition, in &#8222;Rechts-&#8220; und &#8222;Linksterrorismus&#8220;-Verfahren mit zweierlei Ma\u00df zu messen.<br \/>\nInsgesamt &#8211; soweit es &#8222;facts and figures&#8220;, aber auch Interpretationen auf mittlerer Ebene betrifft &#8211; gibt es kaum erw\u00e4hnenswerte Einw\u00e4nde. Zu erweitern w\u00e4re allenfalls die nahezu ausschlie\u00dfliche Deutung des\u00a0\u00a0 129a StGB als Ausforschungsparagraphen (in Teil 1 und 5). G\u00f6ssner zeigt implizit &#8211; u.a. am Beispiel der extensiven Nutzung der U-Haft &#8211; dessen weitere, zentrale Funk-tion: Er erm\u00f6glicht, im Vorfeld eines gerichtlichen Schuldnachweises und Schuldspruches einzusch\u00fcchtern und zu strafen. Hausdurchsuchungen und extensive U-Haft (vgl. S. 295 ff.), verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollstellen sowie insgesamt die Vielzahl von Ermittlungsverfahren, von denen sich abschlie\u00dfend kaum 5 % als &#8222;gerichtsfest&#8220; erweisen (wie G\u00f6ssner zeigt, vgl. S. 289 ff.), hinterlassen bei den Betroffenen und ihrem Umfeld habhafte Spuren. Sie qualifizieren den\u00a0\u00a0 129a als vielf\u00e4ltiges Instrument politischer Bestrafung durch Polizei und Staatsanwaltschaft ohne gerichtlichen Schuldnachweis.<\/p>\n<p>&#8222;Auf der Suche nach den verlorenen Ma\u00dfst\u00e4ben&#8220; &#8211; so der Titel des Schlu\u00dfka-pitels. Er dr\u00fcckt sehr pr\u00e4zise mein wachsendes Unbehagen bei der Lekt\u00fcre dieses Buches aus. Es hinterl\u00e4\u00dft den Eindruck, da\u00df nahezu alle Detailbeweise stimmen und dennoch das Gesamtbild, das das Buch von der BRD zeichnet, falsch ist.<br \/>\nZum einen l\u00e4\u00dft der konzentrierte Blick durch das Vergr\u00f6\u00dferungsglas auf einen begrenzten gesellschaftlichen Teilbereich (hier das Staatsschutz-System der Bundesrepublik in den 70er und 80er Jahren) den Autor Gefahr laufen, eher blind denn sehend zu werden, da er den Blick vom Ausschnitt nicht wieder zum gesellschaftlichen Ganzen wandern l\u00e4\u00dft.<br \/>\nZum anderen blickt der Autor dort, wo er geschichtliche Traditionslinien holzschnittartig andeutet (vgl. insb. S. 13-17), geschichtsblind auf die Ge-schichte politischer Unterdr\u00fcckung in Deutschland zur\u00fcck. Hermetisch wird die Geschichte der BRD als widerspruchsfreier Proze\u00df kontinuierlich zunehmender innerstaatlicher Hochr\u00fcstung und politischer Repression von 1949 bis in die Gegenwart pr\u00e4sentiert &#8211; ein Proze\u00df, dessen Traditionslinien nahezu bruchlos auf das Kaiserreich, die Weimarer Republik und den Faschismus zur\u00fcckf\u00fchren. Dieser Blick erfa\u00dft keine Br\u00fcche, keine Gegentendenzen, keine Phasen gesellschaftlicher Demokratisierung oder z.B. strafrechtlicher Liberalisierung mehr &#8211; wie 1968 mit der weitgehenden Streichung des politischen Strafrechts von 1951 oder 1970 mit der Neufassung des Demonstrations-Strafrechts. G\u00f6ssner verweist (S. 13 ff.) auf das politisch fatale, handlungsleitende Geschichtsbild der 1. RAF-Generation zu Beginn der 70er Jahre und suggeriert, seit dieser Zeit h\u00e4tte sich nicht nur in bezug auf Auseinandersetzung und Aufarbeitung deutscher Geschichte nichts ver\u00e4ndert, sondern die Zunahme politischer Repression sei die einzige sich durchsetzende Tendenz.<br \/>\nVor dem Hintergrund dieses agitatorisch v\u00f6llig \u00fcberzogenen Bildes, mit dem sich die linke Anti-Repressions-Agitation seit Jahren selbst unglaubw\u00fcrdig macht, bleibt unbegreifbar, wieso sich in der Bundesrepublik\u00a0 seit den end-sechziger Jahren eine so vielf\u00e4ltige, au\u00dferparlamentarische Bewegung ent-wickeln konnte, die das Politikmonopol der drei gro\u00dfen Parteien angriff und um politische Einflu\u00dfnahme jenseits des formal daf\u00fcr vorgesehenen Institu-tionengef\u00fcges mit seinen Repr\u00e4sentationsmechanismen stritt. Ohne Zweifel &#8211; hier ist G\u00f6ssner zuzustimmen &#8211; war die damit f\u00fcr die Staatssch\u00fctzer einherge-hende &#8222;neue Un\u00fcbersichtlichkeit&#8220; (vgl. S. 52 ff.) einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ausbau der \u00dcberwachungsapparate.<br \/>\nNicht einmal die Mehrzahl jener, die bei den Demonstrationen seit den 70er Jahren mit dem Gummikn\u00fcppel erzogen wurden oder durch die Mangel der Berufsverbotspraxis gingen, wird in dem hier gezeichneten Bild der BRD die eigene politische Situation wiedererkennen. Die Klage der Herausgeber dieser Triologie in der Einleitung, da\u00df die bundesdeutsche Staatssicherheitsge-schichte angesichts der DDR-Enth\u00fcllungen vollends der kollektiven Verdr\u00e4ngung anheimzufallen drohe, trifft gewi\u00df. Dem ist entgegenzuarbeiten. Nur, das &#8222;Geheimnis&#8220; dieser &#8222;Verdr\u00e4ngung&#8220; ist, da\u00df die bundesdeutschen Erfahrungen mit staatlicher Repression, gemessen an der Zahl der Betroffenen wie an der H\u00e4rte der Repression, ungleich begrenzter und kalkulierbarer waren als in der Weimarer Republik, gar im Vergleich zum Faschismus oder zur DDR.<br \/>\nNicht nur die Repr\u00e4sentanten des politischen &#8222;mainstreams&#8220; der BRD verdr\u00e4ngen &#8211; hier haben die Autoren in ihrer gemeinsamen Einleitung v\u00f6llig recht &#8211; repressive Schattenseiten der Bundesrepublik. Auch das diffuse linke Spektrum der BRD verdr\u00e4ngt mit ma\u00dfstabsloser Kritik den selbstkritischen Blick auf die eigene Geschichte mit ihren Aporien, falschen Einsch\u00e4tzungen und hier und da praktisch werdenden Gewaltphantasien. Man denke nur an die in den letzten zwei Jahren so drastisch offengelegte Ost- oder DDR-Blindheit der &#8222;radikalen Linken&#8220;.<br \/>\nG\u00f6ssners Studie bewirkt einerseits, so ist zu f\u00fcrchten, eher Verfestigung alter und neuer Mythen bei jenen, die dies eh &#8217;schon alles wu\u00dften&#8216; und politisch einsortiert haben, als da\u00df sie in diesem politischen Umfeld aufkl\u00e4rerisch wirken k\u00f6nnte. Die Mythologisierung des allgegenw\u00e4rtigen Staatsschutzapparates dient unter der Hand der Exkulpation der eigenen Politik, leistet entgegen den Intentionen des Autors keine Aufkl\u00e4rung, sondern f\u00fchrt eher zum resignativen Schulterzucken. Andererseits aber wird das, was an beweisstarker Kritik am bundesdeutschen Staatsicherheitssystem in dieser Studie zweifelsohne enthalten ist, durch die Ma\u00dfstabslosigkeit leider verschenkt.<br \/>\n(Falco Werkentin)<\/p>\n<p>Schultze-Marmeling, Dietrich\/Sotschek, Ralf : Der lange Krieg. Macht und Menschen in Nordirland, G\u00f6ttingen (Verlag Die Werkstatt) aktualisierte Aufl. 1991, 380 S., DM 36,-<br \/>\nUm es gleich vorab zu sagen, f\u00fcr diejenigen, die sich mit dem nordirischen Konflikt mehr als nur \u00fcber die \u00fcbliche Tagespresse besch\u00e4ftigt haben, bringt das Buch nichts Neues. Wer hingegen einen Einstieg in das Problem sucht oder an einer \u00fcbersichtlichen Zusammenfassung und Analyse interessiert ist, dem sei es empfohlen. Trotz aller merkbaren Bem\u00fchungen um Objektivit\u00e4t sind die Autoren dennoch nicht gefeit, gelegentlich auch leichte Z\u00fcge von Heldenverehrung in ihre Zeilen flie\u00dfen zu lassen (insb. S. 198 ff.) &#8211; das ist bedauerlich und wirkt st\u00f6rend. F\u00fcr die bei einer Zusammenfassung unver-meidlichen historischen Spr\u00fcnge und verk\u00fcrzten Darstellungen entsch\u00e4digt die Literatur\u00fcbersicht am Ende des Buches allemal.<br \/>\n(Otto Diederichs)<\/p>\n<p>Roth, Siegward: Die Kriminalit\u00e4t der Braven, M\u00fcnchen (Beck) 1991, 164 S., DM 16,80<br \/>\nDas Buch eines Gie\u00dfener Kriminalbeamten handelt vor allem von der grenzenlosen Naivit\u00e4t des Autors. Vom Zusammenbruch seines Schwarz-Wei\u00df-Weltbildes entt\u00e4uscht, sucht er nach Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Umstand, da\u00df weder &#8222;b\u00f6se&#8220; und &#8222;kriminell&#8220; zusammenfallen, noch &#8222;gut&#8220; und &#8222;nichtkri-minell&#8220;. Statt jedoch die Differenzen zwischen moralischen und strafrechtlichen Standards herauszuarbeiten, verliert er sich in einer Mischung aus polizeilichen Alltagserfahrungen, l\u00e4ngst bekannten Trivialit\u00e4ten und psychoanalytischen Einsprengseln. Interessant sind allenfalls die wenigen Bemerkungen \u00fcber die Abwehr, mit der seine polizeilichen Kollegen auf seine Beobachtung reagierten, und die Schilderung seiner Teilnahme an der Bonner Friedensdemo vom 10.10.1981. W\u00e4hrend erstere darauf verweisen, wie weitverbreitet die blinde Identifikation mit dem Apparat ist, ger\u00e4t letztere zur Satire des gesetzestreuen Ordnungsh\u00fcters, der sich die Teilnahme an einer Demonstration gegen seine eigenen Skrupel erk\u00e4mpft.<br \/>\n(Norbert P\u00fctter)<br \/>\nSTASI<\/p>\n<p>S\u00e9litrenny, Rita\/Weichert, Thilo: Das unheimliche Erbe. Die Spionageabteilung der Stasi, Leipzig (Forum Verlag) 1991, 276 S., DM 19,80<br \/>\nSchon wieder ein Buch \u00fcber die Stasi, wird mancher st\u00f6hnen. Weit gefehlt: Dieser Band besch\u00e4ftigt sich als erster mit der Hauptabteilung Aufkl\u00e4rung (HVA), die w\u00e4hrend der Wendezeit das Privileg geno\u00df, sich weitgehend selbst aufzul\u00f6sen und dabei die meisten \u00fcber sie existierenden Akten beiseite geschafft hat. Nicht so in Leipzig, wo die B\u00fcrgerkomitees auch Zugriff auf Unterlagen der Bezirksabteilung der HVA hatten. Daraus versuchen S\u00e9litrenny und Weichert nun, die Struktur und Vorgehensweise der HVA als Ganzes zu rekonstruieren &#8211; was notgedrungen l\u00fcckenhaft bleiben mu\u00df. Dennoch erfolgen viele Klarstellungen: Die HVA war nicht, wie sie gerne glauben machen will, ein ausschlie\u00dflich im Ausland operierender Nachrichtendienst, sondern war engstens in die innenpolitische Repression verstrickt (S. 96 ff.). Auch Bez\u00fcge zu den Brudergeheimdiensten im Osten werden offengelegt (S. 114 ff.). Am wichtigsten aber f\u00fcr die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung der westdeutschen Linken sind die vorgelegten Dokumente \u00fcber die Infiltration der Friedensbewegung (S. 196 ff.).<br \/>\n(Bernhard Gill)<\/p>\n<p>Gill, D.\/ Schr\u00f6ter, U.: Das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit &#8211; Anatomie des Mielke-Imperiums, Berlin (Rowohlt-Berlin) 1991, 530 S., DM 36,&#8211;<br \/>\nDie Namen der Verfasser machen Hoffnung. Beide arbeiteten an wichtiger Stelle beim Versuch, den DDR-Geheimdienst aufzul\u00f6sen. Schr\u00f6ter als kir-chenbeauftragter Regierungsbevollm\u00e4chtigter und Gill als Vorsitzender des Berliner B\u00fcrgerkomitees Normannenstra\u00dfe. Der Zweitgenannte ist sich bis heute treugeblieben und arbeitet als Pressesprecher der &#8222;Gauck-Beh\u00f6rde&#8220;. Ihr Buch gliedert sich in drei Teile.<br \/>\nInhaltlich bringt Teil 1 (Struktur und Arbeitsweise des MfS) nicht viel neues. Die Autoren beschr\u00e4nken sich \u00fcberwiegend auf die bekannten Repressivstrukturen des MfS. Die Auslandsspionage kommt viel zu kurz, desgleichen die Abschnitte \u00fcber die geschichtliche Entwicklung der &#8222;Firma&#8220;. Unerkl\u00e4rlich ist, warum die Autoren, wider besseres Wissen, eine \u00e4u\u00dferst d\u00fcrftige Beschreibung des Archivaufbaus liefern. Gut ist das Buch immer da, wo es die verschiedensten MfS-Dienstanweisungen, -Befehle und -Referate interpretiert und deren Terminologie in menschliche Sprache \u00fcbertr\u00e4gt.<br \/>\nTeil 2 schildert chronologisch den Aufl\u00f6sungsproze\u00df des MfS von der Modrow-Regierung bis zu den letzten Tagen der Volkskammer. Der Bericht l\u00e4\u00dft zwar nichts aus, ist jedoch sehr unkritisch. Das Problem der Einflu\u00dfnahme von Inoffiziellen Mitarbeitern, des MfS und anderer Dienste auf den Aufl\u00f6-sungsproze\u00df wird \u00fcberhaupt nicht diskutiert. Die Dokumentenauswahl im dritten Teil ist gelungen.<br \/>\nAbschlie\u00dfend ist anzumerken, da\u00df die Autoren, dort wo es angebracht w\u00e4re, keine Auseinandersetzung (ganze 2 S\u00e4tze auf 527 Seiten) mit der Existenzbe-rechtigung von Geheimdiensten an sich f\u00fchren. Diese Haltung ist leider auch bei vielen anderen Ex-DDRlern mit Stasi-Erfahrungen anzutreffen.<br \/>\n(Andreas Schreier &#8211; B\u00fcrgerkomitee 15. Januar)<\/p>\n<p>Polizeigeschichte<\/p>\n<p>Le\u00dfmann, Peter: Die preu\u00dfische Schutzpolizei in der Weimarer Republik &#8211; Streifendienst und Stra\u00dfenkampf, D\u00fcsseldorf (Droste) 1989, 448 S., DM 48,-<\/p>\n<p>\u00dcber Jahrzehnte blieb Polizeigeschichte ein Stiefkind der historischen For-schung in der Bundesrepublik. Inzwischen hat sich die Forschungslage zur Polizei der Weimarer Republik halbwegs verbessert (vgl. Sammelrezension in B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 33, 2\/1988). Die nun vorgelegte, auf umfangreiche Quellenstudien fu\u00dfende Gesamtdarstellung der preu\u00dfischen Polizei vom Zusammenbruch des Kaiserreiches bis zur Machtergreifung der Natio-nalsozialisten komplettiert die bisherigen Spezialstudien. Der Autor bettet die Geschichte der preu\u00dfischen Polizei der Weimarer Republik in den politischen und sozialen Kontext dieser Zeit ein. Das Verh\u00e4ltnis der Schutzpolizei zur Reichswehr und den paramilit\u00e4rischen Verb\u00e4nden, die Beamtenpolitik sozialdemokratischer Innenminister, Ausbildung und Einsatzformen sowie die Rolle der Polizei beim sog. Preu\u00dfenschlag des Jahres 1932 sind Schwerpunkte der Studie. Nachhaltig kratzt der Autor am Severing-Bild und der Legende, dieser Innenminister habe sich um eine demokratische, volksnahe Polizei verdient gemacht. Im Gegenteil, nicht die Entmilitarisierung der Polizei, sondern &#8211; gemessen an der preu\u00dfischen Polizei des Kaiserreiches &#8211; eine konsequente Militarisierung war das Ergebnis sozialdemokratischer Polizeipolitik. Dem damit gepr\u00e4gten &#8222;Geist&#8220; dieser Polizei entsprach, da\u00df sich die Nazis bis zum 31.12.1933 lediglich bei 1,7 % aller Wachtmeister und 7,3 % aller Polizeioffiziere zur Entlassung gen\u00f6tigt sahen. Le\u00dfmanns Studie verdient, als Standard-Werk bezeichnet zu werden.<br \/>\n(Falco Werkentin)<\/p>\n<p>Lang, Jochen von: Die Gestapo &#8211; Instrument des Terrors, Hamburg (Rasch und R\u00f6hring) 1990, 327 S., DM 39,80<br \/>\nJ. v. Langs journalistisch geschriebene Arbeit ist eine T\u00e4ter-Opfer-Geschichte der Gestapo, mit der sich der Autor bewu\u00dft von wissenschaftlichen Studien absetzt, um ein &#8222;lesbares&#8220; Buch vorlegen zu k\u00f6nnen, wie es in der von seinem Mitarbeiter Claus Sibyll formulierten Einleitung hei\u00dft. Es wird nicht beansprucht, neue Erkenntnisse zu vermitteln. Vielmehr sei das Ziel, \u00fcber das &#8222;dunkelste Kapitel&#8220; deutscher Geschichte zu informieren und &#8222;m\u00f6glichst viele Menschen vor autorit\u00e4ren Politikern zu warnen.&#8220; Gewi\u00df, das Buch informiert \u00fcber den brutalen Terror der Gestapo. Gleichwohl bleibt der Eindruck, den das Buch hinterl\u00e4\u00dft, \u00e4u\u00dferst zwiesp\u00e4ltig. Geschichte wird aufs \u00e4u\u00dferste personalisiert, zeitgeschichtlicher Kontext kaum vermittelt, nach den Gr\u00fcnden des Funktionierens dieses Systems nicht gefragt. Allzu deutlich wird auf eine hohe Auflage geschielt. Offenbar um den Lesern einen Wiedererkennungseffekt zu erm\u00f6glichen, wird in erster Linie das Schicksal bekannter Opfer (von Th\u00e4lmann bis Canaris) in Erinnerung gerufen. Da\u00df parallel zur systematischen Willk\u00fcr des Gestapo-Systems die Regularien einer b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft ungebrochen erhalten blieben, liegt jenseits des Horizonts des Autors. So ist das Buch keineswegs ein Beitrag, um in verst\u00e4ndlicher Form das faschistische System begreifbar zu machen.<br \/>\n(Falco Werkentin)<\/p>\n<p>Peter Nitschke: Verbrechensbek\u00e4mpfung und Verwaltung. Die Entstehung der Polizei in der Grafschaft Lippe, 1700-1814, M\u00fcnster\/ N.Y. (Waxmann) 1990, 222 S., DM 49,90<br \/>\nDie Etablierung des Gewaltmonopols und seiner Instrumente wird in dieser Dissertation nur wenig \u00fcberzeugend geschildert. Zentrale Fragen (nach der Definition von Sicherheitsgef\u00e4hrdungen oder dem Verhalten der Untertanen gegen\u00fcber den Regulierungsversuchen) werden nicht gestellt. Beschr\u00e4nkt auf administrative Vorhaben und deren Umsetzung, werden Subjekte nur als Objekt der B\u00fcrokratie wahrgenommen. Die fehlende Kritik der Quellen entwertet die Arbeit ebenso wie der Gebrauch des Begriffs &#8222;Innere Sicherheit&#8220; f\u00fcr das 18. Jahrhundert.<br \/>\n(Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<p>Ralph Jessen: Polizei im Industrierevier. Modernisierung und Herrschaftspraxis im westf\u00e4lischen Ruhrgebiet 1848-1914, G\u00f6ttingen (Vandenhoek) 1991, 408 S., DM 68,&#8211;<br \/>\nJessens Arbeit, ebenfalls eine historische Dissertation, empirisch beschr\u00e4nkt auf eine Region (und eine Phase) rasanter Industrialisierung, rekonstruiert und analysiert die Reaktionen der Polizei(en) auf diesen Proze\u00df und dessen Folgewirkungen (Mobilit\u00e4t, Urbanisierung, Proletarisierung etc.). Durch verschiedene Zug\u00e4nge beleuchtet der Autor relevante Ver\u00e4nderungen polizei-licher Apparate, Strategien und Ziele: die personelle Ausstattung, das Ver-h\u00e4ltnis von Gendarmerie, staatlicher und kommunaler Polizei (mit einem in-teressanten Kapitel \u00fcber die Zechenwehren), die soziale Rekrutierung des Personals, die &#8222;Verberuflichung&#8220; der Polizei sowie die &#8222;Praxis polizeilicher Disziplinierung&#8220;. Die Ausbildung einer (modernen) Polizei, so die Kernthese des Buches, resultierte aus der Aufl\u00f6sung traditioneller Instanzen sozialer Kontrolle. Sie wurde bestimmt von der Wahrnehmung gesellschaftlicher Ver-\u00e4nderungen, den unterschiedlichen Versuchen auf diese zu reagieren, den je-weiligen Interessen, die tangiert wurden, sowie den unintendieren aus derar-tigen Reaktionsversuchen entstehenden Folgen. Die Darstellung ist empirisch breit angelegt und macht eine Vielzahl aus Akten destillierte Fakten (sowie deren zeitgen\u00f6ssische &#8222;Verarbeitung&#8220;) \u00f6ffentlich. Wohltuend auch der Verzicht auf plakative Argumentationen; das Eindeutige seiner Ergebnisse, so sinngem\u00e4\u00df der Autor, ist die Uneindeutigkeit der geschilderten historischen Prozesse. Dies gilt sowohl f\u00fcr die versuchte Bilanzierung der disziplinierenden Wirkung polizeilichen Handelns als auch f\u00fcr die Bewertung des institutionellen Arrangements von Polizeien, Wehren und Milit\u00e4r. Problematisch an der Untersuchung scheint jedoch die umstandslose \u00dcbernahme des Moderni-sierungskonzepts. Zwar werden deutlich Kosten und Nutzen der Modernisierung aufgelistet, ihre aus der Gegenwart gewonnene &#8222;Zielgr\u00f6\u00dfe&#8220; wird jedoch nicht in Frage gestellt. Die historischen Positionen erscheinen so als f\u00f6rderlich oder hinderlich im (festliegenden) Modernisierungproze\u00df, nicht aber als Alternativen einer &#8222;anderen Modernisierung&#8220;.<br \/>\n(Norbert P\u00fctter)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zum Schwerpunkt Vorbemerkung: Im folgenden k\u00f6nnen nur einige wenige Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema aufgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,148],"tags":[],"class_list":["post-3960","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-041","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3960\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}