{"id":3966,"date":"1992-02-26T14:39:03","date_gmt":"1992-02-26T14:39:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3966"},"modified":"1992-02-26T14:39:03","modified_gmt":"1992-02-26T14:39:03","slug":"informations-und-kommunikationstech-nik-in-brandenburg-neues-bundesland-neue-technik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3966","title":{"rendered":"Informations- und Kommunikationstech-nik in Brandenburg &#8211; neues Bundesland &#8211; neue Technik"},"content":{"rendered":"<p>Von der Informations- und Kommunikationstechnik der DDR wird das Land Brandenburg nur wenig \u00fcbernehmen. Veraltetes Material, neue f\u00f6derale Strukturen und der Anschlu\u00df an die Technik der alten L\u00e4nder zwingen die Brandenburger Polizei ebenso wie die der \u00fcbrigen Neu-Bundesl\u00e4nder zu einem weitgehenden Neuanfang. Bis Ende des Jahres werden rund 18,5 Mio. DM in die neue Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) des Landes geflossen sein.<!--more--><\/p>\n<p>In den alten Bundesl\u00e4ndern stand bei der Einf\u00fchrung der EDV Ende der 60er\/Anfang der 70er Jahre der Aufbau gro\u00dfer Datenbanken im Zentrum. In-kompatible Techniken in den einzelnen L\u00e4ndern f\u00fchrten zum Teil zu immensen Anpassungsausgaben, sowohl zu Beginn der Entwicklung, als auch bei den Zug um Zug erfolgten Modernisierungen der in rasendem Tempo veraltenden Technik.<\/p>\n<p>Die neuen Bundesl\u00e4nder fangen nun &#8211; ausgestattet mit den Erfahrungen ihrer West-Berater &#8211; praktisch ganz neu an. Die Technik aus DDR-Zeiten ist zu einem gro\u00dfen Teil nicht mehr zu gebrauchen. Vieles entspricht nicht der neuen Verwaltungsstruktur, das meiste ist zu alt. Bestehende Netze f\u00fcr Telefon und Fernschreiber k\u00f6nnen nicht weiter genutzt werden. Zwar verf\u00fcgte auch die DDR-Polizei \u00fcber gro\u00dfe Datenbanken, nicht aber \u00fcber ein Daten\u00fcbertragungsnetz. Der Austausch erfolgte \u00fcber Disketten. Vom nunmehr aufgel\u00f6sten Gemeinsamen Landeskriminalamt (GLKA) k\u00f6nnen die neuen Bundesl\u00e4nder zwar kriminaltechnische Untersuchungsger\u00e4te, nicht aber Datenverarbeitungstechnik erben. Der erhebliche technische R\u00fcckstand k\u00f6nnte zumindest der brandenburgischen Polizei auf lange Sicht nun sogar zum Vorteil gereichen. W\u00e4hrend die anderen L\u00e4nder der Ex-DDR sich im wesentlichen den technischen Vorgaben ihrer Patenl\u00e4nder aus dem Westen anschlie\u00dfen und aufgrund ihrer desolaten Finanzlage die Technik nur st\u00fcckweise erneuern wollen, hat sich der &#8218;Zentraldienst f\u00fcr Technik und Beschaffung&#8216; der brandenburgischen Polizei zu einem grunds\u00e4tzlichen Neuanfang entschlossen. Im Vordergrund stehen dabei Kleinrechner und Kommunikationsnetze.<\/p>\n<h4>EDV<\/h4>\n<p>Ab Mitte M\u00e4rz sollen die sechs Polizeipr\u00e4sidien des Landes an das INPOL-System angeschlossen sein. Damit werden Direktanfragen im polizeilichen Fahndungssystem des Bundeskriminalamtes (BKA) m\u00f6glich. Bis Ende des Jahres sollen auch die nachgeordneten Organisationseinheiten, die sog. Schutzbereiche, diese M\u00f6glichkeit erhalten. Gesteuert werden die Anfragen von einem Verteilrechner. Eigene gr\u00f6\u00dfere Datenbanken sollen vorerst nicht aufgebaut werden. Statt dessen sollen Personalcomputer insbesondere da direkte Hilfen leisten, wo Beamte im t\u00e4glichen Arbeitsablauf viel zu schreiben haben. \u00dcber die reine Textverarbeitung hinaus sollen bis Ende des Jahres auch die Verkehrsunfallstatistik, die Vorgangsbearbeitung (Tagebuch) und die Logistik (Erfassung von Best\u00e4nden) auf Kleinrechnern betrieben werden.<\/p>\n<p>Ob in Zukunft ein eigener Kriminalaktennachweis (KAN) und andere Bausteine eines INPOL-Land-Systems aufgebaut werden, h\u00e4ngt u.a. auch davon ab, wann Berlin und Brandenburg zu einem Bundesland vereint werden. Bis zu diesem Zeitpunkt werden Gro\u00dfrechner nicht f\u00fcr notwendig gehalten. Personendaten werden im Moment ohnehin noch nicht gespeichert, zuvor m\u00fcssen die alten Datenbest\u00e4nde aus DDR-Zeiten bereinigt werden.<\/p>\n<h4>Fernsprechsondernetz auf ISDN-Basis<\/h4>\n<p>Das Renommierst\u00fcck Brandenburgs auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologie soll das Fernsprechsondernetz der Polizei werden. Bisher bedient sich die brandenburgische Polizei &#8211; ebenso wie ihre Kollegen in den anderen neuen L\u00e4ndern &#8211; eines Netzes der fr\u00fcheren Nationalen Volksarmee (NVA), das nach der Vereinigung in den Besitz der Bundeswehr \u00fcberging. Die Polizei mu\u00df demn\u00e4chst aus diesem Netz weichen. W\u00e4hrend die anderen L\u00e4nder auf die weitere Verf\u00fcgbarkeit dieses sog. S1-Netzes gesetzt hatten, begannen die Brandenburger bereits vorher mit eigenen Pl\u00e4nen und haben sich damit nun eine Menge Sonderausgaben erspart. Das neue System soll den Polizeidienststellen ab Mitte August dieses Jahres zur Verf\u00fcgung stehen. Es wird &#8211; nach Aussagen des aus dem Partnerland Nordrhein-Westfalen delegierten Chefs des Zentraldienstes Bodo Schmidt &#8211; das modernste polizeiliche Fernsprechnetz der BRD werden.<\/p>\n<h4>Vom Fernschreiber zur elektronischen Post<\/h4>\n<p>Nicht l\u00e4nger gedacht wird dabei an eine Integration von Telephonnetz, Daten- und Textkommunikation, wie dies Anfang der 80er Jahre unter dem Begriff DISPOL diskutiert worden war. Zwar mu\u00df man auch das Telexnetz grunds\u00e4tzlich renovieren, denn die aus DDR-Zeiten \u00fcbernommenen Ger\u00e4te sind v\u00f6llig \u00fcberaltert. An die Stelle der alten Ger\u00e4te und Netze soll anschlie\u00dfend ein &#8218;electronic mail-system&#8216; treten, das f\u00fcr die Benutzer erhebliche Vorteile bietet: Texte k\u00f6nnen auf einem PC fertig redigiert und in den elektronischen Briefkasten eines anderen Rechners \u00fcberspielt werden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, da\u00df auch die B\u00fcrokommunikation erleichtert wird. Bis zum Abschlu\u00df der polizeilichen Ermittlungen k\u00f6nnten so z.B. alle anfallenden Dokumente von Stufe zu Stufe an die jeweiligen PCs der BearbeiterInnen weitergegeben werden. Die Zeitersparnis ist enorm.<\/p>\n<p>\u00dcber &#8218;electronic mail&#8216; und einen Vermittlungsrechner k\u00f6nnen die Beamten dann an alle Polizeidienststellen innerhalb und au\u00dferhalb des Landes herantreten. Eine direkte Anfrage im Datensystem eines Nachbarlandes ist dadurch allerdings nicht m\u00f6glich. Dort landet das Fernschreiben als &#8222;hard copy&#8220;, d.h. als Papierausdruck.<\/p>\n<h4>Funknetz<\/h4>\n<p>V\u00f6llig erneuert werden mu\u00df auch das Funknetz der Landespolizei. Jedes Po-lizeipr\u00e4sidium soll im Laufe der n\u00e4chsten Jahre ein neues Funknetz erhalten. Bis dahin mu\u00df die Polizei die alten Frequenzen im 2m-Band verlassen. Damit verbunden ist auch die Anschaffung neuer Funkstreifenwagen. Mit 100 Wagen hat Nordrhein-Westfalen den Brandenburgern vergangenes Jahr unter die Arme gegriffen, sie selbst wollen in diesem Jahr 150 neue Fahrzeuge anschaffen. In etwa zwei Jahren sollen s\u00e4mtliche der rund 500 Funkstreifenwagen \u00fcber die neue Technik verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Gebildet wurde auch eine Arbeitsgruppe, die die Gestaltung von Einsatzleit-stellen planen soll. Die Notrufe &#8218;110&#8216; laufen derzeit noch dezentral auf den einzelnen Polizeidienststellen an, in Zukunft soll dies zentralisiert werden. Zwar betr\u00e4fen die meisten Anrufe lokale Ereignisse, so Schmidt, aber das schnelle Herbeirufen von Unterst\u00fctzung oder die schnelle Organisation von Kontrollstellen seien nur durch eine Zentralisierung zu gew\u00e4hrleisten. Den Anfang will man mit einem Statusrechner bei den Einsatzleitstellen machen, der automatisch die Einsatzbereitschaft des jeweiligen Fahrzeuges signalisiert.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Die Anf\u00e4nge der neuen IuK-Technologie in Brandenburg setzen damit kleinere und schnell realisierbare L\u00f6sungen, wobei sie sich nicht nur an den neuesten Standards der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft orientieren, sondern sich zugleich auch die M\u00f6glichkeiten weiterer technischer L\u00f6sungen offenhalten. Ob es auf diese Weise gelingt, fr\u00fchere westdeutsche Fehler zu vermeiden, wird sich in den n\u00e4chsten Jahren zeigen m\u00fcssen; zumindest jedoch wird das Land damit Ausgaben ersparen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Informations- und Kommunikationstechnik der DDR wird das Land Brandenburg nur wenig \u00fcbernehmen. 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