{"id":3980,"date":"2002-08-26T17:19:46","date_gmt":"2002-08-26T17:19:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=3980"},"modified":"2002-08-26T17:19:46","modified_gmt":"2002-08-26T17:19:46","slug":"zwischen-imagepflege-und-gewalt-polizeistrategien-gegen-demonstrationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=3980","title":{"rendered":"Zwischen Imagepflege und Gewalt &#8211; Polizeistrategien gegen Demonstrationen"},"content":{"rendered":"<h3>von Michael Sturm und Christoph Ellinghaus<\/h3>\n<p><strong>Die Zeiten, da Bundesgrenzschutz und Bereitschaftspolizeien mit schweren Waffen in quasi-milit\u00e4rische Man\u00f6ver zogen, sind l\u00e4ngst vorbei. Polizeiliche Eins\u00e4tze bei Demonstrationen folgen heute dem Prinzip der \u201edeeskalativen St\u00e4rke\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens die Erfahrungen mit den Demonstrationen der Studentenbewegung am Ende der 60er Jahre verdeutlichten der Polizei, dass ihre Feindbilder, Einsatztaktiken und Ausr\u00fcstungsstandards den Wirklichkeiten der Bundesrepublik nicht gerecht wurden. Sie sah sich nicht mit bewaffneten kommunistischen Umsturzversuchen konfrontiert, die seit den 50er Jahren den Bezugspunkt f\u00fcr Man\u00f6ver von Bereitschaftspolizeien und Bundesgrenzschutz bildeten, sondern mit zivilen Protesten von Jugendlichen und Studierenden. Sie musste zur Kenntnis nehmen, dass die \u00d6ffentlichkeit zunehmend sensibler und kritischer auf ihre Ma\u00dfnahmen reagierte.<!--more--><\/p>\n<p>Seit den Notstandsgesetzen von 1968, die den Bundeswehreinsatz im Innern erm\u00f6glichten, die Bereitschaftspolizei also von ihrer Rolle als mehr oder weniger offene B\u00fcrgerkriegsarmee entlasteten, bahnte sich eine tiefgreifende Reform an. Karabiner, Maschinengewehre und Handgranaten verschwanden aus den polizeilichen Arsenalen. Die Ausr\u00fcstung f\u00fcr Demonstrationseins\u00e4tze wurde umfassend modifiziert. Helme mit herunter klappbarem Visier, Schilder und Schlagst\u00f6cke kennzeichneten von nun an die individuelle Ausr\u00fcstung der Beamten. Neue Einsatzfahrzeuge und Hubschrauber sorgten f\u00fcr Mobilit\u00e4t, gepanzerte Fahrzeuge, Hochdruckwasserwerfer und Tr\u00e4nengas f\u00fcr Distanz und Abschreckung. Mit einer Grundgesetz\u00e4nderung von 1972 wurde auch der Bundesgrenzschutz (BGS) als Einsatzreserve des Bundes verf\u00fcgbar und half seitdem bei der \u201epolitischen Erziehung\u201c der neuen Protestgenerationen. Insgesamt war die Polizei zwar entmilitarisiert worden. Das Auftreten martialisch anmutender Polizeieinheiten rief jedoch bei vielen DemonstrationsteilnehmerInnen weiterhin Bedrohungs\u00e4ngste und Assoziationen an B\u00fcrgerkriegssituationen hervor.<\/p>\n<h4>Vom Brokdorf-Urteil zur Startbahn West<\/h4>\n<p>Mit den Reformen seit 1968 war die Entwicklung polizeilicher Einsatzstrategien aber nicht abgeschlossen. Entscheidend f\u00fcr das heutige Auftreten der Polizei bei Protestereignissen waren die Jahre 1985 bis 1988. Ausgel\u00f6st durch das Brokdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) von 1985 vollzog sich in Fachzeitschriften und an der Polizeif\u00fchrungsakademie eine intensive Debatte \u00fcber polizeiliche Leitbilder und Einsatzphilosophien.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Gericht hatte die Bedeutung des Grundrechts der Versammlungsfreiheit hervor gehoben. Das Verhalten der Polizei m\u00fcsse grunds\u00e4tzlich demonstrationsfreundlich und deeskalierend sein (Deeskalationsgebot); Einsatzleitung und Demonstrationsanmelder sollen sich kooperativ verhalten (Kooperationsgebot). L\u00e4gen keine St\u00f6rungen vor, k\u00f6nne eine vollst\u00e4ndige R\u00fccknahme der Polizei erwogen werden. Die Anwesenheit von \u201eSt\u00f6rern\u201c sei nur in bedingtem Ma\u00dfe ein Rechtfertigungsgrund f\u00fcr polizeiliche Ma\u00dfnahmen gegen alle Demonstrierenden. Aufgabe der Polizei m\u00fcsse es vielmehr sein, \u201eSt\u00f6rer\u201c gezielt zu isolieren und gegebenenfalls festzunehmen. Die Forderung nach gezieltem Einschreiten stellte neue und hohe Anforderungen an Polizeitaktik, Ausbildung und Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<p>Mindestens genauso entscheidend f\u00fcr die Entwicklung der polizeilichen Strategien war die neue Welle von Massenprotesten ab 1986. Rund um die Baustellen f\u00fcr das AKW Brokdorf und die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf kam es zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Polizei reagierte mit \u00e4u\u00dferst unflexiblen Einsatzstrategien, wie z.B. dem fl\u00e4chendeckenden Einsatz von CS-Gas. Eine Isolierung von \u201eSt\u00f6rern\u201c, wie sie das BVerfG gefordert hatte, erschien unter diesen Umst\u00e4nden unwahrscheinlicher denn je. Die enorme Zahl der Festnahmen kontrastierte mit einer vergleichsweise geringen Zahl von Verurteilungen. Die Polizei tat sich augenscheinlich schwer, \u201ebeweissichere Festnahmen\u201c vorzunehmen.<\/p>\n<p>Nachdem am 2.11.1987 bei Auseinandersetzungen an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens zwei Polizisten durch Sch\u00fcsse aus den Reihen der DemonstrantInnen get\u00f6tet worden waren, schien die vom BVerfG intendierte Liberalisierung in weite Ferne ger\u00fcckt. Die neuen Einsatzphilosophien sollten dem Prinzip der \u201edeeskalativen St\u00e4rke\u201c folgen \u2013 ein Begriff, den Martin Winter definiert als \u201estrategisch-taktische Priorit\u00e4t der Polizei, die Demonstration unter Kontrolle zu halten, f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten der komplexen Situation \u201aDemonstration\u2018 gewappnet zu sein und Straft\u00e4ter beweissicher festzunehmen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Flexibilit\u00e4t, Offensivit\u00e4t und Professionalit\u00e4t sollen die Einsatztaktiken auszeichnen. Flexibilit\u00e4t hei\u00dft dabei, dass die Leitung und Durchf\u00fchrung von Eins\u00e4tzen dem Handeln des polizeilichen Gegen\u00fcbers anzupassen sei. Taktisches Ziel bleibt die Kontrolle des \u201eGegners\u201c und der Situation. Die Polizei soll bei Demonstrationen nicht reagieren, sondern agieren. Der Rechtsstaat soll nach vorw\u00e4rts verteidigt werden. \u201eSt\u00f6rer\u201c seien offensiv abzuschrecken. Die jeweiligen Eins\u00e4tze sollen pr\u00e4zise vorbereitet werden. Von den Polizeif\u00fchrern wird Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen verlangt, sie haben die polizeilichen Ziele m\u00f6glichst konsequent umzusetzen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Der gesamte Einsatz sei in ein \u201eintegrales Gesamtkonzept\u201c einzubetten.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<h4>Public relations und Konfliktmanagement<\/h4>\n<p>Wichtiger Bestandteil dieses Konzeptes ist die einsatzbegleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Die Polizei zeigt damit, dass sie verst\u00e4rkt Wert auf ihr Erscheinungsbild in der \u00f6ffentlichen Meinung legt. Den Medien und der Bev\u00f6lkerung sollen dabei nicht nur die Polizeiarbeit als besonders gut, sondern auch die \u201eSt\u00f6rer\u201c als besonders schlecht dargestellt werden. Die Methoden reichen von der \u00fcblichen Pressekonferenz \u00fcber Demo-Flugis und den Einsatz von KommunikationsbeamtInnen f\u00fcr Presse und DemonstrationsteilnehmerInnen bis hin zu umfangreichen Konzepten.<\/p>\n<p>So richtete die Polizei vor dem Castor-Transport nach Gorleben im M\u00e4rz 2001 einen integrierten Aufgabenbereich \u201eeinsatzbegleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Konfliktmanagement (\u00d6A\/KM)\u201c ein. Weit im Vorfeld der Proteste wurde f\u00fcr die Akzeptanz der polizeilichen Ma\u00dfnahmen geworben. Ca. 130 eigens abgestellte Beamte versuchten vor und w\u00e4hrend des Transportes allen Handlungen, die den Transport erschweren k\u00f6nnten, das \u00f6ffentliche Verst\u00e4ndnis zu entziehen. Mit dem Motto \u201eWir k\u00f6nnen auch anders\u201c sollte andererseits bei jedem Einsatz glaubhaft gemacht werden, dass die Polizei durchaus Verst\u00e4ndnis f\u00fcr \u201efriedlichen\u201c Protest habe.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Vom zeitlichen und personellen Aufwand her ging das Konzept des \u201eKonfliktmanagements\u201c weit \u00fcber den seit den 80er Jahren praktizierten Einsatz von KommunikationsbeamtInnen hinaus. Hier ging es nicht nur um \u201eDeeskalation\u201c. Vielmehr betrat die Polizei das Feld der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung, von dem sich die Politik l\u00e4ngst verabschiedet hatte.<\/p>\n<h4>Gezielte Gewalt<\/h4>\n<p>Zum Programm der \u201edeeskalativen St\u00e4rke\u201c geh\u00f6rt nicht nur der kommunikative Einsatz, sondern auch die massive Gewaltaus\u00fcbung durch spezielle Festnahmeeinheiten. Ihr Auftrag besteht darin, gezielt gegen \u201egewaltt\u00e4tige St\u00f6rer\u201c vorzugehen, sie zu isolieren und \u201ebeweissicher\u201c festzunehmen, ohne dabei friedliche DemonstrantInnen in Mitleidenschaft zu ziehen. Letzteres wird dabei als Beitrag zur Deeskalation verstanden. Der Aufbau dieser Einheiten ist dem der Sondereinsatzkommandos (SEKs) \u00e4hnlich. Sie agieren meist in F\u00fcnfer-Trupps und sind in der Regel mit Schlagschutz- bzw. kugelsicheren Westen und Tonfa-Schlagst\u00f6cken ausger\u00fcstet.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Zwar gab es Greiftrupps bereits in den 50er Jahren. Auch kamen seit den 70ern wiederholt Spezialeinsatzkommandos bei Demonstrationen zum Einsatz. Die systematische Aufstellung spezieller Festnahmeeinheiten setzte aber erst Mitte der 80er Jahre ein. Den Anfang machten 1987 Berlin mit der inzwischen aufgel\u00f6sten \u201eEinsatzbereitschaft f\u00fcr besondere Lagen und einsatzbezogenes Training\u201c (EbLT) und Bayern mit seinen \u201eUnterst\u00fctzungskommandos\u201c (USK). Mittlerweile sind fast alle L\u00e4nder der Empfehlung der Innenministerkonferenz von 1995 zum Aufbau von \u201eBeweissicherungs- und Festnahmeeinheiten\u201c (BFE) gefolgt. 1997 arbeiteten \u00fcber 2.120 BeamtInnen der Bereitschaftspolizeien in solchen Gruppen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Hinzu kommen die \u201eZugriffseinheiten\u201c (ZE) des BGS.<\/p>\n<h4>EbLT und USK<\/h4>\n<p>Ein Blick auf Geschichte und Praxis dieser Einheiten zeigt jedoch, dass von einer Verschonung friedlicher DemonstrantInnen oder gar von deeskalierender Wirkung ihrer Eins\u00e4tze keineswegs die Rede sein kann. In den zwei Jahren ihres Bestehens \u2013 vom Aufbau unter dem CDU-Innensenator Wilhelm Kewenig nach dem 1. Mai 1987 bis zur Aufl\u00f6sung durch die Rot-Gr\u00fcne Koalition 1989 \u2013 zeichnete sich die Berliner EbLT durch eine beispiellose Kette von Brutalit\u00e4ten aus. Nach \u00e4u\u00dferst harten Eins\u00e4tzen w\u00e4hrend des Reagan-Besuchs im Juni 1987, erlangte vor allem ihr Auftreten in Wackersdorf am 9.\/10. Oktober 1987 traurige Ber\u00fchmt\u00adheit. \u201eBeweissichere Festnahmen\u201c gab es zwar nicht, daf\u00fcr wurden jedoch zahlreiche Personen durch Kn\u00fcppelschl\u00e4ge zum Teil schwer verletzt. Am 1. Mai 1988 schaffte es die Truppe sogar, in Berlin-Kreuzberg drei h\u00f6here Polizeif\u00fchrer zu verpr\u00fcgeln.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem von CSU-Politikern gefeierten Auftritt der EbLT in Wackersdorf hegte man auch in Bayern Pl\u00e4ne f\u00fcr den Aufbau neuer auf Demonstrationseins\u00e4tze spezialisierter Sondereinheiten. Am 5. November 1987, drei Tage nach den t\u00f6dlichen Sch\u00fcssen an der Startbahn West, gab der damalige Innenstaatssekret\u00e4r Peter Gauweiler (CSU) deren Aufstellung bekannt. Am 3. Februar 1988 konnte Gauweiler schlie\u00df\u00adlich \u201eseine\u201c Unterst\u00fctzungskommandos der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentieren. Die Einsatzphilosophie \u2013 so damals Ministerialdirigent Hermann H\u00e4ring \u2013 lautete: \u201eVom statischen Modell weg, hin zum offensiven aggressiven Vorgehen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Bereits die Vorstellung der Sondereinheit auf dem BGS-Flugplatz in Oberschlei\u00dfheim sollte diese Einsatzphilosophie verdeutlichen. Am Tag darauf vermerkte die M\u00fcnchner Abendzeitung: \u201eSie zeigen, was ihnen beigebracht wurde: der Boxhieb gegen die Kehle. Der Sto\u00df in die Weichteile, der Stiefeltritt ins Gesicht.\u201c<\/p>\n<p>1988 verf\u00fcgte die Einheit \u00fcber 619 Beamte (nur M\u00e4nner). Heute sind es noch ca. 450, die entweder der Bereitschaftspolizei oder einzelnen Polizeipr\u00e4sidien (M\u00fcnchen, Mittelfranken) unterstellt sind. Das USK setzt sich ausschlie\u00dflich aus Freiwilligen zusammen, an die \u201ebesondere Anforderungen hinsichtlich Einsatzbereitschaft, charakterlicher Festigkeit, Besonnen- und Entschlossenheit, k\u00f6rperlicher Fitness und Sportbegeisterung, Kampfsporterfahrung, Stressresistenz sowie Mut und Risikobereitschaft\u201c gestellt werden. Nach einem Eignungstest absolvieren sie einen sechsmonatigen Einf\u00fchrungslehrgang, mit schwerpunktm\u00e4\u00dfig folgenden Inhalten: Zugriffs- und Beweissicherungstechnik, Aufbereitung taktischer Einsatzkonzeptionen und \u201eSt\u00f6rertaktiken\u201c, Kampfsportausbildung und Umgang mit Tonfa-Schlagst\u00f6cken.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>USK-Einheiten werden uniformiert oder in Zivil bei Eins\u00e4tzen gegen \u201eGewaltkriminalit\u00e4t\u201c hinzugezogen \u2013 bei Fu\u00dfballspielen, Drogenrazzien oder politischen Demonstrationen. Trotz des immer wieder hervorgehobenen Saubermann-Images (\u201echarakterliche Festigkeit\u201c) haben sich die USK allzu oft als \u201eblindw\u00fctige Kampfmaschinen\u201c erwiesen. So zogen ihre Eins\u00e4tze w\u00e4hrend des Weltwirtschaftsgipfels 1992 in M\u00fcnchen weltweite Beachtung auf sich. Gegen Demonstranten, die die Er\u00f6ffnungszeremonie mit Trillerpfeifen gest\u00f6rt hatten, wurde nach \u201ebayrischer Art\u201c durchgegriffen.<\/p>\n<p>Betroffenenberichte sprechen f\u00fcr sich: \u201eEinige Meter vor der Kreuzung &#8230; sammeln sich &#8230; mehrere USK-Beamte an, die sogleich grundlos mit Schlagst\u00f6cken in die Demonstration hineinpr\u00fcgeln, innerhalb k\u00fcrzester Zeit haben sich die USK-Beamten bis zu mir &#8230; durchgeschlagen. Zwei Polizisten rei\u00dfen mich und den Mann neben mir &#8230; zu Boden. Nach mehreren Schl\u00e4gen mit dem Kn\u00fcppel auf meinen Arm zerren mich die beiden Beamten zur linken Stra\u00dfenseite an die Hauswand. &#8230; Jetzt werde ich mit dem Gesicht voran auf den Boden geworfen. Ein USK-Beamter tritt mit dem Fu\u00df meinen Kopf auf den Gehsteig. Zwei weitere kn\u00fcppeln w\u00e4hrenddessen auf meinen R\u00fccken. &#8230; Ein Beamter steigt mit seinem vollen Gewicht auf meine Wirbels\u00e4ule.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<h4>\u201eCop Culture\u201c \u2013 Die Bedeutung polizeilicher Subkulturen<\/h4>\n<p>Rafael Behr hat in seiner Studie \u00fcber den \u201eAlltag des Gewaltmonopols\u201c auf die Formen und die Bedeutung polizeilicher Subkulturen hingewiesen, die sich aus den Erwartungen und Anforderungen des t\u00e4glichen Dienstes entwickeln und parallel, aber bisweilen in einem durchaus widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnis zu den offiziellen Leitbildern der Institution Polizei existieren.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Besonders deutlich sind diese Wechselwirkungen zwischen offizieller Polizeikultur und subkultureller \u201eCop Culture\u201c bei den USK und anderen Festnahme-Einheiten zu sehen. Sie wurden als Eliteeinheiten konzipiert und mit den g\u00e4ngigen Insignien von Eliteeinheiten ausgestattet: besondere Uniformen (Overalls), Abzeichen (beim USK der Greif) und eine besondere Bewaffnung \u2013 Tonfa-Schlagst\u00f6cke, die spezielles Training und Fertigkeiten erfordern. Die Schaffung eines Elitebewusstseins unter den Angeh\u00f6rigen der BFEs ist also von der Polizeif\u00fchrung durchaus intendiert. Welche Ausdrucksformen dieses Elitebewusstsein annimmt, welche Handlungsmuster konkret daraus resultieren, ist dem offiziellen Einfluss jedoch oftmals entzogen. Im Zentrum der Erwartungshaltungen, die zahlreiche BFE-Beamte vor oder w\u00e4hrend ihrer Eins\u00e4tze entwickeln, steht der Wunsch, sich in der (gewaltsamen) Konfrontation zu bew\u00e4hren. Diese kriegerische M\u00e4nnlichkeit verlangt nach Eindeutigkeiten; kommunikativen Ma\u00dfnahmen wird dagegen untergeordnete Bedeutung beigemessen. Bisweilen begegnen die Beamten, ihren Konfliktmanagement-KollegInnen mit offener Feindseligkeit. Wurden die Kommunikations-Polizisten Ende der 60er Jahre aus den eigenen Reihen als \u201eKommunisten\u201c, \u201eKapitulationsgruppe\u201c oder \u201eDr\u00fcckeberger\u201c beschimpft, gelten ihre NachfolgerInnen heute als \u201eWeicheier\u201c, \u201eWarmduscher\u201c und \u201eSchattenparker\u201c.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Der Umgang der Polizei mit Protestereignissen hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre zunehmend professionalisiert. In der Aus- und Weiterbildung nimmt die Einsatzlage \u201eDemonstration\u201c einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Raum ein. F\u00fcr die polizeiliche Bew\u00e4ltigung unterschiedlichster demonstrativer Situationen steht der Polizei ein differenziertes Angebot an Ausr\u00fcstung, speziellen Einheiten und Taktiken zur Verf\u00fcgung. Die Polizei ist bereit und in der Lage, aus gesellschaftlichen Konflikten zu lernen und ihre Vorgehensweisen weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p>\u00dcberblickt man die Anwendung polizeilicher Gewalt im Protestgeschehen der letzten 30 Jahre, so kann von einer \u201eZivilisierung\u201c jedoch nur in sehr eingeschr\u00e4nktem Ma\u00dfe gesprochen werden. Zwar geh\u00f6ren seit Anfang der 70er Jahre schwere Waffen nicht mehr zu den Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden geschlossener Polizeiverb\u00e4nde, zugleich ist auch die Bedeutung kommunikativer Ma\u00dfnahmen gestiegen. Dennoch haben sich Formen und H\u00e4rte des \u201eZuschlagens\u201c im Moment der direkten Konfrontation zwischen Polizei und DemonstrantInnen kaum ver\u00e4ndert. Trotz aller strukturellen, technischen und taktischen Neuerungen im Laufe der letzten Jahrzehnte: Polizeiliche Macht wird weiterhin durch \u201eHandarbeit\u201c der PolizistInnen vor Ort hergestellt und reproduziert. Das Droh- und Gewaltpotential, das die Polizei nicht zuletzt durch ihre Spezialeinheiten repr\u00e4sentiert, hat sich weder faktisch noch in der Wahrnehmung des Publikums verringert. Deren martialisches Auftreten kann auch weiterhin existentielle Bedrohungs\u00e4ngste ausl\u00f6sen. Ob und in welcher Weise dieses Gewaltpotential tats\u00e4chlich zum Einsatz kommt, ist allerdings kaum vorherzusagen.<\/p>\n<h5>Michael Sturm ist Historiker und lebt in G\u00f6ttingen, Christoph Ellinghaus ist Jugendbildungsreferent bei der IG Metall in Erfurt.<\/h5>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bundesverfassungsgericht Entscheidungen Bd. 69, S. 315 ff.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Winter, M.: Politikum Polizei, M\u00fcnster 1998, S. 339<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> vgl. H\u00fccker, F.: Beweissicherung \u2013 Dokumentation \u2013 Beweisf\u00fchrung bei unfriedlichen Ereignissen und Aktionen, Stuttgart u.a. 1998, S. 117<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Winter a.a.O. (Fn. 2), S. 345<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Driller, U.: \u201eWir k\u00f6nnen auch anders \u2013 Wir aber nicht\u201c, in: Polizei &amp; Wissenschaft 2001, H. 3, S. 29-50<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Korell, J.: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, in: Unbequem 1994, H. 19, S. 8<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Entwurf des Ausstattungsnachweises f\u00fcr die Bereitschaftspolizeien der L\u00e4nder; Stand: 18.9.1995<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> EbLT. Das \u201eSpezialbataillon der Berliner Verwaltung\u201c, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 30 (2\/1988), S. 10-29<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> taz v. 5.2.1988<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Kiefer, H.: Konzeption einer Beweissicherungs- und Zugriffseinheit, in: Bereitschaftspolizei heute 1994, H. 3, S. 122f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Herzog, D.: Das Unterst\u00fctzungskommando der bayerischen Polizei, in: Unbequem 1997, H. 30, S. 28-34 (33)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Behr, R.: Cop Culture \u2013 Der Alltag des Gewaltmonopols, Opladen 2000<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Weinhauer, K.: Staatsb\u00fcrger mit Sehnsucht nach Harmonie, in: Schildt, A.; Siegfried, D.; Lammers, K.C. (Hg.): Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000, S. 444-470 (460); S\u00fcddeutsche Zeitung v. 26.4.2001<\/h6>\n<h3>Foto: Umbruch Bildarchiv<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Michael Sturm und Christoph Ellinghaus Die Zeiten, da Bundesgrenzschutz und Bereitschaftspolizeien mit schweren Waffen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11597,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,78],"tags":[332,342,363,1007,1379],"class_list":["post-3980","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-cilip-072","tag-brokdorf-urteil","tag-bundesgrenzschutz","tag-bverfg","tag-notstandsgesetze","tag-stoerer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3980\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11597"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}