{"id":4069,"date":"1991-09-26T19:28:28","date_gmt":"1991-09-26T19:28:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=4069"},"modified":"1991-09-26T19:28:28","modified_gmt":"1991-09-26T19:28:28","slug":"chronologie-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=4069","title":{"rendered":"Chronologie"},"content":{"rendered":"<h3>zusammengestellt von Manfred Walter<\/h3>\n<p><strong>April 1991<\/strong><\/p>\n<p>01.04.: Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble bekr\u00e4ftigt seine Forderung nach Zugang zu den STASI-Akten.<br \/>\n03.04.: In D\u00fcsseldorf wird der Vorstandsvorsitzende der Berliner Treu-handanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, von einem RAF-Kommando erschossen.<br \/>\nIn Hamburg beginnt der Revisionsproze\u00df gegen die Rechtsanw\u00e4ltin Isolde Oechsle-Misfeld, 1986 Anw\u00e4ltin und mutma\u00dfliche Komplizin von Werner Pinzner, der bei seiner Vernehmung einen Staatsanwalt erschossen hatte.<br \/>\n04.04.: Bundesjustizminister Klaus Kinkel (FDP) schlie\u00dft sich den For-derungen Sch\u00e4ubles nach Einsicht in die STASI-Akten an.<br \/>\nBundeskanzler Helmut Kohl (CDU) fordert ein &#8222;STASI-Gesetz&#8220;, um f\u00fcr die Einsichtnahme von Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz in STASI-Akten eine Rechtsgrundlage zu schaffen.<!--more--><br \/>\n08.04.: Bayerns Innenminister Edmund Stoiber (CSU) unterzeichnet im Rahmen einer Moskau-Reise mit dem Leiter der Hauptverwaltung f\u00fcr innere Angelegenheiten der Stadt Moskau eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit der bayerischen und der Moskauer Polizei.<br \/>\n09.04.: Nach Aussagen des RAF-Aussteigers Werner Lotze bestanden auch \u00fcber das Jahr 1985 hinaus Kontakte zwischen RAF und STASI; bislang war nur ein Zeitraum bis 1984 bekannt.<br \/>\nPersonalreduzierungen beim Verfassungsschutz werden bekanntgegeben: In Schleswig-Holstein soll die Beh\u00f6rde von 122 auf 78, in Niedersachsen von 320 auf 248 Beamte schrumpfen. Baden-W\u00fcrttemberg will 100 Mann abbauen und auch in Nordrhein-Westfalen und Hessen werden erste \u00dcberlegungen angestellt. Anders das BfV, dort werden 50 neue Stellen bewilligt.<br \/>\n10.04.: Die Berliner Justiz fahndet wegen Beihilfe zum Mord nach dem ehemaligen STASI-Oberstleutnant Helmut Voigt. Er soll indirekt am Anschlag auf das &#8222;Maison de France&#8220; 1983 beteiligt gewesen sein.<br \/>\n11.04.: Erste Meldungen \u00fcber Kontakte zwischen STASI und Pal\u00e4sti-nenserorganisationen dringen an die \u00d6ffentlichkeit.<br \/>\n16.04.: In Frankfurt beginnt eine Neuauflage des Prozesses gegen den &#8222;Startbahn-West&#8220;-Gegner Alexander Schubart. Dem 60j\u00e4hrigen wird vorgeworfen, im Herbst 1981 in einer Kundgebungsrede die hessischen Verfassungsorgane gen\u00f6tigt zu haben; am 06.05. wird er zu einer Strafe von anderthalb Jahren auf Bew\u00e4hrung verurteilt; Schubart k\u00fcndigt Revision an.<br \/>\n19.04.: Der Bundesrat verweigert einer Versch\u00e4rfung des Au\u00dfenwirt-schaftsgesetzes die Zustimmung; der Gesetzentwurf, der dem Zollkriminal-institut zur Verhinderung illegaler R\u00fcstungsexporte Eingriffe in das Post- und Fernmeldegeheimnis gestatten wollte, wird an den Vermittlungsausschu\u00df \u00fcberwiesen.<br \/>\n21.04.: Die Hamburger B\u00fcrgerschaft verabschiedet ein neues Polizeige-setz, in dem die Ausweitung der Datenerhebung durch die Polizei geregelt wird; das Gesetz tritt am 01.08.91 in Kraft.<br \/>\n22.04.: Vor dem Oberlandesgericht Koblenz erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Henning Beer; am 23.05. beginnt gegen das ehemalige RAF-Mitglied der Proze\u00df wegen Mordes und versuchten Mordes; am 03.07 wird Beer unter Anwendung der Kronzeugenregelung zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt; der Generalbundesanwalt legt Revision ein.<br \/>\n24.04.: Die Justizministerkonferenz verst\u00e4ndigt sich einstimmig auf einen Gesetzentwurf zur Entlastung der Rechtspflege; er sieht u.a. vor, das Beweisantragsrecht einzuschr\u00e4nken und die Sprungrevision abzuschaffen; am 28.05. wird der Entwurf im Bundesrat eingebracht.<br \/>\n25.04.: Gleich am ersten Proze\u00dftag gesteht Susanne Albrecht ihre Be-teiligung am Mord an dem Bankier J\u00fcrgen Ponto 1977; am 03.06. wird sie unter Anwendung der Kronzeugenregelung zu einer Haftstrafe von 12 Jahren verurteilt; eine zun\u00e4chst eingelegte Revision wird einen Monat sp\u00e4ter zur\u00fcckgezogen, Frau Albrecht akzeptiert das Urteil.<br \/>\n26.04.: Der Bundesrat einigt sich auf eine ge\u00e4nderte Fassung des Geset-zespaketes zur Bek\u00e4mpfung der Drogenkriminalit\u00e4t und der Organisierten Kriminalit\u00e4t (OrgKG); am 24.07. stimmt das Kabinett der Bundesratsfassung zu.<br \/>\nDie Generalbundesanwaltschaft legt Revision gegen das Urteil gegen Andreas Eichler und Frank Hoffmann ein; im M\u00e4rz waren sie als mutma\u00dfliche Polizi-stenm\u00f6rder (Startbahn West) zu je 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.<br \/>\n29.04.: Der Generalbundesanwalt erhebt vor dem Oberlandesgericht Stutt-gart Anklage gegen Silke Maier-Witt; dem fr\u00fcheren RAF-Mitglied wird Beteiligung an der Entf\u00fchrung und Ermordung des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 vorgeworfen; der Proze\u00df soll am 28.08. beginnen.<br \/>\nDurch die \u00f6ffentliche Kritik von Richtern wird bekannt, da\u00df in den L\u00e4ndern der alten BRD 1990 insgesamt 2443 Telefon\u00fcberwachungen genehmigt worden waren; viermal mehr als vor 10 Jahren.<br \/>\nAm 11.06. im Bundestag bekanntgegebene Gesamtzahlen der richterlichen und staatsanwaltschaftlichen Anordnungen zur Telefon\u00fcberwachung gem\u00e4\u00df\u00a0\u00a0\u00a0 100a, 100b: 1986 = 1532, 1987 = 1805, 1988 = 2191, 1989 = 2247, 1990 = 2494 (BT-Plenarprotokoll 12\/30 v. 12.6.90).<\/p>\n<p><strong>Mai 1991<\/strong><\/p>\n<p>01.05.: Unter Berufung auf ihm vorliegende Unterlagen wirft das Fern-sehmagazin &#8222;Monitor&#8220; dem Bundeskriminalamt Informationsweitergabe an den irakischen Geheimdienst vor; das BKA dementiert.<br \/>\nDesweiteren ver\u00f6ffentlicht &#8222;Monitor&#8220; Unterlagen \u00fcber eine Zusammenarbeit der STASI mit dem international als Terrorist gesuchten &#8222;Carlos&#8220;; der Staatssekret\u00e4r im Bonner Innenministerium, Eduard Lintner (CDU), erhebt dar\u00fcberhinaus die Anschuldigung, es habe Kontakte zwischen STASI und Rechtsradikalen gegeben.<br \/>\n04.05.: Die Innenministerkonferenz beschlie\u00dft Ma\u00dfnahmen zur besseren Koordination zur Terrorismusbek\u00e4mpfung; hierzu soll der Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz intensiviert werden.<br \/>\nUm Fu\u00dfballkrawallen zuk\u00fcnftig besser begegnen zu k\u00f6nnen, wird zudem die Errichtung einer Datei &#8222;Gewaltt\u00e4ter Sport&#8220; beschlossen.<br \/>\n06.05.: Das Landgericht Offenburg er\u00f6ffnet das Verfahren gegen den Sch\u00e4uble-Attent\u00e4ter, Dieter Kaufmann; er wird noch am ersten Verhandlungstag in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.<br \/>\n09.05.: Der Berliner Staatsanwaltschaft wird das Urteil im &#8222;Schm\u00fccker-Proze\u00df&#8220; zugestellt, sie mu\u00df nun pr\u00fcfen, ob die vom Generalstaatsanwalt beim Berliner Kammergericht angek\u00fcndigte Berufung gegen die Einstellung des Verfahrens aufrechterhalten wird; am 03.06. wird die Revision zur\u00fcckgenommen, nach Angaben des Generalstaatsanwalts beim Berliner Landgericht sind die Urteilsgr\u00fcnde \u00fcberzeugend; das Urteil im l\u00e4ngsten Proze\u00df der deutschen Justizgeschichte ist damit rechtskr\u00e4ftig.<br \/>\n10.05.: Nach Angaben des &#8222;Bundesverbandes Deutscher Detektive (BDD)&#8220; sind bereits 70% seiner Mitglieder in den neuen Bundesl\u00e4ndern aktiv.<br \/>\n11.05.: Polizeikrise in Berlin: In einer in der Bundesrepublik einmali-gen Aktion werfen die Polizeif\u00fchrer dem dritth\u00f6chsten Beamten der Stadt, Lan-despolizeidirektor Kittlaus, geschlossen Illoyalit\u00e4t, F\u00fchrungs- und Ent-scheidungsschw\u00e4che vor; der Polizeipr\u00e4sident \u00fcbernimmt bis auf weiteres dessen F\u00fchrungsaufgaben und legt ca. drei Wochen sp\u00e4ter ein neues Konzept vor, bei dem die bisherige Position des Landespolizeidirektors entf\u00e4llt; Kittlaus soll nun eine extra f\u00fcr ihn eingerichtete F\u00fchrungsposition zur Aufkl\u00e4rung der sog. Regierungs- und Vereinigungskriminalit\u00e4t \u00fcbernehmen.<br \/>\nAuf dem 46. Deutschen Anwaltstag wirft der Saarbr\u00fccker Rechtsanwalt Prof. Egon M\u00fcller der Polizei vor, zu h\u00e4ufig und oft Durchsuchungen ohne ausreichende Rechtsgrundlage vorzunehmen; nur noch in ca. 5%-10% aller F\u00e4lle werde zuvor eine richterliche Genehmigung eingeholt; eine am 18.05. vorgelegte Studie der FU Berlin best\u00e4tigt dies.<br \/>\n12.05.: Durch ein an die \u00d6ffentlichkeit gelangtes internes Papier der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wird bekannt, da\u00df der Verfassungsschutz beab-sichtigt, verst\u00e4rkt Agenten und V-Leute im RAF-Umfeld einzusetzen.<br \/>\n15.05.: Die Berliner Staatsanwaltschaft l\u00e4\u00dft die Wohnung des einstigen DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski am Tegernsee durchsuchen.<br \/>\n16.05.: In Frankfurt klagen 22 Demonstranten, um die Zul\u00e4ssigkeit ihrer Ingewahrsamnahme durch die Polizei w\u00e4hrend einer Golfkriegs-Demonstration feststellen zu lassen.<br \/>\n18.05: Eine Berliner Tageszeitung ver\u00f6ffentlicht Informationen, denen zufolge es 1989 nach der Abwahl des CDU-Senates zu einer Verfassungs-schutzintrige gegen den rot-gr\u00fcnen Senat gekommen sein soll, an der ein-flu\u00dfreiche Beamte des Berliner Landesamtes und des Bundesamtes f\u00fcr Ver-fassungsschutz beteiligt gewesen sein sollen; die Informationen basieren auf Abh\u00f6rprotokollen der STASI.<br \/>\n20.05: Der Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Staatsminister Lutz Stavenhagen (CDU), k\u00fcndigt eine 10%ige Reduzierung des Bun-desnachrichtendienstes an; verbunden damit sind \u00dcberlegungen f\u00fcr eine Aufgabenverschiebung der rd. 7000 BND-Mitarbeiter in Richtung Aufkl\u00e4rung von Technologie-Transfer und Drogenhandel.<br \/>\nDer Generalbundesanwalt er\u00f6ffnet neue Verfahren gegen die drei inhaftierten RAF-Mitglieder Adelheid Schulz, Ingrid Jacobsmeier und Sieglinde Hofmann.<br \/>\n21.05.: Der bayerische Innenminister Edmund Stoiber (CSU) fordert, die PDS als verfassungsfeindliche Organisation einzustufen und durch den VfS beobachten zu lassen.<br \/>\n22.05.: Durch den &#8222;B\u00fcndnis 90&#8220;-Abgeordneten Arnold in Dresden wird die STASI-Gruppe &#8222;Unbekannte Mitarbeiter (UMA)&#8220; bekannt; der STASI-Beauftragte der Bundesregierung, Gauck, best\u00e4tigt deren Existenz.<br \/>\nBundesinnenminister Sch\u00e4uble tritt auf einem CDU-Kongre\u00df zur inneren Si-cherheit \u00f6ffentlich daf\u00fcr ein, Verdeckten Ermittlern k\u00fcnftig &#8222;milieubedingte Straftaten&#8220; zu gestatten.<br \/>\n25.05.: UdSSR und BRD vereinbaren eine Intensivierung der polizeilichen Zusammenarbeit bei der Bek\u00e4mpfung der Drogen- und Organisierten Kriminalit\u00e4t.<br \/>\n26.05.: Das Verfahren gegen die Mitherausgeber der Berliner Zeitschrift &#8222;Radikal&#8220;, Benny H\u00e4rlin und Michael Kl\u00f6ckner, wird eingestellt; 1984 waren sie wegen Werbung f\u00fcr eine terroristische Vereinigung zu zwei Jahren Haft ohne Bew\u00e4hrung verurteilt worden; dieses Urteil war im Februar 1991 jedoch vom Bundesgerichtshof aufgehoben und an das Berliner Kammergericht zur\u00fcckverwiesen worden.<br \/>\n28.05.: Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble k\u00fcndigt anl\u00e4\u00dflich des 40j\u00e4hrigen Bestehens des Bundesgrenzschutzes eine Neuorganisation und Aufgabenerweiterung des BGS an.<br \/>\n29.05.: In Hamburg wird bekannt, da\u00df die dortige Staatsschutzabteilung der Polizei die Aktivit\u00e4ten der Menschenrechtsorganisation &#8222;amnesty inter-national&#8220; in der Hansestadt seit Mitte der 80er Jahre systematisch beobachtet hat.<\/p>\n<p><strong>Juni 1991<\/strong><\/p>\n<p>01.06.: Deutschland und Polen vereinbaren gemischte polizeiliche Kom-missionen, um gemeinsam gegen Kriminalit\u00e4t im Grenzgebiet vorzugehen.<br \/>\nDas neue Bundesdatenschutzgesetz tritt in Kraft.<br \/>\n04.06.: Vor dem Oberlandesgericht Koblenz erhebt der Generalbundesanwalt Anklage gegen Inge Viett wegen Beteiligung am Sprengstoffanschlag auf den einstigen Nato-Oberbefehlshaber General Alexander Haig im Juni 1979.<br \/>\n05.06.: Nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes erf\u00fcllt eine Sitzblockade schon dann den Tatbestand der vollendeten N\u00f6tigung, wenn die Polizei deshalb Autofahrer anhalten und umleiten mu\u00df (AZ: 1 StR 3\/90).<br \/>\nDer Haushalt des Bundesinnenministers wird von 4,9 Mrd. DM auf 8,2 Mrd. DM angehoben; besonderen Anteil daran haben die \u00dcbernahme von ca. 10.000 \u00f6ffentlich Bediensteten der ehemaligen DDR und die Ausdehnung des BGS in die f\u00fcnf neuen L\u00e4nder.<br \/>\n07.06.: In Bonn konstituiert sich der &#8222;KoKo-Untersuchungsausschu\u00df&#8220;, der die Verwicklungen des einstigen DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski in STASI- und Geheimdienstgesch\u00e4fte kl\u00e4ren soll.<br \/>\n08.06.: Namhafte Berliner Politiker erkl\u00e4ren in einer Presseverlautba-rung, da\u00df der Berliner Verfassungsschutz seit 1975 die rechtsradikale Szene Berlins &#8222;voll unter Kontrolle&#8220; habe, da &#8222;die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder Geheimdienstmitarbeiter&#8220; seien.<br \/>\n09.06.: Bundesjustizminister Kinkel bef\u00fcrwortet die Kronzeugenregelung f\u00fcr ehemalige STASI-Agenten.<br \/>\n11.06.: die fr\u00fchere Top-Agentin des MfS im Bundeswirtschaftsministerium, &#8222;Sonja L\u00fcneburg&#8220; wird bei Berlin festgenommen.<br \/>\n&#8222;St\u00f6rer&#8220; genie\u00dfen keinen Grundrechtsschutz auf Versammlungsfreiheit; dieses Urteil f\u00e4llt das Bundesverfassungsgericht (AZ: 1 BvR 772\/90).<br \/>\nDurch eine Briefbombe wird der Referatsleiter der Berliner Bauverwaltung Hanno Klein get\u00f6tet; Klein war ma\u00dfgeblich am Verkauf des Grundst\u00fcckes am Potsdamer Platz an Daimler Benz beteiligt.<br \/>\n13.06.: Der Leiter der \u00dcbersetzungsabteilung im BfV wird wegen Verdachts der Arbeit f\u00fcr das MfS festgenommen.<br \/>\n17.06.: In Leipzig werden die ersten 275 Bereitschaftspolizisten in der Ex-DDR vereidigt.<br \/>\nIn Sachsen-Anhalt wird bei einer Fahrzeugkontrolle ein Polizeibeamter an-geschossen und lebensgef\u00e4hrlich verletzt.<br \/>\n18.06.: Trotz des Widerstandes von ca. 200 DemonstrantInnen wird im Zwischenlager Gorleben Atomm\u00fcll eingelagert; es kommt zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.<br \/>\n19.06.: Mit dem gr\u00f6\u00dften Polizeiaufgebot seit der IWF-\/Weltbanktagung beginnt in Berlin die KSZE-Konferenz; es sind rd. 3500 Beamte im Einsatz.<br \/>\n20.06.: Durch eine parlamentarische Anfrage der PDS im Bundestag wird bekannt, da\u00df sich bereits seit September 1990 STASI-Akten im Besitz des BKA befinden; am 22.06. best\u00e4tigt Ex-DDR-Innenminister Diestel (CDU), da\u00df er w\u00e4hrend seiner Amtszeit bereits im Fr\u00fchjahr 1990 &#8222;ohne Rechtsgrundlage&#8220; STASI-Akten an die Bundesregierung ausgeh\u00e4ndigt habe; Bundesinnenminister Sch\u00e4uble best\u00e4tigt und verteidigt dieses Vorgehen.<br \/>\nPolizeistreik in Mecklenburg-Vorpommern; rd. 7000 ehemalige Volkspolizisten streiken f\u00fcr soziale Sicherheit und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.<br \/>\n21.06.: Innenminister Alwin Ziel (SPD) stellt die neuen Polizeipr\u00e4si-denten Brandenburgs vor; der Kandidat des &#8222;B\u00fcndnis 90&#8220;, Manfred Such, ist damit endg\u00fcltig durchgefallen, seine Stelle erh\u00e4lt die STASI-Aufl\u00f6serin Uta Leichsenring.<br \/>\nDer Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) l\u00e4\u00dft verlauten, da\u00df er Bewerbungen von Milit\u00e4rpfarrern aus den Neu-Bundesl\u00e4ndern zun\u00e4chst auf deren &#8222;Zuverl\u00e4ssigkeit&#8220; \u00fcberpr\u00fcfen wird.<br \/>\nIn Leipzig wird im Verlauf einer Fahrzeugkontrolle durch einen &#8222;offen-sichtlich ungewollt(en)&#8220; Schu\u00df eines Polizeibeamten ein Mann get\u00f6tet.<br \/>\n25.06.: Spanien und Portugal unterzeichnen das Schengener Abkommen.<br \/>\n26.06.: Der hessische Datenschutzbeauftragte Spiros Simitis k\u00fcndigt an, nach sechzehn Jahren nunmehr sein Amt aufgeben zu wollen.<br \/>\n27.06.: Nahezu einm\u00fctig &#8211; gegen die Stimme Bayerns &#8211; verabschieden die Datenschutzbeauftragten eine Entschlie\u00dfung gegen das OrgKG.<br \/>\n28.06.: Das Landgericht Verden spricht einem Demonstranten 2000 DM Schmerzensgeld zu, der durch einen Wasserwerfereinsatz 1984 erheblich verletzt worden war (AZ: 8 O 186\/87)<br \/>\nDer als &#8222;Erfurter STASI-J\u00e4ger&#8220; bekanntgewordene Matthias B\u00fcchner \u00fcbergibt der Staatsanwaltschaft brisante Akten, die er im Herbst 1989 nach einer \u00fcberraschenden Beschlagnahmeaktion durch das Zentrale Kriminalamt (ZKA) der DDR &#8222;vor dem Zugriff von Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz in Sicherheit gebracht&#8220; hatte; BKA und BfV geben an, das Aktenmaterial niemals erhalten zu haben; daraufhin veranla\u00dfte Pr\u00fcfungen ergeben zun\u00e4chst, da\u00df die Akten nicht mehr aufzufinden sind; zwei Tage sp\u00e4ter tauchen sie in der Staatsschutzabteilung des GLKA wieder auf.<br \/>\n29.06.: Auf dem EG-Gipfel in Luxemburg setzt sich Bundeskanzler Helmut Kohl mit seinen Projekten einer gemeinschaftlichen Einwanderungspolitik sowie der Forderung nach Gr\u00fcndung einer europaweiten Polizei (Europol) durch; bis Ende 1993 sollen die Pl\u00e4ne verwirklicht sein.<br \/>\n30.06.: Bundesjustizminister Klaus Kinkel spricht sich f\u00fcr eine Verl\u00e4n-gerung der 1992 auslaufenden Kronzeugenregelung aus.<\/p>\n<p><strong>Juli 1991<\/strong><\/p>\n<p>01.07.: Zur Bek\u00e4mpfung der Schwarzarbeit wird ein Sozialversiche-rungsausweis eingef\u00fchrt.<br \/>\nDer ehemalige Verfassungsrichter Martin Hirsch stellt beim Bundesgerichtshof einen Wiederaufnahmeantrag zur Rehabilitierung des ersten Verfassungsschutz-Pr\u00e4sidenten Otto John; dieser war 1954 unter bisher ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden in der DDR aufgetaucht; obwohl er stets erkl\u00e4rte, entf\u00fchrt worden zu sein, war er nach seiner ebenso \u00fcberraschenden R\u00fcckkehr 1956 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden.<br \/>\n02.07.: In der Personalauswahlkommission der Berliner Polizei zur \u00dcber-pr\u00fcfung ehemaliger Vopos auf eine evtl. STASI-Mitarbeit wird ein fr\u00fcherer IM entdeckt; alle F\u00e4lle, an denen er mitgewirkt hat, sollen nun neu gepr\u00fcft werden.<br \/>\nDas inhaftierte RAF-Mitglied Helmut Pohl best\u00e4tigt Kontakte zwischen RAF und STASI.<br \/>\n04.07.: Die Nachrichtenagentur ADN meldet unter Berufung auf ihr vor-liegende Materialien, &#8222;mit 99prozentiger Sicherheit&#8220; habe sich der Spio-nageabwehrchef des BfV, Dr. Engelbert Rombach, 1984 dem MfS als Spion angeboten.<br \/>\n06.07.: In Baden-W\u00fcrttemberg fliegt ein illegaler Spielcasino-Ring auf, \u00fcber den das dortige LKA seit einigen Jahren versuchte, Verdeckte Ermittler in das Milieu einzuschleusen; zwei F\u00fchrungsbeamte werden in diesem Zusammenhang von ihren Aufgaben entbunden.<br \/>\n08.07.: Der Bremer Staatsgerichtshof annuliert das Ausl\u00e4nderwahlrecht f\u00fcr die im September stattfindene Wahl der Stadtteilparlamente.<br \/>\n09.07.: Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble legt den T\u00e4tigkeitsbericht des BGS f\u00fcr 1990 vor; aus ihm geht u.a. hervor, da\u00df zur Unterst\u00fctzung der L\u00e4nderpolizeien im abgelaufenen Jahr an 292 Tagen insgesamt 15.800 Mann im Einsatz waren; die Kosten f\u00fcr die Unterhaltung des rd. 30.000 Mann starken BGS werden mit 1,3 Mrd. DM angegeben.<br \/>\nGeneralbundesanwalt von Stahl beziffert die Zahl der zu erwartenden Spio-nageprozesse gegen STASI-Agenten mit 5000.<br \/>\nHelmut Perschau, fr\u00fcherer CDU-B\u00fcrgermeisterkandidat in Hamburg, wird neuer Innenminister in Sachsen-Anhalt; er l\u00f6st Wolfgang Braun ab, der wegen fr\u00fcherer STASI-Kontakte im Rahmen einer Kabinettsumbildung nicht mehr aufgestellt wird; auch gegen den s\u00e4chsischen Innenminister, Rudolf Krause, werden STASI-Vorw\u00fcrfe erhoben.<br \/>\n10.07.: Um eine Ratte unter einer Schrankwand zu entfernen, zerlegen herbeigerufene Bremer Streifenbeamte das komplette M\u00f6belst\u00fcck; kurz vor der Vollendung fl\u00fcchtet das Tier ins Freie.<br \/>\nAls erstes Neu-Bundesland erh\u00e4lt Sachsen auf Beschlu\u00df des Landtages in Dresden ein eigenes Polizeigesetz.<br \/>\n12.07.: Die Bundesbeh\u00f6rde zur Aufarbeitung der STASI-Akten schl\u00e4gt Alarm: mit 550 Mitarbeitern sind dort etwa 150.000 Antr\u00e4ge zu bearbeiten und jeden Monat kommen 30.000 hinzu; bisher bearbeitet werden konnten lediglich 45.000 St\u00fcck; der Direktor der Beh\u00f6rde, Geiger, fordert 1500 neue Mitarbeiter.<br \/>\n15.07.: Der Spiegel ver\u00f6ffentlicht Aussagen von ehemaligen STASI-Of-fizieren, wonach das einstige MfS verschiedene Polit-Aff\u00e4ren in der BRD ausgel\u00f6st und\/oder gesteuert hat.<br \/>\n16.07.: Der Haushaltsausschu\u00df des Berliner Abgeordnetenhauses lehnt die Beschaffung von Hubschraubern f\u00fcr die Berliner Polizei wegen der dadurch entstehenden Kosten in H\u00f6he von ca. 1,2 Mio. DM ab.<br \/>\n18.07.: Im Frankfurter Bahnhofsviertel werden 2 Jugoslawen aus einem fahrenden Auto heraus erschossen; die Polizei bef\u00fcrchtet den Beginn eines Bandenkrieges; nach einer weiteren Schie\u00dferei am 28.07 kann die Polizei den Fall kl\u00e4ren; danach handelt es sich um Auseinandersetzungen zwischen jugoslawischen Drogendealern und H\u00fctchenspielern.<br \/>\n22.07.: Im Verlaufe einer Kfz-\u00dcberpr\u00fcfung werden im Frankfurter West-end-Viertel zwei Polizeibeamte angeschossen, eines der Opfer schwebt in Lebensgefahr.<br \/>\nNach der \u00dcberpr\u00fcfung durch den Richterwahlausschu\u00df werden lediglich 16 Richter und 5 Staatsanw\u00e4lte der ehemaligen DDR in den Dienst des Landes Berlin \u00fcbernommen.<br \/>\n23.07.: Die Berliner Polizei zieht 6000 Makarov-Pistolen der fr\u00fcheren Volkspolizei aus dem Verkehr, da diese beim Schie\u00dfen Quecksilber freisetzen; da die Waffen aus Kostengr\u00fcnden (ca. 7 Mio. DM) nicht sofort zu ersetzen sind, m\u00fcssen Urlauber, Kranke und Innendienstler ihre Pistolen abgeben; es wird \u00fcberlegt, die alten Makarovs in L\u00e4nder der Dritten Welt zu verkaufen.<br \/>\n24.07.: In Erding beginnt der Proze\u00df gegen einen 42j\u00e4hrigen Kriminal-hauptmeister; er hatte im Herbst 1990 bei einem fingierten Rauschgiftgesch\u00e4ft einen Kollegen erschossen; am n\u00e4chsten Tag wird das Verfahren wieder eingestellt; obwohl das Gericht die Meinung vertrat, der Beamte habe leichtfertig gehandelt, wertete es das Verschulden als gering; Urteil: 6000 DM Geldstrafe, zu zahlen an eine Polizeistiftung.<br \/>\nDer Bundesgerichtshof verwirft die Beschwerde des ehemaligen STASI-Majors Harry Sch\u00fctt, wonach er nach bundesdeutschem Recht nicht wegen nach-richtendienstlicher Bet\u00e4tigung bestraft werden k\u00f6nne, solange dies nicht auch f\u00fcr BND-Agenten gelte; nach Ansicht des BGH stellt ein solches Vorgehen jedoch nur &#8222;scheinbar eine Ungleichbehandlung&#8220; dar, da sich die T\u00e4tigkeiten von MfS und BND nur bei &#8222;ausschlie\u00dflich formaler Betrachtung&#8220; gleichsetzen lie\u00dfen (AZ: 3StE 4\/91-3-geh).<br \/>\nGleichfalls verworfen wird vom BGH ein Antrag des mit Haftbefehl gesuchten ehemaligen DDR-Spionagechefs Markus Wolf auf sicheres Geleit f\u00fcr eine Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht (AZ: 4 BJs 42\/89-3).<br \/>\nDie Bundesregierung stimmt dem Bundesratsentwurf des OrgKG zu.<br \/>\nMit rund 1500 Polizei- und BGS-Beamten wird in Hamburg das Stadtteilzentrum &#8222;Rote Flora&#8220; ger\u00e4umt. Es kommt zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen.<br \/>\n30.07.: Das Berliner Kammergericht setzt, entgegen der Meinung des BGH im Fall Sch\u00fctt, den am 22.07. begonnenen Proze\u00df gegen den letzten Chef der DDR-Aufkl\u00e4rung, Werner Gro\u00dfmann und vier weitere MfS-Offiziere wegen &#8222;Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes&#8220; aus und legt die Frage dem Bundesverfassungsgericht zur Kl\u00e4rung vor.<\/p>\n<p><em>Manfred Walter ist Redaktionsmit-glied von B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP.<\/em><br \/>\n<em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zusammengestellt von Manfred Walter April 1991 01.04.: Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble bekr\u00e4ftigt seine Forderung nach Zugang<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,45],"tags":[],"class_list":["post-4069","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chronologien","category-cilip-039"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4069","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4069"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4069\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}