{"id":4103,"date":"1991-02-26T22:23:22","date_gmt":"1991-02-26T22:23:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=4103"},"modified":"1991-02-26T22:23:22","modified_gmt":"1991-02-26T22:23:22","slug":"literatur-rezensionen-und-hinweise-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=4103","title":{"rendered":"Literatur &#8211; Rezensionen und Hinweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Literatur zum Schwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Kommission zur Erforschung und Ausarbeitung der Geschichte der Deutschen Volkspolizei beim Ministerium des Innern der DDR: Geschich-te der Deutschen Volkspolizei, 2 B\u00e4nde, Berlin (DDR) 1979<br \/>\nBlo\u00dfe Selbstbeweihr\u00e4ucherung und einfach Schrott.<\/p>\n<p>L\u00fcers, Hartwig: Das Polizeirecht in der DDR. Aufgaben, Befugnisse und Organisation der Deutschen Volkspolizei, K\u00f6ln 1974<!--more--><\/p>\n<p>Harnischmacher, Robert: Geschichtliche Entwicklung der Polizei in beiden deutschen Staaten, in: Bayerische Polizei, 4\/1989, S. 6-9, und<br \/>\nders.: Das Polizei-Sicherheits-System der DDR, in: Die Polizei, 10\/1990, S. 272-283<\/p>\n<p>Gudd, Siegfried: Wir im gesellschaftlichen Wandel, in: Die Volkspolizei, 4\/1990, S. 19-20<\/p>\n<p>Ministerium f\u00fcr Innere Angelegenheiten: Versuch einer kritischen Selbst-darstellung. Erkenntnisse, die ein neues Polizeiverst\u00e4ndnis nicht ausgrenzen darf, in: Die Volkspolizei 5\/1990, S. 2-8<\/p>\n<p>Surkau, Wolfgang: Volkspolizei &#8211; Demokratie &#8211; Erneuerung,<br \/>\nPachaly, Erhard: Fragen zur Geschichte der Deutschen Volkspolizei, in: Die Volkspolizei 5\/1990<\/p>\n<p>Billig, Joachim: Erneuerung der Polizei &#8211; wohin mit unseren Feindbildern?, in: Wissenschaftliche Beitr\u00e4ge &#8211; Hochschule der Volkspolizei, 1\/1990, Teil I<\/p>\n<p>Steinke, Wolfgang: Die Entwicklung der Kriminalit\u00e4t in der fr\u00fcheren DDR. Analyse und Versuch einer Prognose, in: Kriminalistik 12\/1990, S. 670-672<br \/>\nDer Autor, Abteilungsleiter beim BKA, malt ein d\u00fcsteres Bild der Ex-DDR. Extremismus, Hausbesetzung und nat\u00fcrlich auch die organisierte Kriminalit\u00e4t n\u00e4hmen zu.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hilfe der westdeutschen Bundesl\u00e4nder f\u00fcr die Polizeien der f\u00fcnf neuen L\u00e4nder kann man sich am ehesten in &#8222;Die Streife&#8220;, dem Polizeiblatt aus NRW, und &#8222;Die Polizei-Zeitung&#8220; aus Baden-W\u00fcrttemberg informieren. Beide Zeitschriften berichten immer wieder \u00fcber die Beschl\u00fcsse der IMK zu Fragen des Neuaufbaus in den neuen L\u00e4ndern sowie \u00fcber die Anstrengungen ihrer L\u00e4nder in den Patenl\u00e4ndern Brandenburg und Sachsen. Schwerpunkte der Berichte sind Ausr\u00fcstungs- und besonders Ausbildungshilfen sowie die Entsendung von &#8222;Leihbeamten&#8220;. Einige Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<p>Polizeif\u00fchrer des Landes haben in Sachsen leitende Positionen \u00fcbernommen, in: Die Polizei-Zeitung 12\/1990, S. 5<\/p>\n<p>Polizei des Landes kommt Kollegen in Sachsen zu Hilfe, in: Die Polizei-Zeitung, 10\/1990, S. 2-3<\/p>\n<p>Einen abgrundtiefen Konflikt hat es nie gegeben. Interview mit F\u00fchrungskr\u00e4ften der DVP, in: Die Polizei-Zeitung 8\/1990, S. 4<\/p>\n<p>Umfassende Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und NRW, in: Die Streife 12\/1990, S. 2-4<\/p>\n<p>Die Deutsche Volkspolizei, in: Die Streife 3\/1990, S. 8-11<\/p>\n<p>NRW unterst\u00fctzt Brandenburg beim Aufbau seiner Polizei, in: Die Streife 11\/1990, S. 3-6<\/p>\n<p>Forum der Kriminalistik<br \/>\nDie ehemalige DDR-Zeitschrift ist in die West-&#8222;Kriminalistik&#8220; eingegangen und wird vorl\u00e4ufig als eigene Sparte im Heft gef\u00fchrt. In Heft 2\/1991 finden sich u.a. Beitr\u00e4ge zur Rolle des GLKA.<\/p>\n<p>STASI<\/p>\n<p>Gesamtdeutsches Institut\/ Bundesanstalt f\u00fcr gesamtdeutsche Aufgaben (Hg.): Dokumentation zum Staatssicherheitsdienst der ehemaligen DDR in 6 Teilen, 1. November 1989 &#8211; 30. Oktober 1990, Berlin 1991<br \/>\nZusammenstellung von Berichten und Materialien zur STASI. Sehr brauchbar.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerkomitee Leipzig (Hg.): STASI intern &#8211; Macht und Banalit\u00e4t, Leipzig 1991.<br \/>\nNachdem bereits Berichte zur Arbeitsweise und zur Aufl\u00f6sung der STASI-Bezirks\u00e4mter aus Suhl, Rostock, Brandenburg und Potsdam ver\u00f6ffentlicht wurden, legte unl\u00e4ngst auch das &#8222;B\u00fcrgerkomitee zur Aufl\u00f6sung des MfS\/ AfNS&#8220; in Leipzig seine Dokumentation vor.<br \/>\nDer Leipziger Bericht, wie die Berichte aus anderen Orten der DDR in erster Linie ein Dokumentenband, besticht durch seine klare Gliederung. Den Dokumenten zur Arbeitsweise der STASI und zur Vernetzung von STASI, SED und Polizei sind jeweils knappe Interviews oder Einf\u00fchrungstexte zum folgenden Dokumentarmaterial vorangestellt. Wie auch in den anderen &#8222;Aufl\u00f6sungsberichten&#8220; ist die Dokumentenauswahl bis auf wenige Ausnah-men konzentriert auf die letzen Jahre der DDR, erg\u00e4nzt um einige Fund-st\u00fccke, die bis in die 70er Jahre zur\u00fcckreichen. Auch vermittelt der Leipziger Bericht einen Einblick in die kurze Vorgeschichte des Sturms auf die STASI-Zentralen in der DDR.<br \/>\nEs d\u00fcrfte einer der letzten Berichte sein, bewahrheitet sich doch inzwischen unsere Prognose vom Herbst letzten Jahres (vgl. CILIP 36, S. 104 f.), da\u00df die neuen politischen Entscheidungstr\u00e4ger aus der DDR bzw. jene, die f\u00fcr die DDR nun in Bonn und anderswo Entscheidungen treffen, wenig Interesse daran haben, freiz\u00fcgig Einsicht in die Geschichte, in die Methoden und die Arbeitsweise der STASI zu gew\u00e4hren. Die Entlassung der zwei Historiker Mitter und Wolle aus der &#8222;Gauck-Beh\u00f6rde&#8220;, die &#8222;freiwillige&#8220; Aufgabe der Mitarbeit seitens des Historikers Laufer (vgl. taz vom 6.3.91) und ihre gemeinsame Klage, da\u00df seit dem 3. Oktober 1990 der Zugang zu den Akten und damit die historische Aufarbeitung der STASI-Geschichte nahezu un-m\u00f6glich wurde, sind hierf\u00fcr aussagekr\u00e4ftige Indizien.<br \/>\nUmso begr\u00fc\u00dfenswerter ist die Vielzahl an Dokumentationen und Publikatio-nen, die sich auf Material st\u00fctzen k\u00f6nnen, das zu Zeiten eines b\u00fcrokratischen Machtvakuums, zwischen Dezember &#8217;89 und Oktober &#8217;90, gesichert werden konnte.<br \/>\nFW<\/p>\n<p>Geheimdienste<\/p>\n<p>Gemballa, Gero: Geheimgef\u00e4hrlich. Dienste in Deutschland, PapyRossa-Verlag, K\u00f6ln 1990<br \/>\nDas Buch enth\u00e4lt viele Details, ist spannend geschrieben und empfehlenswert als Einstieg in die Debatte um Verfassungsschutz und andere Geheimdienste. Allerdings gibt es eine Reihe von Punkten, wo man mehr erwartet h\u00e4tte: In Sachen Datenverarbeitung liest man zwar viel \u00fcber die Datenverarbeitung der Polizei, aber kaum etwas \u00fcber die der Dienste. Dies ist zum einen sicher erkl\u00e4rbar aus fehlendem Material, zum anderen werden selbst zug\u00e4ngliche Informationen (z.B. zu NADIS) nicht verarbeitet. Auch fehlt eine genauere Analyse der Rechtsentwicklung, auf die Gemballa mehrfach Bezug nimmt.<br \/>\nHB<br \/>\nLeo A. M\u00fcller: &#8222;Gladio &#8211; das Erbe des kalten Krieges&#8220;, rororo aktuell, Reinbek 1991<\/p>\n<p>Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission zur besonderen Kl\u00e4rung von Vorkommnissen mit gro\u00dfer Tragweite im Eidgen\u00f6ssischen Mili-t\u00e4rdepartment vom 17.November 1990<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich, wie schnell B\u00fccher zu aktuellen Ereignissen auf den Markt geworfen werden &#8211; die Fortsetzung des Tagesjournalismus mit anderen Mitteln: Werner Raith, der taz-Korrespondent in Italien, steuert den aktuel-len Aufh\u00e4nger &#8222;Gladio&#8220; bei. Dort war ans Licht gekommen, da\u00df es in nahezu allen europ\u00e4ischen Nato-L\u00e4ndern milit\u00e4rische Geheimdienste gibt, die nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut wurden, um im Fall einer Besetzung den Kampf hinter den Linien zu organisieren. Leo M\u00fcller hatte schon l\u00e4nger \u00fcber den &#8222;Bund deutscher Jugend&#8220; (BDJ) recherchiert, der von US-amerikanischen Quellen finanziert, mit Hilfe ehemaliger SS- und Wehrmachtleute eine anti-kommunistische Untergrundbe-wegung in der Nachkriegs-BRD aufbaute. Der BDJ besa\u00df u.a. eine steckbriefartige Kartei, vor allem \u00fcber SPD- und KPD-Mitglieder, die am &#8222;Tage X&#8220; nach Aussagen eines BDJ-F\u00fchrers &#8222;dem Zugriff der Russen entzogen werden sollten, damit sie keine M\u00f6glichkeit haben, ihre Gegner an die Russen zu ver-raten&#8220; (127). Die Ermittler stellten fest: &#8222;Die Proskriptionsliste enth\u00e4lt diejenigen Personen, die beseitigt werden soll-ten&#8220;(128). Die T\u00e4tigkeit des BDJ war in den 50er Jahren vom Verfassungs-schutz im damals sozialdemokratisch gef\u00fchrten Hessen aufgedeckt worden. Das Verfahren gegen f\u00fchrende BDJ-Mitglieder wurde in rechtsstaatlich zwie-lichtiger Weise auf Betreiben u.a des Bundesministeriums f\u00fcr Gesamt-deutsche Fragen\u00a0 von der Bundesanwaltschaft verschleppt (138). Der Hohe Amerikanische Kommissar bedauerte, da\u00df man von den innenpolitischen Tendenzen des BDJ nicht unterrichtet gewesen sei, und sicherte seine Mit-hilfe zu, den BDJ aufzul\u00f6sen (151). Nun gewinnt diese Recherche aktuellen Bezug, da es sich hier personell, funktionell und ideologisch offenbar um eine Vorl\u00e4ufer-Organisation von &#8222;stay behind&#8220;, der bundesdeutschen Varian-te von &#8222;Gladio&#8220; handelt.<br \/>\nAuch in der Schweiz wurde in den letzten Jahren die T\u00e4tigkeit &#8222;geheimer&#8220; Geheimdienste aufgedeckt, die ohne gesetzlichen Auftrag und ohne klare Unterstellung, aber aus pauschalisierten Mitteln der offiziellen Geheim-dienste finanziert, von alten Milit\u00e4rs mit antikommunistischen Intentionen betrieben wurden. Auch hier wurden nicht nur &#8222;Verd\u00e4chtigenlisten&#8220; ange-legt, sondern offenbar auch der Bau von &#8222;Internierungslagern&#8220; f\u00fcr den &#8222;staat-lichen Notstand&#8220; von der Armee ge\u00fcbt (144 ff.). Die eingesetzte Parlaments-kommission kommt zu dem Schlu\u00df, da\u00df es sich mehr oder weniger um priva-te Machenschaften handelt, die rechtlich unzul\u00e4ssig, nachrichtendienstlich in-effizient, im bef\u00fcrchteten Spannungsfall wahrscheinlich untauglich, daf\u00fcr aber innenpolitisch h\u00f6chst gef\u00e4hrlich sind. Zur Einsetzung der Parla-mentskommissionen und zur Herausgabe ihrer detaillierten und relativ unge-schminkten Berichte d\u00fcrfte die starke b\u00fcrgerrechtliche Bewegung in der Schweiz beigetragen haben. Aus der Initiative &#8222;Schweiz ohne Armee&#8220; (SoA), die von den milit\u00e4rischen Geheimdiensten in enger Zusammenarbeit mit der Bundespolizei bek\u00e4mpft wurde, ging die Initiative &#8222;Schlu\u00df mit dem Schn\u00fcf-felstaat&#8220; (SoS) hervor, die zur Kundgebung am 3.M\u00e4rz auf dem Berner Bun-desplatz 3.500 Teilnehmer mobilisierte. Von ihr wird auch ein Buch heraus-gegeben, da\u00df umfassend \u00fcber die hundertj\u00e4hrige Geschichte der amtlichen &#8222;Schn\u00fcffelei&#8220; informiert.<br \/>\nBG<\/p>\n<p>Komitee Schlu\u00df mit dem Schn\u00fcffelstaat: &#8222;Schn\u00fcffelstaat Schweiz &#8211; Hundert Jahre sind genug&#8220;, Limmat Verlag, Z\u00fcrich 1990<\/p>\n<p>Borke, Astrid von: &#8222;Unsichtbare Weltmacht KGB &#8211; Steht sie hinter Gorbatschows Perestroika?&#8220;, H\u00e4nssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1989<br \/>\nBei der Lekt\u00fcre des Vorworts m\u00f6chte man das Buch gleich wieder zuklappen: &#8222;Manche scheinbar v\u00f6llig spontane Entwicklung unserer Tage, bei-spielsweise die Friedensbewegung, lassen sich erst dann richtig verstehen, wenn man hinter die Kulissen schaut und sich \u00fcber die Rolle des KGB im klaren wird.&#8220; Was folgt ist aber eine durchaus differenzierte Analyse dieser sowjetischen Ordnungsmacht, die wenigstens in Ans\u00e4tzen hilft, die verwir-renden tagespolitischen Meldungen \u00fcber die innenpolitischen Spannungen in der UdSSR besser zu verstehen. Viele Darstellungen Borkes sind zwar noch von den Spuren der Kreml-Astrologie gepr\u00e4gt, aber das Bem\u00fchen um neue Quellen, um neue methodische Ans\u00e4tze und um &#8222;neues Denken&#8220; auch dies-seits des verrosteten &#8222;eisernen Vorhangs&#8220; ist unverkennbar.<br \/>\nBG<\/p>\n<p>Knightley, Philipp: Die Geschichte der Spionage im 20. Jahrhundert, Schertz, M\u00fcnchen 1989<br \/>\nPhilipp Knightley, britischer Spionage-Spezialist von internationaler Reputa-tion, hat ein neues Buch vorgelegt. Kenntnis- und faktenreich beschreibt er auf rund 370 Seiten Entstehung und Entwicklung der drei gro\u00dfen interna-tionalen Geheimdienste CIA, SIS und KGB. Seinen eigentlichen Wert bezieht das Buch jedoch nicht aus der Darstellung der einzelnen Fakten; vieles davon hat man so oder so \u00e4hnlich bereits vorher irgendwo gelesen. Interessant und lesenswert wird das Buch durch Analysen und Schlu\u00dffolgerungen des Autors. Bei aufmerksamer Lekt\u00fcre wird man sich seinem Res\u00fcmee kaum verschlie\u00dfen k\u00f6nnen: &#8222;Das Wesen der Geheimdienstarbeit beg\u00fcnstigt eine elit\u00e4re Haltung und ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu dieser Elite wird als Privileg betrachtet. Der neue Mitarbeiter lernt, keinem Au\u00dfenseiter zu trauen, und stellt bald fest, da\u00df er sich nur unter seinesgleichen gehen lassen kann &#8230; Bald wird der Club, ob er nun CIA, SIS oder KGB hei\u00dft, eine geschlossene autarke Gesellschaft. Die Au\u00dfenwelt wird immer ferner, ihre Realit\u00e4ten immer unwichtiger.&#8220;<br \/>\nVor dem Hintergrund des Zusammenbruch der DDR-Staatssicherheit, die u.a. letztlich auch an ihrem angeh\u00e4uften Wissen erstickt ist, wirken Knightleys Verweise auf die Unsinnigkeit geheimdienstlicher Sammelleiden-schaft geradezu prophetisch. Dies k\u00f6nnte f\u00fcr die Menschen au\u00dferhalb der di-versen Dienste etwas Beruhigendes haben, wiese der Autor nicht gleichzeitig nach, da\u00df die au\u00dfer Kontrolle geratene Flut von Geheimdiensterkenntnissen f\u00fcr Au\u00dfenstehende zwar sichtbar ist, die Dienste und ihre Beamten allerdings schon nach Mitteln und Wegen suchen, um sie zu kanalisieren. So scheint ein weiteres \u00dcberleben der Geheimdienste auch in Zukunft mehr als wahr-scheinlich.<br \/>\nDa\u00df Knightley zwischenzeitlich selbst vom Virus der massenhaften Kleintei-ligkeit ergriffen wurde und seitenlange Agentenstories vor den Lesern aus-breitet, wie man sie von Stil und Inhalt zur Gen\u00fcge kennt, ist zwar bedauer-lich, tut dem Wert des Buches aber keinen Abbruch.<br \/>\nOD<\/p>\n<p>Rechtsextremismus<\/p>\n<p>K\u00f6dderitzsch, Peter\/ M\u00fcller Leo A.: Rechtsextremismus in der DDR, Lamuv Verlag, G\u00f6ttingen 1990<br \/>\nAssheuer, Thomas\/ Sarkowicz, Hans: Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte, Verlag C.H. Beck, M\u00fcnchen 1990<br \/>\n\u00dcber rechtsextreme Aktionen in der ehemaligen DDR wird in offiziellen Medien erst seit 1987 berichtet; Anla\u00df war der Angriff von Skinheads auf Besucher eines Rockkonzerts in der Ost-Berliner Zionskirche. W\u00e4hrend bis dahin propagiert wurde, Rechtsextremismus g\u00e4be es nicht, wurden die Vorf\u00e4lle nun zwar erw\u00e4hnt und auch verfolgt, aber mit &#8222;Rowdytum&#8220; und Beeinflussung durch West-Skins begr\u00fcndet. Es existieren kaum brauchbare Untersuchungen \u00fcber die Ursachen der vor allem in den 80er Jahren zu-nehmenden Ausschreitungen von Skinheads. K\u00f6dderitzsch\/M\u00fcller beschr\u00e4n-ken sich deshalb haupts\u00e4chlich auf die Entwicklung nach dem November &#8217;89. In einem ausf\u00fchrlichen Abschnitt zeigen sie am Beispiel der &#8222;Republikaner&#8220; und der Burschenschaften auf, wie Rechtsextreme aus dem Westen die politi-schen Ver\u00e4nderungen nutzen konnten, um ihre Organisationen auf die DDR auszuweiten. Ein Gro\u00dfteil des Buches macht die alphabetische Auflistung dieser &#8211; bis zum Oktober &#8217;90 &#8211; entstandenen Organisationen aus. Leider ge-<br \/>\nhen die Autoren nur knapp auf drei Studien ein, die 1990 erarbeitet wurden und in denen besonders die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit von Jugendlichen deutlich wird.<br \/>\nIm Gegensatz hierzu befassen sich Assheuer\/Sarkowicz in einem erste Anhaltspunkte liefernden Abschnitt mit der Entwicklung des rechtsradikalen Potentials seit Gr\u00fcndung der DDR: Sie beginnen mit der Entnazifizierung und der Bedeutung der NDPD, die ehemalige NSDAP-Mitglieder auffangen sollte. Sie verweisen auf die Politik der SED besonders im &#8222;Kalten Krieg&#8220;, die Diskussionen verhinderte und bewirkte, da\u00df antisemitische und nationali-stische Wertorientierungen nicht abgebaut wurden.<br \/>\nIhr Schwerpunkt liegt jedoch in der Darstellung der Entwicklung rechts-extremer bundesdeutscher Organisationen und Publikationen von der &#8222;Alten&#8220; zur &#8222;Neuen Rechten&#8220;, wobei insbesondere der Bezug zu rechten Ideologien aus der Weimarer Republik hergestellt wird.<br \/>\nKT<\/p>\n<p>Weitere Neuerscheinungen<\/p>\n<p>Jansen, Helmut\/ Schubert, Michael (Hg.): Staatssicherheit. Die Bek\u00e4m-pfung des politischen Feindes im Innern, AJZ-Verlag, Bielefeld 1990<br \/>\nDieses Buch versammelt eine Reihe zum Teil ausgezeichneter und interessanter Artikel und zum Teil langweiliger Wiederholungen und Nach-drucke zum Thema Staatsschutz und politische Justiz. Es werden verschie-dene Facetten pr\u00e4sentiert &#8211; vom Gutachten der Gewaltkommission, \u00fcber die Rolle der poli-tischen Justiz, den\u00a0\u00a0 129a StGB und den Landfriedensbruch, die Ausdehnung von Repressionsmodellen auf die gesamte EG, bis hin zur STASI und zur politischen Justiz der DDR. Im Anhang finden sich mehrere Dokumente, deren Stellenwert unklar bleibt. Bei allen Schw\u00e4chen und den vielen St\u00e4rken einzelner Artikel und der Wichtigkeit der Dokumente bleibt dieses Buch ein Sammelsurium. Es gibt keine gemeinsame Fragestellung, keine Diskussion der verschiedenen politischen und analytischen Ans\u00e4tze und bis auf den allgemeinen demokratischen und linken Grundkonsens der Autor-Innen auch kein gemeinsames Ergebnis.<br \/>\nHB<\/p>\n<p>Weichert, Thilo: Informationelle Selbstbestimmung und strafrechtliche Ermittlung, Centaurus Verlag, Pfaffenweiler 1990<br \/>\nNur h\u00f6chst selten sind juristische B\u00fccher radikale Schriften. Thilo Weicherts Dissertation geh\u00f6rt zu dieser Spezies. Der Autor untersucht die juristische Rechtfertigung polizeilicher Eingriffe in die informationelle Selbst-bestimmung von einer konsequent auf B\u00fcrgerrechte und Datenschutz insistierenden Position aus. Dargestellt wird sowohl die Entwicklung vor dem Volksz\u00e4hlungsurteil des Bundesverfassungsgerichts, als auch die For-meln, die seit 1983 die kriminalpolizeiliche Datenerhebung, -verarbeitung und -\u00fcbermittlung legitimieren sollen: vom &#8222;Grundrecht auf Sicherheit&#8220; \u00fcber die &#8222;Funktionst\u00fcchtigkeit der Strafrechtspflege&#8220; bis hin zur &#8222;vorbeugenden Verbrechensbek\u00e4mpfung&#8220; sowie deren Umsetzung (u.a. in Gesetzentw\u00fcrfen zur \u00c4nderung der Strafproze\u00dfordnung). Die starke Untergliederung des Buches in kleinste mit Detail\u00fcberschriften versehene Abschnitte erschwert zum Teil das durchg\u00e4ngige Lesen. Gerade diese Detailgliederung macht es andererseits aber zu einem gelungenen Nachschlagewerk f\u00fcr diejenigen, die bei einem gut informierten und datensch\u00fctzerisch radikalen Autor juristische Argumentationshilfe suchen.<br \/>\nHB<\/p>\n<p>Adams, James: Geld und Gewalt. Wer finanziert den internationalen Terror?, L\u00fcbbe Verlag, Bergisch Gladbach 1990<br \/>\nDer Autor, Korrespondent der Sunday Times, kritisiert am Anfang seines Buches den Terrorismus-Begriff der CIA und anderer westlicher Geheim-dienste. Seiner Meinung nach ist die Sowjetunion nicht der internationale Drahtzieher des Terrorismus. Auch weitere Kritikpunkte in seinem Einlei-tungskapitel k\u00f6nnten die LeserInnen auf eine weniger ideologisch belastete Darstellung hoffen lassen.<br \/>\nDie Frage des Autors ist sicherlich relevant: Jede irregul\u00e4re bewaffnete Organisation &#8211; sei sie nun Guerilla, aufst\u00e4ndisches Heer, paramilit\u00e4rische Truppe &#8211; bedarf der Finanzierung und dieser Zwang tr\u00fcbt u.U. die politi-schen Ziele revolution\u00e4rer Organisationen mindestens genauso wie die innere milit\u00e4rische Struktur. Das Thema ist also durchaus einer genaueren Analyse wert. Genau dies geschieht hier aber nicht. Die Quellen speisen sich zu gro\u00dfen Teilen aus den tr\u00fcben Wassern der &#8222;Anti-Terror-Experten&#8220; der USA, Westeuropas und Israels. Legenden, die l\u00e4ngst widerlegt sind, werden noch einmal aufge-kocht. L\u00e4nder (Kolumbien-Bolivien) werden verwechselt. Perso-nen, die bereits verstorben sind, bereiten nach wie vor Wellen von Attentaten vor (Jaime Bateman, historischer F\u00fchrer der kolumbianischen M-19, gestor-ben 1984), Verbindungen werden hergestellt, die nie bestanden haben, etc.<br \/>\nDas ganze wird begossen mit der So\u00dfe vermeintlich authentischer Berichter-stattung. F\u00fcr einen Krimi vielleicht gut. F\u00fcr eine ordentliche Analyse mise-rabel. F\u00fcr 39,80 DM eine Unversch\u00e4mtheit.<br \/>\nHB<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zum Schwerpunkt Kommission zur Erforschung und Ausarbeitung der Geschichte der Deutschen Volkspolizei beim Ministerium<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[44,148],"tags":[],"class_list":["post-4103","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-038","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4103","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4103"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4103\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}