{"id":4107,"date":"1991-02-26T22:26:45","date_gmt":"1991-02-26T22:26:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=4107"},"modified":"1991-02-26T22:26:45","modified_gmt":"1991-02-26T22:26:45","slug":"das-spezial-einsatzkommando-brandenburg-von-der-anti-terror-einheit-der-vopo-zum-sek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=4107","title":{"rendered":"Das Spezial-Einsatzkommando Brandenburg &#8211; von der Anti-Terror-Einheit der Vopo zum SEK"},"content":{"rendered":"<h3>von Wolfgang Gast<\/h3>\n<p>F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit in der einstigen DDR existierte sie ebensowenig wie die Verbrechen, die sie verfolgen sollte: Die Anti-Terror-Einheit der Deutschen Volkspolizei in Potsdam. Bereits 1974 gegr\u00fcndet, arbeitete sie bis zur &#8222;Wende&#8220; im Herbst 1989 vorwiegend im Dunkeln. Die &#8222;operativen Gewaltverbrechen&#8220;, bei der sie eingesetzt wurde, durften im Honecker-Staat nicht bekannt werden. Die Sondereinheit hat den Umbruch \u00fcberlebt. Sie wurde zum &#8222;Spezialeinsatzkommando&#8220; (SEK) der Brandenburger Polizei. Ging es fr\u00fcher in erster Linie um die Festnahme desertierter Sowjetsoldaten, so soll das SEK heute bei Bankraub, Geiselnahme oder gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen bei Fu\u00dfballspielen Herr der Lage bleiben.<!--more--><\/p>\n<p>32 Mann umfa\u00dft derzeit die Einsatzgruppe. Z\u00e4hlt man die F\u00fchrungskr\u00e4fte dazu, so sind es knapp 40 Beamte, die &#8211; allesamt fr\u00fcher bei der Volkspolizei oder der Nationalen Volksarmee in Diensten &#8211; hinter einem Sportplatz in Potsdam-Barnim auf einem fr\u00fcheren Gel\u00e4nde der Staatssicherheit stationiert sind.<br \/>\nAuf dem \u00fcber 3.000 qm gro\u00dfen Areal befindet sich auch ein mit Millionenaufwand eingerichteter atombombensicherer Bunker, der den M\u00e4chtigen des SED-Staates im Kriegsfall als milit\u00e4rische Einsatzzentrale dienen sollte.<\/p>\n<p>War die Einheit fr\u00fcher nur f\u00fcr den Potsdamer Bezirk zust\u00e4ndig, so wurde der Zust\u00e4ndigkeitsbereich mit der Verabschiedung des Polizeiorganisationsgesetzes Mitte M\u00e4rz auf ganz Brandenburg erweitert. Allerdings bleibt das SEK dabei organisatorisch dem Potsdamer Pr\u00e4sidium unterstellt und wird bei Bedarf den anderen lediglich zugeordnet.<\/p>\n<p>Bis Anfang Juli 1991, so hofft der Leiter des Einsatzkommandos, Polizeirat Erich Fabian, soll die geplante Soll-St\u00e4rke von 65 Beamten erreicht und eine Spezialisierung einzelner Mitarbeiter m\u00f6glich werden. Da es beispielsweise bisher keinen Sprengstoffexperten gibt, mu\u00df im Bedarfsfall ein Spezialist aus anderen Bundesl\u00e4ndern angefordert werden. Nach den Vorstellungen im Brandenburger Innenministerium sollen zuk\u00fcnftig dann 10 SEKler rund um die Uhr zur Verf\u00fcgung stehen, die bei Bedarf per Hubschrauber an jeden beliebigen Ort des Landes geflogen werden sollen.<\/p>\n<p>Derzeit sind acht der SEK-Beamten in Nordrhein-Westfalen zur Ausbildung. Turnusm\u00e4\u00dfig werden die anderen folgen. Vor Ort helfen die Kollegen aus NRW auch schon einmal aus. Dem in D\u00fcsseldorf errechneten Schnitt, wonach dort jeder SEKler ca. 500 \u00dcberstunden vor sich herschiebt, steht in Brandenburg noch die Zahl von 70 &#8211; 80 Stunden entgegen. Bei der technischen Ausstattung schneiden die Brandenburger SEKler ungleich schlechter ab. Der Fahrzeugpark besteht \u00fcberwiegend aus alten sowjetischen Ladas, die vier VW-Passat, die nach der Wende angeschafft wurden, werden von den SEK-Mitgliedern bereits als ausgesprochene Erleichterung empfunden. Ebenso stammen die Funkger\u00e4te aus alten DDR-Best\u00e4nden, im Unterschied zu fr\u00fcher gibt es jetzt allerdings genug davon. Von der Panzerweste \u00fcber den Stahlhelm bis zum Kampfanzug ist die Ausr\u00fcstung made in DDR, selbst die Blendschockgranaten sind Eigenprodukte, die von der Einheit vor etwa f\u00fcnf Jahren in Eigenarbeit w\u00e4hrend der Freizeit entwickelt wurden.<\/p>\n<p>Einen Vergleich seiner Gruppe mit den Anti-Terror-Einheiten des fr\u00fcheren Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) weist PR Fabian ebenso zur\u00fcck wie die Klagen Potsdamer B\u00fcrgerrechtler, die f\u00fcrchten, da\u00df ehemalige MfS-Angeh\u00f6rige unter dem Dach der Polizei ihre Weiterbesch\u00e4ftigung erreicht haben. Der STASI-Verdacht war aufgekommen, als die Einheit im Fr\u00fchjahr 1990 Quartier in einem ehemaligen Dienstobjekt des Staatssicherheitsdienstes bezog.<\/p>\n<p>Im Gegenteil, so Fabian, die Einheit h\u00e4tte sich entschieden dem Willen der alten Funktion\u00e4re verweigert, die im Herbst &#8217;89 Anti-Terror-Spezialisten der STASI in dieser Einheit unterbringen wollten. Bei anderen Dienststellen der Polizei, etwa in Ost-Berlin, sei dies allerdings geschehen. S\u00e4mtliche Akten der Mitarbeiter, versichert er, seien schon Ende 1989 unter dem Gesichtspunkt einer m\u00f6glichen STASI-Vergangenheit gesichtet worden. In einer zweiten Runde h\u00e4tten die Potsdamer zudem im Rahmen der Fragebogenaktion Auskunft geben m\u00fcssen. F\u00fcr seine Leute will der Polizeirat daher seine &#8222;Hand ins Feuer legen&#8220;.<\/p>\n<p>Einen Vergleich mit den Sondereinsatzkommandos der alten Bundesl\u00e4nder glaubt die Brandenburger Polizei durchaus bestehen zu k\u00f6nnen. Bis aber in Logistik und Ausr\u00fcstung deren Niveau erreicht sei, so r\u00e4umen die SEKler in Barnim ein, werden noch Jahre vergehen.<\/p>\n<h5>Wolfgang Gast ist seit Anfang 1988 Redakteur der Berliner tageszeitung.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Gast F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit in der einstigen DDR existierte sie ebensowenig wie die<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,44],"tags":[326,421,1004,1274,1370],"class_list":["post-4107","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-038","tag-brandenburg","tag-ddr","tag-nordrhein-westfalen","tag-sek","tag-stasi-akten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4107"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4107\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}