{"id":4206,"date":"1990-12-27T21:18:32","date_gmt":"1990-12-27T21:18:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=4206"},"modified":"1990-12-27T21:18:32","modified_gmt":"1990-12-27T21:18:32","slug":"rezensionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=4206","title":{"rendered":"Rezensionen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das Dschiu Dschitsu, die Selbstverteidigungskunst ohne Waffen&#8220;, Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden 1990<\/p>\n<p>Bei diesem Buch handelt es sich um den Nachdruck eines Kapitels aus &#8222;Die Polizeischule&#8220; von Dr. Max Wei\u00df aus dem Jahre 1920.<br \/>\nWie sich dem nachwort entnehmen l\u00e4\u00dft, wurde es 1980 in einem Hamburger Antiquariat aufgest\u00f6bert. Mir war &#8222;sofort klar, da\u00df es sich hier um die \u00e4ltesten Fotos dieses Sports handeln mu\u00df. So war mein Entschlu\u00df schnell gefa\u00dft, diese sporthistorischen Dokumente m\u00f6glichst vielen Interessenten wieder zug\u00e4nglich zu machen&#8220;, schreibt der stolze Entdecker.<!--more--><br \/>\nZumindest teilweise scheint ihm dies gelungen zu sein, indem er den Verlag Deutsche Polizeiliteratur zu einem Reprint motivieren konnte. Dem Verlagsprogramm entsprechend besch\u00e4ftigt sich das Buch ausschlie\u00dflich mit der Selbstverteidigung bei der Polizei.<br \/>\nDie reichlichen Fotos haben aus heutiger Sicht bestimmt einen gewissen Unterhaltungswert. Alles in allem jedoch nichts f\u00fcr den B\u00fccherschrank, sondern eher etwas f\u00fcr E. Vollands Agentur &#8222;Komische Fotos&#8220;.<\/p>\n<p>Eine schwere Geburt &#8211; Das Reichskriminalpolizeigesetz vom 21. Juli 1922 &#8211; Geschichte und historische Lektion&#8220;<br \/>\nin: Kriminalistik 8-9\/90<\/p>\n<p>Gelegentlich zeigt sich die Realit\u00e4t noch um vieles absurder, als es sich erfinden lie\u00dfe, denn niemand w\u00fcrde es glauben wollen. Just so verh\u00e4lt es sich beispielsweise mit dem Beitrag von Heinz Felfe in Kriminalistik 8-9\/90.<br \/>\nDabei ist es allerdings nicht der Beitrag als solcher, der eine W\u00fcrdigung durch CILIP erfordert, als vielmehr der Verfasser desselben. Zun\u00e4chst mag man den eigenen Augen nicht trauen, als man beim ersten routinem\u00e4\u00dfigen Sichten unter der Rubrik &#8222;Polizeigeschichte&#8220; auf Felfe st\u00f6\u00dft:<br \/>\n1936 Eintritt in den SS-Motor-Sturm;<br \/>\n1941 Dienstantritt im Reichssicherheitshauptamt (RSHA);<br \/>\n1949 Arbeitsaufnahme f\u00fcr den russischen KGB;<br \/>\n1951 Eintritt in die &#8222;Organisation Gehlen&#8220;, den Vorl\u00e4ufer des Bundesnachrichtendienstes (BND);<br \/>\n1961 Verhaftung;<br \/>\n1963 Verurteilung zu 15 Jahren Haft;<br \/>\n1969 Austausch und \u00dcbertritt in die DDR; seitdem T\u00e4tigkeit als Hochschullehrer an der Humboldt-Universit\u00e4t in Ost-Berlin,<br \/>\nsind die Daten, die sich in Fachkreisen spontan mit dem Namen Heinz Felfe verbinden.<br \/>\nNeugierig geworden sucht man nun nach der redaktionellen Vorbemerkung f\u00fcr den ungew\u00f6hnlichen Gastautoren. Vergebens! Erste Zweifel kommen auf, dazu mu\u00df eine Redaktion doch etwas sagen. Sollte es tats\u00e4chlich einen Namensvetter geben?<br \/>\nEin Fotovergleich mit Felfes Selbstbekenntnis von 19&#8230;, &#8220; Im Dienst des Gegners&#8220; in der Lichtbildkartei von CILIP vertreibt diese Zweifel: Felfe ist \u00e4lter geworden und die Haare sind lichter als fr\u00fcher &#8211; aber Felfe ist Felfe!<br \/>\nSollte der Redaktion von Kriminalistik dieser Zusammenhang tats\u00e4chlich nicht aufgefallen sein?<br \/>\nBekommen die Herren Burghard, Thomann, Steincke, Meier und Clages vielleicht gerade jetzt, durch die Lekt\u00fcre des zugesandten Frei-CILIP-Freiexemplares nacheinander &#8222;Rote Ohren&#8220;?<br \/>\nIn diesem Moment f\u00e4llt der Blick des CILIP-Verfassers auf die Einleitung zu Felfes Artikel:<br \/>\n&#8222;Nun weisen solcherart Einfaltspinsel jede Art von Torheit weit von sich, reklamieren allenfalls sachliche Zw\u00e4nge&#8220;.<br \/>\nDa ist die Erkl\u00e4rung! Eine vorgezogene Amnestie f\u00fcr den dreifach gewendeten Felfe. Nun ja, inhaltlich waren sich die Polizeifachleute h\u00fcben und dr\u00fcben bei der Beurteilung des Reichskriminalpolizeigesetzes ja auch ohnehin stets einig gewesen.<br \/>\nPhillip Knightly: Die Geschichte der Spionage im 20. Jahrhundert, Schertz-Verlag, M\u00fcnchen 1989<\/p>\n<p>Phillip Knightly, britischer Spionage-Spezialist von internationaler Reputation hat ein neues Buch vorgelegt. Kenntnis- und faktenreich beschreibt Knightly auf rund 370 Seiten Entstehung und Entwicklung der drei gro\u00dfen internationalen Geheimdienste CIA, SIS und KGB.<br \/>\nSeinen eigentlichen Wert zieht das Buch jedoch nicht aus der Darstellung der einzelnen Fakten; vieles davon hat man so oder \u00e4hnlich bereits irgendwo schon einmal gelesen.<br \/>\nInteressant und lesenswert wird das Buch durch die Analysen und Schlu\u00dffolgerungen des Autors.<br \/>\nLiest man sein Werk aufmerksam durch, wird man sich Knightleys Res\u00fcmee kaum verschlie\u00dfen k\u00f6nnen, wenn er feststellt: &#8222;Das Wesen der Geheimdienstarbeit beg\u00fcnstigt eine elit\u00e4re Haltung und Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu dieser Elite wird als Privileg betrachtet. Der neue Mitarbeiter lernt, keinem Au\u00dfenseiter zu trauen, und stellt bald fest, da\u00df er sich nur unter seinesgleichen gehen lassen kann. Geheimdienstler neigen dazu, mit ihresgleichen zu essen und mit ihresgleichen zu trinken und verkehren ausschlie\u00dflich mit ihresgleichen. Bald wird der Club, ob er nun CIA, SIS oder KGB hei\u00dft, eine geschlossene, autarke Gesellschaft. Die Au\u00dfenwelt wird immer ferner, ihre Realit\u00e4ten immer unwichtiger&#8220;, und als Grund hierf\u00fcr den uralten Mythos des Menschen anf\u00fchrt, das Ungeheuer zu besiegen. Die Geschichte wie der Held als einziger die Gefahr erkennt, die dem Stamm vom Ungeheuer droht, wie er sich auf den Kampf vorbereitet, wie er das Geheimnis des Ungeheuers l\u00fcftet und dieses schlie\u00dflich t\u00f6tet, dient seit Jahrhunderten in allen Zivilisationen als Gleichnis f\u00fcr den Kampf des Menschen gegen das B\u00f6se. Kaum irgendwo sonst ist dieses Grundmotiv so ausgepr\u00e4gt wie in der Welt der Nachrichtendienste.<br \/>\nVor dem heutigen Hintergrund des Zusammenbruchs der Staatssicherheit in der fr\u00fcheren DDR, die letztendlich an ihrem angeh\u00e4uften Wissen erstickt ist, wirken Knightleys Verweise auf die Unsinnigkeit geheimdienstlicher Sammelleidenschaft geradezu prophetisch. So zitiert er den einstigen britischen Premierminister Winston Churchill mit den Worten: &#8222;Sehen Sie sich bitte diesen Haufen von Material an, der an einem einzigen Morgen auf meinem Schreibtisch landet &#8230; Es ist doch so, da\u00df sich mehr und mehr Leute hinter all diesen Papieren verschanzen, deren schiere Menge ihren Sinn ad absurdum f\u00fchrt.&#8220; Ein \u00e4hnliches Beispiel findet Knightley auch f\u00fcr Stalin &#8211; und immer wieder taucht dieses Ph\u00e4nomen nachrichtendienstlichen Wirkens blitzlichtartig in seinen Texten auf.<br \/>\nDies k\u00f6nnte f\u00fcr die Menschen au\u00dferhalb der diversen Dienste etwas Beruhigendes haben, wiese Knipghtley nicht gleichzeitig auch nach, das die au\u00dfer Kontrolle geratene Flut von Geheimdiensterkenntnissen f\u00fcr Au\u00dfenstehende zwar sichtbar ist, die Dienste und ihre Beamten allerdings schon nach Mittel und Wege suchen, um sie zu kanalisieren. So scheint ein weiteres \u00dcberlegen von Geheimdiensten denn auch in der Zukunftin irgendeiner Form mehr als wahrscheinlich: Die Geheimdienste haben ihren Regierungen im Laufe der Zeit schlie\u00dflich drei Pr\u00e4missen konsequent eingebleut, die ihr \u00dcberleben und ihr Wachstum garantieren sollen.<br \/>\nDie erste lautet, da\u00df es in der Welt der Geheimdienste oft unm\u00f6glich ist, Erfolg von Mi\u00dferfolg zu unterscheiden.<br \/>\nDie zweite Pr\u00e4misse lautet, da\u00df ein Mi\u00dferfolg auf einer falschen Bewertung der Information durch die zust\u00e4ndige Politik beruht.<br \/>\nDie dritte Pr\u00e4misse schlie\u00dflich hei\u00dft, da\u00df der Geheimdienst rechtzeitig h\u00e4tte warnen k\u00f6nnen, wenn er nur gen\u00fcgend Mittel zur Verf\u00fcgung gehabt h\u00e4tte.<br \/>\nDa\u00df Knightley zwischenzeitlich selbst vom Virus der massenhaften Kleinteiligkeit ergriffen wird und seitenlange Agentenstories vor den Lesern ausbreitet , wie man sie von Stil und Inhalt zur Gen\u00fcge kennt, ist zwar bedauerlich, tut dem Wert des Buches jedoch keinen Abbruch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Dschiu Dschitsu, die Selbstverteidigungskunst ohne Waffen&#8220;, Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden 1990 Bei diesem Buch<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,148],"tags":[],"class_list":["post-4206","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-037","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4206"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4206\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}