{"id":5400,"date":"1989-12-15T19:19:10","date_gmt":"1989-12-15T19:19:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cilip.de\/?p=5400"},"modified":"1989-12-15T19:19:10","modified_gmt":"1989-12-15T19:19:10","slug":"literatur-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=5400","title":{"rendered":"Literatur"},"content":{"rendered":"<p>Polizeiforschung in England und Frankreich &#8211;<br \/>\neinige aktuelle Literaturhinweise<\/p>\n<p>Die Polizeien der EG-L\u00e4nder sollen enger zusammenr\u00fccken; die Mitgliedsl\u00e4nder des Schengen-Abkommens wollen den &#8222;europ\u00e4ischen Fahndungsraum&#8220; entwickeln, allenthalben gibt es Ans\u00e4tze einer verst\u00e4rkten Kooperation zwischen den Polizeien Westeuropas.<br \/>\nDa\u00df es sich auch f\u00fcr jene lohnt, die mit Skepsis den weiteren Ausbau der nationalen Polizeien und die West-Europ\u00e4isierung der Politik sog. Innerer Sicherheit beobachten, auf die Polizeientwicklung und -diskussion in anderen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern zu schauen, daf\u00fcr versucht die folgende kleine Literatur\u00fcbersicht \u00fcber Polizeiforschung und -diskussion in England und Frankreich Interesse zu wecken. Anders als in der Bundesrepublik, in der Polizeiforschung vorrangig unter dem Gesichtspunkt der Effektivit\u00e4tssteigerung und Rationalisierung der bestehenden Apparate betrieben wird, ist in der Polizeiforschung Englands und Frankreichs auch die Frage nach den Bedingungen und Voraussetzungen einer Demokratisierung der Polizei eine der herausragenden Fragestellungen.<!--more--><\/p>\n<p>England:<\/p>\n<p>Das polizeiliche Vorgehen im Verlauf der Unruhen in Brixton, Manchester, Birmingham und weiteren englischen St\u00e4dten im Jahre 1981 und des Bergarbeiterstreiks von 1984 in den Kohlerevieren von Mittelengland hat die Diskussionen \u00fcber die Rolle der Polizei in der englischen Gesellschaft nachhaltig beeinflu\u00dft und politisiert. Zentrale Bezugspunkte dieser Diskussionen sind einerseits die Sicherung der B\u00fcrgerrechte gegen\u00fcber staatlichen\/ polizeilichen Einschr\u00e4nkungen und \u00dcbergriffen (Kontrollstellenpraxis etc.), andererseits die Verbesserung und Demokratisierung der vorhandenen institutionellen Kontrollmechansimen gegen\u00fcber den lokalen und kommunalen Polizeiorganisationen. Als besonders kritisch wird insbesondere die Position der nahezu allm\u00e4chtigen Chief Constables angesehen, die im englischen Polizeisystem eine herausgehobene organisatorische Stellung einnehmen. So sind vor allem diese rechtlich v\u00f6llig autonom in ihren Einsatzplanungen und -strategien. Die gew\u00e4hlten Police Authorities haben in dieser zentra-len Frage keinerlei Kontrollbe-fugnisse.<\/p>\n<p>Die gewaltsamen \u00dcbergriffe der Polizei 1981 in Brixton und 1984 beim Bergarbeiterstreik und die Ausweitung der pr\u00e4ventiven Kontrollstrategien f\u00fchrten zu einem erheblichem Vertrauensverlust in der Bev\u00f6lkerung, der das traditionelle &#8222;policing by consent&#8220; nachhaltig ersch\u00fcttert hat.<br \/>\nVor diesem Hintergund der Politisierung der englischen Polizei-Diskussion sind eine Reihe von Ver\u00f6ffentlichungen entstanden, die sich eingehend mit der Frage der<br \/>\nLegitimit\u00e4t der Polizei in der englischen Gesellschaft besch\u00e4ftigen und einen Strukturwandel des Polizeisystems im Zusammenhang mit den neuen rechtlichen Kontrollm\u00f6glichkeiten (Police and Criminal Evidence Act 1984) und den organisatorischen Ver\u00e4nderungen (Spezialeinheiten, Riot control-Ausr\u00fcstung, Bewaffnung der Polizei etc.) in den achtziger Jahren analysieren.<\/p>\n<p>So haben sich im April 1982 an der Universit\u00e4t Leicester Soziologen, Politologen, Polizeioffiziere und Sozialarbeiter zu einer Konferenz mit Thema &#8222;Scarman and after&#8220; getroffen, um den von Lord Scarman vorgelegten Untersuchungsbericht zu den Unruhen 1981 in Brixton (vgl. CILIP 13, S.45 ff.) zu diskutieren. Ein Teil der Vortragsmanuskripte liegen nun als Sammelband vor:<\/p>\n<p>Benyon, John (ed.)<br \/>\nScarman and After, Oxford Pergamon Press 1985, 292 p.<\/p>\n<p>Das Buch gliedert sich in f\u00fcnf Teile. In den ersten beiden Teilen werden die Implikationen und Interpretationen des Scarman Reports analysiert. Vornehmlich werden hier die Fragen nach den sozialen Ursachen und Bedingungen der Ausschreitungen diskutiert. Teil 3 besch\u00e4ftigt sich haupts\u00e4chlich mit den polizeilichen Reaktionen und den Einsatzkonzepten im Vorfeld der Unruhen. Teil 4 untersucht detailliert und materialreich die sozialen R\u00e4ume und die Ursachen f\u00fcr die Desintegration der ethnischen Minderheiten in Brixton aus unterschiedlichen Perspektiven. Als zentrales Problem, das zu den Unruhen f\u00fchrte, wird die mangelnde Integration der lokalen politischen Institutionen und der Polizei in Brixton benannt. Der Herausgeber Benyon kommt zu dem Schlu\u00df, da\u00df dieses Problem weiter bestehen wird, wenn sich die sozialen Bedingungen in diesem Stadtteil nicht ver\u00e4ndern lassen. &#8222;The war against deprivation and injustice in the cities and against unemployment, crime and undisciplined policing is a daunting one which requires unflinching determination.&#8220;(S.242)<br \/>\nEin anderer Sammelband versucht die Ereignisse w\u00e4hrend des Bergarbeiterstreiks 1984 zu beleuchten:<\/p>\n<p>Fine, B.\/ Millar, R. (eds.)<br \/>\nPolicing the Miners&#8216; Strike, London 1985, Cobden Trust, 243 p.<\/p>\n<p>In den verschiedenen Beitr\u00e4gen werden die ver\u00e4nderte Kontrollstellenpraxis sowie die rechtlichen, personellen, technischen und die organisatorischen Ver\u00e4nderungen im englischen Polizeisystem untersucht und diskutiert. Auf der organisatorischen Ebene untersucht Martin Kettle (S.23 ff.) die Rolle des National Reporting Center (NRC) als zentraler Koordinationsstelle f\u00fcr die gesamten Polizeieins\u00e4tze. Er widerspricht in seiner materialreichen Studie einleuchtend der vorschnellen These von einer zentralstaatlich organisierten Polizei, die das kommunale Polizeisystem durch die Hintert\u00fcr des NRC abgel\u00f6st h\u00e4tte. &#8222;It ist plainly wrong to say that the existence of the Centre means that there is now a national police force in Britain.&#8220;(S.32). Paul Gordon (S.161 ff.) formuliert Parallelen zwischen den polizeilichen Einsatzkonzepten gegen\u00fcber ethnischen Minderheiten in den innerst\u00e4dtischen Problemgebieten und der Repression und den Kontrollen in den Wohnvierteln der Bergarbeiter. Cathie Lloyd (S.65 ff.) untersucht die Spezialsierung und Ausbildung von Sondereinheiten f\u00fcr den Einsatz bei Demonstrationen, Streiks und sozialen Unruhen. Louise Christians ( S.120 ff.) beschreibt das Verh\u00e4ltnis von Polizei und Justiz unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der polizeilichen Kontrollstellenpraxis in Nottinghamshire und ihrer gerichtlichen Kontrolle.<br \/>\nObwohl die Beitr\u00e4ge &#8211; die hier nicht alle vorgestellt werden &#8211; sehr unterschiedlich in ihren theoretischen Implikationen und Interpretationen sind, handelt es sich um ein lesenswertes Buch, das eine Reihe von wichtigen Informationen und Analysen zum Thema &#8222;Polizei und Streik&#8220; vermittelt. Den Herausgebern mu\u00df allerdings in ihrer sehr \u00f6konomisch determinierten Analyse der gesellschaftlichen Funktion der Polizei im Kapitalismus widersprochen werden. Gleiches gilt f\u00fcr die im Schlu\u00dfkapitel vertretene These der Militarisierung der Polizei, die m.E. einer genauen Pr\u00fcfung nicht standhalten kann.<br \/>\nWer sich mit den sozio\u00f6konomischen und politischen Hintergr\u00fcnden der Konflikte aus Anla\u00df des Bergarbeiterstreiks vertraut machen m\u00f6chte, dem sei empfohlen:<\/p>\n<p>Beynon, Huw (ed.)<br \/>\nDigging Deeper, London 1985, Verso, 252 p.<\/p>\n<p>Eine umfassende Analyse und detailliertes Material zum Bergarbeitetrstreik ist auch zu finden in:<\/p>\n<p>McCabe, Sarah\/ Wallington, Peter\/ Alderson, John et.al.<br \/>\nThe Police and the Public Order &amp; Civil Liberties. Legacies of the Miners&#8216; Strike, London 1988 (Routledge), 209 p.<\/p>\n<p>Diese Untersuchung war urspr\u00fcnglich als Bericht einer unabh\u00e4ngigen Untersuchungskommission des National Council of Civil Liberties (NCCL) geplant. Interne Differenzen f\u00fchrten dazu, da\u00df die Autoren sich entschlossen haben, ihre Arbeit als Privatpersonen fortzuf\u00fchren und einen unabh\u00e4ngigen Bericht zu erstellen. Im ersten Teil wird grunds\u00e4tzlich das Problem der polizeilichen Eingriffe in die B\u00fcrgerrechte im Zusammenhang mit der Streikbewegung diskutiert, insbesondere die einseitige Parteinahme des Staates f\u00fcr diejenigen Kollegen, die entgegen der gewerkschaftlichen Beschl\u00fcsse in bestreikten Zechen arbeiten wollten. Im zweiten Teil wird die Rolle der Regierung, der Unternehmervereinigung, der Polizei, der Bergarbeiter und ihrer Gewerkschaft im Arbeitskonflikt nachgezeichnet. Im Vordergrund steht die Bewertung der polizeilichen Ma\u00dfnahmen (Kontrollstellen, \u00dcbergriffe bei Demonstrationen etc.) sowie die strafrechtliche Verfolgung von Bergarbeitern, die an Streikdemonstrationen teilgenommen haben. Im dritten Teil werden die polizeilichen Einsatzkonzepte und die neuen rechtlichen (PACE 1984) M\u00f6glichkeiten im Zusammenhang mit der Funktion der Polizei als zentraler staatlicher Institution f\u00fcr die Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung diskutiert. Die funktionale Differenzierung zwischen &#8222;riot control&#8220; und Arbeitsk\u00e4mpfen wurde anl\u00e4\u00dflich des Bergarbeiterstreiks aufgegeben und konnte von den Autoren auch beim Druckerstreik 1986\/87 in London beobachtet werden. &#8222;The separation of industrial conflict from riot control may however have reemerged in police thinking over the two years following the strike &#8230;; this is perhaps one of the key lessons of the experience of the strike.&#8220; (S.125) Angesichts der Dysfunktionalit\u00e4t der institutionellen Kontrollmechanismen gegen\u00fcber der polizeilichen Omnipotenz w\u00e4hrend des Streiks, fordern die Autoren im Schlu\u00dfkapitel die Einsetzung einer Royal Commission, die die Funktion der Polizei in der englischen Gesellschaft neu bestimmen soll. Dar\u00fcber hinaus halten die Autoren eine geschriebene Verfassung f\u00fcr notwendig, die die B\u00fcrgerrechte gegen\u00fcber staatlichen\/ polizeilichen \u00dcbergriffen besser sch\u00fctzen k\u00f6nnte.<br \/>\nDa\u00df ein Verfassungsdokument per se noch keinen Schutzwall um die b\u00fcrgerlichen Freiheitsrechte legt, dies l\u00e4\u00dft sich allerdings mit einer F\u00fclle von Beispielen aus der bundesrepublikanischen Entwicklung zeigen. Insofern hat diese Forderung etwas ohnm\u00e4chtiges und voluntaristisches gegen\u00fcber eines sich tendenziell verselbst\u00e4ndigten staatlichen Sicherheitskomplexes.<\/p>\n<p>Um Polizei und Arbeitskampf geht es auch in der folgenden Studie:<\/p>\n<p>Grary, Roger<br \/>\nPolicing Industrial Disputes 1893 &#8211; 1985, Cambridge University Press 1985, 171 p.<\/p>\n<p>Der Autor versucht, die polizeilichen Einsatzkonzeptionen bei Arbeitsk\u00e4mpfen in einen gr\u00f6\u00dferen historischen Rahmen zu stellen und zu systematisieren. Nach seiner Ansicht sind die anf\u00e4nglichen spontanen Mobilisierungsstrategien und die gewaltsamen Auseinandersetzungen bei Arbeitsk\u00e4mpfe vor Ort im ausgehenden 19. Jahrhundert \u00fcber eine zunehmende organisatorische Einbindung der Arbeiterbewegung in die verschiedenen Gewerkschaften diszipliniert und pazifiziert worden. Dieser pazifizierenden und ordnenden Funktion der Gewerkschaften korrespondiert auf der Seite des staatlichen Gewaltmonopols die Abl\u00f6sung und Ausdifferenzierung sowie die Spezialisierung der Polizei als zentraler Ordnungsmacht f\u00fcr den inneren Frieden gegen\u00fcber dem Milit\u00e4r &#8211; vom Niederkart\u00e4tschen der streikenden Arbeiter 1893 in Featherstone durch das Milit\u00e4r zum &#8222;pushing und shooving&#8220; der Polizei in Saltley 1972. Diese durchaus plausible These wird allerdings aus einer etwas &#8211; vorsichtig formuliert &#8211; eigenwilligen methodischen Auswahl der historischen Ereignisse und des Quellenmaterials entwickelt, die das Buch zum \u00c4rgernis machen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der Ereignissen in Brixton und im englischen Kohlerevier und angesichts der Durchsetzung konservativer Sicherheits- und Ordnungsvorstellungen, die unter dem Stichwort &#8222;law and order&#8220; zusammengefa\u00dft werden k\u00f6nnen, versucht der folgende Sammelband eine interdisziplin\u00e4re Aufarbeitung und Systematisierung der Debatte um &#8222;law and order&#8220; in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Norton, Philip (ed.)<br \/>\nLaw and Order and British Politics, Gower Publishing 1984, 224 p.<\/p>\n<p>Im ersten Teil wird von Dixon und Fishwik (S.21 ff.) die gegenw\u00e4rtige Debatte historisch aufgearbeitet. Im zweiten Teil spricht Lambert (S.63 ff.) von einer polizeilichen Legitimit\u00e4tskrise. Der Vertrauensverlust der Polizei in der englischen Bev\u00f6lkerung k\u00f6nne u.a. nur \u00fcber klare und eindeutig rechtlich begrenzte polizeiliche Befugnisse, unabh\u00e4ngigen Untersuchungskommissonen, die die Beschwerden aus der Bev\u00f6lkerung \u00fcber polizeiliches Fehlverhalten bearbeiten, und eine demokratische institutionelle Kontrolle der polizeilichen Einsatzkonzepte aufgefangen werden. &#8222;All of these should help to build public cnfidence and contribute to more effective policing.&#8220;(S.78) Schlie\u00dflich werden die unterschiedlichen Sicherheits- und Ordnungsvorstellungen im englischen Parteiensystem untersucht. Die These von der Transformation des britischen Wohlfahrtstaats zum Polizeistaat, in dem die ausgebeuteten und verarmten Massen nur noch mittels verst\u00e4rkter Repression unter Kontrolle gehalten werden k\u00f6nnen, kann in dieser Plattheit allerdings nicht \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Da\u00df die moderne Polizei eine gro\u00dfe und komplex b\u00fcrokratisch strukturierte Organisation ist, die recht unterschiedliche Funktionen erf\u00fcllt, zeigt<\/p>\n<p>Weatheritt, Mollie<br \/>\nInnovations in Policing, Beckenham (Croom Helm) 1986, 165 p.<\/p>\n<p>Es werden insbesondere die organisatorischen und operationalen Umstrukturierungsprozesse im Bereich der vorbeugenden Verbrechensbek\u00e4mpfung vorgestellt und anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Polizeibezirken diskutiert. F\u00fcr die Autorin ist das zentrale Problem die Integration der betroffenen Bev\u00f6lkerung als Informationsressource f\u00fcr die Verbrechensbek\u00e4mpfung: &#8222;good practice on the basis of good information, and of encouraging forces to develop such practice themselves &#8230;&#8220;. (S.115)<\/p>\n<p>Die Integration der Bev\u00f6lkerung in die laufende Polizeiarbeit ist auch f\u00fcr die Autoren der folgenden Studie der zentrale Bezugspunkt:<\/p>\n<p>Shapland, Joanna\/ Vagg, Jon<br \/>\nPolicing by the Public, London Routledge 1988, 226p.<\/p>\n<p>Sie untersuchen und vergleichen die untershiedlichen sozialen Kontrollformen in l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen sozialen R\u00e4umen. &#8222;There is policing by the public &#8211; and it will continue to create and maintain social order. There is policing by the police, imposed upon the public. Perhaps one day there will be joint accountability.&#8220;(S.192)<br \/>\n(MW)<\/p>\n<p>Frankreich:<\/p>\n<p>In Frankreich war die Polizei \u00fcber lange Zeit kaum Objekt sozialwissenschaftlicher Forschung. Anfang der achtziger Jahre hat sich dies ge\u00e4ndert und in der Zwischenzeit liegen eine ganze Reihe politisch bemerkenswerter und empirisch interessanter Arbeiten vor. Die Auseinandersetzung mit der franz\u00f6sischen Polizeiforschung lohnt nicht nur wegen deren empirschen Resultate. Die Frage nach einer Reform der &#8222;blockierten Institution&#8220; Polizei &#8211; eine Formulierung von Jean-Claude Monet &#8211; gab der Polizeiforschung von vorneherein auch eine politische Sto\u00dfrichtung.<\/p>\n<p>Monet, Jean-Claude<br \/>\nUne administration face \u00e0 son avenir: police et sciences sociales, in: Sociologie du travail, XXVII, 1985, 4, p.370 ff.<\/p>\n<p>Wie mu\u00df &#8211; so die Frage der 1981 an die Macht gekommenen Sozialisten &#8211; eine reformierte &#8222;republikanische Polizei&#8220; aussehen? Nicht zuletzt dieser politische Bezug d\u00fcrfte dann 1986 daf\u00fcr ausschlaggebend gewesen sein, da\u00df die Konservativen die staatliche F\u00f6rderung von Forschungen zur Polizei wieder einstellten. Die 1988 an die Macht gekommene sozialistische Regierung Rocard versucht nun wiederum, an die alten Reformans\u00e4tze anzukn\u00fcpfen, wenn auch in modifizierter Form. Sie f\u00f6rdert deshalb erneut die sozialwissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit der Polizei. Seit Sommer dieses Jahres existiert nun sogar ein vom Innenministerium getragenes &#8222;Institut des Hautes Etudes de la S\u00e9curit\u00e9 Interieure&#8220;.<br \/>\nVor diesem Hintergrund verwundert es nicht, da\u00df die Polizei in Frankreich in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe als in der Bundesrepublik in die politikwissenschaftliche Diskussion geraten ist und zu entsprechenden Publikationen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Journ\u00e8s, Claude (Hg.)<br \/>\nPolice et politique, Presses Universitaires de Lyon 1988,<\/p>\n<p>Dieser Sammelband enth\u00e4lt u.a. einen Beitrag von Gilles Bollenot \u00fcber das Modell der franz\u00f6sischen Geheimpolizei zu Beginn des 19. Jh.s und einen Artikel \u00fcber die Interpretation und die Umsetzung der Regelungen zum Schu\u00dfwaffengebrauch in der Polizei von Renauld Dulong. Herausgeber Claude Journ\u00e8s pl\u00e4diert gar in diesem, dem anspruchsvollen Titel kaum gerecht werdenden Sammelband &#8222;f\u00fcr eine politische Wissenschaft der Polizei&#8220;.<br \/>\nTheoretisch und emprisch gehaltvoller ist ein weiterer Sammelband:<\/p>\n<p>Boismenu, G\u00e9rard\/ Gleiszal, Jean-Jacques (Hg.)<br \/>\nLes M\u00e9canismes de R\u00e9gulation sociale. La Justice, l&#8217;administration, la police, Montr\u00e9al, Lyon 1988<\/p>\n<p>In diesem Buch \u00fcber die &#8222;Mechanismen der sozialen Regulation: Justiz, B\u00fcrokratie und Polizei&#8220; werden sowohl theoretische Fragen nach der ver\u00e4nderten Funktion von Polizei gestellt als auch Probleme einer Politik der Demokratisierung der Polizei behandelt.<\/p>\n<p>Empirisch interessante Arbeiten, welche die Polizei und Fragen &#8222;Innerer Sicherheit&#8220; betreffen, entstanden in den letzten Jahren vor allem im Kontext des soziologischen Forschungszentrums zu Fragen des Rechts und der strafrechtlichen Institutionen &#8222;CESDIP&#8220; (Centre de recherches sociologiques sur le droit et les institutions p\u00e9nales (CESDIP), 4, rue du mondovi, 75001 Paris).<br \/>\nZu nennen ist hierbei insbesondere die Arbeit von Ren\u00e9 Levy, der unter dem Titel &#8222;Vom Verd\u00e4chtigen zum Schuldigen&#8220; die Arbeit der &#8222;police judiciaire&#8220; in den Jahren 1979-81 in verschiedenen Kommissariaten und mit Hilfe einer systematischen Auswertung von Anzeigen untersucht hat:<\/p>\n<p>Levy, Ren\u00e9<br \/>\nDu Suspect au Coupable: Le Travail de Police Judiciaire, Editition M\u00e9decine et Hygi\u00e8ne. Meridiens Klicksieck, Gen\u00e8ve 1987<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig an dieser Studie ist aus bundesrepublikanischer Sicht zun\u00e4chst die Tatsache, da\u00df trotz der im Vergleich zur Kriminalpolizei sehr viel st\u00e4rkeren Betonung der justiziellen Kontrolle im franz\u00f6sischen System der Strafverfolgung auch Ren\u00e9 Levy im Ergebnis eine gro\u00dfe Autonomie der Polizei konstatiert. Er st\u00fctzt diese Aussage auf seine detaillierte Untersuchung der polizeilichen Aktions- und Ermittlungsverfahren \u00fcber mehrere Stufen hinweg. In einem ersten Teil analysiert er die unmittelbaren polizeilichen Aktions- und Reaktionsmuster und arbeitet dabei auch den begrenzten Stellenwert proaktiver Handlungsmuster heraus. In einem zweiten Teil wird das polizeiliche Ermittlungsverfahren sowie das Verh\u00e4ltnis von Polizei und Staatsanwaltschaft untersucht und die Selektivit\u00e4t polizeilicher Prozeduren der Strafverfolgung herausgearbeitet (insbesondere gegen\u00fcber den Immigranten aus Nordafrika).<\/p>\n<p>Tournier, Pierre\/ Robert, Philippe (avec la collaboration de Leconte, Besie et Couton, Pierre &#8211; Jean)<br \/>\nLes etrangers dans les statistiques penales &#8211; constitution d`un corpus et analyse critique des donn\u00e9es, Deviance et Controle Social, CESDIP, No 49, Paris, Janvier 1989.<\/p>\n<p>Die Autoren belegen die Diskriminierung der Ausl\u00e4nder durch eine kritische Analyse der polizeilichen Kriminal-, der Justiz- und der Strafvollzugsstatistik. Sie stellen fest, da\u00df zwar jeder vierte Gef\u00e4ngnisinsasse ein Ausl\u00e4nder ist, w\u00e4hrendessen im polizeilichen Ermittlungsverfahren nur jeder sechste Tatverd\u00e4chtige aus dem Ausland, zumeist eben aus Nordafrika, kommt.<br \/>\nDie demographische Analyse der sich im Strafvollzug befindlichen Population insgesamt ist einer der Arbeitsschwerpunkte des CESDIP. Eine Bibliographie der neueren Arbeiten findet sich in:<\/p>\n<p>Barre, Marie Dani\u00e8le\/ Tournier, Pierre (avec la collaboration de Leconte, Bessie)<br \/>\nLa mesure du temps carceral. Observation suivie d`une cohorte d`entrants. Deviance &amp; Controle social, CESDIP, No 48, Paris 1988<\/p>\n<p>Von Interesse sind schlie\u00dflich noch drei weitere im Kontext des CESDIP entstandene Arbeiten:<\/p>\n<p>Ocequteau, Fr\u00e9d\u00e9ric\/ Perez Dias, Claudine<br \/>\nJustice P\u00e9nal, D\u00e9linquances, D\u00e9viances. Evolution des repr\u00e9sentations dans la soci\u00e9t\u00e9 francaise. Deviance &amp; Controle social, CESDIP No. 50, Paris 1989<\/p>\n<p>Ocequeteau und Peres Diaz versuchen in Fortf\u00fchrung fr\u00fcherer Studien in einer rep\u00e4sentativen Befragung die Einstellungen der Franzosen gegen\u00fcber Delinquenz und dem System der Strafverfolgung zu erfassen.<\/p>\n<p>Godefroy, Thierry\/ Laffargue, Bernard<br \/>\nLes Couts Du Crime En France. Donn\u00e9es 1984, 1985, 1985 et 1987, Etudes et Donn\u00e9es Penales, No. 59, CESDIP, Paris 1989<\/p>\n<p>Die Autoren geben in ihrer Berechnung der Kosten der Kriminalit\u00e4t auch einen \u00dcberblick \u00fcber die Ausgaben f\u00fcr die Polizei und Gendarmerie.<\/p>\n<p>Chevalier, G\u00e9rard<br \/>\nConsensus et Clienteles: Les politiques socio-preventives locales en 1985 et 1986, Etudes et Donn\u00e9es Penales, No 58, CESDIP, Paris 1989<\/p>\n<p>In dieser Arbeit wird \u00fcber die Versuche der sozialistischen Regierung Fabius in den Jahren 1985 und &#8217;86 berichtet, auf kommunaler Ebene neue Formen einer &#8222;sozial-pr\u00e4ventiven Intervention&#8220; zu finden, die sich weniger auf die Polizei als auf die Kooperation lokaler Instanzen und Gruppierungen st\u00fctzen sollten.<br \/>\n(AF)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polizeiforschung in England und Frankreich &#8211; einige aktuelle Literaturhinweise Die Polizeien der EG-L\u00e4nder sollen enger<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,40],"tags":[],"class_list":["post-5400","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-034-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5400","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5400"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5400\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5400"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5400"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5400"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}