{"id":6299,"date":"2015-01-30T22:12:01","date_gmt":"2015-01-30T22:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=6299"},"modified":"2015-01-30T22:12:01","modified_gmt":"2015-01-30T22:12:01","slug":"un-und-eu-gegen-auslaendische-kaempfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=6299","title":{"rendered":"UN und EU gegen \u201eausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. September 2014 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat seine Resolution 2178 (2014), mit der die 193 Mitgliedstaaten teils verpflichtend zu Ma\u00dfnahmen gegen Rekrutierung, Organisation, Transport, Ausr\u00fcstung und Finanzierung von Personen aufgefordert werden, die ihre Heimat mit dem Ziel verlassen, terroristische Handlungen zu begehen, zu planen oder vorzubereiten oder eine terroristische Ausbildung anzubieten bzw. zu erhalten. <!--more-->Die Staaten sollen solche Handlungen unter Strafe stellen, Reisebewegungen \u201eausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer\u201c unterbinden, Reisedaten sammeln und analysieren, um Risikoprognosen zu erstellen. Fluggesellschaften sollen verpflichtet werden, vor dem Abflug \u201eAdvance Passenger Information\u201c (API) an die Beh\u00f6rden des Ziellandes zu \u00fcbermitteln. Der internationale Austausch \u201eoperativer Informationen\u201c soll intensiviert, die Nutzung der UN-Terrorlisten und der entsprechenden \u201eSpecial Notices\u201c von Interpol ausgeweitet werden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Bereits am 30. August hatte der Europ\u00e4ische Rat ein gemeinsames Vorgehen gegen \u201eausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer\u201c gefordert. Ein Paket mit 22 Ma\u00dfnahmen, das die Innen- und JustizministerInnen bereits im Juni 2013 auf Initiative des EU-Terro\u00adrismus\u00adkoordinators abgesegnet hatten, soll z\u00fcgig umgesetzt werden: Neben dem Ausbau von Informationsaustausch und -aus\u00adwertung bei Europol, Eurojust, Frontex und Interpol, der Intensivierung der Zusammenarbeit mit Drittstaaten, Deradikalisierungsprojekten und einer \u00dcberpr\u00fcfung des Terrorismus-Strafrechts der EU geht es dabei um zwei Dinge: Zum einen sollen die alten Pl\u00e4ne zur Schaffung eines EU-Regimes zur Fluggastdatenspeicherung (EU PNR) endlich realisiert werden. Zum anderen wird \u00fcberlegt, wie das neue Schengen-Informationssystem (SIS II) auch bei der Kontrolle von einreisenden EU-B\u00fcrgerInnen systematisch abgefragt werden kann.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Bereits 2007 hatte die EU-Kommission einen ersten Vorschlag f\u00fcr ein EU PNR vorgelegt, auf den sich die Mitgliedstaaten jedoch nicht einigen konnten, bevor der Lissabon-Vertrag 2009 in Kraft trat. Im Februar 2011 machte die Kommission einen neuen Anlauf. Gem\u00e4\u00df dem Richtlinien-Entwurf sollen die Fluggesellschaften ihre umfangreichen Flug\u00adgastdaten f\u00fcr s\u00e4mtliche Interkontinentalfl\u00fcge an Zentralstellen der Mitgliedstaaten schicken, wo diese f\u00fcr f\u00fcnf Jahre gespeichert und ausge\u00adwertet werden d\u00fcrfen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Das Plenum des Europ\u00e4ischen Parlaments (EP) verwies den Kommissionsentwurf im Juni 2013 an den zust\u00e4ndigen Innenausschuss zur\u00fcck, mit der Bitte, ein kritisches Votum zu \u00fcberdenken. Wegen der EP-Neuwahlen besch\u00e4ftigte sich der neue Innenausschuss jedoch erst am 11. November 2014 wieder mit der Vorlage. Vor dem Hintergrund des Urteils des EU-Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung blieb man dort skeptisch. Im Rat dr\u00e4ngt eine Mehrheit jedoch darauf, auch Daten innereurop\u00e4ische Fl\u00fcge zu erfassen oder dies den Mitgliedstaaten zumindest freizustellen. Zudem werkeln mindestens 15 EU-L\u00e4nder mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Kommission l\u00e4ngst an eigenen nationalen PNR-Systemen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Auch wenn das EP letztlich f\u00fcr ein EU PNR votiert, k\u00f6nnte der folgende Trilog also schwierig werden.<\/p>\n<p>Die Diskussion um die SIS-II-Abfragen ergeben sich daraus, dass EU-B\u00fcrgerInnen bei der Einreise an den EU-Au\u00dfengrenzen laut Schengener Grenzkodex nur einer Mindestkontrolle zur Identit\u00e4tspr\u00fcfung unterzogen werden d\u00fcrfen; umfangreiche Datenbankabfragen z.B. im SIS II sind einzig auf \u201enicht systematischer Grundlage\u201c erlaubt, um sicherzustellen, dass eine Person keine Gefahr darstellt. \u00dcberlegt wird im Rat daher, entweder die rechtlichen Spielr\u00e4ume maximal auszusch\u00f6pfen und gemeinsame Risikoindikatoren f\u00fcr die Auswahl von Personen zur nicht-systematischen Kontrolle zu entwickeln und eine solche Praxis durch die \u00dcberarbeitung des Schengen-Handbuchs harmonisieren zu lassen oder den Grenzkodex so zu \u00e4ndern, dass k\u00fcnftig auch alle EU-B\u00fcrgerInnen bei der Einreise systematisch \u00fcberpr\u00fcft werden d\u00fcrfen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (E. T\u00f6pfer)<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 UN-Dok. S\/RES\/2178 (2014) v. 29.9.2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 13416\/14 v. 26.9.2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 KOM(2011) 32 endg\u00fcltig v. 2.2.2011<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.statewatch.org\/news\/2014\/oct\/pnr-back-door.htm<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. 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