{"id":6762,"date":"2008-02-06T22:27:24","date_gmt":"2008-02-06T22:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=6762"},"modified":"2008-02-06T22:27:24","modified_gmt":"2008-02-06T22:27:24","slug":"troublemakers-ins-sis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=6762","title":{"rendered":"\u201eTroublemakers\u201c ins SIS"},"content":{"rendered":"<p>Heimlich, still und leise pr\u00e4sentierte die deutsche Delegation am 22.\u00a0Oktober 2007 im Artikel\u00a036-Ausschuss, dem h\u00f6chsten Gremium der 3.\u00a0S\u00e4ule unterhalb des Rates, ein Papier \u00fcber die Nutzung des Schengener Informationssystems (SIS) f\u00fcr den Informationsaustausch \u00fcber \u201egewaltt\u00e4tige St\u00f6rer\u201c bei Massenveranstaltungen, insbesondere bei Gro\u00dfdemonstrationen anl\u00e4sslich von Gipfeltreffen und bei Fu\u00dfballspielen von internationaler Bedeutung. Dem Protokoll zufolge \u00fcberwies der Ausschuss die Angelegenheit an die SIS-Arbeitsgruppe.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> <!--more-->Das urspr\u00fcngliche deutsche Papier findet sich nicht im Register des Rates. Zwei weitere Dokumente der SIS-Arbeitsgruppe vom M\u00e4rz und April 2008, letzteres erneut von der deutschen Delegation, sind f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit gesperrt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ein solcher Informationsaustausch stand seit 2001 immer wieder zur Diskussion. Anl\u00e4sse daf\u00fcr waren zum einen die Auseinandersetzungen beim EU-Gipfel in G\u00f6teborg und beim G8-Treffen in Genua im Sommer 2001. Zum anderen bot sich beim Aufbau des SIS II die Gelegenheit, die Ausschreibungskategorien in diesem System um neue zu erg\u00e4nzen. In den im Herbst 2006 verabschiedeten Rechtsgrundlagen f\u00fcr das SIS II hatte man darauf jedoch verzichtet \u2013 vorerst. Allerdings war klar, dass das neue System so konzipiert werden sollte, dass eine solche Erg\u00e4nzung jederzeit m\u00f6glich w\u00e4re. Bei einer ersten Diskussion in der SIS-Arbeits\u00adgruppe Ende Januar 2008 war unter anderem diskutiert worden, die Ausschreibung zur polizeilichen Beobachtung nach Art.\u00a099 des Schengener Durchf\u00fchrungs\u00fcbereinkommens f\u00fcr diesen Informationsaustausch zu nutzen. Allerdings erlaubt es Art. 99 nicht, die betreffende Person pr\u00e4ventiv in Gewahrsam zu nehmen und damit von der Teilnahme an der Veranstaltung, der Demonstration oder dem Fu\u00dfballspiel abzuhalten.<\/p>\n<p>In der SIS-Arbeitsgruppe hat die BRD nun Werbung f\u00fcr die Variante gemacht, die hierzulande bereits seit Jahrzehnten besteht: Danach ist es m\u00f6glich, den Datenbestand der \u201eSt\u00f6rerdateien\u201c (Gewaltt\u00e4ter Sport; Straft\u00e4ter linksextremistisch motiviert \u2013 Limo, rechtsextremistisch motiviert \u2013 Remo; Ausl\u00e4nderextremismus \u2013 Aumo) ganz oder teilweise tempor\u00e4r ins INPOL-Fahndungsregister zu transferieren. In ihrem Papier vom April dieses Jahres macht die deutsche Delegation zus\u00e4tzlich klar, dass es f\u00fcr die Einstufung als \u201egewaltt\u00e4tiger St\u00f6rer\u201c keiner Verurteilung bedarf, sondern es vielmehr ausreicht, dass die betroffene Person einer einschl\u00e4gigen Straftat verd\u00e4chtigt oder beschuldigt wurde. Eine solche (tempor\u00e4re) Ausschreibung versorge die zust\u00e4ndigen Polizeibeh\u00f6rden mit Informationen und erlaube ihnen ein \u201eeffektives\u201c Handeln, d.h. die Anwendung des gesamten Repertoires pr\u00e4ventiv-polizeilicher Ma\u00dfnahmen. Wie die Polizei anderer Schengen-Staaten mit dieser Information umgehe, m\u00fcsse sie dann aufgrund ihres nationalen Rechts entscheiden. Die SIS-Arbeitsgruppe hat nun die Kommission um eine Durchf\u00fchrbarkeitsstudie angefragt. Wenn eine solche vorliegt, ist ein politisches Vorhaben in der 3. S\u00e4ule der EU erfahrungsgem\u00e4\u00df kaum mehr zu stoppen.<\/p>\n<p>(Heiner Busch)<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 15079\/07 v. 13.11.2007<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 7544\/08 v. 14.3.2008 und 8204\/08 v. 7.4.2008<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heimlich, still und leise pr\u00e4sentierte die deutsche Delegation am 22.\u00a0Oktober 2007 im Artikel\u00a036-Ausschuss, dem h\u00f6chsten<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[95,145],"tags":[],"class_list":["post-6762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-089","category-meldungen-europa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6762"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6762\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}