{"id":6902,"date":"2005-08-07T00:12:08","date_gmt":"2005-08-07T00:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=6902"},"modified":"2005-08-07T00:12:08","modified_gmt":"2005-08-07T00:12:08","slug":"vertrag-von-pruem-neuauflage-von-schengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=6902","title":{"rendered":"Vertrag von Pr\u00fcm \u2013 Neuauflage von Schengen?"},"content":{"rendered":"<p>Sieben EU-Staaten \u2013 die drei Benelux-Staaten, Frankreich, \u00d6sterreich, Spanien und Deutschland \u2013 haben am 27.\u00a0Mai 2005 im Eifelkurort Pr\u00fcm einen Vertrag \u00fcber \u201edie Vertiefung der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit\u201c unterzeichnet, der in doppelter Hinsicht von Bedeutung ist.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Zum einen wegen seines Inhalts: Vereinbart wurden nicht nur erweiterte Formen der grenznahen Polizeikooperation, sondern insbesondere der gegenseitige automatische Zugriff auf nationale Datenbanken mit personenbezogenen Informationen, n\u00e4mlich DNA-Profil-, Fingerabdruckdatenbanken sowie Fahrzeugregister. <!--more-->Im ers\u00adten Falle ist die Abfrage nur zur Strafverfolgung, in den beiden anderen auch zu pr\u00e4ventiven Zwecken m\u00f6glich. Zudem soll es regelm\u00e4\u00dfige Abgleiche der nicht einer bekannten Person zugeordneten DNA-Spuren geben. Ergibt sich beim Abgleich oder der Abfrage von DNA-Profilen oder Fingerabdr\u00fccken ein \u201eTreffer\u201c, dann sollen auch alle weiteren Daten zu einer Person weitergegeben werden, sofern das Recht des ersuchten Staates dies erlaubt. Damit r\u00fccken die Vertragsstaaten dem im Haager F\u00fcnf-Jahres-Programm festgeschriebenen Ziel, beim Informationsaustausch das \u201ePrinzip der Verf\u00fcgbarkeit\u201c einzuf\u00fchren, einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4her.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Daneben wollen die Vertragsstaaten sowohl auf Ersuchen als auch spontan personenbezogene Daten austauschen \u2013 im Zusammenhang mit Gro\u00dfereignissen (Sportveranstaltungen und Demonstrationen) sowie im Kontext dessen, was nach der gemeinsamen EU-Terrorismusdefinition als \u201eterroristische Straftat\u201c gilt \u2013 eine Definition, die weit \u00fcber das Alltagsverst\u00e4ndnis des Begriffs hinaus geht.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Beides ist bereits weitgehend Praxis in der EU. Ebenfalls l\u00e4ngst praktiziert werden gemeinsame Abschiebungen von abgewiesenen Asylsuchenden und die Entsendung von \u201eDokumentenberatern\u201c, d.h. grenzpolizeilichen Verbindungsbeamten.<\/p>\n<p>Bedeutsam \u2013 weil ungekl\u00e4rt \u2013 ist auch die Rolle dieses Vertrags im Kontext der gemeinsamen Innen- und Justizpolitik der EU. Formell handelt es sich hier nicht um eine \u201everst\u00e4rkte Zusammenarbeit\u201c im Sinne des EU-Vertrags: Die m\u00fcsste mindestens die H\u00e4lfte der Mitgliedstaaten einbeziehen, vom Rat genehmigt und dem Europ\u00e4ischen Parlament zur Kenntnis gebracht werden. Dies ist nicht der Fall.<\/p>\n<p>Praktisch gleicht die mit dem Vertrag von Pr\u00fcm eingeleitete Kooperation der Schengener Zusammenarbeit, die es den beteiligten EU-Staa\u00adten erlaubte, au\u00dferhalb der EU-Strukturen wesentliche Elemente der po\u00adlizeilichen und asylpolitischen Kooperation vorzuspulen, um sie anschlie\u00dfend in den EU-Rahmen zu integrieren. Wie im Schengener Durch\u00adf\u00fchrungs\u00fcbereinkommen ist auch in Art.\u00a043 des neuen Vertrages eine eigene politische Struktur vorgesehen: ein Ministerkomitee und Ar\u00adbeits\u00adgruppen. Drei Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags will man Initiativen ergreifen, um das au\u00dferhalb der EU-Strukturen Erreichte in diese zu \u00fcbertragen. Dies riecht allerdings sehr nach Schengener Kerneuropa.<\/p>\n<p>(Heiner Busch)<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.statewatch.org\/news\/jul\/17schengen-III.htm\">www.statewatch.org\/news\/jul\/17schengen-III.htm<\/a>, zu den Aspekten der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit s. in diesem Heft den Artikel von M. Holzberger, S. 63 ff.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ABl. EG C 53 v. 3.3.2005, S. 1<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ABl. EG L 164 v. 22.6.2002, S. 3<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben EU-Staaten \u2013 die drei Benelux-Staaten, Frankreich, \u00d6sterreich, Spanien und Deutschland \u2013 haben am 27.\u00a0Mai<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[87,145],"tags":[],"class_list":["post-6902","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-081","category-meldungen-europa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6902"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6902\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}