{"id":7125,"date":"2003-08-03T20:54:46","date_gmt":"2003-08-03T20:54:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=7125"},"modified":"2003-08-03T20:54:46","modified_gmt":"2003-08-03T20:54:46","slug":"tkue-gutachten-vorgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7125","title":{"rendered":"TK\u00dc-Gutachten vorgestellt"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. Mai 2003 stellten Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und der Direktor des Max-Planck-Instituts f\u00fcr ausl\u00e4ndisches und internationales Strafrecht (MPI) Hans-J\u00f6rg Albrecht das vom MPI im Auftrag des Ministeriums verfasste Gutachten zur \u201eRechtswirklichkeit und Effizienz der \u00dcberwachung der Telekommunikation nach den \u00a7\u00a7 100a, 100b StPO und anderer verdeckter Ermittlungsma\u00dfnahmen\u201c der \u00d6ffentlichkeit vor.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Gutachten ging auf eine \u00dcbereinkunft in der ersten rot-gr\u00fcnen Koalitionsvereinbarung von 1998 zur\u00fcck; es stellte eine politische Reaktion auf den seit Jahren steigenden Umfang der Telekommunikations\u00fcberwachung (TK\u00dc) dar.<!--more--><\/p>\n<p>Den qualitativen Kern der Studie bildet die Analyse von 523 Strafverfahren mit TK\u00dcs aus dem Jahr 1998. Diese Verfahren beinhalteten 1.488 TK\u00dc-Anordnungen f\u00fcr 2.370 Anschl\u00fcsse. (Die Stichprobe entspricht einem Neuntel aller Anordnungen f\u00fcr 1998.) Zum Umfang der \u00dcberwachungen kann man der Zusammenfassung des Gutachtens entnehmen, dass in 60 Verfahren zwischen 100 und 1.000 Gespr\u00e4che abgeh\u00f6rt wurden, und in 11 Verfahren wurden mehr als 5.000 Gespr\u00e4che \u00fcberwacht \u2013 der Spitzenreiter lag bei 30.500.<\/p>\n<p>Hinsichtlich \u201eTransparenz, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit\u201c stellt das Gutachten ein \u201eAuseinanderklaffen von Gesetz und Wirklichkeit\u201c fest. Nur in 23,5\u00a0% der richterlichen Anordnungen wird die TK\u00dc \u201esubstantiell\u201c begr\u00fcndet; in den anderen Verfahren fand das MPI Begr\u00fcndungen, die nicht auf eine richterliche Pr\u00fcfung schlie\u00dfen lie\u00dfen. \u00c4hnlich gering ist die Zahl der nachtr\u00e4glichen Benachrichtigungen, die bei rund 27\u00a0% lag \u2013 obwohl das Gesetz eine Benachrichtigungspflicht vorschreibt. W\u00e4hrend die Ministerin in diesen beiden Punkten einen gewissen Reformbedarf einr\u00e4umt, best\u00e4tige das Gutachten insgesamt, dass die TK\u00dc ein \u201eeffektives\u201c Mittel der Strafverfolgung sei, das von den Ermittlungsbeh\u00f6rden \u201esensibel und unter Wahrung der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit\u201c eingesetzt werde. Obwohl auch das MPI diese Sch\u00f6nf\u00e4rberei praktiziert, be\u00adst\u00e4\u00adtigen die von ihm pr\u00e4sentierten Daten diese Bewertung kaum. Denn immerhin r\u00e4umt das Gutachten ein, dass 42\u00a0% aller TK\u00dcs zu keiner Anklageerhebung f\u00fchrten. Unbefangene w\u00fcrden eine solche Fehlerquote kaum als Indiz f\u00fcr einen \u201esensiblen\u201c Umgang mit einem Grundrechts\u00adeingriff bewerten. Hinzu kommt, dass die \u00dcberwachungen nur in 62\u00a0% (der 58\u00a0% \u201eerfolgreichen\u201c TK\u00dcs) zu \u201emittelbaren Erfolgen\u201c gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Ausgabe von \u201eB\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP\u201c werden wir uns ausf\u00fchrlicher mit dem Gutachten auseinandersetzen.<\/p>\n<p>(Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 s. die Zusammenfassung unter: www.bmj.bund.de\/images\/11600.pdf<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. 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