{"id":7172,"date":"2003-08-03T21:26:48","date_gmt":"2003-08-03T21:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cilip.de\/?p=7172"},"modified":"2003-08-03T21:26:48","modified_gmt":"2003-08-03T21:26:48","slug":"biometrie-eu-kommission-empfiehlt-fingerabdruecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7172","title":{"rendered":"Biometrie: EU-Kommission empfiehlt Fingerabdr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Biometrische Daten sollen in s\u00e4mtliche Personalpapiere eingetragen werden. So sieht es das deutsche Terrorismusbek\u00e4mpfungsgesetz (TBKG) vor, das im Januar 2002 in Kraft trat. F\u00fcr die P\u00e4sse und Personalausweise der Deutschen bedarf es dazu eines weiteren Gesetzes, f\u00fcr Aufenthaltsgenehmigungen und Ausweisersatzpapiere der Nicht-Deut\u00adschen nur mehr einer Rechtsverordnung des Bundesinnenministeriums (mit Zustimmung des Bundesrates). F\u00fcr diesen Teil der Bev\u00f6lkerung gelten weder die Zweckbindungsvorgaben noch das Verbot, sog. Referenzdateien einzurichten.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Unmittelbar nach Verabschiedung des TBKG gab der Rat der EU-Innen- und JustizministerInnen dem deutschen Dr\u00e4ngen nach und vereinbarte die Aufnahme biometrischer Merkmale auch in EU-Visa.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die Kommission wurde mit einer Durchf\u00fchrbarkeitsstudie zur Einrichtung eines Visa-Informationssystems (VIS) betraut, deren Ergebnisse der Rat am 5.\/6. Juni 2003 begr\u00fc\u00dfte.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Im VIS sollen demnach Daten aus Visumantragsverfahren f\u00fcr die Dauer von f\u00fcnf Jahren gespeichert werden \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob das Visum schlie\u00dflich gew\u00e4hrt oder verweigert wurde. Zugang zu diesen Daten sollen auch die Geheimdienste erhalten.<\/p>\n<p>Das VIS soll \u2013 so die EU-Kommission \u2013 die weltweit gr\u00f6\u00dfte Datenbank f\u00fcr biometrische Informationen werden. Anvisiert sind ca. 70 Mio. Datens\u00e4tze. (Das FBI besitzt angeblich rund 40 Mio. Datens\u00e4tze von Fingerabdr\u00fccken.) Die Kommission sch\u00e4tzt die Investitionskosten f\u00fcr das System auf 130-200 Mio. Euro. Die finanzielle Hauptlast werden die Mitgliedstaaten tragen m\u00fcssen. Die Kommission will im EU-Haushalt f\u00fcr die Jahre 2004-2006 insgesamt 45 Mio. Euro bereitstellen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Hinsichtlich der Art der zu erfassenden Daten kommt die Kommission nach einer Untersuchung von vier biometrischen Erfassungsmethoden zu der Empfehlung, zun\u00e4chst Fingerabdr\u00fccke (und nicht etwa die Iriserkennung) als das zentrale biometrische Merkmal einzuf\u00fchren: Finger\u00adabdr\u00fccke seien erstens billig, w\u00e4hrend nur ein US-amerikanisches Unternehmen die weltweiten Patentrechte an der Iriserkennung besitzt. Zweitens seien Fingerabdr\u00fccke auch f\u00fcr die allgemeine Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung nutzbar, da sie \u2013 anders als Iris-Scans \u2013 im \u00fcblichen menschlichen Umgang (z.B. als Tatortspuren) immer wieder anfallen. Und drittens gew\u00e4hrleiste nur das biometrische Merkmal \u201eFingerabdruck\u201c auch die erw\u00fcnschte \u201eInteroperationalit\u00e4t\u201c mit anderen polizeilichen Fingerabdruck-Dateien (u.a. dem SIS).<\/p>\n<p>Der deutsche Datenschutzbeauftragte hatte argumentiert, nur eine \u201estrenge Zweckbindung\u201c bei der Erfassung und Verarbeitung biometrischer Daten w\u00fcrde eine ansonsten drohende \u201eumfassende Profilbildung und \u00dcberwachung eines jeden einzelnen B\u00fcrgers\u201c verhindern.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Der Einwand l\u00e4uft auf EU-Ebene insoweit ins Leere, als dort eine ausschlie\u00dfliche Bindung der im VIS zu erfassenden Daten an den Zweck des eigentlichen Visumverfahrens von Beginn an nicht gewollt war. Schon in seinen Leitlinien f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines VIS hatte der Rat erkl\u00e4rt, dass VIS-Daten auch der \u201einneren Sicherheit sowie zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus\u201c dienen sollten.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Ein biometrisches Merkmal scheint der EU inzwischen nicht mehr zu reichen. Offenbar ist man dabei, sich auf \u201eeinen zweiten biometrischen Identifikator, wie der Gesichtserkennung\u201c zu verst\u00e4ndigen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Interesse an der Biometrie-Debatte der EU hat am 5. Mai 2003 auch die Innen- und Justizministerkonferenz der G8 bekundet. Damit ist nicht nur vorprogrammiert, dass sich biometrisch aufger\u00fcstete Personaldokumente und entsprechende Datensammlungen international durchsetzen werden. Die Verlagerung auf zwischenstaatliche Entscheidungsprozesse wird zudem die politische Kontrolle noch schwieriger machen, als sie auf EU-Ebene schon ist.<\/p>\n<p>(Mark Holzberger)<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 s. Kant, M.; Busch, H.: Biometrische Identifizierungssysteme, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/ CILIP 72 (2\/2002), S. 72-81 (78)<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 5867\/02 v. 1.2.2002, 6621\/1\/02 v. 27.2.2002 und 14525\/02 v. 20.11.2002<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 9845\/03 v. 5.\/6.6.2003<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KOM (2003) 323 endg. v. 3.6.2003, S. 5 und 19<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bundesbeauftragter f\u00fcr den Datenschutz: 19. T\u00e4tigkeitsbericht, BT-Drs. 15\/888, S. 22<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 9620\/02 v. 13.6.2002 i.V.m. Ratsdok. 8967\/02 v. 17.5.2002<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KOM (2003) 323 endg. v. 3.6.2003, S. 4, vgl. auch Fn. 4<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biometrische Daten sollen in s\u00e4mtliche Personalpapiere eingetragen werden. 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