{"id":7441,"date":"2007-02-17T19:08:01","date_gmt":"2007-02-17T19:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7441"},"modified":"2007-02-17T19:08:01","modified_gmt":"2007-02-17T19:08:01","slug":"polizei-und-kommunale-praevention-zwischen-legitimationspflege-und-vernetzter-repression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7441","title":{"rendered":"Polizei und kommunale Pr\u00e4vention &#8211;\u00a0Zwischen Legitimationspflege und vernetzter Repression"},"content":{"rendered":"<h3>von Norbert P\u00fctter<\/h3>\n<p><strong>In den 90er Jahren erlebte die Kriminalpr\u00e4vention auf \u00f6rtlicher Ebene eine ungeahnte Konjunktur. Nach zwei Jahrzehnten der Zentralisierung und Spezialisierung der Polizeien richteten sich die Hoffnungen pl\u00f6tzlich auf die lokalen Zusammenh\u00e4nge, in denen Kriminalit\u00e4t und Kriminalit\u00e4tsfurcht sichtbar werden. Welche Rolle der Polizei in dieser Variante der Pr\u00e4vention zukommt oder zukommen sollte, war von Anfang an umstritten.<\/strong><\/p>\n<p>Die sicherheitspolitische Hinwendung zur Gemeinde war im vergangenen Jahrzehnt keineswegs auf die Pr\u00e4vention beschr\u00e4nkt. Sicherheits- und Ordnungspartnerschaften wurden gebildet, Kommunale Ordnungsdienste, Sicherheitswachten und Freiwillige Polizeireserven eingerichtet oder zu neuem Leben erweckt, und \u00fcber den Atlantik schwappte die Vorstellung, dass mit Null-Toleranz die Sicherheitsprobleme in den St\u00e4dten zu l\u00f6sen seien. Die ambitionierteste Neusch\u00f6pfung der lokalen Sicherheitspolitik waren (und sind) jene Einrichtungen, die unter der Bezeichnung \u201eKriminalpr\u00e4ventiver Rat\u201c, \u201ePr\u00e4ventionsrat\u201c, \u201eSicherheitskonferenz\u201c etc. Kriminalit\u00e4t oder Unsicherheitsgef\u00fchlen vorbeugen wollten, indem unterschiedliche Personen, Gruppen und Institutionen mit ihren jeweiligen Ressourcen zusammenwirkten.<!--more--><\/p>\n<p>In der lokalen Kriminalpr\u00e4vention liefen verschiedene Motive zusammen: der mangelnde Erfolg repressiv-professionalisierter Polizeiarbeit, die zudem wegen knapper \u00f6ffentlicher Mittel nicht beliebig ausgebaut werden konnte; der Standortwettbewerb um die gepflegteste und sicherste Stadt angesichts der im \u00f6ffentlichen Raum zunehmend sichtbaren Folgen der wirtschaftlichen und sozialen Krise; die Hoffnung, dass die lokal vorhandenen Kr\u00e4fte der \u201eZivilgesellschaft\u201c eher in der Lage seien, gesellschaftliche Probleme zu l\u00f6sen; die kriminologische Erkenntnis, dass die meisten Straftaten in der Wohngemeinde und deren Umgebung ver\u00fcbt werden und demnach lokale Ans\u00e4tze besonders aussichtsreich seien &#8230;<\/p>\n<p>Die lokale Pr\u00e4ventionsstrategie versprach und verspricht, unterschiedliche Dinge gleichzeitig zu erreichen: Sie will durch Vorbeugung Sch\u00e4digungen verhindern; sie will ortsbezogene L\u00f6sungen, die polizeilich-repressive Antworten \u00fcberfl\u00fcssig machen; sie will die Potentiale der BewohnerInnen aktivieren und damit sowohl mehr Demokratie praktizieren als auch die begrenzten Mittel der \u00f6ffentlichen Hand um die Ressourcen von B\u00fcrgerInnen, Vereinen und anderen Institutionen erweitern. Der kommunale Pr\u00e4ventionsprozess soll partizipativ und multidisziplin\u00e4r sein; derart sollen \u201eSynergien\u201c entstehen, die kontextangemessene, b\u00fcrgerorientierte und praktikable L\u00f6sungen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h4>B\u00fcrgern\u00e4he \u2013 Segen oder Gefahr?<\/h4>\n<p>Wenn die Polizei mit anderen Akteuren zusammenwirkt, steht die Frage nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis und nach ihren spezifischen Leistungen im Raum. F\u00fcr die Bef\u00fcrworterInnen der kriminalpr\u00e4ventiven Netzwerke, besteht die spezifische Aufgabe der Polizei in \u201eInformations-, Beratungs- und Vermittlungst\u00e4tigkeiten\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Als \u201ePartner mit Erfahrungswissen\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> komme ihr \u201edie Rolle des \u201aDetektors\u2018, des \u201aProblemgewichters\u2018, des \u201aAktivators\u2018 f\u00fcr Ma\u00dfnahmen, des \u201aEvaluators\u2018 f\u00fcr den unmittelbar ersichtlichen Effekt sowie, in bestimmten F\u00e4llen, des \u201aKatalysators\u2019 f\u00fcr das an sich zurecht vielbem\u00fchte \u201aZusammenwirken aller Kr\u00e4fte\u2018\u201c zu.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Die Polizei sei ein \u201eSensor f\u00fcr das fr\u00fchzeitige Erkennen negativer Entwicklungen\u201c, der \u201eerste wichtige Impulse f\u00fcr eine ressort\u00fcbergreifende Pr\u00e4vention geben\u201c k\u00f6nne.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Die Polizei selbst begr\u00fc\u00dft die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te als Elemente einer st\u00e4rkeren \u201eB\u00fcrgerorientierung\u201c ihrer Arbeit.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Durch die \u00f6rtlichen Pr\u00e4ventionsgremien k\u00f6nnten bessere Verbindungen zwischen Polizei und Kommune hergestellt werden, die R\u00e4te seien ein Weg, auf dem die Polizei intensiv mit den B\u00fcrger zusammenarbeiten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>1993 begr\u00fc\u00dfte die Innenministerkonferenz (IMK) \u201eeine b\u00fcrgernahe Pr\u00e4ventionsarbeit auf kommunaler Ebene\u201c als ein taugliches Mittel, Kriminalit\u00e4t am Ort ihres Entstehens zu verh\u00fcten.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Neben der unmittelbaren Verringerung der Kriminalit\u00e4t zielen die \u00f6rtlichen Aktivit\u00e4ten regelm\u00e4\u00dfig aber auch auf die Erh\u00f6hung des Sicherheitsgef\u00fchls, auf den Abbau kriminalit\u00e4tsf\u00f6rdernder Strukturen und allgemein auf die \u201epositive Beeinflussung des sozialen Klimas in der Kommune\u201c.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Kritische Einw\u00e4nde gegen die neue Strategie und die damit verbundenen Hoffnungen gab es sehr fr\u00fch: Bereits die \u201eB\u00fcrgern\u00e4he\u201c der Polizei sei eine problematische Zielgr\u00f6\u00dfe. Schlie\u00dflich bleibe die Polizei die zentrale Instanz des staatlichen Gewaltmonopols, deren \u201eN\u00e4he\u201c im Alltag keineswegs von allen B\u00fcrgerInnen gew\u00fcnscht werde und die einem freiheitlichen Gesellschaftsverst\u00e4ndnis widerspreche.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Pr\u00e4ventionsr\u00e4te st\u00e4rk\u00adten nicht den Einfluss der B\u00fcrgerInnen, sondern die Position der Polizei: Indem sie auf \u00f6rtlicher Ebene an der Diagnose, Analyse und an L\u00f6sungen gesellschaftlicher Probleme beteiligt werde, nehme ihre Definitionsmacht zu. Durch die Zusammenarbeit mit anderen gelange die Polizei an zus\u00e4tzliche Informationen, es entst\u00fcnden neue Ressourcen, die (auch) der Polizei zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden \u2013 mit anderen Worten: die lokale Pr\u00e4vention f\u00fchre zu einer weiteren \u201eVerpolizeilichung\u201c der Wahrnehmung von und der Reaktion auf gesellschaftliche Problemlagen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<h4>Bestandsaufnahme<\/h4>\n<p>Wie die lokalen Gremien den weit gesteckten Horizont der Erwartungen ausf\u00fcllen und welchen Anteil die Polizei an ihrer Arbeit hat, haben wir in einem Forschungsprojekt genauer zu bestimmen versucht.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Neben der Untersuchung von vier lokalen Pr\u00e4ventionsgremien (Frankfurt am Main, Mannheim, L\u00fcbeck und G\u00f6rlitz) st\u00fctzte sich das Projekt auf eine bundesweite Fragebogenerhebung, f\u00fcr die knapp die H\u00e4lfte der f\u00fcr das Jahr 1999 in der Datenbank des Bundeskriminalamts ausgewiesenen Gremien angeschrieben wurden (654 von 1.380). Die 432 erhaltenen Antworten reduzierten sich aus verschiedenen Gr\u00fcnden auf 293 auswertbare Frageb\u00f6gen. So hatte in 60 F\u00e4llen ein kriminalpr\u00e4ventives Gremium nie existiert, in 26 hatte es seine Arbeit bereits wieder eingestellt. Ob der verbleibende Ausschnitt repr\u00e4sentativ ist f\u00fcr die Gesamtheit der Pr\u00e4ventionsr\u00e4te, ist ungewiss. In jedem Fall gelten die Befunde f\u00fcr ein gutes Viertel der im Jahr 2000 bekannten lokalen Pr\u00e4ventionsgremien. Dass sich an deren grunds\u00e4tzlicher Ausrichtung bis heute etwas ge\u00e4ndert hat, ist wenig wahrscheinlich. Bevor auf die Polizei genauer eingegangen wird, sollen zun\u00e4chst die Antworten auf drei Fragen knapp wiedergeben werden:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Wer ist beteiligt? <\/strong>Die vielen an den Gremien teilnehmenden Beh\u00f6rden, Institutionen, Zusammenschl\u00fcsse und Einzelpersonen lie\u00dfen sich zu gr\u00f6\u00dferen Kategorien zusammenfassen, die entweder durch ihre Institutionalisierung oder ihre Aufgabe und ihr Selbstverst\u00e4ndnis bestimmt sind. In Tabelle 1 sind jene Gruppen aufgef\u00fchrt, die in wenigstens 30\u00a0% der Gremien beteiligt waren. Bei einigen Kategorien sind auch die gr\u00f6\u00dferen Teilgruppen angebeben. Diese Angaben weisen f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te eine durchgehende Pr\u00e4senz der \u00f6ffentlichen Verwaltung und der Polizei aus. Eine breite gesellschaftliche Beteiligung war hingegen nur in weniger als der H\u00e4lfte der Gremien feststellbar. Relativ stark vertreten waren der Bereich der Kinder- und Jugendarbeit sowie soziale Institutionen und Verb\u00e4nde.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Beteiligung von einzelnen Gruppen der \u201eZivilgesellschaft\u201c war vergleichsweise gering. Sie war f\u00fcr jene Gruppen am h\u00f6chsten, die \u00fcber institutionalisierte Vertretungen verf\u00fcgen (Frauen, Ausl\u00e4nderInnen). Jugendliche waren meist durch die Sch\u00fclerInnenselbstverwaltung vertreten. Eine unmittelbare Beteiligung der sonstigen kriminalpr\u00e4ventiven Klientel fand nur am Rande statt (in 5% der Gremien).<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Mit welchen Themen besch\u00e4ftigt sich die Kriminalpr\u00e4vention in der Gemeinde? <\/strong>Insgesamt wurden in den 293 beantworteten Frageb\u00f6gen 1.145 Beratungsthemen genannt. Der \u00fcberwiegende Teil (736) galt \u201eProblemen\u201c in der Gemeinde. Die thematisierten Probleme betrafen \u201eKonflikte\u201c (L\u00e4rm, Beschwerden, Schulbummelei), \u201eSauberkeit\u201c (ohne thematisierten Sicherheitsbezug) sowie Verkehrs- oder allgemein soziale Fragen. Zur letzten Gruppe geh\u00f6rten z.B. die Freizeitgestaltung, die Integration oder st\u00e4dtische Umfeldverbesserungen. Die Mehrzahl der Nennungen (561) entfiel jedoch auf Kriminalit\u00e4ts- oder Sicherheitsprobleme; wobei \u201eGewalt\u201c mit 127 und \u201eDrogen\/Sucht\u201c mit 122 am h\u00e4ufigsten genannt wurden.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>Als Beratungsthemen wurden neben den \u201eProblemen\u201c 141 mal explizit Reaktionen auf bestimmte Probleme angegeben. Mit dem Gremium selbst hatten sich 75 Gremien besch\u00e4ftigt; und in 45 Frageb\u00f6gen waren ohne weitere Qualifizierung bestimmte Ziel- oder Problemgruppen angegeben.<\/p>\n<p><strong>Tabelle 1: Beteiligte an kriminalpr\u00e4ventiven Gremien<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"331\">Beteiligte Institution\/Gruppe<\/td>\n<td width=\"51\">Gremien<\/td>\n<td width=\"30\">in %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00d6ffentliche Verwaltung<\/td>\n<td width=\"51\">284<\/td>\n<td width=\"30\">97<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jugendamt<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 199<\/td>\n<td width=\"30\">66<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ordnungsamt<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 184<\/td>\n<td width=\"30\">63<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Polizei<\/td>\n<td width=\"51\">280<\/td>\n<td width=\"30\">96<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Schule, Kindergarten, Jugendarbeit<\/td>\n<td width=\"51\">219<\/td>\n<td width=\"30\">75<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Soziale Institutionen\/ Verb\u00e4nde<\/td>\n<td width=\"51\">153<\/td>\n<td width=\"30\">52<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Vereine und Initiativen<\/td>\n<td width=\"51\">144<\/td>\n<td width=\"30\">49<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">GruppenvertreterInnen<\/td>\n<td width=\"51\">142<\/td>\n<td width=\"30\">49<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Frauenvertreterin<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 99<\/td>\n<td width=\"30\">34<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ausl\u00e4nderInnenvertretung<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 61<\/td>\n<td width=\"30\">20<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 SeniorInnenvertretung<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 57<\/td>\n<td width=\"30\">20<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Eigenvertretungen<\/td>\n<td width=\"51\">142<\/td>\n<td width=\"30\">49<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 B\u00fcrgerInnen<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 75<\/td>\n<td width=\"30\">26<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eigenvertretung Jugendliche<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 63<\/td>\n<td width=\"30\">22<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Elternvertretungen<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 45<\/td>\n<td width=\"30\">15<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Klientel (Obdachlose, MigrantInnen, Kriminalit\u00e4tsopfer)<\/td>\n<td width=\"51\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 15<\/td>\n<td width=\"30\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Politische Parteien<\/td>\n<td width=\"51\">117<\/td>\n<td width=\"30\">39<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Justiz<\/td>\n<td width=\"51\">112<\/td>\n<td width=\"30\">39<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Kirchen<\/td>\n<td width=\"51\">107<\/td>\n<td width=\"30\">39<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"331\">Handel, Gewerbe, Private Sicherheitsdienste<\/td>\n<td width=\"51\">90<\/td>\n<td width=\"30\">31<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>141 mal thematisierten die Gremien spezifische Reaktionen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil mit 60 Nennungen hatten verschiedene repressive Ma\u00dfnahmen (von vermehrter Polizeipr\u00e4senz bis zum beschleunigten Strafverfahren). Neben den 45 Gremien, die bestimmte Zielgruppen als Thema aufgef\u00fchrt hatten, konnten auch viele andere Nennungen eindeutig einzelnen Gruppen zugeordnet werden. Demnach besch\u00e4ftigten sich 225 Gremien mit Jugendlichen.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die Beratungen lokaler Pr\u00e4vention ergab sich zusammenfassend, dass der Schwerpunkt Kriminalit\u00e4ts- und Sicherheitsfragen galt, die h\u00e4ufig im Hinblick auf Jugendliche thematisiert wurden. Um diesen Kern herum waren viele verschiedene Themen gelagert, die von allgemeinen Konflikten des Zusammenlebens \u00fcber Fragen des Stra\u00dfenverkehrs bis zur lokalen sozialen Infrastruktur reichten.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Wie wird die Pr\u00e4vention praktisch umgesetzt?<\/strong> W\u00e4hrend die Frage nach den Themen nur R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Selbstverst\u00e4ndnis und den Horizont der Gremien zulie\u00df, sollte die Frage nach den bisher entfalteten Aktivit\u00e4ten einen Einblick in die Pr\u00e4ventionspraxis gestatten. 13 Gremien gaben an, noch keine Aktionen ausgef\u00fchrt zu haben, in 16 weiteren Frageb\u00f6gen wurde die Frage nicht beantwortet, so dass den folgenden Zahlen Angaben von 261 Gremien zugrunde liegen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Sieht man ab von Aktivit\u00e4ten, die keinerlei kriminalpr\u00e4ventiven Bezug aufwiesen (Verkehrsquiz, Spendensammlung f\u00fcr Kosovo etc.), und T\u00e4tigkeiten, die sich als \u201eVorabma\u00dfnahmen\u201c qualifizieren lie\u00dfen (Befragungen, Einrichtung von Arbeitskreisen oder \u00d6ffentlichkeitsarbeit), lassen sich die eigentlich pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen in vier Gruppen unterteilen (s. Tabelle 2).<\/p>\n<p><strong>Tabelle 2: Aktivit\u00e4ten kriminalpr\u00e4ventiver Gremien<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"359\">Ma\u00dfnahme \/ Aktivit\u00e4t<\/td>\n<td width=\"57\">Gremien<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">Soziale Umfeldgestaltung<\/td>\n<td width=\"57\">167<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sportveranstaltungen<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 67<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Treffs und Freizeiteinrichtungen<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 47<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Allgemeine Freizeitangebote<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 45<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">Verhaltensorientierte Angebote<\/td>\n<td width=\"57\">161<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Aufkl\u00e4rungs- und Informationsma\u00dfnahmen<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 116<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Projekttage und Kampagnen<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 74<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verhaltenstipps, Selbstbehauptungskurse etc.<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 34<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">St\u00e4dtische oder infrastrukturelle Umfeldgestaltung<\/td>\n<td width=\"57\">78<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kleinr\u00e4umliche Sicherheitsma\u00dfnahmen (Beleuchtung etc.)<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 36<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Technische Pr\u00e4vention (Fahrradcodierung etc.)<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 31<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sauberkeits- und Ordnungsma\u00dfnahmen (Fr\u00fchjahrsputz &#8230;)<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">Kontrollstrategien, Verordnungen, Repression<\/td>\n<td width=\"57\">111<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kontrolle (vermehrte Streifent\u00e4tigkeit, Video\u00fcberwachung)<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0 83<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Repression (Anzeigebereitschaft, konsequente Strafverfolgung)<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0 20<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"359\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Polizeiliche Erreichbarkeit verbessern<\/td>\n<td width=\"57\">\u00a0\u00a0\u00a0 20<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Auswertung der gr\u00f6\u00dferen Pr\u00e4ventionsaktivit\u00e4ten ergab, dass sie sich zu 70% auf Fragen der Kriminalit\u00e4t oder des Sicherheitsgef\u00fchls (Gewalt, Drogen\/Sucht, Eigentumskriminalit\u00e4t, Mediation) bezogen. Knapp zwei Drittel der Projekte richteten sich an Jugendliche.<\/p>\n<p>Das Handlungsprofil der kriminalpr\u00e4ventiven Gremien weist folgende Merkmale auf: Es \u00fcberwiegen allgemeine helfende oder unterst\u00fctzende Aktionen: Freizeit- und Informationsangebote sind am weitesten verbreitet. Jugendliche sind die wichtigste Zielgruppe der Arbeit. Aber in knapp einem Drittel aller Aktionen fehlt ein explizit kriminalpr\u00e4ventiver Bezug. Und von jedem dritten Pr\u00e4ventionsgremium werden auch kontrollierende und repressive Ma\u00dfnahmen in die Wege geleitet.<\/p>\n<h4>Und die Polizei?<\/h4>\n<p>Nach der Fragebogenerhebung ist die Polizei an 284 der 293 Gremien beteiligt; in den restlichen neun hat sie zumindest an einzelnen Beratungen mitgewirkt. Damit ist die Polizei die am h\u00e4ufigsten in den lokalen Gremien vertretene Institution. Allerdings ist sie nur in 19 Gremien am Vorsitz und in 21 an der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung beteiligt; lediglich in vier F\u00e4llen werden beide Funktionen von der Polizei wahrgenommen. In mehr als 80\u00a0% der Gremien haben der\/die B\u00fcrgermeisterIn oder \u00c4mter der Gemeindeverwaltung den Vorsitz inne.<\/p>\n<p>Die Bilanz sieht hingegen etwas anders aus, wenn man auf die T\u00e4tigkeiten der Gremien blickt. Auf die Frage nach der Art der polizeilichen Beteiligung gab der Fragebogen f\u00fcnf Aktivit\u00e4ten (und ein Freitextfeld) vor. Die Antworten ergaben folgendes Bild:<\/p>\n<p><strong>Tabelle 3: Mitarbeit der Polizei in kriminalpr\u00e4ventiven Gremien<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"132\">Art der Mitarbeit<\/td>\n<td width=\"71\">Nennungen<\/td>\n<td colspan=\"4\" width=\"165\">Kumulative Nennungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Informationen geben<\/td>\n<td width=\"71\">284<\/td>\n<td rowspan=\"2\" width=\"41\">264<\/td>\n<td rowspan=\"3\" width=\"41\">&nbsp;<\/p>\n<p>257<\/td>\n<td rowspan=\"4\" width=\"41\">&nbsp;<\/p>\n<p>210<\/td>\n<td rowspan=\"5\" width=\"41\">&nbsp;<\/p>\n<p>190<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Beratung<\/td>\n<td width=\"71\">267<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Teilnahme<\/td>\n<td width=\"71\">279<\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Planung von Aktionen<\/td>\n<td width=\"71\">224<\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Beteiligung an Aktionen<\/td>\n<td width=\"71\">209<\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"132\">Sonstiges<\/td>\n<td width=\"71\">5<\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<td width=\"41\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>In 284 von 293 Gremien wurde die Polizei informierend t\u00e4tig. Bei zwei Dritteln aller Pr\u00e4ventionsr\u00e4te (190) war sie an allen Arten der Mitarbeit beteiligt. Ein \u00e4hnliches Bild ergaben die gesondert erhobenen Angaben zu gr\u00f6\u00dferen Pr\u00e4ventionsprojekten. Die Gremien meldeten insgesamt 251 gr\u00f6\u00dfere Projekte (wobei deren Definition den Gremien selbst \u00fcberlassen war). Bei 80 Projekten lagen deren Tr\u00e4gerschaft und\/oder Ausf\u00fchrung bei der Polizei. Nach diesen Angaben \u00fcbernimmt die Polizei zwar nicht die formelle F\u00fchrung in den Gremien, aber sie beteiligt sich aktiv und nahezu fl\u00e4chendeckend auf unterschiedliche Weise in die Pr\u00e4ventionsarbeit.<\/p>\n<p>Gefragt nach den besonderen Leistungen, die die Polizei in die Aktivit\u00e4ten der Pr\u00e4ventionsgremien einbringt, wurde 241 mal die Beteiligung an Informationsveranstaltungen, 123 mal die Teilnahme an Sportveranstaltungen, 110 mal Befragungen, 20 mal technische Pr\u00e4vention und 14 mal allgemeine \u00d6ffentlichkeitsarbeit genannt. Legt man diese Zahlen zugrunde, so sind in erster Linie nicht die exklusiven Befugnisse der Polizei f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsarbeit von Bedeutung, sondern ihr professionelles Expertenwissen.<\/p>\n<p>Die lokalen Gremien stellen zun\u00e4chst ein Instrument der Kommunikation dar. Das gilt in beide Richtungen: f\u00fcr die Mitteilungen der Polizei an die anderen Beteiligten und umgekehrt. Die Polizei ist in den Gremien in erster Linie als Expertin f\u00fcr Kriminalit\u00e4t gefragt. Das ist ihre professionelle Dom\u00e4ne. Die Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik oder \u00f6rtlicher Lagebilder geh\u00f6ren ebenso zum Standardrepertoire der Beratungen wie die polizeilichen Bewertungen von vorgetragenen Beschwerden\/Problemen oder von m\u00f6glichen Aktionen der Gremien. Zweifellos sichert ihr professioneller Status der Polizei in diesen Fragen ein erhebliches Gewicht; sie kann Thematisierungen anderer bekr\u00e4ftigen, sie kann aber auch \u2013 was h\u00e4ufig vorzukommen scheint \u2013 Beschwerden als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man aus dieser Perspektive durchaus sagen kann, dass die Gremien von der Polizei profitieren, gibt es auch pr\u00e4ventive Aktionen, die den Informationsfluss hin zur Polizei verbessern. Dazu tr\u00e4gt bereits die Teilnahme an den Gremiensitzungen bei. Denn deren Beratungen stellen auch einen niedrigschwelligen Zugang zur Polizei dar. Da in den Gremien viele Einrichtungen, Verb\u00e4nde und Gruppen vertreten sind, erh\u00e4lt die Polizei auf diesem Wege unmittelbaren Zugang und Kontakt zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Insofern wirken die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te als T\u00fcr\u00f6ffner, der es der Polizei erlaubt, ihr pr\u00e4ventives Expertenwissen an Multiplikatoren oder unmittelbar an die Zielgruppen (etwa in Schulen oder Altentagesst\u00e4tten) weiterzugeben. Schlie\u00dflich werden die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te auch als Mittel zur Realisierung rein polizeilicher Pr\u00e4ventionsprojekte genutzt. Typische Projekte aus dem polizeilichen Pr\u00e4ventionsrepertoire, die im Rahmen der Gremien umgesetzt werden, sind z.B. Mitternachts-Sportturniere, Fahrrad- und sonstige Eigentumscodierungen oder die Aktion \u201eWachsamer Nachbar\u201c.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus existieren einige Projekte, die darauf abzielen, den generellen Informationsfluss in Richtung Polizei zu verbessern: Dazu z\u00e4hlen etwa die Einrichtung von Hotlines und Notrufs\u00e4ulen, die Verteilung alter Handys mit Notruffreischaltung oder Kampagnen zur Steigerung der Zivilcourage, die regelm\u00e4\u00dfig mit der Botschaft versehen sind, nicht den Helden zu spielen, sondern die Polizei zu informieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Polizei stellen die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te also ein Mittel dar, das geeignet scheint, einige Defizite der Institution Polizei auszugleichen. Die Gremien liefern ein Podium f\u00fcr polizeiliche Einsch\u00e4tzungen und Ratschl\u00e4ge, sie erm\u00f6glichen, polizeiliche Pr\u00e4ventionsprojekte umzusetzen, und sie erh\u00f6hen den Informationsfluss in Richtung Polizei \u2013 wirken mithin der b\u00fcrokratischen Isolation des Apparates entgegen.<\/p>\n<h4>Pr\u00e4vention durch Repression<\/h4>\n<p>111 von 261 Gremien hatten Aktivit\u00e4ten entfaltet, die auf Repression und vermehrte Kontrollen abzielten. Mit 83 Nennungen lag der Schwerpunkt dieser Ma\u00dfnahmen im Ausbau von Kontrollen im \u00f6ffentlichen Raum. Hierzu z\u00e4hlen sowohl polizeiliche Pr\u00e4senz (die rund 20% der Gremien explizit erw\u00e4hnen) als auch die Streifen anderen uniformierten Personals (Kommunale Ordnungsdienste, Sicherheitswacht etc.). Da die Pr\u00e4ventionsgremien nicht allein durch \u201eeigene\u201c Aktivit\u00e4ten wirken, sondern auch durch die von ihnen \u201eangesto\u00dfenen\u201c Ma\u00dfnahmen der Beteiligten, kann man ihr (repressives) Handlungsspektrum nur erfassen, wenn auch jene T\u00e4tigkeiten mit einbezogen werden, die in direktem Zusammenhang mit den pr\u00e4ventiven Gremien stehen. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Pr\u00e4ventionsrat und beh\u00f6rdlichen Ma\u00dfnahmen ist in diesen F\u00e4llen unbestimmt. Meist handeln hier Beh\u00f6rden einzeln oder gemeinsam im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags. Dieses Handeln ist zwar formal ohne die kriminalpr\u00e4ventiven Gremien m\u00f6glich, wird aber durch deren Existenz erst erm\u00f6glicht oder zumindest erheblich erleichtert.<\/p>\n<p>Ein Forum f\u00fcr Kooperation zu bieten, ist die wichtigste Funktion der lokalen Pr\u00e4ventionsgremien. Diese auf Vernetzung zielende Zusammenarbeit kann sich allein auf Beh\u00f6rden beziehen, sie kann aber auch gemeinsames Handeln von \u00f6ffentlichen und privaten Akteuren f\u00f6rdern. Das gilt nicht nur f\u00fcr die sozial-unterst\u00fctzenden und informierenden Angebote, sondern das gilt auch f\u00fcr die lokal entwickelte Pr\u00e4vention mit den Mitteln der Repression. 179 der 293 befragten Gremien gaben an, dass es im Kontext ihrer Arbeit zu polizeilichen Aktivit\u00e4ten gekommen sei. 120 mal wurden verst\u00e4rkte polizeiliche Pr\u00e4senz, Fu\u00dfsteifen, mobile Wachen, gemeinsame Streifen etc. genannt, in 53 F\u00e4llen kam es zu einer verbesserten Zusammenarbeit mit der Polizei, 52 mal war die polizeiliche T\u00e4tigkeit auf eine bestimmte Veranstaltung bezogen, 46 Gremien verwiesen auf Veranstaltungen, bei denen die Polizei als Sicherheitsexpertin in Erscheinung getreten war, und schlie\u00dflich wurde eine Intensivierung der Strafverfolgung (etwa Razzien gegen die Rauschgiftszene) auf 18 Frageb\u00f6gen angegeben.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4ventionsgremien stehen nicht im Zentrum repressiver Ma\u00dfnahmen, aber von ihnen gehen h\u00e4ufig entsprechende Impulse aus, sie bilden den institutionellen Rahmen der Kooperation oder sie tragen zu deren Akzeptanz bei. Die folgenden f\u00fcnf Bereiche stehen beispielhaft f\u00fcr das Spektrum pr\u00e4ventiv begr\u00fcndeter Kontroll- und Bestrafungsstrategien, die im Kontext der Gremien entstanden:<\/p>\n<ul>\n<li>In den 90er Jahre wird der \u00f6ffentliche Raum in den St\u00e4dten zum kriminalpolitischen Thema. In den Gemeinden wird das lokale Ordnungsrecht als Instrument gegen unerw\u00fcnschte Randgruppen entdeckt. Nachdem Anfang der 70er Jahre die letzten st\u00e4dtischen Polizeien verstaatlichen worden waren, bauen nun die St\u00e4dte uniformierte Ordnungsdienste auf. Teilweise werden bei den Polizeien neue \u201eFreizeitpolizistInnen\u201c angestellt (Sicherheitswacht, Freiwilliger Polizeidienst), die im \u00f6ffentlichen Raum patrouillieren sollen. Es entstehen neue Formen der Arbeitsteilung zwischen dem uniformierten Personal von St\u00e4dten, Bundesl\u00e4ndern und Bund. Die Pr\u00e4ventionsgremien spielen f\u00fcr diese beh\u00f6rdliche Zusammenarbeit eine untergeordnete Rolle. Meist sind sie nur passiv beteiligt, indem sie \u00fcber \u00dcbereink\u00fcnfte und deren allgemeine Ziele informiert werden.<\/li>\n<li>Das Drogenproblem ist das h\u00e4ufigste Thema der kriminalpr\u00e4ventiven Gremien. In jedem dritten der 154 Pr\u00e4ventionsr\u00e4te, die \u00fcber Arbeitsgruppen verf\u00fcgen, gab es eine Arbeitsgruppe zum Thema \u201eDrogen\/Sucht\u201c. Die bekannteste derartige AG ist die \u201eMontagsrunde\u201c in Frankfurt am Main.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Diese bestand bereits seit 1988 und wurde dem 1996 gegr\u00fcndeten Frankfurter Pr\u00e4ventionsrat nachtr\u00e4glich zugeordnet, ohne dass dies ihre Arbeit ver\u00e4ndert h\u00e4tte. Die Montagsrunde war urspr\u00fcnglich auf Initiative des Polizeipr\u00e4sidenten entstanden, der einen Ansprechpartner auf Seiten der Stadt suchte, weil er die Alleinverantwortlichkeit f\u00fcr die offene Drogenszene nicht l\u00e4nger tragen wollte. Die Montagsrunde entwickelte einen Strategie mit den Elementen Repression und Pr\u00e4vention, \u00dcberlebenshilfe und Therapie, die unter anderem die Einrichtung von \u201eFixerr\u00e4umen\u201c einschloss. Die Polizei begr\u00fc\u00dfte die Einrichtung dieser R\u00e4ume, weil sie das Kontrollproblem entsch\u00e4rfte. Die Kontrolle und Zerstreuung der offenen Szene wurde gleichwohl mit erheblichem polizeilichem Aufwand fortgesetzt. Hilfsangebote und Kontrolldruck sind die beiden Seiten des \u201eFrankfurter Weges\u201c. Sein Ziel besteht nicht in einer L\u00f6sung des Drogenproblems, sondern darin, dessen Auswirkungen im \u00f6ffentlichen Stadtraum weniger sichtbar werden zu lassen.<\/li>\n<li>Mitunter kumulieren lokale Sicherheitsprobleme in verschiedenen st\u00e4dtischen R\u00e4umen. Das k\u00f6nnen einzelne Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze oder auch nur einzelne Geb\u00e4udekomplexe sein. Sofern sich die kriminalpr\u00e4ventiven Gremien diesen Orten annehmen, ist ein breites Spektrum der Interventionen feststellbar: Sie reichen von massivem Einsatz polizeilicher und strafrechtlicher Mittel<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> bis zu baulichen und sozialen Interventionen, die polizeiliches Einschreiten \u00fcberfl\u00fcssig machen \u2013 wie etwa im L\u00fcbecker \u201eHudekamp\u201c.<\/li>\n<li>Ein gutes Beispiel f\u00fcr die neuen Ressourcen, die den lokalen Netzwerken erwachsen, ist das Mannheimer Platzverweisverfahren zur Unterbindung der Stra\u00dfenprostitution im Sperrbezirk. Da sich die (drogenabh\u00e4ngigen) Prostituierten unbeeindruckt von polizeilichen Ma\u00dfnahmen zeigten, richtete sich das Platzverweisverfahren gegen die Freier. Polizeibeamtinnen wurden als Lockv\u00f6gel auf die einschl\u00e4gig bekannten Stra\u00dfen geschickt. Wurden sie von M\u00e4nnern mit entsprechender Absicht angesprochen, so wurde den M\u00e4nnern ein Platzverweis erteilt. Die Aufgabe der Polizei bestand darin, die Identit\u00e4t der Freier festzustellen. Der Platzverweis wurde vom st\u00e4dtischen Ordnungsamt erteilt und mit der Post zugestellt. Denn die eigentliche Sanktion sollte darin bestehen, die Lebenspartnerin des Freiers \u00fcber dessen Verhalten zu unterrichten.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend viele Kooperationsformen, die aus den Netzwerken entstehen, kontrollierend-strafende und helfende Elemente aufweisen \u2013 Druckr\u00e4ume in Frankfurt, Therapieangebote in Frankfurt und Mannheim, ein Jugendb\u00fcro in Sossenheim \u2013, gibt es andere Projekte, die allein auf repressive Ma\u00dfnahmen setzen. Die Frankfurter \u201eGemeinsame Arbeitsgruppe Intensivt\u00e4ter\u201c, die aus Beamten der Polizei und des st\u00e4dtischen Ordnungsamtes besteht, ist ein typisches Beispiel f\u00fcr diesen Interventionstypus. Das Ziel dieser dem Pr\u00e4ventionsrat zugeordneten Einrichtung besteht darin, erkannte \u201eIntensivt\u00e4ter\u201c \u2013 und das waren ausschlie\u00dflich nicht-deutsche Jugendliche \u2013 m\u00f6glichst umgehend aus der Bundesrepublik weg in den Staat ihrer Nationalit\u00e4t zu schaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch f\u00fcr das repressive \u201eKerngesch\u00e4ft\u201c der Polizei weisen die kriminalpr\u00e4ventiven Kontexte einige Vorteile auf: Sie gewinnt auf lokaler Ebene Partner, die nicht nur Mitverantwortung \u00fcbernehmen, sondern die eigene Ressourcen in die \u201eProbleml\u00f6sung\u201c einbringen. Damit wird die Polizei doppelt entlastet: von einer ausschlie\u00dflich auf sie gerichteten Anspruchshaltung der Bev\u00f6lkerung und von Aufgaben, auf die sie nicht angemessen reagieren kann. Gleichzeitig erh\u00e4lt sie die Chance, ihre eigenen M\u00f6glichkeiten gezielt einzusetzen und in ihrer Wirkung mit den Instrumenten der Kooperationspartner zu optimieren.<\/p>\n<h4>B\u00fcrgerorientierte Polizei oder polizeinaher B\u00fcrger?<\/h4>\n<p>Mit der lokalen Kriminalpr\u00e4vention ging die Hoffnung einher, auf diesem Wege k\u00f6nne die \u201eB\u00fcrgerorientierung\u201c der Polizei gest\u00e4rkt werden. Die lokalen Gremien weisen einige Strukturdefizite auf, die eine solche Wirkung unwahrscheinlich machen: Sie besitzen keine demokratische Legitimation und keine Entscheidungsbefugnisse, ihre Zusammensetzung ist nicht repr\u00e4sentativ. Ihr institutioneller Kern besteht aus Beh\u00f6rden. Dass eine solche Konstellation zu mehr B\u00fcrgern\u00e4he f\u00fchren k\u00f6nnte, ist unwahrscheinlich. Aus der Praxis der Gremien ergibt sich nur eine sehr einseitige \u201eB\u00fcrgerorientierung\u201c der Polizei: Die B\u00fcrgerInnen werden als Informationsquellen f\u00fcr die Polizei und als Adressaten polizeilicher Botschaften betrachtet. Sofern die anderen Beteiligten \u00fcberhaupt Anspr\u00fcche an die Polizeiarbeit formulieren, sind das Forderungen nach vermehrter polizeilicher Pr\u00e4senz und besserer Erreichbarkeit polizeilicher Dienststellen.<\/p>\n<p>Am Schicksal beider Forderungen wird eine weitere Funktion der Pr\u00e4ventionsr\u00e4te deutlich: Sie sind Foren polizeilicher Selbstdarstellung, die der Polizei Gelegenheit geben, die Grenzen ihrer M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen und die Anspr\u00fcche der B\u00fcrgerInnen als nicht erf\u00fcllbar zur\u00fcckzuweisen. Den B\u00fcrgerInnen bleibt nur die Einsicht in die lokal unver\u00e4nderlichen Rahmenbedingungen: \u00dcber die Zahl der PolizistInnen oder \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe und den Ort der Reviere beispielsweise entscheidet das Land und nicht die Kommune. So steht am Ende der B\u00fcrgerorientierung Verst\u00e4ndnis in die polizeilichen Handlungszw\u00e4nge. Dass die Strukturen der Polizei ge\u00e4ndert werden m\u00fcssten, wenn man es mit einer b\u00fcrgerorientierten Sicherheitsstrategie ernst meinte, das steht au\u00dferhalb des Horizonts der lokalen Pr\u00e4ventionsgremien.<\/p>\n<p>Dass grunds\u00e4tzliche Probleme hinter dem Pr\u00e4ventionspragmatismus zur\u00fcckstehen, zeigt sich auch am Umgang mit dem Legalit\u00e4tsprinzip. Denn polizeiliche T\u00e4tigkeit ersch\u00f6pft sich h\u00e4ufig nicht in ihrem repressiv-gefahrenabwehrenden Kerngesch\u00e4ft, sondern greift vielfach \u00fcber in helfende, eher sozialarbeiterische T\u00e4tigkeiten. Durch diese Art von Umgang mit der Klientel \u2013 sei es die Begleitung eines Mitternachtsturniers oder eine Unterrichtseinheit in der Schule (etwa die in einigen L\u00e4ndern praktizierte \u201ePr\u00e4vention im Team\u201c) \u2013 k\u00f6nnen Informationen anfallen, die ein Abw\u00e4gen zwischen der Pflicht zur Strafverfolgung und dem Vertauen gegen\u00fcber der Klientel erforderten \u2013 eine Abw\u00e4gung, die bekanntlich der Polizei nicht zusteht. Dieser Konflikt zwischen helfendem und strafendem Anspruch wird konzeptionell ausgeblendet. Seine L\u00f6sung bleibt \u2013 mit ungewissem Ausgang \u2013 den PraktikerInnen vor Ort \u00fcberlassen.<\/p>\n<h4>Von Nutzen \u2013 f\u00fcr wen?<\/h4>\n<p>F\u00fcr alle Beteiligten ist die Mitarbeit der Polizei an den lokalen Pr\u00e4ventionsgremien zentral. Sie hat die Fachkompetenz in Fragen von Kriminalit\u00e4t und Sicherheit; sie hat Erfahrungen mit verschiedenen Interventionsstrategien, und sie hat Ressourcen, die zu pr\u00e4ventiven Zwecken eingesetzt werden k\u00f6nnen. Aus Sicht der Polizei haben die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te eine Reihe von Vorz\u00fcgen: Sie schaffen eine Plattform f\u00fcr die polizeiliche Aufkl\u00e4rungsarbeit, sie geben Gelegenheit der Selbstdarstellung und f\u00fcr polizeiliche Interpretationen der Wirklichkeit; schlie\u00dflich helfen sie bei der Umsetzung polizeilicher Pr\u00e4ventionsprojekte.<\/p>\n<p>Das Themen- und Aktionsspektrum der pr\u00e4ventiven Gremien weist eine gro\u00dfe Spannweite auf. Zum Teil erscheint es als eine Variante allgemeiner Sozial- und Sanierungspolitik unter der Fahne vermuteter kriminalpr\u00e4ventiver Wirkungen. Zum Teil handelt es sich um eher symbolischen Aktionismus mit ungewissen Wirkungen. Zum Teil handelt es sich aber auch um eine forcierte, weil von verschiedenen Instanzen koordiniert betriebene Kontrolle und Repression. Lokale \u201eKriminalpr\u00e4vention\u201c ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer weichen, die Kommune gestaltenden Politik, sondern sie ist begleitet von strafenden und mit Strafe drohenden Arrangements. Da die Chancen, die Ursachen lokal sichtbarer Probleme mit lokalen M\u00f6glichkeiten anzugehen, in den meisten F\u00e4llen gering sind, bleibt die repressive Alternative als realistischer und wahrscheinlichster Ausweg \u2013 wenn mehr bewirkt werden soll als gutgemeinte Ratschl\u00e4ge und symbolische Rhetorik. Definitionsmacht und Handlungsoptionen der Polizei und ihrer (neuen) Partner werden durch die \u201epr\u00e4ventiven\u201c Netzwerke weiter gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4ventionsgremien tragen zweifellos zur \u201eVerpolizeilichung\u201c gesellschaftlicher Problemlagen bei. Denn \u00fcber die ihr zugeschriebene und von ihr selbst reklamierte Fachkompetenz liegt die wichtigste Definitionsmacht bei der Polizei. Aber der Horizont der Gremien ist mehrfach begrenzt: Nur ein kleiner Ausschnitt aus der Gemeinde ist beteiligt, h\u00e4ufig sind die pr\u00e4ventiven Aktivit\u00e4ten in der \u00d6ffentlichkeit kaum bekannt. Den Gremien selbst fehlen Ressourcen f\u00fcr wirkungsvolle Aktionen. Und die meisten Ma\u00dfnahmen werden von den Beteiligten als eigene Aufgaben erbracht. Die Pr\u00e4ventionsr\u00e4te sind in diesem Kontext nicht mehr als eine Kontaktb\u00f6rse, ein Informationsforum und eine Veranstaltung gegenseitiger Legitimationsbeschaffung. Dies gilt auch f\u00fcr die Polizei. Pr\u00e4ventionsr\u00e4te sind f\u00fcr sie Instrumente, Akzeptanz und Resonanz zu schaffen.<\/p>\n<p>Nicht fl\u00e4chendeckend, aber im Hinblick auf bestimmte Ph\u00e4nomene, soziale Gruppen und Sozialmilieus k\u00f6nnen die Pr\u00e4ventionsgremien auch zu versch\u00e4rften polizeilich-repressiven Ma\u00dfnahmen beitragen. Das gilt dort, wo die in den Gremien thematisierten Probleme mit den polizeilichen Problemdefinitionen \u00fcbereinstimmen. Unter dieser Bedingung \u2013 Jugendliche im \u00f6ffentlichen Raum, offene Drogenszenen, ausl\u00e4ndische Intensivt\u00e4ter \u2013 f\u00fchrt Pr\u00e4vention zu mehr Repression, f\u00fcr die das Netz der lokalen Gremien den institutionellen Rahmen bilden.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Boers, K.: Ravensburg ist nicht Washington., in: Neue Kriminalpolitik 1995, H. 1, S. 16-21 (21)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Heinz, W.: Kriminalpr\u00e4vention auf kommunaler Ebene, in: Jehle, J.-M. (Hg.): Kriminalpr\u00e4vention und Strafjustiz, Wiesbaden, S. 55-110 (72)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Kerner, H.-J.: Kriminalpr\u00e4vention. Ausgew\u00e4hlte strukturelle \u00dcberlegungen, in: Kriminalistik 1994, H. 3, S. 171-178 (178)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Baden-W\u00fcrttemberg, Landeskriminalamt (Hg.): Kommunale Kriminalpr\u00e4vention, Stuttgart 1996, S. 29f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Dreher, G.: Kommunale Kriminalpr\u00e4vention: Anliegen, Grundgedanken und Ertrag bisheriger Bem\u00fchungen, in: Die Polizei 1996, H. 7, S. 173-182 (175)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 IMK: Programm Innere Sicherheit. Fortschreibung 1994, Potsdam 1993, S. 6<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 exemplarische Zielbeschreibung bei Kranz, U.: Zur Gestaltung Kommunaler Kriminalpr\u00e4vention in Th\u00fcringen, in: Kury, H. (Hg.): Konzepte Kommunaler Kriminalpr\u00e4vention, Freiburg i. Br., S. 553-562 (561)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Feltes, T.: B\u00fcrgernahe Polizeiarbeit \u2013 neuer Wein in alten Schl\u00e4uchen?, in: Hammerschick, W.; Karazman-Morawetz, I.; Stangl, W. (Hg.): Die sichere Stadt, Baden-Baden 1996, S. 125-148 (130f.)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Zusammenfassung der Kritik bei Schwind, H.-D.: Kriminologie, Heidelberg 2002, 157<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u00a0 s. die Darstellung der Untersuchung und der f\u00fcr die Polizeibeteiligung relevanten Ergebnisse: P\u00fctter, N.: Polizei und kommunale Kriminalpr\u00e4vention, Frankfurt\/M. 2006<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u00a0\u00a0 Ob es sich tats\u00e4chlich um Thematisierungen mit Sicherheitsbezug handelte, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Suchtprobleme sind zumindest prim\u00e4r keine der Sicherheit, sondern der Gesundheit.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> \u00a0 s. Beste, H.: Morphologie der Macht, Opladen 2000, S. 187-246<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> \u00a0 z.B. die Aufl\u00f6sung eines informellen Jugendtreffs in Frankfurt-Sossenheim, s. P\u00fctter, N.: Verunsichern, verdr\u00e4ngen, wegsperren, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 2005, H. 2 (81), S. 36-43<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Norbert P\u00fctter In den 90er Jahren erlebte die Kriminalpr\u00e4vention auf \u00f6rtlicher Ebene eine ungeahnte<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,92],"tags":[774,1147,1357,1498],"class_list":["post-7441","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-086","tag-innenministerkonferenz","tag-praeventionsraete","tag-staatliches-gewaltmonopol","tag-verpolizeilichung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7441\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}