{"id":7450,"date":"2007-02-17T19:15:40","date_gmt":"2007-02-17T19:15:40","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7450"},"modified":"2007-02-17T19:15:40","modified_gmt":"2007-02-17T19:15:40","slug":"zweifelhafte-tuerkische-garantien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7450","title":{"rendered":"Zweifelhafte t\u00fcrkische Garantien"},"content":{"rendered":"<p>Am 23. Januar 2007 bewilligte das schweizerische Bundesgericht die Auslieferung von Mehmet Esiyok in die T\u00fcrkei \u2013 vorbehaltlich der ausstehenden Entscheidung \u00fcber Esiyoks Asylantrag und vorbehaltlich f\u00f6rmlicher \u201eMenschenrechtsgarantien\u201c der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Das Bundesgericht lie\u00df die Auslieferung nur f\u00fcr einen der rund drei\u00dfig im t\u00fcrkischen Auslieferungsersuchen enthaltenen Anklagepunkte zu: Danach soll Esiyok 1995 zusammen mit anderen Mitgliedern der PKK die Ermordung eines Dorfw\u00e4chters angeordnet haben. Alle anderen Tatvorw\u00fcrfe seien entweder verj\u00e4hrt oder \u201ezu wenig konkretisiert\u201c. Obwohl sie in einem Strafverfahren in der T\u00fcrkei also nicht ber\u00fccksichtigt werden d\u00fcrften, dienen sie dem Bundesgericht als Beleg daf\u00fcr, dass Esiyok nicht als \u201elegitimer Widerstandsk\u00e4mpfer\u201c anzusehen sei. Zudem habe der schweizerische Inlandsgeheimdienst, der Dienst f\u00fcr Analyse und Pr\u00e4vention, im einem Gutachten vom M\u00e4rz 2006 dargelegt, dass die PKK, deren ZK Esiyok seit 1995 angeh\u00f6rte, seit 1993 in der BRD und sp\u00e4ter in der EU insgesamt als \u201eterroristische Vereinigung\u201c verboten gewesen sei. Dass die Schweiz diese Kriminalisierung bewusst nicht nachvollzogen hat, nimmt das Gericht nicht zur Kenntnis.<!--more--><\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es in der Entscheidung, Berichte \u00fcber die fortdauernde Folterpraxis des t\u00fcrkischen Staates seien \u201enicht leicht zu nehmen\u201c. Sie seien aber auch kein Grund generell auf Auslieferungen zu verzichten. Auch Staaten, die \u201eeine dramatische B\u00fcrgerkriegsgeschichte zu bew\u00e4ltigen haben und die noch nicht auf eine gefes\u00adtigte rechtsstaatliche Tradition zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen\u201c, h\u00e4tten Anspruch auf Rechtshilfe zur Verfolgung von schweren Straftaten oder terroristischen Anschl\u00e4gen. Die T\u00fcrkei m\u00fcsse daf\u00fcr \u201epraktikable Garantieerkl\u00e4rungen\u201c abgeben, d.h. der schweizerischen Botschaft in Ankara die Beobachtung des Prozesses und jederzeitige Haftbesuche erlauben. Bereits im Juli 2006 hatte die T\u00fcrkei dem Bundesamt f\u00fcr Justiz (BJ) erste Zusicherungen gegeben, sie hat nun auch die Forderungen des Bundesgerichts akzeptiert<\/p>\n<p>Ihre Bereitschaft zur Abgabe solche Zusicherungen ist neu. Sie geht nicht nur auf das Dr\u00e4ngen des BJ, sondern \u2013 wie dem Bundesgerichtsurteil zu entnehmen ist \u2013 auch auf \u201everschiedene bilaterale politische und technische Konsultationen\u201c zur\u00fcck, die offenbar vom schweizerischen Au\u00dfenministerium (EDA) gef\u00fchrt wurden. Esiyoks\u00a0 Anw\u00e4lte glauben weder, dass die T\u00fcrkei ihre Zusagen einh\u00e4lt, noch dass die Schweizer Botschaft willens und in der Lage sei, dies zu kontrollieren. Esiyok sitzt in Auslieferungshaft, seit er im Dezember 2005 auf dem Flughafen Z\u00fcrich sein Asylgesuch stellte. Ende Januar ist er in den Hungerstreik getreten.<\/p>\n<p><em>Quellen: Bundesgerichtsentscheidung 1A 181\/2006, s.a. www.augenauf.ch\/esiyok<\/em><\/p>\n<p>(Heiner Busch)<\/p>\n<p>*\u00a0www.bundestag.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 23. 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