{"id":7551,"date":"2008-12-17T21:04:50","date_gmt":"2008-12-17T21:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7551"},"modified":"2008-12-17T21:04:50","modified_gmt":"2008-12-17T21:04:50","slug":"polizisten-soldaten-und-gendarmen-polizeiliche-auslandseinsaetze-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7551","title":{"rendered":"Polizisten, Soldaten und Gendarmen &#8211;\u00a0Polizeiliche Auslandseins\u00e4tze der EU"},"content":{"rendered":"<h3>von Mark Holzberger<\/h3>\n<p><strong>Die Formen des polizeilichen Einsatzes im Ausland werden immer vielf\u00e4ltiger. Die Trennung zwischen Polizei und Milit\u00e4r verschwimmt hierbei zusehends.<\/strong><\/p>\n<p>Seit Ende der 90er Jahre hat die EU systematisch die konzeptionellen, materiellen und personellen Grundlagen f\u00fcr eine deutliche Ausweitung ihrer polizeilichen Krisenmanagement-Operationen geschaffen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Auf seiner Tagung in Nizza im Dezember 2000 beschloss der Europ\u00e4ische Rat zwei Arten polizeilicher Auslandsmissionen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Bei \u201eStrengthening of Local Police Missions\u201c geht es um die Beobachtung, Beratung und das Training der lokalen Polizei. Die aus der EU entsandten PolizistInnen haben dabei keine Exekutivaufgaben. Dies ist hingegen bei \u201eSubstitutions Missions\u201c der Fall. Hier treten die EU-Polizeieinheiten an die Stelle der lokalen Polizei, die erst (wieder) aufgebaut werden soll.<!--more--><\/p>\n<p>Seit dem Gipfel von Nizza unterscheidet die EU auch zwei Ein\u00adsatzformen: Formed Police Units (FPU) und Integrated Police Units (IPU). Bei Ersteren handelt es sich um geschlossene, bewaffnete Polizeihundertschaften, die \u2013 vornehmlich in UN-Eins\u00e4tzen \u2013 die L\u00fccke zwischen lokaler Polizei und UN-Blauhelmen schlie\u00dfen sollen. Zu ihren Aufgaben geh\u00f6ren neben dem (Selbst-)Schutz der zivilen Polizei auch die Sicherung von Grenzen und Gef\u00e4ngnissen sowie die Eind\u00e4mmung gewaltt\u00e4tiger Massenproteste (Crowd Control). Mitte 2006 hatten die UN 27 FPUs mit jeweils 125 Polizeikr\u00e4ften im Einsatz.<\/p>\n<p>IPUs hingegen m\u00fcssen das gesamte Spektrum polizeilicher Aufgaben im internationalen Einsatz erf\u00fcllen: Training und Ausbildung der lokalen Polizei, Durchf\u00fchrung kriminalpolizeilicher Aufgaben, Grenz\u00fcberwachung, Informationsbeschaffung (Intelligence) sowie die Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Anders als die FPU, k\u00f6nnen IPUs \u2013 z.B. in der Fr\u00fchphase einer Intervention \u2013 notfalls auch unter ein milit\u00e4risches Kommando gestellt werden.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Deutschland beteiligt sich daher (bislang) an IPU-Eins\u00e4tzen nicht.<\/p>\n<p>Auf der \u201ePolice Capabilities Commitment Conference\u201c im November 2001 hatten die Mitgliedstaaten zugesagt, bis zum Jahre 2003 rund 1.400 PolizistInnen f\u00fcr eine Verlegung ins Ausland binnen drei\u00dfig Tagen bereitzustellen \u2013 darunter 13 IPU-Einheiten, denen insgesamt 1.112 PolizistInnen mit milit\u00e4rischem Status angeh\u00f6ren sollten.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<h4><strong>Deutsche Beteiligung an internationalen Polizeimissionen<\/strong><\/h4>\n<p>Seit 1989 nimmt der damalige Bundesgrenzschutz, die heutige Bundespolizei (BPOL), an internationalen Eins\u00e4tzen im Rahmen der UN, der EU\/WEU bzw. der OSZE teil: Den Eins\u00e4tzen in Namibia (1989), Kambodscha (1992) und Westsahara (1996) folgten u.a. neun Missionen auf dem Balkan (ab 1996). Seit 1994 werden auch BeamtInnen der L\u00e4nderpolizeien und des Bundeskriminalamtes (BKA) entsandt (zu den aktuell laufenden Eins\u00e4tzen siehe Tabelle).<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df einem Bund-L\u00e4nder-Eckpunktepapier vom 27.\u00a0Juni 2001 stellt Deutschland f\u00fcr Auslandsmissionen insgesamt 910 Polizeikr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung. Davon k\u00f6nnen neunzig innerhalb von drei\u00dfig Tagen aufgeboten werden. F\u00fcr ihre Beteiligung an diesem Kontingent haben Bund und L\u00e4nder zwei Stufen vorgesehen: In der ersten Stufe werden bis zu 450 BeamtInnen zu einem Drittel vom Bund (BPOL und BKA) und zu zwei Dritteln von den L\u00e4ndern gestellt. In der zweiten \u2013 ab der 451. BeamtIn \u2013 stellen Bund und L\u00e4nder dann jeweils die H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Tab.: Aktuelle Auslandsmissionen deutscher Polizeibeh\u00f6rden<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"167\"><strong>UN-Missionen<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>BPOL\/BKA<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>L\u00e4nderpolizei<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>Gesamt<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">UNMIK (Kosovo)<\/td>\n<td width=\"82\">30<\/td>\n<td width=\"82\">91<\/td>\n<td width=\"82\">121<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">UN MIS (Sudan)<\/td>\n<td width=\"82\">1<\/td>\n<td width=\"82\">4<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">UNAMID (Darfur)<\/td>\n<td width=\"82\">2<\/td>\n<td width=\"82\">3<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">UN MIL (Liberia)<\/td>\n<td width=\"82\">3<\/td>\n<td width=\"82\">2<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">UNOMIG (Georgien)<\/td>\n<td width=\"82\">0<\/td>\n<td width=\"82\">2<\/td>\n<td width=\"82\">2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\"><strong>EU\/WEU-Missionen<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>BPOL\/BKA<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>L\u00e4nderpolizei<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>Gesamt<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EULEX (Kosovo)<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<td width=\"82\">20<\/td>\n<td width=\"82\">25<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EUPOL (Afghanistan)<\/td>\n<td width=\"82\">15<\/td>\n<td width=\"82\">18<\/td>\n<td width=\"82\">33<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EUPM (Bosnien)<\/td>\n<td width=\"82\">6<\/td>\n<td width=\"82\">9<\/td>\n<td width=\"82\">15<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EU MM (Georgien)<\/td>\n<td width=\"82\">13<\/td>\n<td width=\"82\">0<\/td>\n<td width=\"82\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EU BAM (Grenze Ukraine\/Moldau)<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<td width=\"82\">0<\/td>\n<td width=\"82\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">EUPOL COPPS (Pal\u00e4stina)<\/td>\n<td width=\"82\">0<\/td>\n<td width=\"82\">4<\/td>\n<td width=\"82\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\"><strong>Bilaterale Missionen<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>BPOL\/BKA<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>L\u00e4nderpolizei<\/strong><\/td>\n<td width=\"82\"><strong>Gesamt<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"167\">Projektteam Afghanistan<\/td>\n<td width=\"82\">11<\/td>\n<td width=\"82\">21<\/td>\n<td width=\"82\">32<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Quelle: Bundespolizei (Stand: 14.10.2008), www.bundespolizei.de<\/p>\n<p>Bislang hat Deutschland nur FPUs entsandt, also Beobachtungs- und Ausbildungskr\u00e4fte, die \u2013 bis auf die Mission im Kosovo \u2013 keine exekutiven Aufgaben hatten. Ein solcher Einsatz im Ausland erfolgt grunds\u00e4tzlich auf freiwilliger Basis. Deutsche Polizeieinheiten d\u00fcrfen nur in einem milit\u00e4risch sicheren Umfeld operieren und nicht unter eine milit\u00e4rische F\u00fchrung gestellt werden.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<h4><strong>Feldj\u00e4ger<\/strong><\/h4>\n<p>Eindeutig milit\u00e4rischen Charakter hat die Milit\u00e4rpolizei. In Deutschland geh\u00f6ren die acht Feldj\u00e4gerbataillone der Bundeswehr (mit ihren insgesamt 31 Kompanien) in diese Kategorie. Sie werden \u2013 z.B. als Bestandteil der NATO-Response-Forces \u2013 auch im Ausland eingesetzt. Sie fungieren hierbei nicht nur als Ordnungsdienst innerhalb der Bundeswehr, sondern \u00fcbernehmen auch polizeiliche Aufgaben \u2013 wenn rechtsstaatliche lokale Polizeikr\u00e4fte nicht verf\u00fcgbar sind und ein entsprechendes Mandat vorliegt. Allgemein sollen sie dann die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung wiederherstellen bzw. aufrechterhalten. Im Zuge dessen erledigen sie auch allgemeine polizeiliche Ermittlungsaufgaben, f\u00fchren beweisfeste Hausdurchsuchungen, Zugriffsoperationen und Festnahmen durch, \u00fcberwachen Ausgangssperren bzw. setzen sie durch und leisten Unterst\u00fctzung im Gefangenenwesen. \u201eIn besonderem Ma\u00dfe\u201c aber \u2013 so die \u201eStreitkr\u00e4ftebasis 2006\u201c \u2013 werden Feldj\u00e4ger auch bei der Eind\u00e4mmung gewaltt\u00e4tiger Proteste eingesetzt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Bislang unterst\u00fctzt aber nur ein Feldj\u00e4gerausbildungskommando mit 30 SoldatInnen in Afghanistan (unter dem Kommando der Bundeswehr) die Vermittlung polizeilicher Grundkenntnisse an die lokale Polizei.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<h4><strong>Die Grauzone<\/strong><\/h4>\n<p>Die \u201eEuropean Gendarmerie Force\u201c (EGF) wurde im September 2004 bezeichnenderweise auf dem informellen Gipfel der EU-Verteidigungs\u00administerInnen im niederl\u00e4ndischen Noordwijk gegr\u00fcndet. Sie setzt sich zusammen aus \u201ePolizeikr\u00e4ften mit milit\u00e4rischem Status\u201c aus f\u00fcnf EU-Mitgliedstaaten: der franz\u00f6sischen Gendarmerie, den italienischen Carabinieri, der niederl\u00e4ndischen Marechaussee, der portugiesischen Guarda Nacional Republicana und der spanischen Guardia Civil. Mit dem im Oktober 2007 unterzeichneten EGF-Vertrag<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> hat diese multinationale Truppe zwar eine eigene Rechtspers\u00f6nlichkeit, ist aber bis heute kein Bestandteil des Rechtsrahmens der EU.<\/p>\n<p>Die EGF ist keine stehende Formation, sondern eine schnelle Eingreiftruppe. Sie kann innerhalb eines Monats 800 Einsatzkr\u00e4fte mobilisieren, die auf 2.300 aufgestockt werden k\u00f6nnen. Sie ist in der Lage, eigenst\u00e4ndig, zusammen mit zivilen Polizeieinheiten, aber auch im direkten Verbund mit einer Milit\u00e4rpolizei zu agieren. Laut Art. 5 des Vertra\u00adges soll die EGF bei Eins\u00e4tzen der EU bzw. im Auftrag der UNO, der OSZE oder der NATO eingesetzt werden. Sie kann aber auch zugunsten so genannter Ad-hoc-Koalitionen wie im Irak t\u00e4tig werden. Innerhalb dessen ist die EGF in der Lage, in einer milit\u00e4risch nicht stabilisierten Umgebung einzugreifen, alle Aspekte und Phasen der \u201eKrisenbew\u00e4l\u00adti\u00adgung\u201c \u2013 vom Beginn einer Intervention bis zum Abzug des Milit\u00e4rs \u2013 abzudecken und dabei alle polizeilichen Aufgaben zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<h4><strong>Alte Bekannte<\/strong><\/h4>\n<p>Zwischen der EGF und den IPU-Kr\u00e4ften der EU bestehen gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten: Das Aufgabenprofil ist faktisch deckungsgleich. Beide sind keine stehenden, sondern mobilisierbare Einheiten und beide k\u00f6nnen auch unter milit\u00e4rischem Kommando arbeiten. Diese \u00c4hnlichkeit ist nicht verwunderlich. Man kennt sich. Schon 1994 hatten n\u00e4mlich Frankreich, Italien und Spanien die \u201eAssociation of the European and Mediterranean Police Forces and Gendarmeries with Military Status\u201c (FIEP) gegr\u00fcndet.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Mit dem Zusammenschluss wollen die milit\u00e4rischen Polizeibeh\u00f6rden der EU-Staaten in der EU Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Anliegen gewinnen (Art. 11 der FIEP-Statuten<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>) \u2013 offensichtlich mit Erfolg. So erkl\u00e4rt sich auch, dass ausgerechnet die FIEP-Mitgliedstaaten (und sp\u00e4teren EGF-Gr\u00fcndungsmitglieder) Spanien, Frankreich, Italien und Portugal als alleinige Truppensteller des IPU-Personals der EU fungieren.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Bei all diesen \u00c4hnlichkeiten mit den IPUs stellt sich die Frage nach dem tats\u00e4chlichen Mehrwert der EGF. Im Grunde hat diese n\u00e4mlich nur einen einzigen Vorteil: Sie verf\u00fcgt in einer Carabinieri-Kaserne im norditalienischen Vicenza \u00fcber ein kleines \u201ePermanentes Hauptquartier\u201c mit einem Kommandanten und einem 30-k\u00f6pfigen Offiziersstab.<\/p>\n<p>Ihre bislang erste und einzige Mission erf\u00fcllt die EGF derzeit im Rahmen der durch die Resolution 1575 des UN-Sicherheitsrates mandatierten EU-Mission \u201eAlthea\u201c in Bosnien-Herzegowina: Ende 2007 hat die EGF mit 140 Einsatzkr\u00e4ften in Sarajewo die Leitung des IPU-Haupt\u00adquartiers \u00fcbernommen. Letztlich aber handelt es sich hier um keinen Substitutions-, sondern um einen f\u00fcr die EGF eher untypischen Strengthening-Einsatz in einem milit\u00e4risch bereits weitgehend befriedeten Gebiet. Die spezifischen F\u00e4higkeiten der EGF werden hier wohl nicht zum Tragen kommen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>In die paramilit\u00e4rische Grauzone geh\u00f6ren auch die so genannten Multinational Specialized Units (MSU) der NATO, die ebenfalls aus Polizeikr\u00e4ften mit milit\u00e4rischem Status bestehen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Beim SFOR-Einsatz der NATO in Bosnien wurden seit 1998 insgesamt 600 MSU-Kr\u00e4fte (aus \u00d6sterreich, Ungarn, Italien, Rum\u00e4nien und der Slowakei) eingesetzt. Insbesondere bei so genannten Crowd Confrontation Operations f\u00fchrten die MSU integrierte Eins\u00e4tze mit Milit\u00e4reinheiten (den so genannten Battle groups<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>) durch. Hierbei versuchten die MSU innerhalb eines inneren Ringes (Blue Box) die Lage unter Kontrolle zu bringen. F\u00fcr den Fall einer Eskalation standen dann dahinter (Green Box) die Battle Groups zum Eingreifen bereit. Mit der Mandats\u00fcbergabe in Bosnien von der NATO (SFOR) an die EU (EUFOR) wurde der MSU- in einen IPU-Einsatz umgewandelt.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Inzwischen operieren MSU-Einheiten (u.a. aus den FIEP-Mit\u00adgliedstaaten Italien und Rum\u00e4nien) auch im Irak.<\/p>\n<p>Wie sehr IPUs, MSUs und die EGF miteinander verwoben sind, zeigt sich an der Karriere des derzeitigen EGF-Kommandeurs Giovanni Truglio, einem Offizier der italienischen Carabinieri: 2004 war er MSU-Kommandeur in Bosnien-Herzegowina, 2005 stand er an der Spitze der dortigen IPU-Einheit. 2006 \u00fcbernahm er wiederum ein MSU-Kom\u00admando, dieses Mal im Irak. Seit 2007 ist Truglio Chef der EGF und wird dies auch bis 2009 bleiben.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<h4><strong>Die Rolle der Milit\u00e4rpolizeien der EU<\/strong><\/h4>\n<p>Offiziell werden die Einheiten der EGF als \u201eEinsatzkr\u00e4fte zum Schutz der Inneren Sicherheit\u201c pr\u00e4sentiert, die allesamt \u201eunter der Kontrolle der jeweiligen Innenministerien\u201c st\u00fcnden.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Diese Darstellung \u2013 hier zitiert aus einem Bericht der Parlamentarischen Vertretung der WEU \u2013 ist nur zur H\u00e4lfte richtig: Es handelt sich hier um \u201ePolizeibeh\u00f6rden mit milit\u00e4rischem Status\u201c. F\u00fcr sie haben die jeweiligen Innenministerien nur eine Teilzust\u00e4ndigkeit \u2013 n\u00e4mlich dort, wo es um deren zivile polizeiliche T\u00e4tigkeit (als Ordnungsmacht f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum, als Grenzschutzbeh\u00f6rde oder als Transportpolizei) geht. Im Kern handelt es sich bei allen f\u00fcnf Mitgliedsorganisationen der EGF aber um Teilstreitkr\u00e4fte der Armee ihres Landes. Und als solche sind sie zuallererst auch dem Verteidigungsministerium unterstellt. Auch andere Aspekte ihrer inneren Struktur r\u00fccken diese Polizeiorganisationen in die N\u00e4he des Milit\u00e4rs: etwa ihre Kasernierung und Bewaffnung sowie der Einbezug von Wehrpflichtigen.<\/p>\n<p>Die Unklarheit bei der richtigen Einordnung dieser \u201ePolizeibeh\u00f6rden mit milit\u00e4rischem Status\u201c zeigt sich auch bei ihrer Einbindung in die zivile Polizeikooperation der EU: Mal werden z.B. die niederl\u00e4ndischen Marechaussee als \u201estate police\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> bezeichnet, mal als \u201emilitary police\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Vergleichsweise einheitlich \u2013 und inhaltlich eben wohl auch zutreffend \u2013 ist hingegen dort von \u201emilitary police\u201c die Rede, wo es um die Beteiligung der 2004 beigetretenen Staaten an den zivil-polizeilichen Netzwerken der EU geht: Eingabeberechtigt beim Schengener Informationssystem sind u.a. die \u201emilitary police forces\u201c Polens (\u00bbandarmeria Wojskowa)<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> und Litauens (Vie\u0161ojo Saugumo Tarnyba)<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a>. Polen meldete der EU, dass es auch Mitglieder seiner \u201emilitary police\u201c als Verdeckte Ermittler einsetzt.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Am polizeilichen Informationsaustausch im Rahmen des so genannten \u201eSchwedischen Rahmenbeschlusses\u201c sind u.a. auch die \u201emilitary police forces\u201c aus Tschechien,<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Litauen, Lettland und Polen<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> beteiligt. Und Malta schlie\u00dflich gibt als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde f\u00fcr die Kooperation mit Europol schlicht und einfach die \u201eArmed Forces\u201c an.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>In einem Punkt herrscht innerhalb der EU allerdings Klarheit: Wo es um polizeiliche Auslandseins\u00e4tze im Rahmen der Europ\u00e4ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) geht, spielen die Milit\u00e4rpolizeien im engeren Sinne (wie z.B. die deutschen Feldj\u00e4ger) keine Rolle. Br\u00fcssel ist hier ausschlie\u00dflich an zivilen Polizeieinheiten \u2013 einschlie\u00dflich solcher mit \u201emilit\u00e4rischem Status\u201c \u2013 interessiert. Diese sollen aber m\u00f6glichst flexibel eingesetzt werden k\u00f6nnen. Der EU geht es hierbei um Dreierlei: Sie will \u2013 erstens \u2013 polizeiliche Sub\u00adstituierungsmissionen in einem prek\u00e4ren Umfeld durchf\u00fchren k\u00f6nnen (so das \u201ezivile Planziel\u201c 2008).<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Sie will zweitens schnell entsendbare Polizeikr\u00e4fte zeitweilig einem milit\u00e4rischen Kommando unterstellen<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> und drittens Synergien mit Akteuren der so genannten 3.\u00a0S\u00e4ule der EU (namentlich Europol) bilden.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>Im Juni 2008 legte die hochrangig besetzte, informelle \u201eZukunftsgruppe\u201c ihren Bericht vor.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> F\u00fcr das n\u00e4chste F\u00fcnfjahresprogramm der EU-Innenpolitik (2010-2014) schl\u00e4gt sie darin unter anderem vor, die \u00dcberf\u00fchrung der EGF in den Rechtsrahmen der EU zu pr\u00fcfen (Rz.\u00a020 und 79). Bei Auslandseins\u00e4tzen sollten Streitkr\u00e4fte und Polizei auch in den Einsatzlagezentren gleichberechtigt zusammenarbeiten (Rz.\u00a080). Und schlie\u00dflich sollten sicherheitsrelevante Informationen zwischen Europol und den an einem Auslandseinsatz teil\u00adnehmenden Ein\u00adheiten m\u00f6glichst effizient ausgetauscht werden (Rz.\u00a022 und 81).<\/p>\n<p>Beim letztgenannten Punkt hat der Rat der Innen- und JustizministerInnen inzwischen auch schon \u201eN\u00e4gel mit K\u00f6pfen\u201c gemacht. Er beschloss Anfang Juni, die Verwaltungsvereinbarung \u00fcber den Austausch nicht-personenbezogener Daten zwischen Europol und den zivil-milit\u00e4rischen Auslandsmissionen der EU schnellstm\u00f6glich umzusetzen.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Ferner wollten die MinisterInnen bis Ende 2008 pr\u00fcfen, ob k\u00fcnftig auch personenbezogene Informationen weitergegeben werden sollten.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Hierzu liegt mittlerweile ein gemeinsames Positionspapier von Europol und dem Generalsekretariat des Rates vor.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>Noch im August hatte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken erkl\u00e4rt, sie habe bislang \u201ekeine Ma\u00dfnahme zur Umsetzung des o.g. Verwaltungsabkommens ergriffen oder geplant\u201c. Zudem s\u00e4he sie \u201ezurzeit keine Notwendigkeit, Mechanismen f\u00fcr den Austausch personenbezogener Daten zwischen Europol und zivilen ESVP-Missionen zu entwickeln.\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Wie lang diese Zusage wohl h\u00e4lt?<\/p>\n<h4><strong>Die Auslandshundertschaft der Bundespolizei<\/strong><\/h4>\n<p>Unmittelbar vor dem Ende der rot-gr\u00fcnen Koalition, im Juni 2005, hatte der damalige Bundesinnenminister Otto Schily mit dem Aufbau einer Auslandseinsatzhundertschaft (AEHu) zun\u00e4chst im nieders\u00e4chsischen Gifhorn begonnen. Diese sollte im Ausland als \u201egeschlossene Einheit\u201c (de facto also als FPU) in einem \u201esicheren Umfeld\u201c und \u201eunter zivilem Kommando\u201c agieren.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Derzeit umfasst diese Hundertschaft nur vierzig BundespolizistInnen. Im Zuge der Neuorganisation der BPOL wurde beschlossen, die Gifhorner Einheit nunmehr nach St. Augustin (in die Nachbarschaft zur GSG 9) umzusiedeln und dort als AEHu mit zwei Einsatzeinheiten umzustrukturieren.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Der Aufbau dieser AEHu ist unter zwei Gesichtspunkten kritisch zu beleuchten: zum einen hinsichtlich ihres Verh\u00e4ltnisses zur EGF und zum anderen in Bezug auf m\u00f6gliche R\u00fcckwirkungen auf die Innenpolitik.<\/p>\n<p>Zur ersten Frage: Die Unionsfraktion im Bundestag hatte im Mai 2005 gefordert, Deutschland solle sich an der EGF beteiligen.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Auch der damalige Verteidigungsminister Peter Struck bef\u00fcrwortete den Aufbau einer paramilit\u00e4risch strukturierten Einheit der Bundespolizei. Dem hatte jedoch Otto Schily widersprochen.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Somit gilt offiziell noch heute f\u00fcr die Bundesregierung: \u201eEin Einsatz der Bundespolizei unter milit\u00e4rischer F\u00fchrung kommt nach geltendem Recht nicht in Betracht. Eine Beteiligung der Bundespolizei an der EGF ist ausgeschlossen.\u201c<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a><\/p>\n<p>Gleichwohl \u00fcberlegt man im Bundesinnenministerium (BMI) durchaus, diese AEHu gegebenenfalls auch im Innern einzusetzen. Im November 2007 erkl\u00e4rte Staatssekret\u00e4r August Hanning in einem Interview mit dem \u201eBeh\u00f6rdenspiegel\u201c: \u201eWir haben vor, eine Einheit, die auch im Inland eingesetzt wird (!), auf Auslandseins\u00e4tze mit Zusatzqualifikationen vorzubereiten.\u201c<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<p>Solche \u00dcberlegungen m\u00fcssen aufhorchen lassen. Denn das Vorgehen des BMI erinnert doch ziemlich eindeutig an die ber\u00fchmte Salami-Taktik: Der eigentliche Aufbau der AEHu wird offiziell als FPU-Forma\u00adtion verkauft \u2013 obwohl das Anforderungsprofil der EU ganz eindeutig in Richtung von IPU-Kr\u00e4ften geht, die notfalls auch in milit\u00e4risch nicht befriedetem Gebiet und unter milit\u00e4rischem Kommando arbeiten sollen.<\/p>\n<p>Im April 2008 hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu Fragen der Auslandseins\u00e4tze ein vollmundiges Positionspapier herausgegeben.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> \u201eEine Remilitarisierung der heutigen Bundespolizei\u201c, so hei\u00dft es dort, sei \u201emit der GdP nicht zu machen\u201c. Die GdP lehnt eine \u201eVermischung polizeilicher Einsatzkr\u00e4fte mit milit\u00e4rischen Einheiten\u201c ebenso ab, wie die \u201eAufstellung einer Milit\u00e4rpolizei als Teil der Bundespolizei f\u00fcr Auslandseins\u00e4tze\u201c. Gleichwohl geht auch die GdP davon aus, dass deutsche PolizistInnen k\u00fcnftig verst\u00e4rkt auch in Krisenregionen eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund h\u00e4lt sie den \u201eAufbau und das Vorhalten geschlossener polizeilicher Einheiten\u201c f\u00fcr \u201ezwingend erforderlich\u201c. Diese sollten aufgrund einer entsprechenden Ausbildung und Ausr\u00fcstung in der Lage sein, auch \u201eschwierigste polizeiliche Lagen im Rahmen von Auslandseins\u00e4tzen zu bew\u00e4ltigen\u201c. Allerdings, schr\u00e4nkt die GdP ein, darf der Einsatz deutscher polizeilicher Einsatzkr\u00e4fte im Ausland \u201enur nach Beendigung von Kriegshandlungen erfolgen\u201c.<\/p>\n<p>Diese Stellungnahme der GdP liest sich gut \u2013 sie dr\u00fcckt sich aber um die entscheidende Frage, n\u00e4mlich ob (und wenn ja, wie) sich diese (von der GdP selbst geforderte) AEHu der BPOL in die Konzeption und das Anforderungsprofil der EU f\u00fcr letztlich paramilit\u00e4risch verf\u00fcgbare IPUs integrieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn man im BMI oder bei der GdP ernsthaft diese AEHu lediglich als Fortsetzung der bisherigen deutschen FPU-Einheiten konzipiert, die nur dazu ausgebildet und ausger\u00fcstet werden, um innerhalb eines Strengthening-Einsatzes u.a. effektiv gegen gewaltt\u00e4tige DemonstrantInnen vorzugehen, stellt sich zum einen die Frage des Mehrwerts dieses Ansatzes. Denn Crowd Control geh\u00f6rt doch l\u00e4ngst zum Standard-Repertoire von FPU-Einheiten. Zum anderen m\u00fcsste Berlin diesen nationalen Sonderweg in Br\u00fcssel so auch klarstellen \u2013 anstatt, wie bisher, den entsprechenden EU-Vorschl\u00e4gen kommentarlos zuzustimmen.<\/p>\n<h4><strong>Schlussbemerkung<\/strong><\/h4>\n<p>Au\u00dfenpolitisch werden polizeiliche Substituierungs-Eins\u00e4tze in einem (noch) nicht befriedeten Gebiet als Ausdruck einer m\u00f6glichst fr\u00fchzeitigen Zivilisierung eines milit\u00e4rischen Konflikts begr\u00fcndet. Innenpolitisch aber \u00fcberwiegt der Zweifel, ob das bisher verfolgte EU-Konzept richtig ist.<\/p>\n<p>Insbesondere die Geschichte der EGF zeigt (\u00e4hnlich wie bei Schengen und dem Pr\u00fcmer Vertrag), wie abgebr\u00fcht das Instrument der so genannten verst\u00e4rkten Zusammenarbeit inzwischen genutzt wird: Au\u00dferhalb des EU-Rahmens wird eine Struktur geschaffen, die im Zuge ihrer \u00dcberf\u00fchrung in den EU-Acquis nicht nur die Problemanalyse, sondern auch die Dynamik bei der Entwicklung operativer Handlungsvarianten auf lange Sicht pr\u00e4formiert \u2013 in diesem Fall einseitig in Richtung einer paramilit\u00e4rischen Option.<\/p>\n<p>Der Bundesgrenzschutz verlor 1994 endlich seinen Kombattanten-Status und wurde damit \u2013 nach jahrzehntelangem Bohren \u2013 endlich auch rechtlich entmilitarisiert.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> Jetzt droht eine Remilitarisierung der BPOL \u201edurch die Hintert\u00fcr\u201c. Wenn sich die Planungen von August Hanning und anderen durchsetzen, ist eine ganz neue Variante des von konservativer Seite seit Jahren geforderten milit\u00e4rischen Einsatzes im Innern zu erwarten: Dann k\u00f6nnte der Bund n\u00e4mlich \u2013 ohne Grundgesetz\u00e4nderung \u2013 Polizeihundertschaften im Inland einsetzen, die im Rahmen von IPU-Eins\u00e4tzen der EU im Ausland nicht nur (para-)milit\u00e4risch geschult worden sind, sondern auch \u00fcber eine entsprechende Kampferfahrung verf\u00fcgen.<\/p>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Unklare Rechtsstellung der \u201eFestgehaltenen\u201c<\/p>\n<p>Die deutsche Beteiligung an der EU-Milit\u00e4roperation steht unter der unausgesprochenen Pr\u00e4misse, die durch die Bundesmarine aufgebrachten Piraten einer Strafverfolgung in Deutschland m\u00f6glichst <em>nicht <\/em>zuzuf\u00fchren! Wegen der Zust\u00e4nde in Somalia f\u00fcrchtet das Innenministerium, eine unabsehbare Zahl von Piraten auch nach einer Strafverb\u00fc\u00dfung auf Dauer nicht mehr aus Deutschland abschieben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Bundestagsbeschluss sieht vor, dass die eingesetzten SoldatInnen Verd\u00e4chtige nicht formell festnehmen, sondern nur \u201efesthalten\u201c, \u201ein Gewahrsam nehmen\u201c und zur \u00dcbergabe an die zust\u00e4ndigen Strafverfolgungsorgane (weiter-)transportieren k\u00f6nnen. Zust\u00e4ndig sollen (analog zu Art.\u00a012 der Gemeinsamen Aktion der EU) entweder die Beh\u00f6rden Deutschlands, eines anderen EU-Staates oder \u201eaufnahmebereite Drittstaaten\u201c sein. W\u00fcrde ein unter deutscher Flagge fahrendes Schiff angegriffen, dann w\u00e4re zweifellos die deutsche Gerichtsbarkeit (konkret: die Staatsanwaltschaft Hamburg) betroffen.<\/p>\n<p>Die Marine k\u00f6nnte dann die festgehaltenen Personen an BPOL-Verbindungs\u00adbeamtInnen (z.B.\u00a0in Djibouti) zur f\u00f6rmlichen Festnahme und gegebenenfalls zum Transport nach Deutschland \u00fcbergeben. Es wird aber auch daran gedacht, Festgenommene im Zuge eines Kooperations\u00fcbereinkommens nach Kenia zu \u00fcberstellen oder beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag noch schnell eine Kammer zur Behandlung von Pirateriedelikten einzurichten. Die EU-Milit\u00e4roperation vor Somalia hat zwar bereits begonnen. Der rechtliche Status dabei festgenommener Personen (z.B.\u00a0ob sie tats\u00e4chlich von der Stellung eines Asylantrags ausgenommen werden k\u00f6nnen) und die Ausgestaltung und Gew\u00e4hrleistung eines effektiven Rechtsschutzes sind aber alles andere als klar.<\/p>\n<h5>Mark Holzberger<\/h5>\n<h6>Quellen<br \/>\nBundestagsbeschluss: BT-Drs. 16\/11337 v. 10.12.2008<br \/>\nGemeinsame Aktion 2008\/851\/GASP, in: Amtsblatt der EU L 301 v. 12.11.2008<br \/>\nAldenhoff, P.: Nobody asked me, but &#8230;, in: MarineForum 2008, H. 11, S. 7 f.<\/h6>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kritisch: Bunyan, T.; Busch, H.: Europ\u00e4isches Krisenmanagement, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 75 (2\/2003), S. 15-27; Fischer-Lescano, A.: Soldaten sind Polizisten sind Soldaten, in: Kritische Justiz 2004, H. 1, S. 69-83; Haydt, C.: Polizeisoldaten, in: IMI-Magazin, Februar 2007, S. 42-44; Affirmativ: Rummel, R.: Krisenintervention der EU mit Polizeikr\u00e4ften, Berlin (Stiftung Wissenschaft und Politik) August 2005<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok 14056\/2\/00 v. 14.12.2000<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Pr\u00e4zise Strukturmerkmale bzw. Aufgaben- und Kompetenzzuschreibungen f\u00fcr FPU- oder IPU Eins\u00e4tze der EU (gerade im Rahmen so genannter Substitutions Missions) sind nicht darstellbar, weil die relevanten Grundlagendokumente gesperrt sind, z.B. Standard IPU and FPU structures (Ratsdok. 9225\/06); Guidelines for Rapid Deployment of IPU (15956\/04); Concept of Substitutions Missions (8655\/1\/02); Guidelines for police Command and Control aspects of EU crisis management (7854\/02); Concept for rapid deployment of police elements in an EU-led substitution mission (8508\/2\/05).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 14056\/2\/00 v. 14.12.2000, S. 29<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ratsdok. 13831\/01 v. 12.11.2001<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.bundespolizei.de\/cln_109\/nn_249932\/DE\/Home\/__Startseite\/IPM\/Infoblaet<br \/>\nter\/__Infoblatt__ZKM,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\/_Infoblatt_ZKM.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 www.streitkraeftebasis.de<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 vgl. Kleine Anfrage der Linksfraktion, BT-Drs. 16\/6589 v. 9.10.2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 www.eurogendfor.org\/referencetexts\/EGF%20Treaty%20english%20version.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0\u00a0 www.fiep-asso.com; folgende Staaten sind diesem Club inzwischen beigetreten: Portugal (1996), T\u00fcrkei (1998), Niederlande und Marokko (1999) und Rum\u00e4nien (2002).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 www.fiep-asso.com\/common\/activities\/status.htm<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 13831\/01 v. 12.11.2001<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0\u00a0 So die Kritik von Hazdra, P.: Die European Gendarmerie Force, in: Europ\u00e4ische Sicherheit 2008, H. 7, S. 30-32 (32)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0\u00a0 www.otan.nato.int\/sfor\/factsheet\/msu\/t040809a.htm<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0\u00a0 M\u00f6lling, C.: EU-Battlegroups, in: SWP-Diskussionspapier 5\/2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0\u00a0 Noch heute setzt sich \u00fcbrigens eine der durch die EGF gef\u00fchrten Mobilen-IPU-Einheiten in Bosnien aus FIEP-KollegInnen der t\u00fcrkischen Jandarma Genel Komutanli\u011fi und der rum\u00e4nischen Jandarmeria Rom\u00e2n&gt; zusammen.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0\u00a0 www.eurogendfor.org\/egfpages\/commandercv.aspx<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0\u00a0 Assembly of the Western European Union: The Role of the EGF, Document A\/1928 v.\u00a021.6.2006, p. 10<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0\u00a0 z.B. beim Zugang der Marechaussee zum Schengener Informationssystem (Ratsdok. 6073\/3\/07 v. 23.7.2007, S. 45)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0 So der Verbindungsbeamte der Marechaussee bei Europol (Ratsdok. 7804\/08 v. 28.3.2008, S. 83 sowie 8698\/08 ADD 3 v. 29.7.2008, S. 43) oder bei der Einbindung der Marechaussee in den Pr\u00fcmer Vertrag (Ratsdok. 5473\/07 ADD 1 v. 22.1.2007 S. 129-145)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 6073\/3\/07 v. 23.7.2007, S. 53<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 12301\/08 v. 29.7.2008, S. 4<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 5001\/4\/08 v. 1.10.2008, S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 5590\/08 ADD 1 v. 23.1.2008, S. 5<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 13942\/1\/08 (Annex 4) v. 31.10.2008, S. 103<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 7804\/08 v. 28.3.2008, S. 82<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 15863\/04 v. 7.12.2004, S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 11013\/07 v. 19.6.2007, S. 7; wie IPUs unter ein milit\u00e4risches Kommando ge\u00adstellt bzw. sp\u00e4ter wieder in eine zivile Kommandokette eingegliedert werden k\u00f6nnen, wird z.B. in den seit 2002 stattfindenden \u201eEU Crisis Management Exercises\u201c immer wieder geprobt, vgl. Ratsdok. 11859\/08 v. 30.10.2008, S. 66 f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 11013\/07 v. 19.6.2007, S. 6<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a>\u00a0 Ratsdok. 11657\/08 v. 9.7.2008; siehe auch den Einleitungsbeitrag in diesem Heft auf S. 4-18; an der Gruppe nahm auch die franz\u00f6sische Innenministerin Michelle Alliot-Marie teil, die in ihrer fr\u00fcheren Funktion als Verteidigungsministerin die EGF \u201eerfunden\u201c hat.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 10817\/08 v. 17.06.08<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 9956\/08 v. 5.\/6.6.2008, S. 30 mit Verweis auf Ratsdok. 7821\/3\/08 v. 16.5.2008<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a>\u00a0\u00a0 Ratsdok. 15063\/08 v. 31.10.2008<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a>\u00a0\u00a0 BT-Drs. 10090 v. 6.8.2008, S. 3 f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachinformation des BMI an den Gr\u00fcnen MdB Alexander Bonde v. 19.3.2008<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a>\u00a0\u00a0 ebd.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a>\u00a0\u00a0 Der Spiegel Nr. 22\/2005 v. 30.5.2005<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a>\u00a0\u00a0 Der Spiegel Nr. 25\/2005 v. 20.6.2005<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a>\u00a0\u00a0 Kleine Anfrage der Linken, BT-Drs. 16\/9136 v. 7.5.2008, S. 13<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a>\u00a0 www.bmi.bund.de\/nn_662984\/Internet\/Content\/Nachrichten\/Medienspiegel\/2007\/10\/ StH__Behoerdenspiegel.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a>\u00a0\u00a0 www.gdp.de\/gdp\/gdp.nsf\/id\/p80508a\/$file\/Pos_Ausland_aktuell.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a>\u00a0\u00a0 Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 72 v. 19.10.1994, S. 2978-3000; der Kombattanten-Status war bis dahin in \u00a7 64 des Bundesgrenzschutzgesetzes normiert.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mark Holzberger Die Formen des polizeilichen Einsatzes im Ausland werden immer vielf\u00e4ltiger. 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