{"id":7631,"date":"2009-12-18T07:51:19","date_gmt":"2009-12-18T07:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7631"},"modified":"2009-12-18T07:51:19","modified_gmt":"2009-12-18T07:51:19","slug":"entwicklungsauftrag-zivile-sicherheit-metamorphose-und-symbiosen-deutscher-wehrforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7631","title":{"rendered":"Entwicklungsauftrag \u201eZivile Sicherheit\u201c &#8211;\u00a0Metamorphose und Symbiosen deutscher Wehrforschung"},"content":{"rendered":"<h3>von Eric T\u00f6pfer<\/h3>\n<p><strong>Mit mehr als 123 Millionen Euro f\u00f6rdert die Bundesregierung parallel zur EU die Sicherheitsforschung. In dem Programm ist viel von Bev\u00f6lkerungsschutz und \u201eziviler Sicherheit\u201c die Rede. Nukleus des neuen Forschungsfeldes waren aber Einrichtungen, die dem Milit\u00e4r nahe standen. Angesichts schrumpfender F\u00f6rderetats haben sie nun neue Verb\u00fcndete mobilisiert.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIn Abstimmung mit meinem Kollegen, Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble, habe ich die Federf\u00fchrung f\u00fcr eine nationale Strategie zur zivilen Sicherheitsforschung \u00fcbernommen.\u201c Mit diesen Worten k\u00fcndigte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am 4. Juli 2006 ein 100-Millionen-Euro-F\u00f6rderprogramm an. Die Begr\u00fcndung ihrer Initiative hat zwei Seiten. Erstens beschw\u00f6rt sie \u201eneue Bedrohungen\u201c, warnt vor der Verwundbarkeit der \u201ezentralen Lebensnerven unserer Gesellschaft\u201c und erweitert so unser Verst\u00e4ndnis von Sicherheit: \u201eWir m\u00fcssen nach innovativen L\u00f6sungen f\u00fcr diese neuen Herausforderungen suchen \u2026 Denn Sicherheit h\u00e4ngt vom Vorsprung in Forschung und Wissenschaft und der Umsetzung in Organisation und Technologie ab.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Zweitens beklagt sie die \u201ezersplitterte Forschungslandschaft\u201c, das Fehlen einer \u201ean Markt- und Exportchancen ausgerichteten Forschungsstrategie\u201c sowie die mangelhafte \u201eEinbindung der Nutzer und Anwender in einen gemeinsamen Innovationsprozess\u201c. Entsprechend versteht Scha\u00advan die Sicherheitsforschung als \u201ePlattform\u201c f\u00fcr eine enge Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft. Private Unternehmen \u2013 insbesondere die mittlerweile weitgehend privatisierten Infrastrukturunternehmen \u2013 sind dabei f\u00fcr die Ministerin zum einen Anwender von Sicherheitstechnologien, f\u00fcr die es \u201ekosteneffiziente L\u00f6sungen\u201c zu entwickeln gelte, und zum anderen Anbieter, deren \u201eWettbewerbsf\u00e4higkeit\u201c zu st\u00e4rken sei, damit nicht \u201egro\u00dfe Chancen auf Zukunftsm\u00e4rkten\u201c vergeben w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Schavans B\u00fchne war das \u201eFuture Security\u201c-Symposium im Kongresszentrum Karlsruhe. Es war die \u201e1. Sicherheitsforschungs\u00adkonfe\u00adrenz\u201c, gedacht als \u201eKommunikationsplattform f\u00fcr alle Verantwortungstr\u00e4ger, Exekutivorgane, Wirtschaftsunternehmen und Entwicklungspart\u00adner\u201c und f\u00fcr eine \u201eStandortbestimmung der Akteure in Deutschland\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Obwohl oder gerade weil die Veranstaltung vom Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung der Fraunhofer-Gesellschaft (VVS), einem \u201ezur generellen St\u00e4rkung der Position der wehrtechnischen Forschung\u201c gegr\u00fcndeten Zusammenschluss von f\u00fcnf Fraunhofer-Institu\u00adten,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> organisiert worden war, wurde die Forschungsministerin nicht m\u00fcde zu betonen, dass es in dem neuen Programm \u201eausschlie\u00dflich um zivile Anwendungsfelder\u201c gehe. Sie gestand allerdings ein, dass die Sicherheitsforschung durchaus von der Wehrtechnik profitiere.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Illustriert wurde diese Feststellung nicht zuletzt durch die Zusammensetzung des 30-k\u00f6pfigen Programmausschusses der Tagung, in dem neben den Chefs der f\u00fcnf VVS-Institute und des Institutes f\u00fcr Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie der Forschungsgesellschaft f\u00fcr Angewandte Naturwissenschaften (\u201e50 Jahre Forschung f\u00fcr Verteidigung und Sicherheit\u201c)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> auch zwei Beamte des Bundesverteidigungsministeriums sowie Vertreter der R\u00fcstungsschmieden EADS, Diehl, Rheinmetall W &amp; M und der European Defence Agency sa\u00dfen.<\/p>\n<h4>S\u00fcddeutsche Seilschaften und High-Tech-Strategen<\/h4>\n<p>Obwohl sich die Sicherheitsforschungsstrategie nahtlos einpasst in die Visionen einer \u201eneuen Sicherheitsarchitektur\u201c und die neoliberale Wirtschaftspolitik der letzten Jahre, ist sie doch mehr als die sacherzwungene Exekution des Zeitgeistes. Die \u201erot-gr\u00fcne\u201c Forschungsministerin Edelgard Bulmahn hatte eine gezielte F\u00f6rderung der Sicherheitsforschung noch abgelehnt und mit ihrem partizipativ angelegten Futur-Dialog f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Forschungspolitik allenfalls das Thema IT-Sicherheit und biometrische Identifizierung adressiert.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Doch mit dem Wahlsieg Angela Merkels \u00e4nderte sich die Lage schlagartig. Zwar hie\u00df es im schwarz-roten Koalitionsvertrag unter der Rubrik \u201eForschungsf\u00f6rderung f\u00fcr die Nachhaltigkeit\u201c im November 2005 noch vage, die Bundesregierung f\u00f6rdere \u201eUmweltschutztechnik, Erdbeobachtung und regenerative Energietechnologien sowie Sicherheits- und Fusionsforschung\u201c.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Als Annette Schavan die Leitung des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) \u00fcbernahm, ging es jedoch mit gro\u00dfen Schritten vorw\u00e4rts. Zwischen April und Juni 2006 wurden im Rahmen eines \u201eAgendaprozesses\u201c drei Workshops mit etwa 250 \u201eExperten aus allen f\u00fcr die Sicherheitsforschung relevanten Bereichen\u201c durchgef\u00fchrt, um Themen zu setzen und F\u00f6rderstrategien zu entwickeln.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Damit hatte das BMBF, wie der Parlamentarische Staatssekret\u00e4r Thomas Rachel jubiliert, \u201ein Rekordzeit bundesweit die Fachszene formiert\u201c, offensichtlich gut beraten von den Ministerien f\u00fcr Inneres und Verteidigung.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Unbekannt ist, wer genau die zahlreichen Stichwortgeber beim Agenda-Setting f\u00fcr das Sicherheitsforschungsprogramm waren \u2013 berichtet wird nur vage von Repr\u00e4sentanten der Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Wirtschaft und Forschung.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Fest steht allerdings, dass es in Baden-W\u00fcrttemberg, der politischen Heimat Schavans, einflussreiche Interessen gab, die das Netzwerk zu kn\u00fcpfen halfen: Der Diehl-Konzern, mit einer starken R\u00fcstungssparte in \u00dcberlingen am Bodensee, war bereits in der \u201eGroup of Personalities\u201c vertreten, die 2003\/2004 in Br\u00fcssel den Auftakt zur EU-Sicherheitsforschung orchestrierte.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Ebenfalls beteiligt war damals Karl von Wogau, Abgeordneter der CDU-S\u00fcdbaden im Europaparlament: Er ist Vorsitzender von dessen Unterausschuss f\u00fcr Sicherheit und Verteidigung, Generalsekret\u00e4r der European Security Foundation und der informellen Kangaroo-Gruppe und damit ein wichtiger Mittler zwischen Politik und R\u00fcstungsindustrie. Und schlie\u00dflich sitzen vier der f\u00fcnf im VVS organisierten wehrtechnischen Forschungsinstitute der Fraunhofer-Gesellschaft im \u201eL\u00e4ndle\u201c. Vertreten in ihrem Kampf gegen schrumpfende F\u00f6rdergelder<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> werden sie durch VVS-Sprecher Klaus Tho\u00adma vom Freiburger Ernst-Mach-Institut f\u00fcr Kurzzeitdynamik. Der Mann war in den 80er Jahren Leiter einer Entwicklungsabteilung bei Messerschmitt-B\u00f6lkow-Blohm (heute EADS) und von 1994 bis 1996 Pro\u00adfessor an der Bundeswehr-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen. Er gilt als \u201eArchitekt\u201c des deutschen Sicherheitsforschungsprogramms<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> und scheint ein Wissenschaftsmanager par excellence zu sein. \u201eWo keine Netzwerke vorhanden seien, initiiere er welche\u201c, hie\u00df es 2007, als man ihm f\u00fcr sein Engagement zugunsten des \u201eTechnologietransfers\u201c und der Sicherheitsforschung das Bundesverdienstkreuz verlieh.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Mit seinen guten Kontakten in die Landespolitik, ins Verteidigungsministerium und zur Industrie hatte Thoma es im Juli 2005 geschafft, neben Vertretern von EADS, Diehl und Siemens sowie dem Vizepr\u00e4sidenten des Bundeskriminalamts (BKA) J\u00fcrgen Stock das f\u00fcnfte deutsche Mitglied im European Security Research Advisory Board (ESRAB) zu werden. Das Gremium bereitete nicht nur die Sicherheitsforschung im 7. Forschungsrahmen\u00adpro\u00adgramm der EU vor, sondern empfahl auch flankierende nationale Programme.<\/p>\n<p>R\u00fcckendeckung erhielt Thoma vom Pr\u00e4sidenten der Fraunhofer-Ge\u00adsellschaft, dem Stuttgarter Hans-J\u00f6rg Bullinger. Der ist Vorsitzender der \u201eForschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft\u201c, von dem sich die neue Bun\u00addesregierung seit Juni 2006 bei der Entwicklung ihrer Hightech-Strate\u00adgie beraten l\u00e4sst. Schon bei einem der ersten Treffen dieses 19-k\u00f6pfigen Gremiums setzte er das Thema Sicherheitstechnologien auf die Tagesordnung. Unter den zehn Vertretern der Privatwirtschaft, die damals mit\u00addiskutierten, waren auch Vorstandsmitglieder von Siemens und Thyssen\u00adKrupp Marine Systems.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<h4>Mobilmachung der Forschung<\/h4>\n<p>Offiziell beschloss die Bundesregierung das Programm \u201eForschung f\u00fcr die zivile Sicherheit\u201c mit einem F\u00f6rdervolumen von nun 123 Millionen Euro bis 2010 am 24. Januar 2007. \u201eWir mobilisieren Forschung f\u00fcr den Schutz der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c, triumphierte Schavan. Im Rahmen des Programms, das fester Bestandteil der wenige Monate zuvor ins Leben gerufenen Hightech-Strategie ist, werden \u201eForschungsvorhaben zur Entwicklung von Sicherheitstechnologien\u201c gef\u00f6rdert. Hierzu sollen die \u201eSt\u00e4rken der Technik- und Naturwissenschaften mit dem Potenzial der Geistes- und Sozialwissenschaften\u201c verkn\u00fcpft und \u201eNutzer und Anwender neuer Sicherheitsl\u00f6sungen in den Forschungs- und Entwicklungsprozess\u201c eingebunden werden, um \u201eInnovationshemmnisse, die sich sp\u00e4ter bei Datenschutzfragen, Kosten oder in der praktischen Umsetzung ergeben k\u00f6nnten\u201c, schon in der Entwicklung zu untersuchen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Die F\u00f6rderung findet entlang von zwei Programmlinien statt: Erstens sollen in einer \u201eszenarienorientierten Sicherheitsforschung\u201c \u201eSysteml\u00f6sungen\u201c z.B. f\u00fcr die Sicherung und Kontrolle von Gro\u00dfveranstaltungen, Verkehrssystemen und anderen Infrastrukturen sowie von Warenketten entwickelt werden. Es geht um fl\u00e4chendeckende und automatisierte \u00dcberwachung durch Kamera- oder Sensornetzwerke, biometrische Zugangssysteme, den Einsatz von Robotern und Drohnen, bombensichere Geb\u00e4ude, Hightech-Einsatz- und Lagezentren, die Vernetzung der Einsatzkr\u00e4fte und informatisiertes Management von Menschenmengen, aber auch um \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Krisensituationen und die Mobilisierung der B\u00fcrgerInnen f\u00fcr die Pr\u00e4vention. Laut der Ministeriumsbrosch\u00fcre stehen hierbei allerdings \u201enicht technologische Einzelergebnisse, sondern die Formierung der Akteursgemeinschaft\u201c im Vordergrund. Es gehe auch um die \u201eVerbesserung der Zusammenarbeit zwischen Beh\u00f6rden und privaten Betreibern sicherheitsrelevanter Infrastrukturen\u201c. Zweitens sollen in \u201eTechnologieverb\u00fcnden\u201c szenarien\u00fcbergreifende \u201eQuerschnittstechno\u00adlo\u00adgien\u201c entwickelt werden, z.B. Detektionssysteme und Techniken zur Mustererkennung oder Personenidentifikation. In der Summe erwartet das BMBF \u201einnovative L\u00f6sungen, die die Sicherheit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger verbessern, ohne ihre Freiheit einzuschr\u00e4nken\u201c.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Die Einhaltung dieses Versprechens scheint das Ministerium aber lieber anderen zu \u00fcberlassen. Zwar wurde im Sommer 2007 in der Abteilung \u201eSchl\u00fcsseltechnologien \u2013 Forschung f\u00fcr Innovation\u201c ein eigenes Referat 522 f\u00fcr die Sicherheitsforschung installiert, allerdings war dessen Leiterin Christine Thomas zuvor zust\u00e4ndig f\u00fcr Digitale Bibliotheken. Wie bei Forschungsprogrammen des Bundes \u00fcblich, ist mit der eigentlichen Administration des Sicherheitsforschungsprogramms ein Projekttr\u00e4ger beauftragt, in diesem Fall die VDI Technologiezentrum GmbH (VDITZ), ein Unternehmen des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. Ihr Aufgabenbereich erstreckt sich \u201evon der fachlichen und konzeptionellen Gestaltung der Forschungsf\u00f6rderung bis hin zur Pr\u00fcfung, Begleitung und dem Projektmanagement von Forschungsvorhaben\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Zus\u00e4tzlich bietet das VDITZ als \u201eNationale Kontaktstelle Sicherheitsforschung\u201c ebenfalls im BMBF-Auf\u00adtrag Beratung zum EU-Sicherheitsforschungsprogramm an. Neben dem VDITZ ist es der Wissenschaftliche Programmausschuss, der das Sicherheitsforschungsprogramm \u201ebegleitet und steuert\u201c.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Vorsitzender des 18-k\u00f6pfigen Gremiums: VVS-Sprecher Klaus Thoma. Ihm zur Seite stehen vier Vertre\u00adter von Bundesbeh\u00f6rden (u.a. BKA und Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik), ein Freiburger Kriminologe, eine T\u00fcbinger Theologin, ein Experte f\u00fcr biologische Sicherheit und einer f\u00fcr Normung sowie neun VertreterInnen der Privatwirtschaft, u.a. von Diehl BGT Defence, Siemens Building Technologies und Bosch Sicherheitssysteme.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2007 pr\u00e4sentierte Schavan das Programm auf der \u201eEurop\u00e4ischen Konferenz zur Sicherheitsforschung\u201c in Berlin, die ihr Ministerium anl\u00e4sslich der deutschen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft gemeinsam mit der Generaldirektion Unternehmen und Industrie unter EU-Kommissar G\u00fcnter Verheugen ausgerichtet hatte.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Die Tagung war nicht nur Startschuss f\u00fcr das europ\u00e4ische Sicherheitsforschungsprogramm. Zeitgleich wurde auch die erste Ausschreibung des deutschen Programms ver\u00f6ffentlicht. Das erste Projekt startete im Juni 2007. Bis Ende 2008 folgten acht weitere Ausschreibungen, darunter auch eine erste f\u00fcr internationale Kooperationen \u2013 in diesem Fall mit Israel \u2013 und zuletzt jene zu \u201egesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsforschung\u201c. Bis Januar 2010 wurden 58 Verbundprojekte mit einem Gesamtvolumen von 135 Mio. Euro bewilligt.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Mehr als 300 Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Beh\u00f6rden geh\u00f6ren zu den Gewinnern des bisherigen Wettbewerbs. Gelohnt hat sich das Engagement insbesondere f\u00fcr die Fraunhofer-Gesellschaft. Sie ist mit mehr als 12 Mio. Euro akquirierten F\u00f6rdermitteln der ganz gro\u00dfe Gewinner. 13 ihrer 60 Institute sind mit eigenen Teilprojekten in 15 Forschungsverb\u00fcnden beteiligt. Fast die H\u00e4lfte der Summe geht an die vier baden-w\u00fcrttembergischen Institute des von Klaus Thoma vertretenen Fraunhofer VVS.<\/p>\n<h4>Versicherheitlichung der Wissenschaft?<\/h4>\n<p>Vergleicht man es mit anderen F\u00f6rderprogrammen, ist das Engagement der Bundesregierung f\u00fcr die Sicherheitsforschung bis dato eher bescheiden. Die Finanzierung des Programms im BMBF-Haushalt 2009 machte mit 44 Mio. Euro gerade ein Prozent der Gesamtausgaben im Bereich \u201eForschung f\u00fcr Innovationen\/Hightech-Strategie\u201c aus. Forschung in den Bereichen Nano- oder Umwelttechnologien z.B. f\u00f6rdert das Ministerium mit jeweils mehr als doppelt so hohen Summen.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Bedenkt man zudem, dass viele Technologien, die im Rahmen der Sicherheitsforschung gef\u00f6rdert werden, bereits von anderen Programmen profitieren, d\u00fcrfte der di\u00adrekte Output an technischen \u201eInnovationen\u201c durch die Sicherheitsforschung vorerst begrenzt sein. Ein weitaus wichtigerer Effekt des deutschen (und europ\u00e4ischen) Sicherheitsforschungsprogramms war vielmehr die Formierung einer Szene, die ihre Forschung unter dem Banner \u201eSicherheit\u201c vermarktet. Dass es neben der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere die Universit\u00e4ten waren, die auf den Zug der Sicherheitsforschung aufsprangen und damit Gefahr laufen, sich von ihr in den Dienst nehmen zu lassen, stimmt nachdenklich: Albert-Ludwigs-Univer\u00adsit\u00e4t Freiburg, Technische Universit\u00e4t Berlin, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn, Freie Universit\u00e4t Berlin, Universit\u00e4t Siegen etc. Sie alle warben Gelder in Millionenh\u00f6he ein und stehen auf der Liste der Zuwendungsempf\u00e4nger noch vor Siemens, EADS oder Diehl, die selbstverst\u00e4ndlich auch zu den Profiteuren von Schavans Programm geh\u00f6ren.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Schavan, A.: Sicherheitsforschung \u2013 Herausforderung und Notwendigkeit zum Schutz der Gesellschaft, Rede v. 4.7.2006, www.bmbf.de\/pub\/mr_20060704.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> www.emi.fraunhofer.de\/Dokumente\/PDFs\/future_security_program_06.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> namentlich die Institute f\u00fcr Kurzzeitdynamik EMI (Freiburg), f\u00fcr Angewandte Festk\u00f6rperphysik IAF (Freiburg), f\u00fcr Chemische Technologie ICT (Pfinztal), f\u00fcr Informations- und Datenverarbeitung IITB (Karlsruhe) und f\u00fcr Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT (Euskirchen), www.vvs.fraunhofer.de\/de\/verbund\/index.htm<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Schavan a.a.O. (Fn. 1)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> so 2007 das Motto zum Jahrestag der mittlerweile von der Fraunhofer-Gesellschaft geschluckten FGAN, www.fgan.de\/fgan\/fgan_c43_de.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> BMBF: Eine erste Bilanz \u2013 Futur: Der deutsche Forschungsdialog, Bonn 2003, S. 34 ff., www.bmbf.de\/pub\/futur_eine_erste_bilanz.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u201eGemeinsam f\u00fcr Deutschland. Mit Mut und Menschlichkeit\u201c. Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD v. 11.11.2005, S. 47 f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> BMBF: Forschung f\u00fcr die zivile Sicherheit. Programm der Bundesregierung, Bonn\/Berlin 2007, S. 20, www.bmbf.de\/pub\/forschung_fuer_zivile_sicherheit.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Rachel, T.: Sicherheit \u2013 eine Frage der Technologie?, Rede v. 10.10.2006, www.bmbf.de\/ pub\/pstr_20061010.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Der Spiegel v. 18.9.2006<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> s. zur EU-Sicherheitsforschung den Beitrag von Ben Hayes in diesem Heft<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Zwischen 1991 und 2005 halbierte sich der Anteil der Wehrforschung und -technik an den gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Bundes und sank von 1.620,7 Mio. auf 983,7 Mio. Euro; BMBF: Forschung und Innovation in Deutschland 2005, Bonn\/Berlin 2006, S. 45 ff., www.bmbf.de\/pub\/forschung_und_innovation_05-07.pdf.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> zit. in: www.zeit.de\/2008\/50\/N-Sicherheit-Klaus-Thoma<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums Baden-W\u00fcrttemberg v. 6.9.2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> www.forschungsunion.de<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> BMBF-Pressemitteilung 010\/2007 v. 24.1.2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> vgl. BMBF: Forschung f\u00fcr die zivile Sicherheit a.a.O. (Fn. 8)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> www.vditz.de\/home\/kompetenzen\/forschungsfoerderung\/forschung-fuer-die-zivile-sich<br \/>\nerheit\/index.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> BMBF: Forschung f\u00fcr die zivile Sicherheit a.a.O. (Fn. 8), S. 47<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> www.bmbf.de\/de\/11781.php<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> BMBF-Pressemitteilung 059\/2007 v. 26.3.2007; www.src07.de\/<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> eigene Berechnungen auf Grundlage der F\u00f6rderkataloge der Bundesregierung, http:\/\/foe<br \/>\nrderportal.bund.de\/foekat\/<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Bundeshaushalt 2009, Kap. 30 04, www.bundesfinanzministerium.de\/bundeshaushalt20<br \/>\n09\/pdf\/epl30\/s3004.pdf<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Eric T\u00f6pfer Mit mehr als 123 Millionen Euro f\u00f6rdert die Bundesregierung parallel zur EU<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,100],"tags":[530,633,1300,1508],"class_list":["post-7631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-094","tag-eu-forschungsrahmenprogramm","tag-fraunhofer","tag-sicherheitsforschung","tag-verteidigungsministerium"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7631\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}