{"id":7634,"date":"2009-12-18T07:52:54","date_gmt":"2009-12-18T07:52:54","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7634"},"modified":"2009-12-18T07:52:54","modified_gmt":"2009-12-18T07:52:54","slug":"nur-eine-erde-satellitengestuetzter-kampf-gegen-illegale-einwanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7634","title":{"rendered":"\u201eNur eine Erde\u201c &#8211;\u00a0Satellitengest\u00fctzter \u201eKampf gegen illegale Einwanderung\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>von Initiative ziviles Bremen<\/h3>\n<p><strong>Bei der Abwehr <\/strong><strong>\u201eillegaler<\/strong><strong>\u201c Migration setzt die EU auch auf Satellitentechnologie. Mit Global Monitoring for Environment and Security (GMES) hat sie ein Gro\u00dfprogramm zur Vernetzung von Erd\u00fcberwachungssatelliten gestartet, an dem die EU-Grenzschutz\u00adagentur FRONTEX mitarbeitet. Die weltraumgest\u00fctzte \u00dcberwachungstechnologie stammt aus Bremen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Das Global Monitoring for Environment and Security (GMES) ist ein EU-Programm, in dessen Rahmen bestehende Erdbeobachtungssysteme vernetzt und neue Satelliten ins All geschossen werden sollen. Im Rahmen ihres Forschungsrahmenprogramms (FP) 7 hat die EU beschlos\u00adsen, daf\u00fcr bis 2013 j\u00e4hrlich 200 Millionen Euro zu investieren. In ihren Ver\u00f6ffentlichungen betont sie vor allem die \u00f6kologische Seite des Projekts. Die Beobachtung der Polkappen, der Entwicklung m\u00f6glicher Flutwellen oder der Versteppung wird als notwendige Grundlage f\u00fcr ein wirksames Vorgehen gegen die Klimakrise gepriesen. \u201eWir haben nur eine Erde.\u201c So bewirbt etwa das Land Bremen sein GMES-Engagement.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich bestanden jedoch von Beginn an Parallelstrukturen f\u00fcr Umwelt- und Sicherheitsaspekte in der EU. Die \u201eGMES-Arbeitsgruppe Sicherheit\u201c formulierte in einem Papier aus dem Jahre 2003 ihre Erwartungen an das Projekt und ging dabei selbstverst\u00e4ndlich davon aus, dass das System auch von Milit\u00e4rs genutzt wird.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Inzwischen ist klar, dass die NATO Zugriff auf GMES hat.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Auch milit\u00e4rplanerisch dient GMES dem Bestreben der EU, einen selbstst\u00e4ndigen \u201eZugang zu Wissen, Informationen und milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten am Boden\u201c zu erhalten, der \u201enur dank Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Start, Entwicklung und Betrieb von Satelliten\u201c erreicht werden kann.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Grundlegend f\u00fcr die Erwartungen an GMES ist ansonsten ein Verst\u00e4ndnis von \u201eSicherheit\u201c, das \u00fcber den Schutz vor milit\u00e4rischen Angriffen weit hinausgeht, seinerseits jedoch wiederum auf die stets gleichen Akteure verweist. Die Sicherheit der EU ist demnach vor dem internationalen Terrorismus zu sch\u00fctzen sowie vor drei Formen \u201einternationaler organisierter Kriminalit\u00e4t\u201c: Piraterie, dem internationalen Drogenhandel und der so genannten illegalen Migration.<\/p>\n<p>Das Nebeneinander von Umweltforschung und Sicherheitsbelangen findet sich auch in unterschiedlichen zentralen Projekten der EU wieder, etwa bei der Integrierten Meerespolitik (IMP) oder beim Integrierten Grenzmanagement. GMES stellt hier ein wichtiges Instrumentarium zur technischen Umsetzung dar. \u00dcber die IMP schreibt die EU-Kom\u00admission 2008: \u201eF\u00fcr eine optimale Nutzung der Meere muss diese \u2026 unter idealen Sicherheitsbedingungen stattfinden. Die \u00f6ffentliche Hand muss den Schutz der Meeresnutzer sowohl gegen nat\u00fcrliche und technische Risiken als auch Aggressionen von au\u00dfen, wie Piraterie, Terrorismus, illegale Gesch\u00e4fte oder illegale Einwanderung gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Als Bindeglied zur Europ\u00e4ischen Kommission fungiert eine GMES Border Surveillance Group, in der neben der Europ\u00e4ischen Verteidigungsagentur EDA auch die Grenzschutzagentur FRONTEX vertreten ist. Zu\u00addem bestehen gleich zwei Unterprogramme von GMES, deren Auftrag explizit in der Abwehr \u201eillegaler\u201c Migration besteht: W\u00e4hrend LIMES sich eher auf die Land-\u00dcberwachung konzentriert, ist MARISS mit der Abwehr von Fl\u00fcchtlingsbooten befasst. In beiden Programmen wird entwickelt, welche Anforderungen erfolgreiche \u00dcberwachungssysteme erf\u00fcllen sollen, werden Modellprojekte durchgef\u00fchrt und dann perfektioniert. St\u00e4ndige Mitglieder von MARISS sind sowohl die Grenzschutzpolizeien, die die \u00dcberwachungsdienste sp\u00e4ter in Anspruch nehmen wollen, als auch Vertreter vieler europ\u00e4ischer R\u00fcstungsunternehmen, die diese Dienste liefern sollen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<h4>Satellitentechnik f\u00fcr EU-Pl\u00e4ne<\/h4>\n<p>Auch den WissenschaftlerInnen, die sich mit der technischen Umsetzung von GMES befassen, sind die Priorit\u00e4ten der EU-Raumfahrtpolitik bekannt. So erw\u00e4hnen ForscherInnen der Universit\u00e4t Barcelona in einem Artikel \u00fcber den Vergleich von Satellitensystemen zur Schiffs\u00fcberwachung, dass diese \u00dcberwachung \u201egrundlegend ist f\u00fcr (die Bek\u00e4mpfung von) Schmuggel und illegaler Immigration\u201c. \u201eDa sich\u201c, so die AutorInnen weiter, \u201eder zu \u00fcberwachende Raum ausgeweitet hat, ist er heute nur noch schwer mit traditionellen Mitteln wie etwa Flugzeugen oder Patrouillenbooten zu \u00fcberwachen\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Die umfassende Nutzung von Technologie aus dem Weltraum, die das Forschungsteam nahelegt, deckt sich dabei mit den Absichten der EU. In ihrem \u201eGrenzpaket\u201c vom Februar 2008 propagierte die EU-Kommission ihre Pl\u00e4ne f\u00fcr ein Grenz\u00fcberwachungssystem (EUROSUR). Das System soll sich unter anderem auf Informationen st\u00fctzen, die durch den Einsatz von unbemannten Flugzeugen (Drohnen) und durch die Inanspruchnahme milit\u00e4rischer und kommerzieller Satelliten gewonnen werden. Die europ\u00e4ische Grenzschutzagentur FRONTEX erhielt den Auftrag, \u201ein enger Zusammenarbeit mit dem GMES-B\u00fcro der Kommission eine L\u00fcckenanalyse der gegenw\u00e4rtigen und k\u00fcnftigen Nutzung von Satelliten f\u00fcr Zwecke der Grenz\u00fcberwachung\u201c durchzuf\u00fchren.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Das Ziel ist eine l\u00fcckenlose Grenz\u00fcberwachung mithilfe von Satelliten. In einem Arbeitspapier diskutiert die Europ\u00e4ische Kommission die m\u00f6gliche Vernetzung bestehender Satelliten.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Sie bebildert die aus ihrer Sicht w\u00fcnschenswerte Vernetzung an einem Beispiel, das den Betrieb schon aufgenommen hat, dem spanischen Sistema Integral de Vigilancia Exterior (SIVE). SIVE ist ein Satellitenvernetzungsprojekt, das spanischen wie nordafrikanischen Beh\u00f6rden Daten \u00fcber Bewegungen auf dem Mittelmeer liefert. Das Ziel: Abfangen von Fl\u00fcchtlingsbooten. SIVE kann sowohl technologisch als Modellprojekt f\u00fcr das FRONTEX-Einsatzgebiet gelten wie auch politisch, was etwa problematische Themen wie den Datenaustausch mit Verfolgungsbeh\u00f6rden autorit\u00e4rer Staaten in Afrika anbelangt.<\/p>\n<p>Eine Basistechnologie, auf die man bei der Verfolgung von Fl\u00fcchtlingen auf den Meeren zur\u00fcckgreifen will, ist AIS, Automatical Identification System. Seit einigen Jahren m\u00fcssen sich gr\u00f6\u00dfere Schiffe auf Fahrt \u00fcber Satellit gewisserma\u00dfen ausweisen, sie \u00fcbertragen regelm\u00e4\u00dfig einige Kenndaten, Kurs und Geschwindigkeit. Im Umkehrschluss erscheinen dann Schiffe, die das Signal nicht aussenden, als verd\u00e4chtig. In ihrem Fortschrittsbericht \u00fcber die Entwicklung von EUROSUR schlug die EU-Kommission im September 2009 vor, bis Ende 2010 einen gemeinsamen AIS-Service im All zu installieren. Wesentliche Triebfeder: \u201edas \u00dcberwachen, Identifizieren und Verfolgen von kleineren Booten, die zur illegalen Migration genutzt werden\u201c.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Eine weitere Technologie, auf die man bei der Migrationsabwehr setzt, ist SAR, synthetic aperture radar. Mit MARISS-Geldern wird derzeit versucht, das System zu optimieren. In einem entsprechenden Artikel tauchen \u2013 fast schon ein Referenzpunkt wissenschaftlicher Forschung auf diesem Gebiet \u2013 erneut die aufzusp\u00fcrenden Fl\u00fcchtlingsboote auf.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Die Bestrebungen, \u00fcber GMES zu einer satellitengest\u00fctzten Fl\u00fcchtlingsabwehr zu kommen, treffen vor den S\u00fcdgrenzen der EU auf die Realit\u00e4t. Dort sind in den letzten Jahren allein nach Presseauswertungen \u00fcber 15.000 Menschen im Meer ums Leben gekommen \u2013 die Dunkelziffer wird dabei als sehr hoch eingesch\u00e4tzt.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Mit der Gr\u00fcndung der europ\u00e4ischen Grenzschutzagentur FRONTEX 2005 und der Verstetigung der von ihr organisierten \u201egemeinsamen Operationen\u201c (Hera und Nautilus) hat die Kontrolldichte insbesondere auf den Meeren stark zugenommen. Nach \u00fcbereinstimmender Einsch\u00e4tzung von Menschenrechtsorganisationen und Wissenschaft hat dies zur Konsequenz, dass die Risiken einer Flucht nach Europa gestiegen sind: \u201eDie Verst\u00e4rkung der Kontrollen an den Au\u00dfengrenzen der EU hat die Anzahl irregul\u00e4rer Einwanderer nicht verringert, aber dazu gef\u00fchrt, dass jetzt andere und immer gef\u00e4hrlichere Routen von ihnen genutzt werden\u201c, warnte der Fl\u00fcchtlingsdienst der Jesuiten schon 2007. \u201eDiese Verschiebung der Fluchtrouten f\u00fchrte nachweislich zu einem Anstieg der Todesf\u00e4lle unter den Migranten.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Mit satellitengest\u00fctzter \u00dcberwachung wird diese Spirale weiter getrieben: Um der Verfolgung zu entgehen, werden Fl\u00fcchtlinge immer gef\u00e4hrlichere Routen und immer kleinere Boote nutzen. Mit Hilfe von Satelliten plant FRONTEX, die EU-Grenzen global und gleichzeitig zu \u00fcberwachen und auch kleinere Boote aufzusp\u00fcren. Da sich an den Ursachen der Flucht \u2013 Krieg, Hunger, Armut \u2013 nichts \u00e4ndert, wird diese Politik die Situation auf den Meeren weiter versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Zum anderen gibt es zahllose Belege, dass die Fl\u00fcchtenden von FRONTEX oder nationalen Grenzschutztruppen auf Hoher See zur Umkehr gezwungen werden \u2013 wobei ihr Tod in Kauf genommen wird. Dies hat zuletzt im Oktober 2009 ein Bericht von \u201ereport Mainz\u201c thematisiert. Dort wird eine FRONTEX-Statistik zitiert, nach der 2008 6.000 Menschen auf offener See zur\u00fcckgeschickt wurden.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Im April 2009 haben amnesty international, Pro Asyl u.a. in einer gemeinsamen Stellungnahme ausgef\u00fchrt, dass das Zur\u00fcckschicken auf Hoher See gegen das V\u00f6lkerrecht verst\u00f6\u00dft.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<h4>Bremen: Gemeinsam mit der R\u00fcstungsindustrie<\/h4>\n<p>Auch in der Bundesrepublik laufen die Programme nebeneinander, die jeweils auf den Umwelt- oder den Sicherheitsbereich von GMES abzielen. Die Hansestadt Bremen setzt darauf, im Sicherheitsbereich EU-Gelder an Land zu ziehen. Gleich zwei zentrale Projekte deuten in diese Richtung: \u201eDeMarine\u201c hei\u00dfen bundesweit ausgelegte Projekte, die das Deutsche Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt vergibt. W\u00e4hrend DeMarine-Umwelt seinen Sitz in Hamburg beim Bundesamt f\u00fcr Seewirtschaft und Hydrographie hat, ist Bremen Standort von DeMarine-Sicherheit. Der Schwerpunkt von DeMarine-Sicherheit, dessen Internetauftritt vom Land Bremen gef\u00f6rdert wird, liegt auf der \u00dcberwachung der Meere und des Schiffsverkehrs. Als Agent f\u00fcr die Vernetzung der in der Hansestadt beheimateten Kompetenz und die Evaluierung zuk\u00fcnftiger Nutzer der von GMES angebotenen Dienste fungiert die gemeinn\u00fctzige \u201eGesellschaft f\u00fcr angewandten Umweltschutz und Sicherheit im Seeverkehr\u201c (GAUSS). Gegenstand von GAUSS war urspr\u00fcnglich \u201edie F\u00f6rderung von Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten des maritimen Umweltschutzes in der Seeschifffahrt und der Schiffssicherheit im Seeverkehr\u201c,<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> wobei letzteres neben der Sicherheit der Ladung anf\u00e4nglich noch die Ausbildung von Seeleuten zur pers\u00f6nlichen Sicherheit meinte. Jetzt hingegen organisiert die Gesellschaft Pilotprojekte in der satellitengest\u00fctzten \u00dcberwachung der Meere; Projekte, von denen GAUSS selbst sagt, dass sie auch zur \u00dcberwachung \u201eillegaler\u201c Migration dienen sollen.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Im Aufsichtsrat der Gesellschaft sitzen Vertreter der Finanzbeh\u00f6rde, der Universit\u00e4t und der Hochschule Bremen. Unter dem Dach dieses an der Hochschule f\u00fcr Nautik angesiedelten Vereins bieten die in Bremen ans\u00e4ssigen R\u00fcstungsfirmen OHB und EADS Astrium ihre Produkte an.<\/p>\n<p>Im September 2009 hat das GMES-B\u00fcro des Landes Bremen seine Tore ge\u00f6ffnet, das Center for the promotion of Communication, Earth Observation and Navigation space based services (CEON). Sein Arbeitsauftrag ist mit dem von DeMarine vergleichbar: Auch hier geht es um die B\u00fcndelung von Kompetenzen und Nutzern, die von GMES profitieren k\u00f6nnten. Auf seiner Homepage benennt CEON f\u00fcnf Arbeitsschwerpunkte; hinter gleich drei von ihnen sind Projekte zu vermuten, die mit der \u00dcberwachung der Meere, des Schiffsverkehrs und so schlie\u00dflich mit der Abwehr irregul\u00e4rer Migration verbunden sind. Das gilt insbesondere f\u00fcr die \u201emaritime surveillance\u201c, die sich in der Sprachregelung der EU zu einem Synonym f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingsabwehr auf See entwickelt hat. Auch die Arbeitsfelder \u201emaritime safety and security\u201c und \u201ecoastal monitoring\u201c d\u00fcrften hierzu Ber\u00fchrungspunkte haben.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des CEON fungiert mit Stephan Holsten ein Ingenieur von OHB.<\/p>\n<p>Dass unter dem Dach Bremer Weltraumindustriepolitik sehr schnell die R\u00fcstungsfirmen EADS-Astrium und OHB zum Vorschein kommen, ist keine \u00dcberraschung. EADS-Astrium ist EU-weit gr\u00f6\u00dfter Anbieter von gro\u00dfen Satellitensystemen. OHB r\u00fchmt sich seinerseits, die wesentlichen Impulse daf\u00fcr gegeben zu haben, dass \u201eEuropa den Wachstumsmarkt kleinerer Satelliten \u2026 f\u00fcr sich entdeckt und besetzt hat.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Das Unternehmen ist f\u00fchrender Anbieter von AIS-Satelliten. 2008 hat OHB f\u00fcr die US-amerikanische Firma ORBCOMM f\u00fcnf AIS-Satel\u00adli\u00adten gebaut; einer davon dient der dortigen K\u00fcstenwache als Modellsatellit zur Verfolgung \u201eillegaler\u201c Migration. Zusammen mit ORBCOMM sucht OHB unter dem Dach von DeMarine, letztlich also unter der landeseigenen Gesellschaft GAUSS, nach weiteren Abnehmern. Auch mit der EU bestehen Vertr\u00e4ge, unter Zuhilfenahme von AIS optimale Satellitenkonstellationen zur \u201eglobalen Verfolgung von Schiffen\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> zu untersuchen.<\/p>\n<p>Die OHB-Tochterfirma Luxspace gibt derweil AIS-Daten an MARISS, den GMES-Ableger zur \u00dcberwachung der Meere.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> M\u00f6glicherweise geschieht dies \u00fcber den Satelliten RUBIN 9.1. Der Nachfolgesatellit RUBIN 9.2 \u2013 ein Gemeinschaftsprojekt von OHB und der Hochschule Bremen \u2013 wurde im September 2009 ins All bef\u00f6rdert. Zudem hat OHB einen der h\u00f6chst entwickelten SAR-Satelliten gebaut, die so genannte SAR-LUPE, den ersten milit\u00e4rischen Aufkl\u00e4rungssatelliten in der Geschichte der Bundeswehr.<\/p>\n<p>\u201eGMES dient vor allem der zivilen Sicherheit \u2013 z.B. der Kontrolle der Grenzen gegen illegale Immigration\u201c, l\u00e4sst sich ein internationaler Manager von EADS zitieren.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> EADS verf\u00fcgt als europ\u00e4ischer Gro\u00dfkonzern \u00fcber viel Erfahrung mit Produkten der Grenzsicherung. F\u00fcr Estland, Rum\u00e4nien und j\u00fcngst Saudi-Arabien liefert der Konzern Grenz- und K\u00fcs\u00adten\u00fcberwachungssysteme. Diese bestehen aus einer Kombination von optischer und Radar\u00fcberwachung. Der Bremer Zweig EADS-Astri\u00adum baut neue Satelliten f\u00fcr GMES, die so genannten Sentinels. Sentinel 1 wird u.a. zur Grenzkontrolle und zur \u00dcberwachung der Meere eingesetzt werden.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Wie seine ebenfalls von EADS-Astrium gebauten Vorg\u00e4nger ERS und Envisat liefert auch der 2007 ins All bef\u00f6rderte TerraSAR-X-Satellit Daten an MARISS.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Die ihn vermarktende EADS-Tochterfirma Infoterra nennt selbst als Einsatzziel: \u201emonitoring of migration\u201c.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Inzwischen wird der Satellit auch gezielt f\u00fcr regionale Erfordernisse eingesetzt, so im Auftrag von FRONTEX und der portugiesischen K\u00fcstenwache zur \u00dcberwachung der dortigen K\u00fcste.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>In der Forschungs- und Industrielandschaft des Landes Bremen findet sich bez\u00fcglich des zuk\u00fcnftigen Nutzens von Satelliten eine \u00e4hnliche Schwerpunktsetzung wie auf EU-Ebene: \u00dcberwachung und Abwehr von Fl\u00fcchtlingen sind so fest in die EU-Raumfahrtpolitik eingeschrieben, dass dieses Ziel auf verschiedenen Ebenen europ\u00e4ischer Politik immer wieder auftaucht. Menschenrechtliche Bedenken sucht man dabei vergebens. Man findet daf\u00fcr umso mehr Freude an der gelingenden Standortsicherung, bei der R\u00fcstungskonzerne mit \u00f6ffentlichen Geldern verw\u00f6hnt werden.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Artikel ist die \u00fcberarbeitete Version eines Begleittextes zur Bremer Erkl\u00e4rung f\u00fcr eine zivile Forschung, http:\/\/ziviles-bremen.noblogs.org\/<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Globales Monitoring f\u00fcr Umwelt und Sicherheit. L\u00f6sungen \u201eMade in Bremen\u201c, Bremen 2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> GMES Working Group on Security: The security dimension of GMES. Position Paper, 29.9.2003, p. 1, s. unter www.gmes.info\/pages-principales\/library\/reference-documents\/<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Slijper, F.: From Venus to Mars. The European Union&#8217;s steps towards the militarization of space, Amsterdam 2009, p. 38; www.tni.org\/detail_pub.phtml?&amp;know_id=276<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> EU-Kommission: Wei\u00dfbuch \u2013 Die Raumfahrt: Europ\u00e4ische Horizonte einer erweiterten Union. Aktionsplan f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der europ\u00e4ischen Raumfahrtpolitik, KOM(2003) 673 v. 11.11.2003, S. 9<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> EU-Kommission \u2013 Generaldirektion Fischerei und maritime Angelegenheiten (2008): Die drei Instrumente der Integrierten Meerespolitik, in: dies.: Fischerei und Aquakultur in Europa, S. 7, http:\/\/ec.europa.eu\/fisheries\/publications\/magaz\/fishing\/mag38_de.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> so zu sehen in der MARISS-Brosch\u00fcre: www.gmes-mariss.com\/sections\/publications\/ brochure.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Tello Alonso, M.V.; Lopez-Martinez, C.; Mallorqui Franquet, J.J.: Automatic vessel monitoring with single and multidimensional SAR images in the wavelet domain, in: ISPSR Journal of Photogrammatry and Remote Sensing 2006, no. 3-4, pp. 260-278 (260)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Europ\u00e4ische Kommission: Pr\u00fcfung der Schaffung eines Europ\u00e4ischen Grenzkontrollsystems (EUROSUR), KOM(2008) 68 endg. v. 13.2.2008<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> European Commission; Joint Research Centre: Integrated maritime policy for the EU, Working document III on maritime surveillance systems, 2008, p. 18 f., http:\/\/ec. europa.eu\/maritimeaffairs\/pdf\/maritime_policy_action\/maritime-surveillance_en.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> European Commission (2009): Report of progress made in developing the European Border Surveillance System (EUROSUR), Sec (2009) 1265 final v. 14.9.2009, p. 9, www.statewatch.org\/news\/2009\/sep\/eu-com-eurosur-sec-1625.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Margarite, G.; Barba Milan\u00e9s, J.A.; Tabasco, A.: Operational Ship Monitoring Based on Synthetic Aperture Radar Processing, in: Remote Sensing 2009, no. 1, pp. 375-392 (382), www.mdpi.com\/2072-4292\/1\/3\/375\/pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> siehe die regelm\u00e4\u00dfigen Presseauswertungen auf <a href=\"http:\/\/www.fortresseurope.it\/\">www.fortresseurope.<\/a>blogspot.com<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Jesuiten-Fl\u00fcchtlingsdienst: Positionspapier FRONTEX, Berlin 2007, www.proasyl.de\/ fileadmin\/proasyl\/fm_redakteure\/Newsletter_Anhaenge\/130\/policepaperfrontex.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> der Beitrag kann angesehen werden unter www.swr.de\/report\/-\/id=233454\/dud= 5304004\/in8nri\/index.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> ai, caritas u.a. (2009): Gemeinsame Stellungnahme zum derzeitigen Stand der Harmonisierung des europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingsrechts, 3-9, www.unikassel.de\/fb5\/frieden\/the men\/Europa\/fluechtlinge2.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> www.gauss.org\/mindex.php?id=5976e2a290925ede16a713e31cf043a8<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> siehe etwa den Vortrag von Ute Hannemann vor dem Nautischen Verein Vogelfluglinie am 16.7.2009: DeMarine-Sicherheit \u2013 Deutsches Schnittstellenprojekt f\u00fcr GMES, www.dnvev.de\/media\/pdf\/Vortrag%20Ute%20Hannemann.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> www.ceon-bremen.de, Stichwort: \u201ecompetencies\u201c<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> www.ohb-technology.de\/satelliten.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> OHB: Pressemitteilung v. 19.1.2009: OHB und ESA unterzeichnen Vertrag \u00fcber Analyse und Design einer Europ\u00e4ischen AIS-Satellitenkonstellation zur globalen Verfolgung von Schiffen, www.ohb-technology.de\/media-relations\/pressemitteilungen-detail\/items\/ohb _ais_schiffsverfolgung.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> www.luxspace.lu\/index.php\/News\/items\/luxspace-sarl-selected-as-distributor-of-global-satellite-ais-information-products.12.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Withington, T.: Europe\u2019s declaration of independence, in: C4isr Journal v. 1.9.2008, www.c4isrjournal.com\/story.php?F=3717975<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> www.esa.int\/esaLP\/SEMA273Z28F_LPgmes_0.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Hunter, I.: TerraSAR-X Security and Surveillance by Satellite, 25.10.2007, www.master marinersa.co.za\/CaptainsLog\/TerraSAR-X.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Infoterra: TerraSAR-X Reconnaissance Applications. Secure and timely solutions for the Defence &amp; Security Community, Friedrichshafen 2008, www.infoterra.de\/fileadmin\/ Verzeichnisordner\/Dokumente\/2_AboutUs\/0203_Brochures\/e_TSX_Reconnaissance_I3 _200807.pdf<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Critical Software: Ship Identification for Maritime Surveillance \u2013 Space Technology for the Protection of the European External Border, http:\/\/69.89.31.227\/~sitesvar\/csw ro\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=128&amp;Itemid=49<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Initiative ziviles Bremen Bei der Abwehr \u201eillegaler\u201c Migration setzt die EU auch auf Satellitentechnologie.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,100],"tags":[391,570,703,955,1241],"class_list":["post-7634","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-094","tag-copernicus","tag-eurosur","tag-gmes","tag-migration","tag-satellitenaufklaerung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7634\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}