{"id":7652,"date":"2010-02-18T08:06:58","date_gmt":"2010-02-18T08:06:58","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7652"},"modified":"2010-02-18T08:06:58","modified_gmt":"2010-02-18T08:06:58","slug":"getroffene-hunde-bellen-die-alltaegliche-repression-gegen-fussballfans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7652","title":{"rendered":"Getroffene Hunde bellen &#8211;\u00a0Die allt\u00e4gliche Repression gegen Fu\u00dfballfans"},"content":{"rendered":"<h3>von Angela Furmaniak<\/h3>\n<p><strong>Im Februar 2010 sollte in den R\u00e4umen des Karlsruher Fanprojekts eine Veranstaltung zu \u201ePolizeigewalt im Fu\u00dfball \u2013 Strategien, Initiativen, Missverst\u00e4ndnisse\u201c mit einer Referentin des Fanprojekts Offenbach stattfinden. Nachdem die Polizei jedoch Druck auf das Projekt und dessen Tr\u00e4ger, den Stadtjugendring, ausge\u00fcbt hatte, sagte die Stadt die Veranstaltung ab.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Um verstehen zu k\u00f6nnen, weshalb eine Informations- und Diskussionsveranstaltung f\u00fcr Fu\u00dfballfans in den Augen der Polizei ein solches Gef\u00e4hrdungspotential in sich birgt, dass diese faktisch verboten wird, ist es notwendig, zun\u00e4chst die in und um die deutschen Stadien allgegenw\u00e4rtige Repression gegen Fu\u00dfballfans sowie deren Rechtfertigung durch die Sicherheitsbeh\u00f6rden, Gerichte und Medien n\u00e4her zu beleuchten.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Polizeigewalt gegen Fu\u00dfballfans steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Fankultur. War w\u00e4hrend der 70er und 80er Jahre die Fanlandschaft \u00fcberwiegend durch \u201ekuttendominierte\u201c Fanclubs gepr\u00e4gt, so traten in den 80er Jahren in den Stadien zunehmend so genannte Hooligans auf. Nachdem auch dieses Ph\u00e4nomen heute weitgehend aus den Stadien verschwunden ist, sind aktuell die \u201eUltras\u201c zur Hauptzielscheibe polizeilicher Ma\u00dfnahmen geworden.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Ultras sind besonders leidenschaftliche und aktive Fans, die ihren Verein bedingungslos unterst\u00fctzen. Neben dem optischen Support durch Choreografien, Doppelhalter, Schwenkfahnen und der Verwendung von Feuerwerk (\u201ePyro\u201c) spielt die akustische Unterst\u00fctzung durch Lieder, Ges\u00e4nge und Trommeln eine gro\u00dfe Rolle. Die meisten Ultragruppen bezeichnen sich als unpolitisch, gemeinsam ist ihnen jedoch eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem \u201emodernen Fu\u00dfball\u201c, also der zunehmenden Kommerzialisierung dieses Sports. Dabei mischen sie sich engagiert und kritisch in die Politik ihrer jeweiligen Bezugsvereine ein, die nur allzu oft mit dieser unbequemen und unangepassten Sorte von Fans ihre liebe M\u00fche haben. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der Ultras liegt im Kampf gegen Polizeigewalt und Repression.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Die Polizei ist mit dieser noch recht jungen Bewegung sichtlich \u00fcberfordert. So fehlt in der polizeilichen Wahrnehmung der Ultras nicht nur jedes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die komplexen subkulturellen Hintergr\u00fcnde dieser Szene, dar\u00fcber hinaus werden Ultras \u00fcblicherweise undifferenziert als \u201eProblemfans\u201c, \u201eGewaltt\u00e4ter\u201c und \u201eHooligans\u201c bezeichnet, denen nur mit massiver Repression begegnet werden kann.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Pyros, die untrennbar mit der Kultur der Ultras verbunden sind, werden pauschal als Gewalt gebrandmarkt. Dabei hat sich die Polizei zwischenzeitlich ein beachtliches Repertoire an Ma\u00dfnahmen zugelegt, welches gegen Fu\u00dfballfans zum Einsatz kommt.<\/p>\n<h4>Das Instrument der Stadionverbote<\/h4>\n<p>Auch \u00fcber die Fu\u00dfballwelt hinaus hat zuletzt das Instrument der Stadionverbote Bekanntheit erlangt. Stadionverbote werden von den im DFB zusammengeschlossenen Vereinen auf der Grundlage der \u201eRichtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten\u201c vom 31. M\u00e4rz 2008 verh\u00e4ngt. Der Bundesgerichtshof hat diese Praxis in einem aktuellen Urteil abgesegnet.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Um ein Stadionverbot zu verh\u00e4ngen, sei es bereits ausreichend, wenn eine Person Teil einer Gruppe sei, aus der heraus Gewalttaten ver\u00fcbt werden. Allein diese Zugeh\u00f6rigkeit rechtfertige die Annahme, dass die Person sich bei Fu\u00dfballveranstaltungen in einem zu Gewaltt\u00e4tigkeiten neigenden Umfeld bewege und von ihr k\u00fcnftig St\u00f6rungen zu besorgen seien. Diese Pr\u00e4misse enthebt die Vereine einer sorgf\u00e4ltigen Einzelfallpr\u00fcfung. F\u00fcr die Verh\u00e4ngung eines Stadionverbots gen\u00fcgt bereits die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.<\/p>\n<h4>Der allwochenendliche Repressionszirkus<\/h4>\n<p>\u00dcber die Stadionverbote hinaus bestehen noch weitere M\u00f6glichkeiten, unliebsame Fans aus den Stadien und deren Umgebung fernzuhalten. Sowohl bei Ausw\u00e4rts- als auch bei Heimspielen werden h\u00e4ufig auf Anregung der Polizei in Gestalt \u201eszenekundiger Beamter\u201c Meldeauflagen gegen Fans oder Betretensverbote f\u00fcr ein weitl\u00e4ufiges Gebiet rund um das Stadion nach den jeweiligen Landespolizeigesetzen verh\u00e4ngt. Die entsprechenden beh\u00f6rdlichen Verf\u00fcgungen legen in der Regel dar, dass von dem Betroffenen eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erwarten sei, weil er einer bestimmten Fangruppe angeh\u00f6re und in der Vergangenheit bereits Straftaten ver\u00fcbt habe. Hier eine Kostprobe: \u201eEs ist offensichtlich, dass Sie sich sehr stark zur Problemfanszene hingezogen f\u00fchlen. Ferner f\u00e4llt auf, dass Sie sich hooligan-typisch kleiden und Verhaltensweisen imitieren. Grunds\u00e4tzlich kann aufgrund dieser Erkenntnisse davon ausgegangen werden, dass Sie gezielt Auseinandersetzungen suchen.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Hat ein Fan das Gl\u00fcck, von solchen Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen verschont zu werden und macht sich auf den Weg zu einem Heimspiel, so muss er bereits weit vor dem Stadion damit rechnen, von der Polizei einer Personalienkontrolle nebst Durchsuchung unterzogen zu werden. Aus dem Bericht eines \u201eStadionverbotlers\u201c: \u201eWir sind angehalten worden zu \u2018ner Personalienkontrolle, gefragt worden, ob wir ins Stadion gehn. Mein Freund, der kein Stadionverbot hat, sagt \u201aJa\u2018, ich sage \u201aNein\u2018. Das hat der Polizist sich noch mal wiederholen lassen, hat ihn wohl verwirrt. Dann Ausweise ins Auto und wir kurz unsere Taschen geleert. Dann als die Ausweise zur\u00fcckgegeben wurden, haben sie mir gesagt, dass sie noch mal in meinen Geldbeutel schauen wollen, ob ich auch wirklich keine Eintrittskarte habe. &#8230;\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Diese Personalienkontrollen gehen im \u00dcbrigen nicht selten einher mit einer Freiheitsentziehung in Form eines Polizeikessels, der w\u00e4hrend der Dauer der Kontrolle um die betroffene Fangruppe gezogen wird.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Im Vergleich zu den Schikanen, mit denen aktive Fans allerdings bei Ausw\u00e4rtsspielen rechnen m\u00fcssen, muten die polizeilichen Ma\u00dfnahmen bei Heimspielen geradezu harmlos an.<\/p>\n<p>Erfolgt die Anreise der Fans mit Bussen, so werden diese insbesondere bei als \u201eHigh Risk Begegnungen\u201c eingestuften Spielen meist schon Kilometer vor dem Ziel von Polizeikr\u00e4ften abgefangen, h\u00e4ufig durchsucht und dann bis direkt vor das Stadion in abgesperrte G\u00e4stebereiche eskortiert.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Anreisen mit dem Zug f\u00fchren zu noch gravierenderen Ma\u00dfnahmen. Vom Bahnhof aus werden die Fans entweder direkt in Shuttle-Bussen zum Stadion verbracht oder in einem Polizeikessel zu Fu\u00df dorthin begleitet. Im M\u00e4rz 2009 gelangte eine Gruppe von Stuttgarter Fans erst gar nicht ins Karlsruher Stadion, weil sie unmittelbar davor eingekesselt und schlie\u00dflich mehrere Stunden in Polizeigewahrsam genommen wurde. \u201eAls ich am Wildparkstadion ankam, fielen mir sofort die vor dem Stadion eingekesselten Stuttgarter auf. Schon bald sollte sich herausstellen, dass f\u00fcr diese 160 Leute der Tag gelaufen war. Nacheinander wurde jeder einzelne von zwei Polizisten unter Aufsicht zahlreicher Kameras in die leeren Busse verfrachtet und anschlie\u00dfend zu einer Gefangenensammelstelle gebracht. Wer nicht anstandslos mitkam, wurde von mehreren Polizisten brutal zu Boden gedr\u00fcckt. \u2026 Nach dem Spiel wartete man dann mit den verbliebenen Ultras am Bahnhof auf die anderen Jungs, die nach 1-2 Stunden des Ausharrens dann auch unter starker Polizeipr\u00e4senz eintrafen. Die Begr\u00fc\u00dfung der in Gewahrsam Genommenen wurde einem unverst\u00e4ndlicherweise aber erst auf dem zweiten Teil der Zugstrecke gew\u00e4hrt, nachdem jeglicher Kontakt zuvor penibel von den Polizeibeamten unter\u00adbunden wurde.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Gegen alle einhundertsechzig Opfer des Karlsruher Kessels wurden anschlie\u00dfend Stadionverbote auf Bew\u00e4hrung verh\u00e4ngt, die nach wie vor G\u00fcltigkeit haben.<\/p>\n<p>Besonders im Visier der Sicherheitskr\u00e4fte stehen die \u201eStadionverbotler\u201c, also die Fans, die einem Stadionverbot unterliegen. Diese reisen in aller Regel dennoch gemeinsam mit ihren Freunden zu Ausw\u00e4rtsspielen an, um vor Ort in einer Gastst\u00e4tte das Spiel anzuschauen. Einmal als Gewaltt\u00e4ter abgestempelt, sind sie allerdings der besonderen Gefahr ausgesetzt, sich bereits im Vorfeld eines Spiels Meldeauflagen oder Betretensverbote einzuhandeln. Haben sie es bis in die Stadt des Ausw\u00e4rtsspiels geschafft, werden sie nicht selten sofort durch Einsatzkr\u00e4fte von ihren Freunden getrennt und in die f\u00fcr sie vorgesehene Kneipe eskortiert, wo sie w\u00e4hrend des gesamten Spiels \u201ebewacht\u201c werden.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig kommt es auch vor, dass ihnen noch nicht einmal das verg\u00f6nnt ist. Anl\u00e4sslich einer Begegnung zwischen dem SSV Reutlingen und dem SSV Ulm am 12. Dezember 2009 in Ulm wurde eine Gruppe von 13 Stadionverbotlern au\u00dferhalb des Stadions in polizeilichen Gewahrsam genommen. Ein Angeh\u00f6riger der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit wollte geh\u00f6rt haben, dass diese von Polizei gut bewachte und permanent abgefilmte Gruppe telefonisch mit gegnerischen Fans eine so genannte Drittortauseinandersetzung vereinbart habe. Die n\u00e4chsten zwei Stunden mussten die Fans dann ohne Verpflegung in Gefangenentransportern verbringen. Den Gewahrsam lie\u00df sich die Polizei im \u00dcbrigen telefonisch durch eine Bereitschaftsrichterin am Landgericht Ulm absegnen. Dass diese weder zust\u00e4ndig war noch die eigentlich erforderliche pers\u00f6nliche Anh\u00f6rung der Betroffenen oder eine sonstige Sachverhaltsaufkl\u00e4rung f\u00fcr n\u00f6tig hielt, war dann lediglich noch ein Bonmot am Rande.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Zwischenzeitlich stellte man den betroffenen Fans auch noch die Kosten f\u00fcr den Gewahrsam in Rechnung. Hiergegen wird aktuell per Widerspruch vorgegangen.<\/p>\n<h4>Kontrollwahn versus Kreativit\u00e4t<\/h4>\n<p>Ist der Fan dann am Stadion angelangt, geht die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Einsatz von Repressionsmitteln von der Polizei auf die Stadionordner \u00fcber, da den Vereinen das Hausrecht zukommt. Leider ist der Umgang der Ordner mit den Fans keineswegs sensibler oder zur\u00fcckhaltender als derjenige der Polizei.<\/p>\n<p>In vielen Stadionordnungen finden sich seit einigen Jahren Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Fanmaterial, die speziell auf die Ultrakultur zugeschnitten sind. So verbietet beispielsweise die \u201ePolizeiverordnung \u00fcber die Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung im badenova-Stadion in Freiburg i.Br. (Stadionverordnung)\u201c das \u201eMitf\u00fchren von Megaphonen, Fahnen- und Transparentstangen, die l\u00e4nger als ein Meter sind oder deren Durchmesser gr\u00f6\u00dfer als 3 cm ist, sowie Doppelhalter\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Zus\u00e4tzlich untersagen die verantwortlichen Vereine auch immer wieder Spruchb\u00e4nder oder Fahnen mit fanpolitisch unerw\u00fcnschtem Inhalt, z.B. Protestaussagen gegen Stadionverbote.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Dass \u00fcbereifrige Stadionordner die Einhaltung dieser Verbote sehr gerne akribisch \u00fcberwachen, versteht sich von selbst. So kommt es h\u00e4ufig zu erheblichen Verz\u00f6gerungen bei den Einlasskontrollen bis hin zu entw\u00fcrdigenden k\u00f6rperlichen Durchsuchungen. Dabei werden oft \u201eunauff\u00e4llig\u201c aussehende Personen wie Frauen oder \u00c4ltere besonderen Schikanen ausgesetzt, weil ihnen unterstellt wird, sie schmuggelten verbotenes Material ins Stadion. Immer wieder m\u00fcssen sich Personen in eigens am Stadion aufgestellten Zelten zum Zwecke der Durchsuchung komplett entkleiden.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Dass allerdings gegen die Kreativit\u00e4t der Fans jede noch so intensive Kontrolle machtlos ist, zeigt ein Ausschnitt aus einem Bericht einer Stuttgarter Ultragruppe nach einem Spiel gegen den VfL Wolfsburg Ende 2008: \u201eGro\u00dfe Schmuggelszene aufgrund zahlreicher Materialeinschr\u00e4nkungen des VfL, Hausverbot f\u00fcr die erwischten Fahnentr\u00e4ger, allerlei Material im Einsatz \u2013 Verbote halten uns nicht auf!\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Nur kurz erw\u00e4hnt seien noch Ausreiseverbote nach dem Passgesetz, die vor Spielen im Ausland verh\u00e4ngt werden, die Speicherung von Fu\u00dfballfans in diversen polizeilichen Datenbanken wie der Verbunddatei \u201eGewaltt\u00e4ter Sport\u201c oder der in Baden-W\u00fcrttemberg bei einigen Polizeidirektionen angesiedelten Arbeitsdateien f\u00fcr \u201eSzenekundige Beamte (SKB)\u201c, die so genannten Gef\u00e4hrderansprachen sowie die mannigfaltigen Strafverfahren, die h\u00e4ufig bereits wegen Kleinigkeiten eingeleitet werden und regelm\u00e4\u00dfig zu Stadionverboten f\u00fchren.<\/p>\n<p>Angesichts dieser st\u00e4ndig pr\u00e4senten Repression ist es fast erstaunlich, dass die Reaktionen der Fans \u00fcblicherweise weitgehend besonnen sind und es nicht h\u00e4ufiger zu massiven Auseinandersetzungen mit den eingesetzten Sicherheitskr\u00e4ften kommt: \u201eNaja. Man gew\u00f6hnt sich im Laufe der Jahre halt irgendwie dran. Die Polizei ist halt schon immer da, auch wenn es \u00fcber die Jahre schlimmer geworden ist. Da legt man sich halt ein dickes Fell zu. So richtig der Hass kommt aber z.B. hoch, wenn sich einer der szenekundigen Beamten, der uns pers\u00f6nlich kennt, bei uns Stadionverbotlern w\u00e4hrend eines Spiels grinsend erkundigt, ob wir keine Karten mehr bekom\u00admen haben.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<h4>Getroffene Hunde bellen<\/h4>\n<p>Dass die Repression gegen Fu\u00dfballfans so unverhohlen eingesetzt wird und sich dagegen au\u00dferhalb der Fu\u00dfballwelt kaum Widerstand oder auch nur Protest regt, d\u00fcrfte u.a. darauf zur\u00fcck zu f\u00fchren sein, dass Fu\u00dfballfans kaum eine gesellschaftliche Lobby haben. Zu sehr herrscht in der \u00f6ffentlichen Meinung das Bild vom betrunkenen gewaltt\u00e4tigen Hooligan vor, dem \u201egef\u00e4hrlichen Mob, der die Kurve regiert\u201c,<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> f\u00fcr den sich kaum ein Parlamentarier und nur wenige b\u00fcrgerrechtlich engagierte Personen einsetzen wollen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund einer solchen Medienkulisse und der weitgehend fehlenden Lobby gegen Polizeigewalt hat es die Polizei leicht. Sie kommt nicht in Rechtfertigungsn\u00f6te und kann sich der \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber ihren Umgang mit den Fans, \u00fcber die st\u00e4ndigen Schikanen und Repressionen, problemlos entziehen. Dass sie trotzdem meint, Veranstaltungen wie die eingangs erw\u00e4hnte in Karlsruhe verbieten zu m\u00fcssen, zeigt, dass \u201egetroffene Hunde\u201c tats\u00e4chlich \u201ebellen\u201c.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/akpolizeigewalt.blogsport.de\/\">http:\/\/akpolizeigewalt.blogsport.de\/<\/a><\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Gabriel, M.: Eine Antwort auf die Modernisierung des Fu\u00dfballsports?, in: B\u00fcndnis aktiver Fu\u00dfballfans (Hg.): Ballbesitz ist Diebstahl, G\u00f6ttingen 2004, S. 179-194<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> ebd., S. 179, 183, 186; Pilz, G.; W\u00f6lky-Schumacher, F.: Overview of the Ultra culture phenomenon in the council of Europe member states in 2009, v. 18.1.2010, p. 15, 22<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Radek, J.: Polizei ist Feindbild vieler Ultras, in: Deutsche Polizei 2010, H. 3, S. 22-26<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Bundesgerichtshof: Urteil v. 30.10.2009, Az.: VZR 253\/08<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Verf\u00fcgung der Stadt K. v. 19.1.2010, Az.: 401 Ne\/Ho<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> E-Mail eines Stuttgarter Ultras v. 3.3.2010<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> so z.B. am 27.2.2010 in Stuttgart gegen eine Gruppe von acht Stuttgarter Fu\u00dfballfans (ca. halbst\u00fcndiger Kessel)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> So z.B. geschehen am 22.1.2010 beim Ausw\u00e4rtsspiel des VfB Stuttgart in Freiburg.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Commando Cannstatt: StoCCarda. Saisonheft 2008\/2009, Stuttgart 2009, S. 32<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Zu den Voraussetzungen des Polizeigewahrsams vgl. Bundesverfassungsgericht: Beschluss v. 13.12.2005, Az.: 2 BvR 447\/05<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Stadionverordnung der Stadt Freiburg i.Br. vom 10.7.2007<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> So z.B. am 13.5.2009 beim Spiel Schalke 04 gegen den VfB Stuttgart, vgl. Commando Cannstadt a.a.O. (Fn. 10), S. 60<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Oberverwaltungsgericht Saarland: Urteil v. 30.11.2007, Az.: 3 R 9\/06<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Commando Cannstadt a.a.O. (Fn. 10), S. 13<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> E-Mail eines Stuttgarter Ultras v. 3.3.2010<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Mainpost v. 4.3.2010, www.mainpost.de\/sport\/einwurfkolumnen\/Einwurf-In-der-Kurve-regiert-der-Mob;art17133,5490793<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Die Verfasserin dankt dem \u201eCommando Cannstatt\u201c f\u00fcr die vielen Hinweise und Informationen<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Angela Furmaniak Im Februar 2010 sollte in den R\u00e4umen des Karlsruher Fanprojekts eine Veranstaltung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,101],"tags":[643,820,1112,1200,1362],"class_list":["post-7652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-095","tag-fussball","tag-justiz","tag-polizeigewalt","tag-rechtssprechung","tag-stadionverbote"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7652"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7652\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}