{"id":7687,"date":"2010-12-18T08:32:51","date_gmt":"2010-12-18T08:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/cilip.site36.net\/?p=7687"},"modified":"2010-12-18T08:32:51","modified_gmt":"2010-12-18T08:32:51","slug":"literatur-31","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=7687","title":{"rendered":"Literatur"},"content":{"rendered":"<h4>Zum Schwerpunkt<\/h4>\n<p>Dass Private Strafverfolgung betreiben, dass die \u00dcbertretung allge\u00admein\u00adver\u00adbindlicher Gesetze nicht von staatlichen Organen verfolgt wird, dass es unterschiedliche Konstellationen der (Nicht-)Zusammenarbeit zwischen \u00f6ffentlich-staatlichen und privatwirtschaftlich organisierten Einrichtungen gibt \u2013 \u00fcber diese un\u00fcbersehbaren Entwicklungen gibt es zumindest im deutschen Sprachraum nicht viel mehr als vage Vermutungen, die sich aus \u201eSkandalen\u201c und journalistischen Berichten n\u00e4hren. Seri\u00f6se wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen sind so gut wie nicht vorhanden. Im Unterschied zu jenen privat-\u00f6ffentlichen Polizeikooperationen, die sich auf Streifendienste, die \u00dcberwachung des Raumes etc. beziehen, findet die \u201eprivate\u201c Bearbeitung strafbaren Verhaltens ebenso wie die Arbeitsteilung mit der \u00f6ffentlichen (Kriminal-)Polizei unter Aus\u00adschluss von \u00d6ffentlichkeit und Wissenschaft statt. Nur wenige Ausnahmen sind erw\u00e4hnenswert.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Morath, Mona:<\/strong> <em>Private Strafermittlungen. Eine Studie unter beson\u00adderer Ber\u00fccksichtigung der Problematik privater Straftatenaufkl\u00e4rung durch organisierte Sicherheitsdienste, Hamburg 1999<\/em><\/p>\n<p>Angesichts der (damals) erwarteten Steigerungen von Kriminalit\u00e4t und den begrenzten Ressourcen, die f\u00fcr den Ausbau der Polizeien zur Verf\u00fc\u00adgung st\u00fcnden, pl\u00e4dierte diese juristische Dissertation f\u00fcr ein \u201ekooperierendes Miteinander\u201c (S.\u00a0268) von Polizei und privaten Ermittlungsdiensten. Grundlegende rechtliche Probleme werden nicht gesehen. Die privaten Ermittler m\u00fcssten besser ausgebildet, die Betriebe m\u00fcssten konzessioniert werden. Die T\u00e4tigkeiten der Privaten seien durch Datenschutzbestimmungen, allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrechte, durch das Strafrecht und durch das Verbot verdeckter Methoden ausreichend begrenzt. Lediglich das Verbot bestimmter Vernehmungsmethoden m\u00fcsste auf die Privaten ausdehnt werden. Unter diesen Bedingungen, so meint die Autorin, stellten \u201eprivate Strafermittlungen\u201c eine \u201esinnvolle Erg\u00e4nzung\u201c des staatlichen Strafverfolgungssystems dar.<\/p>\n<p><strong>Bussmann, Kai-D.; Werle, Markus M.:<\/strong> <em>Addressing Crime in Companies. First Findings from a Global Survey of Economic Crime, in: British Journal of Criminology 2006, No. 6, pp.\u00a01128-1144<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2005 wurden rund 5.500 Unternehmen weltweit \u00fcber ihre Erfahrungen mit und ihre Reaktionen auf Wirtschaftskriminalit\u00e4t befragt. Die Untersuchung erfolgte in Zusammenarbeit mit \u201ePrice Waterhouse Coopers International\u201c, einem der gro\u00dfen Anbieter auf dem globalen Si\u00adcherheitsmarkt zur Bek\u00e4mpfung von Wirtschaftskriminalit\u00e4t. Interessant an den Befunden ist die insgesamt geringe Bedeutung, die die Unternehmen der staatlichen Polizei geben: Nur vier Prozent der Delikte seien von der Polizei entdeckt worden \u2013 wobei erhebliche regionale Unterschiede existieren. Die Bereitschaft, die \u00f6ffentliche Strafverfolgung einzuschalten, sinke erheblich, wenn der Beschuldigte aus dem Unternehmen stamme. In 80 Prozent dieser F\u00e4lle komme es zu einer Entlassung, nur die H\u00e4lfte w\u00fcrden zur Anzeige gebracht. Weltweit, so die Autoren zusammenfassend, h\u00e4tten Unternehmen \u201eein Set von Strategien zur Pr\u00e4vention und Kontrolle im Schatten des Systems der Kriminaljustiz\u201c entwickelt.<\/p>\n<p><strong>Jaeger, Rolf Rainer:<\/strong> <em>Problematik privater Ermittlungsorganisationen in Unternehmen, in: der kriminalist 2008, H. 1, S.\u00a019-24<\/em><\/p>\n<p>Aus polizeilicher Sicht benennt der stellvertretende Bundesvorsitzende des \u201eBundes Deutscher Kriminalbeamter\u201c einige problematische Aspekte \u201eprivater Ermittlungsorganisationen\u201c in Unternehmen. Die Bedeutung dieser \u201eFirmenkripo\u201c werde insgesamt erheblich untersch\u00e4tzt. F\u00fcr ihre Arbeit sei kennzeichnend, dass sie sowohl im Hinblick auf die verfolgten Ziele wie die eingesetzten Methoden an die Interessenlage der Unterneh\u00admen gebunden blieben. Schadensbegrenzung und -wiedergut\u00adma\u00adchung, einvernehmliche und \u201eger\u00e4uschlose\u201c interne L\u00f6sungen, R\u00fcckgriff auf die Polizei nur in besonderen Konstellationen \u2013 das seien die grundlegenden Merkmale dieses Gewerbes. Die Kosten f\u00fcr die Allgemeinheit (die Geltung des Strafrechts wird unterlaufen, kriminelle Besch\u00e4ftigte und Kunden suchen sich neue Opfer) und f\u00fcr die Betroffenen (geringer Schutz gegen falsche Anschuldigungen und unerlaubte Ermittlungen; \u201eErmittlungen\u201c und Strafe erfolgen durch das Unternehmen) sind offenkundig. Liest man Jaegers Kritik aufmerksam, kann man kaum f\u00fcr privat-polizeiliche Kooperationen pl\u00e4dieren. Wer es Ernst meint mit rechtsstaatlichen Garantien, mit dem Schutz von Beschuldigten, mit der Gewaltenteilung und mit der G\u00fcltigkeit eines allgemeinen Rechts, der muss \u201eFirmenkripos\u201c als undemokratische Einrichtungen ablehnen.<\/p>\n<p><strong>Schneider, Stephen: <\/strong><em>Privatizing economic crime enforcement: Exploring the Role of Private Sector Investigative Agencies in Combating Money Laundering, in: Policing &amp; Society 2006, No. 3, pp.\u00a0285-312<\/em><\/p>\n<p><strong>Favarel-Garrigues, Gilles; Godefroy, Thierry; Lascoumes, Pierre:<\/strong><em> Sentinels in the Banking Industry, in: British Journal of Criminology 2008, No.\u00a01, pp. 1-19<\/em><\/p>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche ist eines der zentralen Felder, in denen die Interessen der Privatwirtschaft (Banken etc.), des Staates und einer spezialisierten Sicherheitsindustrie gleichf\u00f6rmig zusammenlaufen. Seit die Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung zum strategischen Ansatzpunkt zur Schw\u00e4\u00adchung von Drogenhandel, organisierter Kriminalit\u00e4t und Terrorismus ge\u00adworden ist, genie\u00dfen die Initiativen, \u201eschmutziges\u201c Geld aus dem sauberen Geldkreislauf fernzuhalten, politische Priorit\u00e4t. Die Fallstudien zu f\u00fcnf englischsprachigen L\u00e4ndern (Schneider) und zu Frankreich (Favarel-Garrigues u.a.) werfen ein Schlaglicht auf die entstehende Professionalisierung der \u201eprivaten\u201c Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfer und ihre Zusammenarbeit mit staatlichen Instanzen. W\u00e4hrend Schneider f\u00fcr eine st\u00e4rkere Regulierung der privaten Aktivit\u00e4ten pl\u00e4diert, um sie in eine Partnerschaft mit dem Staat einzubinden, betonten die Autoren der franz\u00f6sischen Studie bereits entstandene Kooperationen, die zu einer \u201ejoint intelligence production\u201c gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p><strong>Gill, Martin; Hart, Jerry:<\/strong> <em>Policing as a business: The organisation and structure of private investigation, in: Policing &amp; Society 1997, No. 2, pp.\u00a0117-141<\/em><\/p>\n<p>Nur als Illustration, was anderswo schon lange m\u00f6glich war, in Deutsch\u00adland niemanden zu interessieren scheint: Gill und Hart fertigen Mitte der 90er Jahre eine empirische Bestandsaufnahme des privaten Ermittlungsgewerbes in England an. Im Ergebnis liefern sie vier idealtypische Modelle, in denen \u201eprivate investigators\u201c t\u00e4tig werden: 1. der allein arbeitende Ermittler, 2. kleinere Firmen mit wenig Besch\u00e4ftigten, die in der Regel f\u00fcr Rechtsanw\u00e4lte t\u00e4tig werden, 3. Firmen mit mehr Besch\u00e4ftigten, gr\u00f6\u00dferem Umsatz und regionaler oder nationaler Reichweite und 4. \u201eprestige companies\u201c, die sich auf wirtschaftskriminalistische Ermittlungen spezialisiert haben. Durch formelle und informelle Netzwerke seien die unterschiedlichen Akteure miteinander verbunden.<\/p>\n<h4>Aus dem Netz<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bdd.de\">www.bdd.de<\/a><\/p>\n<p>Wenig erf\u00e4hrt man auf der Hompage des \u201eBundesverbandes Deutscher Detektive e.V.\u201c \u00fcber die Ermittlungst\u00e4tigkeiten seiner Mitglieder (die nur ca.\u00a010 Prozent der Detekteien Deutschlands ausmachen). Immerhin l\u00e4sst sich den j\u00e4hrlichen Kurzberichten entnehmen, dass 2009 mehr als die H\u00e4lfte der Auftr\u00e4ge aus \u201eWirtschaft\/In\u00addustrie\/Handwerk\u201c kamen. Dabei stellten Banken, Kreditinstitute und Versicherungen nur 16 Prozent der Auftraggeber. In 52 Prozent der F\u00e4lle h\u00e4tten die \u201edetektivischen Ermittlungsergebnisse\u201c zu einer \u201eprivaten oder innerbetrieblichen Regelung\u201c gef\u00fchrt; in 30 Prozent sei es zu einer Anzeige\/einem Prozess gekommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bdws.de\">www.bdws.de<\/a><\/p>\n<p>Der \u201eBundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e.V.\u201c ist der Spitzenverband der privaten Sicherheitsbranche. In seinem Focus stehen die klassischen Bewachungs- und Sicherungst\u00e4tigkeiten. In welchem Ausma\u00df seine 828 Mitgliedsfirmen \u2013 darunter die Gro\u00dfen der Branche \u2013 auch kriminalistisch t\u00e4tig werden, l\u00e4sst sich der Homepage nicht entnehmen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.asw-online.de\">www.asw-online.de<\/a><\/p>\n<p>In der \u201eArbeitsgemeinschaft f\u00fcr Sicherheit der Wirtschaft e.V.\u201c (ASW) sind faktisch die Sicherheitsabteilungen der gro\u00dfen Unternehmen zusam\u00admengeschlossen. Mitglieder sind neben acht Landesverb\u00e4nden u.a. die Spitzenverb\u00e4nde der deutschen Wirtschaft (DIHK, BDI, BDA) sowie der BDWS und der BDD. Nach ihren \u201eLeits\u00e4tzen\u201c vertritt die ASW \u201edie Sicherheitsinteressen der Wirtschaft gegen\u00fcber Politik, Staat und Gesellschaft\u201c. Der Verband propagiert ein \u201eSicherheitsmanagement\u201c als \u201ekontinuierliche(n) Prozess der fr\u00fchzeitigen Identifizierung und Abwehr aller Risiken und Gefahren unter Ber\u00fccksichtigung der Unternehmensstrategie und Gesch\u00e4ftsziele\u201c. Die Zusammenarbeit mit dem Staat m\u00fcsse intensiviert werden; ein \u201enationaler Sicherheitsrat\u201c sei denkbar. Und auch die \u201eErrichtung integrierter gemeinsamer Fr\u00fchwarnstrukturen\u201c sei m\u00f6glich.<\/p>\n<p>(alle: Norbert P\u00fctter)<\/p>\n<h4>Sonstige Neuerscheinungen<\/h4>\n<p><strong>Hoogenboom, Bob<\/strong>: <em>The Governance of Policing and Security. Ironies, Myths and Paradoxes, Houndmills, Basingstoke (Palgrave Macmillan) 2010, 236 S., EUR 71,\u2013<\/em><\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Kapitel Altpapier, eine zu harte Bewertung? Hoogenboom ist es nicht gelungen, einen einzigen neuen Gedanken zu entwickeln, von den Redundanzen einmal abgesehen, auch wenn er in der Einleitung (S.\u00a09) behauptet, er werde die Leser mit seinem Buch noch sensibler machen f\u00fcr Entwicklungen in der Kriminalpolitik \u201eby pinpointing new themes and new research questions\u201c. Um es wenigstens anzudeuten, im zweiten Kapitel hei\u00dft es etwa, es sei zwischen \u201efictional\u201c and \u201efactual policing\u201c zu unterscheiden (S.\u00a017-38), also: nicht alles, was zu Ver\u00e4nderungen in Polizeitaktiken und -strategien von Politik, Polizei und Sozialwissenschaft behauptet wird, findet tats\u00e4chlich statt. Chapeau! Den Vorwurf, seine Kolleginnen und Kollegen aus der Kriminologie w\u00fcrden sich nicht oder zu wenig um die Empirie k\u00fcmmern \u2013 \u201efactual policing is a \u201aneglected\u2018 subject\u201c (S.\u00a020) \u2013, erh\u00e4rtet er nicht. Im dritten Kapitel, das sich mit \u201eneuen\u201c Kooperationsformen zwischen Polizei, Milit\u00e4r, Geheimdiensten und der Bedeutung neuer Technologien f\u00fcr die Polizeiarbeit auseinandersetzt, behauptet er zum Ende apodiktisch, all das sei \u201eunderresearched and \u2026 in fact sometimes not studied at all\u201c (S.\u00a056). Nun, dass es immer noch mehr Forschungsbedarf geben kann, geschenkt, aber es w\u00e4re dann doch sch\u00f6n gewesen, Hoogenboom h\u00e4tte sich die M\u00fche gemacht, aktuelle Literatur zu den von ihm vermeintlich identifizierten Forschungsl\u00fccken zur Kenntnis zu nehmen \u2013 die Studien von Wakefield (2003) und Button (2007) zur Zusammenarbeit von Polizei und kommerziellen Sicherheitsdiensten tauchen in der Literatur nicht auf, auch nicht die Arbeiten von Coaffee et al. (2009) und Aas et al. (2009) zur Bedeutung von \u00dcberwachungstechnologien \u2013 Stephen Graham (2004, 2009) scheint ihm gar kein Begriff; die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen. Selbst die (berechtigte) Kritik am Konzept des \u201enodal policing\u201c-Ansatzes von Shearing, Stenning, Wood und anderen \u2013 noch dazu unter dem Motto \u201ewas sich liebt, das neckt sich\u201c (S.\u00a0200, deutsch im Original) \u2013 verbleibt an der Oberfl\u00e4che. Der Verlag hatte das Buch stets als Koproduktion mit Maurice Punch angek\u00fcndigt, und Hoogenboom erw\u00e4hnt in einer Endnote, \u201ewe disentangeled ourselves from this book and chose different avenues\u201c (S.\u00a0216). Vielleicht h\u00e4tte Hoogenboom besser an der Seite von Punch bleiben sollen \u2013 ein \u00e4rgerliches und \u00fcberfl\u00fcssiges Buch.<\/p>\n<p><strong>Deflem, Mathieu (ed.)<\/strong>:<em> Surveillance and Governance: Crime Control and Beyond, Bingley (Emerald Publishing) 2008, 378 S., EUR 77,\u2013<\/em><\/p>\n<p>Der vom Soziologen Mathieu Deflem herausgegebene Band umfasst 16 Beitr\u00e4ge, die, in vier Unterkapitel gegliedert, sich der Foucaultschen Gouvernementalit\u00e4tstheorie verpflichtet f\u00fchlen. Im ersten Teil, <em>Boundaries and Spaces<\/em>, wird die (soziale Konstruktion der) Grenze und der \u00fcberwachte Raum so in den Blick genommen, dass deutlich wird, \u00dcberwachung ist heute B\u00fcrgerpflicht (James Walsh), aber auch hoch umstritten \u2013 Video\u00fcberwachung anl\u00e4sslich der Winter-Olympiade 2010 in Vancouver und Whistler (Kevin Haggerty, Laura Huey, Richard Ericson) \u2013 und sehr variabel einsetzbar \u2013 \u00dcberwachung am Flughafen Orly und im \u201aProblemquartier\u2018 Dammarie-Les-Lys. Im zweiten Abschnitt, <em>Technologies and Strategies<\/em>, wird Hausarrest als Teil neoliberaler Regierungsform gelesen (William Staples, Stephanie Decker), dem FBI in Universit\u00e4ten und Bibliotheken nachgesp\u00fcrt (Scott White), staatliche \u00dcberwachung in sozialen Bewegungen analysiert (David Cunningham, John Noakes) und werden kommerzielle Sicherheitsdienste als Verl\u00e4ngerung des staatlichen Gewaltmonopols identifiziert (Michael McCahill). Unter der \u00dcberschrift <em>Objectives and Counter Objectives<\/em> wird u.a. gezeigt, wie \u201ader B\u00fcrger\u2018 in Australien, Gro\u00dfbritannien, Kanada und den USA (freiwillig) zum Koproduzenten von Sicherheit wird \u2013 solange er wei\u00df ist (Janet Chan). Die Doppelrolle des Internet als Ort politischen Widerstands (Benoit Dupont) und effektiverer staatlicher Kontrolle (Kevin Stevenson) wird ebenso beleuchtet, wie \u2013 im letzten Abschnitt, <em>Beyond Crime Control<\/em> \u2013 der Einsatz von \u00dcberwachungstechnologien im Schulwesen, die Ausgrenzung verst\u00e4rken (John Gilliom), aber zumindest auch sichtbar machen kann (Nathan Harris, Jennifer Wood). Auch f\u00fcr diejenigen, denen Foucault nicht als Richtschnur gilt, ein fundierter und empirisch satter Band.<\/p>\n<p><strong>Tsoukala, Anastassia<\/strong>:<em> Football Hooliganism in Europe. Security and Civil Liberties in the Balance, Houndmills, Basingstoke (Palgrave Macmillan) 2010, 179 S., EUR 48,\u2013<\/em><\/p>\n<p><strong>Bach, Stefanie<\/strong>: <em>Die Zusammenarbeit von privaten Sicherheitsunternehmen, Polizei und Ordnungsbeh\u00f6rden im Rahmen einer neuen Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland. Beobachtungen und Analysen im Zusammenhang mit der FIFA WM 2006, Holzkirchen\/Obb. (Felix Verlag) 2008, 237 S., EUR 39,\u2013<\/em><\/p>\n<p>Tsoukala, Professorin f\u00fcr Kriminologie in Paris, zeichnet in ihrer Arbeit die Geschichte der Kriminalisierung so genannter \u201aHooligans\u2018 und deren (nachtr\u00e4gliche) Legalisierung durch national- und europarechtliche Regulierungen nach. Sie kann zeigen, dass und wie es seit Mitte der 80er Jahre im Zuge der Kommerzialisierung des europ\u00e4ischen Fu\u00dfballs zur Erfindung \u201ades Anderen\u2018 gekommen ist: des \u201aHooligan\u2018. Das Drama im Heysel-Stadion \u201emerely accelarated a change that was already underway\u201c (S.\u00a026). Zwischen Mitte der 80er Jahre und 1997 setzt sich diese Linie durch, und auch die Polizeistrategien vereinheitlichen sich auf europ\u00e4ischer Ebene. Seitdem \u201ecombating football hooliganism was no longer simply an area into which policing methods were being imported from other domains, but had now become a method for testing and importing new internal security methods\u201c (S.\u00a0118). \u00dcber die Figur des \u201aHooligan\u2018, wie Tsoukala u.a. anhand der Etablierung von Videosystemen, Reisebeschr\u00e4nkungen und Stadionverboten nachweist, \u201ethe breaching of civil liberties has become invisible to society because legal abnormality is now accepted as normal\u201c (S.\u00a0134).<\/p>\n<p>Einen anderen Fokus w\u00e4hlt Bach in ihrer Dissertation und konzentriert sich auf die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Aus dem reichhaltigen Material \u2013 allein 21 Vertreter des kommerziellen Wach- und Sicherheitsgewerbes wurden interviewt \u2013 sollen lediglich drei Aspekte hervorgehoben werden: Erstens ist beeindruckend, wie sehr die interviewten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Sicherheitsunternehmen ihre Besch\u00e4ftigten offensichtlich f\u00fcr \u201aVollidioten\u2018 halten (S.\u00a054); zweitens kann Bach zeigen, wie die vielger\u00fchmten <em>Volunteers<\/em> \u2013 immerhin 12.000 freiwillige, nicht entlohnte Helfer \u2013 in die Sicherheitsstrukturen unter dem Kommando kommerzieller Sicherheitsdienste in die Kontrollstrategien w\u00e4hrend der FIFA Weltmeisterschaft eingebunden wurden (S.\u00a0153 ff.); drittens, und zu dieser Schlussfolgerung sind die politisch Verantwortlichen f\u00fcr den Einsatz kommerzieller Sicherheitsdienste selbst nach dem Desaster der \u201aLove Parade\u2018 im Juli 2010 mit 21 Toten bisher nicht gelangt, betont Bach mit Blick auf die Fu\u00dfball-WM, \u201ekann nur ein einziges Fazit gezogen werden: die Gewerbeaufsicht im Bereich des Sicherheits- und Bewachungsgewerbes muss intensiver und effektiver ausge\u00fcbt werden\u201c (S.\u00a0206). Die Arbeit ist an manchen Stellen ungenau und vermischt Planungen der FIFA mit der tats\u00e4chlichen Umsetzung von Ma\u00dfnahmen (etwa beim Einsatz von RFID), aber sie setzt gleichwohl Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr \u201aevents to come\u2018.<\/p>\n<p>(alle: Volker Eick)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Schwerpunkt Dass Private Strafverfolgung betreiben, dass die \u00dcbertretung allge\u00admein\u00adver\u00adbindlicher Gesetze nicht von staatlichen Organen<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[103,148],"tags":[],"class_list":["post-7687","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cilip-097","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7687"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7687\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}