{"id":8005,"date":"2003-12-29T15:00:44","date_gmt":"2003-12-29T15:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/cilip.site36.net\/?p=8005"},"modified":"2003-12-29T15:00:44","modified_gmt":"2003-12-29T15:00:44","slug":"rechnung-ohne-wirt-digitalfunk-nicht-nur-eine-kostenfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=8005","title":{"rendered":"Rechnung ohne Wirt &#8211;\u00a0Digitalfunk \u2013 nicht nur eine Kostenfrage"},"content":{"rendered":"<h3>von Stephan Stolle<\/h3>\n<p><strong>Der heutige Analog-Sprechfunk sei veraltet, hei\u00dft es seit Anfang der 90er Jahre. Die \u201eBeh\u00f6rden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben\u201c (BOS) \u2013 Polizei, Zoll, Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschutz \u2013 wollen auf Digital-Funk umsteigen.<\/strong><\/p>\n<p>Seit \u00fcber 30 Jahren kommen Polizei- und Rettungskr\u00e4fte mit ihrem ana\u00adlogen Funk bestens zurecht. Die Kommunikation, die im Wesentlichen \u00fcber zwei UKW-B\u00e4nder (4m und 2m) verl\u00e4uft, hat sich durch den technischen Fortschritt st\u00e4ndig verbessert und wurde immer weniger st\u00f6ranf\u00e4llig. Die allgemeine Miniaturisierung der Bauteile f\u00fchrte im Laufe der Zeit zu handlichen, robusten Ger\u00e4ten, die in hunderttausendfachen St\u00fcckzahlen leitstellenvermittelte Verst\u00e4ndigung (Dispatching) erm\u00f6glichen. Strecken von einem bis 50 km oder (relaisvermittelt) \u00fcber hunderte Kilometer werden bew\u00e4ltigt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Analog-Funk erf\u00fcllt alle geforderten Aufgaben: das F\u00fchren von Kr\u00e4ften im mobilen Einsatz \u00fcber Leitstellen, den Einbezug von Rettungs- und Polizeihubschraubern in das Netz, die Bildung funktionaler Gruppen und die freie \u201eGer\u00e4t zu Ger\u00e4t\u201c-Kommunikation. Deutschland stellte durch ein System verschiedener DIN-Normierungen fr\u00fchzeitig sicher, dass ein gleichbleibend hoher Qualit\u00e4tsstandard gewahrt blieb. Ein Parallelsystem f\u00fcr Aus- und Fortbildung erm\u00f6glichte seit den 70er Jahren das Berufsbild des Leitstellenfunkers und stellte damit die Bedienungssicherheit auf Personalseite sicher.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Zwar mussten die bundesweit festgelegten Frequenzpl\u00e4ne und Kanalzuweisungen 1974 \u00fcberarbeitet werden, weil die Gebietsreform jener Jahre die Gemeinde-, Kreis- und Bezirksgrenzen und damit die Einteilung des so genannten Versorgungsgebietes ver\u00e4ndert hatte.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Auch der Vertrag \u201eFunktechnische Anpassung\/Ost\u201c, mit dem 1992 das \u201eBeitrittsgebiet\u201c dem bundesrepublikanischen Standard angepasst wurde, brachte neue Frequenzzuweisungen sowie umfangreiche (und kostspielige) Ger\u00e4teanschaffungen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Ernst\u00adhafte Probleme wurden jedoch nicht berichtet.<\/p>\n<p>F\u00fcr Standardmeldungen (Abfahrt, R\u00fcckfahrt, angekommen usw.) gibt es inzwischen das Funkmeldesystem (FMS) und zur Alarmierung F\u00fcnf-Ton-Melodie-Folgen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Der Analog-Funk ist zwar nicht grunds\u00e4tzlich abh\u00f6rsicher, aber die Einf\u00fchrung von taktischen (ab 1978) und technischen Verschleierungsm\u00f6glichkeiten (\u201eZerhacker\u201c) erschwert un\u00adbefugtes Mith\u00f6ren.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Eine \u00dcbertragung von Bildern und Daten ist beim Analog-Funk eben\u00adso wenig m\u00f6glich wie die unmittelbare Abfrage von polizeilichen Datenbanken oder die direkte Einwahl ins Telefonnetz. Ferner wird mangelnde Frequenz\u00f6konomie und generell \u201everaltete Technik\u201c bem\u00e4ngelt. Angeblich stellt gar die Industrie die Produktion von Ger\u00e4ten und Ersatzteilen in absehbarer Zeit ein.<\/p>\n<h4>Mit Schengen ins digitale Zeitalter<\/h4>\n<p>Mit der Schengen-Kooperation bahnte sich eine neuerliche Ver\u00e4nderung im polizeilichen Funkwesen an. Das 1990 unterzeichnete Schengener Durchf\u00fchrungs\u00fcbereinkommen (SD\u00dc) sieht nicht nur den Abbau der Kontrollen an den Binnengrenzen, sondern als \u201eAusgleichsma\u00dfnahme\u201c diverse grenz\u00fcberschreitende Methoden vor, die ohne eine ebenfalls grenz\u00fcberschreitende Kommunikation zumindest erschwert w\u00e4ren. \u201eInsbesondere im Hinblick auf die rechtzeitige \u00dcbermittlung von Informationen im Zusammenhang mit der grenz\u00fcberschreitenden Observation und Nacheile\u201c sieht deshalb Art. 44 Abs. 1 des Abkommens vor, kurzfristig \u201edirekte Telefon-, Funk-, Telex- und andere Verbindungen\u201c in den Grenzgebieten einzurichten. In einem 20 km breiten deutsch-niederl\u00e4ndischen Grenzstreifen entstand in der Folge das KTS-Netz (Kortje Termijn Schengen), das die Leitstellen beider L\u00e4nder verbindet und \u00fcber die Leitstellen auch den direkten Funkkontakt zwischen den Einsatzkr\u00e4ften erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber diese Sofortma\u00dfnahmen hinaus\u201c, so hei\u00dft es in Absatz 2 desselben Artikels, sollten die Vertragsstaaten die \u201eKoordinierung ihrer Pro\u00adgramme f\u00fcr den Erwerb von Kommunikationsger\u00e4ten\u201c pr\u00fcfen \u2013 und zwar \u201emit dem Ziel der Einrichtung genormter und kompatibler Kommunikationssysteme\u201c. F\u00fcr die an der \u201eUntergruppe Telekommunikation\u201c des Schengener Exekutivausschusses beteiligten PolizeivertreterInnen war klar, dass diese EU-weite Harmonisierung auf digitalen Standards zu beruhen hatte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend analoge Technik Sprache f\u00fcr den Zeitraum der \u00dcbermittlung in elektromagnetische Schwingungen \u00fcbersetzt und zur\u00fcck\u00fcbersetzt, funktioniert Digitalfunk ganz anders: Sprache und Daten werden in die bekannten 0 und 1 Bit-Folgen gewandelt und als digitale P\u00e4ckchen auf die Reise geschickt. Und zwar mit Hilfe einer umfangreichen technischen Infrastruktur. Fortan sind althergebrachte Termini wie senden, empfangen, Kanal etc. ohne Bedeutung.<\/p>\n<p>\u00dcber drei in hierarchischer Folge angeordnete Rechner werden die P\u00e4ckchen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob sie W\u00f6rter, Datens\u00e4tze oder Bilder repr\u00e4sentieren, fortan nur mehr verwaltet bzw. \u201egehandelt\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Die Transmission Base Station (TBS) registriert einen gew\u00fcnschten Verbindungsaufbau und organisiert ihn; das Local Switching Center (LSC) identifiziert die Verbindungspartner, weist beiden eine Funkzelle zu und protokolliert das Ganze; das Mobile Switching Center (MSC) schlie\u00dflich wacht \u00fcber die Gesamtheit der eingebuchten Ger\u00e4te, pr\u00fcft ihre Identit\u00e4t, ihren Status, ihre Zulassungen und Genehmigungen und registriert das Ein- und Ausbuchen von Funkger\u00e4ten. Ferner fungiert es als Gateway, als Schnittstelle in andere Netze: in das \u00f6ffentliche Telefonnetz, in polizeiliche Datennetze (INPOL) oder in digitale Netze mit divergierenden Standards. Im Millisekundenbereich laufen in diesen Gro\u00dfrechnern hochkomplexe Prozesse ab. Eine personalbesetzte Leitstelle ist \u00fcberfl\u00fcssig. Verschlechterte in den \u201eguten alten\u201c Sprechfunkzeiten ein kleines mechanisches Malheur lediglich die Verst\u00e4ndlichkeit des Funkpartners, so legt jedes Hard- oder Softwareproblem bei der neuen Funkgeneration die Verbindung insgesamt lahm: Alles oder Nichts! \u201eDann reicht\u2019s noch nicht mal zum Hilfe schreien\u201c, wie ein uns bekannter Leitstellenfunker aus Schleswig-Holstein kritisch anmerkt.<\/p>\n<p>Dass die Zukunft nur digital sein konnte, stand f\u00fcr die Sicherheits- und Ordnungs-Spezialisten von Anfang an fest. F\u00fcr 500.000 Teilnehmer der BOS musste ein Funknetz her. Ab 1992 legte man im Rahmen von Schengen die Standards fest und einigte sich mit der Nato auf die \u00dcbernahme des Frequenzbereichs 380-400 MHz, der f\u00fcr das Milit\u00e4rb\u00fcndnis nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation \u00fcberfl\u00fcssig geworden war. Die Untergruppe TK formulierte auch die betrieblichen Anforderungen.<\/p>\n<p>Auf bundesdeutscher Ebene sekundierte die Innenministerkonferenz (IMK) 1994 die europ\u00e4ischen \u00dcberlegungen. In der Fortschreibung des Programms \u201eInnere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland\u201c forderte sie \u201eaufgrund der erkannten gegenw\u00e4rtigen M\u00e4ngel\u201c einen europ\u00e4ischen Sprech- und Datenfunk auf digitaler Basis. Die Formulierung erweiterte en passant die urspr\u00fcngliche Vorgabe des Art. 44 SD\u00dc, der den grenznahen Bereich behandelt, und machte die bundesweite Digitalisierung des Funkverkehrs zum Programm.<\/p>\n<p>Dass der Aufbau digitaler Funknetze nicht nur eine allgemeine Modernisierung bringt, sondern den Polizeien auch einen enormen Zuwachs an Kontrolle beschert, taucht in der ganzen Debatte nicht auf. Dieser Zuwachs bezieht sich einerseits auf die Kontrolle \u00fcber die B\u00fcrgerInnen: JedeR PolizistIn h\u00e4tte mit dem neuen Ger\u00e4t vor Ort und blitzschnell unmittelbaren Zugriff auf die polizeilichen Datenbanken. Die \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, Fahrzeugen und Sachen beschleunigt sich um den Faktor zehn.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>In den Blick r\u00fccken andererseits die \u201eVollzugskr\u00e4fte\u201c selbst: Mit der Einf\u00fchrung der digitalen Technik bek\u00e4me die individuelle Kontrolle des Polizeipersonals eine neue Qualit\u00e4t, und es verwundert, dass gerade die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu den energischsten Bef\u00fcrworterInnen der neuen Funkgeneration geh\u00f6rt. Jedes einzelne Funkger\u00e4t ist nur mit einem pers\u00f6nlichen Kennzeichen (PIN) in Betrieb zu nehmen, jeder Funkspruch, jede Anfrage ist individuell und dauerhaft zuzuordnen \u2013 ein Ma\u00df an Kontrolle, das eineR PolizistIn rasch zum Nachteil gereichen kann: \u201eNicht geh\u00f6rt\u201c oder \u201efalsch verstanden\u201c wird als Rechtfertigung oder Ausrede zuk\u00fcnftig nicht mehr gelten.<\/p>\n<h4>Europ\u00e4ische Funkverwirrung<\/h4>\n<p>Die Probleme kamen jedoch weder von den B\u00fcrgerInnen noch von der polizeilichen Basis. Vielmehr stellte sich schon Mitte der 90er Jahre heraus, dass der Traum eines europaweit einheitlichen Digitalfunk-Standards vorerst nicht zu realisieren war. Im Schengener Rahmen hatte man ab 1992 Anforderungskataloge f\u00fcr den Digitalfunk erstellt. Das European Telecommunications Standards Institute (ETSI) begann wenig sp\u00e4ter mit der Erarbeitung eines Standards mit dem Namen TETRA. Das K\u00fcrzel stand anfangs f\u00fcr <u>T<\/u>rans <u>E<\/u>uropean <u>T<\/u>runked <u>RA<\/u>dio und wurde, so Horst Beckebanze vom Polizeitechnischen Institut der Polizei-F\u00fchrungs\u00adakademie, \u201eim Hinblick auf den sp\u00e4ter anvisierten Weltmarkt\u201c in <u>TE<\/u>rrestrial <u>T<\/u>runked <u>RA<\/u>dio umbenannt. \u201eW\u00e4hrend ETSI den Standard TETRA erst noch erarbeitet, befindet sich seit 1993 ein anderes f\u00fcr den professionellen Betriebsfunk konzipiertes digitales B\u00fcndelfunksystem bereits auf dem Markt. Es handelt sich dabei um eine vom franz\u00f6sischen Staat gef\u00f6rderte Entwicklung der Firma Matra Communication.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Dessen Name: Tetrapol.<\/p>\n<p>Allerdings, so Beckebanze, sind \u201eGer\u00e4te nach den beiden genannten Standards &#8230; grunds\u00e4tzlich nicht kompatibel. Man muss sich also f\u00fcr ein System entscheiden.\u201c 1996 tat Frankreich dies im Alleingang und f\u00fchrte bei der Gendarmerie und der Police Nationale \u2013 wen wundert\u2019s \u2013 das System der franz\u00f6sischen Firma Matra ein. Mit dieser Festlegung eines ma\u00dfgeblichen Schengen-Staates war die erhoffte europ\u00e4ische Einheitlichkeit vorbei.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Die zuk\u00fcnftigen EU-Mitglieder Tschechien und Slowakei sowie die kurz vor der Schengen-Integration stehende Schweiz optierten wie die spanische Guardia Civil ebenfalls f\u00fcr Tetrapol. Belgien, die Niederlande, D\u00e4nemark, \u00d6sterreich, Gro\u00dfbritannien, Irland sowie einige der autonomen Polizeien des spanischen Staates entschieden sich dagegen f\u00fcr den TETRA-Standard.<\/p>\n<p>1999 wurde die Schengen-Kooperation in den Rahmen der EU integriert. Seitdem bem\u00fcht sich die Polizeiarbeitsgruppe des Rates der Innen- und Justizminister um eine Schadensbegrenzung. Gemeinsam mit der Industrie und dem ETSI sucht man nach L\u00f6sungen, die bei grenznahen oder gemeinsamen Polizeieins\u00e4tzen doch noch eine begrenzte Kommunikation zwischen Ger\u00e4ten der verschiedenen Standards erm\u00f6glichen k\u00f6nnten.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<h4>Das liebe Geld<\/h4>\n<p>Auch im innerdeutschen Rahmen lief die Sache nicht so rund, wie sich Innenministerien und Polizeif\u00fchrungen erhofft hatten. Im ersten Halbjahr 1998 starteten Berlin und Brandenburg mit mehreren Herstellerfirmen einen Klein-Versuch mit sehr wenigen Ger\u00e4ten auf der Basis des TETRA-Standards. Als dessen Ergebnis hielt die 1996 von den zust\u00e4ndigen Arbeitskreisen der IMK eingesetzte \u201eProjektgruppe Digitalfunk\u201c die \u201egrunds\u00e4tzliche Funktionsf\u00e4higkeit\u201c des TETRA-Standards so\u00adwie \u201egenerelle Tauglichkeit f\u00fcr BOS-Zwecke und gute Sprachqualit\u00e4t\u201c fest.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfversuch im Raum Aachen f\u00fcr 1999\/2000 sollte weitere Klarheit bringen. Dieses Pilotprojekt startete wegen einer Ausschreibungspanne allerdings erst Mitte 2001. 2.000 BOS-Angeh\u00f6rige wurden mit 135 Stationen, 250 Fahrzeugger\u00e4ten, 550 Handger\u00e4ten und 20 Meldeempf\u00e4ngern versorgt. In das System eingeschlossen ist auch die \u201eInhouse-Versorgung\u201c des Gro\u00dfklinikums Aachen. Das Testgebiet ma\u00df 715 qkm. In einer zweiten Stufe von Dezember 2001 bis Dezember 2002 wurde die grenz\u00fcberschreitende Kommunikation mit den belgischen und niederl\u00e4ndischen Beh\u00f6rden getestet.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Der Pilotversuch war Teil des im November 2000 von der IMK genehmigten Zeitplans f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Digitalfunks. Die Organisation des Projekts \u00fcbertrugen die Minister einer eigens gegr\u00fcndeten \u201eZentralstelle f\u00fcr die Vorbereitung der Einf\u00fchrung Digitalfunk\u201c (ZED), die \u00fcber ein \u201eInteressenbekundungsverfahren\u201c geeignete Anbieterfirmen und Betreibermodelle ermitteln und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Kostenverteilung zwischen Bund und L\u00e4ndern erarbeiten sollte. \u201eSp\u00e4testens\u201c im Mai 2001 wollte man die Finanzierung gekl\u00e4rt haben. Der Januar 2002 war als \u201esp\u00e4tester Zeitpunkt f\u00fcr den Beginn des Netzaufbaus\u201c vorgesehen. Im Dezember 2005 sollten alle staatlichen BOS angeschlossen sein.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Der Zeitplan ist inzwischen Makulatur. Ausschlaggebend daf\u00fcr waren vor allem die zu erwartenden Kosten f\u00fcr die bundesweite Einf\u00fchrung des Digitalfunks, die im Laufe des Jahres 2001 erstmals ernsthaft diskutiert wurden. Zwar waren auch zu fr\u00fcheren Zeitpunkten schon Zahlen genannt worden. So sprach BGS-Oberrat Erwin Schmalkoke im Juni 1999 auf einem vom Bundesinnenministerium veranstalteten Seminar zur \u201egrenz\u00fcberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit zwischen den Schengen-Staaten\u201c \u00fcber Aufwendungen von 100 Mio. Euro f\u00fcr die Infrastruktur plus f\u00fcnf Mio. Euro j\u00e4hrliche Betriebskosten.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Die Zahlen bezogen sich jedoch dem Thema des Seminars gem\u00e4\u00df nur auf den grenznahen Bereich.<\/p>\n<p>Mit dem Interessenbekundungsverfahren kamen hingegen Sch\u00e4tzungen f\u00fcr das Gesamtprojekt auf den Tisch. Diese bewegten sich zun\u00e4chst zwischen f\u00fcnf und 7,5 Mrd. Euro.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> GdP-Chef Konrad Freiberg hielt den damaligen Maximalbetrag im Juli 2001 f\u00fcr problemlos \u2013 \u201egut investiert in den Einstieg ins digitale Zeitalter\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> F\u00fcr die ZED schien selbst im Jahr darauf Geld noch \u00fcberhaupt keine Rolle zu spielen. \u201eBez\u00fcglich der Finanzierung\u201c, so BKA-Funkspezialist Herbert Saupp, \u201evertritt die ZED die Auffassung, dass sich das Projekt nicht nach der (wie auch immer festgestellten) Verf\u00fcgbarkeit von Mitteln richten kann, sondern der Aufbau eines modernen, den aktuellen Anforderungen der BOS entsprechenden Kommunikationssystems im Vordergrund stehen muss.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Im Sp\u00e4tsommer 2002 sprach Bundesinnenminister Otto Schily wiederum von 7,5 Mrd. Euro, meinte allerdings lediglich die Ausgaben f\u00fcr die Netzinfrastruktur, mit denen noch kein einziges Funkger\u00e4t gekauft ist, das dieses Netz auch nutzen k\u00f6nnte.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Faktisch hie\u00df das, dass mit Gesamtkosten von neun bis zehn Mrd. Euro zu rechnen war.<\/p>\n<p>Ab Mitte 2002 war klar, dass die Innenminister ihre Rechnung buchst\u00e4blich ohne den Wirt gemacht hatten. Bereits im Juni hatte die Finanzministerkonferenz (FMK) verdeutlicht, dass der genannte Betrag nicht realistisch sei. Da die Innenminister auf den Digitalfunk nicht verzichten wollten, setzten sie im selben Monat eine \u201eGruppe Anforderungen an das Netz\u201c ein, die das Projekt auf Mindeststandards abspecken sollte. Die von ihr vorgeschlagene Reduzierung der Funknetzdichte bedeute allerdings, so Beckebanze, \u201edass in l\u00e4ndlichen Gebieten nur die Funkversorgung f\u00fcr Fahrzeugfunkger\u00e4te sichergestellt wird und in St\u00e4dten auf eine Versorgung innerhalb von Geb\u00e4uden verzichtet werden muss.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Die Kosten blieben trotzdem bei rund 4,5 Mrd. Euro. Nachdem die Finanzminister im November auch diese Version als nicht finanzierbar ablehnten, wurde das Projekt auf der IMK-Tagung vom 5.\/6. Dezember vorerst gestoppt. Eine gemeinsame IMK\/FMK-\u201eArbeitsgruppe BOS-Digitalfunk\u201c (AG-BDF) sollte nun retten, was zu retten war.<\/p>\n<p>Das \u201eGeleitzug\u201c-Prinzip, d.h. die zeitgleiche Einf\u00fchrung eines neuen Funksystems im Bund und allen L\u00e4ndern, wurde aufgegeben, zumal die wenigsten L\u00e4nder bis zu diesem Zeitpunkt Haushaltsr\u00fcckstellungen vorgenommen hatten. Die neue von der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz im Juni 2003 beschlossene Planung sah eine Einteilung in Startl\u00e4nder, die gemeinsam mit dem Bund zwischen 2004 und 2006 ein digitales Funksystem einf\u00fchren wollten, und Folgel\u00e4nder vor, die bis 2010 auf den Zug aufspringen sollten.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Auch diese Perspektive ist mittlerweile pass\u00e9, so war aus dem bayerischen Innenministerium zu erfahren. Wenn die Ministerpr\u00e4sidenten auf ihrer Tagung am 18. Dezember 2003 \u00fcberhaupt eine \u201eDachvereinbarung\u201c beschlie\u00dfen, dann enth\u00e4lt sie wohl sinngem\u00e4\u00df folgenden Reim: Jeder f\u00e4ngt mit Digitalfunk an, wenn er es sich leisten kann.<\/p>\n<h5>Stephan Stolle ist Redaktionsmitglied von B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP.<\/h5>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sprechfunkdienst. BOS-Dienstvorschrift (PDV\/DV 810.3), Stuttgart 1983<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> www.angelfire.com\/realm\/dschon\/province\/DEU-NI-alt.html<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> BT-Drs. 12\/950 v. 5.7.1991<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Plath, H.: Funkmeldesystem FMS \u2013 Funk ohne Worte, in: BOS-Funk 2 (Booklet 7), Burgdorf 1998; Marten, M.: BOS-Funk, Bd. 1, Meckenheim 1998, S. 204<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Marten a.a.O. (Fn. 4) S. 122-124; <a href=\"http:\/\/www.funkmeldesystem.de\/\">www.funkmeldesystem.de\/<\/a>bos-funk.php<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Linde, C.: BOS-Funk, Poing 2002<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hesselmann, N.: Digitale Signalverarbeitung, W\u00fcrzburg 1987<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Beckebanze, H.: Sichere und gesicherte Kommunikation auch \u00fcber Grenzen hinweg, in: Polizei \u2013 heute 2003, H. 3, S. 68-71 (70)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Saupp, H. Sachstand der Einf\u00fchrung des Digitalfunks, in: Magazin f\u00fcr die Polizei 2002, H. 313, S. 4-6 (6)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Projektgruppe Digitalfunk (Saupp, H.): Interworking zwischen TETRA und Tetrapol, www.pilotprojekt-digitalfunk-aachen.de\/seite11.htm<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Saupp, H.: Fahrplan des BOS-Digitalfunks, in: Magazin f\u00fcr die Polizei 2001, H. 300, S. 9-11 (9)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> ebd., S. 11<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Schmalkoke, E.: Grenz\u00fcberschreitende Kommunikationssysteme, in: Grenz\u00fcberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den Schengen Staaten, Seminar v. 13.\u201316.6.1999, Berlin, Erfurt 2000, S. 158-175 (168)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Der Spiegel 48\/2002, S. 44f.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Gewerkschaft der Polizei, Bundesvorstand: Pressemitteilung v. 13.7.2001<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Saupp a.a.O.(Fn. 9), S. 5<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Digitalfunk-Entscheidung ist dringlich, in: Deutsche Polizei 2002, H. 8, S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Beckebanze a.a.O. (Fn. 8), S. 71<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bundeseinheitlicher Digitalfunk in weiter Ferne, in: Deutsche Polizei 2003, H. 10, S. 23-25<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Stephan Stolle Der heutige Analog-Sprechfunk sei veraltet, hei\u00dft es seit Anfang der 90er Jahre.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,82],"tags":[322,1108,1248,1414],"class_list":["post-8005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-076","tag-bos","tag-polizeifunk","tag-schengener-durchfuehrungsuebereinkommen","tag-technik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8005"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8005\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}