{"id":8007,"date":"2003-12-29T15:03:37","date_gmt":"2003-12-29T15:03:37","guid":{"rendered":"https:\/\/cilip.site36.net\/?p=8007"},"modified":"2003-12-29T15:03:37","modified_gmt":"2003-12-29T15:03:37","slug":"inpol-neu-informatisierung-des-polizeilichen-alltags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=8007","title":{"rendered":"INPOL-neu &#8211;\u00a0Informatisierung des polizeilichen Alltags"},"content":{"rendered":"<h3>von Heiner Busch<\/h3>\n<p><strong>Nach \u00fcber zehn Jahren Planungsdiskussion und Entwicklungsarbeiten, einem weitgehenden Scheitern der urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne und einem bescheideneren Neuanfang ging am 18. August 2003 die erste Stufe von INPOL-neu in Betrieb.<\/strong><\/p>\n<p>Als die ersten 35 Terminals des alten INPOL-Systems im Herbst 1972 ans Netz gingen, schien f\u00fcr die Polizei eine neue \u00c4ra anzubrechen. \u201eKommissar Computer\u201c wurde von seinen polizeilichen Kollegen mit Jubel begr\u00fc\u00dft. Im August 2003, beim Start von INPOL-neu, mochte dagegen keine rechte Begeisterung aufkommen. Eher war man erleichtert, dass es mit dem neuen System doch noch geklappt hatte, bevor im Jahr 2004 die Wartungsvereinbarungen f\u00fcr die Software des alten abgelaufen w\u00e4ren, bevor die letzten internen Spezialisten in Pension gingen und ohne dass das Fahndungssystem zusammenbrach.<!--more--><\/p>\n<p>Begonnen hatte die Geschichte von INPOL-neu mit einem Beschluss des Arbeitskreises II (AK II) der Innenministerkonferenz, der im Januar 1992 den Auftrag f\u00fcr ein fachliches Grobkonzept erteilte. Noch im November desselben Jahres pr\u00e4sentierte ein Projektteam von zw\u00f6lf Fachleuten aus Bund und L\u00e4ndern den verlangten Bericht, den der AK II nach einer \u00dcberarbeitung im September 1993 guthie\u00df. 1995 folgte das technische Grobkonzept sowie eine Aufwandsstudie. Das eigentliche Projekt, f\u00fcr dessen Realisierung man drei Jahre angesetzt hatte, startete aber nicht wie vorgesehen im Oktober 1995, sondern ein ganzes Jahr sp\u00e4ter.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Ab 1998 wurde programmiert. Im selben Jahr bemerkten diverse Bundesl\u00e4nder, dass sie mit den Vorleistungen f\u00fcr den Anschluss ihrer Landessysteme an INPOL-neu im Verzug waren.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> INPOL-neu ging weder am 1. Januar 2000 noch am 15. April 2001 in Betrieb. Ein Testlauf im April 2001 f\u00fchrte zu einem Totalabsturz. Im Januar 2002 entschloss sich die Innenministerkonferenz zu einem bescheideneren Neubeginn. Insgesamt sind \u00fcber 50 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden, argumentieren die KritikerInnen. Nicht ganz, rechtfertigt sich das Bundesinnenministerium. Man habe einige Komponenten der urspr\u00fcnglichen Planung f\u00fcr INPOL-neu \u00fcbernehmen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<h4>INPOL-alt \u2013 kurz vor dem Kollaps<\/h4>\n<p>Unstrittig ist dagegen, dass das INPOL-System in seiner alten Form so nicht mehr weiterbetrieben werden konnte. Das Konzept daf\u00fcr stammte von Anfang der 70er Jahre und basierte dementsprechend auf einer mittlerweile veralteten Gro\u00dfrechnertechnologie. Zwanzig Jahre danach war der Wartungsaufwand personell und finanziell enorm, vergleichsweise billige Standardsoftware lie\u00df sich nicht integrieren.<\/p>\n<p>Weil die L\u00e4nder mit Anlagen verschiedener Herstellerfirmen arbeiteten, war die INPOL-\u201eArchitektur\u201c von Anfang an \u00e4u\u00dferst kompliziert. F\u00fcr die H\u00e4lfte der Bundesl\u00e4nder hie\u00df das noch in den 90er Jahren, dass die polizeilichen NutzerInnen via Terminal \u2013 unter Umgehung ihres Landessystems \u2013 unmittelbar auf die Zentrale Datenverarbeitungsanlage des BKA zugreifen mussten, weil ein eigentlicher Verbund zwischen Landes- und BKA-System, ein so genannter Rechner-Rechner-Verbund, nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Auch hinsichtlich Funktionen und Dateninhalten war INPOL-alt kein System aus einem Guss. In den 90er Jahren bestand es aus insgesamt 27 verschiedenen Anwendungen. \u00dcber gemeinsame Grunddaten verkn\u00fcpft waren allerdings nur die \u201ePersonendateien\u201c: die Personenfahndung, der Kriminalaktennachweis (KAN), die Haftdatei und schlie\u00df\u00adlich die Erkennungsdienstdatei. Eine einzige Abfrage ergab hier, ob eine Person zur Fahndung oder Beobachtung ausgeschrieben war, ob und wo Unterlagen \u00fcber INPOL-relevante, d.h. \u00fcberregional bedeutende und schwere Straftaten vorhanden waren, oder ob die Person einen Eintrag in der Fingerabdruckdatei AFIS oder ab 1998 in der DNA-Datei hatte.<\/p>\n<p>Die restlichen Anwendungen waren jedoch von den Personendateien abgekoppelt. Das galt sowohl f\u00fcr die Falldateien (u.a. Falldatei Rauschgift) als auch f\u00fcr die seit den 80er Jahren entwickelten PIOS- und SPUDOK-Anwendungen, die jeweils nur Spezialabteilungen (Staatsschutz, Drogen, Organisierte Kriminalit\u00e4t) oder Sonderkommissionen zur Verf\u00fcgung standen.<\/p>\n<p>Die Projektgruppe INPOL-neu beklagte denn auch als wesentlichen Mangel des alten Systems den Zwang zur Mehrfacherfassung. Die SachbearbeiterInnen m\u00fcssten mit derselben Information \u00fcber eine Person oder einen Fall nicht nur das jeweilige Landessystem, sondern zus\u00e4tzlich die verschiedensten \u201eT\u00f6pfe\u201c von INPOL bedienen. Komplizierte Erfassungscodes und die allgemeine Benutzerunfreundlichkeit h\u00e4tten dazu gef\u00fchrt, \u201edass sich Spezialisten in den Dienststellen herausbilden &#8230; und nicht mehr der Sachbearbeiter die Recherchen mit seinem Fachwissen durchf\u00fchrt, sondern eine Erfassungskraft, weil nur sie die Ein- und Ausgabemodalit\u00e4ten kennt.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Die Erfassung erfolgte denn auch oft nur selektiv, viele Informationen seien gar nicht weitergeleitet worden. Im Bereich des allgemeinen Kriminalpolizeilichen Meldedienstes, so klagte der BKA-Mann Peter Sehr vor zwei Jahren, w\u00fcrden maximal 23 Prozent der an das BKA mitzuteilenden Straftaten gemeldet. \u201eZutreffende oder gar strategische Aussagen auf der Basis dieser Anlieferungsmengen machen zu wollen, grenzt an polizeiliche Kaffeesatzleserei.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<h4>INPOL-neu: die Planungen<\/h4>\n<p>Die Projektgruppe INPOL-neu entwarf ihr Konzept als Gegenbild der skizzierten M\u00e4ngel des alten Systems. Sie hatte dabei nicht nur eine Neuorganisation des zentralen von Bund und L\u00e4ndern gemeinsam genutzten Bereichs, also des eigentlichen INPOL-Systems, im Auge, sondern stellte auch Vorbedingungen f\u00fcr die Landessysteme (bzw. die eigenen Systeme des BKA und des Bundesgrenzschutzes). Alle an INPOL Beteiligten sollten neu \u00fcber eine einzige gemeinsame Schnittstelle an das gemeinsame System angeschlossen werden. \u201eMit der Kommunikationsschnittstelle\u201c, so hie\u00df es im Sachstandsbericht von 1997, \u201ebeginnt und endet das System INPOL-neu. Es ist damit eindeutig von den Landessystemen sowie denen des BKA und des BGS abgegrenzt.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die L\u00e4nder waren damit verantwortlich f\u00fcr die Erneuerung ihrer eigenen Datenverarbeitung. Sie sollten zweierlei Systeme aufbauen: zum einen \u201eLandesdatenhaltungssysteme\u201c f\u00fcr jene Informationen, die nicht in INPOL gespeichert werden d\u00fcrfen, weil sie weder \u00fcberregional relevante noch schwere Straftaten betreffen; zum andern sogenannte \u201eVorgangsbearbeitungssysteme\u201c, in denen alle polizeilich relevanten Ereignisse \u2013 \u201eVorg\u00e4nge\u201c \u2013 erfasst, verwaltet, bearbeitet, abgelegt oder an andere Stellen weitergeleitet w\u00fcrden: Anzeigen, Berichte, Protokolle, durchgef\u00fchrte Ma\u00dfnahmen etc.<\/p>\n<p>Mit dem Aufbau solcher Systeme werden die Arbeitspl\u00e4tze s\u00e4mtlicher polizeilichen SachbearbeiterInnen zu Computerarbeitspl\u00e4tzen. Aus dem an ihrem Arbeitsplatz vorfindlichen Vorgangsbearbeitungssystem heraus k\u00f6nnen die BeamtInnen je nach ihrer Berechtigung auf s\u00e4mtliche Polizeidateien zugreifen oder darin surfen \u2013 vom Landesdatenhaltungssystem \u00fcber INPOL-neu bis hin zum Schengener Informationssystem. Auch die Verbindung zum Ausl\u00e4nderzentralregister und zum Zentralen Verkehrsinformationssystem sollte von hier aus m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Die Vorgangsbearbeitung wird damit zum Sockel der polizeilichen Datenverarbeitung. Weil die Daten in der Bearbeitung von F\u00e4llen an der polizeilichen Basis anfallen, sollten sie auch hier erfasst und von dort an die Landesebene oder an INPOL-neu weitergeleitet werden. Die Antwort auf die Frage, ob eine Information zentral zu speichern ist, wollten die PlanerInnen von INPOL-neu aber nicht den jeweiligen SachbearbeiterInnen alleine \u00fcberlassen. In \u201eMuss\u201c-F\u00e4llen sollte entsprechend eines Deliktkatalogs automatisch eine Erfassung in INPOL erfolgen. Nur bei \u201eRegel\u201c- und \u201eKann\u201c-F\u00e4llen h\u00e4tten die Eingebenden noch Entscheidungsm\u00f6glichkeiten gehabt.<\/p>\n<p>Um den vollst\u00e4ndigen \u00dcberblick \u00fcber die kriminelle Karriere einer Person zu erhalten, verlangte das \u201efachliche Konzept\u201c von INPOL-neu ferner die Durchbrechung der bis dahin geltenden Aufteilung von Landes- und Bundesdaten an einem wichtigen Punkt: Wenn eine Person einer INPOL-relevanten Straftat beschuldigt wird, sollten nun auch alle anderen ihr zugeordneten Delikte zentral erfasst werden, auch wenn es sich dabei um Bagatellen handelt.<\/p>\n<p>Beim Aufbau von INPOL-neu wollte die Projektgruppe den Wildwuchs des alten Systems von Anfang an vermeiden. An die Stelle der verschiedenen Anwendungen, in denen bestimmte Daten jeweils neu und damit mehrfach zu erfassen waren, sollte nun ein Datenpool treten, dessen zentrales Prinzip die \u201eEinmalerfassung\u201c sein sollte. Zusammenh\u00e4ngende Informationen \u00fcber Personen, F\u00e4lle, Sachen etc. sollte das System automatisch zusammenf\u00fchren. Die Falldaten sollten f\u00fcr alle Deliktsbereiche einheitlich erfasst werden. Deliktspezifische Falldateien, Meldedienste oder PIOS-Anwendungen sollten zugunsten einer \u201eganzheitlichen Sicht\u00adweise\u201c verschwinden. Das Konzept f\u00fcr INPOL-neu versprach einfache M\u00f6glichkeiten des Abfragens, der freien Recherche, der grafischen und tabellarischen Aufbereitung, zus\u00e4tzliche Bild- und Videodaten und vor allem eine rundum verbesserte Auswertung. INPOL-neu sollte \u201esozusagen eine Super-DOK oder ein Gigant-PIOS\u201c sein.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Nach den Vorstellungen der PlanerInnen sollte INPOL-neu jedoch nicht nur operative, d.h. fallbezogene Auswertungsm\u00f6glichkeiten bieten, sondern auch ein \u201eF\u00fchrungsinformationssystem\u201c f\u00fcr strategische Analysen sein: f\u00fcr die Erstellung der Kriminalstatistik, die eine Ausgangsstatistik ist, also den Abschluss eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens registriert, f\u00fcr eine polizeiliche Eingangsstatistik sowie f\u00fcr Lagebilder. F\u00fcr diese Zwecke sollten nicht nur die INPOL-relevanten Straftaten gemeldet werden, sondern \u2013 wenn auch in anonymisierter Form \u2013 auch s\u00e4mtliche anderen.<\/p>\n<h4>INPOL-neu: die Realit\u00e4t<\/h4>\n<p>\u201eNicht seri\u00f6s kalkulierbare Zeit- und Kostenpl\u00e4ne\u201c, attestiert Holger Gadorosi, Gesamtprojektleiter INPOL-neu den bis Ende 2001 verfolgten Pl\u00e4nen. Der Konzeption nach h\u00e4tten s\u00e4mtliche L\u00e4nder und der BGS innerhalb einer kurzen Zeitspanne INPOL-neu einf\u00fchren sollen. \u201eDieser Ansatz war deshalb notwendig, weil das geplante INPOL-neu-System inkompatibel zu den aktuellen L\u00e4ndersystemen war.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die L\u00e4nder konnten dieser Anforderung aber nur zum Teil entsprechen. Daran konnte auch die zwischenzeitlich eingerichtete Arbeitsgruppe INPOL-Land (AGIL) nichts \u00e4ndern. Die Folgerung daraus war die Aufgabe des \u201eGeleitzugs\u201c, des Prinzips der gleichzeitigen Einf\u00fchrung also, zugunsten einer Stufenplanung. Die im August 2003 eingef\u00fchrte \u201eVersion 4\u201c von INPOL ist \u201eabw\u00e4rtskompatibel\u201c zu den alten L\u00e4ndersystemen. Erst wenn s\u00e4mtliche Bundesl\u00e4nder zu dieser neuen Version aufgeschlossen haben, wird sie abgel\u00f6st durch eine \u201eVersion 5\u201c, die dann den vorl\u00e4ufigen Endausbau von INPOL-neu darstellen soll. Das F\u00fchrungsinformationssystem, jetzt dispositives System genannt, wird erst in dieser Version folgen. In der Version 4 enth\u00e4lt INPOL drei Untersysteme: INPOL-Z, F und K.<\/p>\n<p>INPOL-Z (wie zentral) ist ein allgemeines Fahndungs- und Auskunftssystem und bedient laut Gadorosi die Bed\u00fcrfnisse der gro\u00dfen Mehrheit der PolizeibeamtInnen. Aufgrund der benutzerfreundlichen Internet-Technologie, einfacher Auskunftsmasken und der Zugriffsm\u00f6glichkeit aus dem Vorgangsbearbeitungssystem heraus erwartet der Gesamtprojektleiter eine massive Steigerung der Zahl der Abfragen.<\/p>\n<p>Personen- und Sachdaten enthalten jeweils die Fallgrunddaten \u201ebeispielsweise Tatort und -zeit, Deliktschl\u00fcssel, Aktenzeichen sowie sachbearbeitende Dienststelle\u201c. \u00dcber die Fallangaben k\u00f6nnen unter den betreffenden Personen und zwischen den Personen und Sachen \u201eBeziehungsgeflechte\u201c hergestellt werden. Personendaten enthalten neu auch Fotos. \u201eDie bestehende Lichtbildersammlung des BKA wird sukzessive in das System \u00fcbernommen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Um das Risiko eines Totalausfalls der Fahndung zu vermeiden, werden s\u00e4mtliche Fahndungsdaten anders als urspr\u00fcnglich geplant nach wie vor sowohl im jeweiligen Landessystem als auch in INPOL-Bund gespeichert.<\/p>\n<p>INPOL-F (wie Fall) ersetzt die bisherigen PIOS-, DOK-, SPUDOK- und Falldateien. Gedacht ist dieses System in erster Linie f\u00fcr die AnwenderInnen in Landeskriminal\u00e4mtern und BKA. Die Datens\u00e4tze enthalten Freitextfelder, in denen sich nicht nur Text, sondern auch \u201emultimediale Inhalte\u201c speichern lassen \u2013 von der Fax-Kopie bis hin zu Fotos und Videos. \u201eAlle Informationsobjekte &#8230; lassen sich \u00fcber beliebige Beziehungen verkn\u00fcpfen und in sp\u00e4teren Analysen auswerten.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Im Unterschied zu den fr\u00fcheren Planungen hat man jedoch keine delikt\u00fcbergreifende Falldatei aufgebaut, sondern es zumindest in der Version 4 bei verschiedenen abgetrennten Anwendungen belassen. Falldaten \u201eim Bereich organisierter und politisch motivierter Kriminalit\u00e4t\u201c h\u00e4tten eine \u201ehohe Sensibilit\u00e4t\u201c und sollen daher weiterhin nur den MitarbeiterInnen der zust\u00e4ndigen Spezialdienststellen zug\u00e4nglich sein. Aus den selben Gr\u00fcnden gaben die INPOL-MacherInnen auch das Prinzip der Einmalerfassung auf. Wenn eine Person Gegenstand (geheimer) Vorfeldermittlungen ist, darf es nicht passieren, dass ein kleiner Sachbearbeiter davon erf\u00e4hrt, nur weil er in einer \u201eleichten Straftat\u201c gegen dieselbe Person ermittelt. Eine automatische Zusammenf\u00fchrung von Datenbest\u00e4nden zur selben Person musste deshalb verhindert werden.<\/p>\n<p>Statt der delikt-unspezifischen Speicherung bietet die jetzige Version von INPOL-neu eine anwendungs\u00fcbergreifende Suche. \u201eDabei werden alle Datenbest\u00e4nde aller INPOL-Falldateien nach Treffern durchsucht, f\u00fcr die der Anwender berechtigt ist.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<h4>POLAS und ComVor<\/h4>\n<p>INPOL-K (wie Kommunikation) regelt schlie\u00dflich die Schnittstellen zwischen dem Bundessystem und den L\u00e4nderkomponenten. Die L\u00e4nder k\u00f6nnen entweder eigene Systeme aufbauen oder das vom BKA angebotene POLAS \u00fcbernehmen, das zun\u00e4chst in Hamburg entwickelt und dann in Hessen angepasst wurde. Zusammen mit der Computer-unter\u00adst\u00fctzten Vorgangsbearbeitung (ComVor) ergibt sich eine \u201ev\u00f6llig neue Infrastruktur zur Datenverarbeitung\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Die Schreibmaschine hat ausgedient und wird vollends durch den vernetzten PC ersetzt, mit dem alle SachbearbeiterInnen ausger\u00fcstet sind und von dem aus sie auch auf POLAS und INPOL zugreifen k\u00f6nnen. Die Reichweite der Zugriffsberechtigung ist individuell \u2013 auf einer Chipkarte (Hamburg) oder durch einen PIN-Code (Hessen) \u2013 festgelegt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die diversen polizeilichen \u201eVorg\u00e4nge\u201c h\u00e4lt ComVor Formularvorlagen bereit, die mithilfe \u00fcblicher Textverarbeitungsprogramme auszuf\u00fcllen sind. Ein Teil der Formulardaten wird automatisch in einen Index, das Tagebuch, \u00fcbertragen, das u.a. der internen Zuweisung von Arbeiten bzw. der \u00dcbernahme von \u201eVorg\u00e4ngen\u201c durch andere BeamtInnen dient. Bei einer Straftat sind das neben Tatort und -zeit auch Angaben zu den beteiligten Personen und ihrer Rolle als Beschuldigte, Gesch\u00e4digte, Anzeigende oder ZeugInnen. W\u00e4hrend POLAS und INPOL nur die Daten der Verd\u00e4chtigen oder Beschuldigten enthalten, sind im Tagebuch auch alle anderen Personen, die im Zusammenhang mit einer Straftat auftauchen recherchierbar \u2013 und zwar neu f\u00fcr alle SachbearbeiterInnen der jeweiligen Landespolizei.<\/p>\n<p>Den Zugriff auf die eigentlichen Vorg\u00e4nge selbst haben zun\u00e4chst nur der oder die SachbearbeiterIn sowie die Vorgesetzten. \u201eMitarbeiter, die den Vorgang angelegt haben, k\u00f6nnen diesen an andere zust\u00e4ndige Dienststellen (z.B. vom Polizeirevier an das Kriminalkommissariat oder das Landeskriminalamt) weiterleiten\u201c oder KollegInnen zum Zugriff berechtigen. Die Vorg\u00e4nge k\u00f6nnen f\u00fcr ein Jahr in ComVor archiviert werden.<\/p>\n<p>\u00dcber die Speicherung im Landesdatenhaltungssystem POLAS oder in INPOL entscheidet in Hessen ein Analyst. Er legt zugleich die Speicherungsdauer und gegebenenfalls personengebundene Hinweise fest. Die urspr\u00fcnglich geplante automatische Speicherung von Muss-F\u00e4llen in INPOL-neu wurde aufgegeben. Mit ihrer Kritik an der INPOL-Erfassung der ganzen \u201ekriminellen Karriere\u201c einer Person \u2013 einschlie\u00dflich der Bagatellen \u2013 sind die Datenschutzbeauftragten jedoch gescheitert.<\/p>\n<h4>Nicht ohne Folgen<\/h4>\n<p>Die hochfliegenden Pl\u00e4ne f\u00fcr INPOL-neu, mit denen die Polizei ein Jahrzehnt lang hantiert hat, m\u00f6gen sich zwar erheblich reduziert haben. INPOL-neu und die damit zusammenh\u00e4ngenden Ver\u00e4nderungen auf Landesebene sind trotzdem nicht bedeutungslos. W\u00e4hrend INPOL-alt den Arbeitsalltag der gro\u00dfen Mehrheit der PolizeibeamtInnen nicht antastete, durchdringt die automatisierte Datenverarbeitung nun die gesamte polizeiliche Organisation.<\/p>\n<p>Die im Zuge des Neuanfangs 2002 ver\u00e4nderte \u201efachliche\u201c Konzeption verschafft dabei den ehernen Grunds\u00e4tzen der Polizeiorganisation wieder Geltung: Geheim zu haltende Informationen bleiben bei den geheim arbeitenden Spezialdienststellen. Die unteren R\u00e4nge sollen zwar m\u00f6glichst viele Informationen nach oben liefern, sie kommen aber weiterhin nur an allgemeine Ausk\u00fcnfte und in jedem Falle an Fahndungsnotierungen heran, deren Umsetzung man von ihnen erwartet.<\/p>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zentralstelle INPOL-neu: Projekt INPOL-neu. Informationen zu Historie, Sachstand und Planung, Wiesbaden, 28.8.1997<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Sehr, P.: INPOL-neu: System mit Merkmalen eines extremen Wandels, in: Kriminalistik 1999, H. 8, S. 532-536 (536)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> die tageszeitung v. 2.1.2002 und 20.8.2003<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Projektgruppe INPOL-neu: Abschlussbericht f\u00fcr die Phase \u201eGrobes Fachkonzept\u201c, Wiesbaden November 1992, S. 73<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Sehr, P.: INPOL-neu \u2013 Aufbruch zu einer neuen Generation der polizeilichen Datenverarbeitung, in: der kriminalist 2001, H. 2, S. 60-63 (60)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zentralstelle INPOL-neu a.a.O. (Fn. 1), S. 4<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Sehr a.a.O. (Fn. 5), S. 60<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Gadorosi, H.: INPOL-neu, in: Kriminalistik 2003, H. 5, S. 402-409 (409)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> ebd., S. 406<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> ebd.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> ebd.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte: 18. T\u00e4tigkeitsbericht 2000\/2001, Hamburg 2002, S. 141-144 (141); s.a. den 17. T\u00e4tigkeitsbericht, Hamburg 2000, S. 85-92<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Heiner Busch Nach \u00fcber zehn Jahren Planungsdiskussion und Entwicklungsarbeiten, einem weitgehenden Scheitern der urspr\u00fcnglichen<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[152,82],"tags":[309,779,874,1070,1354],"class_list":["post-8007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-cilip-076","tag-bundeskriminalamt","tag-inpol","tag-kriminalaktennachweis","tag-pios","tag-spudok"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8007"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8007\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}