{"id":8024,"date":"2004-02-29T18:00:37","date_gmt":"2004-02-29T18:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/cilip.site36.net\/?p=8024"},"modified":"2004-02-29T18:00:37","modified_gmt":"2004-02-29T18:00:37","slug":"evaluation-der-schleierfahndung-eine-auswertung-polizeilicher-selbst-erfahrungsberichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-dev.daten.cool\/?p=8024","title":{"rendered":"\u201eEvaluation\u201c der Schleierfahndung &#8211;\u00a0Eine Auswertung polizeilicher (Selbst-)Erfahrungsberichte"},"content":{"rendered":"<h3>von Martina Kant<\/h3>\n<p><strong>Evaluationen sind sp\u00e4testens seit der PISA-Studie in aller Munde. Der Bereich der \u201eInneren Sicherheit\u201c ist davon nicht mehr ausgenommen. Ob allerdings eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Wirkungen und Nebenwirkungen polizeilicher Arbeit seitens der Exekutive und Legislative gewollt ist, darf angesichts erster \u201eEvaluations\u201c-Versuche bezweifelt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Im Gesetzgebungsverfahren vom Sommer 1998 war es \u00e4u\u00dferst umstritten, den Bundesgrenzschutz (BGS) ohne Verdacht jede Person in Z\u00fcgen, auf Bahnh\u00f6fen und Flugh\u00e4fen jenseits des 30-km-Grenzgebietes kontrollieren zu lassen. Bundesrat und Bundestags-Innenausschuss hatten daher durchgesetzt, diese Befugnis zun\u00e4chst bis zum 31.12.2003 zu befristen, und darum gebeten, dem Bundestag vor Ablauf eine Evaluation vorzulegen. Ein solcher \u201eErfahrungsbericht\u201c ist im September vergangenen Jahres \u00fcbergeben worden.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Unter den Bundesl\u00e4ndern hat allein Sachsen seine seit dem 1.7.1999 geltende polizeirechtliche Befugnis zu ereignis- und verdachtsunabh\u00e4ngigen Kontrollen verbindlich mit einer j\u00e4hrlichen Berichtspflicht versehen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und die Erm\u00e4chtigung bis 31.5.2004 befristet. F\u00fcr die Jahre 1999-2003 liegen vier Berichte vor.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><!--more--><\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen handelt es sich allerdings weder um wissenschaftliche Evaluierungen nach bestimmten Standards noch um unabh\u00e4ngige Auswertungen. Beide Berichte wurden von den jeweiligen Innenministerien anhand von Daten erstellt, die die einzelnen Polizeidienststellen bzw. BGS-\u00c4mter lieferten. Eine (selbst-)kritische Darstellung und Bewertung sucht man vergeblich. Da Polizei und Regierung mit diesen Berichten handfeste Politik betreiben und polizeiliche Befugnisse legitimieren oder gar ausweiten, lohnt sich ein genauerer Blick auf Zielrichtung und Datenbasis sowie auf die oftmals eigenwilligen Interpretationen.<\/p>\n<h4>Zweck und Zweckoptimismus<\/h4>\n<p>Welche Zwecke die beiden Evaluation der Schleierfahndung verfolgen, ist in den Berichten selbst nicht genannt. Aus der Amtlichen Begr\u00fcndung zum s\u00e4chsischen Polizeigesetz geht zumindest hervor, dass der Gesetzgeber mit der Berichtspflicht sicherstellen wollte, \u201edass die Wirksamkeit der Neuregelung gepr\u00fcft werden kann.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Der Bundestags-Innenausschuss forderte die Befristung der BGS-Schleierfahndung, \u201eum Erfahrungen dar\u00fcber zu sammeln, ob sich das Instrument in seiner konkreten Ausgestaltung bew\u00e4hrt.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Welche greifbaren Kriterien bei einer Evaluierung f\u00fcr einen Erfolg oder Misserfolg angelegt werden sollten, blieb offen. Das s\u00e4chsische Innenministerium erlie\u00df im Juni 1999 f\u00fcr die Polizeidienststellen eine Verwaltungsvorschrift \u201eVwV Verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollen\u201c, in der festgelegt wurde, welche statistischen Daten f\u00fcr die Schleierfahndungsberichte erhoben werden sollen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die BGS-Regelung ist eine solche Anweisung nicht bekannt. Die genaue Zielrichtung bleibt daher insgesamt diffus. Ohne klare Bewertungskriterien vorzugeben, hat sich der Gesetzgeber von vornherein um seine ohnehin beschr\u00e4nkten parlamentarischen Kontrollm\u00f6glichkeiten gebracht. Dass sich die BGS-Schleier\u00adfahndung bew\u00e4hren w\u00fcrde, davon waren die schwarz-gelben Koalition\u00e4re im Bundestag bereits 1998 \u00fcberzeugt.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Aber auch die rot-gr\u00fcne Bundesregierung ging im Sommer 2000 \u2013 rund drei Jahre vor Abschluss der Evaluation \u2013 davon aus, \u201edass sich die Notwendigkeit zum Erhalt dieser Norm auch nach Ablauf der zeitlichen Befristung ergeben wird.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<h4>Was wird erhoben, was nicht?<\/h4>\n<p>Bez\u00fcglich der erhobenen Daten und Informationen zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen dem BGS-Bericht und den Darstellungen der s\u00e4chsischen Polizei. Sachsen pr\u00e4sentiert gem\u00e4\u00df der \u201eVwV Verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollen\u201c ausschlie\u00dflich statistische Daten zur Anzahl der Kontrollen, der Folgema\u00dfnahmen und der \u201eFahndungstreffer\u201c in Abh\u00e4ngigkeit vom Kontrollort innerhalb und au\u00dferhalb des 30-km-Grenzgebietes. Der BGS-Bericht enth\u00e4lt dagegen neben einer 7-seitigen statistischen \u00dcbersicht auch Beschreibungen von Einzelerfolgen, knappe Angaben zum Beschwerdeverhalten der Kontrollierten, zu Aus- und Fortbildungsma\u00dfnahmen, zur Zusammenarbeit mit anderen Beh\u00f6rden und zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Die statistischen Daten liefern f\u00fcr den Zeitraum 1.1.1999 bis 31.12.2002 die Anzahl aller nach \u00a7 22 Abs. 1a BGS-Gesetz vorgenommenen Kontrollen. Dabei handelt es sich ausschlie\u00dflich um Kontrollen, die unabh\u00e4ngig vom 30-km-Grenz\u00adgebiet erfolgen k\u00f6nnen, d.h. in Z\u00fcgen, auf Bahnh\u00f6fen und internationalen Flugh\u00e4fen. Schlie\u00dflich listet der Bericht in einer weiteren Statistik \u201eausgew\u00e4hlte Erfolge\u201c aus den Bereichen Personen- und Sachfahndung, Strafanzeigen, Ordnungswidrigkeitenanzeigen, Bet\u00e4ubungsmittel-(BtM-) Sicher\u00adstellungen und unerlaubte Einreisen auf. Anders als im BGS-Bericht sind f\u00fcr Sachsen zu allen Datenkategorien zudem die Anzahl der betroffenen ausl\u00e4ndischen Staatsangeh\u00f6rigen angegeben.<\/p>\n<p>Vergleicht man die erhobenen Daten mit dem Zweck der Evaluationen, stellt sich bei den s\u00e4chsischen Berichten die Frage, wie die Wirksamkeit der Schleierfahndung \u00fcberhaupt \u00fcberpr\u00fcft werden soll. Zur Erinnerung: Alleiniger Zweck der verdachtsunabh\u00e4ngigen Kontrollen ist nach s\u00e4chsischem Polizeigesetz die \u201evorbeugende Bek\u00e4mpfung der grenz\u00ad\u00fcberschreitenden Kriminalit\u00e4t\u201c. Die Berichte erfassen aber weder, welche Straftaten bei den Kontrollen zur Anzeige gebracht werden, noch ob sie in irgendeiner Weise grenz\u00fcberschreitend sind. Es wird lediglich die Anzahl der Strafanzeigen gez\u00e4hlt. Auch der Umstand, dass die Berichte ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige gesondert ausweisen, behebt den Mangel nicht. Bei der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) k\u00e4me letztlich auch niemand auf die Idee, bei allen ausl\u00e4ndischen Tatverd\u00e4chtigen von grenz\u00fcberschreitenden Kriminellen zu sprechen. Allein die in der Statistik gez\u00e4hlte \u201eUnerlaubte Einreise\u201c hat eindeutig Grenzbezug.<\/p>\n<p>Der BGS-Bericht geht \u00fcber eine reine Wirksamkeits\u00fcberpr\u00fcfung der Schleierfahndung im Sinne des Gesetzeszwecks \u2013 Verhinderung und Unterbindung der unerlaubten Einreise \u2013 hinaus. Der Gesetzgeber wollte schlie\u00dflich wissen, ob sich die Regelung insgesamt \u201ebew\u00e4hrt\u201c hat. Die Abschnitte \u00fcber das Beschwerdeaufkommen bei den Kontrollen oder die Resonanz in der (medialen) \u00d6ffentlichkeit h\u00e4tten zumindest vom Ansatz her die Chance geboten, die Eingriffseigenschaft in B\u00fcrgerrechte durch die Schleierfahndung zu dokumentieren. An dieser Stelle wird im Bericht jedoch eine \u00fcbergro\u00dfe Datenl\u00fccke deutlich, und das BMI behilft sich mit Einsch\u00e4tzungen und Mutma\u00dfungen der BGS-Pr\u00e4sidien, wie die Schleierfahndung auf Betroffene wirkt: Das Beschwerdeaufkommen sei \u201egering\u201c, das Sicherheitsgef\u00fchl der B\u00fcrger hingegen merklich gestiegen. Wie es gerade passt. Dass \u00fcber Widerspruchsverfahren, \u00dcber\u00adgriffe oder Diskriminierungen im Zusammenhang mit der Schleierfahndung gar keine Statistik gef\u00fchrt wird, best\u00e4tigte die Bundesregierung schon auf fr\u00fchere Anfragen im Bundestag.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Auch die immer wieder erhobenen Vorw\u00fcrfe wegen einer selektiven, rassistischen Kontrollpraxis versucht der Bericht nicht einmal zu widerlegen. Zur Staatsangeh\u00f6rigkeit der Kontrollierten, die wenigstens hilfsweise ein Indiz f\u00fcr die Selektivit\u00e4t sein k\u00f6nnte, gibt es ebenfalls keine Statistik.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Stattdessen diskreditiert der Bericht B\u00fcrgerrechtsgruppen wie \u201eB\u00fcrger beobachten den BGS\u201c oder das \u201eKomitee gegen amtlichen Rassismus\u201c, die mit ihren Aktionen in einigen nordrhein-westf\u00e4lischen St\u00e4dten die Kontrollen als rassistisch angeprangert haben.<\/p>\n<p>Die Datenbasis beider Berichte weist insgesamt grobe M\u00e4ngel auf, die eine umfassende Bewertung der Schleierfahndungspraxis letztlich unm\u00f6glich machen. Zu welchen Ergebnissen die Innenministerien in ihren Einsch\u00e4tzungen dennoch kommen, wird im Folgenden dargestellt und hinterfragt.<\/p>\n<h4>Ergebnisse der Schleierfahndungsberichte<\/h4>\n<p>Sowohl der BGS-Bericht als auch die s\u00e4chsischen Berichte kommen nahezu wortgleich zu der abschlie\u00dfenden Bewertung, dass die Schleierfahndung zu einem unverzichtbaren Instrument geworden sei. Begr\u00fcndet wird dies im Wesentlichen mit den statistisch belegten \u201eErfolgen\u201c hinsichtlich Fahndungstreffern und festgestellten Delikten.<\/p>\n<p>Der BGS hat in den Jahren 1999 bis 2002 insgesamt 1.185.460 Personen au\u00dferhalb des 30-km-Grenzgebietes kontrolliert und steigerte damit die Kontrollen von 1999 bis 2002 um rund 62\u00a0%.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Tab. 1: Festgestellte unerlaubte Einreisen, Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeigen durch BGS-Schleierfahndung<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"49\"><strong>Jahr<\/strong><\/td>\n<td width=\"57\"><strong>Kontrollen<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>Unerlaubte<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einreisen<\/strong><\/td>\n<td width=\"38\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<td width=\"64\"><strong>Straftaten<\/strong><\/td>\n<td width=\"38\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<td width=\"68\"><strong>Ordnungs-<\/strong><\/p>\n<p><strong>widrigkeiten<\/strong><\/td>\n<td width=\"38\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2002<\/td>\n<td width=\"57\">334.603<\/td>\n<td width=\"64\">852<\/td>\n<td width=\"38\">0,25%<\/td>\n<td width=\"64\">21.078<\/td>\n<td width=\"38\">6,30%<\/td>\n<td width=\"68\">15.752<\/td>\n<td width=\"38\">4,71%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2001<\/td>\n<td width=\"57\">310.463<\/td>\n<td width=\"64\">1.667<\/td>\n<td width=\"38\">0,54%<\/td>\n<td width=\"64\">17.330<\/td>\n<td width=\"38\">5,58%<\/td>\n<td width=\"68\">14.527<\/td>\n<td width=\"38\">4,68%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2000<\/td>\n<td width=\"57\">333.753<\/td>\n<td width=\"64\">1.893<\/td>\n<td width=\"38\">0,57%<\/td>\n<td width=\"64\">11.046<\/td>\n<td width=\"38\">3,31%<\/td>\n<td width=\"68\">8.293<\/td>\n<td width=\"38\">2,48%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">1999<\/td>\n<td width=\"57\">206.651<\/td>\n<td width=\"64\">2.377<\/td>\n<td width=\"38\">1,15%<\/td>\n<td width=\"64\">9.589<\/td>\n<td width=\"38\">4,64%<\/td>\n<td width=\"68\">6.505<\/td>\n<td width=\"38\">3,15%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">Gesamt<\/td>\n<td width=\"57\">1.185.460<\/td>\n<td width=\"64\">6.789<\/td>\n<td width=\"38\">0,57%<\/td>\n<td width=\"64\">59.043<\/td>\n<td width=\"38\">4,98%<\/td>\n<td width=\"68\">45.077<\/td>\n<td width=\"38\">3,80%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Unerlaubte Einreisen stellte der BGS in den vier Jahren lediglich in 0,57\u00a0% der F\u00e4lle (gemessen an der Zahl der Kontrollen) fest. Die Quote sank von 1,15\u00a0% im Jahr 1999 auf 0,25\u00a0% 2002. Das BMI begr\u00fcndet dies mit verbesserten Grenzkontrollen in Tschechien und Polen. Zudem gebe es f\u00fcr Rum\u00e4nen und Bulgaren seit M\u00e4rz 2001 eine EU-Visafreiheit f\u00fcr bis zu 3-monatige Aufenthalte; die bisher unerlaubte Einreise wurde also lediglich legalisiert. Wieso das BMI dieses Ergebnis als Erfolg der Schleierfahndung wertet, ist nicht nachvollziehbar. Um ein Vielfaches h\u00f6her sind hingegen die Strafanzeigen mit knapp 5\u00a0% und die festgestellten Ordnungswidrigkeiten mit 3,8\u00a0%. Tats\u00e4chliches Ergebnis der Schleierfahndung sind daher Zufallsfunde, die mit dem eigentlichen Zweck der Befugnis \u2013 unerlaubte Einreisen zu unterbinden \u2013 nichts zu tun haben. Die Schleierfahndung sei somit nicht nur ein \u201ewertvolles Instrument zur Bek\u00e4mpfung der unerlaubten Einreise sowie der Schleusungskriminalit\u00e4t\u201c, so das BMI im Fazit, sondern es w\u00fcrden auch \u201eeine Vielzahl von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, insbesondere aus dem Bereich des Ausl\u00e4nder- und Asylrechts festgestellt.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Auch hier interpretiert das BMI wieder freih\u00e4ndig, ohne seine eigene Statistik zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Tab. 2: Straf- und OWi-Anzeigen des BGS mit ausl\u00e4nderrechtlichem Bezug<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"38\"><strong>Jahr<\/strong><\/td>\n<td width=\"47\"><strong>Straf-<\/strong><\/p>\n<p><strong>anzeigen<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>AuslG<\/strong><\/td>\n<td width=\"47\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>OWi-An-<\/strong><\/p>\n<p><strong>zeigen<\/strong><\/td>\n<td width=\"47\"><strong>AuslG<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<td width=\"47\"><strong>PassG<\/strong><\/td>\n<td width=\"48\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"38\">2002<\/td>\n<td width=\"47\">21.078<\/td>\n<td width=\"48\">4.347<\/td>\n<td width=\"47\">20,62%<\/td>\n<td width=\"48\">15.752<\/td>\n<td width=\"47\">3.947<\/td>\n<td width=\"48\">25,06%<\/td>\n<td width=\"47\">42<\/td>\n<td width=\"48\">0,267%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"38\">2001<\/td>\n<td width=\"47\">17.330<\/td>\n<td width=\"48\">4.588<\/td>\n<td width=\"47\">26,47%<\/td>\n<td width=\"48\">14.527<\/td>\n<td width=\"47\">3.512<\/td>\n<td width=\"48\">24,18%<\/td>\n<td width=\"47\">55<\/td>\n<td width=\"48\">0,379%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"38\">2000<\/td>\n<td width=\"47\">11.046<\/td>\n<td width=\"48\">4.474<\/td>\n<td width=\"47\">40,50%<\/td>\n<td width=\"48\">8.293<\/td>\n<td width=\"47\">3.873<\/td>\n<td width=\"48\">46,70%<\/td>\n<td width=\"47\">126<\/td>\n<td width=\"48\">1,519%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"38\">1999<\/td>\n<td width=\"47\">9.598<\/td>\n<td width=\"48\">3.979<\/td>\n<td width=\"47\">41,46%<\/td>\n<td width=\"48\">6.505<\/td>\n<td width=\"47\">1.792<\/td>\n<td width=\"48\">27,55%<\/td>\n<td width=\"47\">10<\/td>\n<td width=\"48\">0,154%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"38\">Gesamt<\/td>\n<td width=\"47\">59.052<\/td>\n<td width=\"48\">17.388<\/td>\n<td width=\"47\">29,45%<\/td>\n<td width=\"48\">45.077<\/td>\n<td width=\"47\">13.124<\/td>\n<td width=\"48\">29,11%<\/td>\n<td width=\"47\">233<\/td>\n<td width=\"48\">0,517%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Sowohl bei den Strafanzeigen als auch bei den Ordnungswidrigkeitenanzeigen machen ausl\u00e4nderrechtliche Delikte nicht einmal 30\u00a0% aus. Im Berichtszeitraum halbiert sich der Anteil der ausl\u00e4nderrechtlichen Strafanzeigen, w\u00e4hrend sich die Anzahl aller Anzeigen mehr als verdoppelt. D.h. eine massiv gewachsene Zahl von registrierten Verst\u00f6\u00dfen \u2013 im Jahresdurchschnitt rund 70\u00a0% \u2013 stammt aus ganz anderen Bereichen, die mit den Schleierfahndungsaufgaben des BGS nichts zu tun haben.<\/p>\n<p>Welche Delikte das sind, ist in dem Bericht nur zum Teil angegeben. Bei den Strafanzeigen schlagen die angegebenen Urkunds-, BtM- und Waffendelikte zusammen mit nur knapp 6,8\u00a0% zu Buche. Unter den Ordnungswidrigkeiten fallen die Anzeigen nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung auf, die im Jahresdurchschnitt mehr als 25\u00a0% ausmachen. Darunter z\u00e4hlen z.B. Verst\u00f6\u00dfe wie T\u00fcr\u00f6ffnen vor Halt des Zuges, \u00dcberschreiten der Gleise ohne Genehmigung oder Beschmutzung von Bahnh\u00f6fen und Z\u00fcgen. Allesamt Bagatellen, die h\u00f6chstens zeigen, dass der BGS einen Gro\u00dfteil seiner Kontrollen in Z\u00fcgen und Bahnh\u00f6fen vornimmt.<\/p>\n<p>Geradezu abwegig werden die Erfolgsmeldungen, wenn es um die Bek\u00e4mpfung der \u201eSchleu\u00adsungs\u00adkriminalit\u00e4t\u201c geht. Der Bericht listet f\u00fcr die Jahre 1999-2002 724 Strafanzeigen wegen Einschleusens von Ausl\u00e4ndern (\u00a7 92a AuslG) und 34 wegen der gewerbs- und bandenm\u00e4\u00dfigen Einschleusung auf (\u00a7 92b AuslG). Bezogen auf die Summe der Kontrollen bedeutet dies eine Quote von 0,06\u00a0% bzw. 0,003\u00a0%. Der Anteil an allen Strafanzeigen liegt bei 1,23 bzw. 0,06\u00a0%. Setzt man dazu die in der PKS erfassten Schleusungen in Beziehung, zeigt sich, dass ca. 97-98\u00a0% der Schleusungen durch andere Umst\u00e4nde oder Ma\u00dfnahmen als die BGS-Schleierfahndung entdeckt werden.<\/p>\n<p>Tab. 3: Strafanzeigen wegen unerlaubter Einreise und Schleusungen \u2013 PKS und BGS-Schleierfahndung im Vergleich<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"87\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td colspan=\"3\" width=\"165\"><strong>2001<\/strong><\/td>\n<td colspan=\"3\" width=\"165\"><strong>2002<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"87\"><strong>Anzeigen wegen<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>PKS<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>BGS<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>PKS<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>BGS<\/strong><\/td>\n<td width=\"55\"><strong>Anteil<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"87\">unerl. Einreisen<\/td>\n<td width=\"55\">53.981<\/td>\n<td width=\"55\">1.667<\/td>\n<td width=\"55\">3,09%<\/td>\n<td width=\"55\">44.211<\/td>\n<td width=\"55\">852<\/td>\n<td width=\"55\">1,93%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"87\">\u00a7 92a AuslG<\/td>\n<td width=\"55\">8.210<\/td>\n<td width=\"55\">271<\/td>\n<td width=\"55\">3,30%<\/td>\n<td width=\"55\">7.004<\/td>\n<td width=\"55\">249<\/td>\n<td width=\"55\">3,56%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"87\">\u00a7 92b AuslG<\/td>\n<td width=\"55\">1.058<\/td>\n<td width=\"55\">15<\/td>\n<td width=\"55\">1,42%<\/td>\n<td width=\"55\">1.295<\/td>\n<td width=\"55\">0<\/td>\n<td width=\"55\">0,00%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"87\">Gesamt<\/td>\n<td width=\"55\">63.249<\/td>\n<td width=\"55\">1.953<\/td>\n<td width=\"55\">3,09%<\/td>\n<td width=\"55\">52.510<\/td>\n<td width=\"55\">1.101<\/td>\n<td width=\"55\">2,10%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>F\u00fcr das Aufdecken von Schleusungen und unerlaubten Einreisen ist die Schleierfahndung durch den BGS daher ohne nennenswerte Bedeutung.<\/p>\n<p>Die Auswertung der s\u00e4chsischen Schleierfahndungsberichte f\u00e4llt im Ergebnis \u00e4hnlich bescheiden aus. In den Jahren 2000 bis 2003 hat die s\u00e4chsische Polizei insgesamt 520.439 Personen kontrolliert.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Auch hier sind die entdeckten unerlaubten Einreisen mit einer \u201eTreffer\u201c-Quote von 0,3\u00a0% marginal. Wie bei den BGS-Kontrollen sank die Zahl \u00fcber den Berichtszeitraum stark: von 0,5\u00a0% auf 0,12\u00a0%; d.h. im Jahr 2003 musste die Polizei \u00fcber 800 Personen kontrollieren, bis sie einen mutma\u00dflich unerlaubt Eingereisten ergriffen hat. Bezogen auf die im Jahr 2002 in Sachsen insgesamt gez\u00e4hlten 9.533 unerlaubten Einreisen, wurden gerade einmal 2,5\u00a0% durch die Schleierfahndung aufgesp\u00fcrt. Der Anteil der eingeleiteten Strafermittlungen betr\u00e4gt im Jahresdurchschnitt lediglich 0,9\u00a0%. Auf 111 Kontrollierte kommt eine Strafanzeige. Auch in Sachsen ist die Schleierfahndung eher ein Stochern im Nebel. F\u00fcr das S\u00e4chsische Innenministerium zeigten diese Zahlen jedoch, \u201edass die verdachtsun\u00adabh\u00e4ngigen Kontrollen &#8230; bei der Bek\u00e4mpfung der grenz\u00fcberschreitenden Kriminalit\u00e4t ihre Wirkung entfalten. Insbesondere die Zahl der eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungsverfahren unterstreicht dies.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> \u201eInsbesondere\u201c h\u00e4tten sich die Kontrollen \u201eals wirksames Einsatzmittel bei der Bek\u00e4mpfung von \u201aSchleusungen\u2018 bew\u00e4hrt.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Wie bereits erl\u00e4utert, lassen die Zahlen \u2013 wegen der fehlenden Erfassung \u2013 \u00fcberhaupt keinen R\u00fcckschluss darauf zu, inwiefern es sich um grenz\u00fcberschreitende Kriminalit\u00e4t oder Schleusungen handelt.<\/p>\n<p>Tab. 4: Festgestellte unerlaubte Einreisen und Strafanzeigen bei der Schleierfahndung durch die s\u00e4chsische Polizei<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"49\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h6>Jahr<\/h6>\n<\/td>\n<td width=\"74\"><strong>kontrollierte Personen<\/strong><\/td>\n<td width=\"74\"><strong>unerlaubte<\/strong><\/p>\n<h4>Einreisen<\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"74\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h6>Anteil<\/h6>\n<\/td>\n<td width=\"74\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h6>Strafanzeigen<\/h6>\n<\/td>\n<td width=\"74\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h6>Anteil<\/h6>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2003<\/td>\n<td width=\"74\">133.529<\/td>\n<td width=\"74\">165<\/td>\n<td width=\"74\">0,12%<\/td>\n<td width=\"74\">1.186<\/td>\n<td width=\"74\">0,89%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2002<\/td>\n<td width=\"74\">127.087<\/td>\n<td width=\"74\">234<\/td>\n<td width=\"74\">0,18%<\/td>\n<td width=\"74\">1.142<\/td>\n<td width=\"74\">0,90%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2001<\/td>\n<td width=\"74\">139.684<\/td>\n<td width=\"74\">640<\/td>\n<td width=\"74\">0,46%<\/td>\n<td width=\"74\">1.290<\/td>\n<td width=\"74\">0,92%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">2000<\/td>\n<td width=\"74\">120.139<\/td>\n<td width=\"74\">596<\/td>\n<td width=\"74\">0,50%<\/td>\n<td width=\"74\">1.052<\/td>\n<td width=\"74\">0,88%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"49\">Summe<\/td>\n<td width=\"74\">520.439<\/td>\n<td width=\"74\">1.635<\/td>\n<td width=\"74\">0,31%<\/td>\n<td width=\"74\">4.670<\/td>\n<td width=\"74\">0,90%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Sinkende Zahlen z.B. bei den festgestellten unerlaubten Einreisen begr\u00fcndet das Innenministerium mit einem \u201eAbschreckungseffekt\u201c. Steigende Zahlen belegten hingegen die Effizienz der Kontrollen. Die Schleierfahndung ist damit aus s\u00e4chsischer Sicht immer ein Erfolg. Einen Verdr\u00e4ngungseffekt nimmt das Ministerium dabei bewusst in Kauf, da er \u201ezumindest zu keiner Belastung der s\u00e4chsischen Bev\u00f6lkerung durch Folgekriminalit\u00e4t f\u00fchrt!\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> (Ausrufungszeichen im Original)<\/p>\n<p>Die Aussagekraft der Statistiken f\u00fcr eine Wirksamkeitspr\u00fcfung ist im Ergebnis denkbar gering; die wenigen greifbaren Resultate deuten eher auf die Nutzlosigkeit der Schleierfahndung hin. Wegen der Erfassung der ausl\u00e4ndischen Staatsangeh\u00f6rigen bieten die s\u00e4chsischen Berichte jedoch noch weitere Interpretationsm\u00f6glichkeiten. Es l\u00e4sst sich zumindest ablesen, in welchem Ma\u00dfe Nicht-Deutsche von der Schleierfahndung und insbesondere von den Folgema\u00dfnahmen betroffen sind.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Unter den 520.439 kontrollierten Personen wurden 115.217 ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige gez\u00e4hlt; von den 353.864 \u00fcberpr\u00fcften Kfz waren 78.164 im Ausland zugelassen. Beide Anteile liegen damit bei rund 22\u00a0%. Betrachtet man vergleichend dazu den Ausl\u00e4nderanteil an den \u201eFolgema\u00dfnahmen\u201c wie Freiheitsentziehungen, Durchsuchungen, Sicherstellungen, Strafanzeigen etc., zeigt sich, dass Ausl\u00e4nderInnen \u00fcberproportional h\u00e4ufig betroffen sind: Knapp ein Drittel der Personen, \u201edie zu Folgema\u00dfnahmen Anlass gaben\u201c, waren Ausl\u00e4nderInnen. Am deutlichsten wird dies bei den Festnahmen bzw. Gewahrsamnahmen: Von den insgesamt 3.693 Freiheitsentziehungen richteten sich 2.406 gegen Nicht-Deutsche; das sind fast zwei Drittel. Eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist allein anhand der Daten nicht m\u00f6glich. Hier gilt ebenso wie f\u00fcr die PKS, dass die Zahlen eine Arbeitsstatistik der Polizei darstellen und nicht etwa die Wirklichkeit im Hinblick auf Kriminalit\u00e4t oder andere Gefahrenlagen abbilden. Zu \u00fcberpr\u00fcfen w\u00e4re daher z.B., inwiefern hier ethnische Vorurteile zu einer Selektivit\u00e4t bei der Strafverfolgung und Gefahrenabwehr f\u00fchren.<\/p>\n<h4>Kaum Hoffnung auf Besserung<\/h4>\n<p>Die Auswertung der vorliegenden Evaluationsberichte zur Schleierfahndung zeigt deutlich: Bereits vom Ansatz her gelingt es den Evaluationen nicht, den \u201eErfolg\u201c der Befugnis nachvollziehbar darzustellen. Entweder wurden die daf\u00fcr notwendigen Daten gar nicht erhoben, oder vorhandene werden losgel\u00f6st von ihrer Aussage als \u201eErfolg\u201c f\u00fcr die Schleierfahndung uminterpretiert. Das Eigeninteresse der Polizeien und Innenministerien ist dabei unverkennbar: Einmal erlangte Befugnisse sollen nicht zur\u00fcckgenommen werden. Die \u201eSchein-Evaluationen\u201c dienen damit ausschlie\u00dflich der Legitimierung der polizeilichen Praxis.<\/p>\n<p>Um tats\u00e4chlich etwas \u00fcber die Praxis verdachtsunabh\u00e4ngiger Kontrollen, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen zu erfahren, taugen die Berichte jedenfalls nicht. Offenbar ist dies auch nicht gewollt, k\u00f6nnte doch anderenfalls der Nutzen derartiger Kontrollm\u00f6glichkeiten massiv in Frage gestellt werden. Genau dies haben Berlins Innensenator Ehrhart K\u00f6rting (SPD) und Polizeipr\u00e4sident Dieter Glietsch jetzt getan: In Berlin sei bei lageabh\u00e4ngigen Kontrollen kein einziger einschl\u00e4giger Erfolg erzielt worden. \u201eAuf die Schleierfahndung kann daher verzichtet werden\u201c, lautet ihr Fazit.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Verzichten will der s\u00e4chsische Gesetzgeber k\u00fcnftig nicht auf die Schleierfahndung, sondern auf die Berichtspflicht. Im Gesetzentwurf der CDU-Fraktion zur \u00c4nderung des s\u00e4chsischen Polizeigesetzes sind sowohl die Befristung als auch die Berichtspflicht gestrichen.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Letztere k\u00f6nne entfallen, da der Verfassungsgerichtshof sie in seinem Urteil zur Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Schleierfahndung \u201enicht als unabdingbar herausgestellt\u201c habe.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Die dort geforderten vorab zu dokumentierenden Lageerkenntnisse und polizeibeh\u00f6rdlichen Konzepte f\u00fcr Kontrollen au\u00dferhalb des 30-km-Bereichs gen\u00fcgten zum Schutz der Grundrechte, so die CDU. Der \u00f6ffentlichen Kontrolle wird die Schleierfahndung damit k\u00fcnftig komplett entzogen sein. Denn: \u201eEs ist aus rechtlichen Gr\u00fcnden nicht geboten und aus polizeitaktischen Gr\u00fcnden nicht sachdienlich, polizeibeh\u00f6rdliche Konzepte und Lageerkenntnisse \u00f6ffentlich zu machen,\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> teilte Innenminister Horst Rasch bereits mit.<\/p>\n<p>Der Bundestag hat im Dezember vergangenen Jahres die BGS-Schleierfahndung ebenfalls verl\u00e4ngert. Vor dem Hintergrund der EU-Ost-Erweiterung hat er sie mit einer neuen Frist bis zum 30.6.2007 versehen. Eine Evaluierung ist nun auch gesetzlich vorgeschrieben. Sie soll \u2013 nach den Vorstellungen des gr\u00fcnen Koalitionspartners \u2013 aufschl\u00fcsseln, wie viele Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden, f\u00fcr die der BGS zust\u00e4ndig ist, wie viele \u201eZufallstreffer\u201c es gab und inwiefern die Kontrollen auf konkreten Lagebildern beruhten. Daneben sollen die Anzahl der Beschwerden, die negativen Auswirkungen auf Reisende (z.B. Reiseunterbrechungen, weil der\/die Kontrollierte keine Ausweisdokumente bei sich hatte) sowie Zeit- und Personaleinsatz erfasst werden.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Von einer unabh\u00e4ngigen, wissenschaftlichen Evaluation ist hier wieder nicht die Rede. Auch die Selektivit\u00e4t der Kontrollen l\u00e4sst sich so nicht untersuchen. Daf\u00fcr m\u00fcsste man sozialwissenschaftliche Methoden anwenden, deren Ergebnisse h\u00f6chst unbequem ausfallen k\u00f6nnten. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass auch der n\u00e4chste Bericht ein polizeilicher Selbsterfahrungsbericht zum Zwecke der Befugnissicherung sein wird.<\/p>\n<h5>Martina Kant ist Politologin und Redakteurin von B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP.<\/h5>\n<h6><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bundesministerium des Innern: Erfahrungsbericht zu \u00a7 22 Abs. 1a BGSG v. 3.9.2003<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a7 19 Abs. 1a des Polizeigesetzes des Freistaates Sachsen<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/3264 v. 4.1.2001, 3\/5330 v. 22.11.2001, 3\/8946 v. 5.8.2003, 3\/10031 v. 13.1.2004. Die Berichte umfassen den Zeitraum 1.7.1999 bis 30.6.2003.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 2\/7794 v. 15.1.1998, S. 17<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 BT-Drs. 13\/11159 v. 23.6.1998, S. 6<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 BT-PlProt. 13\/245 v. 25.6.1998, S. 22828 (Redebeitrag Stadler, FDP)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 BT-Drs. 14\/3990 v. 14.8.2000, S. 5<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 BT-Drs. 14\/3990 v. 14.8.2000, S. 4<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ebd., S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0\u00a0 Alle im Folgendenden genannten Zahlen f\u00fcr den BGS entstammen dem Erfahrungsbericht des BMI a.a.O. (Fn. 1).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 BMI a.a.O. (Fn. 1), S. 10<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0\u00a0 Soweit nicht anders angegeben entstammen die Zahlen zu Sachsen aus den Berichten des S\u00e4chsischen StMI a.a.O. (Fn. 3).<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/3264 v. 4.1.2001, S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/8946 v. 5.8.2003, S. 4<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/3264\u00a0v. 4.1.2001, S. 4<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0\u00a0 s. hierzu ausf\u00fchrlicher: Kant, M.: Verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollen, in: B\u00fcrgerrechte &amp; Polizei\/CILIP 65 (1\/2000), S. 29-35 (30 f.)<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0\u00a0 zit. n. die tageszeitung v. 11.3.2004<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/9231 v. 18.9.2003<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0\u00a0 Sachsen, Verfassungsgerichtshof: Urteil v. 10.7.2003, Az.: Vf. 43-II-00, www.justiz. sachsen.de\/gerichte\/homepages\/verfg\/docs\/43-II-00A.rtf; Der VGH sieht die Berichtspflicht sehr wohl als Verfahrensvorkehrung, um die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zu wahren, sie reiche allein jedoch nicht aus.<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0 Sachsen, LT-Drs. 3\/9264 v. 24.10.2003, S. 3<\/h6>\n<h6><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0\u00a0 B\u00fcndnis 90\/DIE GR\u00dcNEN: Pressemitteilung v. 10.12.2003<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martina Kant Evaluationen sind sp\u00e4testens seit der PISA-Studie in aller Munde. 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